Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.

AN: Ich bin heute mal einen Tag früher - aber ich hatte das Kapitel fertig, also viel Spaß dabei (es ist eines meiner Lieblingskapitel)

Kapitel 9 – in dem getanzt wird

Zwei Männer standen auf einem Hügel, von dem aus sie auf die dunklen, nebelbehangenen Felder gucken konnte. Die Nacht war ruhig, die Luft war kalt. Beide Männer waren in etwa gleich groß, der eine lehnte sich schwer auf ein Bein, der andere hielt seinen Arm vor der Brust.

„Es tut mir leid, ich hätte hilfreicher sein sollen", begann letzterer und blickte auf das Bein seines Begleiters.

„Mach dir keine Gedanken", lautete die kurze Antwort.

„Ich bin älter, ich sollte die Verantwortung übernehmen."

„Was du ja so häufig tust, wenn du gerade mal nicht deinen Kopf verlierst, Fortinbras.(1)"

Er lachte. „Bestehst du darauf, diesen Namen beizubehalten?"

Der andere hob seine Augenbrauen. „Hast du bereits so schnell vergessen, wer hier vor nicht allzu langer Zeit war? - Und dass nichts erreicht wurde, außer, dass wir beide für einige Zeit ziemlich nutzlos sein werden."

„Wenn du darauf bestehst, mich bei diesem Namen zu nennen, werde ich dich bei deinem nennen", antwortete der Mann, der Fortinbras genannt wurde, und lachte erneut.

„Ich bitte dich, tu es nicht."

„Es bleibt aber bei dem Grundsatz, dass die Mitglieder benannt werden – und sie sich nicht selbst einen Namen geben. Aber nun ja, da es mein Fehler ist, dass wir uns in dieser unglücklichen Lage befinden, werde ich es unterlassen, dich noch weiter zu quälen. Pendragon(1) soll es also sein, aber offiziell bleibst du der-"

Der Rest von Fortinbras' Rede wurde durch einen heftigen Stoß in die Magengegend verhindert. „Es ist ein glücklicher Zustand, dass derjenige, der diesen Grundsatz eingeführt hat, anonym geblieben ist", knurrte Pendragon. Er verlagerte etwas Gewicht auf sein rechtes Bein und zog scharf die Luft sein. „Das geht in keinem Fall."

„Wir sind in der Tat nutzlos", spottete Fortinbras und kratzte sich mit seinem gesunden Arm an der Seite. „Warum haben wir eigentlich keinen Heiler in unseren Reihen?"

„Sie sind schwer zu finden", antwortete Pendragon mit einiger Anstrengung und ließ sich dann vorsichtig auf den Boden sinken. „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit und es gibt noch einiges zu diskutieren."

„Zu diskutieren? Wir sollten bei unserem nächsten Treffen klären, wie wir von diesem Punkt an weiter vorgehen-"

„Denkst du, ich will über nichts anderes mit dir sprechen?"

Fortinbras lachte leise, als er sich neben ihm niederließ. „Benötigst du Rat?"

„Nein", antwortete er zunächst und hielt dann einen Moment inne. „Ja, Tree(1) gibt einen Ball."

„Und das alarmiert dich, weil... du Tanz nicht ertragen kannst? Immerhin hast du jetzt ja eine Entschuldigung, damit du es nicht tun musst."

„Es ist nicht der Ball. Vielmehr ist der Ball genau diese Art Unsinn, die ich eigentlich vermeiden wollte. Ich fange an zu denken, dass es ein Fehler war."

„Was war ein Fehler?"

„Dort hinzugehen, wo wir jetzt sind."

„Da ich nicht weiß, wo ihr seid, kann ich dir nicht wirklich einen guten Ratschlag geben", lachte Fortinbras erneut.

„Tree ist viel zu vernarrt in die Einheimischen", sagte Pendragon mit einer Grimasse. Er beschwor mit einem Zauber einen Ast, mit dem er sein Bein stabilisierte.

„Sehr klug, mein lieber Pendragon, daran hätte ich schon eher denken sollen", sagte Fortinbras. Im Nu war ein Arm fest mit einer Schlinge fixiert. „Aber um zu der bevorstehenden Aufgabe zurückzukommen, wann war Tree denn einmal nicht vernarrt?"

„Niemals, aber er hatte sich gebessert. Er hat die Risiken verstanden. Zuneigung muss um jeden Fall verhindert werden. Es ist schwierig genug mit-" Hier hielt er inne. Für einen Moment waren sie beide in ihre eigenen Erinnerungen versunken. „Stell dir vor, wie es wäre, wenn man eine Frau hat."

„Es gibt welche unter uns, die verheiratet sind."

„Genau das ist mein Punkt."

Fortinbras seufzte. „Dann nehme ich also an, dass Tree nur vernarrt ist in eine der Einheimischen und nicht in alle."

„Immerhin ist der Ball für eine Sache gut – ich kann seine wahren Gefühle einschätzen."

„Natürlich, du bist ja darüber erhaben, ihn einfach zu verhexen, um die Antwort aus ihm heraus zu bekommen."

Pendragon versteifte sich merklich. „Du solltest solche Dinge nicht einmal denken, Fortinbras", sagte er leicht verärgert, aber sie verstanden sich gut und keiner der beiden nahm Anstoß an den jeweiligen Aussagen, sie verharrten in einvernehmlichem Schweigen.

„Der Morgen bricht an. Wir vergeuden hier Zeit und dennoch machst du keine Anstalten zurückzukehren. Du hast noch etwas anderes auf dem Herzen", sagte Fortinbras ernst und bracht das Schweigen.

„Wickham ist dort."

Überrascht sah Fortinbras ihn an. „Und du bist nicht an einen neuen Standort gezogen?"

„Von ihm droht mir keine Gefahr, abgesehen davon, dass er die lokale Bevölkerung gegen mich einnimmt – und ich mache mir wenig daraus, was sie über mich denken. Ehrlich gesagt, das war es nicht, an das ich gedacht habe."

Fortinbras sah in erwartungsvoll an.

„Nein, nein-" Pendragon schüttelte seinen Kopf. „Es hat nichts zu bedeuten. Es ist – ich werde keinen weiteren Gedanken daran verschwenden. Ich muss mehr herausfinden, ihre Zuverlässigkeit überprüfen und dann werde ich dir davon erzählen."

„Ihre?"

„Ich habe niemanden erwähnt!", rief Pendragon aus.

„Du hast jemanden erwähnt!", protestierte Fortinbras. „So besorgt um Tree, wo du doch selbst-"

„Mach dich nicht lächerlich!" Schwankend richtete Pendragon sich auf. „Es ist nichts dergleichen. So etwas kann niemals sein. Ich wurde beim Üben beobachtet."

„Du machst mir Angst!", rief Fortinbras.

Pendragon wanderte langsam in die Nebelbänke hinein, in Richtung der ersten Sonnenstrahlen. Unbeholfen drehte er sich um, eine Hand lag auf seinem verwundeten Bein. „Ich werde bei unserem nächsten festgesetzten Treffen mit dir darüber reden."

„Ich entschuldige mich noch einmal für deine Verletzung. Es war dumm von mir", rief Fortinbras noch, kurz bevor sie beide vom Nebel umhüllt wurden und verschwanden.


Trotz der gegenteiligen Hoffnung, begann der Morgen vor Mr. Bingleys Ball doch mit Trübsinn. Es hatte einen weiteren Angriff gegeben, dieses Mal in der Nähe von London. Einige Leute dachten, dieses sei mit Absicht geschehen, um ihnen für den Abend die gute Laune zu verderben.

Mrs. Bennet befand sich in einer sehr niedergeschlagenen Gemütsverfassung. „Es wird diesen Abend keinen Tanz und keinen Gesang geben", befürchtete sie. „Wer möchte schon nach solchen Schrecken tanzen?"

„Ich werde in jedem Fall tanzen", kündigte Lydia mutig an. „Ich kümmere mich nicht darum, wie verängstigt all die anderen sind."

„Ich werde das auch tun", echote Kitty, deren Stimme aber etwas zitterte.

„Die Offiziere werden dort sein, ich bin mir sicher sie werden uns im Falle eines Kampfes beschützen", lachte Lydia. „Ich denke, es wäre fantastisch, sie einmal im Kampf zu sehen!"

„Das denke ich nicht", sagte Elizabeth streng. „Aber ich stimme dir zu, dass Netherfield ein viel sicherer Ort ist. Du musst keine Angst haben, Mama, das letzte was der Dieb machen würde, wäre sich an einem Ort aufzuhalten, wo er schnell gefangen genommen werden könnte."

Mrs. Bennet richtete sich von ihrer liegenden Position im Sofa etwas auf. „Vielleicht hast du Recht", seufzte sie. „Aber ich hatte mir doch so gewünscht, dass der heute Abend ein Kompliment für meine Jane sein würde."

„Alles ist ein Kompliment für Jane", sagte Elizabeth mit einem Lächeln und einem milden Gesichtsausdruck und niemand wollte Janes bescheidene Proteste gelten lassen.

Am Abend war der ganze Trübsinn vom Morgen schon fast vergessen, da sie sich alle unter viel Gezerre und Gezeter und Anproben für den Ball vorbereiteten. Kitty und Lydia umgaben sich mit sehr vielen erfindungsreichen Zaubern – die Elizabeth unter viel Protest alle wieder auflöste. Wenn auch nur irgendein niedergeschlagener Gedanke blieb, als sie sich endlich in der Kutsche befanden, er wurde sofort vertrieben, als sie Netherfield von tausend Lichtern erleuchtet und Mr. Bingleys lachendes Gesicht zu ihrer Begrüßung sahen.

Netherfield schien zu Schimmern angesichts des zahlreichen Gelächters und der Musik. Mrs. Bennet konnte nicht zufriedener sein, da ihr Gastgeber wegen des Anblicks von Janes vollkommener Liebenswürdigkeit seine Augen fast gar nicht mehr von ihr abwenden konnte. Hier war alles wie es sein sollte und es war, als hätten sich alle Sorgen auf eine magische Art und Weise aufgelöst. Miss Bingley begrüßte Elizabeth sehr warm, fast schon ohne Herablassung, und Mr. Collins war ganz damit beschäftigt, Mr. und Mrs. Hurst zu der wundervollen Darstellung an diesem Abend zu gratulieren. Elizabeth fragte sich zunächst, ob nicht Mr. Bingley das ganze Haus mit einer Art Glückseligkeitszauber belegt hatte – aber sie konnte nichts derartiges erkennen.

Sie sah sich mit den größten Befürchtungen zunächst nach Mr. Darcy um und atmete vor Erleichterung aus, als sie ihn nirgends sehen konnte. Sie fragte sich nach dem Grund für seine Abwesenheit, aber da sie wusste, dass er sich über die Gesellschaft erhaben fühlte, überraschte sie es dennoch nicht. Auf Mr. Wickhams Anwesenheit aber hatte sie gezählt – und sie war schwer enttäuscht, als sie ihn nicht finden konnte. Sie hatte auf ihre Garderobe mehr Sorgfalt als sonst verschwendet und in der Hoffnung, dass nur ein Abend dazu nötig sein werde, sich in bester Stimmung auf die Enträtselung der verbleibenden Geheimnisse seines Herzens vorbereitet. Sie hatte den Verdacht, dass seine Abwesenheit absichtlich von Mr. Darcy verursacht worden war. Obwohl diese Theorie nicht gänzlich zutraf, wurde Mr. Wickhams Abwesenheit von den abendlichen Festivitäten von seinem Freund Mr. Denny bestätigt.

„Mr. Wickham ist wegen einiger Geschäfte nach London gerufen worden", sagte Denny und warf ihr einen wissenden Blick zu. „Ich glaube nicht, dass ihn seine Geschäfte gerade jetzt abgerufen hätten, wenn er nicht einem gewissen Herrn hier hätte aus dem Wege gehen wollen."

Diese Informationen machten sie etwas unglücklich, aber schlecht gelaunt zu sein, war Elizabeth nicht gegeben und nachdem sie Charlotte Lucas (die sie eine Woche lang nicht gesehen hatte) von all ihre Sorgen berichtet hatte, konnte sie auch schon wieder lachen.

„Da ist mein Cousin, Mr. Collins", sagte sie verschmitzt. „Und ich habe das große Unglück, dass ich die ersten beiden Tänze mit ihm tanzen muss."

Charlotte drehte sich um und sah, wie er mit Mr. Bingley sprach. „Er unterbricht seine Unterhaltung mit Jane", stellte sie mit einem Lächeln fest und Elizabeth lachte.

„Ich bin mir sicher, dessen ist er sich nicht bewusst."

„Um zu unserem anfänglichen Thema zurück zu kommen-", begann Charlotte.

„Bitte, lass uns nicht zu meiner schlechten Laune zurückkehren!", protestierte Elizabeth. „Du musst meine Bekümmerung verstehen – es ist immerhin ein Trost, dass Mr. Darcy nicht hier ist, um darüber zu frohlocken."

„Hast du mit ihm über Mr. Wickham gesprochen?"

„Nein, natürlich nicht. Warum sollte ich?"

Charlotte sah sie tadelnd an und hätte bestimmt weiter geredet, aber Elizabeth wurde zu den ersten Tänzen mit ihrem Cousin gerufen. Diese beiden Tänze aber stürzten sie in neues Unglück; sie waren eine Qual. Mr. Collins war kein guter Tänzer, er war linkisch, entschuldigte sich, anstatt sie zu führen und tanzte in die falsche Richtung. Sie jubelte innerlich, als sie ihn endlich los war. Elizabeth tanzte danach mit einem Offizier und konnte sich glücklicherweise mit ihm über Mr. Wickham unterhalten, wobei sie herausfand, dass er bei allen beliebt war.

„Du hattest dich zu früh gefreut, Lizzy", flüsterte Charlotte, als Elizabeth zu ihr zurück kehrte.

„Weswegen?"

„Wegen Mr. Darcy. Er ist gar nicht abwesend, er steht dort drüben", sagte Charlotte mit einem verschmitzten Lächeln.

Elizabeth drehte sich betroffen um und musste erkennen, dass Mr. Darcy in der Tat an einer Wand nicht weit von ihnen entfernt stand. Ihre Blicke begegneten sich für einen kurzen Moment, bis Elizabeth sich wieder zu Charlotte drehte, in der Hoffnung, ihr Gespräch wieder aufzunehmen – aber es sollte nicht sein. Mr. Darcy schloss die Entfernung zwischen ihnen und verneigte sich vor ihnen.

„Erweisen Sie mir die Ehre und tanzen Sie den nächsten Tanz mit mir, Miss Bennet?", fragte er plötzlich.

Elizabeth war so überrascht, dass ihr nichts anderes einfiel, als zu bejahen. Er ging gleich wieder weg und sie hatte Zeit, sich über ihre Geistesabwesenheit zu ärgern. Charlotte versuchte sie zu trösten.

„Du findest ihn bestimmt ganz nett."

„Um Himmels willen! Das wäre das größte Unglück! Einen Mann nett zu finden, den man um jeden Preis hassen möchte! Wünsch mir das nicht."

Als die Musik wieder aufspielte, kam Mr. Darcy langsam auf sie zu und forderte sie auf. Charlotte warnte Elizabeth noch, sich nicht bei einem Mann mit solchen Einfluss nur wegen eines Mannes wie Mr. Wickham unbeliebt zu machen.

Elizabeth tat so als würde sie das nicht hören. Sie hatte nicht die Absicht, mit ihm ein Gespräch anzufangen, da sie sich nicht vorstellen konnte, wie sie beginnen sollte. Sie tanzten einige Minuten lange in kompletter Stille, bis ihr etwas auffiel.

„Mr. Darcy, geht es Ihnen gut?"

Er sah zu ihr hinüber, ihr Blick traf sie kurz und er wäre beinahe gestolpert. „Mir geht es gut, Miss Bennet."

Sie sah ihn entrüstet an. „Sie hinken, Mr. Darcy."

„Es ist nichts."

Elizabeth runzelte die Stirn und konzentrierte sich, um die verschiedenen Schichten Magie, die ihn stets umgab, zu unterscheiden und um im Takt zu bleiben. „Seien Sie ehrlich, Mr. Darcy, sind Sie verletzt? Oder befinden Sie sich unter dem Einfluss von irgendeinem Zauber? Ich entdecken an Ihnen Magie, die mir nicht bekannt ist."

Er stolperte fast ein weiteres Mal, aber mit mehr Anmut als ihr vorheriger Partner. „Ich kann Ihnen versichern, da ist nichts."

„Und ich kann Ihnen versichern, dass dort wohl etwas ist!", antwortete Elizabeth, als sich wieder die Gelegenheit ergab.

„Ich habe geübt. Ich habe einen – groben Fehler gemacht und mein Bein verletzt." Sie gingen aufeinander zu und legten kurz ihre Hände ineinander.

„Sie halten das, was sie auf dem Feld gemacht haben, für Übungen?", sagte sie so leise, dass niemand anders sie hören konnte.

„Was sollte es anders sein? Ich bin ein unermüdlicher Schüler", sagte er mit dem Anflug eines Lächelns.

„Sie üben, um Ihre Fähigkeiten zu erweitern?", fragte sie skeptisch.

„Natürlich."

„Mr. Darcy, ich glaube Ihnen nicht."

„Sie werfen mir vor, dass ich nicht die Wahrheit sage?", entgegnete er und seine Augen blitzten.

„Ich weiß, dass Sie nicht die Wahrheit sagen. Sie werden von Zaubern umgeben, die mit Geheimhaltung zu tun haben – und ob sie nun von Ihnen selbst ausgeführt wurden oder von jemand anderem (wobei ich hoffe, dass Sie sich nicht unter den Einfluss eines fremden Zauber stellen), tut nichts zur Sache."

Mr. Darcy lächelte darüber sogar. „Mir steht es nicht frei, über die Umstände meiner Verletzung betreffend zu sprechen."

Elizabeth brodelte leise vor sich hin, bis Mr. Darcy sie wieder ansprach. „Gibt es noch weitere Zauber, die Sie entdecken?"

Damit war Elizabeth Neugier geweckt. „All die, die Sie sonst auch immer gebrauchen. Ich habe bemerkt, dass Sie nicht den für Ihr Haar verwenden – dafür aber den für die Balance dreifach."

Er fuhr sich schnell mit seiner Hand durch das Haar. „Ich bin heute wohl nicht ganz ich selbst gewesen."

„Da gibt es noch mehr", sagte sie sanft und hochkonzentriert, als sie sich einander näherten. „Ich kann nicht erkennen, was es ist – wobei – dient es der Lähmung? Und da ist etwas anderes, etwas komplett unangenehmes-"

„Schmerz?", sagte Mr. Darcy schroff, als sie sich wieder voneinander entfernten.

„Ja", sagte sie und blickte ihm überrascht in die Augen. Diese glänzten, aber nicht vor Freude sondern fast schon vor Fieber.

Sein Gesicht blieb teilnahmslos. Er schien den Wunsch zu haben, das Thema zu wechseln, und fragte sie, ob sie und ihre Schwestern oft nach Meryton gingen. Elizabeth hob eine Augenbraue und erwähnte, dass sie, als sie sich das letzte Mal in Meryton begegnet waren, gerade eine neue Bekanntschaft geschlossen hatten.

Mr. Darcys Gesichtsausdruck verdunkelte sich daraufhin. „Mr. Wickham ist durch seine gewinnenden Manieren geschickt darin, Freundschaften zu knüpfen, ob sie auch dauern, ist eine andere Frage."

„Er hat das Pech gehabt, Ihre Freundschaft zu verlieren", erwiderte Elizabeth nur knapp und mit erröteten Wangen. „Und es besteht keine Hoffnung, dass er sie wieder erlangen könnte?"

„Nein."

„Dann muss Ihre Abneigung, sobald sie einmal besteht, ja unüberwindbar sein. Daraus muss ich folgern, dass Sie sehr vorsichtig sind, immer wenn Sie eine Abneigung gegen jemanden fassen?"

„Das bin ich", sagte er mit fester Stimme.

„Und Sie lassen sich nicht durch Vorurteile blenden?"

„Ich hoffe nicht." Er stoppte. „Es ist dringend notwendig, dass ich das nicht zulasse."

Elizabeth, die merkte, dass Sie mit jeder Minute frustrierter wurde, war begierig darauf, dass der Tanz bald endete. „Ich verstehe Sie nicht", sagte sie verzweifelt. „Ich werde aus Ihren Handlungen einfach nicht schlau."

Mr. Darcys gewohnte Teilnahmslosigkeit wurde durch einen aufrichtigen überraschten Blick ersetzt. „Von welchen Handlungen sprechen sie?", fragte er ernst.

„Ich höre so verschiedene Urteile über Sie, dass ich vollkommen verwirrt bin."

„Und Sie glauben alles, was Sie hören, Miss Bennet?"

Sie schnaubte vor Wut und hielt steif seine Hand fest, als die Musiker ihre letzten Akkorde spielten. „Ich bin nicht so naiv, als dass ich alles ohne ausreichende Beweise glaube – und Sie müssen doch verstehen, dass ich mich von simplen Zaubereien und Tricks, die den Anschein von Wahrheit vorgaukeln, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil sind, nicht für dumm verkaufen lasse. Ich finde es erstaunlich, dass Sie mir so etwas unterstellen, wo Sie doch selbst versuchen, etwas mithilfe von Zauberei vor mir zu verheimlichen."

Mr. Darcy ließ ihre Hand nicht los und sah sie kühl an. „Die talentiertesten Lügner brauchen keine Zaubereien – sie lügen ohne die Hilfe von Magie und sind deshalb auch die gefährlichsten."

Sie standen sich unbeweglich gegenüber, beide waren starr vor Zorn. Schließlich aber bot ihr Mr. Darcy seinen Arm an und sie entfernten sich langsam von der sich nun neu bildenden Reihe der Tanzenden.

„Haben Sie mit Ihrem Vater gesprochen – erinnern Sie sich?", fragte Mr. Darcy schließlich überraschend und sehr leise.

Elizabeth war überrascht und verwirrt und sagte zum zweiten Mal an diesem Abend: „Ich verstehe Sie nicht."

„Sie erinnern sich also nicht", stellte er fest.

Elizabeth dachte einen Moment lang nach und versuchte sich an ihre vorangegangenen Begegnungen zu erinnern. „Ich kann mich an nichts bedeutsames erinnern, Mr. Darcy", sagte sie schlussendlich.

„Ich verstehe", sagte Mr. Darcy steif, verbeugte sich und ließ sie mit einem Gefühl tiefer Enttäuschung zurück.

(1) Fortinbras und Pendragon sind beide Figuren aus der britischen Literatur
Fortinbras ist eine Figur aus Hamlet. Sein Name ist französisch und bedeutet übersetzt so etwas wie "stark bewaffnet". Fortinbras spielt eine entscheidende Rolle, weil er - im Gegensatz zu Hamlet - ein Mann der Tat ist. (Das sollte als Anmerkung zu dieser Geschichte reichen - man kann sich nämlich über ganze Seiten über seinen Charakter auslassen ;-))
Pendragon ist altenglisch und bedeutet "Kopf des Drachen" und dieser Name wird immer im Zusammenhang mit dem mystischen König Artus genannt, dessen Vater Uther Pendragon war.
Tree hat keinen literarischen Hintergrund.

Und es wird noch einige Zeit dauern, bis die wahre Identität der Männer gelüftet wird. Decknamen verwenden sie zu ihrer eigenen Sicherheit. Aber das sollte euch ja nicht davon abhalten, zu spekulieren :-) Einfach ein kleines Review schreiben...