Hallo
Es folgt Chapter neun und... na ja, wie gesagt, es ist anders. Und ich hasse es aus vollem Herzen und tiefster Seele, aber vielleicht findet ihr es ja toll. Was auch immer, schreibt danach einfach kurz einen Kommentar...
lg, Schoko
--
Chapter 9
Ich verschob meinen Arzttermin auf Samstag. Edward hatte mich die ganze Woche über zuverlässig zur Schule abgeholt, aber ich wollte nicht, dass er mich zum Krankenhaus fuhr und dort auf mich wartete.
Ich blätterte durch einige Zeitschriften, während ich darauf wartete, aufgerufen zu werden. Ich hasste es, es zuzugeben, aber ich vermisste Edward. Ein Teil von mir wünschte, ich hätte meinen Termin nicht verlegt, sodass er mich hätte fahren können.
"Miss Swan, der Doktor wird Sie jetzt untersuchen."
Ich folgte der Krankenschwester in sein Büro und setzte mich. Zu meiner Überraschung saß er schon hinter seinem Schreibtisch und wartete auf mich.
"Hi", lächelte ich.
"Hallo. Und, wie geht es Ihnen heute?"
"Gut."
Er lächelte, aber sein Blick war angespannt. Er führte mich zur Untersuchungsliege und begann seine Checks. Zu meiner Erleichterung hatte ich ein Pfund zugelegt. Es gab keinen Bedarf mehr für weitere Tests.
Sobald er fertig war, sprang ich vom Tisch und nahm meinem Platz wieder ein. Ich erwartete, dass er mich für einige weitere Wochen entlassen würde.
Ich lag falsch.
Er schaute einige kurze Augenblicke auf meine Krankenakte, um dann wieder zu mir hochzusehen. Tief in seinen Augen lag Beunruhigung und ich begann mir Sorgen zu machen.
"Isabella", begann er. "Wir haben die Ergebnisse von den Tests, die wir vor ein paar Wochen durchgeführt haben, zurückbekommen."
"Und?", hakte ich nervös nach.
Er seufzte. "Es scheint, als habe sich ihr Zustand exponentiell verschlechtert." Er schüttelte den Kopf. „Es ist nicht klar, warum. Ich fürchte, die Prognose sieht nicht gut aus. Wenn sich die Sache nicht verlangsamt und Sie nicht wieder anfangen auf die Behandlungen zu reagieren… dann bleibt nicht mehr viel Zeit."
Ich saß erstarrt auf meinem Stuhl, während ich alles, was der Arzt mir erzählte, verarbeitete. Nicht nur dass ich starb, jetzt starb ich auch noch schneller? Noch mal Behandlungen? Wie sollte ich das noch mal aushalten? Was, wenn ich immer noch nicht darauf reagierte?
"Wie lange?", stieß ich nach einigen Minuten Stille hervor.
"Es gibt immer noch viele Dinge, die wir machen können. Ich möchte nicht, dass Sie die Hoffnung verlieren – noch nicht. Ich will einige andere Medikamente an Ihnen ausprobieren. Vielleicht reagieren Sie auf die neuen Arzneien besser."
"Wie lange?", fragte ich erneut, dieses mal mit etwas stärkerer Stimme.
Er seufzte. "Ein paar Monate, höchstens sechs."
Ich nickte. Sechs Monate, sechs Monate und dann würde ich tot in der Erde liegen. Ich hatte mein Schicksal schon akzeptiert, aber das war, als ich noch ein Jahr zum Leben gehabt hatte. Es versetzte mich in Panik, dass meine Zeit halbiert worden war. Ich hatte nicht mehr genügend Zeit, um alles zu tun, was ich tun musste. Es war nicht fair verdammt! Ich war zu jung! Es war nicht fair!
"Ich will mit der Behandlung so bald wie möglich anfangen", sagte Dr. Spencer und riss mich aus meinen Gedanken.
"Nein", flüsterte ich. Wenn ich nur noch sechs Monate zu leben hatte, würde ich sie nicht krank im Bett verbringen.
"Miss Swan, denken Sie darüber nach. Es ist die beste Chance, die Sie haben. Kommen Sie nächste Wochen noch mal, wenn sie die Gelegenheit hatten, mit Ihrer Familie darüber zu sprechen."
Ich nickte und wusste zugleich, dass ich mit niemandem darüber sprechen würde. Es gab keinen Grund, sie unnötig zu besorgen. Das war meine Last, die ich tragen musste. Ich musste für sie stark sein.
Wortlos stand ich auf und ging aus seinem Büro, ohne mich damit aufzuhalten, meinen nächsten Termin zu machen. Irgendwie schaffte ich es zu meinem Truck und nach Hause zu fahren. Ich war immer noch betäubt als ich das Haus betrat und in mein Zimmer ging. Ich verbrachte Stunden damit, auf meinem Bett zu sitzen und an die Wand zu starren. Ich musste meine Gefühle unter Kontrolle bekommen, bevor Charlie nach Hause kam. Er war mit seinem alten Freund, Billy Back, fischen gegangen und wäre erst in einer Weile zurück.
Zumindest hatte ich dieses Wochenende, um alles zu regeln, bevor am Montag Schule war. „Nein", flüsterte ich, als sich meine Gedanken der einzigen Person zuwandten, die ich in mein Leben gelassen hatte. Edward. Wie würde ich es ihm sagen? Sollte ich überhaupt? Tränen füllten meine Augen. Ich steckte zu tief drin. Ich konnte nicht abstreiten, wie ich für ihn fühlte. Ich war dabei, mich ihn zu verlieben. Ich wusste es sicher. Und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ein Teil von mir sehnte sich danach, ihn anzurufen, damit er mich tröstete und um seine starken, steinernen Arme um mich zu spüren. Aber ich wusste, dass ich das nicht konnte. Ich musste mich von ihm distanzieren, bevor es zu schlimm wurde. Es war nicht fair, ihn so in die Sache hineinzuziehen – nicht dass ich vorher wirklich fair gewesen wäre, aber nun, da ich nur noch ein paar Monate hatte... Ich konnte ihm nicht erlauben, in irgendeiner Weise an mir zu hängen. Er war mir zu wichtig, als dass ich zulassen würde, dass er von mir verletzt wurde, auch wenn es nicht meine Schuld war.
Ich schloss die Augen und wischte die Tränen, die mein Gesicht heruntergelaufen waren, weg. Dann stand ich auf und ging nach unten; ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich nahm den Telefonhörer ab und wählte seine Nummer. Er hatte sie mir vor einigen Tagen für Notfälle gegen. Jetzt war so gut wie jede andere Zeit um sie zu benutzen. Es klingelte zweimal, bevor jemand abnahm.
"Bei Cullen", sagte eine sanfte, engelhafte Stimme.
Ich sagte kurz nichts.
"Hallo?"
"H- Hi", stotterte ich. "Ist Edward zuhause?", fragte ich mit schwacher Stimme.
"Nein", hörte ich sie amüsiert sagen. "Er ist mit seinen Brüdern dieses Wochenende weg. Kann ich ihm etwas ausrichten?"
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich nicht mit ihm sprach. „Könnten Sie ihm sagen, dass Bella angerufen hat und dass ich am Montag niemanden brauche, der mich fährt?" Ich überlegte kurz. „Könnte ich vielleicht seine Handynummer haben, damit ich ihm eine Nachricht hinterlassen kann?"
"Sicher." Sie ratterte schnell seine Nummer runter und ich bedankte mich, bevor ich auflegte. Sie hatte mir gesagt, dass er nicht in der Gegend war und meine Nachricht bis Sonntagabend nicht bekommen würde. Das war genau das, auf was ich hoffte.
Während ich seine Nummer wählte, ordnete ich meine Gedanken. Ich musste überzeugend klingen. Ich schluckte hart, als ich das Piepen hörte und atmete tief durch. „Edward, hier ist Bella. Ich wollte dir nur sagen, dass ich nicht mehr mit dir befreundet sein will. Lass mich bitte in Ruhe. Ruf mich nicht an und komm nicht wieder vorbei. Es tut mir leid, dass ich dich irgendwie auf falsche Gedanken gebracht habe, aber es ist besser so. Ich bin kein guter Freund für dich. Bitte versuch das zu verstehen und respektiere meine Wünsche. Tschüs."
Ich fiel auf den Boden und mein Atem beschleunigte sich. Schmerzen, wie ich sie nie zuvor erlebt hatte, rasten durch meinen Körper. Ich hatte angefangen, heftig zu schluchzen, ohne es zu bemerken. Ich zog meine Knie zur Brust und wiegte mich langsam vor und zurück.
Ich war so selbstsüchtig gewesen. Ich hatte mich nur darauf konzentriert, was ich brauchte, wenn es um Edward ging. Ich hatte jemandem zum Reden gebraucht. Ich hatte eine Schulter gebraucht, an der ich heulen konnte. Ich hatte in seiner Nähe sein müssen – aber jetzt nicht mehr. Ich schluckte hart und unterdrückte die Tränen. Ich würde zu meinem ursprünglichen Plan zurückkehren. Ich würde für mich bleiben, mein Leben still zu Ende leben und so wenig Menschen wie möglich darin verwickeln.
Ich atmete ein paar Mal tief durch, um die Tränen zurückzuhalten. Normal, ich musste mich normal verhalten, zumindest heute noch. Ich konnte es mir nicht leisten, jetzt zusammenzubrechen. Ich wusste nicht, ob ich je wieder aufhören könnte zu weinen, wenn ich einmal angefangen hatte.
Ich stand langsam vom Boden auf und öffnete den Gefrierschrank. Es war Zeit mit dem Abendessen für Charlie anzufangen.
"Hey Bells", hörte ich Charlie, gerade in dem Moment, als ich die letzten Kleinigkeiten noch fertig machte, von der Haustür her rufen.
"Hey Dad", antwortete ich und versuchte optimistisch zu bleiben.
"Wie war der Termin beim Arzt?"
Ich zuckte mit den Schultern. Es gab keinen Grund, es ihm zu sagen – es würde ihm nur noch mehr Schmerzen und Sorge bereiten. „Das Übliche. Nichts Neues zu berichten."
Er nickte, während er ins Wohnzimmer ging, um den Stand bei einem Spiel nachzuschauen, das gerade lief.
Wir aßen schweigend. Ich war nicht die beste Schauspielerin und Charlie bemerkte, dass mich etwas beschäftigte. Er versuchte mich zu fragen, was los war, aber ich log und sagte, ich sei nur müde. Ich entschuldigte mich, sobald ich konnte und ging ohne zu duschen in mein Zimmer. Auf dem Bett brach ich zusammen und ließ das Elend, das ich den ganzen Nachmittag von mir geschoben hatte, mich überschwemmen.
Es war nicht fair! Es war einfach nicht fair! Ich bedeckte mein Gesicht mit den Händen, während mein Körper von meinem Schluchzern geschüttelt wurde. Warum ich? Was hatte ich getan, das so schrecklich war? Warum wurde ich so hart bestraft?
Ich weinte mich in dieser Nacht in den Schlaf. Am nächsten Morgen waren meine Augen schwer und trocken von all den Tränen. Ich lag bis zum späten Nachmittag im Bett und versuchte zu überlegen, was ich tun sollte.
Ich fiel in ein schwarzes Loch von Verzweiflung und ich wusste nicht, wie ich entkommen sollte. Ich war zuvor schon dadurch gegangen, aber es war etwas Anders, wenn man wusste, dass seine Zeit halbiert worden war. Ich wusste, ich hatte einen Grund zu leben – nicht dass ich davor nicht hatte leben wollen. Mein Leben in Phoenix war glücklich gewesen, aber manchmal konnte es einsam sein. Nie zuvor hatte ich mich jemandem so verbunden gefühlt. Ich war immer eine Art Außenseiter gewesen. Meine „Freunde" hatten mich alle verlassen, sobald sie einmal herausgefunden hatte, dass ich krank war. Ich hatte nur meine Mutter. Und sogar ihr wollte ich nicht meine wahren Gefühle offenbaren, aus Angst, ich könnte sie verletzen oder ihr Sorgen bereiten.
Nur bei Edward hatte ich das Gefühl, ich selbst sein zu können. Er gab mir das Gefühl, völlig sicher zu sein; als könnte ich ihm meine tiefsten Ängste mitteilen, und er wäre dennoch da, egal was passierte.
Mehr als alles andere fühlte ich mich schuldig. Schuldig dafür dass ich ihm erlaubt hatte, mir so nahe zu kommen und mein Freund zu werden. Ich war unglaublich egoistisch gewesen. Ich war froh, dass ich das alles zumindest jetzt beendet hatte. Wir waren nur ein paar Wochen befreundet gewesen; es war nicht so, dass wir beste Freunde oder so gewesen wären. Ich war mir sicher, er dachte ich sei eine Art Freak dafür, dass ich ihm diese Nachricht hinterlassen hatte. Ich hoffte, er tat es, dann würde er mich alleine lassen und ich würde ihn nicht verletzen.
Ich war mir sicher, dass meine Gefühle für ihn tiefer waren, als seine für mich. Ich war nur irgendein Mädchen, das scheinbar schwach war, und dem zu helfen er sich verpflichtet fühlte. Ich würde seine Freundlichkeit mir gegenüber immer schätzen. Er hatte mir zum ersten Mal seit einer sehr langen Zeit das Gefühl gegeben, ein richtiger Mensch zu sein.
Ich sah aus dem Fenster und bemerkte, dass die Sonne unterging. Ich fürchtete mich vor der Schule am Montag, wenn ich Edward ins Gesicht sehen müsste. Ich wusste nicht, was für eine Reaktion ich bekommen würde. Würde er mich wieder ignorieren und wie eine Aussätzige behandeln.
Eine einzelne Träne lief mein Gesicht hinunter, als ich zum letzten Mal, dem einzigen Junge, der mir jemals wirklich wichtig gewesen war, auf Wiedersehen sagte.
