Chapter 19

Ich spürte, wie etwas Weiches über mein Gesicht strich und hob instinktiv die Hand, um es wegzuwischen. Ich hatte einen wunderschönen Traum von Edward gehabt, in dem er sagte, er liebte mich. Ich wollte nicht aufwachen.

Ich erstarrte, als meine Hand auf etwas Glattes, Kaltes stieß.

"Guten Morgen."

Meine Augen flogen auf, als ich den Klang seiner Stimme hörte. Da, nur Zentimeter von meinem eigenen Gesicht entfernt, war Edwards mit einem breiten Grinsen. Mein Herzschlag beschleunigte sich, als ich mich daran erinnerte, was letzte Nacht passiert war. Er senkte den Kopf und begann mir meiner Wangenlinie entlang und im Nacken leichte Küsse zu geben. Das musste mich aufgeweckt haben. Ich lehnte meinen Kopf zurück, um ihm mehr Platz zu geben und genoss dieser neuen Empfindung.

"Du bist geblieben", sagte ich, als er schließlich aufhörte und wieder zu mir hoch sah.

"Natürlich." Er lächelte.

Es fühlte sich unglaublich gut an, aufzuwachen und seine Arme sicher um mich zu spüren. Ich hatte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gut geschlafen, tatsächlich fühlte ich mich nicht müde.

Ich streckte die Arme über meinem Kopf und fühlte, wie Edward neben mir lachte. „Wie viel Uhr ist es?"

"Ein bisschen nach acht."

"Wow." Ich war geschockt. Ich schlief niemals so lange.

Er lachte. "Ist Charlie hier?"

"Nein. Er ist schon früh gegangen. Er hatte unten auf dem Tisch einen Zettel für dich dagelassen."

Ich nickte. Meine Augen blieben an ihm hängen. Er war so herrlich, so wunderschön wie immer. Wir sahen einander lange Zeit an, ohne etwas zu sagen und hielten uns gegenseitig fest.

Es war Edward, der die Stille schließlich brach. „Wann willst du gehen?"

Ich schmiegte mich enger an ihn und legte mein Gesicht in die Mulde seines Nackens. „Müssen wir?"

Er lachte. "Ich dachte, du wolltest ein paar neue Bücher kaufen?"

Ich stöhnte leicht. Dummerweise brauchte ich dringend neues Lesematerial. Er hatte mich. „Ja, ok. Ich brauch erst noch eine Minute, um wieder ein Mensch zu werden."

Er lächelte breit und ließ mich los. Widerwillig stand ich von meinem Bett auf, griff nach meinem Kulturbeutel und ging den Gang hinunter ins Badezimmer.

Ich lief augenblicklich rot an, als ich mich sah. Ich war ein einziges Chaos. Meine Haare waren verknotet und standen an einigen Stellen ab und mein Gesicht war fahl gewesen, bevor ich rot angelaufen war.

Ich stöhnte und bedeckte mein Gesicht mit den Händen. Edward hatte mich so gesehen. Warum hatte er mich nicht gesagt, dass ich so durcheinander aussah? Ich zog mich schnell aus, ein bisschen verärgert darüber, dass er nichts gesagt hatte, und stieg unter die Dusche. Das Wasser fühlte sich unglaublich gut an und half meine Nerven zu beruhigen.

Ich zog mir schnell meinen Pyjama wieder an und lief zurück in mein Zimmer. Es war leer. Ich sah mich um, konnte Edward aber nirgends sehen.

„Edward?"

"Ich bin unten", rief er gerade laut genug, dass ich es hörte.

Ich lächelte und schloss meine Tür. Ich öffnete meinen Kleiderschrank und stand mit den Händen in den Hüften da. Ich wusste nicht, was ich anziehen sollte. Ich wusste, wir gingen in einen Buchladen, aber hatte er noch andere Pläne? Wären Jeans zu lässig?

Ich beschloss schließlich einen himmelblauen Pulli mit einem weißen Tanktop darunter und ein dunkles Paar Jeans anzuziehen, das einzige, das mit noch gut passte, nachdem ich soviel an Gewicht verloren hatte. Ein letztes Mal sah ich mich im Spiegel an. Ich war weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber es würde gehen müssen.

Ich ging die Treppen hinunter und fragte mich, wo Edward war. Ich fand ihn in der Küche auf einem Stuhl, die Augen auf mich geheftet. Als ich mich näherte, stand er auf und kam an meine Seite. Er nahm meine Hände in seine und lächelte.

"Du siehst wunderschön aus." Er ließ eine meiner Hände los und streichelte mein Gesicht. „Ich liebe diese Farbe an dir. Sie passt zu deiner Haut."

Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden und er lachte.

"Alles ist besser, als heute morgen", sagte ich, erneut verärgert. „Warum hast du mir nicht gesagt, wie schrecklich ich aussehe?", wollte ich wissen.

Er zuckte reuelos mit den Schultern. „Weil du nicht schrecklich ausgesehen hast. Du warst genauso schön wie jetzt."

Ich verdrehte die Augen, war innerlich aber erleichtert, und er lächelte mich schräg an. Mein Ärger von vorher wurde davon weggewaschen.

"Was willst du zum Frühstück? Wir könnten irgendwo hingehen", bot er an.

Ich schüttelte den Kopf. "Ich esse nur Müsli."

Ich ließ seine Hand los und sammelte alles zusammen, was ich für mein Frühstück brauchte, während Edward sich hinsetzte und mich beobachtete. Auf dem Tisch lag tatsächlich eine Notiz von Charlie, in der er mir sagte, dass er spät vom Angeln heimkommen würde und mir einen schönen Tag wünschte. Ich fühlte mich ein bisschen verlegen, als Edward mich beim Essen beobachtete und beschloss ihn abzulenken.

"Wie war deine Nacht?", fragte ich, sobald ich den Mund leer hatte.

Er grinste mit funkelnden Augen. „Angenehm."

Ich stöhnte und ließ meinen Löffel sinken. Ein leichtes Rot zog sich über mein Gesicht. „Was habe ich gesagt?"

„Nichts Schlimmes", beruhigte er mich.

Ich beobachtete ihn und wartete. „Du hast meinen Namen gesagt und dass du mich liebst."

"Das wusstest du schon", erinnerte ich ihn.

Er zuckte mit den Schultern. „Es war immer noch schön, genau das gleiche zu hören."

Ich wandte meine Aufmerksamkeit wieder meinem Müsli zu und aß es rasch auf. Sobald ich fertig war, griff er nach meiner Schale und bevor ich reagieren konnte, war sie gewaschen und abgetrocknet.

"Das hätte ich machen können."

Er zuckte die Schultern. "Bist du fertig."

Ich stand auf und lächelte. „Jap."

Er lachte, nahm meine Hand und führte mich nach draußen zu seinem Auto. Ich war überrascht, es in der Auffahrt stehen zu sehen, blieb aber still, als ich einstieg.

Schneller als scheinbar möglich, saß er schon auf dem Fahrersitz und fuhr die Straße hinunter.

"Edward, wann hast du dein Auto geholt?"

"Während du geduscht hast, bin ich nach Hause gerannt."

"Hmm." Ich wusste immer noch nicht viel über seine Familie und fing an nervös zu werden, als ich mich fragte, wieviel sie über mich wussten. Ich hob die Hand an die Lippen und nagte gedankenverloren an meinem Daumennagel. Wussten sie, dass ich ihr Geheimnis wusste? Was dachte sie darüber, dass ihr Bruder sich in einen Menschen, einen kranken Menschen verliebt hatte? Hassten sie mich?

"Was denkst du?", fragte er und riss mich so aus meinen Gedanken. Ich sah zu ihm herüber und stellte fest, dass in seinen Augen Neugier blitzte.

"Ich habe über deine Familie nachgedacht", antwortete ich automatisch ohne nachzudenken, während ich mich in seinen Augen verlor.

"Was genau hast du dir überlegt?"

Ich begann erneut an meinem Nagel herumzuknabbern während ich darüber nachdachte, ihm all meine Sorgen zu erzählen. Er hatte zurück auf die Straße gesehen, während er wartete.

"Nun… Ich habe mich gefragt, was sie über das hier denken", sagte ich und machte mit meiner freien Hand eine Geste zwischen uns beiden.

"Das?", fragte er mit hochgezogenen Brauen.

Ich seufzte. "Du weißt schon, uns."

"Es gibt keine Geheimnisse in meiner Familie. Das ist einfach nicht machbar."

Ich starrte ihn ungläubig an. „Du meinst sie wissen alles." Er hatte ihnen all meine Geheimnisse erzählt – seine gesamt Familie wusste meine persönlichsten Gedanken und Sorgen, die nicht einmal mehr meine eigene Familie kannte. Ich konnte nicht glauben, dass er mein Vertrauen verraten hatte. Zuerst fühlte ich mich verletzt, was aber bald von Wut abgelöst wurde. Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen und sah weg.

"Beruhig dich, Bella. Nicht alles", beruhigte Edward mich rasch und streckte die Hand aus, um nach meiner zu greifen. Ich zog sie weg und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wissen sie, dass ich krank bin?", wollte ich wissen.

Er seufzte schwer. "Ja."

Noch nie hatte ich mich so betrogen gefühlt. Er hatte versprochen es nicht zu erzählen. Heiße Tränen fielen mein Gesicht hinab, während ich aus meinem Fenster starrte.

"Wissen sie, dass ich sterbe?", flüsterte ich.

"Ja", sagte er leise.

Ich versuchte zu schlucken, aber meine Kehle war zu eng. „Ich will nach Hause."

"Bitte lass es mich erklären", drängte er.

Ich schüttelte den Kopf. "Hast du es ihnen erzählt, nachdem du versprochen hast, es nicht zu tun? Das ist alles, was ich im Moment wissen möchte."

Er schwieg eine Weile. „Ja und nein. Sie wussten, dass du krank warst, Bella, wir alle wussten es vom ersten Tag an, an dem wir dich sahen." Ich sagte nichts, während er versuchte, mir seine Antwort zu erklären. „Du weißt, dass wir gesteigerte Sinne haben und der Geruch des Blutes eines Menschen sagt uns, ob er krank ist."

Ich zog die Brauen hoch, als ich mich schließlich wieder umdrehte, um ihn anzusehen. „Du wusstest es die ganze Zeit. Warum hast du nichts gesagt", verlangte ich zu wissen.

Das erklärte immer noch nicht, woher seine Familie wusste, dass ich starb. Warum war er so darauf aus gewesen herauszufinden, was mit mir nicht stimmte, wenn er es bereits wusste? Was für ein Spiel spielte er mit mir?

"Du wolltest nicht, dass es jemand wusste. Es wäre seltsam erschienen, wäre ich zu dir gegangen und hätte gesagt, dass ich wusste, dass du krank warst, ohne dass du es mir zuerst gesagt hättest. Du wärst misstrauisch geworden und hättest mir nie vertraut." Ich sah auf meinen Schoss hinab und hob die Hand, um mir die Tränen abzuwischen.

Er holte tief Luft und siteß sie langsam wieder aus, während er seine Gedanken sammelte. „Diese Nacht im Wald, als ich dich nach Hause brachte... Carlisle wusste, dass etwas nicht stimmte. Du hattest solche Schmerzen…" Er brach mit gequälter Miene ab als er sich an diese Nacht erinnerte. Ich hatte ihn nie so sehr um Worte ringen sehen – es schien beinahe menschlich. „Ich habe mit meiner Schwester Alice gesprochen, nachdem ich dich nach Hause gebracht hatte."

Ich zog verwirrt die Brauen zusammen; ich verstand nicht, worauf er hinauswollte. „Ich bin nicht der einzige mit besonderen Fähigkeiten in meiner Familie. Alice kann die Zukunft sehen." Ich versuchte meine Überraschung zu kontrollieren, während er mit seiner Erklärung fortfuhr. „Ich habe sie gebeten, für mich in deine Zukunft zu sehen. Ich wollte wissen, ob mit dir alles in Ordnung sein würde. Ob du dich erholen könntest…" Er brach in Gedanken versunken ab.

"Was hat sie gesehen?", fragte ich nach einigen Minuten behutsam.

Er hielt die Augen auf die Straße gerichtet, als er antwortete. „Dass du schneller noch kränker werden würdest, als man erwartet hatte." Ich wusste, da war noch mehr, aber ich drängte nicht nach weiteren Informationen. Ich ahnte, was sie sonst noch gesehen hatte.

"Wie schlimm war es?"

Er verspannte den Kiefer und ich beobachtete, wie sich seine Knöchel um das Lenkrad spannten. Seine Nasenflügel flatterten und ich wusste, was er gesehen hatte. Ich hatte es selbst tausend Mal bei anderen Patienten, die ich im Krankenhaus von Phoenix gesehen hatte, wenn ich zur Behandlung dorthin ging, beobachtet.

"Oh. Ich verstehe", flüsterte ich und kämpfte die neuen Tränen zurück, die drauf und dran waren, mir das Gesicht hinabzulaufen.

"Später hast du bestätigt, was sie in ihrer Vision gesehen hatte." Er zögerte. „Ich habe niemals jemandem erzählt, wie krank du bist, aber als Alice in die Zukunft geschaut hat, haben es alle herausgefunden."

"Sie müssen mich hassen", stellte ich mit leiser Stimme fest.

Er drehte schnell den Kopf um mich anzusehen. Sein Gesicht sah zornig aus. „Warum um alles in der Welt glaubst du das?"

"Weil ich dir erlaubt habe, dich mit mir zu beschäftigen, weil ich zu schwach war, von dir wegzubleiben. Ich werde dir am Ende nur weh tun", fügte ich schwach hinzu.

Er atmete scharf aus. "Ich war es, der zu schwach war, dir fernzubleiben. Ich bin hier der Gefährliche, Bella. Ich bin der, der dafür gehasst werden sollte, dass ich dir erlaubt habe, mir so nahe zu kommen. Wenn ich nicht so verdammt egoistisch wäre..." Er zögerte, bevor er fortfuhr. „Meine Familie hasst dich nicht. Sie sind froh, dass ich endlich jemanden gefunden habe, den ich liebe und der mich auch liebt."

"Sie denken nicht , dass es seltsam ist, dass ich ein Mensch bin?", fragte ich skeptisch.

"Einige denken, ich sei verrückt, aber solange ich glücklich bin, sind sie damit einverstanden."

Ich lächelte schwach, mein Ärger von vorher war verschwunden. Für ein oder zwei Minuten war es still, bis Edward das Schweigen brach. „Bist du immer noch sauer auf mich? Willst du nach Hause? Ich würde es verstehen." Seine Stimme klang unsicher und nervös.

"Nein", erwiderte ich und lächelte ihn an. Erleichterung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, als er mich ansah. „Wirst du mir von ihnen erzählen?"

"Meiner Familie?", hakte er nach.

"Ja. Ich würde gerne mehr über sie wissen."

"Naja, Carlisle hast du schon getroffen. Er ist mein Vater im weitesten Sinn. Er ist mit Esme verheiratet, meiner Mutter. Sie ist die herzlichste Person, die ich kenne." Er lächelte liebevoll, als er sie erwähnte und ich wusste, dass sie ihm sehr wichtig war. "Ich habe dir schon von Alice erzählt. Sie ist mit Jasper verheiratet. Er hat auch eine besondere Fähigkeit. Er kann die Gefühle und Emotionen um sich herum spüren und manipulieren." Meine Augen weiteten sich, aber ich unterbrach ihn nicht. „Dann ist da noch Emmett. Ihn bringt scheinbar nie etwas aus der Ruhe. Er ist mit Rosalie verheiratet. Sie führen eine... interessante Beziehung." Er lachte einmal kurz bevor er fortfuhr. "Du hast sie natürlich alle schon in der Schule gesehen."

"Sie sind dir sehr wichtig." Es war eine Feststellung, keine Frage.

"Ja. Wir sind im Grunde jeder anderen Familie sehr ähnlich. Bis vor kurzem waren sie das Wichtigste in meinem Leben."

Ich lief rot an, als ich bemerkte, dass er über mich sprach. Er lachte und streckte Hand aus, um mein Gesicht zu streicheln.

"Wir sind da", verkündete er.