14. Voldemorts Trick
„Sehr schön, dass ihr alle gekommen seid!", begann er, als ob die Todesser eine Wahl gehabt hätten, nicht zu kommen, „Ich bin stolz auf, das war wir erreicht haben und es wird noch mehr werden!".
Kaum einer wagte zu atmen, es war totenstill im Raum. Voldemort sprach mit leiser, hoher Stimme, die eigentlich zu seiner gewollt würdevollen Erscheinung nicht passte. Sie klang gar etwas schwach, fand Suzette.
Erst jetzt fiel ihr die riesige Schlage auf, die sich unter dem Tisch vor dem Dunklen Lord bis hin zu ihr wand. Suzette hatte nie Angst vor Schlangen gehabt, aber trotzdem war es ihr unheimlich, wenn eine Halbhydra so nah an ihren Füßen lauerte und wohl nur auf einen Befehl zu töten wartete. Nagini war ein seltsames Tier. Es schien keinen eigenen Willen zu haben. Suzette wusste zumindest von Pip, dass er seinen eigenen Kopf hatte und viel zu stolz war, um einen Befehl auszuführen. Wenn man etwas von ihm wollte musste man ihn bitten. Pip war entsprechend ein Freund. Ob Nagini für Voldemort eine Freundin war, bezweifelte Suzette.
Sie zischte gefährlich unter dem Tisch und Suzette bekam es nun tatsächlich mit der Angst zu tun. Welche magischen Instinkte hatte dieses Tier? In solchen Momenten hätte es sich ausgezahlt Parsel zu verstehen.
Der Dunkle Lord ließ sich nicht beirren, er sprach weiter: „Unser Siegeszug ist nicht mehr weit hin. Die letzte Schlacht ist nah und sie wird ein Triumph werden!".
Pause.
Suzette bemerkte, dass Voldemort nichts als leer Phrasen an seine Todesser richtete und das enttäuschte sie, allerdings war es natürlich klar, dass er vor ihr, die ja nicht oder noch nicht dazugehörte, keine Pläne ausplauderte und stattdessen lieber seinen Sieg ausformulierte.
„Bald schon werden unsere Freunde aus Askaban zu und stoßen. Ihrer Rückkehr ist ein wahrhaft glorreicher Verdienst Lucius Malfoys!", er wies auf den großen Blonden, dessen Brust mit einem Mal überdimensional Anschwoll.
„Sein Einfluss auf das Ministerium, ermöglichte mir Einflussnahme auf die Führung des Zauberergefängnis. Ich kann verkünden: Die Dementoren kämpfen schon bald auf unserer Seite!".
Und plötzlich brach ein brüllender Applaus im Salon von Malfoy Manor aus. Vor allem die grobschlächtigen Kerle, die Suzette nicht kannte, johlten und klatschten. Die Malfoys verhielten sich vornehmer und Snape ließ sich keine Gefühlsregung anmerken. So tat es Suzette ihm gleich.
„Des Weiteren ist es McNair gelungen die Riesen auf unsere Seite zu holen, nachdem er zwei Gesandte Dumbledores in die Flucht geschlagen hat: Diesen gutgläubigen Halbmenschen Rubeus Hagrid und die Schulleiterin der französischen Zauberschule.", er grinste böse, als er an Hagrid dachte. Suzette hingegen wusste worum es ihm ging: Hagrid war zu unrecht wegen ihm von der Schule geflogen und über so etwas konnte und wollte Suzette auch nicht in ihrer Rolle lachen. Die anderen Todesser jedenfalls amüsierten sich.
„Die anstehende Mission ist die wichtigste, was unseren Sieg angeht.". Es wurde wieder still in malfoyschen Anwesen.
„Ich erwarte einen Erfolg. Und ich erwarte Potters Leiche!".
Suzette merkte auf.
„Ich übertrage die Leitung der Mission Lucius Malfoy, da er die besten Beziehungen zum Ministerium besitzt und weil er mir seine Fähigkeit bereits beweisen konnte.".
Wieder schwoll seine Brust an.
„Ich habe euch alle heute Abend hierher bestellt, weil ich euch außer diesen guten Nachrichten noch eine weitere geben kann. Severus Snape hat meine Großnichte für unsere Sache zurückgewinnen können.", er verdrehte die Tatsachen ein wenig und das fiel auch Snape unangenehm auf.
„Suzette, ich heiße dich herzlich willkommen im Kreis meiner Todesser.".
Suzette wollte ansetzten, zu erklären, dass sie im Grunde nur etwas über die Dunklen Künste von ihm lernen wollte, da las sie in Snapes Gesicht, dass sich der Plan geändert hatte und sie mitspielen musste. Sie lächelte also verlegen und grüßte mit einem Nicken in die Runde. Man antwortete ihr auf der Stelle.
„Sie besitzt außergewöhnliche magische Fähigkeiten, die zweifellos aus dem Familienstammbaum der Slytherins stammen und wird ein wertvolles Mitglied unserer Runde sein. Ich unterstelle sie vorerst der Obhut Severus Snapes.".
Jetzt war es an der Zeit für Suzette einzuhaken: „Entschuldigung, My Lord, ich... würde es euch etwas ausmachen, mich in den Dunklen Künsten zu unterrichten?".
Voldemort lächelte halb gnädig, halb hinterlistig und nickte erhaben.
Was folgte war ein orgiales Saufgelage. Snape und Suzette tranken nur wenig und bewegten sich auch recht schnell zur Rückkehr.
Als sie im verbotenen Wald apparierten, konnte sie sogar bei der schier undurchdringlichen Dunkelheit Snapes wutzerfressenes Gesicht sehen. Suzette hoffte, dass sie keinen Fehler gemacht hatte.
„Das hat er mit voller Absicht gemacht! Er ahnt irgendetwas!", knurrte er gefährlich.
Suzette sah ihn an.
„Jetzt gibt es kein Zurück mehr! Du musst das durchziehen! Wie du da wieder rauskommst, weiß ich allerdings auch nicht. Es macht die Sache noch mal um einiges gefährlicher. Er weiß, dass du in Hogwarts lebst, womöglich wird er von dir Informationen erwarten. Er weiß genau, dass du keine Todesserin sein willst! Und er ahnt, dass du noch auf Dumbledores Seite stehst! Deshalb hat er uns überrumpelt! Es ist ein Test!".
„Meinst du er hat Umbridge an die Schule geschickt?", fragte Suzette, die sich aus all den Bruchstücken ihrer Situation versuchte ein Puzzlebild zusammen zu bauen.
„Er nicht! Lucius!".
Suzette dachte scharf nach und wusste eigentlich gar nicht worauf sie hinauswollte, da meinte Snape wiederum: „Sei vorsichtig, was du ihr gegenüber über Dumbledore sagst! Sei um Gottes Willen vorsichtig, wem du überhaupt etwas sagst! Und behalt Potter im Auge!".
Suzette nickte und sie schlichen sich zurück zum Hintereingang des Schlosses.
Potter fiel es ihr ein. Und dann sprach sie erschrocken aus: „Sirius!".
Snape drehte sich genervt um: „Bitte?".
„Äh... Umbridge... Sie hat Sirius im Kamin erwischt! Ich wollte Potter noch vorwarnen.", erklärte Suzette.
„Na dann! Er wird sich freuen, wenn du ihn um diese Zeit weckst!", Snape grinste verschmitzt, als wäre alles, was noch vor ein paar Minuten um ihn herum passiert war, schon wieder in weite Ferne gerückt.
Suzette ließ sich nicht davon abbringen und stürmte zum Gryffindor-Turm.
„Krönungsmahl!", hauchte Suzette und die Fette Dame ließ sie durch das Portraitloch klettern.
Im Gemeinschaftsraum überraschte sie Dobby, der das Zimmer ganz allein putzen musste. Suzette grüße und schlich sich schließlich in den Jungenschlafsaal, den Harry bewohnt.
Sie fand den Jungen sofort. Er schlief unruhig und schwitzte. Als Suzette an ihm rüttelte, wachte er mit einem kleinen Schreckensschrei auf.
Potter griff nach seiner Brille auf dem Nachttisch, zog sie auf und erkannte seine Leibwächterin, die nicht minder angespannt wirkte, wie er sich fühlte. Gerade noch hatte er schon wieder einen Traum gehabt, der in schon seit Wochen quälte, zu dessen Ende er aber bis heute nicht gekommen war. Es ärgerte ihn, schon wieder an der entscheidenden Stelle geweckt worden zu sein.
„Shhh!", machte Suzette und Potter schluckte seine Flüche unter: „Was... was ist los?", fragte er stattdessen, versuchend irgendwie schnell auf eine relativ waches Level zu gelangen.
„Sie haben mit Sirius gesprochen?", fragte Suzette leise, damit die anderen Jungs nicht aufwachten, „Über das Flohnetzwerk?".
Potter schaute sie verwundert an, woher konnte sie das wissen. Ihm fiel weder Grund, noch eine Möglichkeit ein, es zu leugnen, also sagte er: „Ja, vor ein paar Tagen war sein Kopf im Kamin.".
„Wie kommt er dazu?", fragte Suzette.
„Ich habe ihm einen Brief geschrieben...", antwortete Harry und Suzette verstand: „Sie kontrollieren die Eulen!".
„Ja!", sagte Potter, „Er ist einfach so aufgetaucht, ich habe ihn nicht gebeten oder so...".
„Ist ja schon gut!", machte Suzette, sie wollte sich keine Anbiederungsversuche anhören, „Passen sie auf, Potter! Umbridge weiß davon! Die Kamine werden überwacht! Wenn Sirius sich noch einmal im Kamin blicken lässt, wird er womöglich gefasst. Schicken sie ihm eine kleine, unauffällige Eule und halten sie sich vor Umbridge zurück!".
„Woher wissen sie, dass Umbridge...", fragte Potter, jetzt hellwach.
„Sie hat versucht, was aus mir raus zubekommen. Sie dachte, ich wüsste davon. Nun, jetzt weiß ich es! Gute Nacht!", Suzette stand von Potters Bett auf und verließ den Gryffindor-Turm.
Harry konnte die ganze Nacht nicht wieder einschlafen. Wieso musste diese dumme Kuh ausgerechnet jetzt in seinen Traum hineinplatzen? Und wieso konnte sie ihn nicht überhaupt in Ruhe lassen? Die wollte doch nur ihn und Sirius auseinander bringen! Das Flohnetzwerk kontrollieren, pah! Harry fragte sich, was hinter den verschlossenen Türen des Lehrezimmern und der privaten Büros so gesprochen wurde. Und wieso wusste Suzette von Sirius? Und woher Umbridge? Vielleicht wurde das Netzwerk doch kontrolliert? Er konnte es sich einfach nicht vorstellen, dass die Freiheiten der Schüler derart eingeschränkt werden konnten.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus und weckte Ron, um ihm seine Sorge und seine Wut mitzuteilen, doch der nahm nur die Hälfte von dem wahr, was Harry zu sagen hatte und schlief mitten in Harry Erzählung einfach ein.
Harry versuchte auch wieder zu schlafen und sich an den dunklen Korridor zu erinnern, den er gesehen hatte. Was war dort? Wo war er? Und was hatte er mit ihm zu tun? Wollte ihm sein Unterbewusstsein etwas mitteilen? Was es eine Vision? Er wusste nichts genaues und beschloss vorerst niemandem davon zu erzählen, auch nicht Trelawney, die immer noch das Führen einen Traumtagebuchs von ihm verlangte, obwohl ihr Posten mehr als auf der Kippe stand.
