12. Sirius aus dem Feuer
Am nächsten Morgen, Samstags, brachte die Posteule, welche nach wie vor Suzette den Tagespropheten lieferte, schlechte Nachrichten: Man hatte Sirius Black in London gesehen.
Sie wandte sich an Snape, der ebenfalls in den Bericht vertieft war: „Wie kann das sein?", flüsterte sie und bekam als Antwort ein missmutiges Knurren: „Er war schon immer ein leichtsinniger Idiot! Hat sich bei King's Cross vor Lucius Malfoy sehen lassen.".
Sie verloren kein weiteres Wort mehr darüber. In der großen Halle, beim Frühstück waren einfach zu viele Ohren anwesend.
„Heute ist Quiddich-Training, Suzette. Du solltest es dir ansehen, dann kommst du hier mal raus und auf andere Gedanken. Und richte Potter aus, er sollte sich besser an die Regeln halten, wenn er nicht noch mehr Trainingsstunden versäumen will. Soweit ich weiß, sind die Slytherins in Hochform.", grinste Snape, als er aufstand und den Lehrertisch verließ, just in dem Moment, als Umbridge die große Halle betrat.
Suzette nahm auf der hohen Tribüne am Quidditch-Feld Platz. Es waren die Gryffindors, die heute trainierten, aber es war ihr egal. So konnte die zwei Fliegen mit einer Klappen schlagen: Sie hatte Potter im Blick und sah endlich nach langer Zeit wieder eine Quiddich-Mannschaft. Sie hatte gehört, dass Potter ein unglaublich guter Sucher sein musste. Nun, sie gönnte ihm sein Talent. Suzette war nie in ihrer Hausmannschaft gewesen, sie besaß einfach keinen Besen.
Heute sollte beim Training ein neuer Hüter ausgewählt werden und der schusselige Feigling Ron hatte sich beworben.
Kaum hatte Suzette sich hingesetzt und böse Blicke der Gryffindors auf sich gezogen, die glaubten, Suzette sei eine Spionin der Slytherins, da tauchten auf der Tribüne noch weitere Gestalten auf.
Sie grinsten Suzette fröhlich zu und setzten sich zu ihr. Es war die komplette Slytherin-Quidditch-Mannschaft, die sich einen Spaß daraus machte Ron auszulachen, wie er einen Ball nach dem andern durch die Torringe fliegen ließ.
Suzette war erstaunt über die Tatsache, dass es Schüler gab, die sich freiwillig zu ihr setzten und dass es ausgerechnet Malfoy und seine Kumpanen waren. Sie ließ es sich gefallen, den Gedanken im Hinterkopf, dass Dracos Vater Todesser war und seinem Sohn sicherlich Verhaltensmaßregeln nahegelegt hatte.
„Dieser Ron ist so schlecht, dass es fast schon einen Schande ist, gegen diese Mannschaft ernsthaft anzutreten!", erklärte Malfoy ölig und seine Mannschaft lachte. Suzette lachte nicht. Sie empfand es als ungerecht, da Ron offensichtlich zum ersten Mal auf einem Besen saß.
Wie sich später herausstellte, war es durchaus nicht das erste Mal und Suzette nahm ihr Mitleid zurück: Jemand, der so wahnsinnig untalentiert war, sollte das akzeptieren und seine Hausmannschaft nicht auf Grund von persönlichen Wunschträumen runterziehen.
Ron schien übernervös zu sein und er schien sich über sich selbst zu ärgern, weil er immer nervöser wurde, was ihn noch nervöser machte. In einem Ausbruch unbändiger Rage, ausgelöst durch irgendeinen dummen Spruch seiner kleinen Schwester, schleuderte er den Ball so heftig und so unkontrolliert über das Feld, dass Katie Bell, als der Quaffel sie im Gesicht traf, fast vom Besen fiel und ihr Gesicht blutverschmiert zurückließ. Einer der Zwillinge eilte zwar sofort zu Hilfe, doch schien sich die Situation nicht zu entspannen und es rann auf einmal ungleich mehr Blut aus Katies gebrochener Nase.
Das Training wurde abgebrochen und die Jägerin in den Krankenflügel gebracht. Die Slytherins auf den Rängen feixten noch ein bisschen und Rons roten Kopf konnte man wohl noch kilometerweit durch den verbotenen Wald leuchten sehen.
Suzette trottet zum Schloss zurück. Sie kam sich ein wenig nutzlos vor und wartete im Grunde nur darauf, dass Snape endlich zu ihr kam und sie mit zu den Todessern nahm.
Doch Severus hielt sich bedeckt. Suzette bemerkt, dass er Nachmittags und Abends oft nicht im Schloss anzutreffen war, und das ärgerte sie.
Als sie kurz vor Mitternacht an einem der folgenden Tage auf ihrem Bett hockte, ihren Zauberstab in der Hand hielt und mit aller Gewalt versuchte, sich in einen Animagus zu verwandeln, klopfte es plötzlich staccatoartig an ihre Tür.
Suzette erwartete Snape und öffnete so mit einem erwartungsvollen lächeln ihre Kerkertür. Als sie jedoch die Person sah, die vor ihr stand, machte sie erst mal einen Schritt rückwärts bevor sie ihr Gesicht zurecht rücken konnte.
Dolores Umbridge stand vor ihr, Hände in den Hüften und mit einem abschätzigen Blick: „Wenn sie mir bitte folgen würden? Ich habe ein paar Fragen an sie!".
Suzette dackelte der dicken Beamtin hinterher, bis sie in ihrem Büro angekommen waren.
„Professor Dumbledore sagte mir, sie sind für die persönliche Sicherheit von Harry Potter zuständig?", fragte sie schnippig. Suzette nickte ohne den Stolz in ihren Augen zu verlieren.
„Dass ich diese Maßnahme für völlig überzogen halte, dass ich glaube, dass sie an dieser Schule kein Schüler in irgendeiner Gefahr befinden, sollte ich bereits deutlich gemacht haben.". Suzette nickte wieder.
„Was wissen sie über Potter?", fragte sie schließlich und kam mit ihrem Krötengesicht ganz nahen an Suzettes heran.
„Was meinen sie?", fragte Suzette gelassen, denn sie wusste wirklich nicht, worauf sie hinaus wollte.
„Sirius Black!".
Suzette zuckte unmerklich zusammen.
„Was wissen sie über Sirius Black? Wo ist er?".
„Ich habe keine Ahnung? Wieso fragen sie mich das?".
„Potter hat Kontakt zu ihm!".
Suzette hab die rechte Augenbraue.
„Sie unterhalten sich über das Flohnetzwerk.".
Suzette neigte den Kopf und lächelte: „Ich habe keine Ahnung, wovon die sprechen, Miss Umbridge.".
„Er spricht mit Sirius Black über das Flohnetzwerk! Und sie tauschen Pläne aus!".
Suzette schaute amüsiert auf die verbissene Frau, die als Lauscherin an der Wand, sprichwörtlich ihrer eigne Schand' gehört haben musste.
„Wo befindet sich Sirius Black?", fragte sie erneut.
„Ich habe keine Ahnung!", log Suzette erneut.
„Ich habe Mittel und Wege sie zum reden zu kriegen!", sagte sie und lehnte sich zurück.
„Wieso fragen sie mich?", Suzette lehnte sich ebenfalls zurück.
„Potter vertraut ihnen!", machte Umbridge süßlich-bitter.
Suzette lachte laut auf: „Das wäre mir neu!".
„Sie haben engen Kontakt zu ihm! Wo ist Sirius Black und was haben Potter und seine Freunde vor?".
„Hören sie, das wird lächerlich, Miss Umbridge. Ich erlaube mir zu gehen, wenn ich merkte, dass ein Gespräch zu keinem Ergebnis führen wird. Ich habe keine Ahnung wovon sie reden, aber offensichtlich nehmen sie die Kontrolle des Flohnetzwerks ernst, was ich als einen inakzeptablen Eingriff in die Privatsphäre der Schüler erachte, den ich auch dann nicht mit Informationen unterstützen würde, wenn ich diese hätte.". Suzette schloss die Bürotür leise hinter sich und trippelte vergnügte zurück in ihr Schlafzimmer.
Soso, Potter und Black unterhielten sich über das Flohnetzwerk... Suzette fiel ein, dass sie Potter eigentlich warnen müsste, dass er beobachtet wurde. Sie nahm es sich für den nächsten Tag vor.
Der nächste Tag brachte die nächste Schreckensschlagzeile: Dolores Umbridge, die neue Großinquisitorin von Hogwarts! Suzette wusste nicht, was sie sich unter eine Großinquisitorin vorstellen sollte, aber es konnte nur eins bedeuten: Sie hatte jetzt noch mehr Macht.
Dolores Umbridge selbst kam mit einem überheblichen, zufriedenen Lächeln an den Frühstückstisch, wo die erbittert bösen Blicke der Lehrerschaft sie empfingen.
Sie blieb vor ihrem Platz stehen und klopfte mit einem Löffel gegen ihr Glas, sodass sie die Halle langsam in Schweigen hüllte. Dann begann sie eine ihrer Predigten: „Für all diejenigen unter euch, welche die Nachricht heute Morgen nicht aus dem Tagespropheten gelesen haben, möchte ich folgendes ankündigen: Im Rahmen des Ausbildungserlasses Nummer 23 ernennt das Zaubereiministerium mich, Dolores Umbridge, zur Großinquisitorin der Hogwarts-Schule. In den folgenden Tagen werde ich Inspektionen in den einzelnen Klassen bei den einzelnen Lehrern durchführen, um festzustellen, welche Stellen fehlbesetzt sind und eventuell zu Gunsten der optimalen Ausbildung unserer Schüler umbesetzt werden müssen.".
Ein Raunen ging durch die große Halle, denn niemand konnte sich so richtig vorstellen, wie so eine Inspektion aussehen sollte.
Suzette war es im Grunde egal, denn Snape würde sie wohl kaum austauschen wollen und die anderen Lehrer gingen sie nichts an. Ein anderer Gedanke trieb sie zunehmend um: Wann würde sie mit Snape endlich daran arbeiten dieses verdammte Hydrenblut von Voldemort zu holen? Sie erschrak, hatte sie da gerade seinen Namen gedacht? Sie griff schnell nach ihrer Tasse und verschluckte sich am heißen Tee.
Lange hatte Snape nicht mehr so ungehalten gesehen. Er war ja oft grimmig, doch war das meist nur Fassade einer ausgezeichneten Okklumentik. Im Augenblick war er richtig, wahrhaftig wütend.
„Hast du Angst vor der Inspektion?", fragte Suzette mit einem klein wenig Hohn im Unterton, was komplett fehl am Platze war.
Suzette, ich habe keine Angst um meine Stelle, aber ich kenne da jemanden, der im Augenblick ganz oben auf der Abschussliste steht.".
Suzette verstand: „Wann gehen wir zum Dunklen Lord?", fragte Suzette endlich.
„Wenn du deine Ausbrüche im Griff hast!", erwiderte Snape grimmig.
„Dumbledore sagt, es mache nicht, wenn ich...".
„Suzette, die Situation hat sich geändert! Der Schulleiter verliert seinen Einfluss!", redete Snape dazwischen.
Gleich am selben Tag begann Umbridge mit ihren Inspektionen. Sie hörte von einem Desaster im Turm von Sybil Trelawney. Die arme Frau musste völlig aufgelöst zu Professor Dumbledore gelaufen sein und sich bitterlich bei ihm beschwert haben.
McGonagall erzählte Flittwick auf dem Gang vor dem Lehrerzimmer, sie haben Umbridge einfach ignoriert und als sie sich dann unbedingt Gehör verschaffen wollte, habe sie sie einfach zusammengestaucht, dass sie die Klappen gehalten hat. Flittwick nickte und nahm sich vor es bei seiner Inspektion ähnlich zu handhaben.
Suzette, die gerade vorbei ging, wurde von McGonagall angehalten: „Miss Lecroix? Potter wird heute Abend bei ihnen nachsitzen! Bitte achten sie darauf, dass er in ihrem Büro erscheint und Professor Umbridge ihn nicht in ihr Büro schleift!".
„Was hat er denn schon wieder angestellt?", fragte sie aufrichtig interessiert.
„Ich weiß es nicht genau. Er muss wieder mit dieser Person aneinander geraten sein. Ich habe ihm gesagt, er solle sich zusammenreißen, aber es scheint nichts zu nutzen. Professor Umbridge jedenfalls besteht, darauf, dass Potter bei ihr seine Sätze schreibt, aber ich möchte nicht, dass ein Schüler meines Hauses sich eigenhändig verletzten muss, weil er seine Ansichten und die Wahrheit vertritt. Sie werden ihn um viertel vor sechs am Gryffindor-Turm abholen.".
Suzette nickte und lief weiter zur Bibliothek. Sie wollte ein weiteres Buch zurückbringen, das ihr nicht helfen konnte ein Animagus zu werden.
