„Shannon…" Jeff rief noch einmal den Namen seines Freundes, der war jedoch schon längst im Inneren des Hotels verschwunden. Kopfschüttelnd blickte der Amerikaner in die Runde. Nat schaute ebenfalls verdutzt zu den großen Drehtüren, John schaute schuldbewusst zu Boden und auch Josie hatte den Blick gesenkt.
„Schöne Scheiße. Na dann sieht man sich später. Ich schau mal, ob ich Mister Ich-bin-grün-vor-Eifersucht-und-drehe-durch wieder runter bekomme. Kommt ihr beiden Hübschen eigentlich zur Show? Und nein John, dich mein ich nicht." Jeff schaute fragend zu den Deutschen. Diese nickten, während John über die Aussage des Bunthaarigen die Augen verdrehte.
„Na dann bis später" Seufzend nahm Jeff seinen Koffer und zog ihn hinter sich her. An der Rezeption angekommen nahm er seine Zimmerkarte entgegen und fragte gleich nach Shannons Zimmernummer. Die nette Rezeptionistin lächelte und gab ihm die Auskunft, die er wollte. Begeistert stellte er fest, dass es das gleiche Stockwerk war. Der Aufzug war groß und geräumig. Lächelnd stellte er seinen Koffer in einer Ecke ab und machte Platz für die hinter ihm stehende Mickie James.
„Hey Jeffro, auch Nummer 12?" Die Diva lächelte zurück, als Jeff nickte. „Sag mal, ich hab gerade meinen Lieblingscousin an mir vorbeirauschen sehen. Was ist den in unser Reject gefahren?"
Jeff gab einen Seufzer von sich. „Liebeskummer meine Liebe."
„Erklärt jedenfalls sein seltsames Verhalten in den letzten Tagen. Sah aus, als hätte er etwas Schlechtes gegessen." Mickie hielt den Kopf schief und schaute auf die grünen Zahlen, die ihr Stockwerk angaben.
„Ach, der wird schon wieder." Jeff wuchtete nach dem Kling seinen Koffer aus dem Fahrstuhl und hielt den Fuß in die Tür, damit Mickie ihren bequem heraus bekam. Diese nickte noch mal dankend und machte sich auf die Suche nach ihrem Zimmer. Jeff schaute auf die Schilder an der Wand und wandte sich nach Rechts. Einige Meter weiter schob er die Karte in einen Schlitz und öffnete die Tür. Der Amerikaner schaute sich um. Schönes Zimmer, dachte er. Hielt sich jedoch nicht länger auf, stellte seinen Koffer ab und ging wieder nach Draußen. Suchend sah er sich um. Shannons Zimmer müsste ganz in der Nähe sein. Jeff ging den Gang entlang und blieb nach zwei Rechtskurven stehen. Das müsste es sein. Er klopfte und wartete. Von Drinnen waren zwar Laute zu hören aber keiner Öffnete. Jeff versuchte es noch einmal. Aber wieder wurde das Klopfen ignoriert.
„Shannon, ich weiß das du da drin bist. Komm schon, ich bin es. Mach auf." Im Zimmer wurde es plötzlich still. Kein Laut war mehr zu hören. Jeff trat unruhig von einem Bein auf das andere. „Nun mach schon Reject!"
„Ist ja gut…" Die Tür öffnete sich und Shannon schaute seinen Freund an. „Was ist denn?"
„Na ich dachte, du wolltest vielleicht reden…" Jeff versuchte sich an seinem Freund vorbei zu quatschen, doch dieser schüttelte den Kopf. „Ich bin ziemlich K.O. und wollte mich vor der Show noch etwas hinlegen. Ich bin in Ordnung, Jeffro, mach dir keine Sorgen."
„Bist du sicher, Shan?" Jeff schaute den Blonden etwas ungläubig an, doch dieser nickte und gähnte. „Na gut, dann schlaf ich auch noch eine Runde. Bis später."
Kaum hatte Jeff den Satz beendet, wurde ihm auch schon die Tür vor der Nase zu gemacht. Der Mann aus North Carolina musste schmunzeln. Hatte er da etwa wirklich etwas in Shannons Augen gesehen, dass er seit der Sache mit Crystal nicht mehr bemerkt hatte? So langsam hatte er den Eindruck, dass Shannon bald wieder der Alte sein würde. Vielleicht war die Geschichte mit der Deutschen genau das, was der Jüngere brauchte. Gähnend machte sich der Rainbow Haired Worrior auf den Weg zurück. Er schaute auf seine Uhr. Es war mittlerweile bereits halb drei. Das würde fast zwei Stunden Schlaf bedeuten. Immer noch gähnend schloss er die Tür auf und lies sich auf das weiche Hotelbett fallen.
Ebenfalls herzhaft gähnend lies sich auch Nat, zwei Etagen tiefer, auf ihr Hotelbett fallen. Josie hatte das Fenster geöffnet und schaute hinaus.
„Alles klar bei dir?" Nat hatte sich fragend wieder aufgesetzt.
„Ja…alles klar." Josie starrte weiter aus dem Fenster.
„Ich glaub dir kein Wort!" Nat war aufgestanden und gesellte sich zu ihrer Freundin.
„Schöne Aussicht, oder?" Josie verharrte immer noch in derselben Stellung.
„Na, nicht abschweifen." Die Ältere stupste der Anderen sanft in die Seite.
„Ach, ich hab das nicht gewollt vorhin. Ich meine, ach verdammt! Ich sollte einfach nach Hause fahren." Die Schwarzhaarige senkte den Kopf.
„Nun nicht ganz so schwarzsehen, das wird schon wieder. Komm wir pennen noch ne runde. Es reicht doch, wenn wir um sieben losfahren. Ich hab den Bahnplan schon studiert. Wir brauchen nur gute zehn Minuten bis zur Halle." Nat hatte sich bereits wieder dem Bett zugewandt. Josie drehte sich um und musste lächeln. Ihre Freundin schaffte es tatsächlich, innerhalb weniger Sekunden ins Land der Träume zu trifften. Sie seufzte leicht, schlupfte dann aber aus ihren Jeans und machte es sich ebenfalls auf dem Bett gemütlich. Es dauerte wesentlich länger, bis auch sie Schlaf fand. Doch schließlich wurden ihre Augen immer schwerer und sie versank in einen traumlosen, tiefen Schlaf.
„Ach du große Güte. Josie wach auf! Wir haben verpennt!" Nat hielt geschockt ihr Handy in der Hand und versuchte, das schlafende Etwas neben ihr wach zu bekommen.
„Was?...Wie?" Sich die Augen reibend blickte Josie erschrocken zu ihrer Freundin. Diese war bereits aus dem Bett gehüpft und zog sich an. „Viertel vor Sieben, Schätzchen. Wir müssen uns beeilen."
Erst jetzt verstand Josie was die Freundin sagte. In Windeseile stolperte auch sie aus dem Bett und suchte nach ihren Kleidern. In einem rasenden Tempo wurden Haare gemacht, Make-up aufgelegt und die richtigen Klamotten gefunden. Wie durch ein Wunder standen die Mädchen doch pünktlich um sieben an der, ans Hotel angrenzenden, Straßenbahnhaltestelle. Sie waren keine Minute dort, als diese auch schon eintraf. Die Deutschen quetschten sich in den Überfüllten Wagon und suchten vergeblich nach Sitzplätzen.
„Naja, sind ja nur zehn Minuten." Josie hatte den Satz kaum ausgesprochen, als eine Rechtskurve sie fast zu Fall brachte. Nur ein beherzter Griff nach Nats Jacke lies sie das Gleichgewicht halten. „Sorry" war das einzige, was das Mädchen unter Lachen hervorbringen konnte. Nat nickte und versuchte das aufkommende Giggeln zu unterdrücken. Gefühlte Stunden später stiegen sie nur wenige Meter vor dem Halleneingang aus der Bahn.
„So, jetzt haben wir noch ne viertel Stunde, bis die Show losgeht. Sollen wir noch was zu trinken holen?" Josie gab dem nett aussehenden Türsteher ihre Karte.
„Ja klar. Ich bin schon am verdursten." Nat nahm dankbar ihre Tasche wieder entgegen, die einer gründlichen Untersuchung nach unerlaubten Dingen zum Opfer gefallen war. Die Beiden schlugen sich einen Weg zum nächsten Getränkestand und stellten sich in die unendlich wirkende Schlange. Tatsächlich dauerte es fast zehn Minuten bis sie endlich an der Reihe waren. Mit leicht strapazierten Nerven aber um zwei Colas reicher machten sie sich auf die Suche nach ihren Plätzen. Sie hatten wirklich Glück gehabt mit den Karten. Dank eines Arbeitskollegen von Nats Vater konnten sie in der zweiten Reihe platz nehmen.
„Wirklich klasse Plätze. Sag dem netten Mann noch mal Danke." Josie lies sich glücklich neben ihre Freundin fallen. Diese nickte mit dem Strohhalm im Mund. Kaum fünf Minuten später begann auch schon die Show.
Die beiden amüsierten sich sichtlich. Immer wieder wurde ihnen hier und da ein Lächeln oder Winken seitens des einen oder anderen Offiziellen geschenkt. Mike hatte das Eröffnungsmatch gegen R-Truth. Der selbsternannte Chickmagnet schenkte Nat ein umwerfendes Lächeln und diese errötete leicht. Nach knapp zehn Minuten stand der Sieger fest. Mike hielt den Arm triumphierend in die Höhe. Dann viel sein Blick wieder auf die Deutsche. Gekonnt kletterte er aus dem Ring und ging auf sie zu. Nat hatte sich zusammen mit Josie gegen Matchende an die Absperrung gestellt, um besser sehen zu können. Und dann tat The Miz etwas, was wohl alle für Teil seines Gimmicks hielten und Nat nie erwartet hätte. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. Vor allen Leuten. Nat stieg die röte ins Gesicht und als sich ihre Lippen lösten schaute sie den Mann aus Ohio fragend an. Dieser lächelte nur und strich ihr noch eine Strähne aus dem Gesicht, bevor er sich auf den Rückweg zur Umkleide machte. Josie musste Nat zweimal in die Seite stoßen, damit sie wieder auf die Erde zurückkam. Schließlich wurde das nächste Match angesagt und die beiden gingen nach dem Hereinkommen der Aktiven zurück zu ihren Plätzen.
Jeff, der ein Tag Team Match mit seinem Bruder Matt gegen Carlito und Primo hatte, kam auf sie zu und drückte jeder ein Küsschen auf die Wange. Dies sorgte bei den umstehenden weiblichen Fans nicht unbedingt für wohlwollende Blicke, doch die Mädchen ignorierten das und freuten sich auf das Match. Schließlich endete auch dieses und es wurde eine zwanzigminütige Pause durchgesagt. Josie und Nat verkrümelten sich nach Draußen, aßen eine Kleinigkeit und stockten ihren Getränkevorrat wieder auf. Kaum hatten sie diese bezahlt, hörten sie auch schon den Gong, der die Pause beendete. Sie beeilten sich wieder auf ihre Plätze zu kommen. Als sie sich setzten hörten sie auch schon die Stimme von Justin Robert:" The following contest is sheduled for one fall. Intodrucing first from Los Angeles, California, weighing 220 lbs, he is one half of the world tag team Champions, the Shaman of Sexy, John Morrison."
John betrat in üblicher Manier die Rampe und bahnte sich den Weg zum Ring. Die beiden Mädchen mussten zugeben, dass seine Erscheinung mit all der Arroganz schon etwas hatte. Grinsend stellten sie fest, dass da doch ein kleines Zwinkern in seinen Augen war, als er an ihnen vorbei ging. Noch immer kichernd vernahmen sie erneut Justins Stimme: „And here is his Opponent. From Whispering Pines, North Carolina, weighing 175 lbs., The Reject, Shannon Moore." Kaum ausgesprochen erklang Shannons Musik. Josie wurde schlagartig ernst und auch Nat schaute unsicher zu der Jüngeren. „Na das kann ja spannend werden."
Das Match begann wie gewohnt. Ein Kurzes Abtasten, erste Angriffsversuche. Dann verlief alles wie schon so oft. Einmal dominierte der Eine, einmal der Andere. Plötzlich stieß Josie Nat in die Rippen. Diese lies ein „Au" verlauten und wandte den Blick von dem Match ab.
„Sag mal, ist dir auch schon aufgefallen, dass Shannon die Schläge voll durchzieht? Da, schau. Direkt auf die Nase." Josie legte die Stirn in Falten. Nat nickte und schaute wieder zum Ring. Auch sie hatte gemerkt, dass der Prince of Punk oft recht hart zu schlug.
Das Match näherte sich seinem Ende und nach einem sauberen Moonlight Drive stand John Morrison, sich immer noch die Nase haltend, als Sieger im Ring. Kurz nahm er die Hand vom Gesicht, drückte diese aber, nachdem er das Blut gesehen hatte, schleunigst wieder auf die Nase. Shannon war bereits Richtung Backstage unterwegs. John feierte noch wenige Minuten und machte sich dann ebenfalls auf den Rückweg.
In der Umkleidekabine angekommen, suchte er auch schon nach seinem Gegner. Diesen fand er in einer Ecke sitzend und sich umziehend.
„Hey Man, was sollte das. Du Idiot hast mir fast die Nase gebrochen. Bist du verrückt geworden?" Johns Stimme klang durch das Blut leicht verändert. Doch die Wut war trotz des Näselns immer noch heraus zu hören. Shannon blickte in das blutverschmierte Gesicht seines Kollegen. „Ich…sorry man, so stiff wollte ich nicht zu schlagen." Shannon wich einen Schritt zurück und hob die Hände.
„Moore verdammt, ich kann dich ja fast verstehen. Aber da läuft nichts verfickt noch mal! Du brauchst deine verdammte Wut nicht an mir aus zu lassen. Regel das mit ihr aber lass mich daraus. Ich schwöre dir, wenn dass noch einmal so abläuft, wie heute gibt es wirklich Ärger!" John schien immer noch nicht beruhigter.
„Man John. Mach halb lang. Ja sorry, kommt nicht wieder vor. Aber dann lass auch die Finger von ihr, verdammt noch mal!" Shannon wurde allmählich auch wütend. Mit blitzenden Augen funkelte er den Tuesday Night Delight an. Dieser grinste plötzlich. „Wenn du diese Energie auch mal auf sie konzentrieren würdest, dann wird es vielleicht auch mal was."
Shannon schaute etwas verwirrt, muss dann aber ebenfalls grinsen. Er kannte John schon so lange, dass er nicht ewig sauer auf ihn seien konnte. Schließlich tat er dass, was Männer nach einem Streit tun. Er lud den, sich Watte in die Nase steckenden Kollegen auf ein Bier ein. Dieser grinste nickend und folgte dem Blonden in den Cateringbereich.
Während dessen neigte sich die Show dem Ende zu. So gerne die Mädchen dem Geschehen noch weiter zu sehen wollten wussten sie, dass wenn sie jetzt nicht gingen, sie keine Bahn mehr bekommen würden. Schwatzend verließen sie die Halle und trafen Draußen auf ihre Freunde. Marc und Katrin hatten anscheinend die gleiche Idee. Die beiden waren vor der Show noch die Stadt erkunden gegangen und waren deshalb alleine zur Show gefahren. Auch waren sie in der Nähe des Entrance gesessen und den beiden Andern nur aus der Ferne zu gewunken. Tatsächlich erwischten die Vier gleich die erste Bahn und kamen kurz darauf am Hotel an. Nach kurzer Absprache verabredeten sie sich in der Bar und eilten auf die Zimmer, um sich frisch zu machen. Keine zehn Minuten später saßen sie auch schon in der Bar zusammen und analysierten wie gewohnt die Veranstaltung, die Blicke immer mal wieder auf den gut sichtbaren Eingang gerichtet.
„Sag mal, der Moore hat aber ganz schön zu gelangt." Marc blickte Josie etwas unsicher an.
„Ja, ist uns auch aufgefallen. Aber das Match war nicht übel." Nat hatte sich über die Karte gebeugt und inspizierte die Cocktails. Kaum hatte sie sich entschieden, kam auch schon ein Kellner und nahm ihre Bestellungen entgegen. Sie bestellten und quatschten munter weiter. Während der Analyse des Matches Big Show gegen The Great Khali trafen auch die Wrestler im Hotel ein.
„Sollen wir gleich noch was trinken?" Jeff verlies zusammen mit Shannon den Bus. Dieser dachte kurz nach und nickte dann. Gemeinsam gingen sie durch die Drehtür und Jeff entdeckte sofort den Tisch mit den Deutschen. „Komm lass uns kurz Hallo sagen."
Shannon schaute seinen Freund nur ungläubig an, doch dieser war bereits unterwegs. Der Prince of Punk überlegte noch einmal, wandte sich jedoch ab und ging zu den Fahrstühlen.
„Na Leute? Wie fandet ihr die Show?" Jeff hatte sich kurzerhand einen Stuhl geschnappt und sich zwischen Marc und Katrin nieder gelassen.
„War super. Die Stimmung war wirklich klasse." Katrin grinste und der Rest nickte zustimmend. Jeff stieg ohne umschweife in die Analyse der Matches ein. Es dauerte nicht lange, bis sich verschiedene Wrestler zu ihnen gesellt hatten. Schließlich mussten sie an einen größeren Tisch umziehen, damit alle Platz hatten. Hier und da wurden sie von Fans unterbrochen, die noch ein Autogram ihres Stars ergattern wollten. Mike hatte sich hinter Nat gesetzt und flüsterte ihr unentwegt Dinge ins Ohr, die sie grinsen ließen. Josie versuchte es gar nicht zu verstehen, da sie wusste, die Freundin würde es ihr ohnehin erzählen. Auch John Morrison, Brian Kendrick, die Edgeheads und Edge selbst hatten ihre Plätze am Tisch gefunden. Matt hatte sich mit einem „Sorry aber bin müde" schon verabschiedet. Nach einer guten halben Stunde viel Jeff Shannons Abwesenheit auf. Er entschuldigte sich kurz und ging nach Draußen, um seinen Freund anzurufen. Es dauerte geschlagene fünfzehn Minuten und etliche dumme Sprüche um ihn zu überzeugen, herunter zu kommen. Schließlich hatte er es geschafft und wenig später, sah er am Tisch sitzend, wie der Prince of Punk aus dem Fahrstuhl stieg. Auch Josie hatte dieses bemerkt und widmete sich konzentriert ihrem Getränk. Shannon zog noch einen Stuhl zum Tisch und lies sich zwischen seinen Kollegen auf diesen Fallen. „Wie wäre es mit einer Runde Shots?" Der Blonde schaute fragend in die Runde. Natürlich erntete er keine Ablehnenden Worte.
Der Kellner brachte mittlerweile die vierte Runde Jägermeister und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Selbst Shannon riss einen Witz nach dem anderen und Jeff fuchtelte beim Erzählen bereits wild mit den Händen. Josie war inzwischen etwas ruhig geworden. Sie beugte sich zu ihrer Freundin, die eigentlich gerade mitten im Gespräch mit Mike war, herüber und flüsterte ihr „Toilette" zu. Diese blickte erst etwas verwirrt, nickte dann und stand auf.
„Sweety, wo willst du denn hin?" Mike schaute sichtlich entrüstet.
„Wir sind mal kurz auf Toilette aber gleich wieder da." Grinsend fuhr sie dem Amerikaner durch die Haare, die er natürlich sofort wieder zu richten versuchte. Etwas verwirrt bemerkten die Mädchen, das Shannon von ihrem Gehen keine Notiz nahm. Auf der Toilette angekommen schaute Nat die Jüngere fragend an.
„Er ignoriert mich. Er ignoriert mich völlig." Josie lies sich auf einen Toilettensitz fallen. Nat musste grinsen. „Na, da ist doch was. Also gefühlsmäßig mein ich."
Josie zuckte mit den Schultern und schaute zu Boden. „Es nervt mich, dass er mich ignoriert."
„Glaub ich dir, Süße. Also hast du ihm doch schon verziehen?" Mitfühlend legte Nat der Freundin die Hand auf den Arm.
„Natürlich. Und zwar schon längst. Aber vielleicht hätte ich ihn nicht so lange zappeln lassen sollen." Josie blickte immer noch auf die weißen Kacheln am Boden.
„Na dann musst du ihm das zeigen, Süße. Hilft ja sonst nichts." Nat hatte die Arme in die Hüften gestützt und schaute etwas belustigt.
„Ist nicht witzig" Josie hatte schließlich ihren Blick bemerkt.
„Sorry, aber es ist irgendwie süß, wie schwer ihr Beide es euch macht." Nat schüttelte den Kopf. Josie jedoch, zuckte wieder mit den Schultern. „Ich glaub, ich geh schlafen. Bringt ja alles nichts und Feierlaune hab ich eh nicht mehr. Du kannst aber gerne noch unten bleiben."
„Bist du sicher" Die Ältere runzelte die Stirn.
„mhm. Du und Mike seit echt süß zusammen." Die Stimmung der Deutschen erhellte sich etwas.
„Ach, der ist ein Dummschwätzer. Weiß aber immer noch nicht, wo ich bei ihm dran bin." Nats Blick hatte einen verträumten Ausdruck angenommen.
Josie lächelte und küsste die Freundin auf die Wange. „Nacht Mäuschen. Und ich erwarte, dass du morgen früh in unserem Bett aufwachst."
„Natürlich, du kennst mich doch." Nat zwinkerte.
„Eben!" Josie winkte noch kurz und machte sich auf den Weg zu den Fahrstühlen. Nat setzte sich wieder zu der Sitzgruppe. Etwas verwirrt schaute sich Shannon um.
„Josie war müde und ist ins Bett gegangen." Nat schaute in die Runde und versuchte den fragenden Blick von Shannon zu ignorieren. Dieser seufzte aber Jeff hatte sich bereits zu ihm rüber gebeugt und ihm etwas zu geflüstert, was ihn grinsen lies. Nat war etwas verwirrt. Shannon war wie ausgewechselt. Es schien ihm kaum etwas aus zu machen, dass Josie gegangen war. Hatte er wirklich jedes Interesse an der Kleinen verloren? Aber schon verlangte Mike wieder nach ihrer Aufmerksamkeit.
Die Stunden vergingen wie im Fluge und es war bereits fast sechs, als Nat das Zimmer betrat. Josie schlief tief und fest. Noch schnell stellte die Ältere den Wecker ihres Handys und legte sich neben die leise atmende Freundin. Kaum hatte sie die Augen geschlossen, klingelte auch schon der Wecker. Jedenfalls kam es der Deutschen so vor. Seufzend erhob sie sich. Jedes mal wurde sie etwas trübselig, wenn eine Tour zu ende ging. Josie ging es ebenso. Auch sie blickte etwas betrübt. Schweigend machten die Mädchen sich fertig. Die Geschehnisse der letzten Nacht würden bis zur Heimfahrt warten müssen.
Pünktlich um halb zehn standen die vier Deutschen vor dem Hotel. Einige Wrestler waren bereits in die wartenden Busse gestiegen. Gerade hatte sich Jeff umschwinglich von ihnen verabschiedet und den Beiden noch schnell Matts E-Mail Adresse aufgeschrieben. Er selbst hatte ja keine. Nat schaute sich um und erblickte The Miz. Dieser gab gerade einem Tourguide seine Koffer. Auch er schaute sich um und erwiderte ihren Blick. Stumm und ausnahmsweise nicht grinsend ging er auf das Mädchen zu. „Wir sehen uns doch wieder?"
Nat nickte und wunderte sich selbst, wie gern sie den Mann aus Ohio doch hatte.
„Ich ruf dich an. Versprochen." Zärtlich drückte er ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Du hast doch gar nicht meine Nummer." Etwas verunsicherte schaute das Mädchen den Wrestler an. Dieser grinste schief und hauchte ein „Danke noch mal" in Josies Richtung. Diese musste lachen und zuckte unter dem strafenden Blick von Nat zusammen. „Meine Rache."
„Na gibt wohl Schlimmeres." Nat konnte das Grinsen nicht länger verbergen. Ein letztes Mal schloss Mike sie in die Arme, bevor er sich noch von den anderen Dreien verabschiedete und schließlich im Bus verschwand. Bevor sie sich über den gut aussehenden Chickmagnet unterhalten konnten, sahen sie auch schon Shannon Moore aus dem Hotel kommen. Eine Traube Autogrammjäger stürzte auf ihn zu und belagerten den Wrestler. Dieser gab geduldig Autogramme und lies Fotos von sich machen. Schließlich waren alle bedient, sein Koffer verstaut und er schon fast im Bus. Dann sah er die Deutschen und kam doch auf sie zu. Mit einer Umarmung verabschiedete er sich von Katrin, gab Marc einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter und zog Nat an sich. „Danke noch mal für alles."
„Ach, hat ja leider anscheinend alles nicht so hingehauen." Nat flüsterte und versuchte darauf zu achten, dass die neben ihr stehende Freundin nicht alles mitbekam. Diese schaute jedoch zwanghaft in die andere Richtung.
„Trotzdem Danke." Shannon gab ihr einen Kuss auf die Wange und löste schließlich die Umarmung. Dann drehte er sich zu Josie. „Ähäm, na dann Wiedersehen."
Das Mädchen schaute ihm nach, bis er kurz vor dem Einsteigen war. Dann schüttelte sie den Kopf. „Shannon!"
Dieser drehte sich überrascht um und ging zögernd ein paar Schritte auf das Mädchen zu. Diese hatte sich ebenfalls in Bewegung gesetzt und ging ihm entgegen.
„Hast du nicht etwas vergessen?" Die Deutsche schaute ihn mit großen Augen an. Der Wrestler blickte noch verwirrter zurück. „Was sollte ich denn vergessen haben?"
„Na das." Josie schlang die Arme um den Hals des verdutzten Mannes und küsste ihn. Shannon war zuerst etwas schockiert, erwiderte dann den Kuss. Es dauerte Minuten, bis die Beiden sich wieder von einander lösten.
„Es tut mir leid, ich…" Doch Josie kam nicht weiter. Shannon lächelte, schüttelte den Kopf und küsste sie erneut. Wieder vergingen Minuten bis schließlich die Stimme eines Tourguides den Kuss unterbrach. Shannon müsse los, man verpasse noch den Flieger. Josie schaute in die Augen des Mannes, der ihr gerade eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. „Du musst wirklich los, oder?"
Shannon nickte und drückte sie noch einmal an sich. Als er sich gerade umdrehen wollte, fasste Josie ihn am Arm. Schweigend drückte sie ihm einen Zettel in die Hand. Er faltete das Papier auseinander und erkannte einige Ziffern darauf. Grinsend steckte er den Zettel mit der Telefonnummer in die Hosentasche und fuhr Josie ein letztes Mal über die Wange, bevor er unter den wütenden Worten des Securitys in den Bus geschoben wurde.
