Kapitel 27

One Wedding

Sie waren nicht wirklich ausgegrenzt. Aber wirklich willkommen waren sie natürlich nicht. Er kannte Potter gut genug, um das zu wissen.

„Hast du gewusst, dass Antoinette gestern bei Ron geschlafen hat?", raunte ihm seine Freundin zu. Das wunderte ihn mehr oder weniger. Ihn wunderte im Moment nicht besonders viel. Er lächelte schließlich. Weasley saß eine Reihe neben ihnen, da er zu Harrys Trauzeugen gehörte.

„Anscheinend gehen wir alle mit anderen Partnern aus diesem Sommer", murmelte er lächelnd. Sie ergriff seine Hand. Eine Reihe hinter ihnen saßen Pansy und Goyle. Pansy hatte eine ziemliche Wendung gemacht und hatte die Einladung zu Potters Hochzeit gerne angenommen. Dass Antoinette nicht mit ihm sprach, verübelte er ihr nicht. Überhaupt nicht. Er würde auch nicht mehr mit sich sprechen.

Aber er hatte Hermine. Auch ihre Eltern saßen irgendwo in der Menge. Hermines Vater hatte ihm klar gemacht, dass er so viel Geld unmöglich annehmen konnte, aber Draco würde ihn schon überzeugen, damit eine Kreuzfahrt zu machen, oder was Muggel eben sonst so taten.

„… dann sagen Sie jetzt: Ja, ich will" dröhnte die Stimme des Pfarrers zu ihnen.

„Ich will", sagte Ginny bestimmt.

„Wunderbar. Bitte überkreuzen Sie Ihre Zauberstäbe." Harry und Ginny taten wie befohlen. Der Pfarrer wandte den Zauber der ehelichen Verbindung an, und somit hatten die beiden Potters nun Familiezauberstäbe, die über ihren Status Auskunft geben konnten. „Hiermit erkläre ich Sie zu Mann und Frau! Küssen Sie Ihre Braut, Mr Potter!" Draco senkte den Blick. Das musste er nicht unbedingt sehen.

Er spürte den Blick der Weasleys im Nacken. Denen würde er auch noch vorschlagen, eine Reise zu machen. Urlaub war immer gut. Es ärgerte ihn, dass er für sich und Hermine keinen Urlaub zahlen konnte, aber er würde arbeiten, er würde sparen, und dann würde er ihr alles geben, was er nur konnte. Das war ein guter Plan.

„Ich hab ziemlichen Hunger", wisperte sie ihm zu, als die Potters endlich den Rückzug antraten, nach hinten, zurück in Richtung Fuchsbau, vor dem die Feierlichkeiten unter einem riesigen Zelt stattfanden.

„Das können wir ändern", erwiderte er und erhob sich klatschend, wie die anderen.

Sie ergriff seine Hand und schritt mit ihm durch den Garten zurück. Er befand sich bei den Weasleys im Garten. Das hätte er niemals für möglich gehalten. Niemals.

„Mr Malfoy!", hörte er eine Stimme, die er kannte. Weasleys Vater kam eilig auf ihn zu. Hermine löste sich lächelnd von ihm, was ihm nicht gefiel. Sie sollte ihn nicht alleine lassen. Er hatte doch ein Problem mit Höflichkeiten. Aber sie zwinkerte ihm nur zu, und schon war er ausgeliefert. „Das ist viel zu viel Gold! Vor allem, wenn ich bedenke, dass Sie jetzt wohl nichts mehr besitzen, so wie ich Ihren Vater kenne?" Draco runzelte die Stirn. Ja. Arthur Weasley kannte seinen Vater gut. Von seinen schlechtesten Seiten.

„Unsinn", sagte Draco nur. „Wenn Sie selber nichts damit anzufangen wissen, geben Sie einen Teil Ihrer Tochter. Ich weiß, dass Frauen auf Hochzeitsreisen gerne Gold ausgeben wollen, Sir. Glückwunsch, nebenbei bemerkt." Arthur Weasley schüttelte seine Hand.

„Wissen Sie, Draco, meine Frau musste damals einen ähnlichen Vertrag unterschreiben, wie Sie es wohl tun mussten." Eigentlich wollte Draco nicht darüber reden. Nie mehr. Mit niemandem, aber seine Neugierde siegte.

„Ihre Frau? Weswegen?"

„Weil sie mich heiraten wollte. Und ich Vater hatte bereits andere Pläne. Die Prewetts sind bestimmt eine Familie, die auch Ihnen etwas sagt?" Draco musste nachdenken. Reinblüter. Alle untereinander verbunden.

„Prewett? Ihre Frau war also eine Nichte meiner Urgroßmutter Lucretia Prewett?" Er musste lächeln. Ja, seine Urgroßmutter hätte jeden Weasley abgelehnt. „Das war ziemlich mutig von ihr."

„Verträge werden seit jeher gebrochen, Draco." Er verstand. Und er nickte wieder.

„Ich bereue es nicht, Mr Weasley. Ganz bestimmt nicht", fügte er hinzu, während er Hermine betrachtete, die Ginny Potter umarmte und beinahe ansteckend lachte.

„Das freut mich. Dann wünsche ich Ihnen noch ein schönes Fest. Und Sie haben Recht. Meine Tochter freut sich bestimmt über ein bisschen Extragold zum Ausgeben." Arthur Weasley verschwand wieder. Er hatte die Hände in den Taschen vergraben.

„Hier sind wir also", bemerkte Pansy, die sich mit Gregory neben ihn gestellt hatte.

Antoinette hatte Ron Weasley gerade dazu gezwungen, zum allerersten Lied zu tanzen.

„Haben sich deine Eltern schon gemeldet? Oder Blaise?" Es war keine wirkliche Frage. Er ruckte nur mit dem Kopf.

„Deine?" Und er wusste, es fiel Pansy schwerer als ihm.

„Nein. Noch nicht."

„Pansy, die Menschen hier sind wesentlich netter als alle unsere Familien zusammen, ok?" Er sah sie abwartend an, bis sie schließlich nickte. Gregory legte einen Arm tröstend um sie. Draco konnte nicht verhindern zu lächeln, als seine ausnahmslos hübsche Freundin mit zwei Gläsern Elfensekt wieder kam. Ihr Kleid war blau, und Draco konnte es eigentlich kaum erwarten, es ihr wieder auszuziehen. Es war reines Glück, dass sie heute überhaupt pünktlich gekommen waren….

Sie reichte ihm ein Glas.

„Auf die Potters!", sagte sie lächelnd. Er verzog den Mund.

„Oh, nicht auf die Potters", erwiderte er leise. Sie stieß ihm lachend in die Seite.

„Na gut. Auf uns!", schlug sie vor, und darauf stieß er gerne an. „Auf euch", sagte sie schließlich zu Pansy und Gregory, und beide wirkten mehr als nur zufrieden.

„Ich hoffe, Sie haben mir einen Tanz freigehalten, Mr Malfoy", flüsterte sie leise, als sie sich neben ihn stellte, und seine Hand wieder ergriff.

„Wie wäre es, wenn ich dir ab jetzt alle Tänze freihalten würde, Ms Granger?" Er lehnte sich näher zu ihr und küsste ihren glatten, weichen Hals, der ihn praktisch dazu einlud.

Sie lehnte sich entspannt an ihn. Er wartete immer noch auf die Panik, auf die Angst, die ihn plötzlich heimsuchen würde. Aber sie blieb aus. Er legte einen Arm um sie und zog sie näher an sich. „Sollen wir?", erkundigte er sich, als das nächste Lied gespielt wurde, und sie nickte fröhlich.

„Auf jeden Fall", bestätigte sie und ließ sich von ihm unter das hohe Zelt führen. Sie sah ihn mit erhobener Augenbraue an. „Ich glaube, du bist in mich verliebt, Malfoy." Er musste tatsächlich lachen.

„Hm…." Er lehnte sich näher zu ihr, als er ihr den Arm um die Taille legte und sie näher an sich brachte. „Aber sag's keinem", fügte er rau hinzu, und sie legte den Kopf an seine Schulter. Er spürte sie lächeln. Ja. Er wollte sie und sonst keine. Er schloss die Augen, und ihr Herzschlag an seiner Brust beruhigte ihn so sehr, dass die Sorgen sehr weit entfernt schienen. Er entspannte sich in ihrer Nähe sofort. Eigentlich fühlte er sich gut.

Eigentlich so gut, wie schon sehr lange nicht mehr.

Aber das würde er ihr heute nicht auf die Nase binden.

Vielleicht morgen.

Und er tanzte mit ihr auch zum nächsten Lied. Und zu dem danach, ohne sie loslassen zu wollen. Nein. Er bereute absolut überhaupt nichts. Jetzt gerade hatte er alles, was er brauchte. Und er hatte Glück. Er war nicht allein. Er atmete den Duft ihrer Haare ein und würde sie nie mehr loslassen. Zumindest die nächsten Lieder nicht mehr.

Dann hatte er eben doch ein Herz. Eigentlich überraschte es ihn nicht zu sehr.

Eigentlich war er ziemlich dankbar dafür.

Er küsste sie auf den Haaransatz, und sie drückte ihn, wenn möglich, noch fester an sich.

– The End –