Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.
AN: Ich weiß, ich bin mehr als eine Woche zu spät Schande über mein Haupt, aber ich muss mich noch mit meinem neuen inter-abiturientia-Leben zurecht finden. Eine Prüfung habe ich noch, Donnerstag und dann bin ich frei. Es tut mir leid, sorry, aber RL hat Vorrang... :-/
Kapitel 6 – Ungewöhnlicher Schriftverkehr
Der nächste Morgen war regnerisch und trüb. Elizabeth war früh aufgestanden, da sie die Absicht gehabt hatte, einen kleinen Spaziergang über das Anwesen zu machen, und saß jetzt in ihrem Zimmer fest (denn sie wollte nur nach unten gehen, wenn es absolut notwendig war). Jane war in der Nacht einmal aufgewacht, hatte gemurmelt, dass sie außergewöhnlich müde war und war dann sofort wieder eingeschlafen. Elizabeth musste sich mit der Tatsache abfinden, dass sie einen weiteren Tag auf Netherfield verbringen würde, sollte Jane nicht plötzlich erwachen und wieder vollkommen genesen sein.
Caroline und Louisa kamen gegen 10 Uhr hinauf in das Krankenzimmer, um nach der Patientin zu sehen und um Elizabeth nach unten zum Frühstück einzuladen. Trotz ihrer offensichtlichen Abneigung gegenüber Elizabeth, kümmerten sich die beiden Schwestern einige Minuten um Jane und ordneten an, dass ein Tablett mit Tee und Brötchen in das Zimmer gebracht werden sollte, für den Fall, dass Jane aufwachen sollte und hungrig sein würde. Elizabeth bedankte sich für die Freundlichkeit, aber nicht ohne vorher heimlich das Frühstück auf mögliche magische Inhalte zu untersuchen. Da sie nichts schädliches feststellen konnte, sah sie sich gezwungen, mit den beiden nach unten zu gehen und Jane weiter schlafen zu lassen.
Die Gesellschaft hatte sich gerade zum Essen gesetzt, als Elizabeths Mutter angekündigt wurde. Mrs. Bennet betrat gefolgt von ihren drei Töchtern ohne ein Gefühl von Verlegenheit den Raum. Sie bestand darauf, Jane sofort zu sehen, bedankte sich übermäßig für Mr. Bingleys Gastfreundschaft und war demonstrativ unfreundlich zu Mr. Darcy. Mrs. Bennet war eine Frau mit geringer Einsicht, die sich folglich einbildete, ein die Persönlichkeiten von Menschen gut beurteilen zu können. Mrs. Bennet dachte von sich, dass sie sich nur selten irrte. Ein Mann wie Mr. Bingley, der so liebenswürdig und zudem auch noch an einer ihrer Töchter interessiert war, konnte man in ihren Augen gar nicht genug loben. Aber ein Mann wie Mr. Darcy – der seinem Ruhm nicht gerecht wurde – und der Mrs. Bennets Anforderungen nicht erfüllen konnte, konnte man nicht zu wenig Lob zukommen lassen.
Die drei jüngsten Miss Bennets sagten nur sehr wenig, aber zeigten sich ehrfürchtig angesichts der Pracht, die Netherfield zu bieten hatte. Sie zogen es vor, im Frühstückszimmer zu bleiben, anstatt mit ihrer Mutter und Elizabeth nach oben zu gehen. Mr. Darcy stellte mit großer Belustigung fest, dass Elizabeth alle ihre Zauber zunichte machte, bevor sie den Raum verließ – obwohl er sich sicher war, dass sie wusste, dass so unbedeutende Sprüche auf ihn und Mr. Bingley keinerlei Einfluss haben würden.
Caroline zog es vor, Elizabeth und Mrs. Bennet ins Krankenzimmer zu begleiten, anstatt in der Gesellschaft von drei so jungen Mädchen zu bleiben. Der Besuch war nur kurz, denn Mrs. Bennet stellte rasch fest, dass Jane zu schwach war, um verlegt zu werden und kehrte schnell in das Frühstückszimmer zurück, um Mr. Bingley dieses sofort mitzuteilen.
„Ich versichere Ihnen, Madam", antwortete er mit dem größten Respekt, „dass Ihre Tochter nicht verlegt wird, bis sie sich ausreichend erholt hat."
„Mama, Jane schläft nur. Wenn sie wach ist, wäre es vielleicht ein besserer Zeitpunkt, den Stand ihrer Krankheit – oder das vollkommene Fehlen dieser – einzuschätzen. Wir könnten vielleicht schon diesen Nachmittag zurückkehren, wenn es ihr besser geht", flüsterte Elizabeth Ohr ihrer Mutter ins Ohr.
„Diesen Nachmittag schon! Ihr könnt unmöglich schon diesen Nachmittag heimkehren, es könnte sein, dass sich ihr Zustand während des Transport wieder verschlechtert! Außerdem wird die Kutsche nach unserer Rückkehr für den Rest des Tages anderweitig gebraucht", antwortete Mrs. Bennet, während sie Platz nahm.
„Unsere Kutschen stehen Ihnen zur Verfügung, Miss Elizabeth, wann immer Sie diese brauchen", bot Caroline schnell an.
„Ihre Tochter schwebt nicht mehr länger in Gefahr, Mrs. Bennet", fügte Mr. Darcy ernst hinzu. „Es wäre nicht unklug, sie zu verlegen, sobald sie wieder genügend Kraft erlangt hat."
Mrs. Bennet rümpfte ihre Nase. „Dr. Jones teilte mir mit, dass sie mehrere Wochen lang krank sein würde."
„Die Umstände haben sich– verändert", sagte Mr. Darcy mit einem Blick auf Elizabeth. „Ich kann persönlich bestätigen, dass alle Symptome, die der verhexte Tee verursacht hat, komplett verschwunden sind."
„Ich weiß, dass Sie ein sehr gebildeter Zauberer sind, Mr. Darcy", begann Mrs. Bennet, die Elizabeths Ziehen an ihrem Ärmel nicht zu bemerken schien, „aber ich bin mir sicher, dass Dr. Jones von diesen Dingen mehr versteht. Hertfordshire ist nicht so rückständig wie einige vielleicht denken mögen, egal was in London gesagt wird. Ich wage sogar zu behaupten, dass es hier Personen gibt, die talentierter sind als alle anderen! Denken Sie das nicht auch, Mr. Bingley? Meine Jane, zum Beispiel."
Mr. Bingley fehlten die Worte und Elizabeth flüsterte scharf: „Mama, Mr. Bingley kann ihr Talent wohl kaum nach so kurzer Zeit feststellen."
„Miss Bennet ist begabt", erwiderte Mr. Darcy, „aber Mrs. Bennet, Sie dürfen das Wissen und das Talent, das man in London oder auch woanders, wo es mehr Möglichkeiten für Studien und weitergehende Erziehung gibt, findet, nicht unterschätzen."
„Sie behaupten also, dass es diese Möglichkeit in Hertfordshire nicht gibt?", rief Mrs. Bennet.
„Mama, ich glaube, du missverstehst Mr. Darcy", beharrte Elizabeth.
„Ich missverstehe den Gentleman nicht, nicht wahr?" (Alle hielten Mrs. Bennets fragte für rein rhetorisch und antworteten deshalb nicht, weshalb sie einfach weiter redete.) „Mein Ehemann, mit dem Sie ja bekannt sind, ist wohl einer der größten Zauberer in der Geschichte dieses Landes."
„Mr. Bennets Arbeiten gehören zu den besten die es gibt", antwortete Mr. Darcy ernst und Bingley fügte rasch ein „In der Tat" hinzu, in der Hoffnung, seinen Gast so etwas zu beruhigen.
„Er hat nicht zufällig in letzter Zeit etwas neues veröffentlicht?", fragte Miss Bingley plötzlich. „Vielleicht innerhalb der letzten 20 Jahre?"
Elizabeths Wangen wurden rot vor Zorn, während in Mrs. Bennets die Schamesröte aufstieg. „Ich bin mir sicher, ich verstehe Sie nicht, Miss Bingley", antwortete Mrs. Bennet und wandte sich dann an Mr. Bingley: „Welch wundervolle Wandteppiche Sie haben. Ich haben den Leuten immer gesagt, dass Netherfield die schönsten der gesamten Grafschaft besitzt – wunderschönes Hertfortshire Kunsthandwerk eben. In der Tat, wenn Sie sich die Muster ansehen-"
Auf diese Art und Weise ging diese Unterhaltung für einige Zeit weiter, bis die jüngste Miss Bennet, Lydia, erwähnte, dass Mr. Bingley versprochen hatte, einen Ball zu veranstalten – worauf er antwortete, dass er das in Tat getan hatte und so weiter. Elizabeth ertrug das Verhalten ihrer Mutter bis zu deren Abschied mit so viel Zurückhaltung wie möglich. Zu ihrer großen Demütigung musste sie feststellen, dass sie nicht die einzige war, die vor Erleichterung aufatmete, als die Kutsche zurück nach Longbourn ratterte. Caroline und Louisa hielten sich danach nicht mehr lange in dem Frühstückszimmer auf, sondern entschuldigten sich, um „private Themen" zu diskutieren. (Aber Elizabeth konnte nicht umhin, zu vermuten, dass sie den Raum verlassen hatten, um über ihre Familie zu lästern.)
Jane erwachte endlich am späten Nachmittag, sie war zwar noch immer müde, fühlte sich aber erholt genug, um nach unten zu kommen und mit einer Decke am Feuer zu sitzen. Mr. Bingley war überaus aufmerksam. Seine warme Zuneigung war offenkundig für jeden im Raum, außer vielleicht für Jane, die zu bescheiden war, und für Mr. Darcy, der einen Brief schrieb und versuchte, Miss Elizabeth nicht anzusehen. Mit großer Freude nahm Jane das Angebot von Caroline nach Tee an und für einen kurzen Augenblick schien alles so, wie es sein sollte. Aber natürlich ist es immer so, dass dann in solchen Momenten etwas außergewöhnliches passiert.
„Also nun wirklich", rief Caroline, die mit Louisa auf einem Divan saß, einen Staple Briefe auf ihrem Schoß hatte und einen davon ins Licht hielt. „Ich verstehe kein Wort hiervon!"
Darcy und Bingley sahen schnell von ihren jeweiligen Tätigkeiten auf. Ihre schnell Bewegung fiel Elizabeth auf, die deshalb von ihrer Lektüre aufblickte.
„Wessen Brief ist das, Caroline?", fragte Bingley scharf.
Caroline hatte nicht die Möglichkeit zu antworten, denn Mr. Darcy hastete durch den Raum und riss ihr den Brief aus den Händen, kurz bevor er in Flammen aufging.
Louisa schrie auf und Caroline schnappte angesichts von Mr. Darcys wütendem Blick nach Luft.
„Wessen Brief war das, Caroline!", wiederholte Bingley erregt.
„Ich – ich – dachte es handele sich um eine Nachricht von einem Bekannten aus London", stotterte Caroline, die sich eine Hand an den Hals legte.
Mr. Darcy begann im Zimmer auf und ab zu gehen. „Deine Schwester geht zu weit, Bingley!"
Bingley sah seine Schwester entsetzt an. „Das war einer von Darcys Briefen! Caroline!"
Miss Bingley wurde rot. „Ich wusste nicht, dass er für ihn war, ich dachte-"
„Sie dachten?", schnappte Mr. Darcy.
„Ich bin mir sicher, es war alles nur ein Missverständnis", warf Jane ein, die erblasst war, weil sie sich sorgte, wenn irgendwer bekümmert war.
„Ein Brief, der an mich adressiert war – verzaubert natürlich, sodass kein anderer ihn lesen konnte und der sich selbst zerstören würde!" Mr. Darcy ging in Richtung Tür. „Das ist eine Sache, die ich einfach nicht ignorieren kann. Ich werde zurückkehren, Bingley, so schnell wie möglich. In der Zwischenzeit tätest du mir einen großen Gefallen, wenn du dafür sorgen würdest, dass Nachrichten, die an mich gerichtet sind, nicht in fremde Hände geraten – du weißt, wie wichtig das ist." Mr. Darcy schloss die Tür mit dem Anzeichen eines Knalls, ließ alle anderen mit fassungslosem Schweigen zurück, bis Caroline in Tränen ausbrach.
„Nun", begann Elizabeth, „du wirst mir vergeben, wenn ich sage, dass ich glücklich bin, dass wir so schnell wie möglich nach Hause zurückgekehrt sind." Sie und Jane saßen gemeinsam in Longbourns Salon, die einzige andere Person war ihr Vater (der so tat, als belausche er ihr Gespräch nicht).
„Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder daheim bin und nicht krank", stimmte Jane ihr zu.
„Ich weiß, dass du Mr. Bingleys ritterliche Gesellschaft vermisst, obwohl du es nicht zugeben willst."
„Du weißt, dass ich das nicht tun werde, Lizzy!"
„Glaubte ich nicht wirklich an die Aufrichtigkeit seiner Güte – und seiner Zuneigung zu dir! - würde ich dir raten, gar nicht an ihn zu denken, sondern vielmehr an seine Schwester. Eine lächerlichere Frau ist mir noch nie begegnet. Sie vergiftet Menschen mit verhextem Tee und öffnet persönliche Nachrichten an andere Leute!" Elizabeth lachte kurz auf. „Der arme Mr. Darcy mit seinen so wichtigen Angelegenheiten."
„Zweifelst du an der Ernsthaftigkeit seiner Angelegenheiten?", fragte Mr. Bennet.
„Mr. Darcy ist ein sehr ernsthafter Mann, Papa. Ich bin mir sicher, seine Angelegenheiten sind ebenso wichtig", sagte Elizabeth feierlich und ihr Gesichtsausdruck glich dabei so sehr dem von Mr. Darcy, das Jane lachte.
„Du magst ihn nicht", stellte Mr. Bennet fest. „Und ich kann es dir nicht übel nehmen. Er zeigt sich nicht wirklich umgänglich."
„Er ist viel zu selbstgefällig."
„Und doch", Mr. Bennet hob seine Augenbrauen, „hat er dein Geheimnis entdeckt."
„Besorgt dich das, Papa?", fragte Jane, ängstlich und blickte auf ihre Schwester.
Mr. Bennet seufzte. „Nein, derzeit nicht."
Elizabeth lachte erneut, aber beherrschte sich, als sie die ernsten Blicke von Mr. Bennet und Jane sah. „Ich gebe zu, ich habe nicht viel von Mr. Darcy gesehen, das mich tatsächlich einschüchtern würde. Aber Papa, wann vermag ich-"
Ihr Frage wurde durch den Eintritt von Mrs. Bennet, gefolgt von Mary, Kitty und Lydia, unterbrochen.
„Wir haben unglaubliche Neuigkeiten!", rief Kitty, die ihrer Mutter in einen Stuhl half.
Mrs. Bennet war atemlos und scheinbar sehr erschüttert. „Entsetzliche Neuigkeiten!", keuchte sie.
„Von der schlimmsten Sorte", betonte Lydia.
„Es gab einen weiteren Angriff", sagte Mary etwas gelangweilt. Mr. Bennet und seine beiden ältesten Töchter sahen sich alarmiert an.
„Wurde jemand getötet?", rief Jane.
„Oder gebrochen?", beeilte sich Elizabeth zu sagen, aber Lydia schüttelte nur heftig den Kopf.
„Oh nein! Das war alles nur gestellt, um den diebischen Hexenmeister in eine Falle zu locken!"
„Du und deine lächerlichen Namen!", spottete Elizabeth.
„Aber so wird er doch genannt, Lizzy!", protestierte Kitty.
„Niemand weiß, wer oder was es ist, ganz zu schweigen, ob es männlich oder weiblich ist", entgegnete Elizabeth. „Und ich verstehe nicht, was ihr mit einer Falle meint."
„Du bist so langweilig, Lizzy. Und wir werden dir nichts erzählen, wenn du so begriffsstutzig bist." Lydia verschränkte ihre Arme vor der Brust.
Aber Kitty konnte sich nicht zurückhalten. „Ich weiß keine Einzelheiten – es gibt nur das, was sie in den Zeitungen offenbaren, sagt jedenfalls Onkel Phillips – aber es sollte eigentlich von einer Miliz im Norden ausgeführt werden, in einer Stadt, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere-"
„-York", erklärte Mary.
„Genau, in York, aber anscheinend-"
„Anscheinend war schon jemand eher da und es gab einen fürchterlichen Kampf mit Funken und Blitzen und ganz viel Rauch!", beendete Lydia die Erzählung, weshalb Kitty sich schmollend zurückzog. Aber Lydia kümmerte sich nie darum, ob ihr etwas grollte oder nicht und fuhr fort: „Und niemand weiß, so der Dieb sein könnte und er wird wegen einer möglichen Verhaftung noch vorsichtiger sein."
Einen Moment lang waren alle still, bis Mrs. Bennet, die seit dem Beginn des Gesprächs still auf den Stuhl gesessen hatte, sprach. Sie war blass und ihre Stimme zitterte tatsächlich, als sie sich an Mr. Bennet wandte. „Glaubst du, es bestünde die Möglichkeit, dass uns etwas passieren könnte? Alle diese Angriffe überall im Land – und dann noch die Unruhen in Europa. Ich kann nicht anders, als mich um unser aller Leben zu sorgen!"
„Unsinn, Mrs. Bennet", lachte ihr Mann. „Der diebische Hexenmeister in Hertfordshire? Und was denkst du, wird er hier finden, um es zu seiner Sammlung hinzuzufügen? Schönheitszauber und Liebestränke, die nicht funktionieren? So große Stücke du auch auf unsere Grafschaft halten magst, ist es in den Augen eines solchen Zauberers eher ziemlich bedeutungslos."
Mrs. Bennet sah nicht wirklich beruhigt aus. „Stell dir vor, er käme, während wir schliefen und wir könnten nichts tun, um das zu verhindern! Wir könnten uns nicht verteidigen!"
„Es tut mir Leid, meine Liebe", sagte Mr. Bennet als er sich bequemer in seinem Sessel hinsetzte, „aber die Umständen sind nun einmal so, dass ich euch auf keinerlei magische Weise beschützen kann – ich würde euch bis zu meinem Tod verteidigen, wenn es denn sein müsste – aber du weißt um meine Beschränkung", er blickte einen Moment lang Elizabeth an. „In diesem Fall bist du vielleicht glücklich darüber, zu erfahren, dass ein weiterer Gentleman in Longbourn als unser Gast residieren wird. Vielleicht wirst du ihm gegenüber dann etwas einladender sein – obwohl ich nichts von seinen Stärken und Fähigkeiten weiß."
Alle sechs Frauen verlangten sofort zu erfahren, wer der Gentleman sei und was er mit ihnen zu tun habe.
„Es handelt sich um meinen Cousin, einen Mr. Collins – den Priester in einer Pfarrei in Kent, der euch, sobald ich tot bin, aus diesem Haus hinauswerfen kann, wann immer er Lust hat." Mr. Bennet konnte nicht umhin zu lachen angesichts der sofortigen Beteuerung von Verachtung von Seiten seiner Frau.
„Ich bitte dich um die Zusicherung unserer Sicherheit in diesen gefährlichen Zeiten und du erwähnst diesen schrecklichen Mann!"
„Wenn du seinen Brief lesen würdest, meine Liebe, würdest du vielleicht anders von ihm denken", sagte er.
Einige Minuten vergingen mit dem sorgfältigem Lesen des Briefs. Kitty und Lydia hielten ihn für den (vielleicht) langweiligsten Brief in der Geschichte der Menschheit. Es war völlig ausgeschlossen, dass ihr Cousin im roten Rock des Soldaten kommen würde und schon seit einigen Wochen hatte der Umgang mit Zivilisten für sie keinen Reiz mehr. Mary hielt seinen Stil für sehr elegant, Jane hoffte, dass er eine sichere Reise haben möge und Elizabeth mutmaßte von seinem Ton, dass Mr. Collins wohl ein komischer Kauz war.
Mrs. Bennet war widerwillig dankbar. Tatsächlich schien der Brief seinen Beitrag geleistet zu haben, um ihre Feindseligkeit etwas zu lindern. „Wenn er bereit ist, Abbitte bei meinen Töchtern zu leisten, werde ich die letzte Person sein, die ihn davon abhält."
Mr. Bennet lachte leise und blieb nur noch ein paar Minuten in dem Raum. Elizabeth bemerkte, dass er das Gespräch von dem neuesten Angriff auf ein weniger alarmierendes Thema gelenkt hatte – und sie hatte bemerkt, dass er beunruhigter war, als er es seine Frau sehen lassen wollte. Sie nahm sich vor, am nächsten Morgen mit ihm zu reden.
