Beide Mädchen standen, noch den Rest ihres Frühstücks kauend mit ihren Koffern in der Hand, vor den Bussen der WWE.
„Gerade noch geschafft!" Polterte es zusammen mit ein paar Brötchenkrümeln aus Josies Mund.
„Girls! Ich dachte schon, ihr wollt nicht mit." Ein breit grinsender Security nahm ihnen die Koffer ab. „Den Blauen wieder in den Heelbus?"
Josie nickte und schaute zu den Bussen. Für einen kurzen Moment kreuzte sich ihr Blick mit dem von Shannon Moore, der seinen Koffer gerade in die Luke des anderen Busses verfrachtete. Dieser blickte jedoch rasch zur Seite und stieg ein.
„Josefine….?" Nat zupfte die Freundin an einer Haarsträhne und holte sie so aus den Gedanken.
„Ja…ach, wir müssen los?" Josie schaute die Ältere an und fuhr sich durch die schwarzen Haare. Diese nickte und atmete schwer ein, als sie Mike Mizanin in den Bus steigen sah. Die Mädchen nahmen sich noch einmal in den Arm und machten sich dann auf den Weg zu den jeweiligen Bussen, um die anderthalb stündige Fahrt nach Nürnberg anzutreten.
Nach einer fünfzehnminütigen Tortur drückte Nat einem freundlich lächelnden Matt Hardy das letzte Sandwich in die Hand, ging den Gang noch einige Meter weiter nach Hinten und lies sich mit einem lauten „Puhhhh" neben Jeff auf den Sitz fallen. Dieser wurde durch die Bewegung neben ihm aus seinem Tagtraum gerissen und drehte sich erschrocken zu der Deutschen um. „MAN, erschreck mich doch nicht so, Süße."
Nat musste bei dem Anblick des Amerikaners, dessen bunte Haare in alle Richtungen standen, laut loslachen. Nun drehte sich auch Shannon, der eine Reihe vor den Beiden saß, zu ihnen um. „Euer toller Plan ging wohl gründlich daneben. Ich glaube, ich habe es nach meinem Wutausbruch endgültig bei ihr versaut." Der Blonde hatte sein Kinn auf dem Sitz abgestützt und blickte Nat mit Hundeaugen an. Diese schüttelte den Kopf. „Hey Reject, ich habe dir schon einmal gesagt, du sollst mich nicht so anschauen. Außerdem glaube ich, dass es gar nicht so schlecht gelaufen ist, wie du denkst." Das Mädchen legte den Kopf schief und schaute in die verwirrten grünen Augen von Shannon Moore. „Ich würde einfach mal sagen, wir warten ab, was der heutige Abend noch bringt." Die Deutsche lächelte den immer noch verwirrten Blonden an und wandte sich dem Bunthaarigen neben ihr zu. „A pro pos Plan…! Im Übrigen durfte ich die Sache alleine ausbaden. Ihr habt ja keine Ahnung, wie sauer sie auf mich war." Mit gespielt vorwurfsvollen Blick schaute sie Jeff an. Dieser hob abwehrend die Hände. „Hätte aber klappen können!" versuchte dieser sich zu verteidigen.
„Hat es aber nicht!" grinste Nat ihm entgegen und erkannte die Erleichterung in Jeffs Blick, als dieser erkannte, dass sie ihm keinen ernsthaften Vorwurf machte. „Zumindest nicht so, wie wir das geplant hatten. Aber ich denke dennoch, dass es etwas gebracht hat!" Nat fügte den letzten Satz noch schnell hinzu, als sie den Blick sah, den Shannon ihr zu warf. Auch Jeff war dies nicht entgangen. „Ich denke, wir könnten mal über etwas anderes reden. Shannon ist schließlich nicht der einzige Mensch mit einem Leben! Soll ich dir erzählen, wie ich und Matt zum Wrestling gekommen sind?" Ohne auch nur den Hauch einer Antwort abzuwarten legte Jeff mit seiner Story los. Shannon verdrehte die Augen, setzte sich wieder in Fahrtrichtung, lehnte den Kopf gegen das Fenster und schloss die Augen.
Auch Josie hatte in dem Bus dahinter bereits alle Männer mit Getränken und Essen versorgt. Etwas verlegen schaute sie sich um. Im Gegensatz zur letzten Fahrt waren diesmal alle Sitzreihen besetzt. Ihr Blick blieb an The Miz hängen, der die Stöpsel seines IPods in den Ohren hatte und einen schlafenden Eindruck machte. Kurzerhand lies sie sich neben ihn fallen und zog ihm die schwarzen Knöpfe aus den Ohren.
„HEY!!!" leicht entrüstet blickte der Chickmagnet das Mädchen an.
„Reg dich nicht auf. Ich lass dich gleich wieder in Ruhe. Aber zuerst müssen wir reden." Ernst musterte die Deutsche den Mann aus Ohio, der seine Stirn in Falten legte.
„Über Shannon? Also meiner Meinung nach…" Mike verstummte als die Schwarzhaarige den Kopf schüttelte. „Mit dem Moore hat das nichts zu tun. Ausnahmsweise mal nicht!" Bei diesen Worten drang ein leiser Seufzer über ihre Lippen. „Aber nun zum Eigentlichen. Du und Natalie."
„Ich und Nat?" Mike zog abschätzend die Augenbrauen in die Höhe.
„Ja, du und Nat! Jetzt rede mal Klartext. In manchen Momenten sieht man regelrecht die Funken zwischen euch. In anderen allerdings, lässt du sie irgendwie links liegen. Schau mich nicht so betröppelt an. Sie ist meine beste Freundin und solltest du ihr wehtun, kann man dich in Einzelteilen zurück in die USA schicken!"
The Miz kratzte sich unsicher am Kopf. Solch harte Worte hatte er von der kleinen schwarzhaarigen nicht erwartet. Was sollte er darauf nur antworten? Er war doch der Chickmagnet. Der Grand Mizard of Lust. Der Schwarm der Weiblichen Wesen. Zumindest glaubte er das. Er konnte sich doch nicht ernsthaft verliebt haben? Oder etwas doch? Er dachte an Nat. An Ihr Lächeln, an ihre Augen, einfach an alles. Es war schon lange her, seit er sich so gefühlt hatte. Doch Mike war noch nie gut darin, über seine Gefühle zu reden.
„Ich… also…" Mike schaute unsicher zur Seite. „Also, was ?" Josie ließ nicht locker und fixierte den Wrestler.
„Was soll ich sagen?" so langsam wurde Mike leicht sauer. Warum sollte er sich vor der deutschen rechtfertigen müssen? Er verschränkte die Arme und starrte zurück.
„Wie wäre es mit der Wahrheit!" Josie hielt dem Blick stand.
„Du wirst nicht locker lassen, oder?" Mike verzog den Mund.
„Niemals!" Josie musste grinsen. Mike atmete tief durch die Nase ein und legte erneut die Stirn in Falten. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich meine … ach verdammt. Ich hasse es, so etwas erklären zu müssen. Ich mag sie. OK! Ich mag sie sehr. Zufrieden? Aber das ist alles nicht so einfach." Immer noch sauer wandte sich Mike dem Fenster zu. Was bildet sich dieses Mädchen eigentlich ein? Sie war es doch, die Probleme in Sachen Gefühle hatte und nicht er. Oder? Josie grinste noch mehr. Man konnte es förmlich in Mikes Kopf denken sehen.
„Angst vor den eigenen Gefühlen ? Außen der Macho aber innen ein weicher Kern!"
„Pfffff" Mike schaute sie nicht einmal an, als er die Luft durch seine Lippen presste. Josie überlegte kurz. Sollte sie wirklich? Aber dann dachte sie an die vergangene Nacht und begann in ihrer Tasche zu wühlen. Sie zog einen schwarzen, dünnen Kugelschreiber heraus und griff nach der Hand ihres Sitzpartners. Dieser schaute überrascht auf. „Was soll das?"
„Ich dachte, falls du dir irgendwann über deine Gefühle im Klaren bist, wäre es nicht schlecht, wenn du ihre Telefonnummer hättest." Sorgfältig schrieb das Mädchen mehrere Zahlen in die Handfläche des Amerikaners. Dieser blickte immer noch etwas ungläubig auf die schwarzen Ziffern, drehte dann den Kopf zur Seite und steckte sich wieder seine Kopfhörer in die Ohren. Josie schüttelte den Kopf und schaute in die andere Richtung. Ihr Blick schweifte über die Menschen im Bus. Ein schlafender MVP, ein Musik hörender Kenny Dykstra, ein Kreuzworträtsel lösender Vladimir Koslov. Schließlich blieben Ihre Augen an John Morisson hängen. Dieser grinste schief und hielt ihr einladend einen Ohrstöpsel entgegen. Josie überlegte nicht lange und stand auf. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, dass Mike bereits verstohlen die Nummer aus seiner Hand in sein Handy eintippte. Das Mädchen lächelte zufrieden und machte sich auf den Weg zu dem Sharman of Sexy. Dort angekommen setzte sie sich neben ihn und nahm den Kopfhörer entgegen. Sie steckte ihn sich ins Ohr und schloss die Augen. Für eine gute halbe Stunde hörte sie den klängen der Musik zu. Wieder dachte sie an die vergangene Nacht. Da fiel ihr plötzlich der Mann neben Ihr ein. Mit einem Ruck riss sie nicht nur ihren sondern auch Johns Kopfhörer herunter.
Dieser öffnete verwirrt die Augen. „ Sind wir schon da?"
„Du hast davon gewusst! Nicht wahr?" vorwurfsvoll schaute das Mädchen den gut aussehenden Wrestler an. Dieser juckte sich verlegen die Nase. „ Ich … also… na ja… schon. Aber wir haben es ja nur gut gemeint. Sei doch bitte nicht böse." Mit flehendem Blick und einem unwiderstehlichen Grinsen schaute John die Deutsche an. In diesem Moment hielt der Bus vor dem Eingang eines Hotels. Schon begannen die Männer den Bus zu verlassen. Auch Josie und John machten sich auf den Weg ins freie. John wollte schon nach seinem Koffer schauen aber Josie hielt ihn zurück. Sie zog den Mann aus LA zur Seite und schaute ihn immer noch vorwurfsvoll an. „ Ich würde mal sagen, da ist eine Entschuldigung fällig!"
John Morisson lächelte und hielt den Kopf schief. „Liebe Josefine. Es tut mir wirklich sehr leid. Kannst du mir noch einmal verzeihen?"
„Wenn du so lieb bettelst, natürlich." Lachend drückte ihm Josie einen Kuss auf die Wange.
Die beiden hatten nicht bemerkt, dass ihre Unterhaltung nicht ungehört blieb. Nur wenige Meter weiter standen Jeff, Nat und Shannon. Die Augen des blonden funkelten Zornig.
„Na klar. Ihm verzeiht sie natürlich sofort. Er ist ja auch John Morisson und nicht nur Shannon Moore!" wütend drehte er sich um, schnappte sich noch seinen Koffer und stürmte ins innere des Hotels. Jeff rief noch seinen Namen, doch Shannon war nicht auf zu halten. Erschrocken blickte sich jetzt auch Josie um. Das hatte sie nicht gewollt. Anscheinend war es wohl diesmal sie, die die Sache gründlich verbockt hatte.
