27. Das Interview

Sie harrte einfach aus und wartete darauf, dass die Jugendlichen zurück nach Hogwarts aufbrachen.

Endlich kamen Potter, Granger, Weasley und ein blondes, verträumt dreinschauendes Mädchen aus der Kneipe und brachen auf in Richtung Schloss. Es war schon dunkel und immer noch sehr kalt.

Suzette wollte gar nicht wissen, was sie jetzt schon wieder ausgeheckt hatten.

Snape erwartete sie zum Tee. Er schaute besorgt, so wie ein Schüler ihn nie hätte zu Gesicht bekommen.

„Was ist los?", fragte Suzette.

„Er wird es nicht lernen! Er ist einfach zu faul und zu uneinsichtig!", antwortete Snape.

„Glaubst du...", warf Suzette ein.

„Er gibt sich keine Mühe! Er nimmt es nicht ernst und wir haben nicht mehr viel Zeit!".

„Severus, ich mache mir Sorgen, ob...", fing Suzette an.

„Du hättest nichts anderes tun können! Ich mache mir viel mehr Sorgen darüber, dass die Zeitungen es nicht endlich begreifen. Sie glauben Sirius Black...".

„Der Dunkle Lord könnte ins Ministerium höchstpersönlich hineinspazieren und keiner würde daran glauben, dass er zurück ist!", sagte Suzette.

„Umbridge!", entfuhr es Snape und blickte angespannt zur Tür.

Sogleich öffnete sie auch schon die schwere Kerkertür und lächelte die beiden unschuldig Tee-schlürfenden falsch zu: „Guten Abend!".

Suzette und Severus nickten.

„Ich muss ihnen beiden eine Ankündigung machen! Das Zaubereiministerium... Ja das gilt auch für sie, Miss Smith!", fuhr sie Suzette an, die sich gerade weggedreht hatte, da sie sich als entlassene Erzieherin nicht angesprochen fühlte.

„Das Zaubereiministerium hat mir soeben den Ausbildungserlass Nummer 26 zukommen lassen, der mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt: Von nun an ist es dem Lehrkörper, so wie allen Angestellten und Ex-Angestellten der Hogwarts-Schule verboten mit den Schülern über fachfremde Themen zu diskutieren. Ich erwarte, das sie sich daran halten, Professor Snape! Bei ihnen Miss Smith wird das Aufstellen dieser Regel wohl kaum eine Wirkung haben. Aber das macht nichts, ihr Schulverweis ist ohnehin nur noch eine Frage der Zeit. Ich weise darauf hin, dass Zuwiderhandlung mit Bewährung und Suspendierung geahndet wird. Guten Abend!", sie verließ den Kerker, um den anderen Lehrern den neuen Erlass zu unterbreiten, der ihr so wichtig erschien, dass es nicht bis morgen früh beim Frühstück Zeit hatte, ihn in Kraft zu setzen.

„Sie...", wollte Suzette ansetzen, doch Snape fiel ihr ins Wort: „Lass es sein! Verhalte dich unauffällig, hörst du! Du stehst unter dem Schutz des Schulleiters. Aber nur so lange, wie du dem Ministerium keine Angriffsfläche bietest!".

Suzette verstummte und schluckte ihren Ärger hinunter.

Snape wechselte das Thema: „Morgen Abend findet ein Treffen in Malfoy Manor statt.". Mehr konnte er nicht sagen, denn Suzette drehte sich um und verließ den Raum, um in ihr Zimmer zu verschwinden. Sie wollte jetzt nicht darüber sprechen. Sie wollte noch keinen Schritt weiter gehen.

Am folgenden Abend apparierten sie also gemeinsam nach Malfoy Manor. Suzette hatte sich versucht zu wehren, sich zu weigern, doch es nutzte nichts. Sie musste dieses Treffen über sich ergehen lassen und so fand sie sich schließlich an dem Tisch zur Rechten des Dunklen Lord sitzend wieder.

Der ovale Besprechungstisch war gefüllter als sonst. Die zehn befreiten Todesser hatten auch ihren Platz gefunden und Bellatrix sah schon wieder gut bis sehr gut aus. Neben ihr saß ihr Ehemann Rodolphus, der immer noch wüst und irr dreinblickte. Rabastan dagegen schien etwas mehr Wert auf Körperpflege zu legen und hatte sich für den heutigen Abend sehr chic angezogen und frisiert.

Voldemort erhob die Stimme: „Meine Freunde, dies ist eine Tag der Freude und des Triumphes! Meine Nichte", er überging die Tatsache, dass Suzette eigentlich nur seine Großnichte war, was diese ungemein ärgerte, „hat es geschafft meine treusten Anhänger aus ihren Zellen in Askaban zu befreien! Meine Freunde, die Zeit der unwürdigen Koexistenz der Schwachen ist vorüber. Schon bald werden wir die Macht an uns reißen können und die Welt wird sich nach unseren Standards richten!".

Ein Johlen und Brüllen erfüllte den Raum. Die grobschlächtigen Kerle, die dreckigen, die Narcissa immer nur mit gerümpfter Nase ansah, sahen ihr Zeit für gekommen an.

„Meine Nichte hat mir ihre Loyalität bewiesen und sie soll, wie auch ihr, die ihr lange und treu zu mir standet in der Dunkelheit Askabans, reich belohnt werden!".

Der Dunkle Lord erhob sich und trat hinüber zu Bellatrix, die ein überhebliches Grinsen aufsetzte und die anderen Todesser verächtlich ansah.

„Ja, Bella! Du warst mir immer treu! Du hast mich nie verleugnet oder bist feige vor dem Ministerium gekrochen!", er warf Lucius einen kurzen aber scharfen Blick zu, „Ich ernenne dich zur ersten unter meinen Todessern!".

Bellatrix platzte fast vor Stolz und ließ ihren arroganten Blick über die schwarzgekleideten Gefolgsleute Voldemorts schweifen, die sich um den edlen Tisch drängten.

„Mulciber! Der Meister des Imperius-Fluchs! Ich überlasse dir freie Hand im Bezug auf die Kontrollübernahme im Ministerium!".

Der alte Mann mit dem zerfurchten Gesicht lächelte widerwärtig und zückte zur Bekräftigung seiner Bereitschaft, alles für den Lord zu tun, seinen schwarzen Zauberstab.

„Malfoy!", der Dunkle Lord rief es mehr mit Abscheu, als mit Anerkennung in der Stimme, „Du wirst die Mission leiten! Ich will, dass alles glatt läuft und du mir den Jungen und die Prophezeiung lieferst!".

Lucius nickte.

„Freunde, die Zeit der Taten ist angebrochen! Die Vorbereitungen sind abschlossen. Bald werden wir zuschlagen!".

Suzette überlief ein kalter Schauer den Rücken. Sie spürte, dass es ernst wurde und sie so schnell wie möglich an das Blut kommen und es irgendwie schaffen musste aus diesem Verein wieder auszusteigen.

„Ich erwarte von euch, meine Todesser, dass ihr alle im Ministerium sein werdet, wenn es so weit ist! Ihr alle, außer du Severus und Suzette! Ihr bleibt vorerst in Hogwarts.", Voldemort lachte hinterlistig wie eine Schlange und entließ schließlich eine Gefolgsleute.

Suzette und Snape apparierten zurück in den verbotenen Wald. „Es wird langsam ernst!", sagte Suzette. „Es war die ganze Zeit ernst, Suzette! Wir müssen verhindern, dass Potter...".

„Was hat es mit der Prophezeiung auf sich?", wollte Suzette wissen, aber Snape schwieg dazu, er wusste es tatsächlich nicht.

„Er muss Okklumentik lernen!", war das einzige, was er dazu äußerte.

In der folgenden Woche nahm der Schulalltag wieder seinen Lauf. Hagrid und Trelawney waren auf Bewährung gesetzt worden und unterrichteten nur noch unter Aufsicht. Den einfältigen Halbriesen machte diese ständige kritische Beobachtung zunehmend nervös und auch die Wahrsagelehrerin versagte völlig in ihren Stunden.

Snape hingegen zog seinen Stoff wie gehabt und ohne mit der Wimper zu zucken durch. Er wusste, dass das die einzige Möglichkeit war, der Situation Herr zu werden: Halte dich an alle Regeln, die dein Feind dir aufstellt!

Er blieb als kompetenter Fachlehrer und Slytherin außerhalb des permanenten Misstrauens der Großinquisitorin.

Nur einer hielt sich nicht an die goldene Regel der Spionage: Potter hatte doch tatsächlich die Dummheit besessen, dem Klitterer ein Interview in Sachen Rückkehr des Dunklen Lords zu geben.

Sogar Suzette sah ein, das diese Aktion nicht nur leichtsinnig, unüberlegt und gefährlich, sondern auch selten dämlich gewesen war. Wer glaubte schließlich etwas, das im Klitterer stand?

Es lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Thematik, aber sie wurde nur noch etwas mehr belächelt, als ohnehin schon zuvor. Zusätzlich schob Potter sich mal wieder derartig in der Vordergrund, dass er ein gefundenes Fressen für jeden Feind sein musste.

Severus ärgerte sich über den Artikel. Wenn Dumbledore von der Rückkehr des Dunklen Lords erzählt hätte, hätte ihm vielleicht die Öffentlichkeit ein erstgemeintes Ohr geöffnet, aber ein 16jähriger Junge, der im Klitterer eine schier unglaubliche Geschichte erzählte, wirkte eher kontraproduktiv.

An der Schule jedenfalls wurden die Zeitschriften herum gereicht. Einige Schüler fühlten sich bestätigt im Glauben daran, dass Voldemort zurück sei, andere waren sich nun ganz sicher, dass Potter tatsächlich verrückt war.

Gemäß dem letzten Ausbildungserlass durften die Lehrer sich den Schülern gegenüber nicht äußern, doch einige missverstanden das Interview als Versuch, Umbridge und die Geheimhaltungspolitik des Ministeriums zu untergraben. Ein ziemlich kläglicher Versuch! Es hagelte ungerechtfertigte Hauspunkte für Gryffindor in Kräuterkunde und Verwandlung. Nur Snape verstand es sich neutral zu verhalten und das Interview mit keinem Wort zu würdigen oder anzusprechen.

Es nutzte nichts. Der Klitterer verzeichnete Rekordverkaufszahlen und so trat mit sofortiger Wirkung Ausbildungserlass Nummer 27 in Kraft, der das Lesen und das Besitzen dieses Berichtes den Schülern unter Strafe verbot.

Suzette beobachtete einige Male, wie die Schüler den Klitterer in verhexter Form herumreichten oder unter der Bank im Unterricht lasen. Sie sagte nicht, denn es war nicht mehr ihre Aufgabe. Aber auch Snape sagte nicht, der es unter Garantie gesehen haben musste.