30. Die Rache der Zwillinge
In den folgenden Tagen hatte Snape kaum Zeit sich weiter zu ärgern. Er war wohl zu Dumbledore gegangen und hatte sich bei ihm über Potters Verhalten beschwert. Aber es nutzte ihm nichts. Potter hatte ihn zutiefst verletzt und wusste gar nicht, was er angerichtet hatte mit seiner Neugier und Snape würde für keinen unbrechbaren Schwur wieder anfangen die undankbare Aufgabe zu übernehmen Potter etwas über Okklumentik beizubringen.
Im Augenblick hatte er allerdings andere Dinge zu tun: Es war an der Zeit persönliche Gespräche mit den Schülern zu führen, um ihnen einen Ausblick auf ihre beruflichen Möglichkeiten zu bieten. Jeder Hauslehrer war dazu verpflichtet und Snape hasste es, seinen reichgeborenen, arroganten Reinblütersprösslingen eine Beruf ans Herz zu legen, den diese ohnehin niemals benötigen würden, bei den Elternhäusern, in die sie hineingeboren waren.
Während dem Gespräch mit dem plumpen und einfältigen Sohn eines rangniedrigen Todessers, zuckte mit einem Mal das gesamte Schloss zusammen. Eine Explosion im Erdgeschoss ließ die alten und stabilen Mauern des Schlosses merklich erzittern und Suzette fiel in ihrem Zimmer vor Schreck nach hinten über auf den Boden.
Sie rannte sofort nach oben ins Erdgeschoss und stolperte sofort wieder zurück, was ihr das Leben rettete, denn eine weitere kräftige Explosion erschütterte das Erdgeschoss und lockte nun Schüler und Lehrer aus allen Teilen der Schule herbei.
Ein Feuerwerk in gleißenden Farben flog den anwesenden um die Ohren. Es dröhnte, donnerte und surrte ohne Pause.
Suzette stand erst einmal sprachlos da. Wenn dies das Werk von Fred und George war, dann hatten die beiden wirklich etwas drauf!
Schüler und Lehrer schützten ihre Gesichter vor den herumschießenden Raketen und deren magischem Feuer, das wer weiß welche Auswirkungen hatte, wenn man es berührte – Die Zwillinge waren schließlich immer für eine Überraschung gut.
Auch versierte Zauberer und Hexen wie Professor McGonagall oder Professor Flittwick standen nur scheinbar hilflos und untätig am Rande des Geschehens.
Es dauerte nur ein paar Minuten und Dolores Umbridge stiefelte nicht wirklich amüsiert die Treppe hinunter und betrachtete das Spektakel skeptisch.
Suzette erkannte die Dreatlocks von Lee Jordan und hörte wie der Junge, der noch nie auf den Mund gefallen war, sich erdreistete und Umbridge mit leicht ironischem Unterton vorschlug, sie solle doch ihre enormen magische Fähigkeiten einsetzen, als Schulleiterin ihrem Amt gerecht werden, ihren Lehrern mal zeigen, was sie so drauf habe und das Schauspiel beenden.
Tatsächlich zückte sie sofort ihren Zauberstab und schwang ihn – ohne sichtbaren Erfolg. Wenn man genau hinhörte konnte man McGonagall amüsiert kichern hören.
Suzette suchte in dem ganzen Gewühl nach den Urhebern des Feuerwerks, doch unter all dem Rauch, den Lichtblitzen und dem Tumult konnte sie die Zwillinge nicht ausmachen. Stattdessen rannte plötzlich jemand in sie hinein, der es offensichtlich sehr eilig hatte, hier durch zu kommen.
Suzette schaute genauer und erkannte die Silhouette von Potter, der sich klammheimlich die Treppe hinauf stahl.
Sie stutzte. Wieso ließ der Junge sich so eine Show seiner Freunde entgehen, wo er doch sonst so neugierig war?
Suzette befand sich in einer Zwickmühle: Sollte sie hier bleiben und im Notfall helfen für Ordnung zu sorgen, oder sich die Show entgehen lassen und Potter ausspionieren?
Sie entschied sich zu bleiben, wo sie war. Potter hatte sicher etwas vor und sie wollte nicht unbedingt Umbridges Aufmerksamkeit auf die Aktivitäten den Jungen lenken, indem sie ihm auffällig die Treppe hinauffolgte. Außerdem hatte sie seinen Schatten ohnehin schon wieder aus ihrem Blick verloren.
Es knallte und blitzte immer noch in alle erdenklichen Richtungen und Filch, der völlig hilflos umherrannte, schrie sich die Lunge aus dem Leib nach Peeves.
Umbridge begann zu schwitzen, weil sie den Scherz der Zwillinge nicht in den Griff bekam und mit jedem Fluch alles nur noch schlimmer zu machen schien.
Snape ließ sich überhaupt nicht blicken, er wusste warum. Er hatte einen guten Stand bei der neuen Schulleiterin, den er nicht verspielen durfte, den er aus taktischen Gründen aufrecht erhalten musste.
Minerva McGonagall und Filius Flittwick standen untätig herum und taten so, als berieten sie sich.
Potter musste schon ungefähr vor fünf Minuten nach oben verschwunden sein. Suzette fragte sich was er vor hatte und war sich sicher, dass es wieder so eine leichtsinnige Aktion sein musste, wie er sie so oft zu planen pflegte.
Dann durchschnitt Dolores Umbridges keifende Stimme plötzlich das Gedröhne. Sie rief nach Filch, sprach etwas zu ihm, was ihn veranlasste ein breites Grinsen aufzusetzen und so schnell er konnte die Treppen nach oben zu hechten.
Schickte sie den Hausmeister etwas, Harry zu holen? Hatte sie ihn gesehen? Suzette befürchtete das Schlimmste.
Mit einem Male wurde es ruhig auf den Fluren und in der Eingangshalle und endlich konnte man den Grund für das ganze Theater erkennen: In der Mitte des Geschehens, wo vorhin noch Flammen und Funken und Explosionen geherrscht hatten, standen nun die Weasley-Zwillinge und verbeugten sich wie Schauspieler auf der Bühne. Sie lachten triumphierend und winkten besonders ihrer Hauslehrerin zu, die ihnen ein kokettes Lächeln zuwarf.
Filch kam die Treppe wieder hinunter gerannt. Statt Potter hatte er ein Stück Pergament bei sich, das er Umbridge in die Hand drückte.
Diese rollte es auf, räusperte sich und verkündete in die johlende Runde: „Der Ausbildungserlass Nummer 29 des Zaubereiministeriums...", weiter kam sie nicht, denn niemand hörte ihr zu und Fred und George winkten und verbeugten sich abermals, bis sie Umbridge bemerkten und Fred anmerkte: „Psst! Die Schulleiterin möchte das Wort an euch richten!".
Die Masse verstummte und blickte mit gespielt ernsthaften Gesichtern auf die dicke Frau, die etwas erhöht auf der Treppe stand und die erneut ansetzte: „Der Ausbildungserlass Nummer 29 der Zaubereiministeriums erlaubt der Schulleitung von Hogwarts im Notfall und bei dreister Missachtung der Schulregeln körperliche Züchtigungen vorzunehmen. Dies geschieht zum besten der Zauberergemeinschaft, zu allgemeinen Sicherheit und zur Formung der missratenen Individuen, welche durch frühere Erziehungsmethoden unter anderer Schulleitung verdorben wurden.".
Filch grinste fies und Umbridge ließ in ihrer linken Hand etwas ungeschickt eine Peitsche erscheinen, die sie nun dem Hausmeister herreichte.
Doch Fred und George lachten laut auf: „Diese Regelung gilt nur für Schüler dieses Institutes, Professor. Wir fürchten, sie müssen uns der Schule verweisen.".
Schule und Lehrer stutzten gleichermaßen, als Fred und George gleichzeitig ihre Zauberstäbe erhoben und „Accio Besen!" riefen.
In einem Affenzahn brachen die beiden konfiszierten Rennbesen der Quidditch-Treiber die Treppen hinab in ihre ausgestreckten Hände. Sie schwangen sich elegant darauf und flogen erst eine umjubelte Ehrenrunde über den Köpfen der versammelten Schülerschaft und dann einen Gang entlang einem Fenster entgegen.
Bevor sie jedoch hindurch brachen und sich endgültig aus dem Staub machten, beschworen sie mit einem Zauberspruch der unter Beifall verloren ging einen miefigen und unpassierbaren Sumpf in jenem Flur. Umbridge stand das Entsetzen im Gesicht geschrieben und als Fred schließlich ankündigte: „Diese und andere zauberhafte Überraschungen könnt ihr schon bald bei Weasleys Zauberhafte Zauberscherze in der Winkelgasse in London erstehen! Für Hogwarts-Schüler, die sie gegen Dolores Umbridge einsetzen wollen, machen wir selbstverständlich einen Sonderpreis!". Die Menge johlte, als George hinzufügte: „Vergesst uns nicht Hogwarts! Und Peeves! Ich hoffe du wirst uns vertreten". Dann brachen sie durch das bunte Kristallfenster nach draußen und flogen davon.
Peeves stand in der Mitte, wo zuvor die Zwillinge gestanden hatten, wischte sich eine Träne aus dem Auge und salutierte stramm und ehrfürchtig vor den beiden Flüchtenden. Es gab keinen Zweifeln: Peeves würde sie gebührend vertreten!
