„Guten Morgen, Sonnenschein." Lächelnd hatte Natalie den Wecker aus und das Licht angeschaltet. Josie rieb sich verschlafen die Augen und schaute die Freundin an.
„Wie viel Uhr ist es denn?"
„22:15 Uhr. Wir haben noch eine gute Stunde zum Fertigmachen." Entgegnete die Ältere und gähnte.
„An den Schlafrhytmus während den Touren werde ich mich wohl nie gewöhnen." Josie hatte sich bereits aus der kuscheligen Bettdecke geschält und zog sich die schon raus gelegten Klamotten an. Nat tat es ihr gleich und kramte in ihrem Koffer nach dem Kosmetikbeutel.
„Wie gut, dass wir schon vor der Abfahrt unter die Dusche gesprungen sind. Jetzt hätte ich keinen Nerv dafür." Grinsend fischte sie ihre Bürste aus der Tasche und begann sich die Haare zu kämmen. Josie stand unterdessen vor dem mannshohen Spiegel, begann sich Make-up ins Gesicht zu schmiere und nickte zustimmend.
„Wir müssen im Übrigen noch reden." Begann Nat und schaute etwas unsicher zu ihrer jüngeren Freundin. Diese blickte etwas verblüfft zurück.
„Über was denn?"
„Also, die Sache ist die..."Nat überlegte kurz und ordnete gedanklich ihre Sätze. „Vorhin während der Busfahrt hab ich mich noch mal mit Jeff und…"
„Brauchst gar nicht weiter zu reden. Da gibt es nichts dazu zu sagen. Der Kerl kann mir gestohlen bleiben." Mit funkelnden Augen schaute die Jüngere Nat an. Diese versuchte noch einen Anlauf.
„Aber Mäuschen, ich kenn dich lange und gut genug, dass ich weiß, dass du das nicht so meinst. Vielleicht war es ja ganz anders. Hör ihm zumindest zu, was er zu sagen hat. Du hast ihn doch gerne. Ich meine…"
Doch wieder blockte das Mädchen ab und schüttelte den Kopf.
„Da gibt es wirklich nichts zu reden. Ist gegessen, die Sache. Und ich habe echt keine Lust zu hören, was der Moore zu sagen hat. Meinetwegen kann er das der Hotelwand erzählen. Können wir es jetzt gut sein lassen? Ich will wirklich nicht weiter darüber reden." Josie kramte inzwischen auch in ihrem Koffer und zog schließlich eine Flasche Haargel hervor.
„Wie du meinst. Aber ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht. Schon gut, werde nicht sauer. Ich bin schon ruhig." Nat musste über die Sturheit ihrer besten Freundin den Kopf schütteln. Aber wenigstens hatte sie ihr Versprechen eingehalten und es versucht. Auch wenn es leider herzlich wenig gebracht hatte. Na dann musste eben Jeffs Plan funktionieren. Ein wenig musste sie schon schmunzeln, wenn sie daran dachte. Dass es etwas gemein gegenüber Josie war, wusste sie. Auch dass sie, falls der Plan daneben ginge, richtig sauer auf sie sein würde, war ihr bewusst. Aber Nat hoffte einfach, dass alles so klappt, wie sie es sich vorgestellt hatten. Manche musste man eben mit etwas List zu ihrem Glück zwingen. Damit beruhigte sie ihr doch leicht schlechtes Gewissen.
Es verging über eine Stunde, bis sie schließlich aus dem Fahrstuhl in die Lobby traten. Von den Wrestlern war noch keine Spur zu sehen aber dennoch waren schon einige Fans anwesend. An einem seitlichen Tisch saßen Marc und Katrin und winkten heftig. Sie waren schon etwas früher von der Show nach Hause gefahren, um vor den Amerikanern im Hotel zu sein. Nat und Josie winkten zurück und machten sich auf den Weg zum Tisch. Dort ließen sie sich auf die Couch fallen und hörten den beiden anderen zu, die ihnen von der Wrestlingshow erzählten.
„…ja und dann kam ein 6-Mann-Tag-Team-Match. Man das war der Hammer. Jeff, Matt und Shannon gegen Miz, Morrison und Kendrick. Ihr glaubt gar nicht, was die da…" Katrin verstummt mitten im erzählen. Marc schaute fragend zu ihr rüber und auch die beiden anderen blickten nicht weniger verwirrt.
„Was ist den los? Du kannst ruhig weiter erzählen. Schließlich ist sein Name kein Schimpfwort." Josie schaute etwas unsicher auf ihre Schuhe. Katrin allerdings schüttelte den Kopf.
„Ne Leute, daran liegt es nicht. Die Busse sind da." Im selben Moment schauten auch die anderen Drei in die Richtung, in die die Rothaarige blickte. Tatsächlich. Draußen standen die beiden Tourbusse und die ersten Wrestler betraten das Hotel. Keiner der Vier war ein begeisterter Autogrammjäger. Schließlich hatten sie in den vergangenen Jahren genug davon ergattert. Fotos hatten sie schon am Tag zuvor gemacht und blieben deshalb in ihrer kleinen Sitzecke sitzen und beobachteten die Lobby.
Kenny Dykstra war einer der Ersten, die das Hotel betraten und würde prompt von den Fans in Beschlag genommen. Nat schaute nur bitter böse zu ihm rüber und schüttelte den Kopf. Josie blickte ebenfalls wenig freundlich zu dem Wrestler, stand dann auf und nahm ihre Tasche.
„Wohin willst du denn?" Nat schaute ihre Freundin verwirrt an.
„Nur auf Toilette. Bin gleich wieder da." Ließ diese noch verlauten, während sie schon Richtung Toilette schlenderte.
Als Nat sich umdrehte, wurde ihr einiges Klar. Soeben waren Shannon und Jeff in die Lobby gekommen. Mit einem kurzen „erklär ich euch später" spurtete die Schwarzhaarige auf die beiden Männer zu.
„Habt ihr mit John gesprochen? Wir müssen das Ding nämlich durchziehen. Ich hab wirklich versucht, mit ihr zu reden aber sie blockt komplett ab." Etwas atemlos stand sie vor den Beiden und zuckte mit den Schultern. Shannon hatte wieder seinen traurigen Hundeblick aufgesetzt und schaute seinen Kollegen an.
„Ja, alles geritzt. Er spielt mit. Shan, um Gottes Willen schau doch nicht so. Wir bekommen das schon hin. Du weißt doch, meine Pläne gehen niemals schief. Und John macht seine Sache mit Sicherheit gut." Jeff Hardy schlug seinem Freund auf die Schulter und grinste über beide Ohren. Er war die Zuversicht in Person.
„Soll ich dir wirklich aufzählen, wie viele deiner Pläne schon schief gegangen sind? Da wäre die Sache mit dem Esel, das Feuer, wie bau ich mir eine Leiter, Überraschung für Matt…" Shannon zählte die Dinge an seinen Fingern ab und schaute seinen Gegenüber vorwurfsvoll an.
„Ach hör auf. Das war alles nie meine Schuld. Und dieser Plan ist definitive Wasserdicht." Jeff nickte noch einmal nachdrücklich, während Shannon seufzte.
„Ich hoffe wirklich, ihr beide habt Recht und wisst was ihr tut. Ich will Morrison nur raten, dass er das alles nicht zu überzeugend rüber bringen will." Shannon kratzte sich an der Nase und blickte zu Nat. Diese hatte sich umgedreht und festgestellt, dass Josie noch nicht zurück war.
„Mach dir keinen Kopf. Dass wird schon. Ich hab ein gutes Gefühl. Ihr sagt doch John Bescheid?" Die beiden nickten der Deutschen zu und diese lächelte. „Gut, dann sehen wir uns später. Ich geh zurück zum Tisch bevor Josie noch zurück kommt und uns hier reden sieht." Wieder nickten die beiden und das Mädchen machte sich auf den Weg zurück. Auf halber Strecke wurde sie allerdings zwei Armen gestoppt, die sie rücklings umarmten. Erschrocken blickte sie sich um und schaute in die freudestrahlenden Augen von Mike Mizanin.
„Konnte dir vorhin gar nicht Hallo sagen. Ihr wart so schnell weg. Aber das lässt sich ja nach holen." Mit einem breiten Grinsen drückte der Mann aus Ohio der verwunderten Deutschen einen Kuss auf die Wange. Diese musste unweigerlich lächeln und erwiderte die Umarmung.
„Ja, war irgendwie doof, wie das alles gelaufen ist. Ach ja, auch Hallo." Nun war es der Wrestler, der einen Kuss auf die Wange bekam. Dieser grinste noch breiter und fragte nach den Plänen für den Abend.
„Steht alles wie abgesprochen. Du kommst doch mit?" Nat schaute Mike mit fragendem Blick an.
„Aber sicher." Dieser nickte und flüsterte ihr noch ein „wir sehn uns dann später" ins Ohr bevor die beiden sich trennten.
Als Nat zurück zum Tisch kam war auch Josie wieder da.
„Das war aber goldig." Grinste diese. Nat errötete leicht und nickte.
„Allerdings weiß ich immer noch nicht, was ich von ihm halten soll. Wahrscheinlich hat er in jedem Land so eine wie mich."
Josie dachte kurz nach und schüttelte den Kopf. „ Ich glaub, sein Ruf ist schlechter als er selbst."
„Mal abwarten." Die Ältere zuckte mit den Schultern und setzte sich wieder auf ihren Platz.
Die nächsten zwanzig Minuten verbrachten die Freunde mit warten und quatschen. Katrin und Marc erzählten weiter von der Veranstaltung und beurteilten die Matches. Da tauchten auch schon die ersten Wrestler wieder auf und pendelten zur Bar. Auch die Deutschen hatten sich inzwischen dazu entschlossen, etwas trinken zu gehen. Natalie zog sowohl ihren als auch Josefines Geldbeutel aus ihrer Tasche. Die Mädchen hatten es sich längst angewöhnt, sich mit dem Mitnehmen der Habseligkeiten abzuwechseln. Heute war Nat dran und gab ihrer Freundin ihr Geld. Die kleine Gruppe bezahlte sogleich ihre gekauften Getränke und suchten sich einen gemütlichen Tisch in der Bar.
Allmählich hatte diese sich gefüllt und das Gerede schwoll immer mehr an. Josies Miene verfinsterte sich, als sie die beiden Männer aus North Carolina die Bar betreten sah.
„Na das hat mir noch gefehlt."
„Ach komm, lass die Beiden. Schau dir lieber den perfekten Hintern von Morrison an." Nat versuchte, ihre Freundin abzulenken. Dies schien auch zu funktionieren.
Shannon und Jeff hatten sich nur wenige Meter weiter an einen Pfosten gelehnt und redeten. Josie nahm dies aus den Augenwinkeln zur Kenntnis, wurde dann jedoch von John Morrison, der zu ihnen herüber kam, abgelenkt.
„Hey Sweety. Na, alles klar bei dir?" Dem Lächeln, der der Mann aus L.A. an den Tag legte, konnte wirklich niemand widerstehen. Josie schaute in seine braunen Augen und nickte. Wieder begann er lächelnd zu sprechen. „Findest du es nicht auch etwas langweilig hier?"
„Ach, so schlecht ist es gar nicht." Erwiderte die Deutsche.
„Keine Lust auf etwas mehr Stimmung? Hab gehört, es gibt einen recht guten Club hier in der Stadt. Na, wie wäre es?"
Josie schaute unsicher zu ihren Freunden. „Was sagt ihr? Ich weiß nicht. Hab eigentlich nicht wirklich Lust darauf."
„Wird bestimmt lustig. Hätte schon Lust." Katrin schaute Josie bittend an und die anderen Beiden pflichteten ihr bei.
Langsam legte John Morrison den Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. „Und? Was sagst du?"
Für einen Moment drehte das Mädchen den Kopf und schaute in die wütenden Augen von Shannon Moore. Dieser hatte die Szene anscheinend mit angesehen und war nicht sehr begeistert darüber. Er kniff die Lippen zusammen und runzelte ärgerlich die Stirn. Das schien Josie zu genügend.
„Klar kommen wir mit. Wird bestimmt eine mega Party."
John hatte immer noch den Arm um sie gelegt und rief in die Runde.
„Party time, Leute. Wer mit will, ab in die Taxis."
Dies schien bei den Wrestlern auf Einklang zu stoßen. Die meisten erhoben sich und griffen nach ihren Jacken. Die Deutschen waren längst mit John Morrison zum Taxistand gegangen. Josie hatte sich noch kurz umgedreht, konnte Shannons Gesicht allerdings nicht sehen. Dennoch war dem Mädchen klar, dass auch er mit zu dem Club gehen würde.
Shannon saß neben Jeff und Mike im hinteren Teil des Taxis. Matt vorne, versuchte dem Fahrer klar zu machen, dass er den Taxis vor ihnen einfach nur folgen brauchte. Dieser hatte es anscheinend verstanden und fuhr los.
„Na, bis jetzt läuft doch alles wie am Schnürchen." Jeff schien sichtlich erfreut zu sein, dass sein Plan aufzugehen schien.
„Bis jetzt. Ich bin immer noch skeptisch. Außerdem nervt es mich etwas, dass John immer so übertreiben muss." Shannons Laune hatte sich anscheinend noch nicht gebessert.
Mike musste lachen. „Ach was Shanny, ist doch gar nichts passiert."
Shannon schaute den Tag-Team-Champion leicht säuerlich an, sagte aber nichts. Nach weiteren 15 Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht. Die vier Männer kamen gerade rechtzeitig an um zu sehen, wie die Deutschen mit John Morrison aus dem Taxi stiegen. Nachdem alle Partygänger eingetroffen waren, versammelte sich die doch recht große Gruppe und enterte den Clubeingang.
