Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.
Kapitel 13 – von vorhergesehenen und unvorhergesehenen Dingen
Pendragon saß im Moor, der Nebel wirbelte um ihn herum, sein Kopf ruhte in seinen Händen.
Ein paar Fuß entfernt stand Fortinbras mit einem anderen jungen Mann. Dieser war unter dem Namen Tree bekannt, etwas kleiner als Fortinbras, sein Haar war zerzaust und seine Augen rot. Fortinbras ging erregt auf und ab.
„Ich habe ihn noch nie so gesehen", sagte Tree leise. „Er ist nicht er selbst – aber das ist ja nicht verwunderlich."
„Was ist passiert?"
„Nichts ist nach Plan gelaufen", Tree seufzte tief und fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht. „Der Angriff war unerwartet – in Benedicks(1) eigenem Haus. Fortinbras – er ist tot und seine Frau beinahe ebenfalls. Pendragon war sein erster Kontakt – und ich sein zweiter. Als wir ankamen…"
„Du hast genau richtig gehandelt, indem du ihn hierher gebracht hast", sagte Fortinbras und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Das hier ist einer der letzten wenigen sicheren Orte, die wir noch haben. Obwohl ich annehme, dass er einen Kampf begonnen hat." Sie beide drehten sich um und blickten auf Pendragon, der sich noch immer nicht gerührt hatte.
„Ja", Tree hätte beinahe gelacht. „Aber ich konnte ihn ja nicht da bleiben lassen. Die Verbindung ist zu stark, es werden Verdächtigungen kommen."
Fortinbras sah gen Osten, wo die Sonne langsam aufging. „Du hast getan, was du konntest, mein Freund", sagte er zu Tree, „und ich kann dir versichern, dass ich mich jetzt um ihn kümmern werde."
Tree sah noch einmal auf Pendragons einsame Gestalt, dann straffte er entschlossen seine Schultern und reichte Fortinbras die Hand. „Bis zu unserem nächsten Treffen", sagte er, ging in Richtung Westen und verschwand im Nebel.
Fortinbras stand einen Moment regungslos, bevor er sich an Pendragons Seite kniete. „Wir müssen zurück", drängte er ihn und legte sanft eine Hand auf seine Schulter. „Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte. Bei Gott – ich wünschte, ich wäre eher gekommen."
Pendragon schütte unglücklich seinen Kopf. „Er ist tot."
„Ja, er ist tot, aber du lebst und wir müssen zurück."
Mithilfe der Hand, die Fortinbras ihm gereicht hatte, richtete Pendragon sich langsam auf, bis er scharf die Luft einzog und sich wieder auf den Boden fallen ließ.
„Warum hast du niemandem erzählt, dass du verletzt bist!"
„Niemand hat gefragt", antwortete Pendragon und sein Gesicht war schmerzverzerrt. „Es ist schlimmer als vorher."
„Die selbe Wunde?"
„Ja."
„Was sollen wir machen? Wir müssen zurückkehren oder jemand wird uns verdächtigen", sagte Fortinbras beunruhigt. „Normalerweise würde ich sie für dich verbergen, aber unter diesen Umständen–", sagte er und fuhr sich verzweifelt mit der Hand durch die Haare. „Wir hätten niemals dorthin gehen dürfen und jetzt gibt es nichts–"
„Es gibt etwas. Benutz den Tarnzauber und bring mich zum Haus des Pfarrers. Lass mich dort zurück und mach weiter wie geplant. Ich werde dir dann innerhalb einer Stunde folgen."
Fortinbras hielt skeptisch inne. „Der Pfarrer? Was hat er damit zu tun?"
„Er hat nichts damit zu tun."
„Dann…?"
Pendragon seufzte. „Du verschwendest deine Zeit, Fortinbras."
„Du und deine verdammten Geheimnisse!", rief Fortinbras und sein Gesicht war rot vor Ärger. „Wenn du offener mit mir gewesen wärst, dann–"
„Was dann?", schnappte Pendragon. „Dann wäre all das nicht passiert?"
Fortinbras' Mund hing für einen Moment offen, bevor er ihn wieder schloss ohne ein Wort gesagt zu haben. Er half Pendragon auf die Beine und belegte ihn schnell mit einem Zauber, der die Wunde schloss, den Blutfluss stoppte und ihm den Anschein gab, sich bewegen zu können. „Aber geh nicht so lang", sagte er kurz. „Der Zauber wird nicht lange halten und ich möchte nicht, dass du im Salon des Pfarrhauses verblutest."
„Ich werde nicht hinein gehen", sagte Pendragon gereizt, während Fortinbras ihm einen Arm um die Schultern legte. Gemeinsam mit Pendragon, der sich schwer auf ihn lehnte, ging er den Hügel entlang in Richtung des Sonnenaufgangs, der kalte Wind wehte in ihre Gesichter und schließlich wurden sie ganz vom Nebel verschluckt und verschwanden in die Dunkelheit.
Elizabeth regte sich, öffnete die Augen und sah, dass kaum Licht durch die Vorhänge in ihr Zimmer schien. Hatte sie ein Geräusch gehört? Sie spitzte ihre Ohren und horchte aufmerksam, bevor sie sich wieder auf die andere Seite drehte. Es war noch früh, kaum hell, sie musste geträumt haben.
Ein Kiesel schlug mit voller Wucht an ihr Fenster, sodass Elizabeth beunruhigt ihre Decke zur Seite warf und zu den Vorhängen ging. Sie schob diese nur ein wenig zur Seite und blickte hinunter in den nebeligen Garten, wo Mr. Darcys einsame Gestalt stand und gerade im Begriff war, einen weiteren Stein zu werfen. Sie schnappte verblüfft nach Luft, schob die Vorhänge komplett zur Seite und legte einen Hand an ihren Hals. Sie unterdrückte ihre Erleichterung, als sie ihn lebendig vor sich sah, und merkte, wie sich ihre Wangen vor Wut über die Ungehörigkeit seines Handels rot färbten. Sie würden ihm nicht antworten, das war undenkbar.
„Miss Bennet!", rief er. Seine Stimme war heiser, aber er sprach deutlich genug, sodass Elizabeth fürchtete, er könne Maria wecken, die im Zimmer nebenan schlief. Elizabeth legte sich ein Tuch um ihre Schultern, schlüpfte in ihre Schuhe und ging so leise wie möglich hinaus in den Garten.
„Mr. Darcy", zischte sie, als sie sich ihm näherte. „Was machen Sie hier!"
„Seien Sie nicht so beunruhigt", sagte er müde und ließ sich – zu ihrer Überraschung – auf den Boden sinken. „Niemand außer Ihnen kann mich hören. Wobei man wahrscheinlich Sie sehen kann, weil ich nicht in der Lage bin, Sie mit einem Unsichtbarkeitszauber zu belegen. Sind Sie zufrieden?"
Als sie das begriffen hatte, hockte Elizabeth sich neben ihn. „Sie sind verletzt", sagte sie.
Mit einer Grimasse bewegte Mr. Darcy sein rechtes Bein mit beiden Händen. „Ich kann es nicht nutzen", sagte er, „und gleich wird sich die Wunde wieder öffnen und dann habe ich wirklich ein Problem."
Elizabeth kniff ihre Augen zusammen. „Schon wieder geübt?", fragte sie sarkastisch, während sie sich gleichzeitig konzentrierte, um den Kern des Fluchs zu finden. Dieser war verborgen unter einer ganzen Anzahl anderer Zauber – von denen einer mächtiger war als der andere.
„Wie ich Ihnen schon gesagt habe", sagte Mr. Darcy sanft und merkte, wie er durch den Zopf, der über ihrer Schulter lag, von seinem Schmerz abgelenkt wurde, „steht es mir nicht frei, Ihnen zu enthüllen, wo und wie ich verletzt worden bin. Es ist ein Zauber von mir selbst und anderen, der mir nicht erlaubt, Ihnen zu verraten, wo ich gewesen bin.
„Ich könnte ihn für Sie lösen", sagte Elizabeth.
„Ich bitte Sie, das nicht zu tun."
Elizabeth setzte sich auf ihre Hacken und wickelte ihre Arme um ihre Knie. „Und wenn ich Ihnen meinen Namen verrate, würden Sie es mir dann sagen?"
Mr. Darcy sah ihr überrascht in die Augen, schüttelte dann aber langsam seinen Kopf. „Nein, das könnte ich nicht."
Elizabeth Augen blitzten wütend. „Warum sollte ich Ihnen dann helfen?"
Mr. Darcy sah hoffnungslos auf sein lebloses Bein. „Meine Tante – ich wäre niemals zu Ihnen gekommen, wäre da nicht die Tatsache – die Tatsache, dass ich meine Verletzung nicht vor ihr verbergen kann, ohne mich selbst zu verraten. Unter normalen Umständen würde ich es tarnen und warten, bis es von alleine heilt – so wie beim letzten Mal auch", sagte er nachdrücklich, „aber niemand weiß, dass ich Rosings überhaupt verlassen habe. Und dann mit so einer Verletzung zurückzukommen… Ich bitte Sie, Miss Bennet", beendete er seinen Satz und wagte es kaum, ihr in die Augen zu sehen.
Elizabeth nickte und ließ ihre Hände über sein Bein gleiten. Sie zögerte und wurde rot, bevor sie ihre Augen hob und in seine fragenden blickte. „Es würde mir helfen, Mr. Darcy", sagte sie sanft, „wenn Sie alle Tarnzauber, die Sie benutzen, entfernen würden. Und wenn Sie mir bitte – erlauben würden", sagte sie, als sie eine Hand auf sein Knie legte, „mich zu konzentrieren", endete sie und zuckte zusammen, als er vor Schmerz seine Zähne zusammen biss.
Elizabeth schloss ihre Augen und trennte jede einzelne Schicht des Zaubers nacheinander auf, so als würde sie die Maschen beim Stricken auflösen. Als sie immer weiter in den Zauber vordrang, merkte sie, wie eine Kälte sich von ihren Fingern bis in ihr Herz ausbreitete. Ihr war so eine Magie vorher noch nie begegnet und sie wäre mehrere Male beinahe abgeglitten. Nach 20 langen Minuten spürte sie schließlich ein Beben zwischen ihren Fingerspitzen, dort wo die Wunde gewesen war. Mr. Darcys Bein zuckte und er ließ seine Hände daran entlang gleiten, bevor er aufstand. Er ging einmal den Weg auf und ab und sah Elizabeth dann begeistert an.
„Sie haben es komplett geheilt", stellte er erstaunt fest. „Es ist besser als vorher."
Elizabeth hätte fast gelächelt – ihre Hände zitterten immer noch vor Kälte, aber ihr Magen drehte sich um. Sie sprang rasch auf, rannte zu der Hecke und übergab sich auf den Boden. Sie wischte sich mit ihrer Hand über den Mund und fiel auf die Knie, während Tränen ihre Wangen hinunter strömten und sie von einem heftigen Schüttelfrost gepackt wurde.
Obwohl sie Mr. Darcys warme Hände auf ihren Schultern spürte, antwortete sie nicht auf seine besorgten Ausrufe, bis ihre Tränen versiegt waren. „Es tut mir leid", flüsterte sie und sah dann fast lächelnd zu ihm auf. „Ich muss schrecklich aussehen."
Mr. Darcy war blass. „Sie sind krank – ich hätte niemals–"
„Nein, nein", unterbrach sie und und stellte sich etwas zittrig wieder auf ihre Beine. „Es geht mir jetzt wieder gut, es ist vorüber. Mir ist noch nie so ein Zauber begegnet", sagte sie und blickte ihm in die Augen. „Es war Angst einflößend." Mr. Darcy sagte nichts und stand nur regungslos vor ihr. „Sie sagten, es ist besser als zuvor – ja, ich habe auch den Überrest von dem, was nach dem ersten Vorkommnis übrig geblieben war, entfernt. Diesen Zauber haben Sie sich nicht beim Üben geholt, Mr. Darcy", sagte sie, „und er ist ihm vom gleichen Zauberer wie beim ersten Mal zugefügt worden."
Er sah sie mit einem schlechten Gewissen an. „Ich kann meine Dankbarkeit nicht mit Worten zum Ausdruck bringen."
„Da gibt es nichts zu danken", antwortete Elizabeth und blickte ihm weiterhin in die Augen. Sie dachte, wie gut er jetzt aussah, wo nur der Unsichtbarkeitszauber seine wahre Persönlichkeit verschleierte, sein Haar zerzaust war und das Blut in seine Wangen zurück schoss. Er sah nicht annähernd so unangenehm aus wie sonst immer. Da sie ihre Übelkeit fast schon vergessen hatte, öffnete Elizabeth ihren Mund, um ihm den Namen zu sagen, den sie sich für sich überlegt hatte – in der Hoffnung, dass sie so viel Informationen wie möglich erlangen würde – aber Mr. Darcy blinzelte und sprach zuerst.
„Ich muss gehen, Miss Bennet", sagte er und nahm seine Hände von ihren Armen. Mit einem Blitz verschwand er und ließ Elizabeth alleine zurück.
Meine liebe Elizabeth,
ohne Zweifel wirst du jetzt schon von der schrecklich Tragödie erfahren haben, die sich vor zwei Tagen in London ereignet hat. Der betroffene Gentleman bewegte sich nicht in den gleichen Kreisen wie wir, aber wir haben seinen Verlust alle sehr betrauert. Ich versichere dir, dass es uns gut geht, die Kinder leben jetzt bei einer Verwandten auf dem Land. Wir hielten es für das beste, sie eine Zeit lang zu verstecken, obwohl dein Onkel und ich zur Zeit noch keine Ziele sind. Das ist ein Vorteil unseres Rangs – wir erhalten nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die reichen Adeligen. Dein Vater hat eine kurze, hastige Nachricht geschrieben und gefragt, ob Jane vielleicht nach Hause zurückkehren sollte. Wir haben geantwortet, dass sie bis zu deiner Rückkehr in drei Wochen bei uns in London bleiben solle. Jane ist wie immer sehr hilfreich und ihre Fähigkeiten und Fachkenntnisse wachsen mich jedem Tag. Die Ablenkung von den anderen Dingen tun ihr gut, sonst würde sie den Verlust von Mr. Bingley und die Vernachlässigung seiner Schwestern viel deutlicher spüren.
Aber jetzt muss ich zu dem Grund meines Schreibens kommen, denn du musst eine Warnung überbringen. Du hast negative Gerüchte über einen bestimmten Gentleman und seine Verbindung zum Rat der Z. erhalten. Ich werde keine Namen nennen, das ist viel zu gefährlich (ich vertraue darauf, dass du den Brief so schnell wie möglich zerstörst), aber du weißt bestimmt, von wem ich spreche. Du magst ihn nicht. Es betrifft nicht den Gentleman sondern vielmehr den Rat – vielleicht bist du so nett und gibst diese Information an ihn weiter? Wir haben vor kurzem eine Verbindung erhalten (von einem anderen Mitglied), wodurch wir über vertrauliche Informationen verfügen. Ich versichere dir, dass alles von den nötigen Ebenen bewilligt worden ist. Basierend auf neuen Informationen ist der Rat der M. besorgt angesichts der Möglichkeit, dass es eine undichte Stelle im Rat der Z. gibt – eine, die nicht bewilligt worden ist und aus dem Informationen aus der höchsten Ebene heraus sickern. Wir haben keinen Verdacht angesichts der Identität des Informanten, da man die wahren Namen der Mitglieder des Rat der Z. nur schwer zur Erfahrung bringen kann. Die Hälfte kennt noch nicht einmal die richtigen Namen der eigenen Mitglieder. Aber warne ihn – und sei vorsichtig. Der Angriff kürzlich fand in Mr. Roberts eigenem Haus statt. Die einzige Möglichkeit, woher der Dieb wusste, wo er angreifen musste, war durch einen Informanten – es gibt keine andere Möglichkeit.
Bitte schreib mir, Lizzy, und sag mir, was du davon hältst. Ich denke häufig an dich und freue mich darauf, wenn du endlich zu uns kommst – auch wenn das bedeutet, dass Jane bald gehen muss! Ich hoffe, dass ich dich nicht verwirrt habe, aber ich habe Angst um dich, weil du in Kent bist. Ich kann ruhiger schlafen, sobald ich dich wieder mit meinen eigenen Augen sehen kann.
Herzlichst deine
M. Gardiner
Elizabeth faltete den Brief sorgfältig und fuhr bedächtig mit dem Finger die Kanten entlang, bevor sie ihn ins Feuer warf. Zwei Tage waren seit ihrer Begegnung mit Mr. Darcy im Garten vergangen und seitdem hatte er sie weder im Pfarrhaus besucht noch war er im Park spazieren gegangen. Lady Catherine ging es jetzt wieder besser und sie hatte sie alle für den folgenden Tag zum Tee eingeladen, wo sie hoffte, einen Blick auf ihn erhaschen zu können. Mit einem Seufzer richtete sie sich auf und stellte sich ans Fenster um hinauszustarren. Sie wünschte sich, seine mysteriösen Verletzungen und sein Verhalten zu verstehen. Vielleicht würde er am nächsten Nachmittag mit ihr darüber sprechen und sie erhielt endlich schon lange überfällig Antworten.
Nachdem sie auf der Suche nach Maria das Zimmer verlassen hatte, fand sie diese gemeinsam mit Charlotte im Garten, wo sie Blumen pflückten. Nachdem sie gemeinsam eine Stunde in der warmen Frühlingssonne verbracht hatten, machten sie gemeinsam einen kleinen Spaziergang. Zu ihrer Überraschung trafen sie Miss de Bourgh (mit Mrs. Jenkinson) in ihrem Phaeton, sie hielten zwar nicht an, verringerten aber ihre Geschwindigkeit, um anmutig zu winken. Charlotte war erfreut darüber, endlich einen Bestätigung dafür zu haben, dass der ganze Haushalt von Rosings zu seiner früheren Gesundheit zurückkehrte, und Maria seufzte bei dem Gedanken, selbst eine solch prächtige Kutsche zu besitzen.
Als sie weiter in den Park hinein gingen, wurde Elizabeths Aufmerksamkeit von dem Gespräch abgelenkt, als sie ein kleines rundes Gebäude aus Stein versteckt hinter einer Baumgruppe entdeckte. Im Gegensatz zu dem Rest von Rosings war es überwuchert mit Weinranken und anderen Kletterpflanzen und deshalb nur schwer zu entdecken, aber dennoch sichtbar. Sie hatte es vorher noch nicht bemerkt und es zog sie geradezu magisch an. In der Tat bemerkte, dass es von magischen Schwingungen umgeben wurde, aber diese waren ihr gänzlich unbekannt.
„Wohin guckst du?", fragte Charlotte und starrte ebenfalls durch die Bäume.
„Da", Elizabeth deutete darauf, „siehst du das?"
„Was?", Charlotte runzelte ihre Stirn. „Die Bäume?"
„Nein, nein–", Elizabeth hielt sofort inne. „Siehst du etwas, Maria?"
„Ich weiß gar nicht, worüber du redest, Lizzy. Meinst du ein wildes Tier?", hauchte Maria erschrocken.
Lachend wandte Elizabeth sich ab. „Nein, kein wildes Tier – als ob es diese überhaupt in diesem Wald geben würde! Ich muss mich wohl geirrt haben, denn wie es scheint, ist dort überhaupt nichts." Charlotte warf ihr einen weiteren forschenden Blick zu, bevor sie wieder in Elizabeths Schritt einfiel.
„Du bemerkst manchmal die komischsten Sachen", bemerkte sie mit einem Lächeln.
Elizabeth wünschte sich, ihr erzählen zu können, was sie gesehen hatte, aber als sie sich wieder an die Warnung ihres Vaters erinnerte, lachte sie nur. Sie würde dorthin zurückkehren, wenn sich die Gelegenheit ergab. Vielleicht konnte sie herausfinden, welche Magie das Gebäude vor allen anderen verbarg.
Mr. Darcy sprach bei ihrem nächsten Treffen nicht mit ihr, und bei dem darauffolgenden auch nicht. Elizabeth war angesichts seines Verhaltens sehr verstimmt. Jetzt, da er ohne das geringste Hinken lief, blieb er meist in der Gesellschaft seiner Tante, sagte nur wenig und bemühte sich, Elizabeths Blick nicht zu begegnen.
„Ich verstehe Ihren Cousin nicht, Colonel", sagte Elizabeth in einem vertraulichen Tonfall. Drei Tage waren seit Mr. Darcys Verletzung vergangen. Er und der Colonel besuchten sie erneut im Pfarrhaus, aber Mr. Darcy stand nur unbeholfen bei Charlotte und ihrem Mann und schien ganz vertieft in das Gespräch über Tomaten zu sein. Elizabeth blickte kurz in seine Richtung, bevor sie fortfuhr: „Er scheint nicht er selbst zu sein."
Der Colonel sah unbehaglich drein, aber nur für einen Moment – dann schenkte er ihr ein strahlendes Lächeln. „Darcy ist immer noch mysteriös gewesen. Und nach den Angriffen kürzlich… nun, Miss Bennet, ich bin mir sicher, Sie haben den Namen des Mannes erfahren. Er war ein sehr guter Freund von Darcy, sie waren gemeinsam auf der Universität."
Elizabeth sah Mr. Darcy besorgt an.
„Unter normalen Umständen hätten wir Rosings bereits verlassen, um bei seiner Schwester zu sein – wir teilen uns die Vormundschaft über sie. Er macht sich um sie sehr große Sorgen, wie ich auch, und nach den letzten Ereignissen – Familien bleiben nahe beisammen. Aber wir müssen so lange bleiben, wie es Mr. Darcy beliebt und er will bleiben."
„Sie sind dazu verpflichtet, das zu tun, was Mr. Darcy Ihnen sagt?" Elizabeth hob eine Augenbraue.
Der Colonel lachte. „Natürlich! Sind wir das denn nicht alle?"
Elizabeth schürzte ihre Lippen und bemerkte dann erheitert: „Ich verstehe. Sie stehen hier zu seiner freien Verfügung! Sie müssen sich wünschen, dass er heiratet, um diese Annehmlichkeit auf Dauer zu haben. Dann wird er Sie nicht mehr benötigen und Sie können gehen, wohin Sie wollen!"
„Heiraten?", lachte der Colonel. „So wählerisch wie er mit seinen Freunden ist, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie das bei ihm selbst ist!"
„Seine Freunde?", fragte Elizabeth neugierig.
„Natürlich, er gratuliert sich selbst dazu, einen seiner Freunde vor kurzem vor einer sehr unklugen Ehe bewahrt zu haben. Er hat keine Namen oder andere Details genannt, aber ich vermute, dass es Mr. Bingley ist, mit dem Sie – wie ich glaube – ja auch bekannt sind. Ich denke das nur, weil dieser so ein junger Mann ist, der in solche Schwierigkeiten gerät", lachte der Colonel und bemerkte nicht, wie Elizabeths Wangen sich röteten.
„Hat Mr. Darcy Gründe für sein Einschreiten genannt?"
„Soweit ich verstanden habe, gab es einige gewichtige Einwände gegen die Dame."
„Und er hat sich als Richter aufgeschwungen?", sagte Elizabeth mit leicht erhobener Stimme. „Sagen Sie mir, hat er seine Künste benutzt, um sie zu trennen?"
Der Colonel sah sie neugierig an. „Darcy würde seine Zauberei nie für solche Zwecke verwenden. Sie finden sein Eingreifen eher aufdringlich?"
„Mr. Darcy über das Glück seiner Freunde entscheidet und es lenkt? Aber da wir die Einzelheiten nicht kennen, ist es nicht gerecht, ihn so zu verurteilen", sagte sie und zwang sie zu einem Lächeln. „Es sieht nicht so aus, als sei viel Liebe im Spiel gewesen."
„Aber unter diesem Umstand schmälert es erheblich seinen Triumph", lachte der Colonel. Er betrachtete Darcy, bevor er sich wieder Elizabeth zuwandte und ernst zu ihr sagte: „Es kann sein, dass er sich in diesem Fall geirrt hat, aber ich hoffe, dass Sie das mit Nachsicht betrachten, Miss Bennet. Für jemanden, der schon so viel verloren und durchgemacht hat – vielleicht ist Aufdringlichkeit dann keine so große Sünde."
Elizabeth konnte ihm da nicht zustimmen, aber sie traute sich auch keine Antwort zu und nachdem sie einen Moment lang ihre im Schoß zusammengefalteten Hände betrachtet hatte, schenkte sie dem Colonel ein Lächeln, um ihn zu beruhigen. Den Rest des Nachmittags war Elizabeths Erleichterung darüber, dass Mr. Darcy sie mied, ganz ungekünstelt. Die Wut, die sie angesichts dieser Entdeckung fühlte, war so groß, dass sie sich gerade entschlossen hatte, sich wegen Ermüdung von der Gesellschaft zu entschuldigen, aber die Herren kamen ihr zuvor, indem sie sich verabschiedeten.
Am nächsten Morgen verschlimmerten sich die Kopfschmerzen, die am vorherigen Nachmittag begonnen hatten, stark. Elizabeth blieb in ihrem Zimmer und beschäftigte sich (vielleicht unklugerweise) mit dem erneuten Lesen von Janes Briefen. Sie fühlte jede von Janes Enttäuschungen wir ihre eigene und vielleicht noch viel tiefer. Elizabeth sah unter Tränen ein, dass diese Angelegenheit nur das bestätigte, was sie schon lange vermutet hatte.
Als wie vorteilhaft sich Mr. Wickhams Warnung sich nun herausstellte! Wie hatte sie sich nur erlauben können, seinen Stolz zu vergessen? Eigentlich hatte Mr. Darcy sie in den vergangenen zwei Wochen einfach nur fallen gelassen – und sie nur einmal in größter Not um Hilfe gebeten. Er hatte nie die Absicht gehabt, sie in den Rat der Zauberer aufzunehmen – so nützlich sie auch hätte sein können. Mr. Wickhams Informationen hatten dafür gesorgt, dass sie davon abgehalten wurde, mehr Schmerz zu fühlen als sie sollte. Was, wenn sie sich erlaubt hätte, ihm noch mehr zu glauben? Und dennoch versiegten Elizabeths Tränen eine ganze Zeit lang nicht. Am Nachmittag bat sie Charlotte, sie beim Tee auf Rosings zu entschuldigen, weil sie nicht in der Lage war, sich in Gesellschaft zu begeben.
„Ich bin ein sehr geduldiger Mann gewesen", begann Fortinbras, „aber das hier muss ein Ende haben", sagte er und verfolgte mit den Augen, wie Pendragon in dem Wäldchen auf und ab ging. Er selbst hockte am Rande auf einem niedrigen Ast eines großen Baumes, der nur vom Mondlicht erhellt wurde.
„Glaubst du, sie ist krank?", fragte Pendragon abgelenkt und blickte nicht einmal zu ihm hinauf.
„Was?", rief Fortinbras aus.
„Krank. Sie könnte es sein, ihr schien es nicht gut zu gehen und das ist komplett meine Schuld", sagte Pendragon und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.
„Du musst damit aufhören, Pendragon, du machst mich noch verrückt", sagte Fortinbras und sprang von seinem Ast, um sich direkt vor seinen Partner zu stellen. „Nun", fuhr er mit einem Seufzen fort und legte beide Hände auf Pendragons Schultern, „ich habe nicht gefragt, weil sich die Gelegenheit nicht ergeben hatte, aber wie bist du so komplett geheilt worden?"
Pendragon hob seine Augenbrauen. „Du solltest doch angenommen haben, dass es mir nicht frei steht–"
„–irgendwelche Informationen darüber preis zu geben? Unsinn!", schnappte Fortinbras, der nun auch begann, auf und ab zu gehen. „Wenn du nicht antworten willst, werde ich mich gezwungen sehen, zu mutmaßen – was, wie ich glaube, viel gefährlicher ist."
Pendragon verschränkte seine Arme und sah ihn erwartungsvoll an.
„Also gut", sagte Fortinbras, „sie ist die gleiche Person, von der du schon vorher gesprochen hast und in die du seit letztem Sommer verliebt bist. Sie hat etwas mit deiner wundersamen Heilung zu tun. Ich habe nicht die geringste Idee, wie und warum – aber wenn sie wirklich der Grund dafür ist, verblüfft mich ihr Talent ungemein."
„Ich bin nicht verliebt in sie." Pendragon sah finster drein.
Fortinbras brach daraufhin in schallendes Gelächter aus. „Spiel hier nicht den Narren, das passt nicht zu dir", sagte er und wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. „Was ich nicht verstehe, ist, warum du dich ihr nicht einfach erklärst und es somit hinter dich bringst."
Pendragon bis seine Zähne fest zusammen. „Wenn du nicht weißt, warum, dann bist du hier der Narr, Fortinbras."
Fortinbras' Gelächter ebbte zu einem leisen Glucksen ab und er antwortete ernst: „Wir sind jetzt alle in Gefahr, Pendragon. Du wirst sie nicht in größere Gefahr bringen, wenn du dich zu erkennen gibst. Und wenn ihre Fähigkeiten wirklich so groß sind, wie ich vermute (da sie ja geheim gehalten werden, kann ich sie nicht genau erforschen) – dann ist es wahrscheinlich so, dass sie dir größeren Schutz bieten kannst als du ihr."
„Du verstehst die Art ihrer Fähigkeiten nicht. Was auch immer sie sind – wenn dort welche sind. Sie sind nicht so, wie du sie dir vorstellst."
Fortinbras zuckte resigniert mit den Schultern. „Du weißt nicht, was ich mir vorstelle. Ich irre mich oft – aber du hast auch nicht immer Recht."
Pendragon lächelte sanft. „Da würde sie dir zustimmen."
Fortinbras lachte erneut und überließ mit einem Kopfschütteln Pendragon seinen Gedanken. Dieser seufzte, kletterte auf den Ast, den Fortinbras eben noch besetzt hatte, und blickte hinauf in die Sterne.
„So kann es nicht weiter gehen", murmelte er zu sich selbst. „Was, wenn du vielleicht sogar Recht hast, Fortinbras? Was soll ich machen?" Er machte eine Pause. „Dann werde ich wohl mit ihr reden, morgen. Ich muss es tun", er schüttelte seinen Kopf, „denn so kann ich einfach nicht weiter machen."
AN: Tjaaaa, könnt ihr euch vorstellen, was als nächstes kommt?? ;-)
Das nächste Kapitel gibt es Montag oder Dienstag - ich muss das ganze Wochenende ohne meine Beta auskommen schluchz
(1) Benedick (einige übersetzen es auch mit Benedikt) ist ein Charakter als "Viel Lärm um nichts" - natürlich ebenfalls von Shakespeare ;-) Man kann ellenlang über diesen Charakter diskutieren, aber da er hier nur am Rande erwähnt wird, lassen wir das mal lieber (habt ihr Interesse, wie der Verstorbene denn war, den Namen hat er ja schließlich nicht umsonst verpasst bekommen, dann gibt es dazu im Internet Informationen zuhauf). Wie in Mrs. Gardiners Brief erwähnt, handelt es sich um einen Mr. Robert, er ist nicht weiter wichtig, außer dass er ein guter Freund von Pendragon war, der ihm diesen Namen gegeben hat. Wie ihr schon wisst, war Mr. Robert/Benedick ein Mitglied des Rats der Zauberer und in den höchsten Ebenen.
