Kapitel 18

Off the Hook

Das Haus war ruhig als er ankam. Er war müde. Der Streit mit Potter war anstrengend gewesen, und er wusste, er riskierte ziemlich viel dafür, um Granger etwas zu beweisen. Er würde ihre Meinung schon noch untergraben, Salazar, er würde sie sogar dazu bringen, den Vertrag mit ihrem eigen Blut zu unterschreiben, wenn es sein musste! Schmutziges Blut…. Das Bild kam ihm unwillkürlich in den Kopf, und er schüttelte dieses Vorurteil ab. Es war ein dummes Vorurteil. Ihr Blut war genauso wie seins. Es war ihr Status, den er verabscheute. Sie war arm. Sie war gewöhnlich. Sie sollte sich verdammt noch mal freuen, dass er sie wollte!

Es ging um Macht – und nichts weiter!

Er schritt langsam durch die Eingangshalle. Die Menschen dösten in den Rahmen der Portraits, und er lockerte seine Krawatte. Zwar hatte er die letzten beiden Stunden tatsächlich Akten durchgearbeitet, einige ehemalige Todesser zu Strafbeiträgen ermahnt und war eigentlich fast wieder beruhigt.

Er wusste nicht, ob er sauer war auf Blaise. Oder auf sich selbst. Oder auf Potter. Wahrscheinlich auf Granger. Sie würde sich nicht auf Blaise einlassen. Veela-Zauber hin oder her! Er war sich sicher. Ziemlich sicher, zumindest. Nein, er hasste Blaise. Und Granger.

„Draco?"

Fast erschrak er. Aber nur, bis ihm aufging, wie dämlich es wäre, sich vor der Stimmer seiner zukünftigen Frau zu erschrecken. Aber dennoch hielt er kurz die Luft an. Sie trug ein Negligee. Sie war barfuß.

„Hey", begrüßte er sie tonlos.

„Wie war dein Tag?" Er kannte ihre Stimme noch nicht, also wusste er nicht, ob sie gewöhnlich klang, oder wütend oder gleichgültig. Er wusste es nicht.

„Verflucht beschissen", erklärte er ehrlich, denn was kümmerte es ihn, was sie von ihm hielt. Kurz entglitten ihre Züge, dann nahm sie aber wieder eine eher geschäftliche Haltung an.

„Ich weiß, wir teilen erst das Schlafzimmer nach der Hochzeit, aber… ich habe mich gefragt, ob du nicht vielleicht schon jetzt…?" Sie sah ihn tatsächlich auffordernd an. Er öffnete den Mund, überlegte jedoch. Sie bot ihm an, mit ihm zu schlafen? Freiwillig, vor der Hochzeit? Sie war schön. Wirklich schön. Aber… sie war nicht… Granger. Er wollte im Moment eigentlich mit Granger schlafen. Und nicht mit seiner zukünftigen Frau.

Er atmete aus, und schien mit diesem Atemzug all seine Kraft aufzugeben. Was war nur los? Was war in ihn gefahren? Nein.

Schluss. Das war genug. Er gab sich die Genugtuung, Granger darauf aufmerksam zu machen, dass sie ihn wollte. Er würde ihr garantiert nicht die Genugtuung verschaffen, dass er auch nur eine Sekunde länger als nötig an sie dachte. Er wollte heute Sex haben, und eigentlich war es gleichgültig, wer dafür herhalten musste.

„Ich…", begann er unschlüssig und vergrub die Hände in seinen Hosentaschen. Er sah, wie ihr Ausdruck trauriger wurde. Er riss sich zusammen. Und er hob seine Hände, legte sie auf die schmalen Hüften seiner zukünftigen Frau und zog sie näher. Sie hielt die Luft an, beobachtete ihn genau, und er blendete seine Gefühle aus, wie er es stets zu tun gepflegt hatte. Eine Frau war eine Frau. Und eine heiße Frau, war verflucht besser als eine normale!

Er senkte den Kopf und berührte ihre Lippen. Sie verhielt sich ruhig in seinem Griff. Wehrte sich nicht, beschwerte sich nicht, wie es vielleicht eine andere nervtötende Person tun würde. Er zog den Kopf zurück, und würde es testen! Er würde die verdammten Grenzen austesten! Seine Hand schlang sich um den feinen Nacken. Sie schmeckte fremd, unbekannt unfreundlich, aber es würde gehen. Es ging immer. Seine Zunge drang hart in den warmen Mund seiner zukünftigen Frau. Sie gestattete es ihm. Salazar, sie erwiderte den Kuss!

Beinahe zornig, ließ er von ihr ab, biss in ihre Halsbeuge, fuhr hart mit der Hand über ihre Brust, und hörte sie die Luft einatmen, vor Schreck. Er drehte sie einfach um, drückte sie gegen die Wand und zerrte ihr Negligee ihren Körper nach oben.

Die Portraits waren ihm egal. Es war ihm egal, dass er sich in der Eingangshalle befand. Er musste etwas beweisen! Darum ging es doch!

Er presste sich von hinten gegen sie. Seine angestaute sexuelle Energie machte es ihm ziemlich leicht, eine Erektion zu bekommen. Ihr Körper war schmal, ihre Haut war bleich, und ärgerlich fuhr er mit den Fingern über ihre Spalte. Natürlich war sie nicht feucht! Wie auch? Für gewöhnlich war ihm das wichtig, aber jetzt? Nein, jetzt konnte ihm nichts gleichgültiger sein als dieses Mädchen. Die auch selber schuld war, dass sie sich ihm anbot!

Er drang mit den Fingern in sie ein. Sie war eng.

Jungfrau. Ja, deswegen. Sehr gut.

Seine Gedanken gingen nicht soweit, dass sie also keine Erfahrung hatte, und dass er ihr die grandiose Erfahrung, guten Sex zu haben, raubte, in dem er sie von hinten gegen die Flurwand nahm. So weit dachte er nicht. Soweit konnte er nicht mal im klaren Kopf denken. Nicht heute zumindest.

Er hörte sie wimmern. Wahrscheinlich vor Schmerz, aber sie unterdrückte es krampfhaft. Er öffnete den Reißverschluss seiner Hose, schob sie seine Beine hinab, befreite seine Erektion und brachte sich in Position. Er wusste nicht, ob er erwähnen musste, dass es weh tun würde. Aber sie würde es schon merken. Hart fuhr er mit den Fingern über ihren empfindlichen Punkt. Sie versuchte sich von ihm weg zu lehnen, da zwang er sich aber schon in sie. Hart und erbarmungslos, mit nur einem einzigen Stoß.

Und mit jedem weiteren Stoß wurde er zorniger. Wieso wehrte sie sich nicht? Wieso erlaubte sie es? Wieso tat sie das? Und stöhnend vergrub er den Klopf zwischen ihren Schulterblättern, als er sich selber härter in sie stieß. Tiefer in diese neue Enge. Er presste sie hart gegen die Wand, gab ihr keine Chance, sich zu bewegen, und er kam so zornig, wie er begonnen hatte. Und sie ließ es geschehen!

Er schloss die Augen und stellte sich unwillkürlich vor, ihre Haare wären braun.

Und plötzlich klopfte es hinter ihm an der Haustür.

Mit einem Knurren zog er sich aus ihr zurück, verschloss seine Hose, und auf zittrigen Beinen wandte sie sich um. Aber sie sah ihn nicht an. Ihr Blick war starr auf den Boden gerichtet.

Kurz drohte er, sich selber zu hassen. Aber er verdrängte das Gefühl. Er musste.

„Geh", befahl er rau. Und sie folgte selbst diesem Befehl. Er schloss die Augen, kam wieder zu Atem, beruhigte seinen Geist und schritt zur Tür, als wäre nichts gewesen. Und es war ihm plötzlich alles gleichgültig. Und würde jetzt auch Potter vor der Tür stehen, der ihm mitteilte, dass er sich im Morgengrauen duellieren wollte.

Er zog mürrisch die Tür auf. Und runzelte die Stirn. Er wurde ziemlich hilflos angesehen.

„Gregory, was kann ich für dich tun?" Eigentlich sprach er nicht mehr gern mit Gregory, weil er auch zur funktionierenden Maschine der Reinblüter gehörte. Aber anscheinend hatte Draco gerade seine Feuertaufe hinter sich. Und das erste Mal hatte ihm Sex nicht im Ansatz Spaß gemacht. Aber es lag an ihm. Oder an seiner zukünftigen Frau. Bestimmt nicht an Granger. Nein!

„Kann ich reinkommen?" Draco sah sich in der leeren Halle um. Es gab keinen guten Grund, weshalb Goyle sich so panisch umsehen musste. Es sei denn, Antoinette würde noch mit einem verurteilenden Blick in der Halle stehen.

„Sicher?" Er schritt zur Seite. „Kann ich dir etwas anbieten? Scotch? Tee? Vielleicht-"

„Ich hab mein Haus verlassen", platzte es aus Goyle heraus. Draco musste sich wohl noch ein bisschen sammeln. Er verstand nicht wirklich. Aber er war auch gerade gekommen. Sein Herzschlag war noch etwas schneller.

Draco starrte ihn also einfach nur an. „Ich… bin einfach runter, in den Rauchsalon. Zu meinem Vater. Ich habe ihm gesagt, ich will den Vertrag sehen. Weißt du? Den magischen? Den Familienvertrage, wo-"

„Goyle, ich kenne den verdammten Vertrag!", fuhr ihn Draco an. „Was willst du sagen?" Dabei war Draco klar, was Goyle ihm sagen wollte.

„Und ich hab ihn zerrissen!"

Und sie schwiegen. Goyle vergrub das Gesicht in den Händen. Seine Haare standen wirr in alle Richtungen ab. Sein Jackett warf viele Falten, und er sah aus, als wäre er nahe einem Zusammenbruch.

„Wieso?", war alles, was Draco tonlos fragen konnte. Er richtete unauffällig seinen Penis in der Hose und konnte die Gedanken nicht alle in eine Reihenfolge bringen.

„Wieso?", wiederholte Goyle verzweifelt und sah ihn mit großen Hundeaugen an.

„Ja, wieso, Salazar, noch mal? Du verzichtest auf dein Vermögen, deine sichere Anstellung im Ministerium, deine Zukunft, deine-"

„- Frau? Jaah", fügte er langsam hinzu. Dracos Mund öffnete sich langsam.

„Du… hast das alles gemacht, wegen… einer Mätresse?", wollte er ungläubig wissen. Goyle sah ihn verwirrt an.

„Was? Nein. Ich habe keine Mätresse, Draco", erklärte Goyle verzweifelt. Anscheinend fiel es auch anderen schwer, die Mätresse ihrer Wahl zum Unterzeichnen zu zwingen. Das beruhigte Draco zumindest zum Teil.

„Dann… verstehe ich dich nicht", gab Draco offen zu.

„Pansy", flüsterte Goyle jetzt.

„Pansy?", wiederholte Draco, der sich müde durch die Haare fahren musste. Eigentlich war dieser Tag zu lang. Er hatte heute mehr Menschen getroffen, sich mit mehr Menschen gestritten, als in seinem ganzen Leben zuvor.

„Ja, Pansy." Draco schüttelte den Kopf.

„Dein Haus, dein Vermögen, deine Sicherheiten – du gibst all das auf wegen Pansy?"

„Ja", bestätigte Goyle, der plötzlich blasser wurde.

„Dann… Glückwunsch dazu."

„Wozu?", fragte Goyle etwas neben sich.

„Na ja… anscheinend willst du Pansy. Ist sie-?"

„Sie weiß es noch nicht", unterbrach ihn Goyle hastig.

„Sie…"

„Nein! Noch gar nichts. Ich… habe noch nicht soweit geplant."

Draco atmete langsam ein und wieder aus. „Du sagst mir also, du hast alles aufgegeben. Deinen Namen, dein Zuhause, deine Arbeit. All das wegen Pansy, die sogar einen steinalten Knacker heiratet, damit sie nicht in Armut, verstoßen von der Gesellschaft, leben muss?" Langsam öffnete Goyle den Mund.

„Ahem…"

„Du hast soweit noch nicht geplant?", wiederholte Draco ungläubig. „Du wirfst dein Leben für ein Mädchen weg, was nichts davon weiß? Was, wenn sie nein sagt? Was sie, nebenbei bemerkt, sagen wird", fuhr er beflissen fort.

„Nein! Sie wird nicht nein sagen. Wir… haben uns getroffen. Sie… hat mich angesehen! Weißt du, so wie sie dich angesehen hat. In der Schule. Sie…"

„Ja, weil du jetzt eine passable Wahl bist. Weil du Erstgeboren bist. Mit Vermögen. Sie hat nichts."

„Sie hat jetzt mich!"

„Sie will Gold, Gregory!", schrie Draco jetzt.

„Wieso bist du so?", fuhr Goyle ihn tatsächlich böse an.

„Was? Realistisch? Weil ich weiß, dass es immer nur um Gold geht! Weil ich weiß, dass Pansy dich damals mit ihrem Arsch nicht angesehen hat! Und ich bin sicher, sie platzt vor Freude, wenn du in diesem Aufzug vor ihrer Tür stehst, und sie die Wahl hat, reich und gemütlich in einem Herrenhaus zu leben, oder arm auf der Straße, oder im Tropfenden Kessel, verstoßen als Schande mit einem Familien-Verräter!"

„Malfoy, halt deine Klappe!" Und das erste Mal nannte ihn sein ehemaliger Sklave bei seinem Nachnamen. Bemerkenswert, wie schnell sich Dinge änderten. „Ich werde das Durchziehen. Und ich werde nicht zurückgehen. Ich liebe Pansy. Ich werde sie fragen, mich zu heiraten. Ohne Besitz, ohne alles. Und wenn du nicht auf meiner Seite stehst, dann will ich nichts mit dir zu tun haben."

„Du hast alles aufgegeben! Wir werden ohnehin nichts mehr miteinander zu tun haben!", rief Draco verzweifelt, weil Goyle es nicht zu begreifen schien.

„Ich gehe."

„Wohin? Du hast kein Zuhause!"

„Ich weiß das. Ich wollte dich fragen, ob ich bis morgen bleiben kann, aber weißt du, eigentlich habe ich jetzt keine Lust mehr dich zu fragen." Draco verdrehte die Augen.

„Oh Salazar, komm rein!"

„Nein, danke. Ein schönes Leben noch, Draco."

„Gregory!", rief Draco ihm nach, als sich Goyle auf dem Fuße umgewandt hatte, und den Kiesweg entlang stürmte. „Goyle!", schrie er in die Nacht, so dass die wenigen Pfauen, die auf dem Rasen schliefen, ärgerlich mit den Köpfen ruckten, als sie aufwachten.

Er schloss die Tür ärgerlich. Anscheinend fielen die Dinge langsam auseinander.

„Schade, dass du nicht länger ausgehalten hast. Es ist das spannendste, was seit zehn Jahren in diesem Flur passiert ist", schnarte eine Stimme von der Wand, die ihm auf unangenehme Weise zu bekannt vorkam. Er hob müde den Blick.

Sein Abbild hatte sich in den Lehnstuhl gesetzt. Er sah, dass seine Mutter und sein Vater aus dem Bild verschwunden waren. Es war eines der vielen Familienportraits, die überall im Haus verteilt waren.

Für gewöhnlich saß Narzissa im Lehnstuhl, und er und sein Vater hatte beide eine Hand auf ihre Schulter gelegt. Das übliche scheußliche Familienportrait, was in jedem Reinblüterhaushalt zu finden war. Aber jetzt war der Portrait-Draco allein.

„Und ich hätte sie nicht von hinten gevögelt. Ich hätte sie hochgehoben." Draco versuchte sich daran zu erinnern, wie alt er gewesen war, als das Portrait gemalt wurde. Vielleicht sechzehn? Er wollte nicht mit seinem Abbild sprechen. Wirklich nicht. Vor allem nicht darüber!

„Wo sind deine Eltern?", fragte Draco also, gereizt und nicht in der Stimmung, etwas zu diskutieren. Der Portrait-Draco lachte unangenehm laut.

„Keine Ahnung. Wo sind deine, Draco?"

Und der arrogante Portrait-Draco lehnte sich grinsend in den Stuhl zurück. Draco betrachtete ihn kopfschüttelnd, und beschloss, nicht auch noch so verrückt zu werden, und ein Gespräch mit einem Selbstportrait zu beginnen. Dann könnte er auch gleich seinen ersten Vornamen weglassen und sich nur noch mit Lucius ansprechen lassen.

Er schritt durch die Halle. „Ich hoffe, du hast kein Mitleid mit deinem fetten Freund!", rief der Portrait-Draco ihm nach.

Nein, er hatte kein Mitleid mit Goyle.

Er hatte jetzt gerade den höchsten Respekt. Aber das würde er nicht zugeben. Nicht mal sich selbst gegenüber. Und er war mehr als gespannt, was Pansy wohl sagen würde.

Es war nur schade für Goyle. Denn, dass sie nein sagen würde, war offensichtlich. Die Frage war nur, ob sie dabei lachen würde.