Kapitel 15

Change in Plans

Sie hatte sich dazu bereit erklärt, mit Ginny einen Tee zu trinken. Und Ginny hatte sich entschuldigt. Und Hermine hatte akzeptiert. Und jetzt war sie wieder voll involviert.

Und sie wusste nicht, ob es gut oder eher schlecht war.

„Eine Begleitung?", fragte Ginny jetzt. „Soll ich Ron für dich fragen?"

Hermines Mund verzog sich kurz.

„Nein."

„George?"

„Nein."

„Vielleicht Percy, aber er-"

„Ginny, hör auf, mir deine Brüder anzubieten!", rief Hermine wütend aus. „Ich komme allein."

„Du kannst nicht allein kommen!"

„Vielleicht finde ich noch wen." Und eigentlich würde sie Ron fragen müssen, denn an wen anders konnte sie nicht wirklich denken.

„Wen?" Ginny war lästig. Und würde sie wieder ihre Fehler aufzeigen, wäre Hermine weg! Definitiv weg.

„Mit wem kommt Luna?"

„Mit Neville", sagte Ginny schnell. Sie sah sich in der Kantine des Ministeriums um. Etwas hielt ihren Blick wohl gefangen. Hermine folgte ihrem Blick unwillig. Ginny sah Malfoy nach, als er aus der Kantine verschwand. Es schauderte sie, wenn sie daran denken musste, ihm seine Unterlagen gebracht zu haben. Und die Lüge, die sie Ginny dazu hatte erzählen müssen. „Er sieht dich an", fügte Ginny leiser hinzu. Hermine sah Malfoy nach, der den Blick überhaupt noch nicht an sie gerichtet hatte. „Nein, Zabini", flüsterte Ginny mit einem sehr plötzlichen Lächeln.

Hermine runzelte die Stirn und wandte den Blick nach links.

Tatsächlich. Er nickte allerdings nur und blickte dann wieder hinab in seinen Tee.

„Anscheinend streiten sich Reinblüter auch", merkte Ginny an.

„Ja, und nicht zu selten", warf ihr Hermine vor.

„Oh, Hermine, ich meine es nur gut. Ich will nur nicht, dass du allein den Gang entlang schreiten musst. Das kannst du auf deiner eigene Hochzeit gerne tun, aber bitte nicht auf meiner!"

„Wenn ich auf meiner eigenen Hochzeit allein den Gang entlang schreite, dann habe ich wohl was falsch gemacht, oder?", knurrte Hermine ärgerlich. Ginny lächelte.

„Also Ron?"

„Ja, meinetwegen Ron", gab Hermine schließlich nach. „Hat Harry erzählt, wie es war? Auf diesem Treffen?" Hermine hatte eigentlich gar nicht fragen wollen, aber es interessierte sie dennoch.

„Ich habe nur kurz mit ihm gesprochen. Er ist unten im Kampftraining. Aber ich glaube, es lief nicht besonders gut." Ginny schien traurig darüber zu sein.

„Ginny, wenn du unbedingt in diesen Club willst, werden sie nicht nein sagen. Vor allem nicht zu Harry Potter." Hermine hatte beschlossen, einen Hauch Verständnis zu zeigen. Nur einen Hauch.

„Harry sagt, das wird nur stattfinden, wenn Muggel zugelassen sind."

„Oh", erwiderte Hermine überrascht. Ginny lächelte.

„Und die Chancen stehen wohl gut. Ich wusste nicht, dass Harry so einen großen Einfluss hat." Ginny schien wieder völlig aufs Neue in Harry verliebt zu sein. Und Hermine überlegte, ob sie ihre Wut auf Harry vielleicht ein bisschen abschwächen sollte. „Hast du gewusst, dass Pansy Harrys Stieftante wird?", unterbrach Ginny nun ihre Gedanken.

„Pansy… Parkinson?", vergewisserte sich Hermine ungläubig, und Ginny nickte.

„Oh ja. Sie heiratet irgendeinen Verwandten von Harry, der aber mit ihm nichts zu tun haben will."

„Harry hat solche altadeligen Verwandten?" Ginny schien etwas gereizt.

„Ja, wir sind doch alle irgendwie verwandt." Hermine musste lächeln. Ja, das war wohl so unter den Zauberern. Aber dann begriff sie.

„Es war Pansys letzte Chance?" Ginny überlegte.

„Na ja, es scheint wohl so."

„Das muss… hart sein", murmelte Hermine und nippte an ihrem Tee.

„Ich glaube, heute ist hier ein Nest", flüsterte Ginny und setzte sich gerader hin. Hermine hob sofort den Blick. Und duckte den Kopf wieder zwischen die Schultern. Es war eine ganz natürliche Geste, wenn sie solche Personen sah. „Wer ist die zweite?", fügte Ginny gespannt hinzu.

Und mit die Zweite konnte Hermine nur verstehen, dass sie meinte: Wer ist die zweite Narzissa Malfoy? Denn diese Frage kam Hermine auch in den Sinn. Ob sie verwandt waren?

Sie steuerten direkt auf Blaise Zabini zu, sprachen kurz mit ihm und waren sich wohl bewusst, dass sie alle Blicke auf sich zogen. Die jüngere Narzissa trug ein hellrotes Kleid. Knapp geschnitten, eng anliegend. Sie sah aus, wie ein Model aus einem Katalog.

Ihre Haare waren lang und glatt. Das Gesicht kalt und arrogant.

Anscheinend bekamen die Damen keine zufriedenstellende Antwort. Und wie ein Blitz aus Eis traf Hermine der Blick von Narzissa Malfoy. Und sie schien sich kurz zu fassen, und dann kamen beide Frauen wie ein sehr gefährliches Doppel auf sie zu.

„Oh, Hermine. Was hast du angestellt?", wollte Ginny fast belustigt wissen. Aber Hermine konnte nichts Lustiges an dieser Situation finden. Vor allem, weil sie ungefähr wusste, um was es gehen könnte. Ungefähr…. Es gab zwei Sachen, die ihr Angst machten.

„Ms Granger?" Als ob Narzissa es nicht wüsste! Unverschämtheit.

„Ja, Mrs Malfoy?" Und es kam ihr so vor, als würde es Narzissa hassen, mit diesem Namen angesprochen zu werden.

„Haben Sie meinen Sohn heute zufällig schon gesprochen?" Hermine öffnete den Mund, schloss ihn wieder und war sich nicht sicher, was sie sagen sollte.

„Ich… kurz", entschied sie sich zu sagen.

Beide Frauen tauschten nun einen Blick. „Wissen Sie, wo er ist?"

„Nein", gab Hermine zurück. Keine Schwäche. Kein Gefühl zeigen.

„Er hat es Ihnen also nicht mitgeteilt?"

„Äh…" Sie wusste nicht, ob sie darauf antworten konnte.

„Er scheint Ihnen doch sonst alles mitzuteilen?" Und es war wohl besser, dass sie nichts sagte.

„Warum sollte er auch?" Sie wusste, ihr Mund sprach, ohne ihr zu tun.

„Ich würde Ihnen raten, sich von meinem Sohn fernzuhalten." Sie bekam eine offene Drohung von Narzissa Malfoy verpasst. Das war wohl die Überraschung des Tages.

„Ich habe nicht vor, mit Ihrem Sohn Kontakt zu pflegen." Und das hatte sie wirklich nicht!

„Aber unser Gold nehmen Sie nur zu gern? Und sagen Sie mir nicht, es ist nicht Ihr Einfluss! Weshalb sonst sollte Draco sich sonst dazu herablassen, Muggeln Gold zu schenken?"

„Gold zu schenken? Meines Wissens nach geht es um einen Begleich an Schulden, der durch Ihre Schwester fällig geworden ist." Gefährliches Thema. Für gewöhnlich war Hermine nüchtern und ging betont vorsichtig an solche Sachen heran, aber Narzissa Malfoy reizte alle ihre Nerven auf einmal.

„Wagen Sie es nicht, von meiner Schwester zu sprechen, Ms Granger!", knurrte Narzissa Malfoy in einer gefährlichen Tonlage. Ginny hatte den Blick gesenkt. Hermine jedoch hatte sich erhoben.

„Und warum nicht?"

Und Narzissas Augen verengten sich sehr kurz. Sehr, sehr kurz.

„Ich hoffe, mit dem Gold, was Sie bekommen haben, können wir uns darauf verständigen, dass wir nichts mehr mit Ihnen zu tun haben. Ich will Ihr Gesicht nicht in unserem Haus sehen. Ich will Ihren Namen nicht mehr in meinen Gringottskonten vorfinden, und sollte er einen Vertrag mit Ihnen abschließen, tut er gut daran, ihn zu verstecken, Ms Granger."

„Was?" Sie starrte Narzissa an und wurde immer wütender. „Wovon sprechen Sie?" Es würde sie nicht wundern, würde Narzissa sie gleich schlagen.

„Draco hat einen Betrag vom Konto abgehoben und auf Ihren Namen überschreiben lassen. Dienste wird er wohl noch nicht in Anspruch genommen haben", bemerkte Narzissa mit einem abschätzenden Blick auf ihren Körper. Ihr Mund öffnete sich empört.

„Ich weiß nichts von einem Betrag und werde ihn auch nicht annehmen!", konterte sie lauter.

„Mäßigen Sie Ihre Stimme. Und natürlich werden Sie ihn annehmen. Das sagten sie doch. Fällige Schulden, oder wie Sie es nennen?", zischte Narzissa. „Und der Vertrag-"

„Es gibt keinen Vertrag!", knurrte Hermine. Narzissa betrachtete sie kalt.

„Also wissen Sie um was es geht?"

Hermines Mund öffnete sich kurz. Mist! Sie hätte den Mund halten sollen. Einfach halten sollen. Mist, Mist, Mist! Narzissa lehnte sich weiter vor. Hermine konnte keinen Fehler, keinen Makel in ihrem Gesicht entdecken. „Ms Granger, über meinen kalten, leblosen Körper werde ich es zulassen, dass jemand wie Sie unsere Ehre gefährdet", flüsterte sie so leise, dass es nur Hermine verstehen konnte. „Bleiben Sie besser dort, wo Sie hingehören."

„Antoinette, wir gehen", informierte Narzissa ihre Begleiterin mit gewöhnlicher Stimme.

Hermine starrte den Frauen nach.

„Oh Merlin! Was war das? Was hast du mit Narzissa Malfoy zu tun? Welches Gold? Und wer war die seltsame, stille Blondine?"

Hermines Atmung ging schneller.

„Malfoys zukünftige Frau."

Sie hielt den Blick gesenkt. Sie versuchte nicht zu denken, wenn sie seine Hand wie zufällig berührte, an Stellen, an denen sie nicht mehr – nie wieder – berührt werden wollte.

„Welchen willst du? Ich hoffe, nicht den teureren." Demetrius war so alt wie er aussah. Wirklich. „Pansy, Zeit ist Gold", fügte er rauer hinzu.

„Ja, dieser ist gut."

„Ich will keine Beschwerden hören. Er reicht aus für den Club? Den Damen wird er gefallen?" Sie schluckte schwer.

„Ja, den Damen wird er gefallen", murmelte sie.

Wenn sie sich früher erlaubt hatte, darüber nachzudenken, wie eine Hochzeit wäre, dann wäre der Moment, in dem sie einen Ring geschenkt bekäme, der schönste Tag ihres Lebens. Jetzt standen sie im Koboldladen vor einer Vitrine. Ihr zukünftiger Mann, der beinahe ihr Großvater sein konnte, unwillig und ungeduldig neben ihr. Ein Mann, den sie nicht liebte, nie lieben würde, und der dennoch jedes Recht der Welt hatte, sie anzufassen.

Ein Mann, dem sie gehorchen musste, komme was da wolle.

„Am besten gehst du raus, Pansy. Ich kann es nicht ertragen, wenn du diese Laue hast." Demetrius sah sie aus seinen wässrigen Augen wütend an. Die Falten um seinen Mund lagen tief und beinahe berührte sie sein verfetteter Bauch, ohne dass er es merkte. „Raus!", knurrte er.

Sie wusste, er würde sie irgendwann schlagen. Sie sah es in seinen Augen. Und ohne einen Streit, ohne ein weiteres Wort verließ sie den Laden, ohne den Ring auch nur anprobiert zu haben. Es war ohnehin nicht weiter wichtig. Dieses Leben war nicht mehr wichtig.

Sie atmete die kühle Luft auf der Straße ein. Jetzt hatte sie ein Kleid, einen Ring, einen Tag – und es kam ihr vor, wie ihr letzter Weg.

Als sie die Straße hinab blickte erkannte sie einen Mann. Er stand vor einem Geschäft, in dem anscheinend Eulen verkauft wurden. Ihr Mund öffnete sich langsam.

„Goyle?", fragte sie leise, denn völlig sicher war sie sich nicht mehr. Alle Menschen hatten ihre Form verloren. Alles, was sie einst gedacht hatte, zu sehen, stimmte nicht mehr. Goyle sah nicht mehr aus wie Malfoys Sklave. Nein, er sah einfach aus wie… Goyle.

„Pansy, Hallo!", begrüßte Goyle sie fröhlich.

„Was tust du hier?", fragte sie, ohne die Gebote der Höflichkeit zu berücksichtigen.

„Nichts weiter", sagte der junge Mann, der hastig den Blick von dem Schaufenster voller Eulen abgewandt hatte. „Du?"

„Nichts weiter", bestätigte Pansy jetzt leise.

„Ich habe gehört, du heiratest auch an unserem Termin. War ja klar, dass du wen findest", erklärte er, und es sollte wohl so etwas wie ein Kompliment sein.

„Ja", sagte sie nur.

„Die Vorbereitungsstunden sind fast vorbei. Harry Potter war auch da. Ich glaube, er und Ginny Weasley werden auch teilnehmen." Sie spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte. Ja, selbst Harry Potter sah aus wie ein unerreichbar wunderbares Ziel.

„Ach ja? Gut." Zwar war es unerheblich und bestimmt nicht gut, aber sie hatte seit einer Weile keine Meinung mehr, stellte sie fest.

„Wie… wie geht es dir?", wollte Goyle plötzlich wissen. Er versuchte sich an einem Lächeln. „Dein Zukünftiger, ist er nett?"

„Sicher", sagte sie nur.

„Ich habe meine Frau noch nicht kennen gelernt. Ich hoffe, sie sieht ein bisschen aus wie du. Das wäre… wirklich…" Goyle zuckte lächelnd die Schultern, und Pansys inneres Eis taute etwas auf, bei seinen Worten. „Das wäre wirklich nett", schloss er langsam. „Das… sollte ein Kompliment gewesen sein. Wahrscheinlich ist es nicht wirklich als solches rübergekommen. Ich bin nicht-"

„Danke", sagte sie nur. Goyle lächelte jetzt.

„Wenn du willst, können wir-"

„Pansy!", gellte Demetrius' Stimme zu ihr herüber, und sie zuckte zusammen. Sie schloss kurz die Augen und fing sich wieder.

„Ich muss gehen. Ich denke, wir… sehen uns auf der Feier", schloss sie ruhig. Gefasst und bitter. Goyle nickte und betrachtete Demetrius mit einem Blick, den sie nicht deuten konnte. Es lag keine Freundlichkeit darin. Das zumindest konnte sie sehen.

„Pansy!", sagte Goyle plötzlich und sie spürte ihn neben sich. Erschrocken hob sie den Blick. Es sah aus, als wolle er etwas sagen, als könne er es kaum noch in sich halten. Aber sie sah, wie er die Zähne fest zusammen biss. „Mach's gut", schloss er leise. Dann hatte er sich eilig abgewandt. Ihr Herz schlug etwas lauter, aber sie schritt zügig zu Demetrius, der ihr wütend bedeutete, zu folgen.

Sie wagte nicht, sich noch einmal umzudrehen, aber sie war sich ziemlich sicher, dass Goyle ihr nachsah. Aber sie wusste, es bedeutete nichts. Sie nahm an, es bedeutete überhaupt nichts. Nichts bedeutete irgendwas, aber… würde es etwas bedeuten, dann… - nein.

Es bedeutete nichts!