Chapter 16

Die nächsten Tage schienen vorbeizurasen. Bevor ich wusste, wie mir geschah, war schon Freitag. Edward hatte mich jeden Tag zur Schule abgeholt. Es war wunderbar gewesen.

Es war meine letzte Stunde vor dem Mittagessen mit Jessica. Sie war die ganze Woche über still gewesen. Ich war mir nicht sicher warum, und als ich sie fragte, was los sei, zuckte sie nur mit den Schultern. Ich konnte mir nicht vorstellen, was ich ihr getan haben könnte, dass sie sich so aufregte.

Als die Glocke läutete, sammelte ich schnell meine Sachen zusammen, begierig danach Edward wieder zu sehen, aber ich wurde von einem leichten Tippen auf meinem Rücken aufgehalten. Ich drehte mich um und entdeckte Jessica, die immer noch auf ihrem Stuhl saß und mich mit verärgertem Blick ansah.

"Ja, Jessica?", fragte ich.

"Du hättest mich nicht anlügen müssen, Bella."

"Von was redest du?" Ich hob die Augenbrauen.

Sie warf sich ihr lockiges Haar über die Schultern. „Von dir und Edward. Ich meine, du hättest mir einfach die Wahrheit sagen können. Es ist eindeutig, dass ihr beide mehr als nur Freunde seid", sagte sie mit anklagendem Unterton in der Stimme.

"Das hat dich geärgert? Du denkst, ich hätte dich angelogen, was Edward und mich angeht?"

Sie nickte knapp. "Ich werde nicht gerne angelogen. Ich dachte, wir seien Freunde."

"Wir sind Freunde, Jess. Als ich dir sagte, dass Edward und nicht befreundet seien, waren wir es wirklich nicht... aber die Dinge... haben sich geändert." Ich spürte, wie meine Haut wärmer wurde. Ich wusste nicht, wie ich meine Beziehung zu Edward beschreiben sollte. Ich selbst wusste nicht mal, was zwischen uns war.

Ich seufzte. "Um ehrlich zu sein, Jess, ich weiß wirklich nicht mehr, was wir überhaupt sind."

Sie kräuselte die Lippen und ich wusste, dass sie meiner Erklärung nicht wirklich Glauben schenkte. „Ihr seid also nicht zusammen?", fragte sie ungläubig. "Weil es sieht nämlich wirklich so aus."

Tat es das? Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich war, aber ich spürte, wie mein Gesicht noch heißer wurde. „Nein, wir sind nicht zusammen."

Sie beäugte mich misstrauisch. "Also hat er dich überhaupt nicht gefragt, ob du mit ihm weggehen willst?"

Ich zuckte mit den Schultern. „Er hat mich gefragt, ob er mich morgen mit nach Seattle nehmen kann, um in ein paar Buchläden zu gehen. Zählt das?"

Ihre Augen leuchteten auf, als sie endlich die Information bekam, nach der sie die ganze Zeit geforscht hatte. „Ja, wann hat er dich gefragt?"

"Vor ein paar Tagen."

Sie schaute düster. "Wart ihr da nicht beide krank?"

Ich biss mir nervös auf die Lippen. Ich konnte ihr nicht sagen, dass er die ganze Zeit bei mir zu Hause verbracht hatte - allein. „Jaaa... ich meine, er hat angerufen, um zu fragen, wie es mir ging und ob ich mitkommen wolle."

Ihre Augen weiteten sich. "Lass mich das klarstellen", sagte sie und streckte mir ihre Handflächen entgegen. „Er hat dich angerufen als er krank war, um herauszufinden, wie du dich fühlst und dann gefragt, ob du mit ihm ausgehen willst?"

Ich zuckte mit den Schultern, während ich spürte, wie sich die Röte auf meinem Gesicht den Nacken weiter runter und hoch zu meinen Ohren zog. Wenn sie es so sagte, hörte es sich tatsächlich so an, als würde da mehr als Freundschaft sein.

Sie schüttelte ungläubig ihren Kopf. „Und du bist dir nicht sicher, was zwischen euch ist."

Ich zuckte erneut mit den Schultern und biss mir auf die Lippe.

Ich warf einen Blick auf die Uhr an der Wand und bemerkte, dass die Mittagspause schon halb vorbei war. „Jess, ich denke, wir sollten jetzt zum Mittagessen gehen, sonst kommen wir zu spät."

"Ok, sag mir nur noch eine Sache, dann können wir gehen."

Ich nickte und wartete auf ihre Frage. Ich hatte das unbestreitbare Gefühl, dass ich es bereuen würde.

"Hat er dich geküsst?"

Sobald die Frage ihre Lippen verlassen hatte, spürte ich mein Gesicht erneut brennen, während es dunkelrot anlief.

"Nein."

"Willst du, dass er es tut?"

Ich schluckte hart. "Das ist mehr als ich Frage", wich ich aus, „Wir müssen zum Mittagessen."

Ihre Mundwinkel sackten ab und ich sah die Enttäuschung in ihren Augen. „Jaaa, ok."

Wir gingen zusammen in den Speisesaal und meine Augen suchten den Raum wie von selbst nach Edward ab. Jessica sah, dass ich abgelenkt war, murmelte kurz ein Tschüss und machte sich auf den Weg zur Schlange vor der Essensausgabe.

Ich entdeckte ihn in einer entlegenen Ecke alleine sitzen mit einem Tablett voll Essen vor sich. Kurz darauf fing ich seinen Blick ein und er lächelte mich warm an. Ich lächelte zurück und ging zu seinem Tisch.

"Ich habe mich gefragt, wann du auftauchen würdest. Ich wollte gerade eine Rettungsmannschaft nach dir ausschicken", stichelte er.

"Ich wünschte, du hättest es getan", murmelte ich für mich, während ich ein Stück der Pizza von seinem Tablett nahm.

Er lachte und sah mich mit wissendem Blick in den Augen an. „Also, warum bist du so spät dran?"

Ich nahm einen Schluck Saft, um meinem Mund zu reinigen, bevor ich antwortete. „Ich habe mit Jessica geredet und bin nicht losgekommen."

"Hmm." Er nickte. "Warum?" Seine Augen glitzerten vor Heiterkeit.

In diesem Augenblick wurde mir klar, dass er Bescheid wusste. Er musste zugehört haben. Mein Gesicht wurde rot, während ich die Augen zu Schlitzen verengte und ihn anklagend ansah. „Du hast nicht zugehört, oder?"

"Also haben sich die Dinge zwischen uns geändert?", fragte er spöttisch.

Ich blickte ihn finster an, ließ das Stück Pizza in meiner Hand fallen und stand vom Tisch auf. Ich lief ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen davon und stürmte aus der Cafeteria. Wie konnte er es wagen, seine Fähigkeit auszunützen, um mir nachzuspionieren? Dazu hatte er kein Recht. Mehr als alles andere fühlte ich mich gedemütigt. Er hatte jede einzelne meiner Reaktionen auf Jessicas Fragen gehört und wahrscheinlich auch gesehen. Ich wollte mich einfach nur noch unter einem Stein zusammenrollen und verschwinden.

Ich stapfte in das Biologieklassenzimmer und setzte mich mit dem Kopf auf meinem Tisch hin, während ich darauf wartete, dass der Unterricht begann. Ich hörte deutlich, als sich der Stuhl neben mir bewegte und Edward sich setzte. Ich war zu verschnupft, um ihn auch nur anzusehen.

Der Lehrer kam und verkündete, dass wir gemeinsam mit unserem Partner Arbeitsblätter bearbeiten müssten. Sie sollten uns auf die kommende Arbeit vorbereiten. Ich griff nach einem der Blätter und begann die Lücken auszufüllen, ohne Edward nach Rat zu fragen. Er brauchte meine Hilfe sicherlich nicht. Ich hatte in den letzten paar Tagen vieles über ihn erfahren. Abgesehen davon, dass er die Fähigkeit hatte, Gedanken zu lesen, sehr schnell zu laufen und übermenschliche Kraft, hatte er auch noch ein fotografisches Gedächtnis. Das letzte, was er brauchte, war Hilfe.

"Bella", hörte ich ihn meinen Namen flüstern, aber ich hielt meine Augen auf das Blatt gerichtet. Ich wusste, dass ich, würde ich zu ihm schauen, meine Entschlossenheit verlieren würde und im Augenblick wollte ich wirklich wütend sein.

Er seufzte. "Bitte, schau mich wenigstens an. Es tut mir leid, dass ich dich verärgert habe."

Seine Stimme bettelte mich an, ihm zu glauben. Er klang erregt und seine Worte waren aufrichtig. Ich biss mir unentschlossen auf die Lippe. Dann seufzte ich, definitiv zu schwach, wenn es um ihn ging. Ich verdrehte die Augen, während ich mich umdrehte, um ihn anzusehen.

Er lächelte mich vorsichtig an und ich konnte nicht anders, als zurückzulächeln. „Bist du noch wütend auf mich?"

"Ja", ich versuchte aufgebracht zu klingen, brachte es aber nicht ganz auf die Reihe.

"Es tut mir wirklich leid. Es war falsch von mir, deinen Privatgesprächen so zuzuhören. Ich habe mir Sorgen gemacht, als ich dich nicht sofort gesehen habe", rechtfertigte er sich.

Meine Entschlossenheit war schon verschwunden. Egal wie sehr ich es versuchte, ich konnte nicht wütend sein. Ich seufzte schwer. „Wie viel hast du überhaupt gehört?"

Er grinste breit – er wusste, dass er aus dem Schneider war. „Nicht so viel."

"Wie viel ist nicht soviel?", bohrte ich.

Er streckte die Hand aus und streichelte sanft meinen Arm. „Genug um zu wissen, dass Jessica ihre Nase in die Angelegenheiten anderer Leute steckt."

Ich wollte weiterfragen, aber der Lehrer kam auf unseren Tisch zu und ließ all meine Fragen verstummen. Ich beugte mich wieder über mein Arbeitsblatt, als würde ich eifrig arbeiten. Das war kein Gespräch, das ich vor all meinen Klassenkameraden führen wollte, also beschloss ich, bis später zu warten.

Edward und ich arbeiteten den Rest des Unterrichts gemeinsam an dem Arbeitsblatt ohne ein weiteres Wort über Jessica zu verlieren.

Edward brachte mich zu Sport und sagte mir kurz Tschüss, bevor er graziös zu seiner letzten Stunde schlenderte. Ich seufzte, während ich beobachtete, wie er ging, bevor ich mich umdrehte und meinen Platz auf der Tribüne einzunehmen.

Ich war ein bisschen überrascht, als ich sah, dass dort schon jemand saß und mich anlächelte. Ich fluchte innerlich leise und lächelte zurück, während ich zu einem sehr glücklich aussehenden Mike Newton hoch kletterte.

Ich setzte mich eine Reihe vor ihn. „Hey Mike. Warum machst du heute nicht bei Sport mit?"

"Ich mache mit. Ich wollte nur vor dem Unterricht kurz mit dir sprechen."

"Oh", sagte ich lahm.

"Du hast nicht mehr mit mir über First Beach geredet. Wir wollen dieses Wochenende gehen."

Ich biss mir auf die Lippe. „Tut mir Leid, Mike. Ich habe schon Pläne. Ich bin dieses Wochenende nicht in der Stadt."

Seine Mundwinkel sanken leicht ab. „Gehst mit jemand Besonderem?" Mir entging die Betonung nicht und ich wusste sofort, wen er meinte.

„Ich gehe mit einem Freund", antwortete ich.

"Du gehst mit Cullen, oder?", fragte er missmutig und betrachtete seine Füße.

"Ich gehe mit Edward", sagte ich, Edwards Namen betonend. Aus irgendwelchen Gründen ärgerte es mich, dass Mike Edwards Nachnamen benutze, wenn er von ihm sprach.

"Viel Spass", murmelte er, als er aufstand und ging, um sich für Sport umzuziehen.

Ich seufzte und bedeckte mein Gesicht mit den Händen. Wenigstens hatte er jetzt endlich verstanden, dass es für uns keine Chance gab, auch wenn ich mich immer noch schuldig fühlte.

Ich konnte das Ende der Stunde nicht erwarten. Ich erwischte Mike dauernd dabei, wie er mir traurige Blicke zuwarf. Das war mehr, als ich verkraften konnte. Ich wollte nur noch hier weg. Sobald es klingelte, war ich von meinem Stuhl aufgesprungen und schon halb aus der Tür draußen, bevor alle anderen überhaupt in den Umkleideräumen waren.

Ich war erschrocken, als ich Edward vor der Sporthalle auf mich wartend fand, obwohl ich es nicht hätte sein sollen. Er lächelte, als er mich sah und mein ganzer Ärger schmolz dahin, während ich zurücklächelte. Es war mir beinahe unmöglich, etwas Anderes als glücklich zu sein, wenn ich bei ihm war.

Wir liefen schweigend zu seinem Auto und er half mir hinein. Wir waren die ersten, die den Parkplatz verließen. Ich war ziemlich in Eile, weil ich einen Arzttermin hatte. Doktor Spencer wollte mich untersuchen, nachdem Edwards Vater ihm von meinem kleinen Abenteuer im Wald erzählt hatte. Ich hatte widerwillig zugestimmt.

„Ich hole dich morgen früh ab", murmelte er, während ich aus dem Auto stieg.

Ich lächelte, begeistert über den Gedanken, den ganzen Tag mit ihm zu verbringen. „Bis dann."

Ich ging vorsichtig ins Haus, um nicht zu stolpern und machte mich fertig, um ins Krankenhaus zu gehen.

Ich kam zehn Minuten zu früh an. Doktor Spencers letzter Termin war abgesagt worden, also schickten sie mich gleich in sein Zimmer.

"Miss Swan", begrüßte mich Doktor Spencer, als ich sein Büro betrat.

"Hi."

"Wie ich höre, hatten Sie vor ein paar Tagen ein ziemliches Abenteuer."

Ich sah nach unten und spielte schuldbewusst mit meinen Fingern herum. „Mir geht es inzwischen wieder gut."

"Warum lassen Sie mich das nicht überprüfen?" Er winkte mich zum Untersuchungstisch und begann, mich zu begutachten.

"Haben Sie über die Behandlungen, die wir besprochen hatten, nachgedacht?"

Er war beharrlich. Ich seufzte. "Ja, und ich werde sie nicht machen."

Er runzelte leicht die Stirn. „Bist du dir sicher, Isabella." Sein Gesicht war ernst. „Ich muss ehrlich mit dir sein. Es ist deine einzige Chance. Sie könnten alles wenigstens um einige Monate herauszögern."

Ich schüttelte den Kopf. "Ich habe meine Entscheidung getroffen."

Er seufzte. "Nun gut, ich werde Sie nicht weiter damit belästigen. Sollten Sie Ihre Meinung ändern, zögern Sie nicht mich anzurufen."

"Dankeschön", antwortete ich aufrichtig, als ich vom Tisch aufstand.

"Ich erhöhe Ihre Schmerzmitteldosis. Abgesehen davon können Sie jetzt gehen."

Ich dankte ihm und verließ sein Büro schnell mit meinem neuen Rezept in der Hand. Eigentlich hasste ich die ganzen Medikamente, auf die sie mich setzten, aber ich brauchte mehr Schmerzmittel und war froh über das neue Rezept.

Ich sagte seiner Sekretärin kurz auf Wiedersehen und verließ das Wartezimmer. Ich achtete nicht wirklich darauf, wo ich hinlief und lief auf etwas sehr Kaltes und Hartes. Ich spürte, wie sich Arme um mich schlangen und mich festhielten. Ich versteifte mich, als ich bemerkte, wessen Arme um mir lagen.

Mein Kopf raste vor Fragen. Warum war er hier? War er mir gefolgt? Wie lange war er schon hier? Hatte er etwas gehört? Wieviel hatte er erfahren?

Widerwillig sah ich auf, traf auf seinen Blick und war von der Wut, die ich in seinen Augen sah, überrumpelt. Es war still zwischen uns, während wir einander anstarrten. Es wurde unangenehm, während die Zeit verstrich.

"Warum, Bella?", fragte er und brach das Schweigen zwischen uns. Er klang beinahe verletzt.