Chapter 28
Die nächsten Wochen schleppten sich vorüber. Jeder Tag schien noch schlimmer als der erste. Edwards hielt sein Wort und war jede einzelnen Schritt dieses Weges, den ich zu gehen hatte, bei mir. Er war bei jeder einzelnen Träne dabei und zuckte kein einziges Mal zurück, egal wie übel mir war, oder was für Schmerzen ich hatte.
Hin und wieder kam Alice vorbei, um nach mir zu schauen und mit mir zu sprechen. Einmal kam sogar Emmett mit Blumen vorbei, um dabei zu helfen, mich nach einer besonders anstrengenden Sitzung aufzumuntern. Es war sehr süß. Ich war dankbar für all ihre Liebe und ihre Unterstützung, aber auch verständlicherweise nervös, als meine zwei Wochen vorbei waren.
Ich war mehr als nur unruhig, als Edward mich zum Arzt fuhr. Das war es nun also. Ich würde endlich herausfinden, ob die Behandlungen tatsächlich wirkten oder nicht. Ein Teil von mir hoffte, nicht umsonst gelitten zu haben, während ein anderer sich auf die schlimmere, realistischere Möglichkeit vorbereitete, dass sie nicht gewirkt hatten.
Als wir in die Einfahrt einbogen, begann ich angespannt auf meinem Daumennagel herumzunagen. Edward kam zu meiner Autoseite, um mir rauszuhelfen, aber stattdessen lehnte er sich nach unten und nahm meine Hand von meinem Mund.
"Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache. Es wird alles gut."
Ich lächelte, und griff nach oben, um seine Wange zu streicheln. „Das werden wir in ein paar Minuten sehen, nicht?"
Er grinste. „Komm. Wir sollten nicht zu spät kommen."
Ich gestattete ihm, mich aus dem Auto zu ziehen und zum Büro des Arztes zu bringen. Obwohl ich wusste, dass er ohnehin alles hören würde, was darin gesagt werden würde, wollte ich alleine gehen und bat ihn, draußen auf mich zu warten. Er willigte ohne Widerspruch ein.
Ich atmete tief durch, betrat das Büro und nahm meinen üblichen Platz auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches ein. Dr. Spencer gesellte sich bald darauf die Nase in eine Akte vergraben, zu mir. Ich atmete tief durch. Das war er also, der Augenblick der Wahrheit.
"Miss Swan. Wie fühlen Sie sich heute?"
„Nervös", antwortete ich ehrlich.
Er nickte, aber er sah unglücklich aus. Ich sah seinem Gesicht an, was er mir sagen würde, bevor die Worte seinen Mund verließen.
"Es tut mir leid, es Ihnen sagen zu müssen, aber Ihr Körper scheint nicht auf die Behandlungen reagiert zu haben."
Ich schluckte hart und nickte. Es tat mir nicht so sehr wegen mit leid, sondern wegen Edward. Ich war zu schockiert, um etwas für mich in diesem Moment zu fühlen. Edward war so hoffnungsvoll und optimistisch gewesen. Diese Neuigkeiten würden ihn schrecklich aufregen.
"Es waren bis jetzt ja nur ein paar Wochen. Ich würde es gerne weiterversuchen."
„Wird es wirklich helfen?", fragte ich leise.
Er schürzte die Lippen. „Das könnte ich nicht mit Sicherheit sagen, es gibt keine Garantie. Aber ich denke immer noch, dass es Ihre beste Chance ist."
Nickend sah ich auf meine Hände hinab. „Danke für alles, was Sie für mich getan haben, Doktor, aber ich denke, ich würde lieber die Zeit , die ich noch habe, genießen, wenn das für Sie in Ordnung ist."
Für einen kurzen Augenblick war er ruhig. „Ich verstehe."
Ich sah zu ihm auf und lächelte so gut ich konnte. „Nun, wenn das alles ist, denke ich, gehe ich jetzt."
Er stand auf und brachte mich eine Hand auf die Schulter gelegt zu Tür. „Sehe ich Sie dann nächsten Monat zu unserem üblichen Termin?"
"Ich werde da sein", versprach ich, während ich aus der Tür lief.
Ich fand Edward, der mit dem Kopf in den Händen auf einem Stuhl saß, im Wartezimmer. Ich ging langsam zu ihm und setzte mich neben ihn. Ich legte eine Hand auf seinen Rücken und malte kleine Kreise.
"Du hast zugehört?" Es war eher eine Feststellung als eine Frage.
Er antwortete nicht, sondern streckte seine Hand einfach nach mir aus, nahm mich in den Arm und presste mich fest gegen sich. Ich spürte, wie sich in meinen Augen Tränen bildeten, während ich seine Umarmung erwiderte. Meine eigene Enttäuschung holte mich ein. All die Schmerzen, diese ganze Zeit, für nichts! Nichts! Ich begann in seine Brust zu schluchzen und er zog mich noch enger an sich, während mein Körper zitterte. Ich hätte niemals zustimmen sollen. Ich hatte allen Hoffnung gemacht für nichts! Gar nichts! Ich hatte bis zu diesem Augenblick nicht bemerkt, dass ich selbst tatsächlich auch Hoffnungen gehegt hatte. Unterbewusst hatte ich erwartet, dass es dieses Mal anders sein würde, dass ich dieses Mal in der Lage sein könnte, zurückzuschlagen und geheilt zu werden. Ich war ein Narr gewesen es zu glauben – ein Narr zu hoffen. Ich wusste es doch besser.
Nach einer Weile hatte ich mich beruhigt. Edward zog mich von sich weg und lächelte – aber es erreichte seine Augen nicht.
„Komm schon, lass uns von hier verschwinden."
Ich nickte, stand auf und lief mit ihm zu seinem Auto. Ich dachte, er würde mich nach Hause bringen und war überrascht, als wir plötzlich vor seinem Haus standen. Ich war nicht in der Stimmung, irgendjemanden zu sehen und stöhnte.
Edward spürte meine Unruhe, griff nach meine Hand und drückte sie leicht. „Es sind nur Alice und Esme zu Hause und du musst ihnen nichts erzählen. Wir können einfach in mein Zimmer gehen und allein sein."
"Danke", murmelte ich.
Gemeinsam gingen wir in sein Zimmer, ohne ein einziges Mal auf ein anderes Familienmitglied zu treffen und dafür war ich dankbar. Er legte sich auf seine große Ledercouch und zog mich auf sich, während er sich umdrehte und mit der Fernbedienung die Stereoanlage anmachte.
Er hielt mich fest und streichelte lange Zeit einfach meinen Rücken, bevor er die Stille brach, die sich über uns gelegt hatte.
„So", stellte er sanft fest.
„So", echote ich.
„Der Doktor will es weiterversuchen."
Ich zuckte mit den Schulten. „Es ist egal. Es funktioniert nicht. Das ist es nicht wert."
Er zog sich vor mich zurück und setzte sich mit mir auf dem Schoß aufrecht hin. „Was sagst du da?", wollte er wissen.
Ich sah ihn verwirrt an. "Ich höre mit den Behandlungen auf. Ich dachte, du wüsstest das? Hast du nicht gehört, wie ich es dem Arzt gesagt habe?"
„Warum?", fragte er. Er klang verzweifelt.
Ich starrte ihn ungläubig an. "Warum? Edward, hast du letzten paar Wochen über weggeschaut? Hast du plötzlich vergessen, wie krank ich gewesen bin?"
Seine Augen wurden hart und er spannte den Kiefer an. „Nein, ich erinnere mich. Das ist nicht, was wir besprochen hatten."
"Was meinst du mit, das ist nicht, was wir besprochen haben?" Ich entzog mich seinem Griff und starrte ihn erwartungsvoll an.
„Du hast gesagt, du würdest sämtliche Behandlungen machen, die dein Arzt dir vorschlägt."
„Und genau das habe ich getan", schnappte ich.
„Nicht, wenn du die Behandlungen jetzt verweigerst", antwortete er augenblicklich.
Ich stand von seinem Schoß auf und baute mich rauchend vor Wut vor ihm auf. „Du drückst dich? Nach allem, was ich durchgemacht habe – meinst du das?" Meine Stimme war hart und wütend.
"Das liegt an dir. Du kennst meine Bedingungen."
Ich biss die Zähne zusammen, während ich die Tränen zurückkämpfte, die sich in meinen Augen bildete. Im Moment war ich unglaublich wütend auf ihn, aber vor allem war ich verletzt. Verletzt, dass er mir das antat.
Ich drehte ihm den Rücken zu; ich weigerte mich, ihn die Qual auf meinem Gesicht sehen zu lassen. Stattdessen schlang ich mir die Arme um den Köper und ging auf die Tür zu.
Ich hörte ihn hinter mir seufzen. „Bella, warte." Er legte eine Hand auf meine Schulter, aber ich schüttelte sie augenblicklich ab.
„Nein!", sagte ich durch zusammengebissene Zähne. "Du hast recht", flüsterte ich, während die Tränen, gegen die ich gekämpft hatte, mir das Gesicht hinab liefen. „Ich höre mit den Behandlungen auf. Gegen mein besseres Wissen habe ich meinem Arzt erlaubt mich als sein ganz persönliches Versuchskaninchen zu benutzen. Zwei Wochen lang ging es mir mehr als schlecht, ich konnte nicht essen oder auf einem normalen Niveau leben. Aber trotzdem habe ich es durchgehalten und mir sogar gestattet, Hoffnungen zu hegen, wie ein Idiot. Wir haben einen Deal gemacht und ich habe dir mein Wort gegeben. Ich habe meine Zeit abgesessen, ohne Klagen und ohne Erfolg." Ich wirbelte herum, um ihn anzusehen. Meine Stimme war voller Gift. „Also tut es mir Leid, dass ich mich nicht noch mal dieser Folter für nichts und wieder nichts aussetzen möchte. Oh nein, warte, nicht für nichts – nein – es hat dir schließlich Seelenfrieden verschafft und falsche Hoffnung. Das ist ganz sicher mein ganzes Leiden wert."
Er erwiderte nichts, als ich schließlich fertig war. Er stand einfach nur wie eingefroren mit großen Augen vor mir. Ich drehte mich auf dem Absatz herum und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort. Unten fand ich Alice. Sie warf mir nur einen Blick zu und kam sofort zu mir.
„Bringst du mich nach Hause, bitte? Ich muss jetzt alleine sein."
„Natürlich. Lass uns gehen."
Wir sprachen nicht auf der Fahrt nach Hause, obwohl ich sie oft dabei erwischte, wie sie mir neugierige Blicke zuwarf. Ich dankte ihr für die Fahrt und schaffte es noch in mein Zimmer, bevor ich zusammenbrach.
Ich war physisch und psychisch ausgelaugt und glaubte nicht, noch mehr ertragen zu können. Wie konnte er mir das antun? Wie konnte er von mir erwarten, die Behandlung fortzusetzen, nachdem er mich dabei beobachtet hatte, wie ich sie ohne Ergebnis durchlitten hatte? Ich hatte die Qual in seinen Augen widergespiegelt gesehen, während er mir beim Leiden zusah. Wie konnte er mich noch mal das durchmachen sehen wollen? War er so verrückt? War ich so unvernünftig?
In dieser Nacht weinte ich mich in den Schlaf. Ich fühlte mich schuldig wegen der scharfen Worte, die ich ihm an den Kopf geworfen hatte. Zum ersten Mal seit langer Zeit, schlief ich alleine eine und ich fühlte mich einsamer, als ich jemals für möglich gehalten hätte.
