3. Eifersucht

Suzette machte sich auf den Weg zurück zu dem Feld auf dem sie Penny zurückgelassen hatte. Sie überlegte, dass sie vielleicht zu hart zu ihr gewesen war, immerhin hatte sie Penny genötigt hierher zu kommen. Eigentlich konnte sie nicht erwarten, dass sie mit ihr kommen würde, wenn sie sich alte Häuser ansehen wollte. Suzette beschloss sich mit Penny zu versöhnen und sie entscheiden zu lassen, was sie in den nächsten Tagen machen wollte. Einen ganz normalen Urlaub verbringen, wäre etwas, dachte Suzette und stand schließlich vor dem verzauberten Zelt, Penny lag davor in der Sonne.

Hey, Penny!", fragte Suzette vorsichtig, „Ich bin soweit, den Rest der Ferien kannst du entscheiden, was wir machen. Wenn du zurück willst...".

Penny öffnete die Augen und blickte Suzette verwundert an. Das hatte sie nicht erwartet: Suzette gab klein bei! „Na gut!", sagte sie, „Ich möchte noch mal in diese Promenade und einen Kaffee trinken.".

Gesagt getan. Suzette und Penny spazierten durch die kleine Allee, die zur Touristenfalle ausstaffiert worden war. Sie schauten sich die Schaufenster und die Auslagen der Geschäft an, blieben hier und da stehen, aber die erfischend künstlerische Stimmung vom Vortag wollte bei Suzette nicht wieder aufkeimen.

Ein herrliches Wetter!", schwärmte Penny. „Ich find es ziemlich neblig.", sagte Suzette.

Die beiden saßen in einem Café und schauten hinaus auf die Straße, wo die Künstler von gestern ihr Werke vervollkommnten. Suzette war froh, dass der dämliche Streit vom Morgen kein Thema mehr, war, auch wenn sie sich ihr nun komplett unterordnen musste.

Haben sie Feuer?", fragte plötzliche ein französische Stimme gleich neben Suzettes Ohr, die daraufhin aufschreckte und beim Öffnen ihrer Augen einen jungen Mann neben sich stehen sah. Sie überlegte kurz. Hatte sie Feuer? Sie hätte den Typen mit Leichtigkeit in einer unlöschbaren Flamme auflodern lassen, aber er meinte wohl eher ein Feuerzeug: „Nein, sorry!", sagte Suzette und wollte ihrer Augen wieder träumerisch schließen. „Warten sie!", rief Penny und kramte in ihrer Handtasche nach einem Feuerzeug, das sie nur für solche Anlässe bei sich trug. Sie fand es und steckte dem jungen Franzosen eine Zigarette an.

Darf ich mich zu ihnen setzte?", fragte er freundlich und Suzette öffnete wieder die Augen. Jetzt saß ihr der junge, grinsende Mann mit dem roten T-Shirt direkt gegenüber und qualmte eine Zigarette. „Sie kommen aus England?", fragte er gespielt interessiert. „Ja, London.", erklärte Penny begeistert. „Ich hab ihrer Sprache in der Schule gelernt. Was hab ich die unregelmäßigen Verben gehasst! London, sagen sie? Ich war letztes Jahr dort...".

Suzette stellte ihre Ohren auf Durchzug und ließ Penny flirten.

Oh, ihr Name ist Suzette...", hörte sie plötzlich Penny sagen und das veranlasste sie ihren Blick doch wieder ihren Tischnachbarn zuzuwenden.

Oh, ein französischer Name?", fragte der Typ freundlich. „Ich bin in Frankreich geboren.", erwiderte Suzette kalt. „Ah und wo genau?". „Och... ganz hier in der Nähe. Aber ich bin dann gleich nach England gezogen. Aber Penny hat, glaub ich, noch eine Großtante in der Normandie.". Penny nickte heftig, obwohl ihre Großtante schon lange tot war und sie diese ohnehin nie kennen gelernt hatte.

Darf ich sie auf einen Kaffee einladen?", fragte der junge Mann, „Ich kenne ein Bistro, das weniger auf Touristen aus ist. Das ist es billiger und besser.". Penny bejahte und die drei bezahlten, standen auf und trotteten in eine der unzähligen Seiten- und Winkelgassen.

Suzette fand sich wieder in einer dreckigen Kaffeebar, umringt von Einheimischen. Sie fühlte sich nicht wohl, aber Penny schien es zu gefallen. Sie redete ununterbrochen auf den Typen ein, während Suzette immer noch nicht ganz wusste, wofür es sich überhaupt zu interessieren lohnt. Es schien ihr sinnlos sich mit den Typen da zu unterhalten.

Was haben sie denn da an ihrer Hand gemacht?", fragte er und deutete auf Suzettes Verband um ihr Handgelenk. „Oh, eine Tätowierung, die noch verheilen muss. Ich darf sie keinem Sonnenlicht aussetzen.", log Suzette.

So zogen sich die Minuten und nach einer Stunde Smalltalk und Langeweile, wand sich der Kerl, der tatsächlich gar nicht mal schlecht aussah, Suzette zu und fragte: „Hätten sie vielleicht Lust, wenn ich ihnen heute Abend ein paar Clubs in der Umgebung zeige?". Suzette bemerkte Pennys missmutiges Gesicht und deutete es falsch: „Nein, danke. Ich glaube, meine Freundin hat keine Lust.".

Oh, kommen sie doch auch mit, Penny!", bat der junge Mann, den Penny mittlerweile Luc nannte.

Suzette sah Penny an, dass sie nicht wusste, was sie wollte und schon gar nicht, was sie sagen sollte. Sie sagte: „Na gut! Wann treffen wir uns?". Es wurde einen Zeit und ein Ort genannt und Luc verabschiedete sich, er müsse noch etwas erledigen.

Kaum hatte er Pennys Kaffee und Suzettes Wasser bezahlt und war verschwunden, brach über Suzette ein Donnerwetter herein: „Sag mal, was fällt dir ein?", schrie Suzette mitten in der Kaffeebar. „Entschuldige, was soll ich denn sonst sagen? Du hättest doch einfach sagen können, du hättest keine Lust. Heute morgen bist du auch allein im Zelt geblieben und du weißt genau, dass es sicher ist!", sagte Suzette. „Darum geht es nicht, Suzette! Egal wann ich mit dir weggehe, jedes Mal...". „Ach hör auf! Darüber haben wir schon hundert Mal gesprochen! Ich will nichts von dem Typen! Schnapp ihn dir, wenn du willst! Das ist doch alles sinnlos!", erklärte Suzette gereizt. „Suzette, ich glaube, du machst das mit Absicht! Seit ich dich kenne, hast du mir noch jeden Typen ausgespannt!". „Ich habe noch niemals...", Suzette konnte den Satz nicht beenden, das war Penny auch schon aufgebracht aus de, Lokal verschwunden und hinterließ eine verdutzte Suzette und ein paar grinsende Kaffeebargäste. Einer meinte zu Suzette: „Sie sollte ihre Augenbrauen mal hochklappen, das ist alles...", Suzette grinste müde und verschwand dann ebenfalls nach draußen.

Bis zum Abend redeten Suzette und Penny kein Wort miteinander. Trotzdem traf man sich schließlich zur vereinbarten Zeit an vereinbartem Ort mit Luc. Er gab zuerst Penny, dann Suzette die typischen französischen Küsschen. Er trug ein edleres lässiges, kariertes Hemd und eine lange Jeans. Er hatte sich die Haare gestylt, was Suzette ziemlich abturnte, worauf Penny aber leider ziemlich abfuhr.

Der gesamte Abend war die Hölle für Suzette. Luc führte sie in eine unterirdische Kellerdisco, in der es unerträglich dröhnte und man bei all den Leuten klaustrophobische Anfälle bekommen konnte. Penny mochte das Ambiente, aber sie blickte dennoch permanent bitterböse auf Suzette, die versuchte sich so weit wie möglich von ihr und Luc fern zu halten. Sie ging so oft Luc es ihr erlaubte Getränke holen, tauchte beim Tanzen in der Menge unter, oder versteckte sich auf dem Klo. Doch es nutzte nichts, Luc wurde aufdringlich und suchte auffallend nach Suzettes Nähe. Diese rümpfte innerlich ihre Malfoy-Nase und schob ihn immer wieder von sich, was der Franzose offensichtlich missverstand.

Die pummelige Penny kochte vor Wut und redete irgendwann kein Wort mehr, was Luc noch mehr auf Suzette fixierte, der es ungemein peinlich war, wie ihrer Freundin sich aufführte.

Luc wäre sicher noch weiter gegangen, doch Suzette zog schließlich einen Schlussstrich und entschied, dass es Zeit war zurück zum Zelt zu gehen.

Es war gerade mal elf Uhr, das Nachtleben gerade am Erwachen und draußen war es fast noch hell, als Penny, Suzette und Luc, der darauf bestand, sie zu ihrem Zelt zu bringen, am Ende des Feldwegs bei Suzettes Zauberzelt sich verabschiedeten.

Hey? Hört ihr das?", fragte Luc plötzlich und sowohl Penny, als auch Suzette begannen zu lauschen. „Ja? Was ist das? Klingt wie ein Singvogel oder sowas. Richtig beängstigend!", meinte Penny und Suzette wusste genau, was es war. Sie zischte zu Penny: „Halt mir den Typ vom Hals! Das ist der Phönix!". „Was?", rief Penny, aber Suzette hatte keine Zeit mehr für Erklärungen und rannte blindlings ins Gebüsch, wo sie irgendwo Fawkes vermutete. Sie fand ihn nicht, aber der Warnruf des Vogels wurde immer lauter und angsteinflößender. Dann hörte Penny Lucs Stimme ganz nahe bei sich: „Was ist denn los, Suzette?".

Suzette ignorierte ihn und rief in die Nacht: „Fawkes? Fawkes?" und plötzlich erstieg über dem Feld ein silbrig glänzender Phönix und flog auf Suzette und Luc zu. Der kriegte es mit der Angst zu tun und fragte eingeschüchtert: „Was? Was ist das denn?". Suzette ignorierte ihn und der Patronus sprach mit Dumbledores Stimme: „Dementoren im Ligusterweg!".