Das kühle Wasser rannte über seinen Körper und entspannte seine Muskeln. Das war das Beste, was man nach einem anstrengenden Kampf für sich und seinen Körper tun konnte. Shannons Gedanken waren immer noch bei seinem Match. Er hatte gut mit Chavo Guerrero zusammen arbeiten können. Zwar war er nicht als Sieger aus dem Match gegangen, hatte aber mit dafür gesorgt, dass es ein wirklicher Hammer gewesen war. Gesehen hatte er Josefine zwar nicht aber er war sich sicher, dass ihr das Match gefallen hatte.
Er war so in Gedanken vertieft, dass er das Klopfen an der Tür gar nicht wahrnahm.
„Moore! Beeil dich zum Teufel. Die Hälfte sitzt schon im Bus und du stehst immer noch unter der Dusche. Was ist den mit dir los in letzter Zeit? Ach was schert es mich, mach hin!"
„Ich bin ja schon fertig." Genervt drehte Shannon das Wasser ab und griff zum Handtuch. Immer diese Hetzerei. Aber er musste sich beeilen sonst würde noch jemand auf die Idee kommen, ohne ihn zu fahren.
Fünf Minuten später und immer noch mit tropfnassen Haaren schwang sich der Blonde in den Bus. Die Fahrt war zwar im Gegensatz zu den meisten anderen recht kurz, doch so feucht fröhlich wie die anderen auch. Vor dem Hotel standen die bekannten Autogramjäger und Fans, die auf ihre Idole warteten. Shannon war intelligent genug um zu wissen, dass wohl kaum einer nur wegen ihm hier wäre. Aber immerhin konnte er mit seinen Freunden zusammen sein und das tun, was er am liebsten tat und wurde dafür auch noch bezahlt. Seine Augen überflogen die Menge und erkannten sie sofort. Sie schwatzte sehr angestrengt mit dem Mädchen neben ihr, Nathalie. Beide blickten Ernst und besorgt in Richtung Parkplatz. Shannon bemerkte, wie sich Josefines Mund ärgerlich zusammen zog und Wut in ihren Augen aufleuchtete. Er folgte ihrem Blick und sah das Blonde Mädchen, das schon am Mittag in der Lobby so einen unsympathischen Eindruck machte. Sie ging mit gepackten Koffern auf eines der Autos zu. Shannon hatte den Bus inzwischen verlassen und wartete auf seinen Koffer. Ihm kam die Szene der drei deutschen Mädels etwas suspekt vor. Josefine rief der Blonden etwas hinterher, das wie ihre Gesten auch, nicht sonderlich freundlich klang. Shannon konnte nur den Namen der Blonden verstehen, Barbara. Die Mädchen mussten sich wohl gestritten haben. Jetzt gingen Natalie und Josefine in Richtung der Busfahrer, die etwas Abseits standen und rauchten. Es machte den Eindruck, als ob sie sich nicht das erste Mal begegneten. Das einzige, was Shannon wirklich beunruhigte, waren die glitzernden Tränen, die in den Augen des Mädchens standen, das ihm inzwischen nicht mehr aus dem Kopf ging.
„Was ist denn mit den Beiden?"
Shannon drehte seinen Kopf von den Mädchen weg und schaute in das nicht weniger besorgte Gesicht von Mike Mizianin. Der Mann aus Ohio hatte die Szene anscheinend auch beobachtet.
„Ich hab keine Ahnung." Shannon schaute seinen Kollegen ratlos an. Dieser nickte und ging in Richtung der Busfahrer.
„Du willst da doch nicht wirklich hin, oder" Shannons Augen weiteten sich.
„Natürlich. Wie sollen wir sonst rausbekommen, was los ist. Also komm schon." The Miz überlegte nicht weiter und zog Shannon am Ärmel hinter sich her. Einen Augenblick später hatten sie die Gruppe auch schon erreicht.
Die beiden Mädchen und die Busfahrer schauten die beiden Wrestler fragend an.
„Sorry, wir wollen nicht stören. Aber wir haben gerade unfreiwillig die Szene mitbekommen und wollten fragen was los war und ob wir euch irgendwie helfen können." Mike lächelte. Shannon blickte den Braunhaarigen verstohlen an. Seine ungezwungene Art war es, die den Mann aus North Carolina manchmal etwas neidisch werden lies. Josefine schüttelte nur traurig den Kopf. Natalie jedoch, blickte den Chic-Magnet an und man merkte, dass sie nach den richtigen Worten suchte,
„Helfen könnt ihr glaube ich nicht wirklich. Die Blonde, die gerade in unserem Mietauto wegfährt, unsere so genannte Freundin, hat uns gerade eröffnet, dass sie die Nase voll von uns hat und wir doch schauen sollen, wie wir nach Hause kommen. Das Problem an der Sache ist, dass wir zwar den Mietwagen alle zusammen bezahlen, er aber auf ihren Namen läuft. Na ja, jetzt hocken wir hier fest. Unser Zug nach Hause geht erst in drei Tagen von Nürnberg aus. Und einen von hier aus zu buchen sprengt unser Budget. Außerdem könnten wir dann die Tour nicht weiter mitmachen. Also war unsere einzige Idee, die beiden netten Busfahrer zu fragen, ob sie noch zwei Servicekräfte im Tourbus brauchen. Aber leider liegt das nicht in ihrem Ermessen. Also müssen wir uns überlegen wie wir nach Hause kommen." Betroffen senkte Natalie den Kopf. „Kathrin, die Rothaarige, ist mit ihrem Bruder Marc hier. Sie würde uns ja gerne mitnehmen aber ihr Auto ist nur ein Zweisitzer…"
„Was für eine Bitch!" Shannon schüttelte den Kopf. „Sag bloß die fährt jetzt in die nächste Stadt zu unserer nächsten Show?"
Die beiden Mädchen nickten.
„Da muss sich doch was machen lassen?" Miz schaute nun die beiden Busfahrer fragend an. Diese tauschten einen Blick und zuckten mit den Schultern. „Na ja, wir dürfen das nicht entscheiden."
„Und wer darf das?" Mike war wild entschlossen, denn beiden zu helfen.
„Das muss schon euer Oberwrestler oder wie ihr den Typen nennt entscheiden. Dieser langhaarige Blonde, der immer so grimmig schaut." Wieder zuckte der Busfahrer mit den Schultern.
„Komm schon Shannon, Hunter hat bestimmt nichts gegen Servicekräfte im Bus einzuwenden, lass ihn uns mal fragen. Das bekommen wir schon hin Ladys, macht euch keine Gedanken." Der selbsternannte Chic-Magnet machte mit seinem Lächeln wieder einmal seinem Gimmick alle Ehre. Es schien zu wirken. Die Mädchen schauten nicht mehr ganz so verzweifelt sondern lächelten zurück.
Die beiden Wrestler machten sich auf den Weg ins Innere des Hotels. Nachdem sie sich kurz in der Lobby umgeschaut hatten, erkannten sie, dass Triple H schon auf seinem Zimmer sein musste. Nach einem kurzen Halt an der Rezeption standen sie mit der Zimmernummer des Schwiegersohns von Vince McMahon im Aufzug und fuhren in dessen Etage. Immer noch die Koffer in den Händen klopften sie an. Es dauerte etwas bis ein sichtlich verwirrter Triple H die Tür öffnete. „Was wollt ihr beiden denn von mir?"
„Sorry Hunter, wir wollten dich nicht stören aber die Sache ist die…." Miz erzählte, während Shannon neben ihm immer mal wieder mit dem Kopf nickte.
„Und weshalb ist das unser Problem?" Der King of Kings runzelte die Stirn.
„Na ja…." Shannon wusste eigentlich nicht, wie er diese Situation erklären sollte. Ihm stieg die Röte ins Gesicht.
„Ah, jetzt wird es mir klar…" Hunter grinste und schaute in die ungläubigen Gesichter der beiden Jüngeren „was denn? Dachtet ihr ich war nie jung? Glaubt mir, als ich in eurem Alter war haben wir noch ganz andere Dinge getan. Aber ich persönlich hab nichts gegen etwas Service im Tourbus. Unter der Bedingung, das ihr auf die beiden aufpasst. Ich will nicht, dass es irgendein Skandal wegen unsittlichen Benehmens eines besoffenen Wrestlers gibt. Ihr seid in getrennten Bussen, oder?"
Die beiden nickten. Shannon hatte seinen Platz im Face-Bus und Mike seinen in dem der Heels.
„Na dann, hat jetzt wohl für die nächsten zwei Tage beide Busse eine neue Servicekraft. Problem gelöst?" Hunter lachte und die beiden Männer vor ihm nickten erleichtert.
Shannon und Miz wünschten the Game noch eine angenehme Nacht und machten sich auf den Weg in die Lobby, um den beiden Mädchen die gute Nachricht mit zu teilen. Natürlich waren sie immer noch nicht auf ihren Zimmern gewesen und zogen die Koffer erneut hinter sich her.
Die Reaktionen der beiden Deutschen waren den ganzen Stress wert gewesen. Natalie hüpfte auf und ab und schlang immer wieder die Arme um Mikes Hals. Dieser hatte natürlich wenig dagegen und lies sich von der Freude der Schwarzhaarigen anstecken.
Josefine hatte sich indessen Shannon zugewandt und drückte dem verdutzten Wrestler einen Kuss auf die Wange. „Vielen Dank, ich weiß gar nicht, was wir ohne eure Hilfe getan hätten."
Die Tatsache, dass sie ihm die Worte regelrecht ins Ohr hauchte, lies ihn eine Gänsehaut bekommen.
„Ach…ich…ähm…gern geschehen." Nuschelte dieser. „Wir sehen uns dann wohl später an der Bar. So langsam wird mein Koffer lästig." Wow, ein ganzer Satz. Shannon hatte seine Fassung wieder und brachte ein Lächeln zustande. Josefine lächelte und drückte ihm erneut einen Kuss auf die Wange.
„Für was war der denn jetzt?" noch verdutzter als zuvor schaute der Blonde das Mädchen an.
„Für gar nichts, einfach nur so." lächelnd drehte sie sich um und ging in Richtung von Natalie, die sich gerade ebenfalls von The Miz verabschiedet hatte.
Shannon nickte Mike zu und die beiden Männer betraten den Aufzug, um endlich in ihre Zimmer zu kommen und die dämlichen Koffer zu verstauen.
