Chapter 14 (Überraschung in der Dunkelheit)

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Bellas Sicht

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Als Edward sich verabschiedete und mein Zimmer verließ, war ich immer noch nicht überzeugt, dass sie die Ärzte überlisten konnten. Wie sie wohl reagieren würden, wenn sie bemerkten, dass er gar kein Blut mehr hatte. Aber soweit würden die Cullens es nicht kommen lassen. Sie mussten um jeden Preis ihr Geheimnis bewahren. Notfalls würden sie einfach verschwinden.

Ich schluckte. Das hieß, dass sie mich hier lassen mussten. In meinem Zustand konnte ich nirgends hin.

Der Gedanke war schrecklich und ich schüttelte meinen Kopf, um ihn zu vertreiben. Edward würde mich nie alleine lassen. Er hatte versprochen, bei mir zu bleiben.

In meinem Kopf drehte sich alles noch vom Schütteln und ich versuchte, den Raum wieder gerade sehen zu können und nicht schief und wackelig.

Eine Schwester kam herein und prüfte meine Werte auf den Monitoren.

Scheinbar war mein Zustand sehr schlimm gewesen, den ganzen Vorsichtsmaßnahmen und dem distanzierten Verhalten des Krankenhauspersonals zu urteilen. Und Edwards erleichterten Gesichtsausdruck, als ich wach war, konnte man einfach nicht beschreiben.

Wieder musste ich an ihre derzeitige Lage denken.

"Könnten Sie mir vielleicht sagen, wie es Edward Cullen geht? Er sollte untersucht werden."

Die Schwester sah mich an und beim Klang seines Namens leuchteten ihre Augen.

"Das ist doch der junge Mann mit den bronzenen Haaren, nicht wahr? Der, der zu diesem blonden Arzt gehört…"

Sie blickte in den Raum und ihre Gedanken schienen in weite Ferne zu rücken.

Das gesamte Krankenhaus musste die Cullens bereits kennen.

"Entschuldigung. Meine Frage?" unterbrach ich ihre Tagträumerei etwas entnervt und sie sah mich an, als hätte ich nie eine gestellt.

"Wie geht es Edward?" erinnerte ich sie.

"Oh. Dr. Mandels untersucht ihn gerade, soweit ich weiß." Bei dem Gedanken daran seufzte sie und betrachtete wieder unbekannte Szenen vor ihrem geistigen Auge.

Normalerweise hätte ich mich darüber aufgeregt, dass sie direkt vor mir von Edward träumte, doch was sie sagte, schob die Sorge wieder in den Vordergrund. Das durften sie nicht.

Ich warf mir die Decke vom Leib und sprang aus dem Bett. Allerdings viel zu schnell, sodass ich aus Versehen den Tropf aus meiner Haut riss.

Der dumpfe Aufprall, als ich zu Boden fiel, weckte die Schwester wieder auf.

Erschrocken kam sie auf mich zu. "Was machen Sie denn da? Sie dürfen nicht aufstehen."

Ich stöhnte und rieb mir die Stirn. Von dem Blut an meiner Hand würde mir schwindelig und es drehte sich wieder alles.

Widerwillig ließ ich mich von ihr zurück ins Bett helfen. Sie war immer noch wütend.

"Was denken Sie sich dabei? Warten Sie hier. Ich hole schnell etwas für die Wunde."

Hastig ging sie aus dem Zimmer. Ich unterließ einen weiteren Versuch, aufzustehen. Sehr weit würde ich nicht kommen und kriechen hätte auch nichts gebracht.

Der Geruch des Blutes machte mich fast wahnsinnig und ich versteckte meine Hand unter der Bettdecke, um ihn zu ersticken.

Die Schwester war schneller als erwartet wieder da. Sie zog meine Hand hervor, reinigte sie und klebte mir ein riesiges Pflaster auf die Stelle.

Was jetzt kam, hatte ich bereits erwartet und ich kniff meine Augen zusammen, als sie die Nadel des Tropfes in eine andere Stelle wieder in meine Haut stach. Der Stich war einfach nur widerlich.

"Das kommt davon", tadelte sie mich und sah mich missbilligend an. "Vielleicht sollte ich Bescheid sagen, dass Sie Gefahr laufen, das Zimmer auf eigene Faust zu verlassen."

Wollte sie vor meinem Zimmer jemanden hinstellen, der Wache hielt, als wäre ich ein Schwerverbrecher?

"So ein Quatsch. Ich werde schon nicht wieder versuchen, herumzulaufen. Ich komm wahrscheinlich eh nur bis zum Fußende des Bettes."

"Wohl wahr." Sie lachte und durch ihren Mundschutz klang es erstickt.

Dann wandte sie sich zum Gehen als sie fertig war, drehte sich aber noch einmal um.

"Und ich kann mich darauf verlassen, dass Sie liegen bleiben?"

"Ja."

Als sie die Tür hinter sich schloss, war ich froh, alleine zu sein und dachte wieder über Edward nach. Dass er bereits untersucht wurde, gefiel mir gar nicht. Ich lauschte angestrengt, um eventuelle Schreie zu hören, wenn sie mitbekamen, dass er nicht normal war.

Bis jetzt war allerdings alles ruhig.

Plötzlich überkam mich die Müdigkeit wie ein Schlag.

Hatte die Schwester mir etwa, ohne dass ich es mitbekommen hatte, ein Beruhigungsmittel gespritzt? Kein Wunder, dass sie sich mit meiner Antwort zufrieden gegeben hatte.

Ich fluchte innerlich, bevor mich der Schlaf endgültig übermannte.

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Schreie waren auf dem Flur zu hören, als ich wach wurde, und Leute liefen durcheinander.

Aus Neugier stand ich vorsichtig auf und schlich zur Tür. Ich öffnete sie einen spaltbreit und lugte durch den Schlitz.

Krankenschwestern und Ärzte liefen panisch hin und her und schrieen immerzu etwas unverständliches. Ich schaute weiter hinaus und sah plötzlich Edward mitten im Flur stehen.

Er hatte seine Arme zum Schutz gehoben. Einige standen vor ihm mit Skalpellen und Besen, die sie zu Kreuzen geformt hatten. Einer der Ärzte hatte eine Taschenlampe auf ihn gerichtet - und dachte wahrscheinlich, dass es das Sonnenlicht ersetzen konnte - und war geschockt, dass das Licht seine Wirkung verfehlte. Ein anderer rannte an mir vorbei auf ihn zu, ein abgebrochenes Stuhlbein mit der Spitze nach vorn in seine Richtung haltend.

"Nein!" schrie ich und lief ihm hinterher um ihn aufzuhalten. Ich sprang ihm auf den Rücken und bohrte meine Finger in sein Gesicht. Er schrie auf und wirbelte herum, um mich abzuschütteln.

"Bella!"

Als ich durch die Luft geschleudert wurde, fing mich Edward noch rechtzeitig auf, bevor ich an die Wand knallte. Blitzschnell drehte er sich, als der Arzt mit dem Stuhlbein wieder angerannt kam und es Edward in den Rücken stieß. Sein Gesicht verzog sich vor Schmerzen und er sackte auf die Knie. Ich verstand seine Reaktion nicht und sah über seine Schulter. Das Holz steckte tief neben seinem linken Schulterblatt. So tief, dass die Spitze mit Sicherheit sein Herz getroffen hatte. Das war unmöglich. Kein Mensch konnte einem Vampir etwas anhaben. Wieso also?

"Edward?!" Panisch sah ich ihn an und Tränen stiegen mir in die Augen.

"Ja?"

Seine Stimme war ruhig und jetzt bemerkte ich, dass ich immer noch in meinem Krankenbett lag und er neben mir, den Arm um mich geschlungen.

Nur wieder ein Traum.

Es war dunkel draußen. Nur die Stadtlichter fielen ins Zimmer.

Ich setzte mich rasch auf und fiel gleich wieder zurück, weil mir schwindelig wurde.

Edward fing mich auf und legte mich sanft zurück.

"Ganz ruhig. Du bist noch nicht ganz fit."

Mir war relativ egal, wie es mir ging. Ich hatte ganz andere Sorgen.

"Was… Du wurdest doch untersucht und sie wollten dir Blut abnehmen. Wie bist du da wieder herausgekommen?"

Er grinste. "Das ist eine lange Geschichte."

"Wie es aussieht, scheine ich eine Menge Zeit zu haben", gab ich bissig zurück. Ich fand das Ganze nicht sehr lustig.

"Na ja, Carlisle hat etwas Blut aus dem Labor entwendet, während Esme, Rosalie und Emmett die Ärztin abgelenkt haben, bevor sie mich untersuchen konnte."

Er kicherte leise.

"Und was ist daran so witzig?"

"Die Ärztin war völlig überfordert mit uns. Carlisle bestand darauf, mich zu untersuchen, doch sie wollte das unbedingt selbst machen."

Das konnte ich mir gut vorstellen. Die Erinnerung an die Krankenschwester von heute Nachmittag reichte dafür aus.

"…Und letztendlich ist sie ohnmächtig geworden."

Ich hob eine Augenbraue. "Wie dicht bist du ihr denn gekommen?"

"Oh. Eigentlich ga nicht so weit. Aber sie kam in den Genuss, fünf Cullens in ihrer Nähe zu haben." Wieder kicherte er.

"Davon wird man doch nicht ohnmächtig."

"Ja, aber sie hat sich vorher schon total fertig gemacht, als sie immerzu daran dachte, mich endlich zu untersuchen und wir letztendlich bis zum Entkleiden kamen."

Ich riss die Augenbrauen hoch. "Wie bitte!?"

Er streichelte mir beruhigend meine Wange. "Schh… Keine Sorge. Ich hab nur mein Oberteil ein wenig hochgehoben. Mehr nicht. Als sie dann vor Carlisle stand und er ihr tief in die Augen sah, da gab ihr Bewusstsein ganz auf und sie kippte einfach weg."

Irgendwie tat sie mir Leid. Gleich beim ersten Mal auf so viele Cullens zu treffen, ihren Duft zu riechen, ihre honigsüßen Stimmen zu hören und dann auch noch die volle Intensität ihres Blickes zu spüren, musste berauschender sein als die stärkste Droge.

"Die arme Frau." Auch wenn ich mit ihr mitfühlen konnte, musste ich bei dem Gedanken grinsen.

"Es war ganz gut, dass das passiert ist. Schließlich bin ich einer verrückten Ärztin entkommen." Er schüttelte sich, als er das sagte.

"Was ist?"

"Ach nichts. Ich hab mich nur an etwas erinnert."

Sein Lächeln war weich und warm und seine hellbraunen Augen leuchteten beruhigend, während er mir ein paar Strähnen aus dem Gesicht strich und seine Hand auf meiner Wange verharrte.

"Sag mal, wie haben die anderen denn die Frau abgelenkt?"

Er lachte leise. "Emmett ist über einen Stein gestolpert und Rosalie hat sich benommen, als wäre er von einem Auto überfahren worden. Und dann ist sie durchs ganze Krankenhaus gerannt, um die Ärztin zu holen, wo es doch hier überall nur so von denen wimmelt…"

"Sie ist einfach mit ihr mitgekommen?"

"Nein. Rose hat sie mitgeschleift. Keiner kann einem Vampir entkommen." Er grinste.

Die Frau musste wirklich einiges durchgemacht haben. Ich dachte ein wenig darüber nach, dann fiel mir auf, dass Edward keine Maske trug.

"Und sie lassen dich einfach so wieder zu mir?"

"Nein. Eigentlich darf ich das gar nicht. Ich stehe unter Beobachtung, bis sie das Blut analysiert haben. Mein Zimmer ist gleich nebenan. Ich hab mich heraus geschlichen, sobald es dunkel wurde. Als wenn ich mir von ein paar Menschen verbieten lassen würde, dich zu sehen."

Bei seinem spöttischen Blick musste ich lächeln.

Eine Weile schwiegen wir, während Edward ununterbrochen mein Gesicht berührte. Ich nahm seine Hand, schloss meine Augen und sog seinen verführerischen Duft ein.

"Wie geht es dir jetzt?" fragte er ernst.

"In diesem Augenblick bestens", nuschelte ich in seine Handfläche.

Einer seiner Mundwinkel zog sich nach oben. "Und ansonsten? Deine Temperatur ist nämlich noch etwas hoch."

Ich öffnete meine Augen und sah ihn an. Sorge war wieder in seinem Gesicht zu lesen.

"Ja. Ein bisschen warm ist mir. Und ich fühle mich etwas schwach, aber das wird schon."

Er lächelte und strich mir dann gedankenverloren über meine Haare.

"Ich habe wirklich Panik bekommen, als du da am Boden gelegen hast… Und als sich herausgestellt hat, dass du Grippe hast, da… Na ja, ich konnte mir nicht erklären, wie es möglich war, dass du sie aus der Vergangenheit mitgebracht hast. So was ist schließlich noch nie passiert. Aber bei dir ist ja immer alles anders als erwartet. Ich hab wirklich gedacht, du würdest genauso enden wie ich."

"Ist ja noch mal gut gegangen", sagte ich, um seine traurige Stimmung zu heben und er lächelte tatsächlich ein wenig. "Ja. Gott sei Dank." Er beugte sich zu mir und küsste mich sanft auf die Stirn.

Als er sich wieder zurücklehnte, betrachtete er das riesige Pflaster auf meiner Hand.

"Und was ist da schon wieder passiert?" Er klang jetzt etwas amüsiert.

"Ich hab mir den Tropf aus Versehen abgerissen, als ich hinter dir herlaufen wollte. Eine Krankenschwester meinte, sie würden dich bereits untersuchen."

"Und du wolltest sie aufhalten."

"Natürlich."

"Bella…" Er nahm meine Hand und presste seine kühlen, steinharten Lippen auf das Pflaster.

"Kann ich dich mal was fragen?"

Er hob eine Augenbraue.

"Du hast doch alles in Katrinas Gedanken gesehen, nicht wahr?"

"Ja…"

"Ich meine das mit der Vergangenheit. Was da alles passiert ist."

"Worauf willst du hinaus?" Seine Ungeduld wurde langsam spürbar.

"Ich wollte wissen, ob… also, ob das früher wirklich so bei dir war mit den arrangierten Ehen", stammelte ich und sah ihn dabei nicht an.

Er grinste, da war ich mir sicher. "In etwa ja."

Ich starrte ihn mit offenem Mund an und er sah mir beruhigend in die Augen. "Ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern, aber ich hab mich, glaube ich, nie für jemanden interessiert. Wenn du allerdings aufgetaucht wärst, wäre es wahrscheinlich genauso gewesen, wie du es erlebt hast."

Er streichelte meinen Wangenknochen. "Ich muss zugeben, auch wenn ich Kate für die ganze Aktion immer noch umbringen könnte, fand ich die Erinnerungen schön. Natürlich nicht alle. Den Tod meiner Eltern noch einmal zu sehen… Und dann dich, wie du gelitten hast, als ich krank war…"

Ich kuschelte mich an ihn und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. "Tut mir Leid, dass du das alles noch mal sehen musstest."

"Schon in Ordnung. Es ist lange her", sagte er, als er seinen Arm um mich legte und mich noch fester an sich zog.

"Aber die Nacht, in der du dich neben mich ans Klavier gesetzt hast… Die fand ich wirklich schön."

"Danach hast du mal wieder Reißaus genommen", nuschelte ich vorwurfsvoll in sein Hemd.

Er lachte gequält. "Ja. Das muss wohl eine meiner Angewohnheiten sein, immer erst einen Fehler zu machen, bevor ich weiß, was das Richtige ist."

"Eine ziemlich dämliche Angewohnheit."

Er legte einen Finger unter mein Kinn und hob meinen Kopf ein wenig. Die Wucht seines Blickes traf mich mal wieder und mein Gesicht brannte vor Aufregung.

"Jetzt bist du aber wieder sicher in der Gegenwart und ich werde dich nicht mehr verlassen", sagte er mit einer Entschlossenheit, die mein Herz anschwellen ließ, dann legte er sanft seine kühlen Lippen auf meine.

Das Piepen der Monitore wurde schneller und noch bevor mein rasender Pulsschlag die Hitze in meinen ganzen Körper strömen lassen konnte, löste sich Edward bereits wieder von mir.

"Viel zu kurz", schmollte ich schwer atmend unter seinen Lippen, die meine immer noch fast berührten.

Er lachte leise. "Du bist noch viel zu schwach. Ich will das nicht überstrapazieren." Dann küsste er mich auf die Stirn und zog meinen Kopf wieder an seine Brust.

"Ruh dich ein wenig aus."

"Ich will aber nicht schlafen", protestierte ich, doch Edwards Stimme war eisern.

"Je schneller du wieder gesund wirst, desto eher können wir wieder nach Hause."

Das erinnerte mich an etwas.

"Weiß Charlie eigentlich, dass ich im Krankenhaus bin?"

Er zögerte.

"Edward?"

"Nein, weiß er nicht. Ich hoffe immer noch, dass sie dich entlassen, bevor wir zu spät wieder in Forks sind."

"Wieso hast du's ihm nicht erzählt?" wollte ich wissen, auch wenn ich froh war, dass er es nicht getan hatte. Charlies übertriebene Sorge - die wenigen Male, in denen er sie zeigte - konnte ich am wenigsten gebrauchen.

Wieder zögerte Edward mit der Antwort.

"Ich… hatte Angst, er würde dann die Hochzeit abblasen."

Ich schnaubte. Der Grund war völlig absurd, auch wenn Charlie ihm vielleicht wirklich die Schuld für meine Krankheit geben würde.

"Als wenn mein Dad mich davon abhalten könnte, dich zu heiraten."

"Mag sein, aber mir ist es sehr wichtig, dass er damit einverstanden ist."

"Der ewige Gentleman aus dem vergangenen Jahrhundert…" Ich seufzte. Ich wusste, dass es ihm ernst war. Schließlich wollte er immer alles perfekt haben.

Er lachte leise und gab mir einen Kuss auf die Haare. "Und jetzt schlaf, meine Bella."

Ich hörte, wie er leise die Melodie meines Schlafliedes mit seiner samtenen Stimme summte - es kam mir vor wie eine Ewigkeit, seit ich es das letzte Mal gehört hatte - und ich gähnte, bevor ich langsam in den Schlaf fiel, während Edward mir ununterbrochen sanft über den Rücken strich.

Eigentlich war mein Traum diesmal angenehm.

Ich saß auf einer Decke unter einem Baum und ich hatte wieder diese Kleider von 1918 an. Neben mir lag Edward. Er schlief und die Sonnenstrahlen ließen sein Gesicht leicht erröten.

Es war der menschliche Edward und der Anblick seines friedlichen Gesichtes gab mir den Impuls, meine Hand zu heben und ihm vorsichtig seine weichen, rotbraunen Haare zur Seite zu streichen. Er regte sich und sog die Luft ein. Als er die Augen aufschlug und mich ansah, lächelte er. Ich verlor mich im Leuchten der grünen Farbe.

Er setzte sich auf und rückte dichter zu mir, um mir liebevoll einen Kuss zu geben. Ich erwiderte ihn und so vergingen ein paar Minuten, bis er sich wieder sanft von mir löste und mir lächelnd in die Augen sah.

Wir wurden von einem wütenden Schreien unterbrochen. Edwards Vater kam mit puterrotem Kopf zu uns gerannt und starrte uns entgeistert an.

"Was machst du da? Heute ist deine Hochzeit! Willst du Katrina etwa sitzen lassen?"

Katrina? Ich sah ihn erschrocken an, doch er achtete nicht auf mich, sondern funkelte nur seinen Vater an.

"Ich habe gesagt, dass ich ablehne. Warum musstest du ihnen wieder zusagen?"

Die Augen von Mr. Masen wurden schmal. "Weil ihre Familie eine gute Partie ist. Und jetzt komm!"

Er zog Edward am Arm und riss ihn auf die Beine.

"Hey!" protestierte er und riss sich wieder los. Sein Vater sah ihn wütend an und Edward war plötzlich überrascht, als er an Mr. Masen vorbeiblickte.

Ich folgte seinem Blick und sah Katrina etwas abseits stehen, im Brautkleid und mit tränenüberströmten Gesicht. Sie schaute entsetzt zu Edward und kam langsam und mit entgegen gestrecktem Arm auf ihn zu.

Ich erhob mich ebenfalls und stellte mich neben ihn. Er nahm meine Hand und drückte sie sanft.

Auf einmal änderte sich Katrinas Gesichtsausdruck. Keine Traurigkeit war mehr zu erkennen. Stattdessen war jetzt Wut darin. Eiskalte Wut, die mir einen Schauder über den Rücken laufen ließ. Sie nahm Edward gar nicht mehr wahr, sondern starrte nur mich an und kam auf mich zu.

Edward knurrte sie an.

Wie konnte er als Mensch knurren? Mir fiel auf, dass es realer klang als der Rest des Traumes.

Ich öffnete meine Augen. Es war immer noch dunkel draußen, was mich vermuten ließ, nicht sehr lange geschlafen zu haben.

Das Knurren kam definitiv aus Edwards Brust. Er hatte sich aufgerichtet und starrte wütend zur Tür. Ich erhob mich ein wenig und sah in die gleiche Richtung. Ich musste schlucken.

Dort standen Tanya und Katrina.