Chapter 11

Am nächsten Tag war es in meinem Zimmer außergewöhnlich hell, als ich meine Augen öffnete. Zu meiner Freude war es draußen sonnig. Ich lächelte, während ich mich im Zimmer umsah und dabei halbwegs erwartete, Edward zu sehen. Ich warf einen Blick in Richtung des Stuhls, auf dem er letzte Nacht gesessen warund bemerkte eine einzige rote Rose auf meinem Tablett mit einem kleinen, gefalteten Stück Papier darunter. Ich griff nach der Rose und hielt sie an die Nase. Sie roch sehr süß. Ich lächelte, während ich die Notiz darunter las.

Bella,

Ich hoffe, du hast gut geschlafen. Tut mir leid, dass ich nicht hier sein kann, um dich heute morgen zu wecken. Aber wenn du mich brauchst, ruf mich an. Ich komm später bei dir vorbei.

Sei vorsichtig

Edward

Unter seinem Namen fand ich seine Handynummer. Ich las die Notiz einige Male und fuhr dabei mit den Fingern seine eleganten Buchstaben nach. Ich lächelte; ihn hielt nichts fern. Es schien, als ob ich an ihm fest hing, ob ich nun wollte oder nicht. Egal wie sehr ich ihn weg schob, er schien dazu bestimmt in meinem Leben zu sein. Obwohl ich wusste, dass ich egoistisch war, war ich äußerst dankbar für seine Hartnäckigkeit. Mein Herz flatterte bei der Vorstellung, ihn später zu sehen und plötzlich wollte ich unbedingt gehen.

Ich war dankbar, als Charlie endlich auftauchte, und mich aus dem Krankenhaus holte. Es war beinahe Nachmittag, als ich nach Hause kam. Ich hatte es nicht geschafft, einer weiteren Predigt meines Arztes darüber, dass ich auf mich aufpassen sollte, zu entkommen. Charlie hatte ihm ab und an zugestimmt. Ich war dankbar, dass der Arzt nicht wieder mit den Behandlungen angefangen hatte. Ich wollte nicht, dass Charlie es herausfand.

Als wir daheim waren, wollte Charlie nicht zur Arbeit gehen.

"Ich bleibe hier, damit ich sicher sein kann, dass du den Anweisungen vom Arzt folgst", beharrte er streng.

Ich seufzte verärgert.

"Was willst du zum Mittagessen?", fragte er unbeeindruckt.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ein Brot ist in Ordnung. Ich kann mein eigenes machen", fügte ich hinzu und lief zum Kühlschrank.

Charlie fing mich ab und schob mich behutsam ins Wohnzimmer. „Setz dich hin und ruh dich aus. Ich denke, ich bekomme es auf die Reihe, ein Sandwich zu machen".

Ich setzte mich auf die Couch und zusammen schauten Charlie und ich den Großteil des Nachmittags fern. Als es Abend wurde, wurde ich übermäßig nervös. Ich fragte mich, wann oder ob Edward anrufen würde. Ich erwischte mich dabei, wie ich öfter als ich sollte auf die Uhr sah.

Ich zuckte leicht zusammen, als ich jemanden an die Tür klopfen hörte und lächelte innerlich in der Hoffnung, es sei Edward.

"Ich mach auf", sagte ich zu Charlie, der in das Spiel im Fernseher vertieft war. Ich war mir nicht mal sicher, ob er das Klopfen überhaupt gehört hatte.

Ich biss mir auf die Lippe, als ich die Tür öffnete. Dann sank mein Herz, als ich bemerkte, wer da vor mir stand. Billy Black und irgendein Junge warteten geduldig auf der Türschwelle. Ich kannte ihn nur von Bildern und den jungen Mann, der hinter ihm stand, erkannte nicht.

"Hallo", lächelte ich.

"Du musst Bella sein. Ich nehme nicht an, dass du dich an mich erinnerst? Ich bin ein alter Freund von deinem Vater, Billy Black. Und das", er machte mit der Hand eine Geste nach hinten, „ist mein jüngster Sohn, Jacob."

Ich nickte Jacob freundlich zu und sah zu Billy zurück. „Ich erinnere mich an dich. Ich habe Bilder gesehen." Der alte Mann lachte.

"Kommt bitte rein."

Ich wich zur Seite, als Jacob seinen Vater durch die Tür ins Wohnzimmer schob. Ich lächelte, als ich hörte, wie die beiden alten Freunde sich fröhlich begrüßten. Ich war froh, dass Charlie so einen guten Freund hatte.

Wir setzten uns gerade noch rechtzeitig zum Beginn des wichtigen Spiels, das im Fernsehen anfing, ins Wohnzimmer. Nach ein paar Minuten entschuldigte ich mich, um das Abendessen zu bestellen. Ich mochte Sport nicht und es interessierte mich nicht, zu verfolgen wie sich das Spiel im Fernsehen entwickelte. Ich beschloss, die Männer ihrem Spiel zu überlassen und meine Hausaufgaben am Küchentisch zu erledigen. Ich war überrascht, als Billys Sohn Jacob mir hinausfolgte.

"Ich mache nur meine Hausaufgaben", warnte ich, als er sich mir gegenüber an den Tisch setzte.

"Alles ist interessanter als während eines Spiels bei den beiden zu sein." Er lächelte.

Ich lächelte zurück.

Ich staunte, wie einfach es war, mit Jacob zu reden. Ich kannte ihn kaum und dennoch wirkte es, als wären wir alte Freunde. Die Unterhaltung floss locker zwischen uns dahin, während wir so dasaßen und zusammen sprachen, nur einmal davon unterbrochen, dass die Pizza kam. Ich erfuhr, dass er aus La Push war und zwei ältere Zwillingsschwestern hatte, mit denen ich während meiner Sommerbesuche bei Charlie gespielt hatte. Ich war erschrocken, als ich hörte, dass eine von ihnen heiratete.

Ich fand heraus, dass er sich der Mechanik verschrieben hatte. Tatsächlich hatte mein Truck einmal seinem Vater gehört.

"Du magst dieses alte Ding also wirklich?", fragte er skeptisch.

Ich schaute finster. "Ich liebe meinen Truck."

"Ich sollte dir danken, dass du ihn mir abgenommen hast. Jetzt kann ich anfangen, an meinem Auto zu arbeiten", gab er mit breitem Grinsen zu.

"Was für ein Auto?"

"Ich baue ein ganz neues Auto von Grund auf zusammen. Ich muss immer noch viel machen, aber langsam wird's", verkündete er stolz.

"Wow."

Er lachte über meinen Gesichtsausdruck. In diesem Moment klingelte das Telefon und ich griff danach, um abzuheben.

"Hallo?"

"Bella?" Ein unfreiwilliges Lächeln zog sich über meine Lippen und ich fühlte das Blut durch mein Gesicht rauschen.

"Hey", wisperte ich glücklich.

"Wie geht's dir heute Abend?" Ich konnte die Spannung in seiner Stimme hören.

"Mir geht's gut. Charlie hat mir heute Nachmittag ein Sandwich aufgezwungen und gerade hatte ich zwei Stück Pizza", fügte ich stolz hinzu. Ich sah hinüber zu Jacob; er schien verwirrt. Ich lächelte leicht und drehte ihm den Rücken zu.

"Dankeschön", hauchte ich aufrichtig, "für dir Blume… und… na ja… für alles."

"Ich bin froh, dass sie dir gefallen hat." Ich konnte das Lächeln in seiner Stimme hören.

"Sehen wir uns später?", fragte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten.

"Ich bin eigentlich gerade gar nicht in Forks", gab er zu. „Ich bin mit meinem Brüdern dieses Wochenende weg zum Campen."

"Oh." Ich versuchte die Enttäuschung aus meiner Stimme zu verbannen, hatte aber keinen Erfolg.

"Tut mir leid. Es war nicht vermeidbar. Ich hab schon vor einer Weile zugesagt."

"Nein, nein das ist in Ordnung. Mir geht's gut. Ich sehe dich dann, wenn du zurück bist. Keine Sorge", unterbrach ich ihn. Er schuldete mir nichts. Er sollte sich nicht schlecht dafür fühlen, ein Leben zu haben.

„Bestimmt!", versicherte er mit solcher Überzeugung, dass mein Herz flatterte.

„Viel Spass!"

Er lachte leise. "Den werde ich haben. Ruf an, wenn du irgendwas brauchst, oder nur reden willst." Er hielt kurz inne, bevor er noch etwas hinzufügte. „Versuch bitte, auf dich aufzupassen, während ich weg bin."

„Nicht du auch noch", stöhnte ich, bevor ich seufzte. „Werde ich."

„Versprich es mir!", forderte er.

„Ich verspreche es", sagte ich genervt.

Ich hörte ihn lachen und seufzte. „Bis bald."

"Tschüs", flüsterte ich und dann war er weg. Nachdem ich das Telefon aufgehängt hatte, drehte ich mich zurück zu Jacob. Er starrte düster auf den Tisch.

"Jacob?", fragte ich und überlegte, was los sein könnte.

"War das dein Freund?", fragte er traurig.

"Nein", antwortete ich ehrlich und lief leicht rosa an. „Nur ein sehr guter Freund."

"Oh. Ich kenn nur alle hier in der Gegend. Wer ist es?", fragte er merklich entspannter.

Ich schwieg kurz, bevor ich antwortete. „Edward Cullen."

Er lachte. Ich hob verwirrt die Augenbrauen. Was war so lustig?

Er grinste breit über meine Miene. „Das erklärt nur eine ganze Menge. Deshalb hat mein Dad darauf bestanden, heute hierher zu kommen."

"Was meinst du?"

Er lehnte sich nach vorne und flüsterte mit einem schelmischen Glitzern im Auge: "Magst du Gruselgeschichten, Bella?"

"Ich denke schon."

Er spähte ins Wohnzimmer und sah nach unseren Väter, bevor er zurück zum Tisch kam und sich setzte. „Das ist ein Teil der Legenden meines Stammes. Ich sollte es dir nicht erzählen, aber es ist sowieso nur ein Haufen dummer Aberglaube."

"Du solltest mir was nicht erzählen, Jacob?" Ich war so verwirrte.

Er grinste. "Über die kalten Wesen. "

Jacob begann eine Geschichte zu spinnen, die zu unglaublich war, um wahr zu sein – eine Geschichte von Werwölfen und Vampiren – mit den Cullens und Blacks als Mittelpunkt von allem. Er erzählte, dass er einem Stamm von Werwölfen abstammte, die geschworen hatten, die Menschen vor den Vampiren zu schützen. Er behauptete, die Cullens seien Vampire, die aber nicht als gefährlich galten, weil sie nur Tierblut tranken. Es wurde ein Vertrag abgefasst, der beide, Jacobs Stamm und die Cullens, vor einem Krieg zwischen den beiden Arten bewahrte.

Während er immer weiter erklärte, machten so viele Dinge "klick". Die Kälte von Edwards Haut, wie hart und unglaublich stark er zu sein schien. Die Art, wie er immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Die unmenschliche Schönheit, die ihm und seiner Familie zu Eigen war. Ich hatte immer den Verdacht gehabt, dass etwas mit ihm und seiner Familie nicht stimmte, aber das hatte ich nie erwartet.

Mein Gesicht war blass geworden und meine Augen waren geweitete, als er schließlich fest davon überzeugt, mich erschreckt zu haben, seine Geschichte beendete. Aber ich hatte keine Angst. Ich war schockiert, aber ich konnte mich nicht dazu bringen, in irgendeiner Weise Angst zu empfinden. Wenn er mich hätte verletzen wollen, hätte er es inzwischen getan. Tatsächlich schien er jedoch übervorsichtig und ständig über meine Sicherheit besorgt. Ich war nicht ganz überzeugt, dass die Geschichte in allen Einzelheiten stimmte, aber so viele Dinge schienen zu passen. Ich war dazu bestimmt, die Wahrheit herauszufinden.

Jacobs Vater glaubte an die Legenden und war hier, um sicherzugehen, dass ich in Ordnung war. Er musste von Charlie erfahren haben, dass Edward und ich Freunde waren, und um meine Sicherheit besorgt gewesen sein. Ich war dankbar, dass er zu sehr mit dem Spiel beschäftigt war, um mich wegen dieser Dinge in die Mangel zu nehmen. Ich machte mir nur Sorgen darüber, was er Charlie erzählen könnte.

Jacob beruhigte mich, als er mir sagte, dass Charlie die Cullens mochte und dachte, sein Vater sei ein Narr, ihnen zu misstrauen. Zumindest würde Charlie nichts von dem glauben, was Billy zu sagen hatte.

"Ich muss ins Bett, Jacob", sagte ich nach einigen Minuten. Die Ringe unter meinen Augen bewiesen, dass ich nicht log. „Es war ein langer Tag und ich bin wirklich müde. Es war nett, mit dir zu reden." Ich lächelte.

Er grinste. "Ja, das war es." Er errötete ein bisschen. "Wir sehen uns, Bella."

Ich sagte Billy und Charlie schnell gute Nacht, bevor ich nach oben ging, ohne mich damit aufzuhalten, zu duschen. Ich hatte eine Menge zum Nachdenken und Herausfinden und ich brauchte Zeit, um die Sache zu durchdenken.