Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten

AN: Dieses Kapitel ist für meine wundervolle Beta, Fiora - sie hat heute Geburstag. Alles Gute.
Dann noch: Bekomme ich mal ein Review?? Es irritiert mich, dass ich keinerlei Reaktion bekomme. Ich bin zwar nur die Übersetzerin, aber kommen denn gar keine Kommentare zu der Geschichte??

Kapitel 8 – Feuer, Wasser, Wind und Erde

Im Oktober wurden die Tage immer kühler und es gab immer mehr Gerüchte um den Ball, der auf Netherfield abgehalten werden sollte. Tatsächlich ließ er jedes anderes Ereignis in den Hintergrund treten. Es gab jene, die davon überzeugt waren, dass Mr. Bingley seine illustren Freunde aus den höheren Zaubererkreisen einladen würde (obwohl dies natürlich absurd war). Andere waren angesichts des Gedanken, dass er vielleicht nicht menschliche Gäste einladen würde, besorgt und fragten sich, ob man dann dazu verpflichtet war, mit ihnen zu tanzen – was auch immer sie sein mochten. Für Mrs. Bennet aber waren all die magischen Themen nichts im Vergleich zu dem Kompliment, das der Netherfield-Ball für ihre Jane darstellte, und ihrer Hoffnung, dass sie schon bald eine weitere Feier auf Netherfield vorbereiten würde.

Jane ertrug all dies mit einer Gelassenheit, die man schnell für Gleichgültigkeit halten könnte. Aber Elizabeth, die ihre Schwester sehr gut kannte, sah eine Freude in deren Augen, die vorher noch nicht da gewesen war, und eine gewisse sanfte Reaktion, immer wenn sein Name genannt wurde. Jane mochte das Geschwätz und die Übertreibungen ihrer Mutter zwar nicht, aber sie protestierte nicht, wenn Elizabeth sie aufzog. Elizabeth für ihren Teil mochte die Gesellschaft und die Lebhaftigkeit, die mit einem Ball daher kamen und dieser versprach ihr besonders Freude zu bereiten. Da war zum einen die Aussicht darauf, Jane noch glücklicher zu sehen und zum anderen die Aussicht auf einen Tanz mit Mr. Wickham. Ihre Freude wäre ganz sicher gewesen, wären da nicht drei Sachen gewesen: Mr. Collins' ermüdende und jetzt sehr bestimmte Aufmerksamkeit, die schlechte Gemütsverfassung ihres Vaters und die Anwesenheit von Mr. Darcy.

Gegen Mr. Collins konnte man nichts unternehmen. Ihre Mutter war fest entschlossen, dass er sich ständig in Elizabeths Gesellschaft befinden solle, sodass sie nichts anderes machen konnte, als seine Anwesenheit so lange wir möglich zu ertragen. Ihr Vater im Gegensatz dazu wich ihr mehr und mehr aus. Elizabeth hatte drei Mal das Gespräch auf die Angriffe gebracht, aber jedes Mal hatte ihr Vater einfach nur über ihre Befürchtungen gelacht. Die Angriffe, so sagte er, hatten rein gar nichts mit ihnen oder irgendwem anders mit ähnlich geringem Status in der magischen Welt zu tun. Elizabeth befriedigte diese Antwort zwar nicht, aber sie konnte nichts anderes machen. Sie versuchte, das ganze Thema zu vergessen, bis ihr Onkel und ihre Tante im Winter zu Besuch kamen und ihr nähere Informationen geben konnten. Glücklicherweise war seit Ende September nichts mehr passiert und fühlte man sich in der Nachbarschaft schon wieder etwas sicherer.

Das Problem mit Mr. Darcy dagegen wuchs mit jeder Woche. Sie hatten seit ihrer Begegnung im Wald nicht mehr miteinander gesprochen, aber Elizabeth sah ihn oft auf ihren Spaziergängen. Mindestens drei Mal in der Woche sah sie ihn, wie er am Rand eines Feldes im Außenbezirk von Netherfield – ganz in der Nähe der Stelle, wo sie sich das letzte Mal begegnet waren – hin und her lief. Er betrat Longbourns Grund und Boden aber nicht mehr und sie glaubte auch, dass er sie zwischen den Bäumen nicht entdeckte. Sie fragte sich, was er machte und warum er so oft dort war. Manchmal spürte sie ein Prickeln, wenn sie den Wald betrat, kleine magische Wellen in der Luft. Sie konnte nicht ausmachen, woher sie kamen oder welchem Zweck sie dienten, aber sie kam nicht umher zu denken, dass es etwas mit seiner Anwesenheit auf dem Feld zu tun hatte.

Wären nicht die zahlreichen Besuche der Offiziere auf Longbourn gewesen, so wäre Elizabeth bestimmt sehr niedergeschlagen gewesen. Aber die die jungen Männer sorgten für lebhafte Unterhaltung und für eine Ablenkung von den alltäglichen Sorgen. Elizabeth vergaß manchmal fast die ganzen schwerwiegenden Probleme und konnte fast schon denken, dass ihr einziges Problem war die Frage, was sie zum Netherfield-Ball anziehen sollte und wie sie die übertriebenen Flirts ihrer beiden jüngsten Schwestern im Zaum halten konnte.

Aber wie es meist nun einmal ist, lassen sich die schweren Sorgen manchmal nicht so schnell verdrängen. Eines Nachmittags, als die Offiziere wieder zum Tee auf Longbourn waren, kam das Gespräch wieder auf Mr. Darcy. Mr. Wickham war auch dabei und durch einen unglücklichen Zufall dazu gezwungen, fast eine halbe Stunde in der alleinigen Gesellschaft von Mr. Collins zu verbringen. Die war auch bedauerlich für Mr. Collins, denn keiner der beiden Herren mochte einander (was etwas damit zu tun hatte, dass beide das Gefühl hatten, der jeweils andere verbringe zu viel Zeit in der Gesellschaft einer gewissen Dame). Aber da Mr. Collins nun einmal ganz er selbst war, konnte er nicht umhin, Mr. Wickham im Detail über die Großzügigkeit seiner Gönnerin Lady Catherine de Bourgh zu unterrichten.

Mr. Wickham war nach der Unterhaltung sehr amüsiert. Obwohl sich seine Meinung über Mr. Collins nicht großartig verbessert hatte, hatte er sich doch Zeit genommen, um zuzuhören und sogar selbst ein paar Fragen zu stellen. Elizabeth war angesichts der Unterhaltung sehr neugierig und ergriff die erste Gelegenheit, um danach zu fragen.

„Hatten Sie in großes Interesse an Mr. Collins' Gönnerin und dem Kaminsims auf Rosings, Mr. Wickham?", fragte sie ihn mit einem Augenzwinkern.

Mr. Wickham neigte nachdenklich seinen Kopf zur Seite. „Ja, in der Tat. Ich war mit der Familie schon eher verbunden. Nun ja, nicht wirklich verbunden, nur durch die Darcys. Neuigkeiten von Lady Catherine zu hören ist fast schon so als höre ich Neuigkeiten über die Familie."

Elizabeth hatte so eine Antwort nicht erwartet. „Ich verstehe Sie nicht, Mr. Wickham! In welcher Weise kann Mr. Darcy mit Lady Catherine de Bourgh verbunden sein?"

Mr. Wickham sah sie ernst an. „Sie ist seine Tante, Miss Elizabeth; es wird spekuliert, dass er ihre Tochter, Anne de Bourgh, heiraten wird und sie somit ihre großen Besitze vereinigen."

„Das ist ja ein interessanter Zufall", lachte Elizabeth. „Und ich denke, dass sich Mr. Collins dessen nicht bewusst ist – sonst wäre er sicher sehr bestrebt gewesen, mit Mr. Darcy bekannt zu werden."

„Sie lachen, Miss Elizabeth, aber vielleicht sollten Sie das nicht tun. Mr. Darcys Verbindung mit dieser Familie ist auf mehreren Ebenen von Bedeutung. Ich nehme an, dass Sie von dem Hexenmeister gehört haben?"

Elizabeths Augen weiteren sich vor Schreck und sie hörte sofort auf zu lachen. „Aber er ist tot, Mr. Wickham, er wurde vor langer Zeit besiegt. Die Attacken kürzlich-"

„Sind merkwürdigerweise denen des Hexenmeisters sehr ähnlich, obwohl sie zur Zeit noch nicht so zerstörerisch sind. In der Tat ist diese Ähnlichkeit in der Namensgebung durch die Zeitungen nicht zufällig geschehen, es wurde spekuliert, dass der diebische Hexenmeister vielleicht sogar-"

„Das ist unmöglich." Elizabeth schüttelte ihren Kopf.

„Viele Dinge sind möglich, viel ist in der Vergangenheit schon ausprobiert worden", Mr. Wickham tat einen tiefen Atemzug. „Was aber nicht so weit verbreitet ist, ist die Tatsache, dass die wahre Identität des Hexenmeisters damals herausgefunden wurde, sie aber geheim gehalten wurde, um die – um seine Familie zu schützen. Der Hexenmeister war niemand geringerer als Lady Catherines Ehemann, Lewis de Bourgh."

„Mr. Darcys Onkel!", rief Elizabeth.

Mr. Wickham legte ein Hand auf ihren Arm. „Ich bitte Sie, seien Sie nicht so beunruhigt. Ich hatte nicht die Absicht, solche Furcht zu verursachen."

Elizabeths Wangen waren rot vor Erregung. „Oh nein, das haben Sie nicht. Nur war der Hexenmeister der mächtigste Zauberer seiner Generation!"

„Und er wurde von einem Mitglied des Rats der Zauberer besiegt, der nur als der Schelm bekannt ist, auch eine Tatsache, die nicht so weit verbreitet ist. Sie sehen also in welch heikle Lage das Darcy und seine Tante, ja sogar den ganzen Rat bringt. Da ist es nur verständlich, dass seine Identität vertuscht wurde, um die Verwandten zu schützen."

„Ich kann verstehen, dass Mr. Darcy wollte, dass so eine Verbindung nicht allgemein bekannt wird."

„Er ist seit diesem Vorfall – der ja passierte, als er noch sehr jung war – sehr vorsichtig geworden was seine Lebensumstände angeht und dann noch mehr wegen der mysteriösen Umstände, die den Tod seines Vaters umgeben. Mr. Darcy ist sehr zurückhaltend, besonders wenn es seine Schwester betrifft."

„Miss Darcy! Ich habe schon von ihr gehört, von Miss Bingley, die", fügte Elizabeth hinzu, um das Gespräch etwas aufzuheitern, „schwer enttäuscht sein wird, wenn sie von seiner Verlobung mit Lady Catherines Tochter erfährt. Ist sie ihm sehr ähnlich?"

„Die Schwester?"

„Ja."

„Ja, sehr. Das ist wirklich sehr traurig, denn sie war nicht immer so, sie war so ein reizendes Kind. Aber jetzt ist sie sehr stolz geworden – überaus talentiert natürlich auch – genau so wie ihr Bruder. Die Geheimnisse, die die Familie umgeben und dann der Familienstolz – ich möchte damit gar nicht anfangen, Miss Bennet. Ich habe Sie für diesen Abend schon genug geängstigt."

Und so sehr Elizabeth es auch versuchen mochte, sie erhielt keine weiteren Informationen von Mr. Wickham. Er war fest entschlossen, nicht bei so ernsten Themen zu bleiben, da er sich um Elizabeths Nerven Sorgen machte. Leider war ihre Gemütsverfassung an diesem Abend schon vollkommen erschüttert worden. Nach ein paar belanglosen Nettigkeiten konnte sie die Gesellschaft einfach nicht länger ertragen.


„Wie lange weißt du schon von der Verbindung zwischen Mr. Collins' Gönnerin und dem Hexenmeister?" Elizabeth stand mit dem Rücken zu der Tür der Bibliothek, ihr Vater sah beunruhigt von seinem Schreibtisch auf.

„Setz dich", sagte er mit einer Handbewegung, „und wiederhole deine Frage."

Es war spät am Abend, der Rest der Familie machte sich schon fürs Zubettgehen bereit. Elizabeth begab sich zu dem Stuhl direkt gegenüber von ihm, lehnte ihre Ellenbogen auf die Berge von Papier und Büchern und sah ihm direkt in die Augen. „Du wusstest es! Und dennoch warst du um unsere Sicherheit nicht besorgt? Wie konntest du mir das verschweigen?"

„Ich hielt es nicht für wichtig. Der Hexenmeister ist seit 23 Jahren tot! Seine Witwe wurde von allen Anklagen frei gesprochen, in der Tat wusste sie von nichts – wie die ganze Verwandtschaft, ob nun die direkte oder weiter entfernte."

„Aber die Gerüchte über die kürzlichen-"

„Der Hexenmeister ist tot, Elizabeth. Es ist absolut unmöglich, dass er zurückgekehrt sein könnte. Das ist nur Unsinn, damit sich die Zeitungen besser verkaufen."

Elizabeth lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Und was ist mit Mr. Darcys Verbindung dazu? Er ist Lady Catherines Neffe."

Mr. Bennet hob eine Augenbraue. „Du denkst so schlecht von ihm, dass du ihm eine Verstrickung in die dunklen Künste im Alter von sechs oder sieben Jahren unterstellst!"

„Ich habe Gründe für meine Sorgen-"

„Was auch immer Mr. Darcys Sünden sein mögen, eine Verstrickung in diesen Fall war keine von ihnen. Darf ich nach der Quelle für deine Informationen fragen?"

Elizabeth gab wider, was Mr. Wickham ihr erzählt hatte. Mr. Bennet hörte ruhig zu und zog ab und zu an seiner Pfeife.

„Mr. Wickhams Geschichte weist für mich nicht auf dunkle Tendenzen in Mr. Darcys Charakter hin, eher auf Hochmut. Leg ihm sein Fehlverhalten nicht so weit aus, mein Kind."

Elizabeth seufzte. „Du bist viel besorgter, als du zugeben willst, Papa. Ich habe versucht, schon eher mit dir zu reden. Du bist irgendwie nicht du selbst. Willst du dich mir nicht anvertrauen?"

Er nahm ein paar weitere Züge von seiner Pfeife und sah dem Rauch nach, der langsam über seinen Kopf stieg. „Ich vertraue dir das an, was nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger."

„Aber ich bin doch kein Kind mehr!", brauste sie plötzlich auf. „Du erwartest von mir, dass ich hier bleibe und meine Hände in den Schoß lege, wenn du doch weißt, dass ich bald-"

„Dass du bald mit deiner Tante und deinem Onkel nach London gehen wirst, um zusammen mit ihnen die Welt zu retten – als ob es nicht schon genug Menschen gibt, die versuchen, genau das zu tun. Was glaubst du, weswegen die Miliz hier in Meryton stationiert worden ist? Im ganzen Land werden Männer auf solche Posten geschickte, um die Bürger und ihre Zuhause zu schützen."

Elizabeth lachte. „Die Miliz hat sich in der Tat bei den Attacken im Norden ja als sehr effektiv erwiesen!"

„Nun", entgegnete Mr. Bennet, „es hat seit dem Angriff im Norden keine weiteren mehr gegeben, Elizabeth." In einem ernsteren Tonfall fügte er hinzu: „Sollte es jemals so weit kommen, dass ich fürchten muss, dass du oder irgendeine deiner Schwestern oder gar deine Mutter sich unmittelbar in Gefahr befinden, werde ich mich dir natürlich anvertrauen. Daran zweifelst du doch nicht, oder?"

Sie drückte seine Hand, um ihn zu beruhigen, doch sie wussten beide, dass sie enttäuscht war. „Das verstehe ich, Vater."

„Du versucht in jedem Fall, es zu verstehen", lachte er sanft. „Und ich entschuldige mich für den Rauch."

Sie antwortete ihm mit einem Kuss auf seine Wange, ließ ihn allein und ging die Treppe hinauf, um sich fürs Bett fertig zu machen.


In der Nacht schlief Elizabeth nur unruhig. In den dunklen Stunden nach Mitternacht stand sie schließlich auf und stellte sich – eng eingehüllt in ihr Tuch – ans Fenster. Sie stand dort eine Zeit lang ganz still, verfolgte mit ihren Augen die Muster, die der Frost auf dem dunklen Glas hinterließ, und starrte schließlich in die Dunkelheit des Waldes.

Ein plötzliches Aufleuchten schreckte sie auf. Zunächst dachte sie, es sei ein ganz normaler Blitz, bis es sich schließlich drei Mal wiederholte, wobei sich die Farbe von weiß zu gelb und schlußendlich rot veränderte. Zu ihrem Entsetzen musste sie erkennen, dass die Blitze immer heller wurden und sie rannte zum Schlafzimmer ihres Vaters und warf die Tür auf. Mr. Bennet war nicht dort, also eilte sie in sein Arbeitszimmer.

Dort fand sie ihn, er stand am Fenster und überblickte den Wald. Er schien nicht überrascht sie zu sehen und nicht im geringsten beunruhigt von dem Lichtspiel, das aus der Richtung des Waldes kam. „Die Blitze?", fragte er unerwartet. „Machen sie dir Angst?"

Elizabeth warf ihm einen verblüfften Blick zu. „Ist das ein Angriff?"

„Nein, ist es nicht. Ein Angriff hätte einen anderen Farbablauf."

„Sie kommen aus der Richtung des Waldes, aber ich habe die Vermutung, dass", sagte sie und die Erkenntnis spiegelte sich in ihrem Gesicht wider, „dass sie von den Feldern am anderen Ende kommen – die, die zu Netherfield gehören."

Mr. Bennet lachte sanft. „Du gehst dort häufig spazieren, nicht wahr?"

„Nicht auf den Feldern – aber Mr. Darcy macht das."

„Es ist Mr. Darcy. Er übt dort schon seit mehreren Nächten. Möchtest du mit mir dort hingehen und ihn beobachten?"

Elizabeth sah überrascht drein. „Er übt?"

„Denkst du, dass selbst so ein begabter Zauberer wie Mr. Darcy nicht üben muss?"

„Ich halte ihn nicht im Geringsten für begabt."

Mr. Bennet antwortete darauf nicht und ging zur Tür. „Du brachst einen wärmeren Mantel, Elizabeth, und feste Schuhe", sagte er ihr, als er seine Mütze aufsetzte. „Wir werden kein Licht mitnehmen, damit wir nicht entdeckt werden. Unter normalen Umständen würde Mr. Darcy unsere Anwesenheit bestimmt bemerken – aber da du bei mir bist, hoffen wir, dass wir ihn unentdeckt beobachten können."

Elizabeth ging leise die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf, zog sich einen langen Mantel an und wickelte sich ein Tuch um ihren Kopf. Ihr Vater wartete im Garten auf sie und gemeinsam machten sie sich in Richtung der Lichtblitze auf. Je näher sie kamen, desto langsamer bewegte sich Mr. Bennet und er machte schließlich etwa 20 Meter von Mr. Darcys Position entfernt Halt. Der dichte Wald verbarg sie ziemlich gut, aber Elizabeth konnte fast schon die Konzentration auf Mr. Darcys Gesicht sehen, als er etwas helles in seinen Händen hielt. Das Licht konzentrierte sich immer mehr auf einen Punkt und schließlich bildete sich ein kreisrunder Ball aus blauem Feuer.

Plötzlich zerbarst das Feuer in einzelne Strahlen aus heißem blauen Licht, welches den ganzen Wald erhellte, und schoss etwa 100 Fuß in den Himmel hinein, bis Mr. Darcy es zurück in seine Hand zog und es gänzlich verschwand. Wegen der Dunkelheit brauchte Elizabeth einige Minuten, bis sie seine Umrisse wieder erkennen konnte. Er ging in einem Kreis über das Feld, wie sie es so häufig schon am Morgen bei ihm gesehen hatte. Mr. Bennet neben ihr begann vor Kälte zu zittern und sie sah etwas Weißes zu Mr. Darcys Füßen, das langsam den ganzen Boden bedeckte. Elizabeth war zunächst verwirrt, bis sich eine kleine Wolke über Mr. Darcys Kopf bildete, aus der weiße Schneeflocken auf ihn herab rieselten. Er arbeitete fast eine ganze Stunde mit dem Eis und dem Schnee, bis er es schließlich komplett schmelzen ließ und das Feld wieder so aussah wie zuvor. Diese Zauberei wurde gefolgt von einer weiteren, bei der er mit den Felsen und Steinen arbeitete und die Bäume sich krümmten, und einer weiteren mit heulendem und herumwirbelndem Wind.

Elizabeth war überrascht und besorgt. Seit ihrer Kindheit hatte ihr Vater ihr die Prinzipien und Theorien der Magie beigebracht – die Beherrschung aller vier Elemente, Feuer, Wasser, Wind und Erde, gehörte zu der größten Leistung, die ein Zauberer vollbringen konnte. Viele wurden nur Meister eines Elements, vielleicht zwei. Aber alle vier beherrschen zu können – dazu musste der Zauberer über eine große Menge Macht verfügen.

Mr. Bennet riss sie aus ihren Gedanken, als er sich schnell bewegte und sich hinter sie stellte. Elizabeth blickte jetzt wieder hinauf auf das Feld, wo alles jetzt dunkel und leise war, als sei dort nichts passiert. Mr. Darcys einsame Gestalt stand dort regungslos, sodass man ihn kaum in der Dunkelheit erkennen konnte.

„Wer da?", rief er und seine Stimme hallte durch die Bäume. Es war keine Frage; Elizabeth wusste, dass wenn es irgendwer anders gewesen wäre und ihr Vater nicht so nahe hinter ihr gestanden hätte, sie gezwungen gewesen wären, sich zu erkennen zu geben.

Aber da diesem nicht so war, erhielt Mr. Darcy keine Antwort. Er stand dort noch weitere zehn Minuten und starrte in den Wald hinein, dann war er verschwunden.

Mr. Bennet stieß einen lauten Seufzer aus. „Wir sollten zurückkehren, Elizabeth", sagte er. Der dunkelblaue Himmel am Horizont verfärbte sich langsam grau.

Schweigend gingen sie nach Longbourn zurück, wo die ganze Familie immer noch schlief. Weder Vater noch Tochter kehrten sofort in ihre Betten zurück, sondern setzten sich gemeinsam in die Bibliothek. Es dauerte eine Weile, bis schließlich einer von den beiden sprach. Mr. Bennet entfachte ein Feuer und Elizabeth beschäftigte sich mit der Zubereitung von etwas Tee.

Schließlich begann Mr. Bennet leise: „Er ist seit drei Wochen fast jede Nacht dort gewesen."

„Du wusstest davon!", rief Elizabeth erschüttert aus und hätte beinahe ihren Tee verschüttet.

Mr. Bennet nickte und machte eine abweisende Handbewegung. „Natürlich wusste ich davon. Ich wusste, dass Mr. Darcy über die Felder lief und nette Bilder mit Licht machte. Bis heute kannte ich das ganze Ausmaß seiner Experimente – und seiner Fähigkeiten – aber nicht. Ich konnte ohne deinen Schutz nie so nahe heran."

„Schutz? Weil ich nicht magisch bin?"

„Und weil Magie dich nicht durchdringen kann."

„Papa – die Elemente."

„Ja." Mr. Bennet seufzte erneut. „Unterstell ihm nicht zu viel, Lizzy, aber ich gestehe, ich fürchte es. Sein Vater war ein herausragender Zauberer, exzellent im Angriff, ein Meister mit Feuer und Wasser. Er war nicht so gut in der Verteidigung, aber wir alle haben unsere Schwächen. Komischerweise waren seine Arbeiten über Verteidigung die einzigen, die je veröffentlicht wurden-"

„Papa", unterbrach ihn Elizabeth ungeduldig. „Wir machen uns Sorgen wegen des Sohnes, nicht wegen des Vaters. Fürchtest du ihn? Dann unterstellt du ihm auch, wie ich-"

„-Ich unterstelle ihm gar nichts, außer dass er sehr mächtige Fähigkeiten hat. Vergiss nicht, dass eine Leistung unter idealen Bedingungen – er stand unter keinem Stress, er war in der Nähe eines magischen Waldes und es gab keine anderen Behinderungen – in keinem Fall die gleiche ist wie die unter Belastung." Mr. Bennet schlürfte nachdenklich seinen Tee. „Ich fürchte ihn wegen der Macht, die er besitzt und wegen dessen, was er werden könnte. Wir können nur abwarten, Lizzy. Wir sollten aber nicht zu viel unterstellen."

Elizabeth hielt ihre Zunge im Zaum und starrte schweigend ins Feuer. Sie stimmte ihm nicht zu, aber sie würde über diesen Punkt mit ihrem Vater nicht streiten. Sie trank ihren Tee aus und schlüpfte zurück in ihr Zimmer für einige Stunden unruhigen Schlaf. Am Morgen stand sie etwas später als gewöhnlich auf und machte sich sofort auf den Weg in den Wald.

Sie wartete über eine Stunde auf dem Feld, aber Mr. Darcy kam nicht. Die ganze nächste Woche wartete sie jeden Morgen – und dennoch tauchte er nicht wieder auf.