Disclaimer:
Nichts
an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das
Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich
in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das
Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber
ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu
posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel
„Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen
(denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man
sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe
eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine
Frage im Review bei mir erhalten.
Kapitel 3 – in dem Mr. Darcy verwirrt ist
„Mochtest du ihn, Lizzy?"
„Wen?"
„Mr. Bingley." Jane errötete bei der Erwähnung seines Namens.
„Oh, er ist sehr liebenswert, sehr charmant und liebenswürdig. Ich erlaube dir, ihn zu mögen, wenn du das meinst", sagte Elizabeth mit einem verschmitzten Lächeln. „Du hast schon Dümmere gemocht."
„Aber Lizzy!" Die Schwestern verließen den Weg und setzten sich unter einen großen Baum, sodass die Sonne auf ihre Gesichter schien.
„Du bist einfach zu bereitwillig, die Leute zu mögen, weißt du", tadelte Elizabeth sie gut gelaunt nach einer kurzen Zeit. „In deinen Augen ist die ganze Welt liebenswürdig und gut. In meinem ganzen Leben habe ich dich noch von keinem Menschen Schlechtes sagen hören."
Jane lachte. „Ich sage immer das, was ich denke, Lizzy."
„Was das ganze noch viel bewundernswerter macht!"
„Hast du die Blume gesehen, die er für mich gemacht hat?" Jane drehte ihren Kopf etwas zur Seite, um die zarte rosarote Rose zu zeigen, die sie in ihr Haar gesteckt hatte. „Sie schien auf einmal aus dem Nichts aufzutauchen! Und sie hat seit Samstag noch nicht die geringsten Anzeichen gezeigt, zu welken. Ich bin geneigt zu denken, dass sie auch nicht in nächster Zeit welken wird."
„Sie ist wirklich wunderschön. Aber ist es nicht noch viel zu früh, um Geschenke zu machen? Mama wird ganz außer sich sein, wenn sie erfährt, dass sich die Dinge innerhalb einer so kurzen Zeit so schnell entwickelt haben." Elizabeth lächelte, als ihre Schwester anfing zu lachen und fuhr dann mit gespielter Ernsthaftigkeit fort: „Aber ich hoffe doch sehr, dass du nicht tatsächlich denkst, dass die Rose aus dem Nichts aufgetaucht ist. Nichts kann einfach so auftauchen, das hat Papa uns schon beigebracht, bevor wir überhaupt reden konnten."
„Natürlich nicht, Lizzy! Ich bin mir sicher, er hatte sie irgendwo versteckt, aber es ist doch entzückend zu denken, dass sie einfach so aus dem nichts aufgetaucht ist. Das verringert in keinem Fall meinen Respekt für seine magischen Fähigkeiten, die ja, wie er bewiesen hat, sehr beachtlich sind."
„Mr. Bingley ist jetzt bestimmt der angesehendste Zauberer, der jemals einen Fuß nach Hertfordshire gesetzt hat! (Ob er nun dieses Lob verdient haben mag oder nicht.) - Aber Jane, du weißt doch, dass ich dich nur aufziehe. Ich bin mir sicher, er ist exzellent in dem was er tut. Von Mr. Darcy aber bin ich schwer enttäuscht."
„Mr. Darcy! Du musste mir vergeben, Lizzy, wenn ich etwas Schlechtes sage, aber ich bin nicht geneigt, ihn zu mögen. Nicht nach seiner Kränkung dir gegenüber." Janes hübsche Gesichtszüge wurden von einem uncharakteristischen Stirnrunzeln bedeckt.
„Nur als annehmbar angesehen zu werden ist eine der schlimmsten Beleidigungen und ich hätte von einem in den Zaubererkreisen so angesehenen Mann mehr erwartet. Aber es gibt wohl auch Kreise, in denen Männer wie er – arrogant und unangenehm – geachtet werden. Sein Talent muss er erst noch unter Beweis stellen. Obwohl ich eher geneigt bin, zu denken, dass es geringer ist, als es gemunkelt wird." Elizabeth nickte entschlossen mit dem Kopf.
„Wie unangenehm der Mann auch immer sein mag, es bringt seine Fähigkeiten doch nicht in Verruf. In der Tat hat Mr. Bingley zu zahlreichen Anlässen nur mit dem größten Respekt von ihm gesprochen." Jane stand auf und strich die Blätter von ihrem Kleid.
„Mr. Bingley ist sein Freund und es ist deshalb nur natürlich, dass er ihm den höchsten Respekt entgegen bringt. Fürs erste werde ich dir glauben, Jane und versuchen, nicht ganz so schlecht von ihm zu denken. Allerdings", lachte sie, als sie sich bei ihrer Schwester einhakte und sie gemeinsam zum Haus zurück gingen, „denke ich nicht, dass er Lust haben wird, mit Mädchen ohne magischen Fähigkeiten zu tanzen, die von anderen Männern sitzen gelassen wurden. Du wirst mich nicht überzeugen können, so gut von ihm zu denken."
Obwohl er sich anstrengte, konnte Mr. Darcy die Vorkommnisse vom Samstag Abend doch nicht so schnell vergessen. Er war verwirrt von so vielen Dingen, die er einfach nicht in Worte fassen konnte. War dort wirklich ein Bereich in dem überfüllten Saal gewesen, der geschützt gewesen war vor all den wilden Zaubersprüchen? Warum hatten ihn die Zauber, auf die er sich seit seiner Kindheit verlassen hatte, besonders der, der dafür sorgte, dass er niemals stolperte, wenn auch nur für einen kurzen Moment im Stich gelassen? War das wegen der Ecke gewesen? Oder war jemand im Saal gewesen, der mit den Zauberern anderer Leute herumpfuschte? Er erinnerte sich an das Lächeln der jungen Frau, die ihn ausgelacht hatte und seine Verwirrung wuchs. Bingley war dabei nicht wirklich eine Hilfe.
„Bist du dir sicher, dass Miss Elizabeth nicht zaubern kann?", fragte Darcy so beiläufig wie möglich beim Frühstück am nächsten Morgen.
Bingley lachte. „Machst du dir immer noch Gedanken über deinen unglücklichen Stolperer?"
„Das war kein Stolpern, ich stolpere nicht."
„Charles, Mr. Darcy wäre wohl kaum aus eigenem Antrieb gestrauchelt. Jemand muss etwas angestellt haben." Caroline hob vorwurfsvoll ihre Augenbrauen, aber Bingley schüttelte nur den Kopf.
„Niemandes Zauber, nicht einmal deine, Darcy, sind unanfällig für die kleinsten Problemchen", entgegnete Mr. Bingley. „Miss Elizabeth hat keinerlei magische Fähigkeiten. Ich habe es von Miss Bennet selbst und ich habe gehört, dass die beiden sich sehr nahe stehen. Du bereust jetzt, dass du nicht mit ihr getanzt hast, so wie ich es dir empfohlen habe. In der Tat wird dich jetzt wohl die ganze Gesellschaft verachten!"
„Hertfordshires freundliche Gefühle für mich – oder der Mangel an ihnen – interessieren mich nicht. Was mich interessiert, ist-"
„-das Loch in dem Raum, wo es keine Magie zu geben schien? Ich habe den höchsten Respekt vor dir, Darcy, aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es war der frische Windhauch von dem Fenster und nichts weiter. Das hast du selbst gesagt."
Mr. Darcy war etwas verärgert, auch weil er es nicht gewohnt war, dass irgendwer ihm widersprach, aber er konnte nicht anders als die Logik hinter den Aussagen seines Freundes zu erkennen. Was Bingley gesagt hatte, war wahr. Man hatte versucht, solche Löcher zu schaffen, war aber nie erfolgreich gewesen. Er entschloss sich, diesen ganzen unglücklichen Zwischenfall – und Miss Elizabeth – einfach zu vergessen.
Die nächste geplante Zusammenkunft war ein Abend bei den Lucas', ein kleines und vertrauliches Abendessen mit anschließendem Kartenspiel. Die angedeutete „kleine" Abendgesellschaft erwies sich jedoch als eine viel größere, weil die Miliz vor kurzem in Meryton stationiert worden war und Sir William sich gezwungen gesehen hatte, alle Offiziere ebenfalls einzuladen. Dort geschah es auch, dass Mr. Darcys Vorsatz, den vorangegangenen Ball einfach zu vergessen, beträchtlich ins Wanken geriet, denn die erste Person, auf die beim Betreten des Raumes sein Blick fiel, war Miss Elizabeth. Sie stand keine 20 Fuß von ihm entfernt und sprach mit ihrer Schwester, Miss Bennet, und der ältesten Miss Lucas. Sogar aus der Entfernung konnte er sehen, wie das Licht ihre Haare und Augen zum Funkeln brachte. Zunächst betrachtete er sie nur, um Fehler bei ihr zu finden, aber schon bald fühlte er sich dazu hingezogen, sie besser kennen zu lernen.
Kaum hatte er sich selbst und seine Freunde davon überzeugt, wie wenig bemerkenswert ihr Gesicht war, da begann er zu entdecken, dass es durch den strahlenden Ausdruck ihrer dunklen Augen ungewöhnlich intelligent erschien. Dieser Entdeckung folgten einige andere, ähnlich demütigende. Obgleich er nämlich mit kritischem Auge mehr als eine Unregelmäßigkeit in dem Ebenmaß ihrer Züge festgestellt hatte, musste er zugeben, dass ihre Figur schlank und graziös war; und trotz seiner Behauptung, ihr Benehmen sei nicht das der großen Welt, zog ihn ihre liebenswürdige Ungezwungenheit an. Von all dem merkte sie gar nichts; für sie war er nur der Mann, der überall Anstoß erregte und der sie zum Tanzen nicht hübsch genug fand.
Er hörte einen dramatischen Seufzer neben sich, drehte sich um und sah, wie Miss Bingley ihn anlächelte. „Ein weiterer langer Abend liegt vor uns, Mr. Darcy", begann sie, „und wie ich sehe, hat Charles schon wieder die beste Gesellschaft für sich selbst eingenommen."
Mr. Darcy sah auf und entdeckte, dass sein Freund mit einer Diskussion mit der ältesten Miss Bennet beschäftigt war. Er schaute sich kurz um und entdeckte dann ihre Schwester, die immer noch mit der ältesten Miss Lucas sprach.
„Was finden Sie so interessant, Sir?", fuhr Caroline fort und versuchte herauszufinden, worauf Darcy geblickt hatte, aber er hatte sich schon wieder ihr zugewandt.
Er dachte einen kurzen Moment nach und antwortete dann mit einem leichten Lächeln: „Ich habe über das Vergnügen nachgedacht, das zwei schöne Augen im Gesicht einer hübschen Frau hervorrufen können."
Miss Bingley tat so, als schnappe sie nach Luft. „Bitte, sagen Sie mir doch, welche Frau Sie zu dererlei Gedanken inspiriert hat, denn ich finde es schwierig zu glauben, dass es eine wirkliche Schönheit in diesem Raum gibt, wo er doch so vieles mit Zaubereien aufgebläht ist."
Mr. Darcy versicherte ihr, dass dieses – obwohl es in einigen Fällen sicher zutraf – bei Miss Elizabeth Bennet nicht der Fall war.
„Miss Elizabeth Bennet", sagte Caroline mit leichtem Spott. „Wann, bitte, darf ich Ihnen gratulieren?"
„Das ist genau die Frage, die ich von Ihnen erwartet hatte. Die Phantasie einer Frau arbeitet mit ungeheurer Geschwindigkeit."
„Nun, wenn Sie es so ernst meinen, Mr. Darcy, betrachte ich die Angelegenheit als endgültig. Sie werden eine ganz besonders reizende Schwiegermutter haben, die natürlich ständig bei Ihnen auf Pemberley sein wird. Und Ihre Kinder, da bin ich mir sicher, werden ganz außergewöhnlich begabt sein – obwohl, ich vergas! - ihre Mutter besitzt ja keinerlei magische Fähigkeiten."
Mr. Darcy ertrug ihre Lästereien mit Gleichgültigkeit und sogar etwas Belustigung, aber schließlich ließ er wieder seinen Blick wieder auf der besagten Dame ruhen und meinte: „Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das wahr ist."
„Oh", sagte Caroline mit einer wegwerfenden Handbewegung, „es ist die reine Wahrheit. Ich traf mich mit den Damen von Longbourn zum Tee und ich kann Ihnen versichern, dass Miss Elizabeth nicht magischer ist als dieser Sessel hier – ohne sie natürlich damit beleidigen zu wollen. Wir können nichts dafür für das, was wir sind."
Mr. Darcy ließ seinen Blick wieder zu Carolines leicht errötetem Gesicht wandern. „Nein", sagte er langsam, „das können wir in der Tat nicht."
„Mr. Darcy sieht dich sehr häufig an, Lizzy", sagte Miss Lucas mit einem Lächeln. „Können wir deine eigene Hochzeit kurz nach der deiner Schwester erwarten?"
Elizabeth konnte den Drang, mit den Augen zu rollen, nicht unterdrücken. „Ich kann mir nicht vorstellen, warum er in unsere Richtung gucken soll, es sei denn, um etwas zu finden, was er kritisieren kann. Er ist wirklich sehr unsympathisch."
„Er mag zwar unsympathisch sein, aber ihr gleicht euch bestimmt in Talent und Erziehung – und er ist nicht arm, was ihn noch begehrenswerter macht." Charlotte Lucas war mit ihren 27 Jahren immer noch unverheiratet. Sie war nicht sonderlich hübsch, obwohl das violette Kleid an diesem Abend ihren Teint sehr gut zur Geltung brachte. Mit Elizabeth verband sie trotz der unterschiedlichen Ansichten über die Ehe eine enge Freundschaft.
„Ich bin mir sicher", lachte Elizabeth, „dass Mr. Darcy mir in jeder Hinsicht überlegen ist. Seine Bildung werde ich niemals erreichen können-"
„Entwerte nicht die Arbeit deines Vaters, Lizzy", schalt Charlotte sie.
„-und in Hinsicht auf Talent könnten wir uns niemals gleichen, da ich – wie du sehr wohl weißt – nicht zaubern kann!"
Charlotte schmunzelte und wollte etwas erwidern als besagter Gentleman plötzlich hinter ihnen das Wort erhob.
„Sie können nicht zaubern?" Beide Damen sprangen überrascht auf und sahen einen ernst dreinblickenden Mr. Darcy.
„Ist es eine Angewohnheit von Ihnen, Mr. Darcy, die Gespräche anderer Menschen zu belauschen?", sagte Elizabeth etwas verärgert.
Mr. Darcy zeigte Anzeichen einer Schamesröte, aber vielleicht kam das auch nur von der Hitze in dem überfüllten Raum. „Als ich hier vorbei ging, konnte ich leider nicht umhin, Ihre Bemerkung mit anzuhören. Diese Frage hat mich schon länger beschäftigt, schließlich kam mir der Ruhm Ihrer Familie schon vor meiner Ankunft in dieser Grafschaft zu Ohren."
„Der Ruhm über meinen überaus talentierten Vater und meine Schwester und über einen gewissen Liebestrank, den meine Mutter besitzt?" Elizabeth und Charlotte lachten, während Mr. Darcys Gesichtsausdruck teilnahmslos blieb. „Eigentlich sollte ich an der Bedeutung Ihrer Worte Anstoß nehmen, Mr. Darcy. Ich nehme an, dass erzählt wird, meine Familie sei talentiert und jeder wundert sich, warum ich es nicht bin."
Mr. Darcy beeilte sich, sich zu entschuldigen. „Es war nicht meine Absicht, Sie zu beleidigen oder unhöflich zu sein."
„Als ein Mann der Forschung", sagte Charlotte, „nehme ich an, dass Sie sich für die Weitergabe von magischen Fähigkeiten innerhalb von Familien interessieren." Mr. Darcy verneigte sich.
Elizabeth hob selbstsicher eine Augenbraue. „In diesem Fall werde ich sagen (um Ihre Forschungen zu unterstützen), dass ich – wie ich Miss Lucas mitteilte – nicht zaubern kann. Sind Sie damit zufrieden?"
Als Antwort verneigte sich Mr. Darcy erneut, aber anstatt fortzugehen (was Elizabeth sich sehr wünschte), drehte er sich um und blieb neben ihnen stehen. Elizabeth war verstimmt und konnte dies nur mit Mühe verbergen. Die Unterhaltung schien zu einem Stillstand gekommen zu sein und so beobachteten die drei, wie die Personen im Raum umherliefen – bis schließlich die jüngste Miss Bennet, Lydia, Mary überredete, einen Tanz am Klavier zu spielen. Als sich die Paare in einer Reihe aufstellten, gesellte sich Sir William zu Mr. Darcy.
„Ein hübsche Vergnügen für die jungen Leute, nicht wahr, Mr. Darcy!"
„Sir?"
„Der Tanz! Ich halte ihn für einen der ersten Errungenschaften jeder kultivierten Gesellschaft", fügte Sir William mit einem großen Lächeln hinzu.
„Und jeder weniger kultivierten Gesellschaft", warf Mr. Darcy ein. „Jeder Wilde kann tanzen." Elizabeth musste mit sich kämpfen, um ein Lächeln darüber zu unterdrücken.
„Ihr Freund tanzt ausgezeichnet", fuhr Sir William fort, als er sah, dass Mr. Bingley mit Miss Bennet zu der Gruppe getreten war. „Und ich zweifle nicht daran, dass auch Sie ein Kenner auf diesem Gebiet sind! Meine liebe Miss Eliza", rief er, als er sie zum ersten Mal erblickte, „warum tanzen Sie nicht? Mr. Darcy, erlauben Sie mir, Ihnen diese junge Dame als eine sehr begehrenswerte Partnerin vorzustellen."
Elizabeth war peinlich berührt. „Ich habe nicht die mindeste Absicht zu tanzen, Sir. Ich möchte keineswegs den Eindruck erwecken, eines Partners wegen hierher gekommen zu sein."
Mit beherrschtem und angemessenem Anstand bat Mr. Darcy sie um die Ehre ihrer Hand, aber umsonst. Elizabeth war entschlossen.
„Dabei tanzen Sie so ausgezeichnet, Miss Eliza, dass es grausam wäre, mir das Vergnügen zu rauben, Ihnen zuzusehen. Und obwohl dieser Herr im allgemeinen nicht gerne tanzt, wird ihm doch nichts ausmachen, uns eine halbe Stunde lang einen Gefallen zu tun.
„Mr. Darcy ist überhaupt ein sehr höflicher Mensch", sagte Elizabeth lächelnd.
„Das ist er, aber bei so viel Liebreiz, meine liebe Miss Eliza, braucht uns seine Gefälligkeit nicht zu verwundern – wer würde schon eine solche Partnerin ausschlagen?"
Elizabeth blickte schelmisch und wandte sich ab. Ihre Widerspenstigkeit hatte ihr bei Mr. Darcy nicht geschadet, aber es ließ seine Gedanken zurück an dem Abend des Balles wandern und verwirrte ihn für den Rest des Abends.
Caroline und Louisa hatten sich darauf verständigt, dass sie Jane Bennet zum Tee einladen mussten. Es gab keine andere Möglichkeit. Sie hatten sie zu einem reizenden Mädchen erklärt und ihr Bruder hatte das als Ansporn genug sehen, von ihr zu denken, was er wollte. Es schien, als habe er sich entschlossen, dass er sie sehr mochte.
Sowohl Caroline als auch Louisa drängen Mr. Darcy, ein für alle Mal herauszufinden, ob Charles sich unter dem Einfluss irgendeines Zwangs oder Zaubers befand. Und obwohl es ihm doch Kummer bereitete, musste Mr. Darcy erklären, dass er keinen Fehler bei Miss Bennet hatte finden können, außer der Tatsache, dass sie ihm zu viel lächelte. Charles empfand Triumph, seine Schwestern Resignation. Sie verbrachten einige Zeit mit der Frage, ob sie sie zum Tee oder vielleicht nicht doch besser zu einem Spaziergang einladen sollten. Am Ende wies Louisa darauf hin, dass sie genügend Zeit bräuchten, um (unauffällig) alle ihre Verbindungen herauszufinden. Sie ging sogar so weit, anzudeuten, dass sie – obwohl sie nur ein Mädchen vom Land war – doch die Tochter eines Gentleman war und deshalb vielleicht doch keine so schlechte Partie. Caroline ließ sich zwar nicht für einen Moment davon überzeugen, verfasste jedoch den Brief und stellte sicher, dass die Herren zum Abendessen mit den Offizieren ausgingen.
„Ich weiß, dass das eine Enttäuschung für sie sein wird", sagte Caroline mit so viel Bedauern, wie sie aufbringen konnte, „aber ich kenne einfach keinen anderen Weg, um sie ganz für uns zu haben."
Die beiden Schwestern schienen sich schon fast auf Janes Besuch zu freuen – da sie wirklich keine anderen Ideen hatten, was sie sonst machen sollten. Dennoch hoffte Caroline am Tag des geplanten Besuchs, als es anfing heftig zu regnen, dass sie vielleicht doch nicht kommen würde. Alle Hoffnung war jedoch umsonst, denn Jane erschien zu Pferd, tropfnass und mit unmodischer Pünktlichkeit.
Einige Minuten – mindestens fünfzehn – wurden damit verbracht, viel Aufhebens um das arme Mädchen zu machen und weitere zehn Minuten vergingen, um trockene Kleidung für sie zu finden. Schließlich konnten die Damen sich endlich zu Tisch setzen, woraufhin dann die Befragung begann. War Jane sehr magisch? - sie war nicht dieser Ansicht. Aber andere? - Diese neigten zu Übertreibungen. Und wünschte sie sich, sie können häufiger in London sein? - Sie könne ihren Onkel und ihre Tante besuchen, wann immer sie wollte. Und wo lebten diese? -
„In der Gracechurch Street", sagte Jane fast ohne zu erröten. „Mein Onkel und meine Tante sind sehr angesehene Zauberer in diesem Bezirk."
Caroline brachte ein steifes Lächeln zustande und Louisa wisperte: „Ist das in Cheapside?" Die Befragung war vorbei. Die beiden Schwestern hatten alle die Informationen, die sie benötigten und sie waren sehr zufrieden. Miss Bennet kam gar nicht in Frage, trotz ihrer persönlichen Anziehungskraft. Ihre Verbindungen waren einfach zu entsetzlich.
Das Essen kam zu einem schnellen Ende und Jane schien die Veränderung im Verhalten ihrer Gastgeberinnen gar nicht bemerkt zu haben. Sie bemühten sich, höflich zu sein, aber konzentrierten ihre Unterhaltung jetzt mehr auf das Wetter und die neueste Mode. Sie waren sehr eifrig, Miss Bennet Anweisungen zu geben und diese war sehr glücklich, ihre Ratschläge zu erhalten (obwohl es doch sehr unwahrscheinlich war, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Hause sofort damit beginnen würde, neue Kleider anfertigen zu lassen).
„Teestunde, denke ich. Miss Bennet, schließen Sie sich uns an?", kündigte Caroline sehr überraschend an und sie begleiteten sie in einen kleineren Salon mit Massivstühlen mit grünem Samtüberzug. „Setzen Sie sich, Jane, und haben Sie es bequem?"
Jane hatte es nicht wirklich bequem, aber sie versicherte ihnen schnell, dass sie es war. Behaglichkeit war ja – trotz allem – eine relative Sache. Caroline begann, Tee zuzubereiten.
„In London mache ich so etwas natürlich niemals selber", erklärte Caroline, „aber hier auf dem Land dachte ich mir, dass ich doch die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens mehr zu schätzen lernen sollte. Meinen eigenen Tee zubereiten, Blumen pflücken und so weiter. Es ist in der Tat sehr erfrischend. Stimmst du mir da nicht zu, Louisa?"
Louisa schaute etwas verwirrt drein, sagte aber schnell: „Natürlich, meine Liebe."
Caroline reichte Jane eine dampfende Teetasse. „Bitte sagen Sie mir, ob sie es mögen?"
Jane hielt den Tee für sehr bekömmlich und teilte dieses auch mit: „Das ist genau das richtige, um mich nach so einem regnerischen Nachmittag aufzuwärmen", sagte sie lächelnd.
Die Unterhaltung wurde fortgeführt, bis schließlich gegen 8 Uhr abends, als Jane auf einmal begann, grünen Rauch zu husten.
Caroline bemerkte es als erste. „Miss Bennet? Geht es Ihnen gut?"
Jane, die immer blasser wurde und mehr und mehr Rauch aushustete, war nicht mehr in der Lage, zu antworten. Sie versuchte, als Bestätigung zu nicken, wurde davon aber abgehalten, als sie plötzlich in Ohnmacht fiel.
AN: Ja, was ist denn da mit Jane passiert??
