Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.

AN: AN: Wieder einmal muss ich mich für meine Verspätung entschuldigen. Dieses Mal konnte ich aber selbst nichts dafür, es war höhere Gewalt (in Form der Deutschen Telekom AG seufz), weshalb ich gute 10 Tage ohne Internet da stand. Die nächsten Kapitel folgen aber jetzt ein bisschen schneller. Ich war in den 10 Tagen meiner Abstinenz sehr übersetzungsfleißig.

Kapitel 11 – reisen mit hoher Geschwindigkeit

Elizabeths sämtliche Befürchtungen wurden unverzüglich durch die die warme Begrüßung, die sie von Charlotte bei ihrer Ankunft in der Pfarrei von Hunsford erhielt, beruhigt. Die Ehe hatte das Verhalten ihres Ehemanns nicht verbessert, aber das hatte Elizabeth auch nicht erwartet. Allerdings war Mr. Collins überaus höflich und erkundigte sich mehrere Minuten lang nach dem Befinden ihrer Familie. Danach führte er sie ganz eifrig in sein Haus, wo er seine Gäste mit der zurückhaltenden Anmut seiner Möbel und der überlegenen Stabilität der Wände der Pfarrei beeindruckte.

Mr. Collins schien seine Kommentare gezielt auf Elizabeth zu richten, als ob er wünschte ihr zu zeigen, was sie mit der Ablehnung seiner Hand verloren hatte. Aber obwohl alles ordentlich und behaglich aussah, war sie doch nicht ihn der Lage, ihn auch nur mit einem Seufzer der Reue zu erfreuen. Sie war vielmehr erstaunt über das heitere Auftreten ihrer Freundin angesichts eines solchen Partners. Charlotte, die zeitweilig angesichts der ein oder anderen Bemerkung ihres Ehemanns ein leichtes Erröten nicht verhindern konnte, stellte sich gegenüber den Geschmacklosigkeiten von Mr. Collins klugerweise größtenteils taub.

Ihr Rundgang beinhaltete auch einen Spaziergang durch den Garten (in dem Mr. Collins – ermuntert durch seine Frau – häufig arbeitete) und einen Blick auf Rosings durch die licht stehenden Bäume. Mr. Collins hätte sie gerne noch herum geführt, um ihnen seine beiden Wiesen zu zeigen, aber da Elizabeths und Marias keine Schuhe trugen, die den Schneeresten gewachsen gewesen wären, begaben sie sich wieder zurück ins Haus. Alleine mit Charlotte, wenn man Mr. Collins vergessen konnte, erschien es wirklich rundherum behaglich dort zu sein und angesichts von Charlottes offensichtlicher Freude schien sie seine Anwesenheit in der Tat häufig zu vergessen.

„Ich würde dir ja Tee anbieten, Elizabeth", sagte Charlotte mit einem glücklichen Lächeln, „aber nicht so, wie du ihn für gewöhnlich immer trinkst, ich muss ihn auf die herkömmliche Art und Weise machen."

„Mach dir wegen mir keine Umstände, Charlotte", sagte Elizabeth mit einem Lächeln, während sie sich in dem Zimmer umblickte.

„Oh, das macht gar nichts, ich muss ohnehin welchen für meinen Ehemann machen."

„Mr. Collins trinkt keinen verzauberten Tee?" Elizabeth hob eine Augenbraue.

„Nein, in der Tat nicht und Maria, du musst jetzt auch genau aufpassen – denn Mr. Collins erlaubt es nicht, dass in seiner Gegenwart gezaubert wird", sagte Charlotte, während sie den Wasserkessel aufsetzte.

„So war er aber nicht in Hertfordshire", sagte Elizabeth verwundert, als sie gegenüber von Charlotte Platz nahm.

„Er ist so auch nicht in Gesellschaft und auch nicht immer hier Zuhause, aber generell hat er diese Einstellung wegen seiner Gönnerin angenommen."

„Lady Catherin de Bourgh?", lachte Elizabeth. „Du machst Witze."

„Es ist die absolute Wahrheit", sagte Charlotte. „Lady Catherine besteht darauf, dass in ihrem Haus keine Magie benutzt wird. Ich kenne nicht die ganze Geschichte, aber angeblich starb ihr Mann vor einigen Jahren bei einem Unfall, bei dem Magie im Spiel war. Seit seinem Tod ist sie jedweder Magie gegenüber absolut unversöhnlich."

„Rosings wird nicht nicht durch irgendwelche magische Hilfe erhalten?", sagte Elizabeth überrascht.

„Überhaupt gar nicht. Es gibt nur wenige solcher Herrenhäuser in ganz England", antwortete Charlotte und reichte ihr eine Tasse von ganz gewöhnlichem Tee.

„Der wird aber nicht so schmackhaft sein wie meiner", kicherte Maria.

„Keinerlei Zauber", überlegte Elizabeth und nahm ihre Tasse kaum wahr. „Das ist ziemlich außergewöhnlich. Mit einem Neffen, er so tief involviert ist in – und ihr Ehemann!" Elizabeth stoppte und trank einen Schluck Tee, um ihre Gedanken zu ordnen.

„Lady Catherine ist alles andere als gewöhnlich", sagte Charlotte mit einem Lächeln. „Und sie ist eine sehr aufmerksame Nachbarin."

Kurz darauf kehrten Mr. Collins und Sir William ins Haus zurück und tranken gemeinsam mit den Damen Tee. Den Rest des Nachmittags verbrachten sie mit entspannter Konversation und Erzählungen von Ereignissen, die sich in Hertfordshire zugetragen hatten. Kurz verweilte das Gespräch auch auf dem Fehlen von Angriffen seit dem Abend vor Mr. Bingleys Ball – aber hier unterbrach Mr. Collins sie schnell, indem er alle in einem sehr ernsten Tonfall darauf hinwies, dass Lady Catherine nicht durch solches Gerede verstimmt werden dürfe. Sie dürften in gemäßigter Weise darüber hier im Haus diskutieren, aber unter keinen Umständen dürften sie bei seiner Gönnerin auf Magie welcher Form auch immer anspielen, es sei denn, sie brachte das Thema selbst auf.

Am Abend war Elizabeth dankbar für die Einsamkeit in ihrem Zimmer. Als sie bemerkte, dass die blauen Vorhänge vor dem kleinen Fenster zugezogen waren, ging sie dort hin und zog sie zur Seite. Elizabeth stand dort einige Zeit, überblickte zuerst den Garten und blickte dann in ihr kleines Zimmer. Rosings, das dunkle in der Ferne lag, war wegen der Bäume kaum zu sehen. Elizabeth fragte sich, was sie in dem Park und in dem großen Wald wohl finden würde. Sie war damit aufgewachsen, das Magie in den Wäldern von Longbourn ständig anwesend war – und jetzt war sie unsicher, ob Magie in den Wäldern von Rosings überhaupt zugelassen war.

Ihr Zimmer war aufgeräumt und behaglich, so wie das ganze Haus. Und obwohl Mr. Collins die Anteilnahme seiner Gönnerin an fast jedem Detail in der Pfarrei ständig wiederholt hatte, so schrieb sie die angenehme Atmosphäre in dem Raum doch ihrer Freundin zu – wer sonst hätte wohl frische Blumen auf ihr Nachtschränkchen gestellt oder die beiden Bücher so günstig in ihrer Reichweite platziert? Elizabeth seufzte, zog die Vorhänge zu und dachte, dass es richtig gewesen war, herzukommen.

Am folgenden Nachmittag unternahm sie einen Spaziergang über die Wiesen und ging die Zäune, die die Außenanlagen von Rosings umgaben, entlang. Obwohl sie sehr in Versuchung geführt wurde, überquerte sie die Zäune jedoch nicht und war enttäuscht, dass sie nichts außergewöhnliches – egal ob nun magisch oder nicht – an dem Ort entdecken konnte. Sie kehrte gerade zu dem Weg, der zur Pfarrei führte, zurück, als ein Phaeton mit berauschender Geschwindigkeit um die Kurve gefahren kam. Sie sprang zur Seite, um nicht überfahren zu werden, aber das Fahrzeug hielt mit einem gezielten Zauber direkt vor der Pfarrei von Hunsford. Zwei Frauen saßen in dem Phaeton und richteten ihre Hauben. Die jüngere der beiden blickte auf und sah beunruhigt Elizabeth mit offenem Mund an der Hecke stehen. Sie gab ihrer Begleiterin ein Zeichen, die daraufhin auch sofort aufblickte.

„Ist alles in Ordnung?", rief die ältere Frau.

Elizabeth schloss ihren Mund und machte etwas zitternd einen Schritt nach vorne. „Ja, danke, wenn auch etwas erschrocken. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein so schnelles Phaeton gesehen zu haben."

Die ältere Frau, deren Kleidung darauf hindeutete, dass sie eine niedrigere Stellung hatte, als die jüngere Frau, rutschte unruhig hin und her. „Sie haben uns so schnell fahren gesehen?"

„Ich–", hier stoppte Elizabeth. Sie begriff, dass das Phaeton die ganze Zeit lang verzaubert gewesen war, wahrscheinlich, um die tatsächliche Geschwindigkeit zu verbergen, aber sie sah keine Möglichkeit, ihnen ihre Entdeckung mitzuteilen, ohne zu viel von sich selbst zu verraten.

Die jüngere Frau, die dünn und blass war, wandte sich zu ihrer Begleiterin und flüsterte etwas unverständliches. Sie drehte sich wieder zu Elizabeth um, versuchte zu lächeln und sprach sie direkt an. „Seien Sie so freundlich und erwähnen diesen Vorfall nicht gegenüber von Mr. Collins, oder irgendwem anders."

Elizabeth war angesichts der herablassenden Anrede etwas überrascht und legte fragend ihren Kopf zur Seite.

„Sie sind entweder seine Cousine oder seine Schwägerin, nicht wahr?", fuhr die junge Frau fort. „Sie müssen seine Cousine sein, denn Sie sehen Mrs. Collins nicht im geringsten ähnlich. Würden Sie mir bitte diesen einen Gefallen erweisen? Mrs. Jenkinson muss sich – verkalkuliert haben. Unter normalen Umständen hätten Sie uns niemals so schnell fahren sehen. Wir haben nicht so viel Zeit", fügte sie etwas drängend hinzu und blickte auf die Fenster der Pfarrei.

„Ich sehe mich nicht dazu gezwungen, so eine Anforderung zu erfüllen, wenn ich auf so eine Art und Weise darum gebeten werde", antwortete Elizabeth lachend und versuchte, ihren Ärger und ihre Neugier zu verbergen. Die junge Frau kniff ihre Lippen zusammen, während die andere sie missbilligend ansah. Sie schwiegen und hörten, wie Mr. Collins hastige Schritte sich ihnen näherten. Mit einem verschmitzten Lächeln sprach Elizabeth weiter, kurz bevor er die Tür erreichte. „Ich werde Ihnen in diesem Fall den Gefallen tun, da ich ja – jedenfalls dieses Mal – nicht zu Schaden gekommen bin."

Die Schultern der jungen Frau entspannten sich merklich und sie wandte ihre ganze Aufmerksamkeit dem Pfarrer zu. Ganz außer Atem und aufgeregt, war Mr. Collins doch etwas verwirrt, wie Elizabeth Miss Anne de Bourgh (die junge Dame, der das Phaeton wohl offensichtlich gehörte) getroffen hatte. Obwohl sie gerne ins Haus zurückgekehrt wäre, konnte sie es doch nicht umgehen, ganz angemessen vorgestellt zu werden. Als Charlotte nach draußen zu ihnen kam, war sie sich sicher, dass sie jetzt hinein gehen würden, um aus dem Wind zu kommen, aber Miss de Bourgh war nicht so zuvorkommend. Sie standen dort noch einige Zeit länger, während Mr. Collins seine Hochachtung gegenüber Miss de Bourgh und ihrer Mutter zum Ausdruck brachte. Seine Dankbarkeit ließ sich kaum mit Worten beschreiben, als er erfuhr, dass Miss de Bourgh gekommen war, um die ganze Gesellschaft für den nächsten Tag zum Tee einzuladen.

Nachdem Miss de Bourgh ihre Nachricht überbracht hatte, verabschiedete sie sich kurz und bündig und das Phaeton raste mit einer ungeheuren Geschwindigkeit davon. Elizabeth bemerkte amüsiert, dass Mr. Collins dem Fahrzeug noch hinterher winkte, obwohl es schon lange außer Sicht war und sie begriff, dass mit Mrs. Jenkinsons Zauber alles in Ordnung gewesen war – nur dass er keine Wirkung auf sie hatte.

Mr. Collins' Triumph angesichts der Einladung war absolut vollkommen. Auf die Möglichkeit seine staunenden Besucher auf die ganze Pracht seiner Gönnerin hinzuweisen und ihnen ihre Freundlichkeit gegenüber sich selbst und seiner Frau zu zeigen, hatte er schon lange gehofft und dass sich die Möglichkeit dazu so schnell ergeben würde, war ein solcher Beweis von Lady Catherines Aufmerksamkeit, dass man es gar nicht genug bewundern konnte.

„Was hältst du von Anne de Bourgh?", flüsterte Charlotte ihr zu, als sie zurück ins Haus gingen und Mr. Collins jetzt in eine Diskussion mit Sir William vertieft war.

„Ja, Elizabeth", rief Maria. „Oh, wäre ich doch mit nach draußen gekommen!"

„Mir gefällt sie", sagte Elizabeth nicht ohne Hintergedanken. „Sie sieht so kränklich und mürrisch aus. Ja, sie ist genau die richtige für ihn. Genau die Frau, die er verdient hat."

„Lizzy!", rief Charlotte und bemühte sich nicht zu lachen. „Von wem redest du?"

„Na, von Mr. Darcy natürlich", rief Elizabeth, woraufhin alle drei Frauen ihr Lachen nicht länger zurückhalten konnten. „Obwohl ich sie für sehr rücksichtslos halte, weil sie dich draußen im Wind hat stehen lassen, Charlotte."

Mit einem wissenden Blick wies Charlotte die Frauen an zu schweigen, als ihr Ehemann sich ihnen näherte, aber Elizabeth musste Mr. Collins unbedingt noch eine Frage stellen.

„Fährt Miss de Bourgh häufig spazieren?", sagte sie gut gelaunt.

„Ich weiß, dass sie zwei Mal in der Woche spaziere fahren, Miss Elizabeth", antwortete Mr. Collins.

„Sie hat ein wirklich sehr schönes Phaeton–"

„Oh ja, wirklich sehr schön!", echoten sowohl Mr. Collins als auch Sir William.

„Aber fahren sie mit solche einem Gefährt nicht manchmal mit einer Geschwindigkeit, die Miss de Bourghs Gesundheit schaden könnte?", beendete Elizabeth ihren Satz und hob eine Augenbraue.

„Meine liebe Cousine", rief Mr. Collins, „Ihre Sorge ist bewundernswert, aber vollkommen unbegründet! Ich habe sie nie anders als mit dem wirklich anständigsten – ja fast schon langsamsten – Geschwindigkeit fahren sehen. Lady Catherine sagt, dass die frische Luft gut für die Lungen ihrer Tochter ist."

Elizabeth lächelte und sagte nichts mehr und bemerkte auch nicht den verwirrten Blick, den Charlotte ihr zuwarf.

Der nächste Tag war warm und sonnig – einen besseren Tag um auf Rosings Tee zu trinken hätte Mr. Collins sich gar nicht denken können.

„Sie brauchen sich, liebe Cousine, über Ihre Garderobe", sagte er ihr, als sie sich zum Aufbruch bereit machten, „oder Ihr fehlendes magisches Talent keine Gedanken zu machen."

Elizabeth lächelte amüsiert. „Das ist überhaupt gar kein Grund zur Sorge, Mr. Collins."

„Ich möchte Sie daran erinnern, dass Lady Catherine selbst eine wirklich überaus magisch talentierte Person ist – aber es ist von allergrößter Wichtigkeit, dass Magie oder Zauberei in ihrer Anwesenheit nicht einmal erwähnt werden."

Elizabeth versuchte, nicht zu lachen und versicherte ihm mit so viel Ernsthaftigkeit wie möglich, dass das für Sie gar kein Problem sei.

„Ich habe ja selbst von diesen Dingen auch kein kleines Wissen", erklärte Mr. Collins, „und Charlotte ist natürlich auch sehr talentiert. Aber da Sie, liebe Cousine, selbst nicht mit so einer Gabe gesegnet sind, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Aber Maria, du musst alle überflüssigen Zauber, die du vielleicht nur der Schönheit wegen benutzt, sofort entfernen – Lady Catherine kann solche Zauber nicht ausstehen."

Elizabeth erster voller Anblick des Hauses war so wie sie erwartet hatte. Es war ein schönes Gebäude von moderner Bauart. Mr. Collins zeigte ihnen besonders noch einmal die vielen Fenster. Sie dachte, dass es perfekt zu einer Verwandten von Mr. Darcy passte – es war bestimmt ein Ort, an dem er sich überaus wohl fühlte. Neugierig gemacht durch Mr. Collins Beharren, dass das Anwesen nicht mit Magie geleitet wurde, konzentrierte sie sich auf das Entdecken irgendeines Zaubers – und konnte keinen finden. Obwohl sie nicht an Charlottes Worten gezweifelt hatte, war das doch etwas wirklich außergewöhnliches. Sogar in Hertfordshire mit all den dürftigen Talenten dort, war überfüllt mit allen möglichen Zaubern. Meistens empfand Elizabeth diese als sehr nervenaufreibend und hatte sich daran gewöhnt, den konstanten Beschuss ihrer Sinne zu ignorieren. Hier würde es unnötig sein, die Barriere aufzubauen, die sie für gewöhnlich immer zwischen sich und den pulsierenden Zaubern errichtete, um Platz zum Atmen zu haben.


„Wie ich hörte, können Sie nicht zaubern", sagte Lady Catherine zu Elizabeth, was dazu führte, dass die anderen sich schockiert ihnen zuwandten. Diese Frage war nur eine weitere Fortführung der unverschämten Ausfragerei, die Elizabeth schon den ganzen Abend über sich hatte ergehen lassen müssen, aber wegen Mr. Collins' Warnungen hatte sie diese nicht erwartet.

„Nein", antwortete sie nur kurz.

„Das ist sehr ungewöhnlich, aber beleibe nicht bedauernswert." Lady Catherine nickte in Richtung ihrer Tochter Anne, die gemeinsam mit einer fürsorglichen Mrs. Jenkinson am Feuer saß. „Meine Tochter und ich, wir sind selbst nicht ohne Talent, aber wir haben uns aus freien Stücken dazu entschieden, es nicht zu nutzen."

Elizabeth zögerte einen Moment, bevor sie sagte: „Miss de Bourgh verwendet nie Magie?"

Miss de Bourgh hielt inne und sah Elizabeth mit einem strengen Gesichtsausdruck an. Lady Catherine bemerkte den Gesichtsausdruck ihrer Tochter und sprach für diese: „Keiner von uns zaubert, habe ich Ihnen das nicht gerade gesagt?" Sie stoppte und seufzte, bevor sie fortfuhr: „Zaubert der Rest ihrer Familie denn?"

Elizabeth hätte fast nicht antworten können, denn sie war zu beschäftigt damit, über diese neuen Erkenntnisse nachzudenken, aber sie brachte es fertig zu sagen: „Drei meiner Schwestern und meine Mutter versucht es; wir werden aber nicht für sonderlich talentiert gehalten."

Sir William blickte drein, als wollte er etwas über das große Talent der Bennets sagen, aber die Ehrfurcht vor ihrer Gastgeberin hielt ihn zurück. Lady Catherine nickte erneut, als sie fortfuhr: „Ihre Eltern ermutigen so ein Verhalten nicht hoffentlich auch noch – es ist viel zu gefährlich."

Elizabeths Mundwinkel wanderte nach oben. „Mit Ausnahme meiner Schwester, deren besonderes Talent im Bereich der Heilung liegt, denke ich nicht, dass es sonderlich gefährlich werden könnte."

Lady Catherine schien nicht daran gewöhnt zu sein, dass ihr jemand widersprach, aber das hielt sie nicht davon ab, weitere Fragen zu stellen. „Ihr Vater zaubert nicht?"

„Nein."

„Und Ihnen fehlt komplett die Gabe dazu?"

„Ja."

„Das ist bestimmt von großem Interesse für jene, die sich mit solchen Dingen beschäftigen", antwortete Lady Catherine. „Aber halten Sie das nicht für ein Unglück, besonders hier, wo solche Sachen nicht erwähnt werden."

Elizabeth lächelte erneut, antwortete aber nicht und das Gespräch wandte sich einem anderen Thema zu.


Fortinbras und Pendragon saßen in einer verdunkelten Bibliothek, die nur von dem flackernden Feuer im offenen Kamin erhellt wurde.

„Du brütest schon wieder vor dich hin", meinte Fortinbras und schickte einen gelben Feuerstoß in Pendragons Richtung.

„Sei nicht so aufdringlich", seufzte Pendragon, der sich noch nicht einmal die Mühe machte, den kleinen Feuerball, der jetzt über seinem Kopf schwebte, zu beseitigen.

„Was kann sie geschrieben haben, dass es dir so einen Schreck verpasst hat? Wir müssen hingehen – es führt nichts daran vorbei. In zwei Wochen und es ist ja kein sonderlich langer Aufenthalt. Zudem wirst du ohne Probleme zu allen anderen Orten gelangen können. Und ich auch – falls es denn sein muss."

Pendragon richtete sich langsam in dem Sessel auf und rieb sich nachdenklich seinen Nacken. Er sah Fortinbras etwas beunruhigt an. „Was, wenn ich sage, dass wir jetzt gehen – früher als geplant? Könntest du damit zurecht kommen?"

Fortinbras lehnte sich zurück und tat entsetzt. „Du meinst doch nicht etwa, dass wir freiwillig unseren Aufenthalt verlängern! Was hast du vor?"

„Das ist meine Sache."

„Und es hat nichts zu tun mit–"

„Nein."

„Wir haben nie wieder davon gesprochen und du hattest mir doch versprochen, mir die Identität deiner wahren Liebe zu enthüllen", sagte Fortinbras mit einem Lachen und duckte sich, um dem Feuerball, den Pendragon in seine Richtung schickte, auszuweichen.

„Es stellte sich als absolut hoffnungslos heraus."

„Und diese junge Dame ist nicht die selbe, die du in–"

„Ich werde mir dir darüber sprechen", sagte Pendragon streng und lehnte sich in seinem Sessel zurück, „aber erst nach weiteren Untersuchungen."

Fortinbras seufzte tief. „Musst du denn immer vor dich herbrüten? Ich kann es nicht ertragen, wenn du so in Liebeskummer ertrinkst."

Pendragons Antwort bestand aus einem weiteren Feuerball, dieses Mal blau. Fortinbras konnte sich dieses Mal nicht mehr rechtzeitig ducken und sein Bart wurde angesengt.


„Ich hatte von Lady Catherine gehört, dass sie erst in einer Woche erwartet würden." Elizabeth lächelte dem jungen Mann, der vor ihr saß, zu und bedachte den anderen, der in respekteinflößender Stille am anderen Ende des Raumes stand, kaum mit einem Blick.

„Ja, in der Tat, aber wir mussten gezwungenermaßen unsere Pläne ändern. Wir müssen unsere Tante besuchen und uns war danach, den Listen in der Stadt zu entkommen", antwortete der junge Mann und beantwortete ihr Lächeln mit einem Grinsen. „Und jetzt bin ich an der Reihe, Ihnen eine Frage zu stellen."

„Das ist nur gerecht, immerhin haben Sie meine beantwortet – wenn auch etwas ausweichend. Aber daran bin ich ja schon gewöhnt, immerhin bin ich ja mit Ihrem Cousin bereits bekannt", sagte Elizabeth mit einem weiteren Blick auf Mr. Darcy.

Der junge Mann, ein Colonel Fitzwilliam, lachte erneut und wandte sich an seinen Cousin. „Du musst dich zu uns setzen, Darcy, anstatt dort zu stehen und uns anzustarren."

Mr. Darcy sah beleidigt drein, aber nahm dennoch Platz, wobei er aber eine Distanz zwischen sich und den anderen wahrte.

„Wie ich aus verschiedenen Quellen hörte, können Sie nicht zaubern, Miss Bennet", sagte Colonel Fitzwilliam nach einem Kopfschütteln. „Ist das wahr?"

„Oh ja", sagte Elizabeth fröhlich.

„Wie unglücklich!"

„Ich denke, das hängt von der Anschauungsweise ab. Da ich nie selbst gezaubert habe, kann ich dazu schwerlich eine Meinung bilden", sagte Elizabeth und bemühte sich, Mr. Darcy nicht noch einmal anzusehen.

„Wie ich von meinem Cousin hörte, ist Hertfordshire nicht gerade für Magie bekannt. Vielleicht würden Sie das anders sehen, wenn Sie die Möglichkeit hätten, sie auch an anderen Orten zu beobachten", fuhr Colonel Fitzwilliam fort.

„So wie zum Beispiel bei gebildeteren Menschen?", sagte sie, was den Colonel erröten ließ. „Mr. Darcy unterschätzt die Fähigkeiten in Hertfordshire. Ich kann ihre Neugier verstehen, Colonel, aber wie soll ich etwas nachtrauern, das ich nie besessen habe?", sagte Elizabeth trocken.

Colonel Fitzwilliams hastige Entschuldigung wurde durch Mr. Darcy unterbrochen: „In Hertfordshire gibt es natürlich auch seltene Talente und der Wald in der Nähe Ihres Zuhauses enthält eine Magie, die sich woanders nur selten finden lässt. Aber ich behaupte weiterhin, dass sich ihre Einstellung verändern würde, wenn Sie höheren Formen der Magie ausgesetzt werden würden."

„Höheren Formen?", schmunzelte Elizabeth. „Wie zum Beispiel Ihren Talenten?"

Er antwortete nicht und hüllte sich wieder in Schweigen, aber der Colonel war mehr als glücklich, ihre Unterhaltung fortzuführen.

„Darcy verfolgt unzweifelhaft immer die höchsten Formen der Magie!", lachte er. „Aber ich fürchte, dieses Gesprächsthema ist für Sie unangenehm, Miss Bennet und Sie können ja auch nicht so viel dazu beitragen."

Elizabeths undefinierbares Lächeln als sie antwortete, entging Mr. Darcy nicht. „Wahrscheinlich haben Sie Recht, Colonel. Mein Wissen darüber kann natürlich nicht so groß sein, wie ich es gerne wünschte. Wir sollten von etwas ganz gewöhnlichem und langweiligem sprechen, dem Wetter vielleicht?"


Die Ankunft von Lady Catherines Neffen eine Woche eher als erwartet, hatte in der Nachbarschaft für großes Erstaunen gesorgt. Aber dass sie schon so schnell nach ihrer Ankunft im Pfarrhaus ihre Aufwartungen machen sollten – dass konnte Charlotte nur damit begründen, dass es ein Kompliment für Elizabeth darstellte. Elizabeth für ihren Teil freute sich über die Veränderung in der Gesellschaft, aber lachte über die Behauptung ihrer Freundin, dass Mr. Darcy ihr ein Kompliment machen wollte. Ihr Besuch war kurz und hinterließ bei Elizabeth einen positiven Eindruck von Colonel Fitzwilliam und untermauerte ihre Meinung von Mr. Darcys Unfreundlichkeit.

Am gleichen Abend wurde Elizabeth von Charlotte und Maria, die ihr bis tief in die Nacht Geheimnisse anvertrauten, davon abgehalten, sich in ihr Zimmer zurückzuziehen. Als sich die Uhr langsam Mitternacht näherte, stolperte Elizabeth endlich in ihr Zimmer und hätte beinahe Kerzenwachs auf ein Buch verschüttet, das auf ihrem Bett lag. Sie hielt inne und hob behutsam das Buch hoch (nachdem sie die Kerze vorsichtig auf das Nachttischchen gestellt hatte). Sie konnte sich nicht erinnern, dort ein Buch hingelegt zu haben und dieses wirkte irgendwie merkwürdig. Ihre Fingerspitzen prickelten, als sie das Buch öffnete und mit einem Schock begriff Elizabeth, dass es mit Magie in ihrem Zimmer platziert worden war – und die Überreste, die der Zauberer hinterlassen hatte, waren ihr sofort bekannt.

Daraufhin hätte sie beinahe das Buch zur Seite gelegt, aber ihre Neugierde war stärker als alles andere und Elizabeth schlug die erste Seite auf. Nachdem sie nicht mehr als die ersten paar Zeilen gelesen hatte, schlug sie das Buch zu, blies die Kerze aus und schlüpfte unter ihre Bettdecke. Sie schlief diese Nacht nicht so schnell ein, Elizabeths Verstand war gefüllt mit viel zu vielen unbeantworteten Fragen. Mit ihm zu sprechen war jetzt von höchster Wichtigkeit – und sie hatte den Verdacht, dass sie wusste, wo sie ihn früh am nächsten Morgen würde finden können.

Jaaaaaa, wer hat da welches Buch bei Elizabeth hinterlassen??
Und habt ihr neue Vermutungen bezüglich der Identität von Pendragon und Fortinbras??
Ihr dürft mir alles gerne erzählen... einfach ein Review hinterlassen ;-)