Date of begin: 03.05.03

Date of end: ?

Broken Trust

Autor: Cigamina

Fandom: Weiß Kreuz

Teil: 1/?

Pairings: Youji x Ran

Rating: NC-17

Genre: Au, yaoi

Warnungen: Brad – Bastardisation, lime, dark, romance

Disclaimer: Die Jungs von Weiß Kreuz gehören mir nicht, und ich mache auch kein Geld mit dieser Fanfic.

Summary: Fujimiya Ran ist von seinem Freund, den er über alles andere hinweg geliebt hatte, betrogen, verletzt und verlassen worden. Der Rotschopf zieht sich daraufhin fast völlig zurück, lässt nur noch seinen besten Freund an sich heran und versteckt sich die meiste Zeit nur noch in seiner Wohnung. Doch dann begegnet er durch bloßen Zufall einem Menschen, der sein ganzes Leben verändern wird… (*ärks* wie kitschig… Summaries *suck*… und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich sowas schreibe… aber ich kann nicht anders, ich mag die Story…)

Widmungen: Für mich? Für euch? Vielleicht finde ich ja noch andere, denen ich das hier widmen kann… ach ja, für die Canaé, weil sie die Story mag und sich auch noch das Betan antut. Thank you! *knuddels*

Anmerkungen: Es ist mal wieder eine AU, also wie immer können sich Alter und Beziehungen ändern. Es spielt in der ganz normalen Welt mit ganz normalen Menschen, ohne fantasy. Ach ja, dazu gehört auch, dass die Jungs von Schwarz keine übersinnlichen Kräfte haben.

Ähm… es ist mir fast peinlich das zu sagen, aber die Idee zu dieser Story ist mir gekommen, als ich heute Mittag ‚Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück' gesehen habe… der Film war lustig und die beiden Typen hätten gut zusammen gepasst, aber dass mir dabei sowas einfällt… na ja, sehen wir mal, was sich draus entwickelt…

Ich bin mir sicher ein paar Sachen im zweiten Teil würden in der richtigen Welt nicht funktionieren, doch da es eine Au ist kann ich das so machen. Muss ja nicht unbedingt reality sein. Wollte ich nur mal gesagt haben, nicht dass jemand auf die Idee kommt ich hätte keine Peilung von Medien and so weiter. Ich bin mir bewusst dass das nicht klappen würde, aber ich habe es so gebraucht, also habe ich es geschrieben. Ich passe mich nicht meine Geschichte an, die Geschichte hat sich an meine Laune anzupassen und deshalb steht das da. Ich ändere doch nicht meine Idee, nur weil es nicht logisch ist, lieber ändere ich die Welt ein bisschen. Was ich ja auch darf, wozu sonst ist die künstlerische Freiheit gut?? Also, nehmt es einfach so hin. ^^ Enough Psychobabble now, hier kommt die Story!

Lieder, die ich gehört habe, als ich diese Story geschrieben habe:

Bronze OST – Liar

Bronze OST – Hopelessness

She dreams in digital – Ghost in the shell

Kate Ryan – Libertine

Sugababes – Hole in the head

Feedback an:

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Die nächsten zwei einhalb Wochen verliefen recht turbulent, oder jedenfalls kam es Ran so vor. Wahrscheinlich, weil alles so hektisch war… so viel stand an, war es nicht umsonst gerade vorweihnachtliche Zeit, in der man bis zum großen Event noch so einiges zu tun hatte. Da waren einmal die ganzen Bonenkai-Feiern. Diese Partys wurden in allen möglichen Kreisen gegeben und dienten einfach dazu, mit dem alten Jahr so langsam abzuschließen, Fehler zu vergessen und sich auf das nächste Jahr einzustellen, mit guten Vorsätzen nach vorne zu sehen. Dieses Jahr musste Ran, Gott sei Dank, nur auf zweien erscheinen, nämlich auf der mit seinen Arbeitskollegen und auf einer mit Schu. Die erstere war eigentlich ganz in Ordnung, Crawford war natürlich nicht anwesend, aber mit den anderen verstand sich Ran ganz gut, sodass die Feier eigentlich lustig wurde. Die kleine Privat-Feier mit Schu hatte anderen Charakter, der Deutsche wollte wohl noch ein bisschen Zeit mit Ran verbringen, bevor er für die nächsten beiden Wochen nach Deutschland fliegen würde. Deshalb tauschten sie auch schon Geschenke aus, versprachen sich allerdings, sie erst am Weihnachtstag zu öffnen. Ran hoffte, dass sich Schu über die Bücher und die Schokolade freuen würde und war schon gespannt darauf, was ihm sein Freund geschenkt hatte. Schu flog schließlich am 20. Dezember nach Deutschland, allerdings schien er etwas widerwillig, als er mit seiner Familie am Flughafen stand. Er versicherte Ran mehrere Male, dass er viel lieber hier sein würde und dass Ran es sagen sollte, wenn er nicht allein sein wollte, doch der Rotschopf wünschte ihm nur lächelnd einen schönen Urlaub und dass er auch alleine gut zurecht kommen würde. Scherzhaft versicherte er Schu, dass er sich im Ernstfall einfach irgendein Date suchen würde – was in Japan gängig war, man nahm einfach irgendwen, um nicht allein zu sein an Weihnachten und sich nicht zu blamieren, und meistens endete der Abend im Love-Hotel… Schu schlug buchstäblich die Hände über seinem Kopf zusammen und wollte plötzlich absolut nicht mehr weg aus Japan, woraufhin Ran nur lachte und versprach, dass er das tunlichst unterlassen würde…

Er wechselte auch ein paar Worte mit Schus Eltern, es war schön, sie mal wieder zu sehen und mit ihnen zu reden. Er versicherte auch ihnen, dass er bestens klar kommen würde und dass sie sich keine Sorgen um ihn zu machen brauchten. Schließlich flog die Familie dann ab und Ran war heil froh, nicht mehr sagen zu müssen, dass er auch *alleine* prima klar kam… denn das war eine glatte Lüge. Er hatte Youji… natürlich würde er nicht alleine sein. Doch das konnte er Schu nicht sagen… er wollte es immernoch nicht. Denn jetzt kam er sich erst recht dumm bei dem Gedanken vor, Schu zu sagen, dass er schon seit geraumer Zeit einen neuen Freund hatte und nur nicht die Courage aufbringen konnte, Schu das zu erzählen… spätestens hier schob er die Gedanken immer beiseite und kümmerte sich viel mehr um die Frage, die ihn schon seit längerem beschäftigte: Was sollte er Youji zu Weihnachten schenken…? Was schenkte man einem Mann, der sich alles selbst kaufen konnte und der schon so ziemlich alles zu besitzen schien…? Ran war ziemlich ratlos. Eigentlich schenkte man an Weihnachten immer etwas teures, einmal im Jahr was ganz besonderes, aber das machte bei Youji absolut keinen Sinn… er hatte keine wirkliche Ahnung und hoffte auf einen spontanen Geistesblitz.

Dann hatten sie leichte Probleme damit, noch einen Tisch in einem schönen Restaurant für den Tag X zu finden, denn die meisten beliebten Restaurants waren schon im Sommer vor Weihnachten ausgebucht… dennoch fanden sie am Schluss – mit Hilfe von Kim und seinen Kontakten – einen Tisch in einem tollen Restaurant ganz oben auf der Dachterrasse eines Hochhauses, mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt. Ran wollte absolut nicht wissen, was da selbst ein Glas Wasser kosten würde, doch Youji bestand darauf, Ran dorthin einzuladen. Und da es Weihnachten war, ließ Ran es ein wenig widerwillig zu. Es war mit Sicherheit sündhaft teuer – doch er war an Weihnachten noch nie wirklich ausgeführt worden… deshalb erlag er der Versuchung schließlich am Ende doch.

Und noch etwas machte diese zwei einhalb Wochen so turbulent: ihr ständig wachsendes Bedürfnis nach der Nähe des anderen. Sie konnten kaum noch die Finger voneinander lassen, je älter das Jahr wurde, desto weniger. Aber irgendwie kam auch immer irgendetwas dazwischen, wenn die Situation gerade dabei war, ziemlich außer Kontrolle zu geraten… mal klingelte das Telefon oder Youjis Handy, oder urplötzlich brach einfach ein Gewitter los, oder zig andere Sachen. Ob das ein Wink des Schicksals war…? Ran wusste es nicht, doch eines wusste er mittlerweile recht sicher. So langsam fühlte er sich bereit… er wollte mit Youji schlafen, wollte wissen, wie es sein würde… mit einem geliebten Menschen zu schlafen, von diesem auch geliebt zu werden. Deshalb erwartete er die kommenden Tage mit besonderer Aufregung. Ab dem 23. Dezember würde er nämlich eine Woche Urlaub haben, und da rund um Neujahr in ihrem Verlag eh immer frei war, hatte er gut zwei Wochen frei. Am 23.12., dem Geburtstag des japanischen Kaisers, würden sie etwas zusammen unternehmen, allerdings würde Youji gegen Nachmittag noch einmal wegmüssen und erst am nächsten Tag am späten Nachmittag wiederkommen, den Rest des 24.12., dem Tag der Pärchen, würden sie dann zusammen verbringen. Eine ungewöhnlich gut situierte Weihnachtszeit… in der allerhand passieren konnte… immerhin waren das einige Nächte, von denen sie sicher die ein oder andere zusammen verbringen würden. Er wusste, dass Youji es auch wollte, der Blonde hielt sich nur Ran zu Liebe zurück. Denn Ran hatte immernoch nicht gesagt, dass er jetzt bereit sei. Er fühlte sich zwar so… doch ein letzter Rest Zweifel blieb ihm trotzdem noch. Er wollte das… ganz bestimmt sogar, nur seine Angst vor den Folgen ließ sich nicht einfach abstellen. Trotzdem erwartete er Youji mit freudiger Erwartung am Nachmittag des 24.12., früher hatte sein Freund es nicht schaffen können. Er hatte noch was mit Kim erledigen müssen und konnte deshalb erst nachmittags zu seinem Freund kommen.

Der gestrige Tag war schön gewesen, sie waren eine ganze Weile durch das weihnachtliche Tokyo gelaufen und hatten sich schließlich in ein kleines, gemütliches Café verzogen, als es ihnen zu kalt geworden war. Sie hatten eine heiße Schokolade getrunken und sich noch eine Weile unterhalten, ehe Youji Ran nach Hause gebracht hatte und dann weg gefahren war, um seinen Manager zu treffen. Auf der einen Seite hätte Ran seinen Freund lieber noch bei sich gehabt, aber auf der anderen Seite hatte er noch eine ganze Menge für Youjis mehrteiliges Weihnachtsgeschenk zu tun. Er hatte die eine Idee schon vor zwei Wochen gehabt, doch er hatte noch darauf hinarbeiten müssen, was ihn einigen Schlaf gekostet hatte… doch er war froh, dass er es wohl fertig bekommen würde. Die anderen beiden Teile waren am gestrigen Tag buchstäblich vom Himmel gefallen, sodass seine Theorie des spontanen Geistesblitzes zum Glück einmal mehr aufgegangen war. Er hoffte nur, dass er Youji mit dem Ergebnis zumindest eine kleine Freude machen konnte…

So kam der 24.12. und der Tag verging recht schnell, da Ran seinem Geschenk noch den letzten Schliff gab, als es schließlich an der Tür klingelte. Der Rotschopf bedachte das Geschenk mit einem letzten kritischen Blick, ehe er von seinem Stuhl aufsprang und in den Flur eilte, um Youji in die Wohnung zu lassen. Obwohl Ran Weihnachten eigentlich nicht viel bedeutete, hatte er seine Wohnung dennoch ein wenig dem Anlass angepasst. Er hatte Lichterbrücken in den Fenstern und Tannenkränze auf den Tischen, Kerzen in einigen Zimmern stehen. In dieser Zeit entwickelte er immer ein Kerzen-Faible, das warme, weiche Licht hatte ihm immer geholfen, die so ungeliebte Jahreszeit zu überbrücken. Dieses Jahr hatte er sich sogar dazu hinreißen zu lassen, ein kleines Tannenbäumchen zu erstehen und es im Wohnzimmer neben der Balkontür aufzustellen. Eigentlich hatte er es schon immer vermieden, dieses in Japan so kommerziell ausgebeutete Fest zu unterstützen, da er schon erlebt hatte, wie schön Weihnachten sein konnte, wo es noch einen Grund hatte, der nicht Profit hieß. Ran hielt sich selbst für sehr unreligiös, doch er fand das mit der Geburt des Gottessohnes am 24.12. eine schöne Tradition. In Japan hingegen bedeutete Weihnachten Monate lang kitschige Musik in Kaufhäusern und U-Bahnen, die niemand verstand, Hektik und Stress, weil man Geschenke kaufen musste und keine Ahnung hatte, was man verschenken sollte. Allerdings bedeutete es auch eine der längsten arbeitsfreien Zeiten im Jahr, von der Golden Week mal abgesehen. Was aber nicht an Weihnachten lag, sondern an Neujahr, was der wesentlich wichtigere Feiertag in Japan war, ganz im Gegensatz zu den europäischen Ländern. Aber beschweren konnte man sich über diese Zeit nicht wirklich, Ran hatte immerhin fast zwei Wochen relativ frei, er hatte sich zwar Arbeit mit nach Hause genommen, aber Dank seines Arbeitsmarathons in den letzten Wochen würde er sehr wenig zu tun haben.

Ran erreichte die Wohnungstür und öffnete sie für seinen Freund, welcher draußen im Treppenhaus stand und grinste. Der Rotschopf legte den Kopf schief und trat einen Schritt zurück, damit der Blonde die warme Wohnung betreten konnte.

„Was ist so komisch?"

Youji schüttelte leicht den Kopf, ehe er Rans vier Wände betrat und den Rotschopf kurz auf die Lippen küsste. Dabei drückte er Ran die Henkel der Plastiktüte, die er mitgebracht hatte, in die Hand. Die Stofftüte stellte er zu seinen Schuhen auf dem Boden ab.

„Das da…"

Der Rotschopf blickte in die quadratisch ausgebeulte Plastiktüte und erkannte dort einen Pappkarton, der das Emblem der Konditorei zwei Blocks weiter trug. Mit einer ziemlich genauen Vorstellung davon, was sich in diesem Karton befand, und verzogenem Gesicht blickte er Youji an.

„Das ist hoffentlich nicht das, was ich denke, das es ist…?"

Mit einer Hand hob er den Deckel des Kartons ein wenig an und spähte hinein, was seine Befürchtung bestätigte: Erdbeertorte mit einer Lawine aus Sahne. Youji begann zu lachen und schlüpfte aus seinem Mantel, ehe er diesen aufhängte und sich wieder Ran zuwandte.

„Krank, oder? Andere Leute essen das im Hochsommer und um diese Zeit Christstollen und Zimtsterne… wie ist das da hier in Japan nur zum Weihnachtskuchen mutiert…?"

Der Rotschopf schüttelte ebenfalls den Kopf und trug den Kuchen in die Küche.

„Liegt mir absolut fern."

Mit dem Kuchen an sich hatte der Rotschopf gar kein Problem, aber mitten im Winter Sahnetorte zu essen, das war ihm schon immer irgendwie pervers vorgekommen. Aber jetzt, wo das Ding schon mal da war, konnten sie ja auch etwas davon essen.

In der Küche stellte er die Torte auf die Ablage und ging dann quer durch die Küche hinüber zu seinem Wasserkocher, um diesen zu füllen und anzuschalten. Sie hatten noch eine Weile Zeit, bis sie zu ihrem Abendprogramm aufbrechen würden, also bereitete Ran schon einmal alles für einen gemütlichen Nachmittag zu Hause vor, wozu eben auch Tee und Kaffee gehörten. Er hatte gerade den Wasserkocher angeschaltet, als Youji die Küche betrat und zu Ran hinüber geschlendert kam. Der Größere schmiegte sich an Rans Rückseite und blickte ihm über die Schulter, seine Arme legten sich um Rans Taille und seine Hände suchten nach Rans. Der Rotschopf verflocht seine Finger mit Youjis und lehnte sich an seinen Freund, legte den Kopf in den Nacken, um diesen anzusehen.

„Schoko-Cappuccino mit zwei Zucker?"

Der Blonde lächelte und küsste Ran auf die Wange, ehe er die Frage bejahte. Mittlerweile wusste Ran, was Youji gerne trank und was nicht, und sie wohnten noch nicht einmal zusammen. Aber sie verbrachten so viel Zeit miteinander, dass das auch nicht nötig war… sobald Ran von der Arbeit nach Hause kam ließ Youji nie lange auf sich warten und gelegentlich blieb er auch über Nacht, sodass sie eigentlich jede freie Minute miteinander verbrachten. Das war mehr Zeit, als der Rotschopf mit Brad verbracht hatte, und mit dem hatte er zeit weilen zusammen gewohnt…

Der Rotschopf ließ Youjis Hände los, um zwei Tassen aus dem Küchenschrank zu holen, ehe er in die eine einen Teebeutel hängte und in die andere das Cappuccino-Pulver und den Zucker löffelte. Er war gerade damit fertig, als der Wasserkocher klickte und er somit ihre Getränke fertig machen konnte. Er goss Wasser in beide Tassen und drehte sich dann zu seinem Freund um, um diesen fragend anzusehen.

„Möchtest du ein so Stück Horrorkuchen haben?"

Sein Freund lachte und nickte, ehe er sich ihrer beiden Tassen schnappte und diese hinüber ins Wohnzimmer trug.

„Klar, wie könnte ich mir das nur entgehen lassen?"

Ran grinste und machte sich dann daran, die Torte anzuschneiden und für Youji ein Stück auf einen Teller zu legen, welchen er dann ebenfalls ins Wohnzimmer trug. Er selbst wollte keinen, sonst würde er nachher im Restaurant sitzen und ganz schnell schlapp machen… was bei mehreren teuren Gängen nicht so glücklich wäre…

Im Wohnzimmer ging er zu seiner Couch hinüber, auf der auch schon Youji saß. Er ließ sich neben dem Blonden auf der Couch nieder, stellte den Kuchenteller auf dem Couchtisch neben den dampfenden Tassen ab und wurde dann zu seiner Überraschung mit einem Ruck an Youji gezogen. Weiche Lippen legten sich auf die seinen und Youjis geschickte Zunge forderte Einlass, welchen Ran ihr auch gewährte. Sein Freund ließ sich nach hinten auf die Couch sinken und Ran folgte dem Zug, schloss seine Augen. Youjis eine Hand fuhr ihm durch seine Haare, kraulte ihn im Nacken, was ihn leise seufzen ließ. Das tat so gut… er hatte Youji vermisst, auch wenn sie nicht lange getrennt gewesen waren.

Sie lösten sich erst Minuten später voneinander, Ran leicht außer Atem. Er öffnete die Augen und blickte auf Youji hinunter, welcher ihn lächelnd ansah. Er zog Ran noch einmal an sich, küsste ihn sanft auf die Lippen, ehe er ihm über die Wange strich.

„Wir hatten uns noch gar nicht ordnungsgemäß begrüßt… deshalb wollte ich das schnell mal nachholen."

Ran musste lachen, als er das hörte, und küsste Youji seinerseits noch einmal, ehe er sich wieder aufrichtete. Deshalb also diese Attacke, kaum dass er den Teller hingestellt hatte… Youji war regelrecht stürmisch heute… konnte Ran allerdings nur recht sein, dabei vergaß er ganz, über alles nachzudenken und sich Sorgen zu machen. Es gab nichts mehr zu überdenken, hatte er für sich beschlossen. Wenn es passierte, dann passierte es eben. Er wollte das so und hatte keine Lust mehr, sich ständig dieselben Fragen zu stellen, die ihm eh nur die Zeit beantworten konnte.

Der Blonde richtete sich ebenfalls wieder auf und griff dann nach seiner Tasse, um einen Schluck Cappuccino zu nehmen. Ran entfernte erst einmal den Teebeutel aus seinem Kirschtee und legte diesen auf den Untersetzer, als er von Youji angesprochen wurde.

„Hast du Lust, einen Film anzusehen? Ich hab einen mitgebracht, den ich dir unbedingt zeigen wollte, steht draußen im Flur. Oder kennst du „Love… Actually" schon?"

Ran überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. Nein, das sagte ihm nichts. Hörte sich aber nach Liebesfilm oder Liebeskomödie an… sollte ihm recht sein. Dabei konnte man gut kuscheln… leicht musste er grinsen, irgendwie waren seine Gedanken heute etwas perfide…

„Ne… kenne ich nicht. Können wir aber gerne kucken."

Der Blonde strahlte und stand dann vom Sofa auf, um in den Flur zu gehen und die entsprechende DVD zu holen, die wohl mit in der zweiten Plastiktüte gewesen war, welche Youji im Flur stehen gelassen hatte. Er tauchte eine Minute später mit dem Film wieder auf und legte diesen in Rans DVD-Player, ehe er sich wieder zu seinem Freund auf die Couch gesellte und sich seinen Kuchen schnappte. Ran kuschelte sich an Youji und legte seinen Kopf auf dessen Schulter, schaute den ersten Minuten des Filmes zu, während Youji seinen Kuchen aß. Einmal wurde ihm eine Gabel Kuchen angeboten und er nahm das Angebot mit skeptischem Blick an, probierte den Kuchen am Ende doch. Leicht verzog er das Gesicht, als er den Bissen geschluckt hatte.

„Ist ja widerlich süß…"

Youji lachte und aß dann das letzte bisschen seines Kuchenstücks, ehe er den Teller zurück auf den Couchtisch stellte und sich dann hinter Ran längs auf der Couch ausstreckte.

„Passt ja dann zum Film… ist furchtbar süß aber trotzdem lustig."

Der Rotschopf lächelte und ließ sich dann neben Youji sinken, schmiegte sich an den Älteren. Seinen Kopf bettete er auf Youjis linkem Arm, während Youjis rechter sich um seine Taille legte. Leise musste er seufzen, so ließ sich das leben… er wollte in der nächsten Zeit gar nicht mehr aufstehen, er konnte sich gut vorstellen, den Rest des Tages, bis sie ins Restaurant gehen würden, hier mit Youji auf der Couch zu verbringen…

Der Film entsprach ganz den Erwartungen, er war tatsächlich sehr niedlich und stellenweise lustig, was das ganze sehr kurzweilig machte. Ebenfalls kurzweilig waren die Schmuseeinheiten, die Youji Ran im Laufe des Filmes zukommen ließ. Immer mal wieder spürte Ran sanfte Lippen seinen Hals entlang streifen, hier und da einen leichten Kuss gebend, ganz so, als sei dort eben ein Schmetterling gelandet. Gelegentlich verirrte sich Youjis Hand unter Rans Pullover, lange Finger strichen ihm zart über die Haut, ließen ihn erschauern. Er genoss die Zuwendung in vollen Zügen, schmiegte sich eng an seinen Freund und bekam nebenbei sogar noch einen Großteil des Filmes mit.

Am Ende von „Love… Actually" gab es dann schließlich ein kolossales Happyend für fast alle Beteiligten, derer es nicht wenige gab, und Ran war zufrieden. Er konnte Filme, die kein Happyend hatten, nicht leiden… es musste ja nicht unbedingt Friede Freude Eierkuchen herrschen, aber irgendwas Positives musste am Ende eines Filmes bleiben, sonst deprimierte ihn das zu sehr. Der Rotschopf lächelte und wandte dann leicht den Kopf, um Youji anzusehen.

„Total niedlich, der Film…"

Der Blonde erwiderte sein Lächeln und beugte sich dann vor, um Ran auf die Lippen zu küssen.

„Genau wie du…"

Leicht errötete der Rotschopf, schloss die Augen und öffnete seine Lippen, als Youji ihn mit seiner Zunge dazu aufforderte. Er war nicht niedlich… wie kam Youji nur da drauf…? Eigentlich war es ihm aber egal, solange Youji nicht aufhörte, ihn so zu küssen, war ihm alles egal. Er seufzte leise und erwiderte den Kuss, liebkoste Youjis Zunge mit seiner eigenen. Es fühlte sich so richtig an… so angenehm und… liebevoll. Er bekam von Youji alle die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die er bei Brad immer vermisst hatte. Noch nie zuvor hatte er sich so geliebt und geachtet gefühlt, und das machte ihn glücklich.

Nach einigen Minuten löste sich Youji schließlich von Ran, aber nur, um sich dessen Hals zuzuwenden. Weiche Lippen wanderten über seine Haut, ließen Ran leise seufzen. Der Rotschopf hob eine Hand und strich Youji durch die gewellten, feinen Haare, legte seinen Kopf ein wenig mehr zur Seite, um dem Blonden Raum zu schaffen. Was sofort damit belohnt wurde, dass Youjis Lippen bei seinem Halsansatz halt machten und seine Haut küssten, ehe sie daran zu saugen begannen. Ran seufzte auf und schmiegte sich an Youji, genoss, dass er ihn als seins markierte. Ran wollte ihm gehören, mit Haut und Haar.

Der Blonde ließ schließlich von ihm ab und hob den Kopf, um sich sein Werk zu betrachten, welches ihm sichtlich zu gefallen schien, da er lächelte. Leicht strich er mit seinen Fingerspitzen über die irritierte Haut, beugte sich zu Ran hinunter, um dessen Lippen sanft zu küssen.

„So gefällst du mir sogar noch besser…"

Der Rotschopf lächelte, hob seine Hände, um diese in den blonden Haaren zu vergraben, und zog seinen Freund wieder näher zu sich, um seine Lippen auf Youjis zu legen. Der Ältere ging sofort darauf ein und öffnete seinen Mund für Ran, lockte dessen Zunge hinein. Der Rotschopf seufzte leise und schloss die Augen, ließ sich von seinen Instinkten und Gefühlen leiten, bis sich irgendwann etwas in sein Bewusstsein drängte, das ihn den Kuss abbrechen ließ. Er öffnete seine Augen und blickte Youji an, welcher den Kopf schief legte und fragend zurück sah.

„Was ist?"

Der Rotschopf setzte sich leicht auf, reckte den Hals und linste so über die Lehne seines Sofas in Richtung der gegenüber liegenden Wand. Die Uhr, die daran hing und tickte, zeigte bereits viertel nach sechs an. Ran wandte sich wieder an seinen Freund, ließ sich dabei wieder auf das Sofa sinken.

„Müssen wir nicht bald los…? Um halb acht müssen wir im Restaurant sein."

Nicht, dass er es besonders eilig hatte, von der Couch weg zu kommen, aber sie mussten sich beide noch umziehen und dann durch das völlig überfüllte Tokyo zu dem Restaurant fahren. Das würde noch etwas Zeit beanspruchen, und Ran wollte nicht zu spät kommen und riskieren, dass ihr Tisch anderweitig vergeben wurde. Youji hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn dorthin ausführen zu können, es wäre schade, wenn das umsonst gewesen sein wollte… außerdem, gab er etwas widerwillig zu, wollte er selbst schon gerne hin, da das sein so ziemlich erstes richtig romantisches Date mit einer ihm so wichtigen Person war…

Auch Youji streckte sich und warf einen Blick auf die Uhr, woraufhin er nickte und sich aufrichtete, auf den Rand des Sofas setzte und zu Ran hinunterblickte. Er streckte eine Hand aus und strich Ran lächelnd über die Wange, sein Daumen fuhr über dessen Lippen.

„Schon so spät…? Ist mir gar nicht so vorgekommen… aber man könnte fast meinen, du hättest Hunger."

Der Rotschopf lächelte zurück, ehe er sich ebenfalls aufsetzte und vorbeugte, um Youji einen kurzen Kuss auf die Lippen zu geben.

„Unter anderem… ich freue mich schon seit einer Woche auf heute Abend. An Weihnachten hatte ich noch nie ein Date…"

Sein Freund legte den Kopf schief und sah ihn für ein paar Momente an, ehe er schwungvoll aufstand und Ran seine Hände hinhielt, um diesem bei Aufstehen seine Hilfe anzubieten.

„Na, dann wird's aber höchste Zeit. Wenn ich schon die Ehre habe, dein erstes Weihnachts-Date zu prägen, dann müssen wir daraus einen möglichst netten Abend machen."

Ran lächelte und ließ sich von Youji aufhelfen, lehnte sich an diesen, als er stand. Erneut küsste er seinen Freund auf die Lippen, drückte dessen Hände, welche die seinen immernoch umfingen.

„Danke…"

Der Blonde lächelte Ran an und beugte sich vor, um dem Rotschopf einen Kuss auf die Stirn zu geben.

„Nichts zu danken… dafür schuldest du mir aber die ein oder andere Runde Kuscheln, wenn wir wiederkommen…"

Er zwinkerte dem errötenden Japaner zu und ließ dann dessen Hände los, um damit in Richtung Flur zu deuten.

„Ich gehe mich dann mal umziehen… kann ich das Bad benutzen?"

„Klar."

Der Rotschopf nickte, da er selbst noch nicht einmal genau wusste, was er anziehen sollte, musste er sowieso erst seinen Kleiderschrank zu Rate ziehen. Da konnte er Youji das Bad überlassen, er würde sich in seinem Zimmer umziehen. Das Pärchen trennte sich, Youji holte seine mitgebrachten Sachen aus dem Hausflur und verschwand damit im Badezimmer, während Ran sich etwas ratlos in sein Zimmer zurückzog. Er wusste wirklich nicht so Recht, was er anziehen sollte… es war ein schickes Restaurant, welches sie besuchen würden, da wollte er sich entsprechend kleiden… aber er wollte eigentlich keinen Anzug anziehen, das erschien ihm ein wenig übertrieben, außerdem fühlte er sich in diesen nicht besonders wohl…

Ran wühlte sich durch seinen Kleiderschrank, stellte dabei fest, dass er eigentlich unglaublich viele Klamotten dafür besaß, dass er meistens nicht wusste, was er anziehen sollte… wahrscheinlich war es einfach so, dass er zu große Auswahl hatte, um sich immer direkt entscheiden zu können. Er fand gerade teilweise Sachen, von denen er nicht einmal gewusst hatte, dass sie sich in seinem Schrank befanden… zumindest beim ersten Hinsehen kamen sie ihm unbekannt vor, erst beim zweiten Blick fiel ihm wieder ein, bei welcher Gelegenheit er sich betreffendes Kleidungsstück zugelegt hatte. Und genau ein solches fiel ihm auch gerade wieder in die Hände, er musterte es stirnrunzelnd, ehe sich seine Miene aufhellte. Das war es – das konnte er heute anziehen, eine Premiere für dieses Stück. Es war eine Art anthrazitfarbene, wollene Jacke mit breiter Krempe, großen Knöpfen und versehen mit einem Band, das man als zusätzliche Zierde um die Taille binden sollte. Gekauft hatte er das zusammen mit Schu, und eigentlich nur, um dessen ständigen Empfehlungen, er könne sich auch mal etwas Schickeres kaufen, Einhalt zu gebieten. Tja, und jetzt gab es tatsächlich mal einen Anlass dafür… nun mit einer Vorstellung seines Outfits suchte Ran sich noch den Rest dessen zusammen, schlüpfte in die Kleider und drehte sich dann in Richtung Spiegel, um sich anzusehen. Er legte den Kopf schief und ließ seinen Blick über die Sachen gleiten, befand die weiße Jeans und das gleichfarbene Hemd unter der Wolljacke als passend. Aber so ganz zufrieden war er noch nicht… noch ein Griff in die oberste Schublade seiner Kommode und auch das war behoben, der schwarze Seidenschal um seinen Hals rundete das Bild endgültig ab. Zufrieden zupfte der Rotschopf an dem Schal herum; er war nun angemessen gekleidet und fühlte sich wohl, die Jacke würde ihn schön warm halten und bequem war das ganze noch obendrein.

Er nickte seinem Spiegelbild zu und schloss die Schranktüren, ehe er sich abwandte, um sein Zimmer zu verlassen. Bei seiner Kommode machte er noch kurz Halt, um sich die Haare zu kämmen. Ein Lächeln huschte über die Züge seines Spiegelbildes, ehe er diesem den Rücken kehrte und sein Zimmer verließ. Ran lief zurück ins Wohnzimmer, weil er dort auf seinen Freund warten wollte, und begann prompt sich ein paar Gedanken zu machen. Ob er auch wirklich angemessen gekleidet war…? Plötzlich hatte er Zweifel an seiner Garderobe, immerhin war er noch nie derart ausgeführt worden und wusste nicht wirklich, was man da anzog… hoffentlich gefiel es Youji…

Noch in Gedanken betrat der Rotschopf sein Wohnzimmer und blieb überrascht stehen, als er seinen Freund auf der Couch sitzen sah. Hatte er so lange gebraucht, dass Youji schon auf ihn gewartet hatte…? Wo er doch sonst nie lange brauchte… recht nervös ließ Ran sich von Youjis Augen mustern, sah den Blonden blinzeln, und war dann erleichtert, als sein Freund bestätigend lächelnd vom Sofa aufstand und zu ihm herüber kam.

„Wow… du hast dich aber ganz schön in Schale geworfen."

Er zwinkerte Ran zu und dieser erwiderte Youjis Lächeln, betrachtete seinerseits die Garderobe seines Freundes.

„Musst du gerade sagen…"

Der Blonde war komplett in erdfarben gekleidet, was ihm aufgrund seiner blonden Haare und dem dunkleren Teint gut stand. Über einem dünnen, dunkelbraunen Rollkragenpullover trug er lässig offen ein cremefarbenes Jackett, die leicht ausgestellte Jeans farblich passend in braun. Seine gewellten Haare hatte er zu einem lockeren Zopf zusammengerafft, einige blonde Strähnen waren diesem entkommen und umrahmten sein schönes Gesicht. Das alles stand ihm ausgesprochen gut… Ran kam nicht umhin zu denken, dass er einen ungemein gut aussehenden Freund hatte.

Youji blieb vor ihm stehen und hob seine Hände, eine davon vergrub sich in Rans Haaren, die andere zupfte an seinem Schal herum, ehe der Blonde begann zu grinsen.

„Verdecken kannst du es damit aber nicht…"

Blinzelnd blickte der Rotschopf seinen Freund leicht verwirrt an, wusste mit dieser Bemerkung erst nicht viel anzufangen, doch dann verstand er, was Youji meinte. Auch er grinste, strich mit seinen Fingerspitzen über die wohl deutlich verfärbte Haut.

„Das war auch gar nicht meine Absicht." Er hob eine Hand und drehte eine der blonden Haarsträhnen um seinen Zeigefinger, Youji dabei in die Augen sehend. „Nimmst du mich so mit?" Er fühlte sich gerade so zuversichtlich und zufrieden, dass er sich den kleinen Spaß erlaubte. Zusehends wurde er lockerer im Umgang mit seinem Freund, was ihn freute. Das machte alles einfacher…

Der Blonde lächelte intensiv, ehe er sich vorbeugte und Rans Lippen mit seinem sanften Kuss versah. „Ich wäre dämlich, wenn ich es nicht täte. Du siehst toll aus."

Leicht errötete der Jüngere und lächelte seinen Freund an, ehe er einen Schritt zurück trat.

„Danke… wartest du noch kurz hier? Ich muss noch mal ins Bad, dann können wir gehen."

„Okay."

Youji schenkte ihm ein warmes Lächeln, welches Ran erwiderte, ehe er sich abwandte und noch einmal kurz sein Badezimmer frequentierte. Er putzte seine Zähne und machte sich frisch, ehe er den Raum wieder verließ und zu Youji zurückkehrte, der es sich noch einmal auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Als der Rotschopf den Raum betrat, erhob sich Youji vom Sofa und ging zu Ran hinüber, woraufhin sie gemeinsam das Wohnzimmer verließen. Im Flur schnappten sie sich an der Garderobe ihre Mäntel, Ran zog seine Handschuhe an. Auch wenn sie mit dem Auto fahren würden, er kannte sich, ihm würde kalt werden…da hatte er die Handschuhe lieber sicherheitshalber dabei, denn wenn er eines nichts ausstehen konnte, dann war es Kälte.

Als er die Handschuhe übergestreift hatte, bot ihm Youji seine rechte Hand an, welche Ran nur allzu gerne ergriff. Er lächelte seinen Freund an, welcher zurückstrahlte und sich vorbeugte, um Ran seinen zärtlichen Kuss auf die Lippen zu geben, ehe sie das Apartment verließen. Der Rotschopf konnte das glückliche Glühen gar nicht mehr aus seinen Wangen vertreiben, ihm war so warm, innerlich. Er konnte gar nicht beschreiben, wie sehr er Youji liebte… weil er sich auch in der Öffentlichkeit zu Ran bekannte, weil er so auf ihn einging, weil er einfach war, wie er war.

Sie nahmen die Treppe, weil der Aufzug gerade ganz unten war, und bis dieser sich nach oben gequält hatte, waren sie schneller einfach hinunter gelaufen. Lachend verließen sie unten angekommen das Gebäude, lachend deshalb, weil sie gerade ein wild im Türrahmen knutschendes Pärchen passiert hatten, das von ihnen so überrascht worden war, dass der junge Mann über seine eigenen Füße gestolpert war und seine Freundin mit zu Boden gerissen hatte, was natürlich arg prekär ausgesehen hatte. Tja, einige schafften es halt noch nicht einmal mehr bis zum Bett…

Ran suchte mit den Augen nach Youjis Auto am Straßenrand, konnte es aber nirgendwo ausmachen. Deshalb runzelte er die Stirn, als Youji vor einem gänzlich anderen Fahrzeug stehen blieb und die Türen via Zentralverriegelung öffnete.

„Sah das gestern nicht noch anders aus…?"

Er hatte ja wirklich keine Ahnung von Autos, aber zumindest erkannte er, dass dieses Auto nicht pechschwarz, sondern silberfarben war, außerdem war es niedriger und kürzer als das andere. Wo hatte er denn das schon wieder her…?

Youji lachte und ließ Rans Hand los, um die Beifahrertür für den Rotschopf zu öffnen und wie ein Chauffeur auf den Sitz zu weisen.

„Schon ein bisschen. Gestern war es auch noch ein Jaguar, heute ist es ein Audi TT. Deutsches Fabrikat, hab ihn importieren lassen. Ich wollte schon immer mal einen fahren, und da heute Abend ja ein Besonderer sein soll, hab ich mir gedacht, jetzt oder nie."

Er zwinkerte Ran zu, welcher sich immernoch stirnrunzelnd auf den Beifahrersitz sinken ließ, und klappte dann die Autotür zu, ehe er um das Fahrzeug herum ging und auf der Fahrerseite einstieg. Wie von außen wirkte das neue Auto auch von innen sportlich, aber es war dennoch elegant und komfortabel, fand Ran. Wenn er sich zwischen den beiden entscheiden müsste, würde Ran wahrscheinlich ebenfalls das Neue bevorzugen, es gefiel ihm noch besser als der Jaguar. Aber er legte ja doch keinen Wert auf Autos… Hauptsache, sie fuhren.

Youji startete den Motor und stellte sogleich die Heizung hoch, womit er sich ein dankbares Lächeln von Ran verdiente. Geschickt fädelte der Blonde sich in den dichten Verkehr ein und lehnte sich dann in seinem Ledersitz zurück, offensichtlich zufrieden mit dem neuen Wagen. Auch Ran machte er sich bequem, öffnete seinen Mantel, als es langsam warm würde, und zog seine Handschuhe aus.

„Also hast du den Jaguar verkauft?"

Er blickte zu Youji hinüber, welcher den Kopf schief legte und ihn etwas verwundert musterte.

„Nein… den hab ich wieder beim Händler abgestellt und dann diesen hier mitgenommen. Warum sollte ich mir Autos kaufen, wenn ich mir doch immer dasjenige ausleihen kann, welches ich gerade haben möchte? So muss ich mich nicht festlegen."

Etwas perplex nickte Ran, er hatte nicht gewusst, dass man sowas einfach machen konnte… wenn das doch so ging, wieso kaufte dann überhaupt noch jemand Autos…?

„Und das geht einfach so…?"

Youji lächelte und warf dann einen Blick auf die Straße, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder Ran widmete.

„Na ja, man muss halt das nötige Kleingeld dabei haben, wenn man exotische Wünsche hat."

Erneut nickte der Rotschopf, jetzt hatte er es verstanden… das war kein Ersparnis, das war purer Luxus… man fuhr für teure Miete immer das Auto, das man gerade wollte… wenn man den entsprechenden Preis zahlen konnte. Und das konnte Youji wohl… da konnte man ja fast schon froh sein, dass Youji nicht wo weit ging, dass er jedes Autos gleich kaufte, wenn ihm mal eins gefiel… denn das wäre dann schon sehr dekadent… bis jetzt war Ran eigentlich nie mit Youjis Reichtum konfrontiert worden, außerdem bei der ‚Wer-zahlt-im-teuren-Restaurant-Frage', und hatte auch sonst niemals feststellen müssen, dass Youji sich etwas darauf einbildete. Auch jetzt brüstete der Blonde sich nicht damit, für ihn war das einfach normal… Ran wurde fast ein bisschen schwindelig, als er daran dachte, was wohl sonst noch so alles für den Blonden normal war in seinem Alltag… und fast erschien es ihm ein bisschen unwirklich, dass sich ein solcher Mann gerade in ihn verliebt haben sollte…

Ran schüttelte den Kopf, als ihm dieser letzte Gedanke kam, und lächelte zu Youji hinüber. „Es ist ein schönes Auto…" Es war nun einmal so. Youji war hier bei ihm, er war ein ganz normaler, bodenständiger Mensch, und er liebte Ran. Daran änderte all sein Geld nichts.

Gerade musste Youji an einer roten Ampel anhalten, er erwiderte Rans Lächeln und beugte sich zu dem Rotschopf hinüber, um diesem einen Kuss auf die Lippen zu geben.

„Gleich noch schöner, weil er dir gefällt."

Er zwinkerte Ran zu und gab wieder Gas, die Ampel war soeben zurück auf Grün gesprungen.

Eine Viertelstunde später stiegen Ran und Youji aus dem Auto, sie hatten es doch tatsächlich geschafft, einen Parkplatz zu ergattern, sodass sie pünktlich um halb acht oben in dem Restaurant ankamen, um ihren reservierten Tisch zu beziehen. Ein Kellner begrüßte die überschwänglich, nahm ihnen die Mäntel ab und führte sie zu einem Zweiertisch direkt an der Glaswand, sodass sie einen wunderschönen Blick über das nächtliche Tokyo genießen konnten. Jedem von ihnen wurde eine Karte gereicht, ehe der Keller mit einem Lächeln zum nächsten Tisch eilte, es herrschte natürlich Hochbetrieb. Kaum ein Tisch war noch unbesetzt und Ran war sicher, dass diejenigen paar, die jetzt noch frei waren, bald in Anspruch genommen werden würden. Das französische Restaurant war stadtbekannt und hochgradig frequentiert, sodass man davon ausgehen konnte, dass es am Abend der Pärchen mit Sicherheit komplett ausgebucht war. Überall, wo man hinsah, waren es auch Zweier-Grüppchen, die die Tische besetzten, ausschließlich aber gemischte Paare. Youji und Ran waren wohl das einzige gleichgeschlechtliche Pärchen hier im Restaurant… sie ernteten auch den ein oder anderen Blick von den Nachbartischen, doch Ran war es egal. Die Meinung dieser Menschen interessierte ihn herzlich wenig, sodass er sich lieber mit dem Inhalt der Karte beschäftigte, als darüber nachzudenken, was die Leute gerade dachten.

Und was da nicht alles auf dieser Karte stand… von Froschschenkeln über Rinderzunge bis hin zur Crème Brulée konnte man hier eigentlich alles bestellen… halbrohes Rindfleisch, Austern, Muscheln, Hummer, alles war irgendwie vertreten. Etwas verloren linste Ran hinter seiner Karte hervor, um zu sehen, ob Youji sich schon entschieden hatte. Was der Fall zu sein schien, denn soeben ließ der Blonde seine Karte sinken und lächelte zu Ran hinüber, als er sah, wie dieser mit den Schultern zuckte.

„Da fällt die Wahl schwer, nicht? Lies mal auf Seite 17 das Menü fünf. Wäre das vielleicht ein Kompromiss?"

Der Rotschopf blinzelte, ein Menü…? Das klang nach mehreren Gängen, wie sollte er denn das schaffen…? Nichtsdestotrotz blätterte Ran zur angegebenen Seite und überflog die spielerisch geschwungenen Buchstaben. Ja… ja, das konnte er sich alles noch als essbar vorstellen… aber er zählte nicht minder als sieben Gänge, und das war doch recht viel… außerdem wurde ihm fast schwindelig, als er auf den Preis sah. Nein, das konnte er unmöglich bestellen…

Er ließ die Karte sinken und sah zu Youji auf, als er sprach wechselte er in die englische Sprache, weil er nicht wollte, dass man so leicht verstand, was er sagte.

„Youji, das sind sieben Gänge, das schaffe ich nicht… und außerdem ist der Preis horrende, sieh doch mal…"

Der Amerikaner lehnte sich in seinem Stuhl zurück und klappte die Karte zu, legte den Kopf schief. Er wechselte ebenfalls auf die englische Sprache.

„Die Portionen sind nicht groß, was normal ist für französische Restaurants, das schaffst du bestimmt. Und der Preis ist egal, sieh einfach nicht drauf. Das hier ist unser Abend, da soll Geld keine Rolle spielen."

Zweifelnd blickte Ran seinen Freund an und kämpfte für einen Moment mit seinem Gewissen, doch dann gab er sich geschlagen. Er hatte sich ja ausführen lassen wollen… also würde er jetzt mitspielen, egal, wie eindringlich sein Verstand ihm immer wieder sagte, was für ein Unding es sei, wo viel Geld für Essen auszugeben.

Ran klappte seine Karte ebenfalls zu und lächelte dann tapfer zu Youji hinüber.

„Menü fünf ist in Ordnung."

Youji strahlte und sah sich dann nach dem Kellner um, um bei diesem ihre Bestellung abzugeben. Der Mann war einfach unverbesserlich, es schien ihm eine Heidenfreude zu bereiten, wenn er für Ran Geld ausgeben konnte… was sich diesen ein bisschen komisch fühlen ließ, jedes Mal, wenn das Thema auftauchte. Er konnte für sich selbst sorgen, er war nicht arm. Und kaufen lassen wollte er sich schon gar nicht… was Youji ja nicht wollte, das wusste Ran. Und trotzdem störte es ihn… irgendwie. Denn gleichzeitig ließ es ihn sich auch wichtig und stolz fühlen… was für ein Chaos. Mit einem leichten Kopfschütteln verbannte Ran all diese Gedanken aus seinem Bewusstsein, er wollte den Abend genießen… sich verwöhnen lassen… und dazu gehörte auch, dass Youji zahlte. Der Blonde würde anderenfalls eh keine Ruhe geben…

Der beschäftigte Kellner kam gerade wieder zu ihnen geeilt, sodass Youji bei ihm ihre Bestellung abgeben konnte, zweimal das Menü fünf mit passenden Getränken. Ran staunte nicht schlecht, als er hörte, dass es eigentlich zu jedem Gang einen anderen Wein geben sollte, und lehnte dieses dann dankend ab. Er würde schon nach dem dritten Gang unter dem Tisch liegen, und da Youji andeutete, dass dies hier nicht ihr letzter Programmpunkt war, wäre das wohl nicht gerade klug. Außerdem wollte er sich die Erfahrung, die er mit Alkohol erst kürzlich gemacht hatte, ein zweites Mal wirklich ersparen. So einigte man sich auf eine Flasche Wein und ansonsten auf Mineralwasser, dann konnte man Schorle trinken und so würde Youji auf seine Kosten und Ran nicht zu Schaden kommen. Bestellungen aufgenommen sammelte der Kellner ihre Karten wieder ein und eilte weiter zum nächsten Tisch, überließ Ran und Youji sich selbst. Der Blonde strahlte, als hätte er gerade ein wahnsinnig tolles Geschenk bekommen, und Ran musste lächeln. Na, wenn es ihm Freude bereitete… irgendwie würde er sich irgendwann revanchieren, anderweitig, nicht finanziell.

„Zum Glück ist das Dessert nicht Erdbeer-Sahne-Torte… ich hab ja schon fast damit gerechnet. In diesem verrückten Land ist alles möglich…"

Ran musste lachen, als er das hörte, und begann Youji danach auszufragen, wo er denn sonst noch so alles Weihnachten erlebt hatte, was ihn sagen ließ, dass Japan ein verrücktes Land diesbezüglich sei. Dabei erfuhr Ran, dass Frankreich Youjis Lieblingsland war und Youji, dass Ran als Kind auch schon einige Male dort gewesen war. Theoretisch hätten sie sich an einem Weihnachtsfest vor Jahren in Frankreich sehen können, da sie beide in der gleichen Stadt residiert hatten zu der Zeit, in Youjis heiß geliebtem St. Tropez. Zufälle gab es… Ran hatte dort mit seinen Eltern ein paar Wochen verbracht, da sein Vater beruflich rund um St. Tropez beschäftigt gewesen war. Vielleicht hatte man sich am Strand sogar gesehen… Zufälle gab es, die Welt war klein.

Auf ihre Getränke mussten sie nicht lange warten, nur wenige Minuten später stellte der Kellner Wein und Wasser auf ihrem Tisch ab, zusammen mit einem Körbchen Brot, das es wohl zu ihrem ersten Gang „Nizza-Salat" dazugeben sollte. Youji griff sofort noch einer Scheibe noch warmen Basilikum-Baguettes, Ran hingegen traute sich nicht einmal, das Brot auch nur anzusehen. Er würde auch so schon zu kämpfen haben angesichts sechs Gängen, da würde er sich den Bauch nicht vorher mit Brot voll stopfen.

Zehn Minuten später bekamen sie ihren Salat und Ran war sehr erleichtert, als er sah, dass sich die Größe der Portionen wirklich in Grenzen hielten. Dann würde er es vielleicht doch bis zum Nachtisch schaffen… der Salat jedenfalls ließ ihn das hoffen, wenn sich alles als so schmackhaft herausstellen sollte, dann wollte er alles probieren.

Der zweite Gang entpuppte sich als Avocado, was Ran als Kind in Frankreich schon einmal gegessen hatte. Dazu gab es eine Art Mayonnaise, nur kam sie Ran wenig fettreich vor, was sie besser verträglich machte. Auch dieses schmeckte ihm gut, und nach einem Blick auf sein Gegenüber konnte er von Youji wohl dasselbe behaupten. So weit, so gut.

Beim dritten Gang allerdings musste Ran sich erst einmal etwas Hilfe bei Youji suchen, da er mit den Muscheln, die in einem Töpfchen vor ihm abgestellt wurden, nicht viel anfangen konnte. Es entpuppte sich allerdings am Ende als Recht einfach, man nahm einfach eine leere Muschelschale und benutzte diese wie eine Pinzette zum Greifen des nächsten rötlichen Geschöpfes, das mal in der Muschelschale gelebt hatte, bevor man es in kochendes Wasser geworfen hatte. Ran durfte gar nicht daran denken… die leere Schale entsorgte man dann in der leeren Schüssel, die ebenfalls mitgeliefert worden war, und machte sich an die nächste Muschel. Die Muscheln schwammen in einer Marinade, sodass man nicht nur den salzigen Meergeschmack im Mund hatte, was das ganze doch recht lecker machte, musste Ran zugeben. Youji wunderte sich, dass Ran noch nie Muscheln gegessen hatte, denn diese „Moules marinées" waren laut dem blonden Autor gerade rund um St. Tropez eine recht bekannte Spezialität.

Den vierten Gang wollte Ran eigentlich am liebsten auslassen, doch am Ende siegte doch seine Neugier darauf, wie das servierte wohl schmecken würde. Zwar konnte er von der Trüffelpastete auf Baguette nur sehr begrenzt viel essen, da er sonst vor dem Hauptgang kapitulieren müsste, aber wenigstens eine der beiden Scheiben wollte er schon probieren.

Am Ende aß er doch beide, weil er die Pastete einfach so toll fand, dass er einfach weiter essen musste.

Der fünfte Gang war wohl nun endlich der Hauptgang, es wurde „Coq au Vin" serviert. Ran musste schon arg kämpfen, um die Portion zu schaffen, und er hoffte, dass nun nicht mehr allzu großes kam, denn viel würde er nicht mehr essen können. Youji hingegen zeigte noch keine Anzeichen von Sättigung, was Ran leicht den Kopf schütteln ließ. Wo ging denn das ganze Essen hin bei dem Mann…? Er selbst fühlte sich jetzt schon dem Platzen sehr nahe…

Gang sechs war zu Rans Erleichterung schon der Nachtisch und er überlegte, ob er sich nicht vielleicht verlesen hatte mit den sieben Gängen, denn was sollte nach dem süßen Nachtisch noch kommen…? Das servierte Mango Sorbet jedenfalls war, wie alles vorher auch, himmlisch lecker, was Ran zum vollständigen aufessen seiner Portion veranlasste. Er fing Youjis grinsenden Blick auf, als dieser seinen Löffel beiseite legte. Der Blonde lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck seiner Weinschorle.

„Gleich haben wir es geschafft… noch ein letzter Gang."

Der Rotschopf runzelte leicht die Stirn, also doch noch einer… da war er ja mal gespannt, was da jetzt noch kommen würde. Er hatte es sich ja vorhin angesehen, doch soweit hatte er angesichts des Preises gar nicht mehr gelesen.

„Alles zu deiner Zufriedenheit?"

Ran lächelte und nickte, lehnte sich nun auch in seinem Stuhl zurück, weil der Kellner gerade wieder erschienen war, um ihre Schüsselchen abzuräumen.

„Ja, vollkommen."

Er erntete einen leicht irritierten Blick von Seiten des Kellners, wahrscheinlich, weil sie immernoch englisch sprachen und dieser sie nicht wirklich verstand. Aber das war ja auch Sinn und Zweck der Sache…

Der Jüngere lächelte seinen Freund zufrieden an und schubste unterm Tisch Youjis Fuß mit seinem eigenen.

„Danke, dass wir her gekommen sind…"

Der Halbamerikaner erwiderte ein warmes Lächeln und schob seine Hand über die Tischdecke, um Rans zu ergreifen und sanft zu drücken.

„Gern geschehen. Hauptsache, der Abend wird so, wie du ihn dir vorgestellt hast. Es ist ja immerhin ein erstes Mal, das sollte immer etwas besonderes sein."

Sein Lächeln wandelte sich zu einem Grinsen und er zwinkerte Ran zu, welcher errötete und etwas leise lachte, den Händedruck erwidernd. Was sollte er darauf antworten…? Youji hatte Recht, und Ran wünschte sich, dass alles, was sie zum ersten Mal taten, etwas besonderes wurde…

Ihm wurde eine Erwiderung erspart, da ihr Kellner soeben wieder bei ihnen aufgetaucht war, um nun den letzten Gang zu servieren. Sollte er bemerkt haben, dass sie auf dem Tisch Händchen hielten, und sollte ihn das irgendwie stören, so ließ er sich nichts anmerken. Er stellte lächelnd eine große Platte mit allerlei Käsesorten und Baguette in die Mitte des Tisches, platzierte vor ihnen beiden jeweils einen kleinen Teller und wünschte ihnen zum siebten Mal einen guten Appetit. Angesichts der neuen Speise ließen sie einander los und griffen zu ihren Messern, Ran allerdings weitaus weniger enthusiastisch als Youji. Er war satt… aber, wie Youji ihm gerade in Erinnerung rief, schloss Käse den Magen und sollte deshalb vor allem nach dem süßen Nachtisch noch verzehrt werden. Also wählte er ein Stück Camembert und aß es mit ein bisschen Brot, bevor er endgültig aufgab. Er war satt… so pappsatt wie wahrscheinlich noch niemals zuvor. Aber… er war zufrieden. So leckeres Essen hatte er wohl selten gegessen.

Sein Freund aß noch eine ganze Menge Käse, bis auch er anscheinend gesättigt war, woraufhin sofort ihr Kellner wieder bei ihnen war, um abzuräumen und noch einmal nach weiteren Wünschen zu fragen. Nach einer kurzen Diskussion bestellten sie noch jeweils einen Espresso, Ran fühlte sich nämlich etwas schläfrig und Youji ließ noch einmal durchblicken, dass er eigentlich noch etwas anderes geplant hatte. Also wurde noch ein bisschen Kaffee getrunken, ehe Youji einige Minuten später ihren Kellner um die Rechnung bat. Ran wollte schon einen Blick darauf werfen, doch Youji schnappte sich den Beleg, schrieb schnell etwas darauf und gab ihn dem Kellner samt seiner Kreditkarte zurück. Er grinste Ran an und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf.

„Wie gesagt, mach dir keinen Kopf um den Preis. Ist heute völlig egal."

Wieder musste Ran den Kopf schütteln, ehe er lächelnd seine Ellenbogen auf dem Tisch aufstützte, eine Wange in seine Handfläche schmiegend.

„Du bist unverbesserlich…"

Youjis Grinsen wurde zu einem intensiven Lächeln, ehe der Blonde sich über den Tisch beugte und Ran sanft auf die Lippen küsste.

„Ich weiß."

Der Rotschopf blinzelte und kam nicht umhin zu denken, dass ihnen jetzt wahrscheinlich die Aufmerksamkeit des halben Lokals gebührte, doch er sah sich nicht um, hatte nur Augen für seinen Freund. Er erwiderte das Lächeln des Blonden und bot diesem seine offene Hand an, welche Youji sofort ergriff und erneut sanft festhielt. Der Blonde strich mit seinem Daumen über die Außenseite von Rans Hand, sie sahen sich lächelnd in die Augen, bis der Kellner mit Youjis Karte zurückkam und den intimen Moment brach. Der Blonde zog seine Hand zurück und nahm seine Kreditkarte wieder an sich, woraufhin der Kellner ihnen noch einen schönen Abend wünschte und sie verließ, um wieder anderswo tätig zu werden. Ran und Youji erhoben sich und gingen hinüber zur Garderobe, wo Youji Ran, ganz Gentleman, in seinen Mantel half und sich dann seinen überstreifte, während Ran sich seine Handschuhe anzog. Mittlerweile war es nach zehn, da würde es draußen sicherlich bitterkalt sein… lange hatten sie in den Restaurant zu gebracht. Die Franzosen bevorzugten es immer, ihre Mahlzeiten in die Länge zu ziehen, so war nach den einzelnen Gängen immer eine kurze Pause gewesen, in denen sie sich hatten unterhalten können. War Ran sehr Recht gewesen, denn so hatte er eindeutig mehr essen können, als wenn man alles so direkt nacheinander bekommen hätte.

Sie stiegen in den Aufzug, der sie wieder nach unten bringen würde, sie waren die einzigen, die nun gingen. Ran lehnte sich an seinen Freund, legte den Kopf an dessen Schulter und schloss seine Augen für einen Moment mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Nochmals danke für den schönen Abend…"

Er hörte und fühlte Youji leise lachen, ehe der Ältere seinen Kopf neigte und Ran auf die Stirn küsste, seine Arme umfingen den Körper des Rotschopfes sanft.

„Und er ist noch nicht vorbei. Bereit für die nächste Station?"

Der Rotschopf öffnete die Augen und blickte Youji an, ehe er sich ein bisschen streckte und Youjis Lippen mit den seinen verschloss.

„Immer doch."

Es hatte Zeiten gegeben, da hätte er erst einmal nachgefragt, was sie denn überhaupt machen würden, doch das brauchte er nicht mehr. Er vertraute Youji damit, dass sie nichts tun würden, woran Ran keine Freude finden konnte, und das konnte nicht passieren, solange Youji bei ihm war.

Youji schenkte ihm ein warmes Lächeln und trat einen Schritt zurück, da der Fahrstuhl gerade im Erdgeschoss zum Stillstand gekommen war, ergriff wieder Rans Hand und hielt diese fest.

„Na, dann wollen wir mal."

Ihre Finger locker miteinander verwoben kehrten sie zu Youjis Wagen zurück, der Blonde hielt seinem Freund erneut die Tür auf und machte es sich neben ihm auf dem Fahrersitz bequem. Er fuhr den Audi vom Parkplatz und reihte sich in den Verkehr ein, steuerte das Auto in Richtung der Viertel Tokyos, in denen man noch mehr Geld ausgeben konnte als in jenem, in dem sie gerade gegessen hatten. Ran sah zu Youji hinüber, legte den Kopf schief. Er würde nicht schon wieder vom Geld anfangen, aber interessieren würde ihn schon, wohin es jetzt ging…

„Wohin fahren wir?"

Youji grinste ihn an und gab Gas, um noch gerade so bei tieforange über die Ampel zu sausen.

„Wirst du gleich sehen, noch drei Minuten, dann sind wir da."

Na, das hielt sich ja noch in Grenzen… also konnte es nicht mehr weit sein, was fast schon wieder beruhigend war. Es ging auch noch teurer…

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