Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.

Kapitel 7 – Mr. Wickhams Geschichte

Der Morgen war kühl, wabernder Nebel hatte sich auf den Boden gelegt. Elizabeth wanderte oft durch den Wald, der Longbourn umgab, noch bevor alle anderen auf waren und wenn das Licht kaum durch die Baumkronen schien. Sie erwartete nicht, dass sie jemandem begegnen würde – sie hoffte, dass sie einige Zeit für sich haben würde. Aber an diesem Morgen war es anders, denn als sie am Rand des Anwesens ankam, wurde sie von einer Bewegung in den Bäumen nur wenige Meter von ihr entfernt aufgeschreckte.

„Wer da?", rief sie etwas beunruhigt aus.

„Nein, mir antwortet: Steht und gebt Euch Kund!"(1), lautete die Antwort.

Elizabeth war überaus erstaunt. „Mr. Darcy?"

„Das ist nicht die richtige Antwort", sagte er, als er ins Freie trat. Er trug einen langen schwarzen Mantel und sein sonst immer makelloses Äußeres schien etwas zerzaust. Er strich sich das Haar aus den Augen.

„Ich verstehe Sie nicht", schnaubte Elizabeth. „Und ich verstehe nicht, was Sie hier machen."

Mr. Darcy sah verwirrt drein. „Tun Sie das nicht?"

„Nein."

„Dann ist es wohl das Beste, wenn ich es für mich behalte. Es ist nicht nötig, dass Sie alles wissen."

„Ich hatte gedacht, dass Sie sich nach Ihrer letzten Begegnung dort nicht noch einmal so weit in den Wald wagen würden." Elizabeth zog eine Augenbraue hoch, nachdem sie ihre Fassung teilweise wieder zurück erlangt hatte. Vor Mr. Darcy hatte sie keine Angst.

„Ich hatte gedacht, Sie wüssten, dass ein Zauberer nicht zwei Mal auf den gleich Trick herein fällt." Er machte eine kurze Pause. „Die richtige Antwort ist: Lang' lebe der König!"

„Die richtige Antwort auf was?"

„Meine Aufforderung eben."

„Dass ich stehen und mich kundgeben sollte?"

„Ich würde eher sagen, es ist eine Bestätigung für die Zugehörigkeit. In diesem Fall würden Sie sagen „Lang' lebe der König!" und ich würde antworten, indem ich Ihren Namen sage, worauf Sie sagen-"

„Mr. Darcy", Elizabeth schüttelte ungeduldig ihren Kopf, „ich verstehe nicht, wozu das führen soll."

„Haben Sie das Stück nicht gesehen?"

„Das Stück?"

Mr. Darcy richtete sich steif auf. „Ich verstehe. Ihr Vater weiß vielleicht Bescheid, vielleicht sollen Sie ihn fragen."

„Die meisten Menschen sind nicht so anmaßend und geben jemandem die Art der Begrüßung vor. Ich ging allein durch den Wald, der an mein Zuhause angrenzt. Ich hatte jedes Recht zu fragen, wer hier unbefugt eingedrungen war."

„Sie schelten mich dafür, dass ich alleine durch den Wald gehe, wo Sie dies doch selbst oft genug tun? Denken Sie, nur weil sie immun gegen Zaubersprüche sind, dass Ihnen nichts passieren könnte?", Mr. Darcys Stimme war kühler, jetzt wo die Sonne begann, den Frost auf dem Gras in Tautropfen zu verwandeln.

„Nicht in diesen Wäldern, Mr. Darcy", sagte Elizabeth und blickte sich mit sehr viel Vertrauen um. „Es ist hier sicher für mich, wenn ich alleine bin."

„Diese Wälder grenzen an die von Netherfield an. Ich entschuldige mich dafür, dass ich mich in die von Longbourn verirrt habe, dessen war ich mir nicht bewusst."

„Ein Zauberer verirrt sich niemals. Halten sie mich für so naiv, dass Sie denken, ich weiß das nicht?" Elizabeths Augen blitzten zornig auf.

„Das tue ich nicht."

„Dann müssen Sie zugeben, dass es einen Grund hatte, dass Sie so weit gewandert sind."

„Was auch immer meine Gründe sein mögen, wenn ich sie jetzt noch nicht verraten habe, hoffen Sie nicht, dass ich sie jetzt noch offen legen werde", schnaubte Mr. Darcy.

„Ich verstehe."

„Ich denke, das tun Sie nicht."

Elizabeth entschied sich, nicht zu antworten. Mit einem Knicks verabschiedete sie sich von dem Gentleman und begab nach hause zurück.


Bei ihrer Rückkehr nach Longbourn entdeckte Elizabeth, dass sich das ganze Haus in Aufruhr befand. Zwei Gäste saßen im Salon – ein erwarteter und ein unerwarteter – und beide hatten viel zu früh vorgesprochen als es allgemein als angemessen angesehen wurde.

Von dem gesamten Haushalt war nur Mary in der Lage, sie zu begrüßen.

„Es sind unser Cousin, Mr. Collins, und Mr. Bingley, Lizzy", sagte sie schnell. „Kommst du mit mir? Ich möchte nicht alleine bei ihnen sitzen."

Elizabeth antwortete, dass sie das natürlich tun würde. Beide Schwestern betraten den Salon und wurden kurz darauf von Mr. Bennet gefolgt, der gerade dabei war, seine Nachtmütze abzunehmen.

„Nun, Mr. Collins", lachte er, als beide Männer aufstanden, um ihn zu begrüßen, „ich weiß, warum Sie hier sind, aber ich kann mir den Grund für Mr. Bingleys Auftauchen zu so früher Stunde nicht ausmalen."

„Mr. Bennet", Mr. Bingley verbeugte sich rasch, „ich bin hier, um um Ihre Erlaubnis zu bitten, im Anbetracht der Angriffe in York weitere Schutzzauber zu ihrem Anwesen hinzuzufügen."

Mr. Bennet sah überrascht aus und wies alle an, sich zu setzen. „Natürlich werde ich Sie daran nicht hindern, Mr. Bingley. Aber was ist der Grund dafür, dass Longbourn solche Aufmerksamkeit erhält?"

Mr. Bingley errötete und stammelte dann schnell: „Ich entschuldige mich für mein so frühes Auftauchen – es ist ein Angebot, dass ich allen Häusern in der Nachbarschaft mache möchte. Gestern habe ich bereits die Sprüche an den Häusern der Pächter Netherfields verstärkt – und Ihr Haus war das erste, was mir in den Sinn kam. Ich möchte so schnell wie möglich anfangen, der Tag ist kurz und es gibt – noch weitere Häuser in der Nachbarschaft."

„Ich fühle mich geehrt, Mr. Bingley, dass Sie uns als erstes die Ehre erweisen, nachdem Sie sich ganz Ihrem Anwesen gewidmet haben. Obwohl ich natürlich vermute", sagte er mit einem Augenzwinkern, als Jane im Türrahmen erschien, „dass diese Entscheidung noch mit einem anderen Motiv im Hinterkopf gefällt wurde."

„Das ist nicht der Fall, das versichere ich Ihnen", stammelte Mr. Bingley.

In diesem Moment erschien der Rest des Haushalts in dem Salon. Mrs. Bennet tat es überaus leid, dass sie nicht in der Lage gewesen war, Mr. Bingley persönlich zu begrüßen und sie hoffte, dass er zum Frühstück bleiben möge. Zu ihrer großen Betroffenheit ließ er sich dazu aber nicht überreden. Nach ein paar sehnsüchtigen Blicken in Janes Richtung und etlichen Entschuldigungen für sein frühes Erscheinen, verabschiedete er sich, um sich sofort an die Arbeit zu machen."

„Nun!", rief Mrs. Bennet aus und ließ sich mit einem Seufzer in ihren Stuhl fallen. „Ich war mir so sicher, dass er gekommen war, um dir einen Antrag zu machen."

„Mama!", protestierte Jane.

„Sei nicht so bescheiden, meine Liebe, Mr. Bingley wird sicher-"

„Mama!", rief Elizabeth. „Ist dir Mr. Collins schon vorgestellt worden?"

Mrs. Bennet sah überrascht drein und drehte sich dann um, um Mr. Collins am Fenster stehen zu sehen. „Oh, Mr. Collins, ich habe sie dort gar nicht gesehen!"

Der Gentleman, der etwas unbehaglich drein gesehen hatte, lächelte bereitwillig. Welche Befürchtungen er auch in den ersten dreißig Minuten in Longbourn aufgrund der Vernachlässigung gehegt hatte, sie wurden schnell beschwichtigt. Er beanspruchte die Aufmerksamkeit der gesamten Familie für die nächsten fünf Stunden. Sie frühstückten gemeinsam, danach wurde Mr. Collins das Haus, der Garten und das ganze umgrenzende Land gezeigt, nicht aber der Wald (zu dem ihm gesagt wurde, dass er diesen auf jeden Fall meiden solle). Dennoch war dies nicht genug Zeit für Mr. Collins, um sich über die vortreffliche Eignung des Anwesens, die Freigiebigkeit seiner Gönnerin Lady Catherine de Bourgh und die Liebenswürdigkeit von Mr. und Mrs. Bennets Töchtern gänzlich auszulassen. Schließlich musste Mrs. Bennet ihn jedoch in seinen Ausführungen unterbrechen, weil sie sich für das Dinner zurecht machen musste. Der Rest der Familie nahm dies aus Hinweis auf, dass sie nun tun konnten, was sie wollten, und Mr. Collins wurde sich selbst überlassen.

Mr. Collins war nicht gerade ein vernünftiger Mann und in keinster Weise magisch talentiert. Durch einen glücklichen Zufall war er Lady Catherine de Bourgh empfohlen worden, als die dortige Pfarre gerade vakant war, und die Ehrfurcht vor ihrem hohen Stand und seine Verehrung für seine Gönnerin mischten sich mit seiner Selbstgefälligkeit, seiner Würde als Geistlichem und seinen Rechten als Pfarrer, sodass sich Stolz und Unterwürfigkeit, Wichtigtuerei und Liebdienerei in ihm vereinigten. Er war mit der Absicht, eine der Töchter des Hauses als Frau zu nehmen, nach Longbourn gekommen – eine Aussicht, die Mrs. Bennet unbedingt sicherstellen wollte.

Es war für sie offenkundig, dass Jane natürlich Mr. Collins' erste Wahl war, schließlich war sie von allen die hübscheste und talentierteste Tochter. So dauerte es nicht lange, bis sie erwähnte, dass Jane sich bald verloben würde. Mr. Collins brauchte also nur von Jane zu Elizabeth überzuwechseln, obwohl letztere nicht magisch talentiert war – aber das war für ihn bei einer Frau nicht von herausragender Bedeutung. Elizabeth, Jane in Alter und Aussehen am nächsten, nahm ihren Platz ein.

Mr. Collins war noch nicht lange zu Besuch (keine drei Tage), als Mr. Bennet ihn schon als vollkommen überdrüssig empfand. Deshalb schlug Mr. Bennet schnell vor, dass Mr. Collins seine Töchter begleiten sollte, als diese beschlossen, gemeinsam nach Meryton zu gehen. Dies passte dem Gentleman viel mehr als den Ladies, aber sie sie hatten gerade den Ortseingang von Meryton passiert, als ein weiterer Gentleman ihre Aufmerksamkeit erregte.

Der besagte Mann war jung, hatte ein vornehmes Äußeres und ging mit einem Offizier auf der anderen Straßenseite. Alle waren von dem Aussehen des Fremden eingenommen und fragten sich, wer er wohl sei. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass er ein Freund von Mr. Denny war – der sie auf der Straße miteinander bekannt machte – und im Begriff war, Offizier in ihrem Corps zu werden. Sogar Elizabeth, die häufig die Menschen mit einem kritischen Auge betrachtete, war ganz eingenommen von seiner guten Figur und seinen angenehmen Umgangsformen. Zu ihrer großen Überraschung musste sie feststellen, dass ihn – einen gewisser Mr. Wickham – keinerlei lächerliche Sprüche oder Zauber umgaben, die von so vielen in seiner Stellung benutzt wurden, um das eigene Aussehen zu verbessern oder sich selbst ein gutes Auftreten zu verleihen. Die Gesellschaft stand beieinander und hatte sich einige Minuten lang unterhalten, als Mr. Bingley und Mr. Darcy um die Ecke bogen.

Als sie die Damen in der Gruppe erkannten, kamen sie gleich herüber und tauschten die üblichen Höflichkeiten aus. Meist sprach Mr. Bingley und meist wandte er sich an Jane. Er sei gerade auf dem Weg nach Longbourn, sagte er, um sich nach ihr zu erkundigen. Mr. Darcy bestätigte dies durch eine Verbeugung und war gerade mit sich überein gekommen, Elizabeths Blick zu meiden, als sein Blick plötzlich auf den Fremden fiel, und Elizabeth, die zufällig die Gesichter beider beobachtete, als sie sich ansahen, war überrascht. Beide verfärbten sich, der eine wurde blass, der andere rot. Ein Augenblick verging, bis Mr. Wickham seinen Hut berührte – eine Begrüßung, die Mr. Darcy kurz und herablassend erwiderte. Was mochte dahinter stecken? Unmöglich, es zu erraten; unmöglich, nicht neugierig darauf zu sein.


Zu ihrer großen Überraschung wurde Elizabeths Neugier bezüglich Mr. Wickham eher befriedigt als gedacht, denn schon bei ihrem nächsten Treffen, brach er das Thema selbst an.

Er begann, indem er nach Netherfield fragte, und nach Mr. Bingley – und dann fragte er zögerlich, wie lange Mr. Darcy denn schon in der Grafschaft sei? Er fragte sie, ob sie die Kälte bei ihre Begrüßung bemerkt habe und ob sie, Elizabeth, mit dem Gentleman gut bekannt sei. Elizabeth versicherte ihm schnell, dass sie näher mit Mr. Darcy bekannt war, als sie es sich jemals gewünscht hatte. Sie, zusammen mit dem Rest von Hertfordshire hielt ihn für stolz und sehr unangenehm.

Mr. Wickham sah für einen Augenblick nachdenklich drein. „Ich kann nicht sagen, dass mir das leid tut, obwohl ich es aus Respekt vor seinem Vater vielleicht sein sollte. Aber mich überrascht dieser Empfang eher. Mr. Darcys Ruf als ein außergewöhnlicher Zauberer eilt ihm häufig voraus."

„Mr. Darcy ist für seine Fähigkeiten bekannt – obwohl ich sagen muss, dass ich kaum etwas gesehen habe, dass die Gerüchte rechtfertigt."

„Mr. Darcy ist in der Lage, den Schein aufrecht zu erhalten – sein Vater aber verdiente all das Ansehen."

„Mr. Wickham", sagte Elizabeth ernst und lehnte sich nach vorne, „halten Sie mich nicht für unverschämt, aber was ist die Art der Beziehung zu dieser Familie?"

„Eine Beziehung existiert nicht mehr", antwortete er. „Ich war einst ein Günstling des verstorbenen Mr. Darcy – vielmehr sein Schüler, obwohl ich nur der Sohn des Verwalters war."

„Der Schüler seines Vaters! Aber dann müssen Sie selbst ja auch außergewöhnlich talentiert sein! Es ist ungewöhnlich, dass-"

„Nein", seufzte er. „Welche Fähigkeiten ich auch als Kind besaß, sie versiegten mehr und mehr je älter ich wurde. Ich habe einen Verdacht bezüglich des Grundes – aber niemand würde sich trauen, so etwas laut auszusprechen. Aber dennoch, das, was ich zurück behielt, war außergewöhnlich nützlich und ich hätte damit Karriere machen können. Aber das war mir nicht vergönnt, ich wurde daran gehindert von-" Er stoppte. „Miss Elizabeth, ich fürchte, ich rede zu viel."

„Nein, Mr. Wickham, fürchten Sie mich nicht. Sie müssen nicht reden, wenn Sie es denn nicht wollen", versicherte sie ihm ernst.

Er sah über seine Schulter in das gefüllte Zimmer und begann dann, als er sich versichert hatte, dass niemand sie belauschte, in leisem Flüsterton weiter zu erzählen: „George Darcy war der Gründer der Gruppe, die als „der Rat der Zauberer" bekannt ist. Diese Gesellschaft wurde jahrelang geheim gehalten, obwohl sich in letzter Zeit das Wissen um ihre Existenz verbreitet hat. Vielleicht haben Sie ja-"

„Ja", sagte Elizabeth mit weit geöffneten Augen, „ich habe davon gehört, im Zusammenhang mit den Angriffen kürzlich."

„Natürlich war die Zielsetzung dieser Gesellschaft der Schutz des Landes vor dem Bösen. Mir sollte eine Position in ihr gewährt werden – es war mein aller größter Wunsch – aber George Darcy starb, bevor er in Erfüllung gehen sollte und sein Sohn hat mir den Beitritt in diese Gesellschaft unmöglich gemacht, trotz der expliziten Wünsche seines Vaters."

Vor lauter Fassungslosigkeit war Elizabeth einen Moment lang still. „Ich kann es kaum glauben", begann sie. „Ich hatte Mr. Darcy im Verdacht – ich weiß gar nicht mehr so genau, was, aber dass er zu so etwas fähig ist! Wie können Sie es nur ertragen, unter solchen Umständen zu leben? Warum stellen Sie ihn nicht öffentlich bloß?"

„Sie vergessen, dass der Rat der Zauberer offiziell gar nicht existiert und dass seine Mitglieder die komplette Kontrolle über die Regierung haben. Sie sind unabhängig und jetzt, wo Darcy sie alle gegen mich eingenommen hat – zweifelsohne aufgrund meines niedrigeren Rangs und meiner schwindenden magischen Fähigkeiten – gibt es mir mich keine Chance, dort jemals Einlass zu erhalten. Ich denke – ich weiß, dass Mr. Darcys Abneigung gegen mich auf Eifersucht zurückzuführen ist. Und dennoch, der Respekt vor seinem Vater ist so groß, dass ich-" Bei dem Blick auf ihrem Gesicht begann Mr. Wickham, ihr aufmunternd zuzulächeln. „Sie müssen meinetwegen nicht so niedergeschlagen dreinblicken. Können Sie nicht sehen, dass meine Arbeit, die ich hier für die Miliz mache, meinen eigentlichen Wünschen schon sehr nahe kommt? Dass ich auch so meinem Land dienen kann?"

„Ich könnte es nicht so hinnehmen, wie Sie", rief Elizabeth. „Das ist wirklich ein Zeugnis für Ihren guten Charakter!"

Kurz darauf wurde ihre Unterhaltung unterbrochen. Elizabeth war nicht die einzige, die Mr. Wickham bewunderte und Lydia kam zu ihnen, um ihn zu einem Tanz zu überreden.

Elizabeth, deren Geist ganz mit den Enthüllungen des Abends beschäftigt war, berichtete Jane so schnell wie möglich am nächsten Tag davon.

Jane in ihrer Güte wollte einfach nicht glauben, dass irgendwer etwas Falsches getan hatte. „Das muss alles ein Missverständnis sein", sagte sie. „Auch wer keine menschlichen Gefühle hat und gar nichts auf sich hält, könnte das nicht fertig bringen. Können seine besten Freunde sich so in ihm täuschen? Ausgeschlossen!"

„Ich kann mir viel eher vorstellen, dass er Mr. Bingley hinter Licht geführt halt, als dass Mr. Wickham die Geschichte, die er mir gestern Abend erzählt hat, erfunden haben sollte; Namen, Fakten, alles erzählt, ohne Aufschneiderei. Wenn es nicht stimmt, soll Mr. Darcy widersprechen. Und außerdem, die Wahrheit steht ihm in den Augen geschrieben."

„Du sagst, es sei die Wahrheit, aber könnte es nicht sein, dass…?"

Elizabeth lachte. „Jane! Dass du sogar unterstellst, ich stünde unter dem Einfluss von irgendeinem Zauber! Nein, und deshalb bin ich ja überzeugt, dass es die Wahrheit ist: Mr. Wickham hat keinerlei Zauber verwendet, um mich zu überzeugen, weil er das gar nicht nötig hatte."

Jane dachte schweigend darüber nach. „Das ist wirklich schwierig – das ist sehr bedauerlich. Man weiß gar nicht, was man davon halten soll."

„Verzeihung, aber ich weiß genau, was ich davon halten soll."

Schreibt ihr mir ein Review??

AN:

(1) W. Shakespeare, Hamlet, Akt I, Szene I, deutsche Übersetzung von A.W. Schlegel

Für die allgemeine Referenz: Als Hilfe bei der Übersetzung (und auch beim Abschreiben von Originalpassagen ;-)) nehme ich die deutsche Stolz-und-Vorurteil-Übersetzung von Chrisitian Grawe, erschienen im Reclam Verlag.