Mittlerweile war es schon nach Mitternacht. Shannon wollte sich eigentlich nur für einen Moment entspannen und musste doch für ein Stündchen eingenickt sein. Gähnend blickte er sich im Zimmer um. Sein Blick blieb an seinem Spiegelbild in dem großen Wandspiegel hängen. „Shannon Brian Moore…verdammt siehst du verschlafen aus!" Kopfschüttelnd versuchte der Wrestler seine Haare, die in alle Richtungen standen zu ordnen. Außerdem wollte er sich noch umziehen. Mit diesen Trainingsklamotten konnte er sich ja schlecht in die Bar setzten. Zum Glück war er ein Mann. Daher dauerte die Prozedur nur knapp 10 Minuten.

Noch schnell suchte er seine Zimmerkarte, steckte diese ein und machte sich auf den Weg zu den Aufzügen.

Es dauerte nur wenige Sekunden, nachdem er den Knopf gedrückt hatte, bis die Aufzugtür aufsprang. Shannon bemerkte die etwas erstaunten Gesichter zweier älterer Damen, die wohl aufgrund seiner vielen Tattoos bestimmt über die Jugend von heute schimpften. Freundlich wünschte er den beiden Damen einen guten Abend und stieg ein.

Der Aufzug hielt schon einen Stock weiter und die Damen schüttelten ein letztes Mal den Kopf und gingen. Genervt bemerkte der Blonde, dass der Aufzug im nächsten Stock schon wieder hielt. Ob das jetzt bis zur Lobby so weiterging? Doch das grinsende Gesicht von Jeff Hardy munterte ihn schon wieder auf.

„Na, Shan? Auch in Partystimmung? Oder bist du etwa verabredet?" Jeff konnte sich solche kleinen Sticheleien manchmal einfach nicht verkneifen.

„Denke mal irgendwie beides" Shannon musste einfach grinsen „hast du schon von unseren neuen Servicekräften im Bus gehört?"

„Du weißt, dass sich so was bei uns wie ein Lauffeuer verbreitet. Hab mittlerweile schon mindestens drei verschiedene Versionen der Geschichte gehört." Jeff nickte.

Shannon gab ihm schnell eine Kurzfassung der Story und schon hielt der Aufzug ohne weitere Zwischenstopps in der Lobby.

„Also? Wie ist die Lage? Trinkst du noch was mit mir oder machst du dich gleich auf die Suche nach deiner Zukünftigsten?" Der Bunthaarige schaute Shannon mit unschuldigen Augen und einem breiten Lächeln an.

„Hör doch damit auf. Du weißt, dass du mich nervst? Natürlich…deshalb tust du das ja auch." Shannon verdrehte die Augen. „Aber wir können gern an der Bar noch etwas trinken. Ich hab schließlich nichts Festes mit Josefine ausgemacht."

Die beiden Männer schlenderten Richtung Bar. Immer wieder schaute sich der Blonde um. Konnte aber das deutsche Mädchen nicht entdecken. Nun, dann mal erst einen Schluck an der Bar.

Die beiden Wrestler trafen an der Bar auf etliche Kollegen. Sie setzten sich zu ihnen und bestellten zwei Bier. Ab und an schaute sich Shannon verstohlen um. Aber bis jetzt war keine Spur von ihr. Jeff erhob sich und sagte ihm, er würde eine Zigarette rauchen gehen. Da dies ein Nichtraucher Hotel war, musste der Highflyer Wohl oder Übel raus in die Kälte. Shannon willigte ein seinen Freund zu begleiten. Mit den Bieren in der Hand durchquerten sie die vollbesetzte Lobby und gingen nach Draußen.

Hier waren fast genauso viele Menschen wie im Inneren des Hotels. Die beiden gaben ein paar Autogramme, posierten für Fotos und suchten sich schließlich eine ruhige Ecke.

Jeff zog genüsslich an seinem Glimstengel und blies den Rauch in Kringeln in den Nachthimmel. Es waren unzählige, leuchtende Sterne am Himmel. Leider blieb die Romantik durch die vielen Lichter des Hotels fast gänzlich aus. Zu Hause in North Carolina saßen die beiden oft am Abend draußen, schauten in den sternenbesetzten Himmel und redeten über Gott und die Welt. Shannons Gedanken waren wieder einmal abgeschweift.

„Hörst du mir eigentlich zu?" Jeff schaute seinen besten Freund entrüstet an.

„Ähm…nein…"Shannon musste lachen. Normalerweise war es Jeff, dessen Gedanken des Öfteren in einer anderen Welt waren.

„Ich hab gesagt, was den deine Kleine mit MVP zu tun hat. Begeistert sieht sie zumindest nicht aus."

Shannon wendete den Blick ab und schaute in dieselbe Richtung wie sein Kollege. Da war sie wirklich…mit MVP. Zumindest schaute sie wirklich alles andere als Glücklich über ihren Gesprächspartner.

„Auf was wartest du noch? Willst du sie nicht vor dem Tod durch Langeweile retten?" Jeff schubste den Blonden bereits eindringlich in Josefines Richtung. Diese hatte die Augenbrauen hochgezogen und hörte zu, was ihr Gegenüber zu sagen hatte. Shannon holte einmal tief Luft und bewegte sich langsam aber immer bestimmter auf die beiden zu.

„Ey MVP, merkst du gar nicht, dass du die Lady zu Tode langweilst?" Uff, er hatte es gesagt. MVP drehte sich zu ihm um und schaute dem Mann aus North Carolina in die Augen. Shannon blickte zurück und ging einen weiteren Schritt auf ihn zu.

„Glaubst du, dass sie sich lieber mit dir unterhalten würde. Das soll doch wohl ein Witz sein." Eigentlich hatten die beiden Männer noch nie ein wirkliches Problem miteinander.

„Um ehrlich zu sein, waren wir sogar verabredet. Also ich denke mal du verschwindest jetzt und lässt uns alleine." Shannon blickte seinen Gegenüber eindringlich an. Dieser schaute kurz zu der Deutschen und als er sah, dass diese keine Anstallten machte, Shannon zu widersprechen, zuckte er mit den Achseln und begab sich in Richtung Hoteleingang.

„Danke, ich dachte schon, ich müsste mir den ganzen Abend seine Lebensgeschichte anhören." Josefine schaute Shannon dankbar an.

„Ach was, war doch kein Ding." Der Blonde war erstaunt. Eigentlich war es doch ganz einfach sich mit ihr zu unterhalten. „Sollen wir wieder rein gehen?"

„Eigentlich find ich es ganz schön hier draußen. Drinnen sind mir irgendwie zu viele Leute." Das Mädchen lies den Blick zum Himmel schweifen. Sie konnte allerdings das frösteln nicht verbergen.

„Aber du frierst doch. Hier…" Shannon zog seine Jacke aus und hängte sie Josefine um die Schultern.

„Aber jetzt frierst du doch." Sie blickte auf den dünnen Pullover den der Wrestler trug.

„So schnell friere ich nicht." Der Mann aus North Carolina lächelte. „Wo ist eigentlich deine Freundin? Normalerweise sieht man euch doch nur zu zweit…und deine anderen Freunde?"

„Ach, Marc und Kathrin sitzen drin und trinken Cocktails und Natalie… ist spatzieren gegangen." Josefine hatte den Kopf leicht zur Seite gelegt und Shannon konnte das Mondlicht in ihren Augen funkeln sehen.

„Spazieren? So ganz allein? Ist schon ein bisschen gefährlich." Er konnte seinen Blick gar nicht von ihren Augen lassen.

„Na ja, ich denke The Miz passt gut auf sie auf. Vorhin bin ich mit den beiden hier raus gekommen. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass sie lieber allein gewesen wären. Also bin ich hier geblieben. Natalie ist ein großes Mädchen, die weiß schon was sie tut. Und ich kenn sie gut genug um zu wissen, dass sie die Situation im Griff hat." Sie grinste Shannon schief an und kuschelte sich in seine Jacke. Der Blonde grinste zurück und überlegte, was er jetzt sagen sollte. „Warst du schon ein dem Teich dort drüben? Der ist wirklich schön. Hab heut Mittag sogar ein paar Enten gesehen." Enten? Etwas Besseres ist ihm gerade nicht eingefallen. Er konnte sich schon wieder ohrfeigen…warum Enten?

„Ne, da war ich noch nicht. Würde es mir aber gerne ansehen. Außerdem find ich es etwas unangenehm, von den drei Schnallen da drüben angestarrt zu werden." Josefine zog die Jacke etwas enger um ihre Schultern.

„Kennst du die denn?" Auch Shannon blickte nun auch in die Richtung der drei Frauen.

Josefine nickte. „Ja…die drei stehen immer vor dem Hotel haben aber nie ein Zimmer. Irgendwie sind die seltsam. Ich weiß auch nicht, ich kenn sie ja nicht wirklich. Aber ich hab das Gefühl, dass sie mich nicht sonderlich mögen."

Er blickte erneut zu den Dreien. Sein Geschmack waren sie definitiv nicht aber auch so machten sie eher den Eindruck, als wären sie nicht gerade die geistreichsten Zeitgenossen. Aber Shannon wollte sich darüber kein Urteil erlauben. Schließlich hatte er noch kein Wort mit ihnen geredet.

„Wollen wir?" Josefine holte Shannon aus seinen Gedanken zurück. Dieser nickte und beide gingen zu dem kleinen Teich. Natürlich waren zu der Zeit keine Enten mehr da aber dass schien die Deutsche nicht zu stören. Sie strich über die am Rand wachsenden Schilfhalme und beobachtete das Mondlicht, das sich auf der Wasseroberfläche spiegelte.

„Wirklich schön hier…" Sie drehte sich wieder zu ihm und lächelte.

Shannon nickte und strich sich über die mittlerweile doch recht kalten Arme.

„Willst du deine Jacke zurück?" Josefine schaute ihn fragend an.

„ Nein, schon in Ordnung. Behalte sie ruhig." Shannon schüttelte energisch den Kopf. Er brauchte nur in ihr Gesicht zu sehen und schon war die Kälte vergessen. Langsam bewegte sich Josefine auf den Wrestler zu und schaute auf dessen Hände. „Ich mag deine Tattoos. Die haben bestimmt eine menge Bedeutung für dich oder?"

„Ja, die meisten haben ihre ganz eigene Geschichte. Du musst mal zu mir in den Shop kommen, ich hab wirklich gute Tattokünstler bei mir. Da ist bestimmt das ein oder andere Motiv für dich dabei." Shannon sprach gerne über seinen Laden. Dieser bedeutete ihm sehr viel. Er war sein Baby. Dies hatte wohl auch die Deutsche bemerkt und nickte heftig, „sehr gerne….irgendwann bestimmt."

Shannon machte einen Schritt auf das Mädchen zu. „Ich würde mich jedenfalls sehr freuen…weißt du eigentlich, dass du wunderschöne Augen hast?" Ohne eine Antwort abzuwarten, strich er ihr eine Strähne ihrer Haare aus dem Gesicht. Eigentlich war jetzt alles ganz einfach. Shannon war in diesem Moment wieder der Alte. Derjenige, der er gewesen war, bevor die Sache mit Krystal schief ging. Mit seinem Lächeln konnte er die Frauen zum Schmelzen bringen. Und dies tat er in diesem Moment. Er spürte, dass Josefine im ersten Moment als sich ihre Lippen berührten zurück zuckte aber schließlich erwiderte sie seinen Kuss. Shannon dachte in diesem Moment an nichts, außer das er sich wünschte, dass dieser Moment und dieser Kuss nie wieder vorbei gehen sollten.