Kapitel 11

Panik!

Heiliger Hauself.

Er wusste nicht, ob es möglich war, Verstand und Würde in einem Satz zu verlieren, aber er nahm an, das hatte er gerade erreicht. Und wie sie ihn ansah! Merlin – wie sie ihn ansah! So konnte man doch niemanden wirklich ansehen! Und was war eigentlich sein Plan? Hatte er überhaupt einen Plan? Schlug er gerade Granger vor, seine Mätresse zu sein? Oder so etwas? Denn etwas anderes könnte sie nicht sein!

Und – das wollte er eigentlich gar nicht. Sein Kopf war ihm um einiges voraus. Oder war es sein Körper? Was passierte denn gerade, verflucht?

Oh, er wusste genau, was passiert war. Er hatte sich mit Lucius gestritten, hatte dem Teller nicht rechtzeitig ausweichen können, den Narzissa nach ihm geworfen hatte, und hatte deswegen eine Schramme am Arm. Alles nur, weil er beschlossen hatte, den Fall nicht wie ein Arschloch zu behandeln und Bellatrix tatsächlich auch noch nach ihrem Tod zu bestrafen. Er hatte Lucius gesagt, er hatte bereits angefangen zu arbeiten, hatte den Familienfall aufgegriffen und wäre bereit, Buße zu tun.

Dafür hatte es einen saftigen Anschiss gegeben. Lucius hätte ihn bestimmt K.O. geprügelt, wäre ihm Narzissa mit dem Familiengeschirr nicht zuvor gekommen. Jetzt war er bis spät hier geblieben, weil er jetzt noch weniger Nerven hatte nach Hause zu apparieren. Nicht, dass ihm seine Eltern irgendeine Entscheidung verbieten konnten. Das würde er nur zu gerne sehen, aber es machte ihn krank, in dem Haus zu sein, wenn er wusste, dass es möglich wäre, dass Narzissa ihn im Schlaf erwürgen würde.

Und anscheinend war die logische Konsequenz aus seinem Familiendrama lediglich diese, einen kompletten Idioten aus sich zu machen, indem er Grange fragte, ob sie Lust auf ihn hatte? Wie viele Vorlagen beinhaltete dieser Satz allein? Erst mal stellte er damit in Aussicht, dass er Lust auf sie hatte. Das war aber relativ offensichtlich, beachtete er den Punkt, dass er nicht aufhören konnte, sie Schlammblut zu nennen, obwohl er sie heute Nachmittag bereits mit einer Millionen Galleonen betitelt hatte – nahezu, ohne weiter darüber nachzudenken.

Dann kam hinzu, dass er wusste, wie sie in Unterwäsche aussah, dass Blaise kein Interesse mehr an der Jagd nach Frauen hatte, dass Pansy ebenfalls zu einer mechanischen Frau geworden war und er keine Lust hatte, mit Goyle darüber zu sprechen.

Und Merlin, sie sah ihn immer noch an.

Er war müde. Sein Ende spitzte sich zu. Wahrscheinlich startete er gerade den erbärmlichen Versuch, noch ein Abenteuer zu haben. Oder irgendwas. Jetzt, wo er verrückt geworden war, und sogar den Weasley-Wichsern Gold zuschanzen wollte. Salazar, was war nur passiert? Und wieso blieb er ruhig dabei? Wahrscheinlich, weil es nichts gab, was er jetzt noch verlieren konnte. Absolut gar nichts mehr. Außerdem stand auch nichts auf dem Spiel. Er war vollkommen abgesichert. Er hatte sein Zuhause, seinen Job, sein Erbe, seine Frau, sein Testament.

Er wusste, er würde in zehn Monaten einen Sohn bekommen und…

Er würde einen Sohn bekommen. Selbst sein Sohn war bereits im Testament eingetragen. Oh…. Und zum ersten Mal fühlte er es. Zum ersten Mal passierte das, woran er noch nicht gedacht hatte. Er spürte ein Gefühl in seinen Händen. Irgendwas funktionierte nicht mehr. Irgendwas stimmte nicht. Die Dokumente glitten ihm einfach aus den Fingern, fielen auf den Boden, denn seine Finger waren kalt und steif geworden.

Nicht nur stand er im Testament.

Nein.

„Er… heißt Scorpius. Dabei ist er noch nicht mal… da", sagte er merklich tonlos, ohne einen speziellen Punkt zu fixieren. Plötzlich sah er Schlieren vor den Augen. Punkte. Weiße, schwarze – und sie waren überall. Und dann wurde ihm die Luft zum Atmen knapp. Verflucht knapp! Als wäre er unter Wasser geraten und fände den Weg an die Oberfläche nicht mehr.

Doch bevor er fiel, hatte sie ihn gehalten. Sie zerrte ihn zur Wand.

„- musst atmen, hörst du?", rief ihre Stimme, dumpf, wie durch Glas. Er schüttelte benommen den Kopf. „Hier!" Sie drückte seinen Rücken runter. „Kopf zwischen die Beine und atmen. Dein Blut muss zurück in deinen Kopf." Sie klang streng. Das half. Er atmete langsam ein. Und wieder aus. Er hatte nicht mal mehr Lust, ihr zu widersprechen. Obwohl Lust das falsche Wort wäre.

Er war physisch gerade nicht in der Lage. Vielleicht gleich….

Er atmete, bis er spürte, dass die Übelkeit, die in ihm aufgestiegen war, abklang.

„Fuck", murmelte er, als er langsam an der Wand hinab glitt und auf dem kalten Boden saß.

„Alles… klar?", fragte sie und hockte sich neben ihn. Er hob unwillig den Blick.

„Du verstehst gar nichts. Du solltest besser gehen." Er hatte gar nichts sagen wollen. Die Worte kamen einfach. Und er sah, wie sie sich tatsächlich Sorgen machte. Nicht genug, um es laut zu sagen, aber er sah es tatsächlich in ihren Augen. Es war der Potter-Blick. Ein Blick, den er niemals bekommen wollte. Das Bedürfnis anderen zu helfen hatte er nicht. Und er wollte auch keine Hilfe von anderen.

Seine Gedanken glitten nur ganz kurz zurück zum Testament, und schon wieder schloss er fluchend die Augen.

„Was passiert gerade?", verlangte sie zu wissen, und er spürte, wie sie ihn an den Schultern schüttelte.

„Überall Schlamm, pass auf. Du ruinierst mir noch den Umhang", murmelte er mit geschlossenen Augen.

„Oh ha ha. Wirklich witzig, du Arschloch!" Sie schüttelte ihn heftiger, und er öffnete die Augen wieder. „Du hast eine Panikattacke", informierte sie ihn geflissentlich. Wieder der Potter-Blick.

„Granger, vielen Dank, aber das weiß ich selber", knurrte er und rieb sich die Schläfen. Sie hockte immer noch vor ihm.

„Ich kenne einen Zauber, der-"

„Ich kenne selber genug Zauber, verflucht!" Ja, er würde zwar keinen mehr auf die Reihe kriegen, aber kennen tat er sie auch. Dachte sie, er wäre dumm? Oder unfähig? Nein, verdammt. Sie bewegte sich nicht.

„Willst du… darüber reden?" Sie klang immerhin eine Spur angewidert. Das war doch schon mal was. Fast konnte er darüber lächeln. Fast.

„Nein, bestimmt nicht. Du bist nur ein Schlammblut", erklärte er, und plötzlich war er sehr müde.

„Ich glaube, du hast langsam die hundert voll", bemerkte sie kalt.

„Die Hundert?"

„Die hundert Mal das Wort Schlammblut sagen", erklärte sie schließlich.

„Meinst du? Ich glaube nicht. Das hatte ich vergessen. Wenn es darum geht, ich habe Millionen, die ich dafür ausgeben könnte, dich Schlammblut zu nennen. Tagelang", fügte er rau hinzu und musste wieder die Augen schließen. Er gab es verflucht ungern zu, aber mit ihr zu streiten, lenkte ihn tatsächlich ab. Lenkte ihn ab, davon, ohnmächtig zu werden, weil ihm klar geworden war, dass er gar nichts mehr tun konnte! Sein Leben war vorbei, denn jetzt fiel alles in das geplante Muster.

„Ja. Oder mir Schadensersatz dafür zu zahlen, dass deine Tante mich gefoltert hat. Oder um mich auf einen Drink einzuladen, weil du ein gottverdammtes Arschloch bist." Sie hatte sich in einer schnellen Bewegung erhoben. „Ich hoffe persönlich wirklich, dass du hier auf der Straße stirbst, Malfoy."

Und er hatte sie verletzt. Er wusste nicht, dass er dazu überhaupt fähig war.

Er atmete zornig aus. Sie hatte sich schon abgewandt. Er wusste, er würde so schnell nicht auf die Beine kommen, um ihr nachzulaufen. Er wollte es auch gar nicht. Aber jetzt gerade wollte er nicht testen, ob sie es wirklich tat, und apparierte, ihn hier zurückließ, ohne dass er sich tatsächlich bewegen konnte!

„Mein Sohn", rief er also mit rauer Stimme, „heißt Scorpius. Er wird im September geboren, bekommt das Sparbuch, was seit zwanzig Jahren angelegt ist und den Westflügel des Hauses."

Und sie hielt inne. Ihm wurde wieder etwas schwindelig, und er senkte hastig den Kopf.

„Na und? Das wusstest du doch."

„Jaah", bestätigte er langsam, ohne aufzusehen. „Aber ich kann es nicht ändern."

„Wieso solltest du das auch wollen?", fuhr sie geschäftig fort, kniete sich wieder vor ihn und ergriff sein Handgelenk. Er zuckte nicht mal zusammen. Sie nahm seinen Puls stellte er fest. Auf muggelweise. „Er ist hoch", sagte sie nach einer Weile. „Das Mungo liegt nicht weit-"

„Vergiss es", unterbrach er sie und würde nach Hause laufen, wenn es sein musste. Er machte Anstalten aufzustehen, aber sie drückte ihn zurück.

„Nein. Das wäre gefährlich. Und unsinnig und stolz. Und sowas von bescheuert, Malfoy!" Sie war wieder wütend. Und gereizt sah sie ihn an. Anscheinend wollte sie gehen. Und gleichzeitig nicht. „Und jetzt hast du auf einmal ein Problem? Du wusstest das alles seit Jahren!"

„Ja und? Denkst du, das macht es… besser?" Ihm fiel kein anderes Wort ein.

„Und jetzt?", fragte sie böse, und er zuckte die Achseln.

„Nichts."

„Aha."

„Ja."

Er sah sie an. Und sie sah ihn an. Nur wusste er, dass sie ihn verurteilte. Er verurteilte sie auch, aber für was, das hatte er gerade vergessen. Es würde ihm schon wieder einfallen.

„Wolltest du mich einladen, weil du Panik hast?", fragte sie, und er atmete langsam ein und wieder aus.

„Wer sagt, dass ich für dich bezahlt hätte?", wollte er wissen, und wieder erhob sie sich wütend. Diesmal griff er nach ihrem Arm. „Könntest du… noch kurz… bleiben?" Die Worte ließen seine Übelkeit wieder erwachen. Merlin, er war erbärmlich! Er war… oh nein! Nein, das würde er nicht zulassen! Eher starb er hier auf der Straße, als auch nur eine Sekunde lang zu denken, er wäre Lucius!

Hastig ließ er ihren Arm los, ließ sie nicht sprechen und hievte sich nach oben. Schnell hatte sie ihn festgehalten.

„Willst du dich mit voller Absicht in die Bewusstlosigkeit bringen, du Idiot?", zischte sie panisch unter seinem Gewicht, was sie leider stützen musste, würde sie nicht wollen, dass er nach vorne schlug.

„Ja, Granger", murmelte er abwesend und schloss die Augen.

„Hör zu, ich wohne hier um die Ecke", erklärte sie ächzend.

„Du… was…?"

„Du kannst hier nicht sitzen bleiben. Und ich trage dich nicht ins Mungo. Und dorthin apparieren mit deinem Gewicht ist für mich zu weit!", beschwerte sie sich.

„Wieso lässt du mich nicht in Ruhe?", erwiderte er matt.

„Du wolltest doch, dass ich bleibe!", schrie sie ihn an, und es dröhnte in seinen Ohren.

„Und du tust, was ich dir sage?", murmelte er lächelnd, als sein Kopf nach vorne auf ihre Schulter sank.

„Oh Merlin, noch mal! Malfoy, komm schon!", flehte sie, als sie unter seinem Gewicht einknickte.

„Ok", sagte er nur. Und wusste schon nicht mal mehr, zu was er Ok gesagt hatte!

Aber er spürte, wie sie etwas hervor holte. Dann wurde sein Körper zurückgezogen. Magisch hielt sie ihn aufrecht. Er öffnete träge die Augen. Sie sammelte seine Papiere ein, hakte sich bei ihm unter, und bevor er begriff, dass sie apparierte, wurde ihm schwarz vor Augen.

Kein guter Abgang, war alles, was er denken konnte.

Es war laut im Krankenflügel.

„Ich verstehe nicht, wieso du ihn hierherbringen musstest. Hat er kein Zuhause?", hörte er eine strenge Stimme.

„Mum, ich hab dir gesagt, dass ich keine Zeit hatte, darüber nachzudenken!", sagte eine andere Stimme, die er kannte.

„Oh, und jetzt haben wir einen Todesser im Gästezimmer? Damit soll ich mich jetzt einverstanden erklären? Kommt gleich seine Sippe und bringt uns um? Oder belegst du uns vorher wieder mit einem Vergessenszauber und verschiffst uns ans andere Ende der Welt?"

Er blinzelte träge. „Mum, wie wäre es, wenn wir später darüber reden und du Tee aufsetzen würdest?"

„Du weißt, dass er kein Umgang für dich ist, Hermine?"

„Her-mine", krächzte er verwirrt. Beide Stimmen schwiegen abrupt. Was für ein seltsamer Name. Er hatte ihn vorher noch nie gehört. Noch nie! Hatte er ihn gerade laut ausgesprochen? Wer hieß noch mal so…? Hermine Irgendwas… Was war es?! Hermine Danger?

„Ich glaube, dein Bekannter wird wach", sagte die indignierte Stimme wieder. „Dann lebt er anscheinend noch und kann ja wieder gehen!"

„Mum, geh. Bitte. Ich prüfe seine Vitalfunktionen, und wenn alles gut ist, dann kann er gehen, ja", murmelte sie, und er öffnete die Augen. Hermine Granger. So hieß sie. Er hatte keine Ahnung, warum er hier war, warum sie hier war und wo er überhaupt war!

„Hatten wir Sex?", flüsterte er panisch und malte sich bereits das Schlimmste aus. „Wo ist Potter?", fügte er hastig hinzu, setzte sich auf und suchte den Krankenflügel ab.

Das… war nicht der Krankenflügel. Er schloss die Augen, denn kurz war ihm schwindelig.

„Nein, so verlockend es auch war, deinen schlaffen Körper durch die Nacht zu schleppen, wir hatten keinen Sex, Malfoy", erklärte sie böse. Er musste kurz nachdenken. „Und Harry ist arbeiten", fügte sie knapp hinzu. Ihre Hand legte sich plötzlich auf seine Stirn. Er zuckte zusammen.

„Du fasst mich an", stellte er fest. Sie verdrehte die Augen. Das bekam er noch mit als er seine wieder öffnete.

„Du bist ein Arschloch. Anscheinend ist alles wieder ok. Du solltest deinen Eltern Bescheid geben, die machen sich bestimmt schon Sorgen." Er wusste zwar nicht, wo er war, aber das hielt er für eine Unmöglichkeit. Selbst wenn ihn die Hölle für immer verschluckt hätte, würden weder Lucius noch Narzissa das kleinste Gefühl von Sorge verspüren. Er lachte also auf.

„Ha ha. Ich denke Lachen ist auch eine Medizin." Ihm ging auf, dass er wohl bei ihr sein musste. „Deine… Mutter mag mich nicht", fügte er schließlich hinzu, als sein Gehirn wieder ansprang.

„Ich mag dich auch nicht. Es liegt in der Familie", erklärte sie, als sie seinen Puls nahm und schließlich mit dem Zauberstab in seine Augen leuchtete. „Sieht gut aus."

„Danke. Wusste ich allerdings schon." Sie sah ihn an. Dann verstand sie.

„Anscheinend geht es dir gut. Schlechte Scherze und Arroganz sind ein gutes Zeichen."

Er wusste nichts darauf zu sagen. Ihm war eigentlich nicht nach Scherzen zumute. Er sah sich langsam um. Neben dem relativ schmalen und schlichten Bett stand ein Nachtisch. Dort lagen die Unterlagen, die er gestern noch mitgenommen hatte, sein Zauberstab, und dort stand ein hohes Glas Wasser. Daneben war ein Hocker, auf dem lagen seine Sachen, sein Umhang und davor standen seine Schuhe.

… was?

Sie hatte ihn ausgezogen, ging ihm auf. Er sah sie wieder an. Dann sah er an sich herab. Sie stand vor ihm und wirkte unentschlossen.

„Du hast mich ausgezogen?"

„Ich dachte, es wäre unbequem, wenn du… in diesen Sachen schlafen würdest." Er wusste nicht, ob sie seine Kleidung verurteilte, weil sie teuer war oder… weil es eben einfach seine Kleidung war.

„Du hast mich ausgezogen", wiederholte er schließlich.

„Merlin, ja! Entschuldige, dass ich ein netter Mensch bin!" Eigentlich ging es ihm eher darum, dass sie dann eventuell auch seinen Unterarm hatte sehen können. Normalerweise machte es ihm nichts aus. Nicht, dass es ihn unbedingt störte, aber das Mal war teilweise noch vorhanden. Mit den Jahren war es verblasst. An einigen Stellen war es fast schon verschwunden. Das lag wohl daran, dass Voldemort damals ein Teil von sich selbst, in das Mal eingebunden hatte. Und mit jedem Jahr, das nach seinem Tod verstrich, verschwand ein winziger Teil des Mals. Er nahm an, in einigen Jahren wäre es vollständig verschwunden.

Er betrachtete wieder das Zimmer. Es hingen Bilder an den Wänden, Plakate mit Aufschriften, die ihm nichts sagten. Daneben hingen auch eingerahmte Urkunden, die Titulierungen bescheinigten, die ihm noch weniger sagten.

Dr. med. Ian Granger

D-R-M-E-D? Er wusste nicht, wofür die Abkürzung stand, nahm aber an, Ian Granger dürfte ihr Vater sein. Von einem anderen Plakat starrten ihn vier ältere Herren an. Es war nicht verzaubert, also standen sie still. Einer hatte besonders volle Lippen. Er schätzte diese Herren auf sechzig, wenn nicht älter. Anscheinend waren sie am 21. Dezember vor drei Jahren in Liverpool gewesen.

Und es handelte sich um so genannte Rolling Stones. Er runzelte die Stirn. Steine, die rollten. Das klang nicht spannend. Aber Muggel schienen generell langweilig zu sein.

„Was?", wollte sie gereizt wissen, aber er schüttelte den Kopf. „Hast du… hast du Hunger?", fragte sie schließlich etwas ruhiger.

„Hunger?", wiederholte er, denn daran hatte er nicht gedacht.

„Ja. Du liegst hier schließlich die gesamte Nacht, und ich habe keine Ahnung, wann du das letzte Mal gegessen hast." Fast musste er grinsen. Fürsorge stand ihr besonders gut. Sie verdrehte wieder die Augen. „Nicht, dass es wichtig für mich ist. Aber wie gesagt, ich bin ein-"

„Guter Mensch", beendete er den Satz für sie. „Im Gegensatz zu mir, soll das heißen?", erkundigte er sich, während er die Decke zurückschlug. So ungern er Zuhause war, im Hause der Grangers war er um einiges ungerner.

„Also?"

„Was ist das? Das Granger-Privatgefängnis?", wollte er lachend wissen und musste husten.

„Sie können also wieder stehen?" Die Frau, die er im Ministerium getroffen hatte, sah ihn bitterböse an, auf den Händen ein Tablett mit frischem Brot, Saft, Tee und Aufschnitt. Und plötzlich knurrte sein Magen doch erheblich laut. Ja, verflucht. Er hatte Hunger.

„Ja", bestätigte er, während sie das Tablett vor ihm auf der Bettdecke absetzte.

„Sie haben Glück, dass meine Tochter nicht nachtragend ist. Malfoy war Ihr Name?", fügte sie kühl hinzu.

„Draco Malfoy, ja", erklärte er eilig, während ihm das Wasser im Mund zusammenlief. Und Granger war nicht nachtragend? Merlin, das sah er anders!

„Hermine, wir müssen los." Damit schritt Mrs Granger zu einem Schrank, der auf der anderen Seite des Zimmers stand, öffnete eine Tür und nahm zwei weiße Umhänge von einem Haken. Bei näherem Hinsehen erkannte er, dass es keine Umhänge waren, sondern… lange Mäntel? Aber aus sehr dünnem Stoff. Die Frau zog einen über. Dr. med. Granger. Schon wieder las er diese Abkürzung. Anscheinend war es eine Uniform, die diese Muggel auf ihrer Arbeit tragen mussten. „Wenn wir wieder kommen kann ich doch annehmen, dass… Mr Malfoy hier uns verlassen haben wird?" Es war nicht wirklich eine Frage. Und er kannte sich mit Höflichkeiten gut genug aus, um zu hören, wie wenig er hier willkommen war.

„Ja. Mum", sagte Granger peinlich berührt. Mrs Granger schenkte ihm noch einen unterkühlten Blick. Dann verließ sie das Zimmer. „Wenn du vom Kamin aus deine Eltern-", begann sie wieder, aber er setzte sich zurück aufs Bett und begann sich eine Tasse Tee einzuschenken.

„Granger, wenn ich mich dazu entschließen würde, in Texas zu arbeiten, eine Hippogreifzucht zu kaufen und mich dem Herrenhaus nur noch auf fünfzehn Meilen gegen den Wind nähern wollte, wäre es Lucius und Narzissa immer noch vollkommen gleichgültig, solange ich nur in zwei Wochen kurz zu meiner Hochzeit auftauche." Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme in bittere Tiefen abrutschte. Granger sah ihn an.

„Das… tut mir leid. Das muss eine schlimme Verbindung zu deinen Eltern sein." Er hatte gedacht, sie würde sonst was daran kritisieren, aber… sie bemitleidete ihn, weil seine Eltern sich einen Scheiß scherten?

Seltsam. Das war wirklich… seltsam.