8. Der Schuljahresbeginn

Und schließlich kam der Tag von Potters Anhörung. Er und Arthur Weasley machten sich besonders fein und verließen das Haus schon früh, denn sie wollten die U-Bahn nehmen, weil sie fürchteten, das Flohnetzwerk würde überwacht und man könnte so das Hauptquartier des Ordens ausfindig machen.

Dumbledore hatte Suzette eine Eule geschickt, dass sie Harry begleiten sollte, aber Suzette weigerte sich den schicksalhaften Gerichtssaal je wieder zu betreten oder auch nur einen Fuß in das elendige Ministerium zu setzen, das sie sowieso sein Jahren auf der Abschussliste hatte. Und dieser krötengesichtigen, fetten Kuh, wollte sie in ihrem Leben und außerdem zu ihrem besten nie wieder begegnen. Sie würden ihn ohnehin freisprechen, mit oder ohne ihre Aussage.

Am Abend kamen Mr. Weasley und Harry zurück und konnten verkünden, dass er freigesprochen worden war, obwohl Fudge selbst gegen ihn gestimmt hatte.

Die Stimmung im Haus war aufrichtig erleichtert, obwohl es einen bitteren Beigeschmack hatte, dass Fudge sich so quer gestellt hatte.

Spontan wurde eine Party organisiert, die gleichzeitig Harrys Freispruch, Harry Geburtstag und die Ernennung Rons und Hermines zu Vertrauensschülern feierte. Es war der letzte Tag, vor Schulbeginn. Suzette feierte ihre eigene Party. Morgen konnte sie das Haus verlassen.

Spät am Abend, als Mrs. Weasley nur noch schnell einen Irrwicht in einer Kommode erledigen wollte und alle anderen schon ins Bett schlichen, nahm Sirius Suzette zu Seite.

Suzette war durchaus überrascht, da er mit ihr seit sie hier hergekommen war kaum ein Wort gewechselt hatte, das Suzette ernst nehmen konnte. „Miss Lecroix, ich werde meinen Patensohn gehen lassen müssen, aber ich will, dass er sicher ist! Ich bitte sie nicht! Ich verlange, dass sie diese Sicherheit gewährleisten! Und ich warne sie! Wenn er mir nur ein Wort darüber schreibt, dass sie oder ihr Mentor ihn schlecht oder ungerecht behandeln...", er sah sie drohend an.

Im selben Augenblick hatte Mrs. Weasley offensichtlich ernste Probleme mit dem Irrwicht. Ihr wurde geholfen und Suzette kletterte an der weinenden Frau auf der Treppe hinweg in ihr Schlafzimmer.

Am nächsten Morgen ging alles drunter und drüber im Haus Nummer zwölf am Grimmauldplatz. Es wurde eine Leibwache für Harry auf die Beine gestellt, die letzten Sachen gepackt und Molly filzte ein letztes Mal die Zwillinge.

Als Suzette hörte, dass Sirius es sich nicht nehmen lies, Harry in seiner Hundegestalt zum Bahnhof zu begleiten, entschloss sich Suzette, noch mal ins Bett zu gehen, ein paar Stunden zu schlafen und später nach Hogsmeade zu apparieren.

Sie war nun ganz allein in dem riesigen Haus. Allein mit dem biestigen Elfen und dem keifenden Portrait von Walpurga Black, die es nicht mehr wagte Suzette zu beschimpfen.

In den letzten Tagen im blackschen Anwesen, hatte Suzette sich nicht mehr ganz so unwohl gefühlt. Sie war zwar immer noch nicht Teil dieser Gemeinschaft, aber das wollte sie ohnehin nicht. Sie musste, oder konnte, sich eingestehen, dass die Menschen, die in dieses Haus kamen, ihr vertrauten. Sie war es nicht gewohnt, dass man ihr offen gegenübertrat und so misstraute sie generell jedem, vor allem jedem Zauberer. Es fiel ihr schwer, nicht anzunehmen, dass diese Leute ihr etwas schlechtes wollten.

Wer wohl der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunkeln Künste sein würde, fragte sich Suzette. Ob sie jetzt den echten Moody verpflichtet hatten? Andererseits hatte der brillante Auror derzeit andere Aufgaben, denen er sich unter Dumbledores Anweisung annehmen musste. Vielleicht durfte Snape ja endlich? Aber wer unterrichtete dann Zaubertränke?

Sie war gespannt auf das neue Mitglied im Kollegium. Suzette konnte sich gut vorstellen, dass Dumbledore jetzt anfing seine Schule mit Ordensleuten zu durchsetzen. Vielleicht Remus Lupin? Oder Shacklebolt, den Suzette für äußerst kompetent hielt?

Sie schnappte sich ihren Koffer und verließ das elendige Haus am Grimmauldplatz. Die schon kühle Luft stieg ihr frisch und herb in die Nase und sie genoss es zu atmen.

Sie schlich sich in eine kleine Gasse, die auf den Platz mündete und apparierte von dort aus nach Hogsmeade.

Die Stadt hatte sich nicht verändert und tatsächlich fühlte Suzette sich frei genug, sich die Auslagen bei Zonkos genau anzusehen und ein Butterbier im Eberkopf zu trinken.

Bis Pip hier ankommen würde, würde es noch bis in die Nacht hinein dauern. Er mochte das apparieren nicht und flog die Strecke bis nach Hogwarts.

Am späten Nachmittag machte sie sich schließlich auf den Weg hinan zum Schloss.

Fast genau vor einem Jahr war es, als Suzette auf diesem Weg zum ersten Mal zu spüren bekam, dass sie eine Todesserin war. Im Augenblick verhielt sich ihr linker Unterarm still. Das sickernde Blut wurde von Snapes Verband absorbiert, genau wie die Schmerzen. Trotzdem blieb es ein unangenehmes Gefühl, das Dunkle Mal.

Die Lehrer trafen sich vor Schuljahresbeginn und vor Ankunft der Schüler am Nachmittag der ersten Septembers zu einer Konferenz um die Lehrpläne und die Hausordnung durchzusprechen. Dumbledore hatte Suzette ausdrücklich dazu eingeladen und Suzette war viel zu gut aufgelegt um den alten Mann zu enttäuschen.

Sie erreichte das Haupttor zum Schulgelände, tippte das eiserne Schloss mit ihrem Zeigefinger an, doch es wollte sich nicht öffnen. Sie kramte nach ihrem Zauberstab, tippte, doch nichts bewegte sich.

Suzette zog die Augenbrauen zusammen. Normalerweise ließ sich das Schloss nicht öffnen, das stimmte, aber Dumbledore gab es üblicherweise frei für alle Schüler, Lehrer und Geheimniswahrer von Hogwarts.

Gelangweilt murmelte sie: „Expecto Patronus!" und aus ihrer Hand erstieg eine silbrig-weiße Möwe, die Suzette über das Tor hinaus zum Schloss und zum Fester des Lehrerzimmers schickte.

Es dauerte. Es dauerte ewig, glaubte Suzette. Doch dann kam langsam die Gestalt Snapes den Weg durch den Schlosspark entlang auf das Tor zu, vor dem Suzette wartete.

„Es tut mir Leid, ich bin zu spät, aber das Tor...", entschuldigte sie sich.

„Schon gut. Du wirst nicht an der Versammlung teilnehmen. Ich lasse dich jetzt hinein und du gehst schnurstracks in dein Zimmer. Bleib da, bis ich dich holen komme!", lautete Snapes Anweisung, die Suzette zugegebenermaßen seltsam vorkam. Wenn sie sich hier verstecken musste, konnte sie doch gleich wieder gehen. Sie war es nicht, die nach Hogwarts kommen wollte.

Sie tat wie ihr geheißen wurde und schloss sich in ihr Zimmer ein. Es war das selbe wie im letzten Jahr. Es sah noch genauso aus, wie sie es verlassen hatte. Das Bett war inzwischen gemacht, aber sogar das Synästhesium lag noch auf dem Platz, an dem Suzette es verstaut hatte: Unter ihrem Bett. Ihr Kamin roch etwas seltsam, als wäre er chemisch gereinigt worden oder als hätte man ihn sonst wie präpariert.

Sie wartete ungeduldig auf Snape, von dem sie hoffte eine Erklärung zu bekommen.

Ihr Kellerfenster ließ immer weniger Licht durchsickern und Suzette machte sich eine Kerze an. Jetzt ungefähr mussten die Schüler in die Kutschen steigen. Als Schülerin hatte sie sich immer etwas vor den Thestralen gefürchtet. Sie war in ihrem Jahrgang die einzige, die sie sehen konnte, doch sie konnte sich nicht erinnern jemals den Tod gesehen zu haben. Das befremdete sowohl sie, als auch ihre Mitschüler. Heute wusste sie, warum sie Thestrale sehen konnte: Als Baby hatte sie mitangesehen, sie ihre Mutter getötet wurde.

Es dauerte noch eine Weile und sie konnte die ersten Stimmen auf den Gängen hören. Langsam machte sie sich Sorgen. Sollte sie nicht beim Festessen dabei sein dürfen? Dabei hatte sie furchtbaren Hunger.

Die Stimmen wurden lauter und vielfältiger, bis McGonagall sie zur Ordnung rief und in die große Halle schickte. Irgendjemand musste sich im Slytherin-Keller verirrt haben, denn anders konnte Suzette sich nicht erklären, warum McGonagall in unmittelbarer Nähe zu ihrem Zimmer, Rüffel verteilte.

Es war schließlich still geworden. Alle Schüler mussten jetzt in der großen Halle sitzen.

Endlich öffnete sich Suzettes Tür und Snape trat zu ihr hinein: „Komm jetzt!", schnarrte er leise.

„Was geht hier vor?", fragte Suzette endgültig gereizt. „ Du wirst es gleich sehen! Dumbledore hat durchgesetzt, dass du bleiben kannst, aber bitte halt dich bedeckt!".

Sie folgte ihrem Mentor in die große Halle zum Lehrertisch, wo Suzette am liebsten tot umgefallen wäre.

Dort saß die Frau, die einzige Person auf der Welt, die sie noch mehr hasste als Dumbledore – bei Voldemort war sie nicht sicher – die sie bei ihrer Verhandlung als Lügnerin bezeichnet hatte, die sie gedemütigt hatte und ihren Zauberstab eingezogen hatte.

Als Suzettes Körper sich der Etikette widersetzte, stehen blieb und Umbridge fortwährend anstarrte, zerrte Snape so heftig an ihrem Ärmel, dass sie sich setzen musste.

Suzette und Umbridge starrten sich gegenseitig an. Suzette finster und zu allem bereit – Ein Crucio von ihr in Umbridges Gesicht hätte so richtig weh getan – die fette, ältere Frau unergründlich und doch kalt und voller Abscheu.

Sie verlor und hielt Suzettes Blick nicht länger wortlos stand. Umbridge sagte in einem ruhigen, gleichgültigen Ton zu Suzette: „Miss Smith, ich gebe zu, ich hätte es lieber gehabt, wenn sie nicht aufgetaucht wären. Da sie aber nun hier sind, muss ich ihnen gleich erklären, dass sie nicht berechtigt sind Sitzungen des Kollegiums beizuwohnen. Ich musste sie deshalb aussperren. Ich hoffe es hat ihnen keine Umstände gemacht so lange vor dem Tor zu warten?". Sie erwartete keine Antwort und Suzette hätte jemandem, der sie Smith nannte ohnehin keine gegeben. „Professor Dumbledore hat mich eingeladen!", erwiderte Suzette scharf. „Dann weiß Professor Dumbledore scheinbar nicht, wozu er befugt ist und wofür nicht! Ich zweifle ohnehin ein wenig daran, dass sie die richtige Person sind, um an dieser Schule Erzieherin zu sein. Und ich zweifle daran, dass hier überhaupt eine derartige Stelle von Nöten ist. Ich beobachte sie, Miss Smith! Wie ich höre, sind sie nach Hogsmeade appariert. Wenn ich meiner Akte glauben darf, haben sie niemals einen entsprechende Prüfung abgelegt?".

Das Gefühl unbändiger Wut stieg in ihr hoch und Suzette fühlte ich sogar gut dabei: „Ich kann perfekt apparieren, seit ich fünf bin!", erwiderte sie und die fette Frau beließ es erst Mal damit. Dolores Umbridge also!

McGonagall erhob sich, sodass Ruhe einkehrte an den Haustischen und am Lehrertisch. Die Zuteilungszeremonie begann. Der Hut sang ein dämliches Lied, über den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten, das jedem Slytherin den Peinlichkeitsschweiß ins Gesicht trieb. Endlich kamen die kleinen, verschüchterten Elfjährigen nacheinander auf den Stuhl, in der Mitte, wo der Hut sie einem bestimmten Haus zuwies. Nach jeder Zuteilung gab es Beifall von entsprechender Seite. Es war wie jedes Jahr.

Als alle Schüler ihren Platz gefunden hatte, stand endlich Dumbledore auf und verkündete folgendes: „Liebe Schülerinnen und Schüler. Diejenigen unter euch, die nicht gerade ihren Kopf unter den Hut gesteckt haben, werden bemerkt haben, dass sich unser Kollegium auch in diesem Jahr wieder etwas verändert hat. Ich darf für dieses Schuljahr Professor Raue-Pritsche, die das Fach Pflege magische Geschöpfe unterrichten wird, sowie Professor Umbridge, die uns als neue Lehrerin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste vom Ministerium zugeteilt wurde, bei uns begrüßen.". Er setzte sich wieder hin und ließ die Stille auf sich wirken.

Doch plötzlich stand Umbridge von ihrem Stuhl auf und stellte sich kerzengerade vor die Schülerschaft. Mit einem kurzen gespielten Räuspern erbat sie sich Aufmerksamkeit und trug eine perfekt auswendig gelernte Rede vor.

Suzette hörte nicht her. Sie brauchte nicht zu wissen, was Umbridge sagte, sie wusste, dass es nichts gutes sein konnte. Sie blickte im Saal umher und bemerkte, dass auch die Schüler eher gelangweilt als gespannt lauschten. Einige begannen sich zu unterhalten und kein Lehrer hielt sie davon ab.

Professor McGonagall machte ein entsetztes Gesicht, die ganze Rede über, Dumbledore wartete geduldig ab und schien sogar Interesse zu heucheln. Snapes Augen lagen ruhig und fest auf der fetten Frau. Er hörte ohne Zweifel jedes Wort genau und wusste es auszuwerten. Keine Emotion war in seinem Gesicht zu lesen.

Professor Sprout verhielt sich ruhig, aber auch sie hörte nur aus reiner Höflichkeit und nicht aus Interesse zu. Der kleine Professor Flittwick nahm sich einen Apfel vom Tisch, als Dolores nicht mehr aufhören wollte zu sprechen, und biss demonstrativ ein Stück davon ab.

Umbridge kümmerte all es nicht. Für sie gab es in diesem Moment nur sie und ihre Worte. Vielleicht glaubte sie aber auch tatsächlich, dass es irgendjemanden interessierte, was sie zu sagen hatte.

Suzette fixierte Potter und seine Freunde. Harry und Ron hatten sich abgewandt uns unterhielten sich, während Hermine angestrengt nach vorne stierte.

Endlich war sie fertig und das Festessen wurde eröffnet. Die Hauelfen übertrafen sich wieder mal selbst, doch Suzette bekam kaum einen Bissen hinunter.