Shannon schaute sich noch ein letztes Mal in seinem Zimmer um und stellte fest, dass er alles eingepackt und nichts vergessen hatte. Mit beiden Koffern im Schlepptau machte er sich auf den Weg in die Lobby. Seine Gedanken waren weit weg. Immer wieder versuchte er die Worte zu ordnen, die er Josefine sagen wollte. Aber es war ein heilloses Durcheinander. Er war mal wieder so in Gedanken, dass er nicht sah wie die Zimmertür ein paar Meter weiter aufgestoßen wurde und jemand heraus kam. Es kam wie es kommen musste. Shannon fand sich auf dem Boden wieder und blickte sich erstaunt um. Ihm gegenüber saß ein ebenso verwirrter Kenny Dykstra. Als Shannon registrierte mit wem er da gerade eben zusammengestoßen war verfinsterte sich seine Miene. „Du….Mit dir hab ich noch eine Rechnung offen…" knurrte der Prince of Punk.
„Was denn? Was kann ich dafür, dass deine Schnalle den Abgang gemacht hat?" Kenny zuckte mit den Schultern.
Shannon hatte sich bereits erhoben und die Fäuste geballt. Gerade als er einen Schritt auf den Anderen zu machen wollte packte ihn jemand am Arm. „Nicht hier und jetzt…Du bekommst noch deine Gelegenheit. Aber hier bedeutet das nur Ärger" Shannons Augen funkelten aber er wusste, dass Jeff Recht hatte. Dieser stand hinter ihm und hielt ihn immer noch zurück. Kenny schüttelte den Kopf, klopfte sich über die Hose, packte seine Koffer und verschwand hinter der nächsten Ecke. Erst als er außer Sichtweite war, lies Jeff seinen Freund los.
„Danke Alter, denke das hätte wirklich böse geendet…Aber irgendwann bekomme ich ihn noch zwischen die Finger. Ach ja, so by the way… ich kenne dich gar nicht so verantwortungsbewusst…" Shannon konnte schon wieder grinsen. „Ach, manchmal hab ich eben einen Lichtblick." Jeff legte den Kopf schief und deutete Richtung Aufzug.
Die beiden Männer durchquerten die Lobby, verluden ihre Koffer und stiegen in den Bus. Jeff lies sich eine Reihe hinter Shannon nieder. „Weißt du schon, was du ihr sagen willst?"
„Ja…nein…na ja zumindest so ungefähr." Langsam füllte sich der Bus mit den restlichen Wrestlern.
Josy und Nathy standen etwas ratlos mit ihren Koffern vor den Bussen. „Sollen wir einfach hin gehen?" Gerade als Josy den Satz beendet hatte, kam auch schon einer der Securitys auf sie zu. „Ich weiß schon bescheid. Ihr müsst die beiden Mädels sein, die mitfahren. Gebt mir einfach eure Koffer. Diesen in den Heelbus und den anderen in den der Faces?" Er deutete auf Josys Koffer und diese nickte. Irgendwie hatte sie etwas Bammel vor der Busfahrt. So ganz ohne ihre Freundin war sie doch etwas nervös. Die beiden wollten sich gerade voneinander verabschieden, als ihnen ein Mädchen den Weg versperrte. „Wer glaubt ihr eigentlich wer ihr seid? Zuerst nehmt ihr die ganze Zeit die Wrestler in beschlag und jetzt macht ihr euch auch noch im Bus breit. Will ja gern mal wissen, wie ihr das geschafft habt. Nur um das mal klar zu stellen, Jeff gehört mir. Er mag mich sowieso lieber als euch." Die Unbekannte hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schaute die Beiden böse an. Nathy musste unweigerlich lachen. „Sorry…keine Ahnung ob Jeff überhaupt weiß, das du existierst…" „Doch, dass weiß er! ER hat mich für das Foto so lieb in den Arm genommen." Jetzt musste auch Josy etwas lachen. Die beiden Mädels wussten, dass Jeff einer der fanfreundlichsten Wrestler war, die im Moment in der WWE waren. Wenn eine Frau mit ihm ein Foto machen wollte, nahm er diese fast grundsätzlich in den Arm. „Wie du meinst. Wir werden daran denken." Josy nickte und drückte sich an dem Mädchen vorbei. Nathy tat es ihr gleich. Ein paar Meter weiter nahmen sich die Freundinnen noch einmal in den Arm und jede ging in den ihr zugewiesenen Bus.
Als Nathy den Facebus betrat sprach gerade einer der Securitys durch das Mikrophon und erklärte, warum ein deutsches Mädchen bei ihnen mitfuhr. Was sollte man von einer Gruppe mit 20 Männern auch erwarten. Natürlich hatte keiner etwas dagegen während der Fahrt bedient zu werden. Nathy winkte etwas schüchtern in die Menge und verstaute ihr Handgepäck auf der nächst besten Sitzreihe.
Shannon indessen wurde bleich wie ein Leintuch. Er drehte sich zu Jeff um und schaute diesen Ungläubig an. „Warum zum Teufel haben die denn die Plätze getauscht?" Jeff zuckte mit den Schultern. „Shan, ich denke mal sie braucht einfach etwas Zeit. Denke sie hat das wirklich ernst genommen, was Dykstra da von sich gegeben hatte. Du bekommst später bestimmt noch die Gelegenheit mit ihr zu reden. Wir fahren a nicht lange bis nach Leipzig." Etwas betrübt schaute der Blonde seinen Kollegen an und drehte sich wieder in Fahrtrichtung. Der Bus setzte sich in Bewegung und Shannon machte es sich bequem.
Nathy hatte sich bereits einen Überblick über die Personen im Bus gemacht. Sie schaute auf die Uhr. Es war kurz nach dreizehn Uhr und die Männer hatten bestimmt Hunger. Kurzerhand schnappte sie sich die Kiste mit den Sandwichs und den Äpfeln und machte sich auf den Weg in den Hinteren Teil des Transportmittels. Das stieß bei den Jungs auf Begeisterung und sie langten kräftig zu. Nathy musste immer wieder grinsen, wie viel doch ein einzelner Mensch essen konnte. In der ungefähren Mitte des Busses verging ihr jedoch das Lachen. Wütend blickte sie Shannon an. Dieser hielt dem Blick allerdings stand. „Es war nicht so wie ihr denkt. Ich mag sie wirklich. Das musst du mir glauben." „Klar. Ihr seid doch alle nur hormongesteuert." Nathy funkelte den Amerikaner an. Dieser hatte fast schon etwas Flehendes in seinem Blick. „Du musst mir glauben. Ich…" „Glaub ihm ruhig. Seit dieser Tour gibt es nur noch ein Gesprächsthema für ihn: Josefine. Und Dykstra ist ein Vollidiot. Nur weil sein Liebesleben nicht einmal existiert, meint er, er müsste den Anderen deren kaputt machen. Und schau dem Mann vor mir doch mal in die Augen. Können diese lügen?" Jeff musste sich einfach in das Gespräch einmischen. Nathys Gesichtszüge hatten sich etwas entspannt und sie musste ein Lachen unterdrücken. Shannon schaute seinen Kollegen dankbar an. Gott sei Dank konnte er dieser jeder Situation das Gespräch auflockern. „Also gut. Ich glaube dir. Aber solltest du es nicht ernst meinen und ihr wehtun verspreche ich dir, dass du deine Familienplanung für immer Vergessen kannst." Shannon nickte und ignorierte das Giggeln hinter ihm. „Ich würde sie nie Absichtlich verletzen. Außerdem ist mir der Teil meines Körpers, der zur Familienplanung nützlich ist, schon wichtig. Also hilfst du mir?" Nathy musste in das lachen der beiden Wrestler einstimmen und konnte nur noch nicken.
Während dessen hatte sich Josy im anderen Bus ebenfalls an die Arbeit gemacht und verteilte Essen und Getränke. Sie grinste über die musternden Blicke der Wrestler und quetschte sch durch die Reihen. Sie reichte gerade einen süffisant lächelnden Randy Orton ein Sandwich als sie in die etwas verwirrten Augen von Mike Mizianin blickte. Sie formte ein „Sorry" mit ihren Lippen und senkte den Kopf. „Was ist denn passiert?" Der Chick-Magnet hatte ein feines Gespür, wenn etwas nicht stimmte. „Warte, ich verteile erst noch das Essen…" Josy fuhr mit ihrer Arbeit fort bis sie auch dem letzten ein Bier und etwas zu Essen in die Hand gedrückt hatte. Mit der leeren Kiste in der Hand machte sie sich auf den Rückweg. Mit einen Seufzer lies sie sich neben the Miz fallen und erzählte ihm die ganze Geschichte. Irgendwie hatte sie das Gefühl als könnte man dem Mann aus Ohio vertrauen. Dieser runzelte die Stirn. „Also wenn du mich fragst ist Kenny ein Arsch**** und das alles nicht wirklich Shannons Art. Ich meine ich kennen ihn ja jetzt schon ne ganze Weile und denke, ich kann ihn doch recht gut einschätzen. Auf alle Fälle solltet ihr noch einmal darüber reden. Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass er dich wirklich mag." „Mal schauen. Im Moment ist mein Bedarf an Gesprächen mit ihm gedeckt." Josy stand auf. „Ich geh mal wieder nach vorne und verstaue die Kiste." Mike nickte und lehnte den Kopf gegen das Fenster. Die Deutsche schnappte sich die leere Kiste und stapfte Richtung Busfahrer. Die Kiste stellte sie auf ihren alten Platz und lies sich auf ihren Sitz fallen.
„Scheint als könntest du etwas Entspannung gebrauchen. Komm zu mir nach hinten. Ich hab gute Musik dabei und meine Massagekünste sind auch nicht ohne. Alle sind versorgt und du kannst glaub ich Feierabend machen" Josy drehte sich um damit sie sehen konnte, wer da so charmant gesprochen hatte. John Morrison schaute ihr direkt in die Augen und lächelte. Josy musste einfach zurück lächeln. Der Mann hatte eine unglaubliche Ausstrahlung und es gab wohl kaum eine Frau auf Gottes grüner Erde die diesem Charme widerstehen konnte. „Wir können es natürlich bei der Musik belassen. Aber so wie du drein schaust, brauchst du etwas Ablenkung."
Josy dachte nach. Sie hatte diese Nacht kaum ein Auge zu gemacht und etwas Ablenkung könnte sie wirklich vertragen. Kurzerhand nickte sie und setzte sich zu ihm. John reichte ihr einen Stöpsel seines iPots und steckte sich den anderen selbst in sein Ohr. Josy lauschte der Musik und lächelte. Sie kannte zwar die Band nicht aber die Musik war wirklich entspannend. Es dauerte nicht lange und sie vergas alles um sich herum. Schließlich konnte sie sich nicht länger wach halten und schlief, an John's Schulter gekuschelt, ein.
