So, diesmal wieder eins von mir. Schreibblockade ist definitiv überwunden :o)


Sichtlich verwirrt schaute Josie durch den Club. Wo waren die anderen nur abgeblieben? Sie konnten doch nicht gegangen sein? Oder? Nein, so etwas würden ihre Freunde ihr nie antun. Das Mädchen drehte sich mittlerweile doch recht verzweifelt zu der privaten Ecke um, in der die ganze Zeit über die Wrestler gestanden hatten. Doch die war leer. Es war Niemand zu sehen. Josie machte sich auf den Weg zum Ausgang. Dort angekommen tippte sie einen der Sekurities auf die Schulter.

„Sorry, ich hab da mal eine Frage."

Der Securtity lächelte und nickte. „Na dann mal raus damit."

„Also ich bin vorhin mit einer recht großen Gruppe angekommen und…"

Der Mann in Schwarz lächelte und unterbrach sie. „Wenn du die Wrestler meinst, die sind vor mindestens einer viertel Stunde gegangen."

Josie verzog den Mund und raunte dem Mann ein gequältes „Danke" zu. Das durfte doch nicht war sein.

Die Deutsche machte einen letzten Versuch und suchte den Club nach ihren Freunden ab. Aber auch von denen war keine Spur. Entsetzt musste sie feststellen, dass sie wirklich nicht mehr hier waren.

Josie dachte nach und entschied, dass sie sich erst einmal beruhigen und noch einen Jägermeister trinken sollte. Kopfschüttelnd erreichte sie die Bar. Doch bevor sie etwas bestellen konnte, viel ihr siedentheiß ein, dass ja Natalie ihr Geld hatte. Kreidebleich ließ sie sich auf einen Barhocker fallen und schlug die Hände vor das Gesicht. Wie sollte sie nur ohne Geld nach Hause kommen. Das waren mindestens 15 Kilometer bis zum Hotel.

Erschrocken fuhr das Mädchen zusammen, als sie von Hinten an der Schulter berührt wurde. Josie drehte sich um und erblickte Shannon Moore. Ausgerechnet die Person, die sie jetzt am wenigsten brauchen konnte.

„Wie ich sehe, haben sie noch einen vergessen. Ich dachte schon, ich wäre der einzige." Shannon versuchte zu lächeln. Josie schaute allerdings weniger freundlich zurück.

„Na klasse. Wenn du mich entschuldigst, ich gehe zurück zum Hotel." Während sie diesen Satz sagte, drückte sie sich an dem Amerikaner vorbei. Dieser schaute ihr fragend nach.

„Du GEHST zurück?"

„Ja ich GEHE! Dummerweise hat meine so genannte beste Freundin meinen Geldbeutel. Also werde ich wohl laufen." Die Antwort war patzig aber mit einem leicht verzweifelten Unterton.

Shannon lief dem Mädchen die paar Meter zum Ausgang nach und packte sie am Arm.

„Jetzt warte doch mal. Ich muss ja auch zurück. Willst du nicht bei mir im Taxi mitfahren? Es ist verdammt spät und kalt da Draußen. Außerdem ist das Hotel ziemlich weit weg."

„Nein danke, ich brauche deine Hilfe nicht. Ich komme gut allein zurecht." Trotzig versuchte die Schwarzhaarige ihren Arm zu befreien. Doch Shannon blieb standhaft.

„Jetzt sei nicht albern. Komm schon, ich ruf uns ein Taxi." Shannon versuchte, dass Bitten in seiner Stimme zu unterdrücken und schob das widerwillige Mädchen aus dem Club.

Josie hatte sich anscheinend mit der Situation abgefunden und eingesehen, dass zum Hotel zu laufen wirklich keine gute Idee wäre.

Beide standen wenige Sekunden später fröstelnd am Taxistand und warteten. Immer wieder suchte Shannon den Blickkontakt, aber die Deutsche schaute unentwegt in die andere Richtung. Er hatte ein paar Mal versucht, etwas zu sagen, doch wie so oft fand er nicht die richtigen Worte. Schließlich kam das Taxi und die Beiden kletterten hinein.

„Wohin soll es den gehen?" breit grinsend schaute der Taxifahrer in den Rückspiegel. Josie nannte ihm das Hotel und der Wagen setzte sich in Bewegung.

Die ersten zwei Minuten herrschte die gleiche eiskalte Stimmung wie am Taxistand zuvor. Schließlich räusperte sich der Mann aus North Carolina und wendete sich dem Mädchen zu.

„Josie, ich muss dir das Alles erklären. Es war nicht so. Keine Ahnung, was dieser Idiot von Dykstra gemeint hat. Ich bin nicht so. Ich würde niemals…also….ich meine…du weißt schon. Es tut mir wahnsinnig leid, wie das Alles gelaufen ist."

Josie hatte den Kopf gegen das Fenster gelehnt und schaute in die Dunkelheit der Nacht. Sie machte nicht den Eindruck, als würde sie dem Wrestler zuhören. Dieser versuchte es noch einmal.

„Bitte Josie, du musst mir glauben. Ich hatte niemals vor, dir irgendwie weh zu tun."

Immer noch kam keine Reaktion von der Deutschen. Langsam wurde Shannon wütend. Es konnte doch nicht sein, dass sie so stur war.

„Verdammt noch mal. Hör mir endlich zu." Seine Stimme wurde lauter. Selbst der Taxifahrer schaute etwas unsicher in den Rückspiegel. Josie jedoch blickte immer noch aus dem Fenster.

„Josie, schau mich endlich an. Verfickt noch mal! Ich wollte dich nicht nur vögeln. Ich kann nichts dafür, dass dieser verdammte Dreckskerl so einen verfickt blöden Spruch loslässt. Dass war nicht meine Schuld. Ich hab dich verdammt noch mal einfach gern. Kannst du das nicht begreifen?" Shannon schrie das Mädchen wütend an. Diese hatte endlich den Kopf gedreht und blickte in seine Augen. Jedoch von einer Regung ihres Gesichtsausdrucks konnte man nichts erkennen. Shannon verschränkte die Arme. Es war einfach hoffnungslos.

„Fine, wie du willst. Vergiss es einfach!" Der Amerikaner schaute jetzt seiner seits aus dem Fenster.

Josie musterte den Mann neben ihr. Sie hatte mit einer dermaßen extremen Gefühlsregung des Amerikaners nicht gerechnet. Vielleicht war an dem, was er sagte, doch etwas Wahres dran.

Schweigend fuhren sie die restliche Strecke bis zum Hotel. Dort angekommen, bezahlte Shannon den Fahrer, stieg aus und schlug wütend die Tür zu. Josie war auch bereits ausgestiegen und schaute dem Wrestler nach, der mit großen Schritten die Eingangstür passierte.

Sie musste leicht lächeln und sagte zu sich: „Wusste gar nicht, dass du so ausflippen kannst, Mr. Moore. Macht dich irgendwie noch sympathischer." Schließlich machte sie sich auch auf den Weg ins Hotelinnere. Ihr Gesichtsausdruck wurde wieder verbissener, als sie an ihre Freunde dachte. Das war wirklich mehr als gemein gewesen, sie einfach sitzen zu lassen. Dass würde sie ihnen, vor allem Nat, nicht so schnell verzeihen.

Josie sah Shannon vor dem Fahrstuhl stehen und überlegte, wie sie vorgeben konnte, noch beschäftigt zu sein, um nicht mit ihm in den Fahrstuhl steigen zu müssen. Der Amerikaner schaute einen Moment trotzig zu ihr herüber, wendete sich dann aber wieder dem Fahrstuhl zu. Josie hatte sich unterdessen an die Rezeption begeben und sprach mit dem Portier über den morgendlichen Wegruf. Als sie das helle „Ding" des Fahrstuhls hörte, bedankte sie sich noch einmal bei dem Rezeptionisten und machte sich auf dem Weg dorthin. Sie rechnete fest damit, dass von Shannon Moore keine Spur mehr zu sehen war. Dieser hatte jedoch einen Fuß in die Tür gestellt und auf sie gewartet. Betreten Blickte er auf den Boden und nuschelte ihr etwas von „willumitfahren" entgegen.

„Nein Danke, kein Bedarf!" Josie ging weiter zu einem der anderen Fahrstühle. Nein, so leicht würde sie es ihm nicht machen. Er konnte ruhig noch etwas zappeln.

„Dann eben nicht!" Shannon zog wütend den Fuß aus der Tür. Als diese sich geschlossen hatte, schlug er mit der Faust gegen die Wand. Das konnte doch alles nicht war sein. Wie kann ein Mensch nur so stur sein? Vielleicht sollte er es einfach aufgeben. Resigniert senkte er den Kopf. Aber er wusste, dass er das nicht konnte. Wenn er die Augen schloss, sah er das Gesicht der Deutschen. Selbst nachts war sie in seinen Träumen. Shannon bekam das Mädchen einfach nicht mehr aus dem Kopf. Da konnte sie noch so stur sein oder ihn noch so sehr ignorieren. Aber was konnte er noch tun. Mehr als entschuldigen, für etwas, was nicht einmal sein Fehler war, konnte er nicht. Langsam wich die Wut wieder der Verzweiflung. Er hatte nur noch einen Tag. Nur noch einen verdammten Tag, bis er wieder zurück in die USA musste.

Wieder war es das Geräusch des haltenden Aufzugs, das ihn aus seinen Gedanken holte. Shannon stieg aus und machte sich auf den Weg zu seinem Zimmer. Dort kramte er in den Hosentaschen, bis er endlich seine Zimmerkarte gefunden hatte. Er öffnete die Tür und lies sich längs auf das Bett fallen. Wieder kamen die Gedanken zurück. Die Frage, was er noch tun konnte, lies ihn nicht mehr los. Schließlich stand er wieder auf, schälte sich aus den Klamotten, ging ins Bad und putzte sich die Zähne und legte sich wieder auf das Bett zurück. Da klingelte sein Handy. Shannon fischte es unter dem Kleiderberg hervor und beantwortete den Anruf.

„Hey Shan. Ich stör doch nicht etwa, wollte nur sicher gehen, dass alles geklappt hat." Shannon erkannte die fröhliche Stimme seines besten Freundes.

„Nichts hat geklappt. Ich weiß nicht mehr, was ich noch versuchen soll." Der Amerikaner schaute wieder betreten zu Boden.

„WAS? Ich hätte schwören können, dass das klappen muss! Was ist denn schiefgegangen?" Jeffs Stimme hörte sich immer ungläubiger an.

„Ach einfach alles. Sie hat mir nicht zugehört, dann habe ich sie angeschrieen und sie hat mich am Aufzug wieder abblitzen lassen. Ach Jeff, wieso ist sie so kompliziert?"

„Du hast sie angeschrieen?" Jeff wunderte sich hörbar über seinen Kollegen. Das war gar nicht seine Art. Josie musste ihm anscheinend wirklich etwas bedeuten.

„Mhm." War alles, was als Antwort auf die Frage zurückkam.

„Aber weißt du, Shan? Die stursten Frauen sind meistens die Interessantesten. Wenn sie dir wirklich so viel bedeutet, was nach der kurzen Zeit, in der ihr euch erst kennt doch sehr verwunderlich ist, dann darfst du nicht aufgeben." Jeff versuchte, seinem Freund Mut zu machen. Es musste doch einen Weg geben, damit die beiden sich wieder versöhnten.

„Ich weiß auch nicht, Jeff. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich sie schon ewig kenne. Ich habe sie wirklich gerne aber das begreift sie ja nicht." Shannons Stimme wurde immer trauriger. Jeff wusste nicht, wie er ihn wieder aufheitern sollte. Aber das war wahrscheinlich heute Abend eh nicht mehr möglich.

„Leg dich hin und schlaf erst mal eine Runde. Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Und morgen erzählst du mir das Ganze noch mal in allen Einzelheiten. Wir finden schon eine Lösung" Jeffs Optimismus schien Shannon jedoch nicht wirklich anzustecken.

Diese gab ein kurzes „Mhmm" von sich und wünschte seinem Kollegen noch eine gute Nacht. Schließlich legte er das Handy neben sich auf das Bett und schloss die Augen.

Josie war unterdessen ebenfalls in ihrem Zimmer angekommen. Nat lag schon im Bett, hob aber als sie die Freundin reinkommen hörte den Kopf. Diese war allerdings schnurstracks ins Badezimmer gegangen, um sich bettfertig zu machen. Natalie hatte das ungute Gefühl, dass das Alles nicht so gelaufen war, wie sie sich das vorgestellt hatte. Nervös biss sie sich auf die Unterlippe. Hoffentlich war die Freundin nicht zu sehr wütend auf sie.

Als Josie schließlich ins Bett kroch, drehte sie sich auf die Seite und schloss die Augen.

„Josie…?" Nat versuchte vorsichtig die Jüngere anzusprechen. Diese öffnete die Augen und funkelte die Andere an.

„Was? Ich bin müde und will schlafen. Schließlich bin ich ne gute halbe Stunde durch diesen scheiß Laden gerannt und hab euch gesucht." Josie blaffte der Älteren die Worte nur so entgegen. Nun hatte Nat die Gewissheit, dass es keine romantische Versöhnung im Taxi gegeben haben müsste.

„Es tut mir leid, wir dachten…" Doch weiter ließ die Schwarzhaarige das Mädchen nicht kommen.

„Können wir nicht morgen darüber reden? Ich hab jetzt wirklich keinen Nerv dafür und will endlich schlafen." Wütend drehte sich Josie auf die andere Seite und schloss wieder die Augen. Nat wusste, das die Freundin zwar nicht lange böse auf sie sein konnte, aber ein wenig Bauchschmerzen hatte sie bei dem Gedanken an den nächsten Tag schon. Hoffentlich verstand die Jüngere, warum sie das getan hatte. Mit einem langen Seufzer drehte auch sie sich auf die Seite und schloss ebenfalls die Augen.