Chapter 20
Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Bücher ich kaufen sollte. Stunden waren vergangen, seitdem wir angekommen waren und ich war immer noch unentschlossen, welche Bücher ich nehmen sollte. Sie sahen alle einfach zu interessant aus. Ich hatte meine anfänglichen zehn auf fünf reduziert und versuchte nun, meine drei Lieblinge herauszusuchen. Ich biss mir auf die Lippe, während ich jedes einzelne betrachtete und wünschte mir, mehr Geld mitgebracht zu haben.
„Warum nimmst du nicht einfach alle?", schlug Edward schließlich vor.
Er hatte die ganze Zeit, seit wir in den Bücherladen betreten hatten, neben mir gestanden. Ich erwischte ihn hin und wieder dabei, wie er mich beobachtete, lief rot an und das brachte ihn zum Grinsen. Einige Male hatte ich darauf bestanden, dass er alleine weitergehen sollte, aber er weigerte sich und behauptete, es sei interessanter, mich zu beobachten – ich lief aufs Neue rot an. Er wurde niemals ungeduldig, nicht einmal jetzt. Ich hatte die Inhaltsangaben meiner fünf Wahlen in den letzten zwanzig Minuten wieder und wieder durchgelesen und war immer noch nicht in der Lage, mich zu entscheiden und dennoch zeigte er kein Zeichen von Ungeduld.
Ich seufzte. „Ich kann nicht. Ich habe nicht genug Geld für alle mitgenommen."
Er lächelte, nahm die Bücher und ging zur Kasse.
"Was tust du da?", zischte ich, als wir in der Schlange standen.
"Ich bezahle sie für dich", sagte er schlicht.
"Nein, das tust du nicht", beharrte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich würde ihm nicht erlauben, sein Geld für mich auszugeben.
"Bitte, Bella. Ich will, dass du sie bekommst." Er ließ die gesamte Kraft seiner Augen auf mich los und ich erstarrte auf der Stelle. Seine Augen bohrten sich mit einer solchen Intensität in meine, dass ich vergas zu atmen. Ich sagte nichts und starrte nur hilflos zurück.
"Atme, Bella", flüsterte Edward, während er eine Hand an mein Gesicht legte. Ich schnappte nach Luft und errötete leicht.
"Ich will nicht, dass du Geld für mich ausgibst", brachte ich mit leiser Stimme hervor, während wir näher zum Kassierer rückten.
"Bitte, ich möchte das wirklich für dich tun."
Ich überlegte einige Minuten und nagte an meiner Unterlippe. Edward Augen bettelten mich an.
Ich seufzte. "Schön", gab ich widerwillig nach.
Er grinste breit, legte meine Bücher für den Kassierer auf den Tisch und bezahlte sie. Wir liefen Hand in Hand aus dem Laden und gingen zu seinem Auto.
"Willst du irgendwo hingehen?", fragte er, während er aus dem Parkplatz die Straße hinunterfuhr.
Ich dachte einen Augenblick nach und lächelte dann. „Können wir an den Strand? Es ist so lange her, seitdem ich in der Brandung herumgelaufen bin."
Er nickte. "Also zum Strand."
Sobald wir am Wasser angekommen war, beugte ich mich nach unten, um mir die Schuhe auszuziehen. Es war alles andere als warm, aber das war mir egal. Ich liebte das Gefühl von Sand zwischen meinen Zehen und das Wasser, wie es meine Beine umspülte.
Sobald ich einen der Schuhe ausgezogen hatte, spürte ich einen Zug am Arm, der mich aufrichtete. Ich sah verwirrt zu Edward hoch. Er schaute finster. "Was glaubst du, was du da tust?"
"Ich ziehe meine Schuhe und Socken aus."
"Es ist kalt."
Mit einem Schulterzucken beugte ich mich wieder nach unten. „Wenigstens regnet es nicht." Ich hörte ihn verärgert seufzen, als ich den letzten Socken auszog und in meinen Schuh steckte.
Ich sah hoch zu ihm und lächelte. „Es macht keinen Sinn an den Strand zu gehen, wenn man nicht in der Brandung läuft."
Ich wartete nicht auf seine Antwort bevor ich mich umdrehte und knöcheltief ins Wasser stapfte. Ich verspannt mich leicht, als das kalte Wasser gegen meine Beine platschte, bewegte mich aber nicht vom Fleck. Meine Lieblingserinnerungen von meinem Vater und mir waren am Strand. Ich liebte die Gezeiten. Ein Lächeln zog sich über mein Gesicht, als ich die salzige Luft einatmete. Ich schloss die Augen und leckte mir das Salz von den Lippen. Ich genoss den Geschmack. Wenn ich nur für immer so stehen bleiben könnte – wenn sich die Dinge nur nicht ändern müssten. Ich schlang meine Arme um den Körper und umarmte mich selbst. Ich wollte niemals wieder gehen. Das war genau das, was ich brauchte.
Ich spürte, wie etwas Kaltes auf meine Schultern gelegt wurde und öffnete die Augen. Edwards Jacke war um mich geschlungen.
"Um dich warm zu halten", stellte er fest, nahm meine Hand in seine und führte mich gemächlich an der Küste entlang.
Lange Zeit liefen wir zufrieden schweigend nebeneinander her. Jeder von uns schien in Gedanken versunken zu sein. Ich hielt abrupt an, um eine Muschel aus dem Sand zu ziehen. Es beeindruckte mich immer, wie wunderschön und glatt sie waren – ähnlich wie Edward, dachte ich, während ich mit dem Finger über die ebene Oberfläche strich. Ich sah zu ihm hoch und lächelte. Er lächelte zurück und drückte meine Hand behutsam. Der Rest des Nachmittags lief so weiter. Es war friedlich und beruhigend. Ich hasste es, zurückzugehen.
Als wir den halben Rückweg hinter uns hatten, spürte ich, dass ich sehr müde wurde. Ich war den Großteil des Tages auf den Beinen gewesen und das holte mich jetzt ein.
Ich spürte, wie Edward meine Hand drückte und sah ihn an. „Möchtest du, dass ich dich trage?", fragte er mit einem Anflug von Sorge in seiner Stimme.
"Nein, mir geht's gut", log ich, "Können wir uns für eine Weile setzen?"
Er nickte und zog mich ein Stück weiter den Strand entlang. Er setzte sich neben mich und ich konnte nicht anders, als den Kopf an seine Schulter zu legen. Er legte den Arm um mich und zog mich an seine Brust. Während ich auf das Wasser sah, spürte ich, dass meine Augen sehr schwer wurden und bald konnte ich sie nicht mehr offen halten.
Plötzlich spürte ich, wie ich schwerelos wurde und öffnete alarmiert die Augen. Ich lag in Edwards Armen.
"Was…?", flüsterte ich und versuchte die Augen offen zu halten.
"Schsch", hörte ich ihn sagen. „Schlaf jetzt. Ich bringe dich nach Hause."
Zu müde um zu streiten nickte ich zur Antwort und schlief wieder ein.
Ich stöhnte, als ich langsam wach wurde. Meine Hand pochte. Ich hob siezum Kopf; mein Arm fühlte sich wie aus Blei an. Während ich wacher wurde, spürte ich noch mehr Schmerzen. Mein Körper schmerzte überall und meine Kehle fühlte sich trocken und wund an. Meine Haut war kalt und klamm. Ich sah mich in meinem Zimmer um und stellte fest, dass ich alleine war. Ich hatte keine Ahnung, wie viel Uhr es war. Ich wusste nicht, ob die Sonne auf oder unterging. Ich sah nach der Uhr in meinem Zimmer; 6:30, die Sonne ging auf.
Ich stöhnte, als ich vom Bett aufstand, um ins Bad zu gehen. Einige Male fiel ich beinahe hin, aber irgendwie hielt ich mein Gleichgewicht. Der Spiegel zeigte, wie schlecht es mir ging. Mein Gesicht war fahler als normalerweise und meine Augen sahen tot aus. Ich spritzte mir etwas Wasser ins Gesicht, bevor ich mich umdrehte, um zurück ins Bett zu gehen. Eine Welle von Schwindel erfasste mich, als ich mein Zimmer betrat. Ich versuchte mich an etwas festzuhalten, aber da war nichts. Mir wurde langsam schwarz vor Augen und die Welt um mich herum verschwand.
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Aus der Ferne konnte ich Stimmen hören und ich versuchte, sie genauer einzuordnen. Mein Kopf pochte und machte es schwierig für mich, sich zu konzentrieren. Ich hörte zwei unterschiedliche Stimmen. Die eine tief, die andere hoch. Beide waren wunderschön. Ich lauschte angestrengter. Ich war noch nicht in der Lage, meine Augen zu öffnen.
"Du weißt, was ich gesehen habe", sagte eine weibliche Stimme ernst.
"Nein. Die Dinge haben sich geändert." Diese Stimme war tiefer, männlich und endgültig. Es war etwas Vertrautes an ihr, das ich nicht recht zuordnen konnte.
"Gib ihr zumindest die Wahl!"
"Ich sagte nein. Ich verdamme sie nicht zu diesem Leben."
"Willst du sie wirklich verlieren, gleich nachdem du sie gefunden hast?"
"Natürlich nicht", hörte ich die männliche Stimme laut ausrufen. „Ich kann ihr das einfach nicht antun."
"Frag dich selbst: Kannst du wirklich ohne sie leben?"
Eine kurze Zeit lang war es ruhig. „Nein." Seine Stimme war so weich und voller Leid, dass es mir das Herz brach es zu hören.
"Dann tu was", verlangte die hohe, weibliche Stimme. „Du bist der einzige, der das kann."
Wieder war es still. "Ich werde ihr das nicht antun." Er flüsterte so leise, dass ich es beinahe nicht hörte.
Ich lauschte noch einige Minuten aufmerksam, aber alles blieb ruhig. Entweder sie hatten das Zimmer verlassen, oder sprachen zu leise, als dass ich es hätte hören können.
Nach einiger Zeit konnte ich meine Augen öffnen und stellte fest, dass ich wieder im Krankenhaus lag. Ich fühlte mich immer noch nichtgut, aber lange nicht mehr so schlimm wie vorher. Meine Schulter schmerzte und als ich nach unten sah, stellte ich fest, dass mein Arm in einer Schlinge lag. Ich runzelte die Stirn, während meine Gedanken rasten und ich versuchte mich zu erinnern, was passiert war. Ich war am Strand auf Edward eingeschlafen und in meinem Zimmer aufgewacht. Ich war ins Badezimmer gegangen und dann zurück in mein Zimmer...
"Guten Morgen, meine Schöne."
Ich drehte den Kopf zur Seite und konnte ein kleines Lächeln, dass sich über mein Gesicht zog, als ich in Edwards goldene Augen sah, nicht zurückhalten. „Hey", antwortete ich mit rauer Stimme.
"Wie fühlst du dich?" Ich konnte die Sorge in seinen Augen sehen, obwohl er versuchte, sie zu verbergen. Ich hielt inne, um meine Kehle frei zu bekommen, bevor ich antwortete. „Es ging mir schon besser", gab ich schließlich zu, als mein Hirn schließlich meiner verlorenen Erinnerungen wiederfand. „Wie bin ich hierhergekommen?"
Er sah weg, als er antwortete. „Ich habe dich eine Weile in deinem Zimmer gelassen, um mein Auto wegzubringen. Ich habe den Fieberanfall gespürt, als ich dich in den Armen hatte und machte mir Sorgen. Also beschloss ich, mit Carlisle wiederzukommen." Er hielt inne. "Ich dachte, du würdest länger schlafen", flüsterte er eher für sich als für mich und schüttelte den Kopf. „Ich bin ein paar Stunden später wiedergekommen und habe dich auf dem Boden in deinem Zimmer gefunden. Ich bin mit dir ins Krankenhaus gerannt. Seitdem hast du geschlafen."
Ich hörte, wie sehr er sich über sich selbst ärgerte und hörte die Besorgnis in seiner Stimme. „Edward, du kannst nicht überall sein."
Einige Minuten lang war es still, bis ich meine Hand nach ihm ausstreckte und die Rückseite seines Kopfes streichelte. Sein Haar war unglaublich weich und seidig. Er drehte sich um, um mich mit gequälten Augen anzusehen. „Ich hätte dir nicht erlauben sollen, im Wasser zu laufen. Ich hätte dich zu Hause lassen sollen, wo du in Sicherheit gewesen wärst."
"Edward Cullen, das ist nicht deine Schuld", sagte ich mit strenger Stimme. „Ich bin völlig in der Lage, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich bin froh, dass wir zusammen weg gegangen sind." Ich hielt meine Augen mit seinen umschlossen, während ich versuchte, ihm das klarzumachen. Ich wollte nicht, dass er sich wegen irgendetwas schuldig fühlte. Es gehört dazu krank zu werden, wenn man Leukämie hat, besonders bei einem Fall wie meinem.
Er nahm eine meiner Hände und hielt sie fest in seiner. Er ließ den Blick sinken, um unsere ineinander verschlungenen Hände zu betrachten. Er sagte nichts, während sein Daumen über meinen Handrücken spielte.
"Also", seufzte ich und mein Kopf pochte. „Wie lautete das Urteil? Wie böse hat's mich erwischt?"
Er sah hoch zu mir, sein Gesicht zwiegespalten. „Du hast dir die Schulter ausgerenkt, als du gefallen bist, und dir ein paar Schürfungen geholt, die die nächsten paar Tage weh tun werden."
Jetzt wusste ich, warum mein Körper ungewöhnlich schmerzte, aber es war mir nicht entgangen, dass er mir nicht gesagt hatte, warum ich gefallen war und so hohes Fieber hatte. Ich wartete geduldig darauf, dass er weiter sprach. Als es offensichtlich wurde, dass er das nicht tun würde, seufzte ich.
"Was sonst noch?" Er spitzte die Lippen. "Ich rufe gleich den Arzt, wenn du es mir nicht sagst", warnte ich.
Er holte tief Luft und stieß sie langsam wieder aus. „Du hast einen Virus. Die Ärzte sind nicht sicher, ob du stark genug bist, um gegen ihn zu kämpfen und befürchten, dass er in eine Lungenentzündung ausartet."
"Also dafür dieses ganze Zeug hier", sagte ich und machte eine Bewegung zu der Infusion, an der ich hing. Er nickte.
"Das ist normal, weißt du, und ich fühle mich nicht so schlecht, wie vorher." Es war die Wahrheit. Obwohl ich mich alles andere als normal fühlte, schmerzte mein Kopf nicht mehr halb so sehr und meine Kehle war völlig in Ordnung.
Er sah mich skeptisch an, antwortete aber nicht.
"Ich werde hier draußen und zurück in der Schule sein, bevor du weißt, was los ist", versuchte ich ihn zu beruhigen.
Er lachte. "Lass uns daran arbeiten, dich nach Hause zu bringen, bevor wir darüber reden, zurück in die Schule zu gehen, in Ordnung?"
"Schön, ich werde zu Hause sein, bevor du weißt, was los ist", milderte ich ab.
Sein Gesicht wurde sehr ernst und er starrte mir in die Augen. „Versprochen?", fragte er, während er meine Hand zu seinen Lippen zog und meine Fingerknöchel sanft küsste.
"Versprochen", lächelte ich. Ich hatte keine Ahnung, ob ich in der Lage sein würde, mein Wort zu halten, aber ich musste seine Sorgen irgendwie beruhigen. Ich wollte nicht, dass er wegen mir unglücklich war.
