18. Suzettes Warnung
„Du hast Dumbledore alles erzählt?", sagte Suzette gleichgültig, als sie Snape auf dem Gang begegnete.
„Er macht sich Sorgen um dich.", gab er zu.
„Du hast ihm alles erzählt!", rief sie plötzlich zornig, „Wieso?".
„Ich habe ihm nichts erzählt. Aber Dumbledore ist nicht blind.", meinte Snape ruhig.
„Was hast du ihm gesagt?", rief Suzette plötzlich außer sich.
„Er hat mich zu sich gerufen und mich nach meiner Einschätzung gefragt. Ich habe ihm gesagt, dass du keine Rassistin bist. Mehr nicht!", knurrte Snape und wollte das Thema wechseln: „Ich dachte, du wolltest Potter warnen, dass das Flohnetzwerk überwacht wird?".
„Ich habe ihn gewarnt!", sagte Suzette wahrheitsgemäß.
„So? Umbridge hat vor ein paar Tagen beinahe Sirius Black im Kamin des Gryffindor-Gemeinschaftsraum gefasst.", erklärte Snape nicht ohne süffisantes Grinsen um seine Mundwinkel.
„Was? Wie naiv ist er denn?", rief Suzette
„Beides Gryffindors...", sprach Snape belustigt, „Typisch...".
Nachdem sie Snapes Büro betreten hatte und die Tür hinter ihnen geschlossen war, fragte Snape: „Der Schulleiter glaubt Potter hat eine Gruppe um sich geschart? Was weißt du darüber?".
„Nichts.", log Suzette.
„Wenn er damit gegen die Schulregeln verstößt...", orakelte der Tränkemeister finster dreinblickend
„Dumbledore meinte schon, ich solle ihn im Auge haben. Aber er wehrt sich doch im Grunde nur gegen diesen dämlichen Erlass der Ministeriums.".
„Regel ist Regel, Suzette. Gerade in diesen Zeiten müssen wir Regeln einhalten, damit man keinen Verdacht gegen uns hegt. Ich weiß, dass DU auch kein Fan von Hausregeln bist, also nimm diesen einen Spionagegrundsatz an: Halte dich an alle Regeln, die deine Feinde dir auferlegen und du bietest ihnen keine Angriffsfläche!".
Suzette fragte sich, was aus Potters Lerngruppe für Verteidigung gegen die Dunklen Künste geworden war. Dumbledore verlangte schließlich von ihr, dass sie die Sache im Auge behielt. Womöglich wusste er sogar darüber Bescheid. Er wusste schließlich immer alles vorher!
Zuvor stand jedoch Gryffindor-Quiddich-Training an. Suzette musste dabei sein. Sie musste Potter beobachten und sie wollte auf andere Gedanken kommen.
Es stürmte schrecklich und die hohen Tribünen um das Feld schwankten bedenklich im Sturm. Man konnte kaum etwas sehen von hier oben.
Hin und wieder flog eine Gestalt auf einem Besen an ihr vorbei, Suzette begann schon zu niesen. Nach nur ein paar Sekunden im Freien war sie völlig durchnässt. Der Regen prasselte nieder und Suzette konnte kein Wort von dem verstehen, was unten auf dem Platz gesprochen wurde, als plötzlich ein gellender Schrei durch die stürmische Nacht hallte. Es war unmissverständlich Harry Potters Stimme.
Suzette rannte so schnell sie konnte von der Tribüne auf das Spielfeld, wo das Gryffindor-Team um dem am Boden liegenden Potter herumstand und nicht wusste, was es tun sollte. Die Zwillinge und Ron beugten sich zwar herunter, doch Harry schien das alles gar nicht wahrzunehmen. Er schrie immer noch und wand sich auf dem nassen, matschigen Boden.
Suzette riss Angelina Johnson und Katie Bell zur Seite, dass sie an den Jungen herankam. Sie zog ihn am Kragen in eine aufrechte Sitzposition, schüttelte ihn, sah ihm in die verdrehten Augen und schrie ihn an.
Gleichzeitig bemerkte sie, dass sich Potters Umhang mit Blut voll sog. Sie blickte an sich hinunter und bemerkte, dass ihr linker Unterarm und die Narben darauf überdimensional stark zu bluten angefangen hatten. Es blutete so stark, dass der schmerzstillende Verband das dünnflüssige Blut nicht mehr fassen konnte. Schmerz verspürte sie nicht.
Suzette wickelte den Verband etwas auf, zuckte von dem einsetzende Schmerz zusammen und musste erkennen, dass das Mal zu glühen begonnen hatte.
Die Mitglieder des Gryffindor-Teams wussten nicht worüber sie nun mehr geschockt sein sollten: Harrys Anfall oder Suzette, die ihnen gerade ihr Dunkles Mal präsentiert hatte.
Sie legte sich den Verband wieder fest an und schüttelte Harry weiterhin heftig, bis er zu sich kam.
„Alles in Ordnung?", fragte sie und der Junge starrte bestürzt zuerst in Suzettes und dann in die Gesichter seiner geschockten Mannschaftskollegen. Er atmete tief aus und schlug sich mit den Händen gegen die Stirn.
„Ich hab dich gefragt, ob alles in Ordnung ist?", fragte Suzette ungeduldig. Potter atmete schwer und Suzette ließ ihn los: „Ihr bringt ihn in den Krankenflügel!", ordnete sie an, doch Potter meinte: „Nein! Ist schon in Ordnung! Es geht wieder!".
Suzette stand auf, klopfte sich kurz den Schlamm von den Kleidern und rannte schließlich in Richtung verbotener Wald.
Sie traf auf Snape, der schon auf sie gewartet hatte: „Wo bleibst du so lange?".
„Potter hatte einen Anfall!", entgegnete sie außer Atem. Snape blickte kritisch und sie apparierten nach Malfoy Manor.
Sie platzten in die Versammlung, die schon begonnen hatte und alle Augen richteten sich vorwurfsvoll auf die beiden durchnässten und dreckigen Gestalten.
„Setzt euch!", befahl der Dunkle Lord knapp und äußerst schlecht gelaunt, dann begann er mit seiner Ansprache: „Es haben sich unerwartete Schwierigkeiten ergeben. Lucius berichtet mir, dass er keine Genehmigung erlangen konnte, um in die Mysteriumsabteilung zu gelangen. Dann kommt Augustus und erklärt mir, dass nur ich und dieser Junge persönlich überhaupt in der Lage sind, die Prophezeiung anzufassen! Und jetzt berichtet Walden, dass dieser Weasley durchgesetzt hat, dass die Mysteriumsabteilung besser durch Auroren bewacht werde!".
Die Runde der Todesser starrte stumm ihren Lord an. Suzette hatte keine Ahnung worum es ging, sie fühlte sich nur gerade überfordert mit dem Vertrauen, dass ihr von beiden Seiten entgegengebracht wurde. Dumbledore vertraute ihr blind, solange sie sich nicht explizit gegen ihn entschieden hatte und Voldemort vertraute ihr aus irgendeinem reinblütigen Grund. Beide wollte sie das Mädchen damit gewinnen, indem sie ihr einen Vertrauensvorschuss gewährten. Suzette kam sich wie eine Lügnerin vor, wie eine Betrügerin, wie jemand der wissentlich und willentlich jemandes Vertrauen missbrauchte.
„Arthur Weasley wird dafür bezahlen!", erklärte Voldemort düster und die Todesser knurrten gefährlich.
„Severus, wie sieht es an der Schule aus? Irgendetwas hat verhindert, dass der Junge den Traum, den ich ihm geschickt habe zu Ende geträumt hat.".
„Über die Träume der Schüler kann ich leider nichts aussagen.", erklärte Snape kühl, „Aber Umbridge tut ihr bestes, um die Schüler in der Praxis der Verteidigung unkundig zu belassen. Das Ministerium hat uns mit ihr einen großen Gefallen getan.".
„Und der Orden? Was plant Dumbledore zu unternehmen?", bohrte Voldemort weiter.
„Dumbledore ist am Ende. Seine Position ist so gut wie abgesägt. Der Orden kann nicht offen operieren, was ihn sehr einschränkt. Das Ministerium hetzt gegen Dumbledore, die Zeitungen stellen ihn als Wirrkopf da. Der Orden steht zwar, aber sie tappen nach wie vor im Dunkeln.".
Voldemort nickte und stand von seinem Stuhl am Kopfende des großen Tisches auf, was als Zeichen zum Ende der Versammlung galt. Sein abschließendes Wort war: „Ich möchte, dass ihr euch bereit haltet! Ich möchte, dass ihr jeder Zeit bereit seid, meine Interessen zu vertreten! Und ich möchte, dass ihr euch in euren Positionen weiterhin unauffällig verhaltet! Noch kann jede Information von kriegentscheidender Bedeutung sein!". Dann disapparierte er.
Auch Suzette und Snape kehrten nach Hogwarts zurück.
„Ich werde Dumbledore davon berichten müssen.", sagte Snape kurz angebunden, „Es kann nicht sein, dass der Dunkle Lord ihm Träume einpflanzt und uns allen damit eine Falle stellt. Am besten du gehst gleich zu ihm und fragst nach diesem Traum. Es könnte wer weiß was passieren!".
Dreckig wie sie war, schlich Suzette sich in den Gryffindor-Turm. Es war schon finsterste Nacht und eigentlich sollten alle schlafen.
Suzette hinterließ auf ihrem Weg schlammige Fußspuren und als ihr Dobby über den Weg lief, hieß sie in an, das umgehend zu säubern. Der Elf machte eine tiefe Verbeugung und begann den Boden zwischen Schlosseingang und Gryffindor-Portraitloch magisch von Dreck zu befreien.
Vor dem Gemeinschaftsraum hatte Suzette ihre Schuhe ausgezogen, um geräuschlos schleichen zu können und niemanden zu wecken.
Sie hatte erwartet, wieder in den Jungenschlafsaal einbrechen zu müssen, doch sie fand Potter über einem Schulbuch eingeschlafen in einem Sesseln des Gemeinschaftsraums.
Noch bevor Suzette Harry wecken konnte, apparierte auch schon der kleine Hauself zurück in den Gemeinschaftsraum. Das leise Plopp weckte Potter auf, der sich verwirrt im nächtlichen Gemeinschaftsraum umsah. Er bemerkte Suzette erst gar nicht und sprach Dobby an: „Wie spät ist es? Dobby, was machst du hier?".
„Den Gryffindor-Turm aufräumen, Harry Potter.", quiekte der Elf.
„Allein?", fragte Harry.
„Die anderen Hauselfen weigern sich den Turm zu betreten. Sie haben Angst eines dieses versteckten Hütchen zu finden. Sie empfinden es als Beleidigung hier sauber zu machen, Harry Potter.".
„Aber du scheinst die Hüte ja zu sammeln?", Potter deutete grinsend auf den Elfenkopf auf dem unzählige, bunte Strickhütchen saßen.
„Oh ja, Harry Potter. Ich behalte jedes einzelne, das ich finden kann.", erklärte der Elf, „Harry Potter, ich habe eine Nachricht für sie.", quiekte er plötzlich außer sich, als hätte er Angst zu vergessen, was man ihm aufgetragen hatte, „Ihre Eule, Harry Potter, ist wieder völlig gesund.".
„Hedwig? Ah, sehr gut. Danke, Dobby!", sagte Potter und drehte seinen Kopf um ein paar Grad, weil er sich seltsam beobachtet vorkam. Er erschrak sichtlich, als er die finstere Gestalt von Suzette gegen die Wand gelehnt erblickte. „Wa... Was machen sie hier?", rief er.
„Was war heute Abend auf dem Quiddich-Feld los mit ihnen Potter?", fragte Suzette.
„Nichts. Es ist alles in Ordnung.", log Potter.
„Sie haben Schmerzen in ihrer Narbe!", stellte Suzette fest, „Hören sie, wenn sie wollen, dass ihnen geholfen wird, dann vertrauen sie sich dem Schulleiter oder mir an. Es wird Zeit, dass ihre kindischen Alleingänge aufhören. Wir alle befinden uns in größerer Gefahr als sie denken. Sie werden nicht zufällig von Visionen oder Albträumen heimgesucht?", Suzette hob eine Augenbraue, doch Potter meinte nur: „Nein! Verdammt! Nein! Es ist alles in Ordnung! Ich brauche weder ihre Hilfe, noch die von Dumbledore! Er kümmert sich die ganze Zeit nicht um mich, wieso sollte ich mich jetzt also auf sie einlassen?".
„Wie sie wollen, Potter. Zehn Punkte Abzug wegen Sturheit und Lügen! Noch etwas: Sie haben ihren Paten wieder über das Flohnetzwerk gesprochen! Ich habe ihnen gesagt, dass es überwacht wird, aber sie halten sich nicht dran und nehmen leichtsinnig in Kauf, dass ihr Pate beinahe von Professor Umbridge gefasst wird! Noch mal fünf Punkte Abzug!".
Harry kochte vor Wut. Dieses Mädchen machte ihn wahnsinnig! Was fiel ihr eigentlich ein, sich überall einzumischen?
„Oh... und Potter wie ich höre, suchen sie einen Ort, an der sie ihre kleine Lerngruppe unterrichten können.".
Harrys Mund blieb offen stehen. Wie konnte sie davon wissen?
„Ich empfehle ihnen, den Raum der Wünsche. Ich denke Dobby kann ihnen näheres erklären. Gute Nacht!", Suzette kletterte durch das Portraitloch, zog ihre Schuhe wieder an, damit sie nicht über den eisigen Steinboden barfuß laufen musste und vertraute darauf, dass der Elf ihre Spuren beseitigen würde.
