22. Suzettes Geburtstag
Und so kam schließlich Suzettes Geburtstag, der 17. Januar. Suzette verbrachte ihn allein. Weder eine Grußkarte noch ein Geschenk wurde ihr zukommen gelassen. Aber was hatte sie erwartet? Ihre Pflegefamilie war tot und vom Schloss her, also von Snape, erwartete sie keinen kitschigen Tand in Form eines Geburtstagsgeschenk.
Sie saß die Zeit ab und beobachtete auf der Straße von Hogsmeade die kläglichen Versuche der Hogwarts-Schüler der sechsten Klasse zu apparieren.
Sie würden noch viel üben müssen, wenn sie im April ihre Prüfungen ablegen wollten.
Aber es war etwas anderes, das Suzette Sorgen bereitet: Zwar kannte sie du überall angebrachten Plakate gesuchter schwarzer Magier und zum Selbstschutz bei Angriffen für die breite Bevölkerung bereits von ihrem Besucht in der Winkelgasse, doch nun schienen auch im verschlafenen Dörfchen von Hogsmeade, das immer unter dem besonderem Schutz des Schlosses auf dem Berg und Albus Dumbledore persönlich gestanden hatte, Plakate des Ministeriums angebracht worden zu sein. Über Nacht waren die Hauswände plötzlich mit Pergamenten, Listen von Vermissten, Getöteten und Gesuchten beklebt.
Vor jedem der Pergamente hatte sich eine kleine Traube von Menschen gebildet und irgendetwas sagte Suzette, dass sie sich heute lieber einen Pferdeschwanz machen sollte, wenn sie auf die Straße ging.
Die Neugier trieb sie natürlich hinunter und der Ekel ließ sie nicht unsichtbar werden. Sie hoffte, dass sie durch die veränderte Frisur nicht auffallen würde, sollte sich hier auch irgendwo ein Photo von ihr befinden.
Suzette stand einige Minuten vor einer Liste der gesuchten und identifizierten Todesser, die aus Askaban frei gekommen waren:
Avery
Malfoy
Mcnair
Crabbe
Fletcher (dieser Name war durchgestrichen, als hätten sie ihn bereits erwischt)
Goyle
Lestrange, Bellatrix
Lestrange, Rabastan
Lestrange, Rodolphus
Shunpike (durchgestrichen)
Greyback
Rookwood
Carrow, Amycus
Carrow, Alecto
Jugson
Smith (nennt sich gerne Lecroix)
Dolohov
Mulciber
Nott
Gibbon
Yaxley
Sie erkannte sich selbst darauf. Nicht per Bild, aber ihr Name stand dort!
Sie zog die Augenbrauen zusammen und wünschte dem Zaubereiminister Scrimgeour ein fieses Magengeschwür.
Im Ministerium waren sie offensichtlich so verzweifelt, dass sie sich an alle Namen krallten, die sie irgendwo mal im Zusammenhang mit Voldemort gehört hatten, aufzählten.
Was hatte schon Stan Shunpike mit den dunklen Künsten zu Schaffen. So weit Suzette wusste, war er Schaffner im Fahrenden Ritter, zu mehr hatte sein Talent fürs Zaubern nicht gereicht. Und Mundungus Fletcher war ein Gauner, aber kein Todesser!
Das Ministerium musste ziemlich im Dunkeln tappen, wenn sie solche Listen erstellten!
Eigentlich müssten sie doch denken, sie sei tot, überlegte Suzette. Scheinbar glaubte daran mittlerweile auch niemand mehr.
Niemand glaubte mehr an die Gerüchte, Suzette Lecroix sei tot, seit Crabbe ein Gespräch zwischen Potter und Granger aufgeschnappte hatte, in dem es sich ganz klar heraushören ließ, dass sie noch lebte und mit Draco gemeinsame Sache machte.
„Sag mal, Draco.", fragte er Malfoy, „was treibst du eigentlich in diesem Raum?".
„Das geht dich nichts an! Hab ich dir doch schon mal gesagt!", blaffte Malfoy ihn an.
„Und was ist mit Suzette? Die scheint da ja auch ein und aus zu gehen! Es gibt jedenfalls Gerüchte, dass du dich mit ihr triffst!".
„Sie ist tot, Crabbe, und sie war eine Verräterin!", zischte Draco, doch Crabbe war zwar dumm, aber nicht so dumm, dass er den Verdacht, den sein Vater und seine Freunde schon lange hegten, nicht wenigstens durch gerüchteweise Informationen bestätigen wollte.
Er schrieb seinem Vater einen Brief in dem es hieß:
„Lieber Vater,
ich habe von den Gerüchten gehört, dass Suzette Lecroix noch am Leben sein soll. Ich weiß, dass ihr schon länger Nachforschungen betreibt und glaube auch ein Stück weit helfen zu können.
Auch hier in der Schule gibt es Gerede, alles streng geheimgehalten durch Dumbledore persönlich natürlich, dass sie sich in Hogsmeade befindet und regelmäßig die Schule und den Schulleiter besucht.
Außerdem scheint Draco Malfoy mehr darüber zu wissen, als er zu gibt.
Malfoy ist gänzlich in seinen Plan und seinen Auftrag vertieft. Leider will er mir immer noch nicht sagen, worum es sich handelt, aber er ist sehr stolz, dass er dem Dunklen Lord dienen darf, obwohl er erst 16 ist.
Gregory und ich helfen ihm so gut wir können und hoffen, dass alles nach seinem Plan laufen wird, wenn es so weit ist.
Ich denke, dass er euch selbst noch die Einzelheiten verraten wird.
Professor Snape scheint außerdem ein Auge auf die Fortschritte von Malfoys Plan zu haben. Draco meint, dies sei allerdings mehr aus Eifersucht, denn aus gutem Willen.
Freundliche Grüße
Vincent"
Suzette wollte sich gerade herumdrehen und zurück zu den Drei Besen gehen, da rief eine aufgebrachte Stimme hinter ihr: „Da ist sie! Ich wusste, dass ich sie hier in Hogsmeade gesehen habe! Da ist sie!".
Ein kleiner, dicklicher Zauberer mit einer lindgrünen Melone auf dem Kopf wies mit dem Finger auf Suzette und alle drehten sich zu ihr um und bevor sie es sich versah apparierte auch schon ein Polizist direkt neben ihr: „Wie ist ihr Name?", fragte der schmale, kantige Beamte unfreundlich und griff sie fest an der Schulter: „Gaunt.", fiepte Suzette eingeschüchtert, nicht wissend, wie sie aus der Nummer wieder rauskommen sollte.
„Tatsächlich?", fragte der Beamte skeptische und langsam hatte sich eine kleine Traube um Suzette gebildet.
Sie nickte recht unglaubwürdig, wie sie selbst fand.
„Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie dieser Jungen Todesserin gleichen, wissen sie?", sagte der Polizist, „Können sie es beweisen?". Sein Griff um Suzettes Schulter wurde immer fester und Suzette schäumte innerlich vor Wut. Polizist, dachte sie abfällig. Zum Auror hat's wohl nicht gereicht bei diesem geschniegelten Paragraphenreiter – denn so sah er aus!
„Ja, das kann ich beweisen!", erklärte Suzette schon wieder selbstsicherer.
Der Polizist in einer hellblauen Uniform neigte ungläubig den Kopf: „Also bitte!", forderte er sie auf und Suzette griff suchend in die Innentasche ihres Umhangs.
Sie zog ein arg mitgenommenes Pergament aus der Tasche, das sie einst von Dumbledore persönlich erhalten hatte. Es war die Geburtsurkunde, die sie als ein Mitglied der Gaunt-Familie auswies.
„Gaunt also!", meinte der Polizist.
„Ganz genau. Slytherinblut, sie wissen schon!", erklärte Suzette.
„Tatsächlich?", er untersuchte das Pergament, doch es ließ sich nicht feststellen, dass es eine Fälschung hätte sein können.
Sein Griff löste sich und er informierte den Menschenauflauf um die Szene: „Falscher Alarm! Falscher Alarm! Wir sind alle etwas überreizt in diesen Tagen! Bitte gehen sie weiter! Gehen sie weiter! Hier gibt's nichts mehr zu sehen!".
Ja, genau! Kümmer du dich nur wieder um den Verkehr, Verkehrspolizist, dachte Suzette abschätzig und verschwand mit einem Seufzer der Erleichterung wieder in ihrem Zimmer in den drei Besen.
Noch am gleichen Abend klopfte schließlich eine sehr abgehetzte Eule an Suzettes Fenster, die es scheinbar unwahrscheinlich eilig hatte Suzette ihren Brief zu überbringen.
Es war ein Schreiben von Albus Dumbledore:
„Liebe Suzette,
sicher haben Sie bemerkt, dass die Zeiten gefährlicher werden und auch Sie sich nicht mehr in Sicherheit befinden. Sowohl die Todessern, als auch Mitarbeiter des Ministeriums suchen nach Ihnen.
Wir können nicht mehr sagen, wer auf welcher Seite steht und müssen äußerst vorsichtig operieren.
Mme Rosmertha können wir nicht mehr trauen. Es gibt eindeutige Anzeichen dafür, dass sie unter einem Fluch steht.
Ich muss Sie also darum bitten, so schnell wie möglich ihre Sachen zusammen zu packen und ebenfalls Zuflucht in unserem Schloss zu suchen. Es ist trotz allem der sicherste Ort im Augenblick für Sie und ich glaube, dass Sie hier in naher Zukunft gebraucht werden.
Außerdem muss ich Sie wiederum darauf hinweisen, dass Sie selbst nicht unschuldig an dieser Situation sind und sich unser Schloss auch trotz allem nicht mehr gänzlicher Sicherheit rühmen kann!
Dennoch benötige ich nach wie vor Ihre Informationen und halte es für wichtig, dass sie wissen, worin ich Potter unterrichte, um den Jungen zu schützen und zu unterstützen, sollte mir etwas zustoßen.
Ich erwarte Sie sobald wie möglich in Hogwarts.
Freundliche Grüße
Albus Dumbledore"
Suzette wollte nichts darüber nachdenken, welche versteckten Gemeinheiten Dumbledores Brief beinhaltete und tat einfach wie ihr geheißen wurde: Sie packte ihre Sachen zusammen und begab sich auf den Weg hinauf zum Schloss.
