Hallo ihr Lieben
Es gibt eigentlich nicht viel zu sagen. Es ist ein ziemlich kurzes Kapitel, aber sehr wichtig...
Bevor ich mich aber mal wieder verkrieche: dankeschön an Vampyre, die sich trotz Stress – geht die doch einfach mal übers Wochenende nach Tschechien – des Kapitels angenommen hat. Du bist mein Held
lg, Sckoko
Chapter 6
Ich war vor Edward in Biologie und setzte mich auf meinen Platz. Mike kam heute besonders schnell zu mir und setzte sich auf die Tischkante.
"Hey Bella. Ich hab dich heute nicht beim Mittagessen gesehen. Ist alles in Ordnung?"
"Ja, Mike, es ist alles klar. Danke."
"Das ist gut", murmelte er. "Also, ich habe bemerkt, dass du heute nicht deinen Truck genommen hast… läuft er?"
"Ja, meinem Truck geht es wunderbar."
"Oh", murmelte er lahm. Wir sahen beide auf, als Edward in den Raum kam und sich auf seinen Platz neben mir am Tisch setzte. Mike wandte sich wieder mir zu, entschlossen, seine Anwesenheit zu ignorieren.
"Also, ich habe mich gefragt… ob vielleicht… weißt du… ob du vielleicht jemand bräuchtest, der dich heute nach Hause fährt." Eine leichte Röte glitt über sein Gesicht, als er mich mit hoffnungsvollen Augen ansah.
Ich überlegte kurz, ob ich Mike erlauben sollte, mich nach Hause zu bringen. Das würde mir Zeit geben, meine Antworten auf Edwards Fragen durchzudenken, aber es könnte Mike auf falsche Gedanken bringen. Aber was wohl am meisten ausmachte, war mein Wunsch, wieder mit Edward allein zu sein. Ich wusste, das war falsch, aber ich sehnte mich viel zu sehr nach seiner Gesellschaft, als dass ich diese Möglichkeit verstreichen lassen würde.
Ich sah, dass Edward sich leicht anspannte, bevor ich Mike meine Antwort gab. Sein Kopf neigte sich ein winziges Bisschen in meine Richtung. Er schien plötzlich beunruhigt zu sein, als würde es ihn nervös machen, meine Antwort zu hören.
"Danke, Mike, aber ich werde schon gefahren." Ich zuckte mit den Schultern.
"Oh. Ok, dann… ich gehe wohl besser an meinen Platz", murmelte er niedergeschlagen.
Ich spürte Gewissensbisse, dafür, was ich getan hatte und seufzte. Ich drehte mich um, um zu Edward zu schauen, und war überrascht, als ich feststellte, dass er mich mit gerunzelter Stirn anstarrte. Er sah aus, als hätte ihn etwas verwirrt. Hatte ich unrecht gehabt, anzunehmen, dass er mich fahren würde?
"Du fährst mich doch, oder?", fragte ich unsicher. Die Frage war ziemlich direkt und ich errötete.
Er sagte nichts und ich sah nach unten. "Ich meine, das ist in Ordnung. Ich ruf einfach Charlie an. Mach dir deshalb keine Sorgen."
"Nein. Nein", sagte er schnell. "Ich fahre dich."
"Das ist schon in Ordnung. Du musst nicht", versicherte ich ihm. Ich wagte es, ihn aus den Augenwinkeln anzusehen und bemerkte, dass er lächelte. Das war so wunderschön, dass es mir den Atem raubte.
"Ich will es aber machen", beteuerte er ernsthaft.
Sprachlos nickte ich und unsere Augen hielten sich gegenseitig fest. Mein Kopf begann zu schwirren, als ich ein weiteres Mal vergas zu atmen. Ich schnappte nach Luft und hätte dabei schwören können, dass ich ihn leise lachen hörte. Ich wollte ihn gerade fragen, als der Lehrer kam und den Unterricht begann.
Es war ein sehr langer Nachmittag.
"So", murmelte er, als er aus dem Schulparkplatz steuerte. „Es ist später."
Ich seufzte. Er vergeudete keine Zeit. Das war der Teil des Tages, den ich am meisten gefürchtet hatte. Ich hatte mich während Sport kaum auf meine Hausaufgaben konzentrieren können, weil ich über jedes mögliche Szenario nachdachte. Am Ende der Stunde hatte ich keinerlei Fortschritte gemacht – ich war immer noch unentschlossen, was ich tun sollte.
"Was willst du wissen?", fragte ich, um meine Gnadenfrist ein bisschen zu verlängern.
Er grinste. "Ich glaube, du warst dabei mir zu erzählen, warum deine Gesundheit dich so wenig kümmert."
Ich verspannte den Kiefer, schloss die Augen und wandte meinen Kopf dem Fenster zu. Die Menschen schienen immer auf zwei Arten zu reagierten, wenn sie herausfanden, dass ich krank war – Mitleid oder Angst – und dann verließen sie mich. Ich wusste nicht, ob ich mit einem von beidem bei Edward klarkommen würde.
„Bella", drängte er sachte.
Ich öffnete die Augen und stellte überrascht fest, dass wir schon beim Krankenhaus waren. Wir hatten neben meinem Truck geparkt. Ich schaute zu Edward und sah echte Besorgnis in seinen Augen, die mich anflehten, ihm zu sagen, was los war.
"Ich… ich… " Meine Kehle fühlte sich eng an und mein Mund wurde plötzlich sehr trocken. Ich konnte spüren, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten. Ich schüttelte leicht den Kopf.
Ich drehte mich schnell auf meinem Sitz herum, öffnete die Tür und stieg aus. Rasch lief ich zur Fahrerseite meines Trucks, aber ich wurde von einer kalten Hand auf meinem Arm zurückgehalten. Ich drehte mich um; er stand neben mir und hielt meinen Unterarm fest umfasst.
"Ich muss gehen, Edward", sagte ich so ernst wie ich konnte. Ich wusste, dass meine Stimme schwach klang. Es hatte angefangen zu regnen, aber es war mir gleichgültig. Ich spürte, wie die kalten Tropfen mein Haar durchnässten, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, meine Kapuze aufzusetzen.
Ich schüttelte den Arm und versuchte, mich freizubekommen, aber er hielt fest. „Lass mich los", rief ich, während Tränen mein Gesicht hinunterliefen. „Ich muss gehen. Bitte."
"Bella. Bitte sprich einfach mit mir. Du kannst nicht ewig davonlaufen. Lass mich dir helfen."
Etwas in mir riss bei seinen Worten. Mir helfen? Wie zur Hölle sollte er mir helfen? Niemand konnte mir helfen. Ich zog ein letztes Mal kräftig, bekam mich aus seinem Griff frei und sah zu ihm hoch. „Du kannst mir nicht helfen, Edward. Das kann niemand", fauchte ich wütend.
„Bitte..."
"Ich sterbe, ok. Fühlst du dich jetzt besser? Jetzt kennst du mein tiefes, dunkles Geheimnis", schrie ich und unterbrach ihn dabei mitten im Satz. Es war mir egal, was er sagen wollte. „Ich habe Leukämie. Ich bin hierhergezogen, um meine Mutter diese verfluchte Aufgabe abzunehmen, mich zu pflegen und zuzuschauen, wie ich sterbe." Die Tränen waren ein gleichmäßiger Strom geworden, der sich den Weg nach unten über mein Gesicht bahnte und sich mit dem Regen vermischte. „Bist du nun glücklich? Jetzt weißt du alles. Keine Geheimnisse mehr", flüsterte ich bitter.
Edward sagte nichts, sondern starrte er mich nur ehrfüchtig an. Er schien völlig von meinem Geständnis überrumpelt zu sein. „Du kannst jetzt gehen. Danke für die Fahrt."
Ich drehte mich schnell um und öffnete meine Tür. Gerade als ich einstief, fühlte ich einen weiteren Zug an meinem Arm.
"Lass mich einfach allein, Edward. Lass mich einfach allein", flüsterte ich. Ich spürte, wie er meinen Arm sofort losließ. Ich stieg in meinen Truck und verließ den Parkplatz so schnell ich konnte. Ich sah kein einziges Mal zu ihm zurück. Ich konnte es nicht ertragen, seine Reaktion zu sehen.
Als ich halb zuhause war, fuhr ich an den Straßenrand und ließ mich auf den Beifahrersitz sinken. Die Tränen waren zu dick geworden, als dass ich sicher hätte fahren können. Ich schluchzte eine Zeit, die wie eine Ewigkeit schien. Als ich keine Tränen mehr hatte, richtete ich mich auf und begann, den restlichen Weg nach Hause zu fahren.
Ich hielt vor meinem Haus und meine Augen wurden groß. Da, in meine Einfahrt, stand ein silberner Volvo. Was konnte er noch von mir wollen? Ich atmete tief durch und öffnete meine Tür, entschlossen, das Auto in der Einfahrt zu ignorieren. Sobald die Tür offen war, stieg ich aus. Ich sah nach unten und lief mit auf meine Schuhe gerichteten Augen zur Haus.
„Bella."
Seufzend blieb ich stehen. Es wäre, besser, das jetzt hinter mich zu bringen, als in der Schule, wo es Zeugen geben würde. Ich drehte mich zu ihm und wartete.
Er kam auf mich zu, streckte seine Hand aus und legte sie auf eine Seite meines Gesichtes. Seine Augen waren sanft und in ihnen lag ein Gefühl, das ich nicht einordnen konnte. Ich wollte ihn wegschicken, aber ich konnte meinen Mund nicht zum Sprechen bringen. Das Gefühl seiner Hand auf meinem Gesicht jagte mir eine Gänsehaut über den Körper. Es fühlte sich unglaublich an. Unbewusst lehnte ich mich in seine Hand und spürte, wie sein Daumen sanft über meine Wange strich.
Seine Augen hafteten einige Momente auf meinem Gesicht und ich sah, wie sich Besorgnis in sie schlich. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie ich nach meinem Zusammenbruch aussah. Ich versuchte wegzusehen, um mich vor ihm zu verstecken, aber seine Augen bohrten sich in meine und hielten mich fest.
„Oh Bella", seufzte er.
Ich versuchte zu schlucken, aber in meiner Kehle war ein Knoten und ich konnte nicht. Bevor ich wusste, was geschah, lag ich in seinen Armen und wurde von ihm an seine Brust gedrückt. Erst versuchte ich noch, loszukommen, aber als dann Tränen, von denen ich nicht gewusst hatte, dass ich sie noch hatte, mein Gesicht herunter liefen, klammerte ich mich schließlich fest an ihn. Ich griff nach seinem Hemd und zog mich so nah an ihn, wie nur möglich. Er hielt mich fest in seinen Armen, ohne etwas zu sagen, während meine Tränen auf seinem Hemd Flecken hinterließ.
Er hielt mich wortlos, bis meine Augen aufs Neue trocken wurden. Er zog mich von seiner Brust und sah mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen zu mir nach unten.
"Tut mir leid", flüsterte ich und senkte den Kopf. Plötzlich war mir mein Ausbruch extrem peinlich und ich konnte die vertraute Hitze auf mein Gesicht schleichen fühlen.
Ich spürte seine kalte Hand unter meinem Kinn, als er mein Gesicht nach oben zog, damit ich ihn ansah. „Nicht", beharrte er ernst.
Wir starrten uns einen langen Augenblick an. Ich hatte nicht bemerkt, wie spät es geworden war, bis ich spürte, dass ich vor Kälte fröstelte. Es hatte aufgehört zu regnen, aber es lag immer noch ein leichter Nebel in der Luft.
Er seufzte. "Du solltest rein gehen und dir trockene Sachen anziehen."
Ich nickte, immer noch unfähig zu sprechen.
"Soll ich dich morgen für zur Schuleabholen?"
Ich wurde von seiner Frage etwas aus der Fassung gebracht. Dumpf nickte ich zu Antwort. Nach allem, das er erfahren hatte, wollte er immer noch in meiner Nähe sein – er verblüffte mich. Ich fragte mich, ob ich je wirklich in der Lage sein würde, ihn zu verstehen.
Er lächelte mich breit an, bevor er seine Hand von meinem Gesicht nahm. "Geh rein! Ich sehe dich morgen", versprach er.
"Oh, und Bella", hörte ich ihn gerade in dem Moment rufen, als ich die Haustür aufschloss. Ich drehte mich um und sah, dass er an der offnen Fahrertür lehnte.
"Schlaf gut." Er lächelte und rutschte gewandt auf den Sitz seines Autos.
Er war bereits die Straße halb unten, als ich meine Stimme schließlich fand. „Danke. Du auch", flüsterte ich, aber es war zu spät.
