25. Askaban

Suzette hatte ebenfalls nicht mehr viel Zeit. Sie wollte es hinter sich bringen. Sie wollte endlich diese Unsicherheit aus ihrem Leben bringen.

Sie hatte keinen Plan. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte. Es war klar, dass Voldemort sie in Askaban tot sehen wollte und so machte es keinen Sinn, etwas vorzubereiten. Die Aufgabe war zu groß für sie, das konnte sie gerne zugeben und deshalb machte sie sich auch keine Sorgen, dass sie scheitern könnte: Sie würde scheitern!

Sie war seltsam ruhig in der Nacht als sie ihren Reisumhang anzog, ihren Zauberstab überprüfte und nach draußen in die Besenkammer schlich, um sich dort einen ordentlichen Flugbesen auszuleihen.

Sie war gespannt, welcher Besen wohl als erster zu ihr kommen würde. Zu wem sie die engste Bindung hatte und sprach den Zauber nicht aus.

Der Besen der zu ihr geschossen kam, war ein Nimbus 2001, der am Stiel die Initialen DM in Goldlettern trug. Malfoys Besen also, dachte Suzette amüsiert und schleifte das Ding hinter sich her in den verbotenen Wald. Es kam ihr mit der Zeit gar nicht mehr seltsam vor über die schlingenartigen Wurzeln zu klettern und den Fangarmen des Gebüschs zu entfliehen. Auch das Hufgetrappel hunderte Zentauren in der Ferne machte ihr keine Angst. Nicht einmal das seltsame Brüllen, das sie keinem ihr bekannten Wesen zuordnen konnte, ließ sie noch zusammenschrecken.

Sie disapparierte.

Askaban, das Zauberergefängnis befand sich auf einer Insel vor der schottischen Küste weit im Norden. Suzette landete auf den Felswänden vor der Steilküste. Sie konnte nur schwer durch den schier undurchdringlichen Neben sehen und auch die Insel nicht erkennen, die irgendwo da draußen liegen musste.

Der Mond gab nur einen äußerst schwachen Schimmer auf die Szene ab. Man konnte nur ahnen, wo er sich genau am Himmel befand. Es war ungewöhnlich still dafür, dass Suzette sich am Meer befand. Es kam ihr vor, als drangen keine Geräusche durch zu ihren Ohren. Der Nebel war einfach zu dicht. Man konnte keine zwei Meter weit sehen. Jeder musste sich hier allein, verlassen und orientierungslos fühlen.

Zweifellos war es Dementorenbrut, die sie da gerade einatmete.

Es war unheimlich kalt und ihr Reiseumhang war mehr ein Accessoire der Mode als eine gute Isolierung der schottischen Winterkälte. Wenigstens würde sie eine stilvolle Leiche abgeben, dachte Suzette zynisch und gebot Dracos Besen zu schweben.

Jetzt oder nie!

Suzette schwang sich auf den Rennbesen und startete vorsichtig durch die dicken Nebelschwaden in der Hoffnung irgendwo die Insel mit dem Gefängnisturm erkennen zu können.

So sehr sie sich auch bemühte sie konnte nicht sehen! Keine Umrissen, keine Schatten, kein Licht.

Es hieß, die Insel sei unauffindbar gemacht worden, doch Suzette gab nicht auf. Sie flog auf Malfoys wirklich ausgezeichnetem Besen eine große Runde über dem Meer. Sie glaubte ihre Hände würden erfrieren, als sie nach oben schaute und den Grund dafür erkannte: Ein Dementor hielt voll auf sie zu! Ein Außenposten vermutlich.

Es fiel Suzette schwer ihre Hände vom Griff des Besens zu lösen, nach ihrem Zauberstab zu greifen und ihn nicht aus der Hand zu verlieren, wo ihre Finger nahezu unbeweglich waren. Gleichzeitig stieg die eiskalte Angst, die Panik in ihr auf, die Suzette zuvor noch hatte überspielen und unterdrücken können. Es war die Todesangst, die sie plötzlich zittern und unsicher auf dem Besen hin und her schwingen ließ.

Sie flog mit mittlerer Geschwindigkeit etwa 200 Kilometer pro Stunde in einem großen Bogen über das nördliche Meer, das sie noch nicht einmal sehen konnte, ein Dementor über ihr und sie zitterte so stark, dass die Wort ihr einfach nicht über die Lippen kommen wollten.

Sie schloss die Augen und konzentrierte sich darauf nicht zu zittern, jedenfalls nicht mit der rechten Hand, die sie samt Zauberstab nach oben gerichtet hielt. Ein positives Gefühl! Eine positive Erinnerung! Irgendetwas! Sie durchkramte ihre Gedanken, doch nichts dergleichen wollte auftauchen.

Mutlos musste sie erkennen, dass sie nicht eine einzige schöne Erinnerung hatte und sie ließ den Stab sinken. Es war hoffnungslos auch nur daran zu denken einen Patronus herauf beschwören zu können.

Der Dementor hatte sie bemerkt, er begab sich auf einen Sturzflug, was Suzette dadurch bemerkte, da es mit jeder Sekunde kälter und sie angsterfüllter wurde.

Sie richtete ihren Zauberstab wieder nach oben: „Exp... Expect... Expecto Patronus!", wisperte sie kaum hörbar und dachte fest an ihren Strandurlaub in Italien mit ihrer Pflegefamilie, der ihr brühwarm einfiel, als die Hoffnungslosigkeit Voldemorts Gesicht und ihre erste Begegnung auf jenem schicksalhaften Friedhof vor ihrem geistigen Auge erscheinen ließ.

Aus ihrem Zauberstab brach eine gleißend hell leuchtende Möwe, die nicht nur den Dementor zurückweichen ließ, sondern auch den undurchdringlichen Nebel der Dementorenbrut schied.

Die Möwe flog einige Zeit vor ihr her, und dann – endlich – konnte Suzette die vagen Umrisse der Insel Askaban ausfindig machen.

Drei Dementoren hatten sie entdeckt und schwebten frontal auf sie zu. Ihr Patronus konnte jedoch schlimmeres verhindern und hielt sie auf Abstand. Je näher Suzette der Insel kam, umso mehr Dementoren hefteten sich an ihre Fersen, trauten sich jedoch nicht näher heran.

Suzette wurde übel. Der Wind peitschte ihr die Gischt ins Gesicht, als sie blind zum Landeanflug ansetzen wollte.

Sie landete schließlich etwas holprig auf dem nackten Felsen, aus dem das kleine Eiland bestand. Über ihr kreiste immer noch die silbrige Möwe und tat ihr bestes die Dementoren auf Abstand zu halten, die mittlerweile von allen Seiten angreifen wollten.

Am liebsten hätte Suzette sich, nass und durchgefroren, wie sie war, auf die Felsen gelegt und gewartet, bis sie von alleine krepiert wäre. Doch sie raffte sich auf und begann einige Schritte auf die Gefängnisfestung zu zugehen.

Das Gefängnis von Askaban stellte einen großen, dunklen Turm dar, der fast die ganze Insel einnahm. Es gab hier, außer Gefangenen, keine Menschen. Die Insassen wurden ausschließlich von Dementoren bewacht und gequält und schließlich in den Wahnsinn getrieben.

Außer Sirius Black hatte es noch niemals einer geschafft, geschweige denn versucht aus Askaban auszubrechen. Die Menschen, die hier ihr Dasein fristen mussten, waren gebrochen.

Jeder, der auch nur einen Fuß außerhalb der Mauern setzte, wurde unverzüglich von Dementoren angegriffen, die den Befehl hatten, jeden potentiellen Ausbrecher sofort zu küssen. Sirius Black war die Flucht lediglich auf Grund seiner Animagus-Fähigkeit gelungen.

Für die blinden Dementoren war Suzette in diesem Augenblick ein Ausbrecher, der unverzüglich ausgeschaltet werden musste. In Scharen schwebten sie von ihren Außenposten auf den Inselfelsen zu und hielten einen minimalen Sicherheitsabstand zu Suzettes Patronus.

Dementoren hatten nicht nur die Angewohnheit einem Menschen alle Hoffung und positiven Erinnerungen zu nehmen, sie schränkten auch die magischen Fähigkeiten ein, indem sie ihnen den letzten Rest Selbstvertrauen aussaugten.

Suzette zückte ihren Zauberstab und mit zittriger Hand flüsterte sie gegen den Wind und gegen die Dementoren: „Anullarmus!".

Augenblicklich blitzte ein gelber Lichtstrahl aus ihrem Zauberstab auf und traf die Wand des Gefängnisturms, die daraufhin in einer geräuschlosen Explosion zusammenbrach und eine Loch zum Eindringen freigab.

Suzette atmete aus. Niemals hätte sie gedacht, dass sie so weit kommen würde!

Sie kletterte über die Trümmer durch das Loch, das sie gesprengt hatte ins Innere des Turmes.

Das Gefängnis hatte mehrere Stockwerke. Je schwerer das Verbrachen war, das man begangen hatte, um so weiter unten war man untergebracht.

Ebenerdig, also im Erdgeschoss, befanden sich die Küche und die Schlafräume der Hauselfen, die den Tagesablauf in den dunklen Gemäuern regelten.

Für die braven Hauselfen war die Arbeit in Askaban ebenfalls eine Strafe, doch niemand machte sich Gedanken um die Empfindungen der treuen und naiven Hausdiener.

Während Untersuchungshäftlinge, Diebe, Betrüger und Zauberer, die sich Muggeln zu erkennen gegeben hatten in den oberen Stockwerken des Turms ihre zeitweilige Strafe absaßen, befanden sich in den kalten feuchten Kellern die Zellen der Zauberer, die einsaßen, weil sie einen der drei verbotenen Flüche verwendet hatten. Hier – und nur hier – waren die Todesser zu suchen.

Suzette begegnete niemandem auf ihrem Weg nach unten. Die Elfen mussten sich vor der Explosion in Sicherheit gebracht haben. Sie begegnete niemandem, denn ihr gesamter Weg nach unten war gesäumt von Dementoren.

Kaum Lebewesen, und doch nicht tot, schwebten die Seelenlosen über ihr, um sie herum und wurden nur durch die silbrige Möwe davon abgehalten Suzette sofort sie Seele auszusaugen. Ihre hageren, hässlichen Körper waren unter langen, wallenden und zerrissenen schwarzen Umhängen verborgen. Auch ihr Gesicht war nicht zu erkennen. Sie bewegten sich lautlos und geschmeidig in den Gemäuern umher.

Ein eisiger Wind wehte durch die Gänge von oben hinauf. Es wurde immer kälter und düsterer.

Endlich war sie im untersten Kellergeschoss angekommen und sie konnte im matten Schein der bläulichen, kalten Fackeln die ersten Zellen erkennen.

Die Fackeln die ein Minimum an Licht von sich gaben, brannten eiskalt und verbreiteten ein blaues Licht. Es war das einzige magische Feuer, dass den Dementoren standhielt.

Suzette quetschte sich durch einen engen Korridor an dunklen Zellen und giereigen Dementoren vorbei. Sie konnte es nicht verhindern einige von ihn zu berühren und verspürte das pure Grauen, wenn auch nur der Saum ihres Umhangs den eines Dementors streifte.

Suezette befand sich jetzt mitten in der Festung von Askaban. Der Punkt ohne Wiederkehr! Sie war sich sicher, irgendetwas musste schief gehen und sie würde heute noch geküsst werden. Was wenn ihr Patronus plötzlich schwächer wurde? Wie lange hielten eigentlich solche Patroni?

In den Zellen, die sie passierte schien es keine Gefangenen zu geben, doch bei näherem betrachten fiel ihr auf, dass in darin durchaus lebendige Körper kauerten. Es waren, die von Dementoren geküssten Verbrecher, deren Seele endgültig vernichtet und verloren war. Suzette gruselte sich, denn sie sah dort ihr eigenes Schicksal.

Suzette wollte sich von derartigen Gedanken ablenken. In ihrem Kopf gab es nur noch Dementoren oder Voldemort und so beschloss sie etwas zu singen, um der Stille zu entgehen, um sich nicht so einsam zu fühlen.

Gerne hätte sie ein fröhliches Liedchen, einen beschwingten Popsong aus den Charts angestimmt, doch ihr fiel beim besten Willen keiner ein.

Die Dementoren entzogen einem Freude, Antriebskraft, Magie und offensichtlich auch Kreativität.

Suzette ging langsamer, denn sie wollte sich partout an einen Text erinnern. Sie hatte das Gefühl hier nicht länger bleiben zu können, wenn es nicht gleich irgendwo ein Geräusch geben würde.

Fast war sie so weit zu akzeptieren. Fast hätte sie aufgegeben, den Patronus erlischen lassen und sich auf dem Boden zusammengekauert.

Doch dann schickte ihr Gehirn einen Text, den sie singen konnte. Es war nicht ihr Lieblingslied. Es war ein Song der Zaubererband, Schwestern des Schicksals, den sie auf dem Weihnachtsball im letzten Jahr beim Trimagischen Turnier gespielt hatten. Wieso sie gerade darauf kam wusste sie nicht, doch sie begann ganz langsam zu flüstern:

„When all is dark and there's no light
Lost in the deepest
star of night
I see you"

Dann wurde sie lauter und begann schneller zu gehen:

„Your hands are shaken baby
You ain't been sleeping lately
There's something out there
And it don't seem very friendly does it?
If I could help you I would help ya
But it's difficult
There's something much more powerful
Than both of us possessing me
I've got to get to grips
I don't want to feel like this
Your voice keeps haunting me
I cannot eat or sleep
I'm going crazy in this hazy fantasy
You put a spell on me
But I ain't going down at all"

Plötzlich füllte der Gang sich mit einem orangerotem, warmen Licht und die Dementoren schwebten diffus und scheinbar orientierungslos hin und her.

„So take your hands off me
Tonight I'm breaking free
This is the night"

Der Raum glühte förmlich und Suzette fühlte sich nicht mehr ganz so verloren. Die Möwe schwebte wie zuvor über ihr, doch die Dementoren hielten jetzt noch größeren Abstand zu ihr.

Suzette fragte sich nicht, warum die Kerker auf einmal in ein warmes Licht getaucht waren, sie war einfach viel zu lange in der Nähe viel zu vieler Dementoren gewesen, als dass sie jetzt noch ihre Rettung hinterfragen wollte.

Sie sang weiter und wurde immer fester in der Stimme:

"There was a time I would've walked on burning coals for you
Sail across the ocean blue
Climb the highest mountain just to call your name
The moon throws down its light
Cuts me to the quick tonight
Strangers in the air
Nothing will ever be the same"

Sie bog in einen anderen Trakt ab, weg von den Menschen, die ihrer Seelen beraubt worden waren, hin zu einem, in dem sie die ersten Todesser vermutete. Das Licht eilte ihr voraus und an den Gitterstäben zum Gang hin, drängten sich die ausgemergelten Gesichter, die zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Gefühl von Wärme verspürten, auch wenn das Lied, das Suzette sang, nicht gerade euphorisch von ihrer Mission erzählte. Es fühlte sich gut an, diese Gefühle des Zweifels und des Bewusstseins etwas falsches zu tun, irgendwie auszudrücken. Es fühlte sich dann weniger widerwärtig an:

„You still look good to me
Ooh but you're no good for me
I close my eyes and
Squeeze you from my consciousness
I walk the line
I walk it straight
But the morning's so many miles away"

Als sie das Lied beendet hatte und sich der Gang wieder in seinen üblichen Blauschimmer getaucht hatte, fiel aus Suzettes Innentasche im Reiseumhang etwas geräuschvoll zu Boden.

Sie hob es auf und konnte ihre Hände an dem noch warmen Synästhesium wärmen. Nur: Wie kam es dorthin? Hatte ihr es einer zugesteckt? War es zu ihr gekommen? Hatte Dumbledore es mit einem Zauber belegt, dass es dann zu ihr kommen sollte, wenn sie es brauchte? Suzette kannte derartige Zauber. Sie waren sehr nützlich, wenn man mit Vorliebe Autoschlüssel oder Geldbörsen verlegte. Und Suzette lebte selbst im Chaos, was sie zu einer Meisterin der Auffindezauber machte. Und sie wusste auch von Dumbledore, dass er sie nutzte, um geheime Dokumente zu verbergen.

Gerade sah sie von der erkaltenden Kugel auf, da erkannte sie ein schattendurchzucktes Gesicht, dass nur einer Person gehören konnte. Sie hatte ihr Ziel tatsächlich erreicht! Der Dunkle Lord würde zufrieden sein, womöglich sogar wieder ein wenig Vertrauen in sie setzen können.

Sie hatte dieses Gesicht noch nie zuvor in Wirklichkeit gesehen. Alles, was man ihr damals zeigen konnte, waren Photographien einer jungen, hübschen Frau: tadellose Figur, langes, glattes, schwarzes Haar, ausdrucksstarke Augen und schmale, intelligente Lippen. Bellatrix Lestange wirkte äußerlich überaus anziehend und interessant, auch wenn die andere Seite Suzette immer wieder eingetrichtert hatte, dass sie ein Biest sei.

Narcissa sprach neutral von ihr, was Suzette nicht zu deuten wusste. Sie waren Geschwister, also wieso bezog Cissa nicht offen Stellung zu Bella? Lucius mochte sie als Person nicht leiden, er glaubte, sie passe nicht in das edle Haus der Malfoys mit ihrer hysterischen Art. Draco kannte sie überhaupt nicht, dennoch schien er seine Tante von jeher bewundert zu haben.

Das Gesicht, dass sie allerdings jetzt anstierte war nicht das lebenslustige, lachende und verführerische, das sie von den Jugendphotos der Black-Schwestern kannte. Es schien ausgemergelt, abgemagert und fahl geworden. Die pechschwarzen Haare standen struppig und ungekämmt von ihrem Kopf ab. Suzette glaubte bemerkt zu haben, dass einige Büschel fehlten. Die Augenlider waren schwer geworden und warfen dunkle Schatten.

Bellatrix' Haut schien brüchig und trocken. Die ganze Person schien ausgetrocknet, doch sie schaffte es zu keifen: „Wer bist du? Hä? Was willst du hier? In Askaban EINgebrochen? Hört man selten, Schätzchen.".

„Bellatrix Lestrange?", fragte Suzette kalt.

Die Gefangene sah ihr fest in die Augen: „So ist es!".

„Der Dunkle Lord schickt mich, euch zu holen!", erklärte Suzette.

„Ich wusste es! Er ist zurück! Hört ihr? Ich wusste es! Ich wusste, er würde uns befreien! Ich wusste es, seit das Dunkle Mal wieder leuchtet!".

Weitere schattenartige Gestalten kamen zu den Gittern ihrer Zellen gekrochen und starrten Suzette mit müden, doch stolzen Augen an.

Suzette kannte keinen von ihnen, denn sie waren alle nach Askaban gekommen, bevor sie selbst wusste, dass sie eine Hexe war.

„Wer bist du?", fragte eine dunkle Stimme hinter ihr.

„Mein Name ist Suzette Gaunt! Der Dunkle Lord schickt mich!", sagte sie und erntete für den Namen Gaunt anerkennendes Staunen.

„Wie willst du uns hier rausbringen?" fragte Bellatrix mit ihrer schrillen und misstrauischen Stimme, „Man kann von hier nicht apparieren und keiner von uns hat einen Zauberstab!".

„Braucht ihr zum Zaubern etwa euren Stab?", fragte Suzette so verächtlich sie konnte.

„Sieh dich um! Wir sind umringt von Dementoren!", sprach eine dritte Stimme links neben der ersten dunklen Männerstimme.

„Ich hab draußen einen Besen. Wir müssten einzeln übersetzen.", schlug Suzette vor.

„Na dann los! Mach schon!", drängte Bellatrix und griff mit ihren Händen an die Gitterstäbe.

Suzette hob ihren Zauberstab und rief so laut und fest sie konnte: „Alohomora!" und alle Türen im gesamten Trakt sprangen auf.

Bellatrix schaute erstaunt: „Wie hast du das gemacht? Hier funktionier Alohomora normalerweise nicht! Und dann gleich alle? Und bei den ganzen Dementoren? Ich bin beeindruckt!".

„Der Dunkle Lord selbst unterrichtet mich.", flunkerte Suzette, die damit gerechnet hatte, dass alle Türen so auffliegen würden, denn bei Türöffnezaubern hatte sie besondere Probleme ihre Kräfte zu kontrollieren.

Erstaunlicherweise wichen die Dementoren zurück, als die Todesser aus ihren Zellen traten und den Flur entlang zu rennen begannen. Suzettes Möwe musste nur sie beschützen, die anderen konnten sich frei bewegen.

Zehn Todesser konnte Suzette zählen, als sie als letzten aus dem gesprengten Loch in der Gefängniswand kletterte. Ihre Namen kannte sie nicht. Bellatrix, Rodolphus und Rabastan Lestrange erkannte sie und auch Mulciber, den Voldemort angesprochen hatte war unter ihnen.

„Du hast gesungen?" fragte ein kleiner, dicklicher und unauffälliger Mann in zerlumpter Gefängnistracht.

Suzette ging nicht darauf ein, denn Todesser würden das gewiss als Schwäche deuten.

„Was war das für ein Licht?", fragte Rabastan knurrend. „Wie kannst du hier zaubern?".

„Wir haben nicht viel Zeit!", lenkte Suzette ab, „Der Dunkle Lord wird seine treusten Anhänger reich belohnen!".

Ihr Patronus flog ihr voraus durch den kalten Nebel und die Erleichterung in Suzettes Herz machte es ihr ein Leichtes jeweils einen Todesser mit auf ihren Besen zu nehmen und zum Festland zu bringen. Sie flog bis in die frühen Morgenstunden hin und her, bis alle Todesser an der Küste, auf dem Festland standen und verächtlich auf die Nebelschwaden über dem Meer blickten, bevor sie es schaffte ohne Zauberstab und nach Jahren ohne Übung zu disapparieren, wohin der Dunkle Lord sie rief.