„rrrrrrrrrring, rrrrrrrrrrrring, rrrrrrrrrrrrrring." Schlaftrunken taste Josy nach dem Telefonhörer. Schließlich erreichte sie ihn und nahm ab. Das bereits mehr als gewohnte Band war zu Hören. Guten Morgen, dies ist ihr Wegruf…blablabla. Gähnend legte die Schwarzhaarige wieder auf und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Sie lies den letzten Abend noch einmal Revue passieren und ein Teil der gestrigen Wut und Enttäuschung über ihre Freunde keimte wieder auf. Natürlich dachte sie auch an Shannon. Vielleicht war wirklich etwas Wahres an seinem Gesagten? Josy war sich nicht sicher.

Das Mädchen öffnete die Augen und schielte nach links. Nat hatte das Klingeln anscheinend auch gehört. Sie streckte sich und gähnte ein „Guten Morgen".

„Morgen" Josy nuschelte und stieg schließlich aus dem Bett, um sich anzuziehen und ins Bad zu gehen. Sie wusste, dass sie nur noch zwei Stunden zum Frühstücken hatte. Danach konnten sie sich noch etwas ausruhen oder die Stadt anschauen bis sie in die Busse Richtung Nürnberg mussten. Allerdings hatte das Mädchen heute wenig Lust, etwas mit ihren Freunden zu unternehmen. Sie war immer noch sauer. Zwar nicht mehr so sehr wie am Vorabend aber dennoch sauer.

„Josy? Können wir reden?" Vorsichtig luckte Natalies Kopf durch die Badezimmertür. Man sah der Älteren das schlechte Gewissen förmlich an.

„Meinetwegen." Nat bekam eine schroffe Antwort und zog etwas den Kopf ein.

„Hör zu, wir haben es doch nur gut gemeint." Nat hatte das kleine Zimmer inzwischen betreten und sah die Freundin durch den Spiegel an. Diese drehte sich plötzlich um und runzelte die Stirn.

„Gut gemeint? Mich ohne Geld allein in einem Club in einer fremden Stadt sitzen zu lassen, bezeichnest du als gut gemeint?"

„Aber ich wusste doch, dass Shannon da war. Er hätte niemals zu gelassen, dass dir etwas passiert. Josy, er mag dich wirklich. Und er ist so ein netter Kerl. Er hat es verdient, dass du ihm wenigstens zu hörst." Nat hob abwehrend die Hände.

Josy schaute unbeeindruckt in den Spiegel.

„Wer sagt, dass ich ihm nicht zu gehört habe?"

Nats Miene erhellte sich. Vielleicht ist ja doch nicht alles schief gegangen. „Und? Was hat er gesagt? Habt ihr euch versöhnt? Nun sag schon. Ach Maus, du weißt doch, dass ich dich nicht traurig sehen kann. Und du weißt, dass du verdammt stur sein kannst. Außerdem mussten wir doch was unternehmen. Schätzchen, du kannst doch nicht lange auf mich böse sein? Oder?" Nat zog eine Schnute und schlug die Augen nieder. Bei diesem Anblick konnte Josy nicht anders und musste einfach lachen. Das gab Nat die Gewissheit, dass die Freundin nicht wirklich sauer war. „Also gut. Ich verzeihe dir. Vielleicht hast du es wirklich nur gut gemeint. Aber tu so etwas nie, nie wieder!" Nat nickte eifrig und zog die Andere in ihre Arme.

Nach der üblichen Prozedur im Bad hatten sich die Mädchen auf das bequeme Bett gesetzt.

„Nun erzähl schon." Nat konnte es nicht mehr abwarten und wippte aufgeregt mit den Beinen.

„Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen. Nachdem ich euch nicht mehr gefunden und bemerkt, dass ich keinen Cent Geld in der Tasche hatte, dachte ich, dass ich wohl oder übel zum Hotel zurücklaufen muss." Mit einem Schmunzeln erkannte die Deutsche wieder das schlechte Gewissen in den Augen ihrer Freundin.

„Aber….dass hast du doch nicht gemacht? Ich mein, du bist doch mit Shannon zurück gefahren, oder?" Entsetzt blickte die Ältere ihre Freundin an.

„Lass mich weiter erzählen und dann weißt du es." Josy musste trotz allem etwas lachen.

Nat nickte und schaute gebannt auf die kleine Schwarzhaarige. Diese wartete kurz und erzählte weiter.

„Also, er hat mich an der Bar gefunden. Zuerst wollte ich ja nicht aber es war doch schweinekalt und mit Sicherheit elend weit bis zum Hotel. Er hat ein Taxi bestellt und wir haben vor dem Club darauf gewartet."

„Und? Weiter…" Nat rutschte aufgeregt auf dem Bett hin und her.

„Als wir dann im Taxi saßen, hat er versucht mir zu erklären, dass das nicht seine Schuld war. Irgendwie hat er sich sogar entschuldigt. Naja, ich habe mein Bestes getan um ihn zu ignorieren." Josy zuckte mit den Schultern. Nat schaute sie an und rollte mit den Augen.

„Du und dein sturer Kopf!"

Josy zuckte erneut mit den Schultern und redete weiter.

„Jedenfalls hat er plötzlich angefangen mich anzuschreien. Ich war überhaupt nicht darauf gefasst und bin richtig erschrocken. Ich war irgendwie so überrascht über seinen Gefühlsausbruch, dass ich nicht wirklich was sagen konnte. Allerdings muss ich zu geben, dass das schon sehr anziehend war." Beide Mädchen mussten grinsen. Sie wussten, dass sie beide auf ein bisschen Badboy standen.

„Am Hotel ist er ausgestiegen, hat die Tür geknallt, bezahlt und ab ins Hotel. Ich hab dann noch den Wegruf bestellt, weil ich ehrlich nicht noch mal schweigend neben ihm sein wollte. Als ich dann aber zum Aufzug gegangen bin, hat er doch tatsächlich gewartet. Irgendwie süß." Für einen kurzen Moment stieg dem Mädchen die Röte ins Gesicht.

„Aber so wie ich bin, hab ich ihn abblitzen lassen und den nächsten genommen." Fügte die Schwarzhaarige etwas kleinlaut hinzu. Nat rollte erneut die Augen.

„Kannst du ihm nicht einfach verzeihen? Du musst doch gemerkt haben, dass er dich wirklich mag."

Josy blickte auf den Boden und überlegte. „Vielleicht habe ich das ja schon längst. Allerdings brauch ich noch ein wenig Zeit. Ich muss mir einfach darüber klar werden, was ich will."

„Aber lass dir nicht zu viel Zeit. Sonst ist er vielleicht schneller weg, als du Reject sagen kannst." Nat hielt den Kopf schief und blickte die Freundin ernst an.

„Warten wir einfach mal den Abend ab, was passiert. Vielleicht bringt der einige Antworten." Josy zuckte mal wieder mit den Schultern.

Nat schüttelte den Kopf. „ Du bist unverbesserlich. Verzeih ihm doch einfach. Der arme Kerl leidet schlimmer, als ein Hund im Zwinger." Josy schüttelte jetzt ihrer seits den Kopf.

„Das ist nicht so einfach. Ich weiß nicht einmal, ob ich ihm verzeihen will."

Nat raufte sich die Haare. Wie konnte jemand nur so kompliziert sein. Aber dann dachte sie an Mike. Schließlich wusste sie ja auch nicht wirklich, was sie von ihm halten sollte.

„Eigentlich verstehe ich dich ja. Jedenfalls so ungefähr. Ich hab auch keine Ahnung, was in dem Kopf unseres Chick-Magnet vorgeht. Gestern hat er mich irgendwie wegen einem blöden Spruch von MVP stehen lassen. Langsam glaub ich wirklich, der Kerl meint es sowieso nicht ernst." Nun war es Nat, die die Schultern hängen lies. Josy hingegen runzelte die Stirn.

„Aber so wie er dich immer anschaut. Ich hab eigentlich keinen Zweifel daran, dass er dich wirklich mag. Vielleicht solltest du ihm einfach eine Chance geben."

„Das sagt die Richtige." Beide Mädchen mussten wieder lachen und vielen sich in die Arme. Die Beiden wurden durch ein lautes Piepsen aufgeschreckt. Nat kramte nach ihrem Handy und las die angekommene SMS.

„WAS? Katrin und Marc sind schon losgefahren?" Erschrocken blickten die Mädchen auf die Uhr.

„Mist, da haben wir uns ja mächtig verquatscht. Wir haben nur noch eine Stunde zum packen und Bäcker suchen. Frühstück ist seit einer halben Stunde geschlossen." Josy schaute ihre Freundin an.

„Irgendwie typisch, oder?" Nat schaute zurück. Die Mädchen brachen fast gleichzeitig in schallendes Lachen aus.

„Da stellt sich noch die Frage: Heel oder Face." Nat schaute fragend zu Josy und grinste. Es dauerte ein paar Sekunden, bis Josy verstanden hatte, dass sie die Busse meinte. „Unter dem Aspekt, dass du im Moment keine Lust auf Mike und ich keine auf Shannon habe, lassen wir es doch am Besten beim Alten. Jetzt komm, ich sterbe vor Hunger." Immer noch lachend machten sich die Mädchen auf den Weg einen Bäcker ausfindig zu machen.

Zwei Etagen höher und einige Zimmer weiter hatten Jeff und Shannon ebenfalls auf das Frühstück verzichtet und redeten.

„Und was ist dann passiert?" Jeff schaute seinen besten Freund fragend an. Dieser senkte den Kopf.

„Abblitzen hat sie mich lassen. Als ob wir ewig im selben Aufzug fahren würden."

„Vielleicht hatte sie Angst, ihr bleibt stecken." Jeff konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wurde aber sofort wieder ernst als er den Gesichtsausdruck von Shannon sah. „Sorry man, ich weiß, das war blöd."

„Ach ich weiß nicht, Jeff. Vielleicht hat das alles keinen Sinn und ich sollte aufgeben." Der Prince of Punkt rieb sich die Müdigkeit aus den Augen. Jeff hatte seinen Freund selten so ratlos gesehen. Normalerweise hatte Shannon immer eine Antwort parat, auch wenn diese nicht immer ganz ernst gemeint war. Doch diesmal schien er die Lage für Aussichtslos zu halten.

„Jetzt mal langsam. Du magst sie doch? Dann kannst du nicht einfach aufgeben. Du hast schließlich noch einen ganzen Abend. Vielleicht ergibt sich ja noch die ein oder andere Gelegenheit." Jeff klopfte dem Blonden auf die Schulter und lächelte aufmunternd. Shannon schaute immer noch skeptisch, gab aber seinem Freund insgeheim Recht. Er musste es noch einmal versuchen. Bald musste er zurück nach Hause und dann waren alle Gelegenheiten vorbei. Aber was sollte er noch tun? Vielleicht sollte er einfach abwarten, was passiert. Vielleicht war es besser, ohne Plan an die Sache ran zu gehen. Dies sagte er auch dem Rainbow-haired Worrior und dieser nickte.

„Komm schon Shanny, immer positiv denken. Das wird schon. Ich hab es im Urin!"

Sichtlich verwirrt schaute Shannon seinen Gegenüber an.

„Was denn? Sagt Beth auch immer und meistens stimmt es." Jeff hob abwehrend die Hände. Shannon musste unweigerlich lachen. Nicht anders kannte er seinen Kollegen. Dieser stand auf und sah ihn fordernd an. „Na los, Reject. Wir gehen ein bisschen trainieren. Das bringt dich auf andere Gedanken und mir könnte es auch mal wieder gut tun."

„Wenn ich mir dich so ansehe, Hardy, dann hast du absolut recht." Shannon war bereits aufgestanden und machte einen schritt zur Seite, um der Flasche Haargel, die sein Freund nach ihm warf, aus zu weichen. Feixend verliesen die Männer aus North Carolina den Raum und machten sich auf den Weg zu dem hoteleigenen Trainingscenter.


So weit, so gut. Hoffe die Story hat euch bis jetzt gefallen. Wann das nächste Kapitel kommt, kann ich noch nicht sagen. Aber bestimmt in den nächsten Tagen. Und tut nichts, was ich nicht auch tun würde :o)