Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.

Kapitel 18 – Der Streich

Mr. Bennet saß einige Minuten lang schweigend und rauchte seine Pfeife. Als er sie schließlich zur Seite legte, hustete er.

„Soll ich ganz von vorne anfangen?", fragte er und wartete auf Elizabeths begieriges Nicken. Er stockte bedächtlich und räusperte sich, bevor er begann:

„Ich kannte Mr. Darcys Vater – George – von Oxford. Wir waren damals Idealisten, oder vielmehr war George der Idealist und ich bin ihm gefolgt. Er war der beste Mann, den ich kannte und gesegnet mit all den Eigenschaften, die ihn beliebt bei allen Leuten machten."

„Wie zum Beispiel?", unterbrach ihn Elizabeth und hob eine Augenbraue.

„Prinzipien, gutes Urteilsvermögen und Entschlossenheit", sagte Mr. Bennet und erwiderte ihren Blick. „Der Rat war von Anfang an seine Idee, obwohl der Name meine Kreation war. Wenn es möglich ist", er gluckste und fuhr sich mit der Hand durch sein weißes Haar, „dann stell dir mich in meiner Jugend vor. Ich habe damals noch so viel nachgedacht, aber ich war damals auch voll von überschäumendem Lebensmut. Die Kombination dieser beiden Eigenschaften verwundert mich auch bis heute, aber es war so. Jetzt ist mein Lebensmut ja etwas gedämpft", sagte er mit einem sanften Lächeln, „aber meine Gedanken sind vielleicht weitschweifender als zuvor.

Nun ja", er räusperte sich erneut, „stell dir George vor – mit all seinen Idealen und all seinen Ideen über die Menschheit und das größere Wohl. Und deshalb habe ich ihn fast schon vom Beginn unserer Bekanntschaft an ‚Artus' genannt. Wie wenig ich damals noch wusste, wie weit uns das bringen würde.

Wir waren die besten unserer Klasse und unglaublich gut im Zaubern. George war der vielleicht weniger begabtere, dafür aber der engagierteste. Der Rat begann natürlich in einem kleinen Rahmen – mit der Verhinderung von kleinen Missgeschicken, die in Schulen passieren, Dummejungenstreiche und dergleichen. Aber je älter wir wurden, desto gefährlicher schien auch die Welt zu werden – und desto größer wurde unsere Mission.

Georges Rat war nicht mehr länger nur ein Scherz. Unsere Mitgliederzahlen stiegen schnell – die Aufnahme neuer Mitglieder war noch ein viel umkomplizierterer Prozess und basierte nur auf dem Wohlwollen und dem Vertrauen der Mitglieder. Wie auch heute noch, standen wir nie in Verbindung mit der Regierung, aber diese verließ sich auf uns. Der Rat der Zauberer begann richtig ungefähr mit dem Ende unseres Studiums und währte danach mehrere Jahre lang sehr erfolgreich." Mr. Bennet hielt inne und eine Schatten huschte über sein Gesicht.

„Hier komme ich zu Louis de Bourgh – brillant und uns anderen allen überlegen. George heiratete sechs Jahre nach der Gründung des Rats. Seine Ehefrau, Lady Anne, war eine sehr begabte Zauberin und obwohl sie nicht zu jenen gehört, die ebenfalls Mitglied werden wollten, hat sie ihn doch immer in allen seinen Bestrebungen unterstützt. Ihre Schwester war Lady Catherine, sodass Louis Georges Schwager war. Ich kann mich nicht mehr an die Einzelheiten erinnern, die zu seiner Aufnahme geführt haben, aber wir konnten glücklich sein über die Mitgliedschaft eines solchen Zauberers.

Ohne Zweifel war Louis zu Beginn einer von den Guten. Kalt und stolz zwar – aber das waren viele unserer Mitglieder. Seine – nennen wir es ‚Konvertierung' – war eigentlich mehr ein Unfall. Der Rat operierte damals auf zwei verschiedenen Ebenen und tut das zum Teil heute auch noch: Die eine war der Schutz des Landes gegen magische Feinde und die andere war die Besserstellung der Bürger durch Ausbildung. Wir haben Arbeiten geschrieben, Bücher veröffentlicht, Experimente ausgeführt–"

„Experimente?", fragte Elizabeth nach.

„Du siehst sehr erschrocken aus. Die meisten hatten aber nur mit den vier Elementen zu tun und waren sehr kontrolliert. Aber Louis tendierte schon immer etwas zu gefährlichen Sachen – und es gab ein Experiment, um die Wahrheit hinter der Behauptung herauszufinden, dass Zauberer unter Umständen nach Belieben ihre Fähigkeiten austauschen könnten (mit verschiedenen und sehr komplizierten Zaubern). Louis war einer der Zauberer und an den Namen des anderen erinnere ich mich nicht mehr. Das Experiment war nur halb erfolgreich. Louis erhielt die Fähigkeiten des jungen Mannes – aber seine eigenen wurden nicht übertragen.

Ich sehe deinen Gesichtsausdruck, aber glaube mir, wenn ich dir sage, dass das nicht beabsichtigt war – jedenfalls nicht zu Beginn. Die Fähigkeiten des jungen Mannes – Stärke mit Feuer, eine von Louis' schwachen Seiten – wurden sofort wieder zurück geleitet. Er – also Louis – kam später zu mir und ich weiß gar nicht mal, warum. Wir standen uns nicht nahe. ‚Es war berauschend', sagte er mir, ‚dieser Machtrausch.' Ich konnte damals noch nicht ahnen, wie weit er bereit war zu gehen, um das erneut zu erlangen.

Wenn die Angriffe begannen, wurden sie zunächst kaum bemerkt. Louis' erste Ziele waren jene, die von den meisten für unbedeutend gehalten wurden – ein armer Bauer hier, ein Kaufmann dort. Wir hatten drei Jahre lang keine Ahnung über der Identität des Angreifers. Nicht bevor Louis' Machtgier ihn dazu verleitete, von einem der unseren zu stehlen. George war der letzte, der diesen Verrat eingestand. Louis war ein Mitglied seiner Familie, ihre Kinder waren fast gleich alt. Lady Anne stand ihrer Schwester sehr nahe und nicht bevor Anne selbst ihn von der Wahrheit überzeugt hatte, setzte er die Aktionen in Gang. Ich war der unwillige Anführer der Operation."

„Unwillig?", fragte Elizabeth nach und ließ ihren Kopf in ihren Händen ruhen.

Mr. Bennet lächelte leicht. „Unwillig, ja. Ich hatte eine junge Frau getroffen, eine außergewöhnliche Zauberin, überaus begabt mit dem Feuer. Sie war sehr hübsch, Lizzy. Sie war auf dem Weg, ein Mitglied des Rats zu werden und wir waren frisch verheiratet–"

Elizabeth hob hier überrascht die Augenbrauen.

„–Aber es war meine Pflicht, Georges Bitte nachzukommen. Er konnte – er wollte – nicht seinen eigenen Schwager töten. Aber es gab die Befürchtung, dass der Hexenmeister, so wie er jetzt im Allgemeinen genannt wurde – bald genug Macht gesammelt hatte, um unbesiegbar zu werden. Es waren damals dunkle Zeiten", seufzte Mr. Bennet und verdeckte mit der Hand seine Augen. „Einige unserer Mitglieder wurden ermordet. Nach Louis' Ausstoß aus dem Rat führten wir das ein, was heute als ‚die Losung' bekannt ist und die eine gewisse Sicherheit sorgte. Aber seine Macht war zu groß geworden und wir hatten nicht einmal alle seine Helfer enttarnt.

Der Plan war sehr facettenreich, aber er wurde nie ganz ausgeführt. Wir hatten zunächst geplant, seine Frau und seine Tochter zu retten, denen seit fast zwei Jahren nicht mehr erlaubt gewesen war, aus ihrer Isolation herauszukommen. Danach wollten wir unseren Angriff starten – wir beabsichtigten, ihm eine Falle zu stellen. Der Hexenmeister aber erfuhr von unserer Absicht, seine Familie in Schutzhaft zu nehmen, bevor wir unseren Plane ausführen konnten und ich – als der Anführer der Operation – war sein erstes Ziel bei seiner Rache.

Es war Mitternacht, als er zu uns kam. Ich kann nicht – ich will dir nicht die Einzelheiten seines Angriffs beschreiben. Aber erst, nachdem er sie verletzt hatte–"

„Deine Frau?"

„Ja. Erst dann war ich in der Lage, ihn zu besiegen. Ich habe dir schon immer gesagt, dass die Gerüchte über eine Rückkehr des Hexenmeisters falsch sind, Elizabeth. Ich habe ihn getötet – und sein eigener Todesfluch hat bis heute Auswirkungen auf uns."

„Was?"

„Du konntest es nicht wissen – es ist kein gewöhnlicher Zauber und einer, den selbst du niemals brechen kannst, selbst wenn du es wolltest", Mr. Bennet lehnte sich nach vorne und nahm ihre Hand. „Es ist ein Fluch, der zu mächtig ist, als das man ihn mit Zauberei oder Entzauberei bezwingen kann."

„Deine Frau, ist sie – ist sie gestorben?", fragte Elizabeth.

Mr. Bennet blinzelte überrascht. „Nein, nein das ist sie nicht – sie lebt immer noch."

Elizabeth schnappte nach Luft. „Mama? Mama war eine Zauberin?"

„Sie ist jetzt nicht mehr das, was sie mal war – sie ist so seit 22 Jahren nicht mehr gewesen. Ich weiß nicht, ob der Fluch einfach nur meine Frau genommen hat und jemand anderes an ihre Stelle gesetzt hat oder ob ihr wahres Ich einfach nur in ihr selbst gefangen ist. Vielleicht hat der Fluch alle ihre Schwächen zum Vorschein gebracht und wenig Platz für Magie und Verstand zurückgelassen. Die Frau, die ich liebte, ist verschwunden und doch wieder nicht. Sie war dir sehr ähnlich, Lizzy", sagte er und nahm seine Hand von ihren Händen, um sich seine Augen zu reiben. „Und ich? Ich bin nur noch eine Hülle – ein ganz gewöhnlicher Mann – ohne den geringsten Funken Magie in meinen Adern."

„Ein Todesfluch", flüsterte Elizabeth mehr zu sich selbst. „Papa", sagte sie und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, „warum hast du mir das nie verraten?"

„Du vergisst, Lizzy", sagte er, „dass du immer noch sehr jung bist. Wie konnte ich meinen Töchtern erzählen, dass ihre Mutter nur noch ein Teil ihrer selbst ist, weil ich nicht in der Lage war, den Angreifer rechtzeitig zu besiegen?"

„Aber wir hätten gewusst, wie sie gewesen war – vor langen Zeiten."

Sie saßen schweigend beieinander und Mr. Bennet zündete erneut seine Pfeife an. „Erkennst du jetzt, was für ein Dummkopf ich war, als ich dir erlaubte, nach Rosings zu gehen?", sagte er.

„Du warst nie ein Dummkopf, Papa."

„Warum nicht? Ich bin fahrlässig geworden – oder vielleicht sollte man sagen, teilnahmslos."

„Also hast du den Rat verlassen?", Elizabeth stand auf und blickte aus dem Fenster.

„George hätte mir erlaubt, die Mitgliedschaft beizubehalten – aber ich war viel zu verzweifelt, sodass ich sein Mitleid – und seine Dankbarkeit – nicht ertragen konnte. Ich hatte triumphiert – aber auf welche Kosten! Wir schrieben einander über die Jahre hinweg, aber ich habe ihn niemals lebend wieder gesehen."

„Mr. Darcy–", Elizabeths Hals war plötzlich wie zugeschnürt, „ähnelt er ihm sehr?"

„Ja, er ähnelt ihm in vielen Dingen", antwortete Mr. Bennet, „seine Augen… aber George gewann Freunde, wo immer er auch war, sein Sohn scheint überall nur Anstoß zu erregen. Auf der anderen Seite ist er aber viel talentierter als sein Vater es sich jemals erträumt hätte."

„Weißt du von den Umständen, die seinen Tod umgeben?"

„Georges? Ich weiß, dass es Verdächtigungen gibt – aber ich wäre dabei nicht von großem Nutzen gewesen."

„Wärst du nicht?", fragte Elizabeth streng und drehte sich um, um ihn anzusehen. „Vergib mir, Papa, aber – du hast hier all die Jahre gelebt, so abgeschieden und einerseits erlaubst du uns nicht, unsere Talente zu verfeinern, aber auf der anderen Seite erlaubst du mir, die Witwe des Mannes, den du getötet hast, zu besuchen. Warum hast du mir nie etwas davon erzählt?"

Seine Augen funkelten hell im Feuerschein. „Kannst du mir vergeben, Lizzy? Du und deine Schwester Jane, seid das, womit ich nie gerechnet hätte – dass wir doch noch Kinder hatten und dass sie die Gaben haben sollten, die ihre Eltern verloren hatten. Ich könnte es nie vertragen, wenn ich euch auch noch verlieren sollte. Ihr seid alles, was ich noch habe."

Schweigend ging Elizabeth zu ihrem Vater und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Darf ich Jane davon erzählen?", fragte sie.

„Du darfst ihr davon erzählen", antwortete Mr. Bennet resigniert, „aber nicht mehr heute Nacht. Du darfst ihr morgen davon berichten. Aber du darfst auf gar keinen Fall irgendetwas davon gegenüber deiner Mutter erwähnen – hast du mich verstanden? Sie erinnert sich teilweise – und das ist schon viel zu viel. Es sind nur kleine Stückchen. Aber wir sollten sie nicht noch mehr ängstigen."


Wenn Mrs. Bennet erstaunt war über die besondere Aufmerksamkeit, die ihre zweite Tochter ihr am nächsten Morgen schenkte, so zeigte sie dieses aber nicht. Sie fragte nach ihrem Bruder und seiner Frau und nach der neuesten Moden in London. Sie bedauerte, dass Jane nicht die Gelegenheit gehabt hatte, Mr. Bingley in London zu treffen – und kam zu dem Schluss, dass er doch ein sehr unwürdiger Mann war. Danach wandte sie sich an Elizabeth und fragte, ob die Collins komfortabel lebten und ob sie denn häufig von Longbourn sprächen. Aber ihre Fragen gingen nicht viel weiter – denn eigentlich war Mrs. Bennet viel zu abgelenkt von den Klagen ihrer jüngeren Töchter, sodass sie den älteren nicht so viel Aufmerksamkeit schenken konnte. Sie hatte von dem Angriff auf Rosings nicht erfahren und die ganze Sache war ziemlich gut verheimlicht worden, sodass die Klatschbasen in Meryton nichts davon gehört hatten. Und eigentlich war die ganze lokale Bevölkerung viel zu bedrückt angesichts des baldigen Aufbruchs des Regiments, sodass sie sich wenig um andere Dinge kümmern konnten.

Kittys und Lydias Verhalten hatte sich in ihrer Abwesenheit wenig verbessert und Elizabeth war geneigt, ihren Vater noch einmal darauf anzusprechen. Sie entschied sich, im Verlauf der Woche noch einmal mit ihm darüber zu reden, aber in der Zwischenzeit konzentrierte sie sich darauf, mit Jane zu sprechen – denn eine lange Diskussion mit ihr war schon längst überfällig.

Am Abend berichtete Elizabeth ihr von der ganzen Geschichte ihrer Familie im Bezug auf den Rat der Zauberer und den Hexenmeister. Jane war sehr schwer getroffen von der Erzählung und ganz krank vor Trauer, als sie von dem Fluch hörte, der auf ihrem Vater und ihrer Mutter lastete. Elizabeth entschied sich, das Thema bezüglich Mr. Darcys Antrag – und seinem Brief – erst zu einem späteren Zeitpunkt anzuschneiden. Am nächsten Morgen fand Elizabeth Jane im Garten, wo sie mit ihrem Vater weinte. Es dauerte fast eine ganze Woche, bis sie wieder sie selbst genug war, sodass Elizabeth das andere Thema ansprechen konnte.

Es war die unerwartete Rückkehr von Mr. Bingley, die Elizabeth die Gelegenheit gab, ihre Herzensangelegenheiten anzusprechen.

„Ob ich davon beeinflusst werde?", antwortete Jane ungläubig. Sie saßen gemeinsam unter einem großen Baum, der sich gerade noch im Blickfeld von Longbourn befand. „Wie kommst du darauf, dass es so sein könnte?"

„Nur weil du seinen Namen nicht sagen kannst, ohne zu erröten", lachte Elizabeth. „Laut Papas Aussagen, ist er gekommen, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen und um die Sicherheit dieses Gebietes zu überprüfen. Aber davon glaube ich kein Wort. Er ist nur wegen dir zurück gekommen!"

„Als wir uns zum ersten Mal wieder trafen – in der Nacht bei Onkel und Tante Gardiner – fühlte mich mich sehr unwohl. Aber am nächsten Tag, als wir die Gelegenheit hatten, uns wie Freunde zu unterhalten, erkannte ich, dass es nicht unmöglich sein würde, dass wir uns wieder treffen und uns unterhalten könnten, wie zuvor auch. Lach nicht, Lizzy."

„Mama wird sich sehr freuen."

„Ich möchte nicht, dass sich Mama über etwas freut, das niemals sein wird. Er hat uns nicht besucht–"

„Noch nicht."

„Und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass er das noch machen wird", sagte Jane entschlossen und verschränkte ihre Arme.

„Du willst mir also weiß machen, dass Tante Gardiner dich quasi gezwungen hat, allein mit ihm in den Garten zu gehen und dass es keine Andeutung gab–"

„Keine einzige."

„Ich glaube dir, aber nur, weil du darauf bestehst", sagte Elizabeth mit einem verschmitzten Lächeln. Dann stockte sie und ihr Lächeln verschwand, als sie fragte: „Und weißt du vielleicht, ob sein Freund vielleicht mit ihm zurück kommt?"

„Mr. Darcy? Da weiß ich nicht mehr als du, Lizzy", Jane blickte ihre Schwester nachdenklich an. „Und ich bin mir sicher, dass du dir das doch nicht wünscht, wo du ihn doch gar nicht magst."

„Und dennoch hat er mein Leben gerettet."

„Oh ja, natürlich!", Jane errötete stark. „Wie konnte ich das nur vergessen? Und ihr ward gemeinsam in Kent. Hat sich deine Meinung über ihn geändert?"

„Ich weiß nicht mehr, was ich von ihm halten soll – aber ja, meine Meinung ist jetzt ganz anders, als sie es einmal war."

Elizabeth erzählte ihr dann in allen Einzelheiten von Mr. Darcys Antrag und gab fast den ganzen Inhalt von Mr. Darcys Brief wider (einiges davon hatte sie ihrer Schwester ja schon vorher mitgeteilt). Es war für sie eine große Erleichterung, endlich das los zu werden, was ihr so lange auf dem Herzen gelegen hatte – und es konnte keine verständnisvollerer Zuhörerin als Jane geben.

„Wie schmerzlich es für dich gewesen sein muss, ihn so bald nach seinem Antrag wieder zu sehen!", rief Jane und nahm die Hand ihrer Schwester. „Und dann noch unter solchen Umständen! Du musst mir vergeben – ich war zu der Zeit viel zu beschäftigt mit meinen eigenen Gedanken, sodass ich gar nicht auf deine Rücksicht nehmen konnte. Ich hatte angenommen, dass deine Beklemmung gänzlich von dem Angriff herrührte."

„Natürlich, der Angriff war zuallererst in meinen Gedanken. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt gar nicht über seinen Antrag nachdenken – und dennoch konnte ich einfach an nichts anderes denken!"

Jane nickte verständnisvoll und drehte ihren Kopf wegen der Brise, die drohte, ihre kunstvollen Locken zunichte zu machen. „Welche Erleichterung muss es für Mr. und Mrs. Gardiner – eigentlich für uns alle – sein, dass jede Zweifel bezüglich seines Charakters jetzt endlich ausgeräumt wurden. Aber ich kann nicht anders als mich zu wundern, ob es nicht auf Seiten von Mr. Wickham ein Missverständnis gab. Vielleicht wollte er gar nicht–"

„Nein, Jane", sagte Elizabeth entschieden, „sie können nicht beide Recht haben. Mr. Darcy ist der, dem wir glauben müssen. Er hat seine Vertrauenswürdigkeit mehrfach bewiesen und bedenke, welche Verantwortung jetzt auf seinen Schultern lastet. Wenn wir ihm nicht vertrauen können, wohin würde uns das dann führen?"

„Ja genau", sagte Jane.

„Wir müssen uns in Acht nehmen vor Mr. Wickham. Glücklicherweise haben unsere Tante und unserer Onkel unserer Mutter und Kitty und Lydia nichts von ihrem eigenen Rat erzählt."

„Du glaubst doch nicht etwa, dass sie immer noch in Gefahr sind!" Janes Augen weiteten sich erschrocken. „Und ich möchte nicht seine letzte Hoffnung darauf, dass er vielleicht doch noch was aus seinem Leben machen kann, zerstören."

„Nein, nein", sagte Elizabeth und kaute gedankenverloren auf ihrer Unterlippe. „Ich werde mit Papa darüber reden, aber ich denke nicht, dass wir ihn in aller Öffentlichkeit bloßstellen müssen. Mr. Darcy hat nicht gesagt, dass er das wünscht. Und zu deiner anderen Frage kann ich nur sagen, dass wir jetzt davon ausgehen müssen, dass jeder eine Gefahr sein könnte."

„Hast du seit deiner Rückkehr einen Brief von Charlotte bekommen? Wie ist es ihnen ergangen?"

„Charlotte hat geschrieben, dass es ihnen beiden gut geht – obwohl Lady Catherine von dem Angriff sehr betroffen ist und seit diesem Tag abgesehen von ihren beiden Neffen keine weitere Gesellschaft mehr zugelassen hat. Sie hat angedeutet, dass Mr. Collins meint, dass Mr. Darcys und Colonel Fitzwilliams Rückkehr ihre Laune etwas gehoben hat, aber ich glaube nicht, dass das mehr als reine Spekulation von seiner Seite ist."

„Es ist verwunderlich, dass so wenige nur in diese Sache verwickelt waren–"

„Aber du musst bedenken, Jane", sagte Elizabeth, „dass der Angriff wahrscheinlich eher zufällig war und durch meine Auflösung des Geheimhaltungszaubers ausgelöst wurde. Zudem greift der Dieb immer präzise Ziele an, nur wenige – abgesehen von den Opfer und den ausgewählten Mitgliedern des Rats der Zauberer – sind wirklich beteiligt." Elizabeth hielt inne und runzelte ihre Stirn, als sie sich konzentrierte.

„Geht es dir gut, Lizzy?", fragte Jane besorgt.

„Ja", antwortete diese und zuckte mit den Schultern. „Ich habe nur – gerade an etwas gedacht. Aber ich muss noch etwas länger darüber nachdenken, bevor…"

„Und wird es dir jetzt besser gehen?", fuhr Jane fort und stand auf. „Was, wenn du und Mr. Darcy euch jetzt häufiger in der gleichen Gesellschaft befindet?"

Elizabeth lachte und strich den Dreck von ihrem Kleid. „Die gleiche Frage könnte ich dir stellen, wo sich doch Mr. Bingley tatsächlich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft befindet. Aber hier habe ich ein Vorteil. Ich habe Mr. Darcy noch nie gemocht. Im Gegensatz zu dir ist mein Herz nicht in Gefahr."

Jane sah zunächst missbilligend drein, konnte dann aber nicht anders, als bei Lizzys letzter Bemerkung zu lachen.