Kapitel 25

First Night

Ihr Geruch machte ihn einfach nur wahnsinnig. Dass er seine Zunge nicht sofort in sie gleiten ließ, verdankte er nur noch seiner knappen Selbstbeherrschung. Wie oft hatte er jetzt genau hiervon geträumt? Zu oft. Schon seit zu langer Zeit!

Er hatte keine Ahnung, ob sie ihn liebte. Er hatte keine Ahnung, und es war ihm egal, solange sie ihn genauso ansah, wie vorhin.

Als können sie nur ihn sehen. Niemanden sonst.

Er hatte grinsend gemerkt, wie sie ihre Hände in das Laken gekrallt hatte. Es gefiel ihm, wie sie versuchte, die Kontrolle zu behalten.

„Hmm…", machte sie leise. Das wohl das Äußerste an Geräuschen, was sie sich selber zugestand. Er liebte es, dabei zu reden; die Mädchen mit seinen Worten anzuspornen, sie dazu zu bringen, Dinge zu tun, Dinge zu sagen, die sie bei nüchternem Verstand niemals über die Lippen bringen würden. Aber wenn sie es nicht wollte, dann war ihr Wunsch sein verdammter Befehl. Bis sie eben selber etwas sagte. Vorher beugte er sich ihren Wünschen.

Seine Erektion schmerzte langsam, und mit jeder Sekunde die er über ihr verbrachte, sie roch, ihre Säfte in seinem Mund schmeckte, umso schwerer wurde es, auch nur noch eine Sekunde auszuhalten. Er hoffte, sie würde seinen Namen sagen.

Er hoffte es wirklich.

Seine Muskeln spannten sich hart an, als er merkte, wie ihre Hüfte nach vorne bockte, sich gegen sein Gesicht presste, weil sie kurz davor stand. Sie war kurz davor! Er hörte sie keuchen. Hörte, wie sie unterdrückt stöhnte, und es machte ihn wahnsinnig, dass sie sich die Geräusche selber verbot. Übermütig biss er sanft in ihr Fleisch, ließ seinen Daumen sanfte Kreise beschreiben, während er seine Zunge tief in sie stieß und sie einen kehligen Laut von sich gab, der wohl als Geräusch gelten konnte. Ihr Atem ging nun so schnell, dass sie ihren Mund nicht geschlossen halten konnte. Er sah zwischen ihren Beinen empor, über ihren großartigen Körper, hinauf in ihr Gesicht.

Ihre Wangen glühten in einer wunderschönen Röte, die nur ein Orgasmus bescheren konnte, und er war mäßig zufrieden. Sie schien keine Angst vor ihm zu haben. Es kam ihm vor, als hätte sie Angst vor sich selbst. Er stemmte sich in die Höhe, legte sich neben sie, griff nach ihrer Hand, holte den unsichtbaren Schlüssel hervor, schloss in einer knappen Geste seine Lippen wieder auf und erntete ein müdes Augenrollen von ihr.

„Hermine, würdest du mich küssen?", fragte er sanft, und er sah, dass sie überlegte. Sie wusste wohl, sie würde sich dann selber in seinem Mund schmecken. Sie könnte verneinen. Aber sie lehnte sich näher zu ihm, hob die Hand zu seiner Wange und küsste seine Lippen. Langsam und vorsichtig.

Er öffnete seinen Mund ein Stück, gewährte ihr Einlass, und selbst diese leichte Berührung machte ihn wahnsinnig. Er wollte sie am liebsten an sich reißen, aber stattdessen zwang er sich zur Ruhe. Er ließ ihr so viel Zeit, wie sie wollte. Vielleicht. Seine Zunge glitt in ihren Mund, denn er konnte sich nicht mehr völlig beherrschen. Sie brauchte ein paar Sekunden, ehe sie den Kuss erwiderte. Dann jedoch stürmisch! Oh, er musste noch etwas durchhalten.

Dann löste sie sich von ihm, leckte sich über die Lippen, und er würde wahrscheinlich sterben, ehe er gekommen war. Sie öffnete ihre verflucht fantastischen Lippen und sprach tatsächlich.

„Ich würde gerne nach oben, Draco", sagte sie leise, und er musste kurz die Augen schließen. Fuck! Granger wollte ihn reiten. Ok. Er musste… das nur überleben. Länger als fünf Sekunden. Er nickte nur. Jetzt fehlten ihm kurz die richtigen Worte. Aber sie schob seine Shorts einfach seine Beine hinab. Und Merlin! Er hätte sie wieder dafür küssen können, wie sie neugierig seinen Penis betrachtet, noch röter wurde und dann einfach auf ihn kletterte.

Sie nahm ihn tatsächlich in die Hand, platzierte ihn unter sich, und er schluckte hart, versuchte seine Gedanken unverfänglich abzulenken. Der Kamin, die Vorhänge, die Erdbeeren in der Schale – aber sobald sie sich langsam auf ihn niederließ, war es absolut unmöglich etwas anderes zu denken als: Oh Merlin, ja!

Seine Hände gruben sich hart in ihre Hüften, und ehe er ihr die Zeit hätte lassen können, sich zu gewöhnen, presste er sie keuchend auf seinen Schoß. Es ging nicht anders. Er verbrannte in ihr. Sie war heiß und eng. Und verflucht perfekt. Sie hatte laut aufgestöhnt, als er mit einem einzigen Stoß in ihr hatte versinken müssen.

Seine Augen flatterten auf. Sie saß auf ihm, die Haare wild über die Schultern, und mit geöffneten Lippen begann sie, sich zu bewegen.

Und er liebte sie genau dafür! Wie sie sich bewegte, in sanften Kreisen. Wenn sie sich selber anhob und wieder sinken ließ, mal langsam, mal schneller, mal härter, mal weicher. Er konnte nicht anders, als schneller zu werden, als lauter zu werden, als leise ihren Namen zu sagen, sie nicht aus den Augen zu lassen.

Er merkte ihren nächsten Orgasmus, spürte wie sich ihr Muskel um seinen Penis krampfte, und er verlor alle Kontrolle in diesem Moment. Er verlor alles, was er hatte. Denn er rammte sich nach oben, keuchte auf, als sie schrie, grub ihre Finger härter in ihre Hüften und kam in der Sekunde, als sie seinen Namen keuchte.

Er brauchte nichts weiter. Kein Gold. Kein Schloss. Nur dieses Mädchen.

Sie war auf seine Brust gesunken, atmete heftig, und seine Hände strichen sanft über ihre nackte Haut. Ihre Haare kitzelten seine Brust, aber er bewegte sich nicht. Er wollte sie nicht verscheuchen. Immer noch kam sie ihm vor wie ein scheues Tier, was bei der leisesten Bewegung verschwinden würde. Ihr Sex war schnell. Kontrolliert. Er war so, wie Hermine selber war. Es juckte ihn in den Fingern, das zu ändern. Ihr die Kontrolle und die Angst zu nehmen, sich fallen zu lassen. Aber so wie er es kalkulierte, hatte er dafür noch eine Menge Zeit.

„Noch da?", fragte er heiser, und wusste, sie würde nach diesen Worten irgendwie reagieren. Sie rollte sich tatsächlich von ihm herunter, und er ließ es zu. Er zog sie an seine Seite.

„Das ist Sex mit Draco Malfoy?", murmelte sie müde an seiner Seite. Er schüttelte leicht den Kopf.

„Nein. Das ist Sex mit Hermine Granger." Sie sah ihn fragend an. Aber statt nachzuhaken, fuhr sie ihm durch die blonden Haare und lächelte. „Wofür war das?", wollte er verwundert wissen.

„Du sahst noch zu perfekt aus", flüsterte sie. Er musste wieder lachen.

„Oh ja, sicher! Der Totenschädel auf dem Arm verleiht mir nur den letzten königlichen Touch, richtig?" Er musste sich räuspern, denn seine Stimme war heiser geworden.

„Hat… es dir gefallen?" Dass war wohl auch das Äußerste, was sie an Selbstzweifel einräumte. Er lächelte also, verdrehte die Augen und zog sie zu sich hoch.

„Gefallen?", wiederholte er leise. „Granger, wäre es eine Prüfung, dann hättest du dein Ohnegleichen mit absoluter Leichtigkeit in der Tasche." Und sie musste tatsächlich lachen.

„Das wäre eine interessante Prüfung gewesen", bestätigte sie müde. Nachdenklich blickte er an die Decke, während seine Hand immer noch unablässig ihren Körper streichelte.

„Verzeihst du mir?", fragte er jetzt, und erlaubte sich selbst den einzigen Zweifel.

„Was soll ich dir verzeihen?", erwiderte sie verwirrt und sah ihn an.

„Wer ich bin." Und kurz war es still. Dann stützte sie sich auf die Ellenbogen und küsste leicht seine Lippen. Und es reichte ihm als Antwort.

Und wo war seine Angst? Seine Panik? Seine Monster, seine Ungeheuer, die ihn schneller verfolgten als er sie erfinden konnten?

Und so seltsam es war… - sie waren verschwunden. Mit der Abenddämmerung waren sie alle einfach nicht mehr da.

„Zieh dich an, wir haben noch ein Date", flüsterte sie mit einem verführerischen Lächeln, und er schloss gequält die Augen.

Richtig. Ihm fiel eine Sache siedend heißt wieder ein: Er hasste Harry Potter!

„Wir sind zu spät. Er wird mich verfluchen. Er wird genau wissen, weshalb wir zu spät sind, Hermine!", knurrte der Mann, mit dem sie den besten Sex ihres Lebens hatte neben ihr, und verhielt sich zum ersten Mal nicht typisch. Seine Finger fanden immer wieder den Weg in seine Haare, richteten die Frisur, und schienen jeden Fehler beseitigen zu wollen. Nicht, dass ein Fehler zu finden wäre. Sie nahm sein Gesicht in seine Hände, und zwang ihn, sie anzusehen.

„Draco. Hey, Draco, sieh mich an!", zwang sie ihn, aufzuhören, seine Nervosität auszuleben. Er senkte den Blick schließlich auf ihr Gesicht. „Das ist nur Harry." Er verdrehte die Augen wieder.

„Ja. Ich weiß", knurrte er. Sie musste lächeln. Dann klopfte sie an Harrys Tür, vor der sie nun schon geschlagene fünf Minuten gestanden hatten. Sie spürte, wie er neben sich tief einatmete und die Brust nach vorne streckte. Er wurde sogar ein Stück größer. Die Tür öffnete sich. Ginny warf ihr einen knappen Blick zu. Dann betrachtete sie Draco ausgiebig.

„Und ich hatte gedacht, du erlaubst dir einen Scherz. Kommt doch rein", bot sie ihnen an.

„Er wird mich umbringen", presste Draco neben ihr hervor, als sie Ginny folgten. Hermine erwiderte nichts und ergriff einfach seine Hand.

Was sie sah, ließ sie kurz stutzen. Antoinette saß beinahe auf Rons Schoß und plapperte wild. Sie erzählte von Frankreich, von dem Gespräch mit ihrem Vater, dass er sie nicht mehr sehen wollte, wie egal ihr alles war, und wie nett die Menschen in London eigentlich wirklich waren. Ihre Hand fand immer wieder den Weg zu Rons Unterarm, und dieser schien sein Glück kaum fassen zu können. Harry hatte sie entdeckt und kam auf sie zu. Sie spürte, wie Dracos Finger ihre fester drückten.

„Aha. Kommen Goyle und Pansy auch noch?", fragte er trocken, ließ Draco nicht aus den Augen, und dieser öffnete nur den Mund, um ihn dann wieder zu schließen.

„Nein, Gregory und Pansy sind im Tropfenden Kessel", erklärte Hermine dann.

„Hm. Sag mal, verzichtet ihr jetzt alle auf eure Traditionen?" Auch Antoinette hatte Draco bemerkt. Und sie nickte nur. Dann wandte sie sich wieder an Ron und erzählte leiser weiter.

Ginny hatte sich neben Harry gestellt und nun seine Hand ergriffen.

„Habe ich mich also in dir getäuscht?", stellte Harry die nächste gereizte Frage, und wieder öffnete Draco den Mund, um nichts zu sagen.

„Ihr habt euch also vertragen?", vermutete Hermine laut genug, um das Thema zu wechseln.

„Harry ist ja so ein Dramatiker. Alles ist immer schlimmer als es in Wahrheit ist", spielte Ginny die ganze Geschichte mit ein paar Worten runter. Hermine musste entnervt ausatmen.

„Und du willst nicht mehr in den Reinblüter-Club?", fragte Hermine weiter, und Ginny zuckte die Achseln.

„Nein. War eine blöde Idee. Wenn nicht mal der König der Reinblüter noch länger da sein will…" Sie deutete kurz auf Draco, und zuckte dann die Schultern. „Dann will ich da auch nicht sein. Draco, das ist zwar kurzfristig, aber Harry und ich heiraten morgen in der kleinen Kapelle. Ich nehme an, du bist Hermines Begleitung – unter anderem?"

Draco tauschte einen kurzen Blick mit ihr und räusperte sich endlich.

„Unter anderem", bestätigte er heiser. Ginny lächelte.

„Ausgezeichnet. Dann bist du eingeladen." Draco wirkte ein bisschen gequält.

„Und… du bist jetzt arm?" Harry schien wirklich keinen Wert auf Höflichkeiten zu legen. Aber Draco taute wohl auf, nachdem er gemerkt hatte, dass man ihn wohl nicht umbringen würde.

„Ja", sagte er, und seine Mundwinkel zuckten dabei.

„Es ist nichts vergeben und vergessen!", entgegnete Harry eisig. Draco nickte nur. „Aber… ich nehme an, du bist zurzeit ohne Job. Eine Anstellung als Lord in der arroganten Abteilung kann ich dir nicht anbieten, aber wenn du Interesse hast, schau doch mal bei uns vorbei." Damit schien es für Harry geklärt zu sein. Und sie wusste, für den Abend war das alles an Frieden, was Draco erwarten konnte. Sie sah, dass seine Lippen vor Überraschung leicht geöffnet waren.

„Wenn Pansy und Gregory morgen kommen möchten…", fuhr Ginny leiser fort, „dann sind sie auch willkommen." Hermine bezweifelte das, von Harrys Gesichtsausdruck zu schließen, aber sie lächelte.