Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.
Kapitel 22 – Die Bitte
„Du musst gehen – sofort", sagte Darcy, sprang auf seine Füße und trat die Box, die immer noch bedeckt war, zur Seite.
Elizabeth blinzelte heftig. „Gehen?"
„Es war eine Falle – nicht für mich, nicht einmal für den Rat, sondern für dich. Und ich-", hier schluckte er heftig, „Narr, der ich bin, habe erlaubt, dass du in sie getappt bist." Er ging vor ihr auf und ab und fuhr sich vor lauter Frust mit der Hand durch sein Haar. „Du wirst den Grauen nehmen – das größere der beiden geflügelten Pferde – und durch die Anderswelt reiten, bis du das Portal bei Longbourn erreichst."
„Ich werde nicht gehen", sagte Elizabeth leise, aber er hörte sie gar nicht.
„Ohne Zweifel wird der Hüter des Tores dich erkennen – sie vergessen nicht viel. Und du musste das hier nehmen", er zog den goldenen Ring von seinem Ringfinger und ließ ihn auf ihren Daumen gleiten. „Du wirst nicht aufgehalten werden, solange du ihn trägst", sagte er und strich über ihre Hand.
Elizabeth sah ihm in die Augen. „Ich werde nicht gehen", wiederholte sie.
Darcys Augen verengten sich und er griff ihre Hand fester. „Das wirst du."
Elizabeth hob trotzig ihr Kinn. „Du kannst mich nicht zwingen."
„Es geht hier nicht um Zwang – es gibt gar keine Diskussion. Du musst gehen", sagte er.
„Du denkst, ich werde jetzt gehen – wenn der Dieb auf dem Weg zu uns ist und höchstwahrscheinlich gefangen wird? Mehr als die Hälfte des Rats ist hier!", rief sie und ihre Stimme erhob sich. „Überleg doch einmal – es ist mehr eine Falle für den Dieb als anders herum!"
Darcy antwortete nicht.
„Ich habe dich schon vorher verlassen, erinnerst du dich?", meinte sie jetzt wieder leiser. „Das werde ich nicht noch einmal tun."
Man konnte eilige Schritte auf dem Flur hören und einen Augenblick später kam der Colonel, gefolgt von Mr. und Mrs. Gardiner und Georgiana, in das Zimmer gestürzt. Darcy drehte sich um, ließ ihre Hand aber nicht los.
„Es gab Alarm am Südeingang", rief der Colonel. „Du hast sie die Box sehen lassen!", brauste er dann auf und hob seinen Arm, um damit seinem Cousin einen Schlag zu versetzen. Mr. und Mrs. Gardiner sprangen auf ihn zu und hielten ihn zurück.
„Beruhigen Sie sich, Colonel", schnaufte Mr. Gardiner. „Eine Prügelei wird uns nicht weiter bringen. Mr. Darcy, was sollen wir machen?"
„Ist das Portal zerstört?", fragte Mrs. Gardiner und ihre Stimme zitterte. „Kann ich zurück zu meinen Kindern?"
„Der Dieb wird auf einem anderen Weg kommen – aber niemals durch mein Portal", antwortete Darcy. „Aber wenn Sie zu Ihren Kindern zurück möchten, dann müssen Sie jetzt gehen." Er hielt inne und sah zu Georgiana, die noch im Türrahmen stand, ihr Gesicht war blass.
Mrs. Gardiner nickte, in ihren Augen standen Tränen der Sorge und sie ging auf Elizabeth zu. „Komm mit mir, Lizzy", sagte sie, „dein Onkel wird hier bleiben, aber ich habe ein Versprechen gegenüber deinem Vater, das ich halten muss."
„Ich werde nicht gehen", erklärte Elizabeth.
„Elizabeth wird nicht nach Lambton gehen", sagte Darcy mit einem Blick in ihre Richtung, „aber sie wird auch nicht hier bleiben. Es gibt nur einen Ort, an dem sie im Moment wirklich sicher ist – und das ist bei ihrem Vater."
„Ich werde nicht nach Longbourn zurückkehren!", rief Elizabeth, zog ihre Hand weg und wandte sich ihm wütend zu. „Ich habe auf deinen Rat hin mein Zuhause verlassen, erinnerst du dich?"
„Ich erinnere mich", sagte er sanft, „aber die Umstände sind jetzt anders."
„Sind sie nicht!"
„Lizzy", sagte Mr. Gardiner scharf und brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. „Wie soll sie denn nach Longbourn kommen, Mr. Darcy, wenn nicht über Lambton?"
„Es gibt ein weiteres Portal", antwortete dieser hastig. „Sie wird das schnellere meiner geflügelten Pferde nehmen, dann wird sie am Morgen dort sein."
„Ich werde ihr nicht erlauben, alleine zu gehen", erklärte Mr. Gardiner streng.
„Sie wird nicht alleine gehen", antwortete Darcy und wandte sich wieder ihr zu. „Bitte, nimm meine Schwester mit. Bei dir wird sie sicher sein."
Elizabeth war zu überrascht und antwortete nicht. Mr. Gardiners Gesicht verdunkelte sich, aber er nickte zustimmend und Mrs. Gardiner konnte nicht verhindern, dass Tränen ihre Wangen hinunter liefen.
„Du bist ein Idiot, Darcy", knurrte der Colonel. „Ich könnte dich töten."
„Das musst du vielleicht gar nicht mehr", sagte Darcy und seine Stimme war leise. Der Colonel antwortete nicht, sondern drehte sich um, verließ das Zimmer und nahm Mrs. Gardiner mit.
„Er wird sie sicher zum Portal bringen", sagte Darcy zu Mr. Gardiner.
„Ich werde nicht gehen", wiederholte Elizabeth nachdrücklich.
Darcy ignorierte sie und sprach sanft zu seiner Schwester, die ihm aufmerksam zuhörte, dann weiteten sich ihre Augen, bevor auch sie sich umdrehte und in den Gang verschwand. Mit einem Nicken zu Mr. Gardiner und Elizabeth, das ihnen sagte, dass sie ihm folgen sollten, ging auch Darcy den Gang entlang. Sie kehrten in die Halle zurück, in der sie kurz zuvor noch gegessen hatten und wo jetzt nur noch die Erwachsenen versammelt waren. Es brauchte nur ein paar kurze Befehle von Mr. Darcy, um sie alle in unterschiedliche Richtungen zu schicken. Mr. Gardiner wurde eher widerstrebend mit einem anderen Zauberer davon geschickt und ließ Elizabeth allein mit Darcy zurück. Ohne ein weiteres Wort zog er sie aus der Halle, hinein in einen weiteren Gang, der sie hinaus in die kalte Nacht führte. Zu ihrer Rechten erkannte Elizabeth ohne Zweifel die Ställe. Sie versteifte sich und hielt abrupt in ihren Schritten inne.
„Ich werde nicht mit dir streiten", sagte er.
Elizabeth verschränkte ihre Arme.
„Bitte", sagte er, „lass mich meine Fehler wieder gut machen."
„Musst du dich denn immer für alles selbst verantwortlich machen?", fragte Elizabeth. „Ich bin diejenige, die den Zauber aufgelöst hat."
Darcy pfiff und sofort stand ein silbernes Pferd an seiner Seite. Elizabeth öffnete erneut ihrem Mund, um zu protestieren, aber Darcy schüttelte sie sanft.
„Hör auf damit", sagte er und obwohl seine Schultern zusammensackten, blieb sein Griff fest. „Ich kann dich nicht zwingen, aber ich bitte dich, Elizabeth, bring meine Schwester in Sicherheit."
„Es gibt nichts", sagte sie, „nichts anderes, das mich von hier weg gebracht hätte, als diese Bitte."
Darcy lachte darüber. „Bist du dir da so sicher?" Er wurde wieder ernst und bewegte dann seine Hand zu ihrem Haar. „Es würde mich umbringen, wenn ich wüsste, dass eine von euch beiden wegen mir gestorben wäre."
Sie öffnete überrascht ihren Mund, als er sie berührte. Sie hob ihren Kopf und strich das Haar zur Seite, das ihm immer in die Augen fallen zu schien.
„Wirst du sie abholen?", fragte sie und stockte. „Wirst du mich abholen?"
„Bin ich nicht zuvor schon gekommen?", fragte er.
„Aber dann bist du wieder gegangen."
„Elizabeth", er schloss seine Augen und lehnte seinen Kopf an den ihren. „Ich kann nicht dort bleiben, wo ich nicht erwünscht bin."
„Du wirst kommen", beharrte sie.
„Ich würde jetzt mit dir kommen, wenn ich denn könnte."
„Versprich es mir. Versprich mir, dass du nicht sterben wirst", sagte sie.
Er lächelte schief. „Mein unerträglicher Stolz wird nicht-"
„Nein", sagte sie, „nicht wegen deinem Stolz. Versprich es mir."
Er sah sie fragend, unsicher an. „Bei Gott, ich habe es versucht", flüsterte er, „aber ich kann nicht anders als ich dich zu lieben. Ich werde immer zu dir kommen."
Es gab eine Bewegung in ihrer Nähe und Elizabeth drehte sich um und sah den Colonel – der wütend und ungeduldig aussah – und Georgiana hinter ihm, die in einem langen blauen Mantel gekleidet war und eine kleine Tasche festhielt. Plötzlich wurde Elizabeth in die Luft gehoben, Darcys Hände lagen an ihrer Hüfte, und auf den Rücken des Pferdes gesetzt. Der Colonel brachte Georgiana nach vorne. Darcy sagte ihr sanft auf Wiedersehen, gab ihr einen Kuss auf die Wange, bevor er sie hinter Elizabeth setzte.
„Halt dich an mir fest", sagte sie zu dem zitternden Mädchen, das sofort ihre Hände um ihre Hüfte schlang.
Darcy sprach ein Wort in das Ohr des Pferdes und mit einem Ruck sprang dieses vorwärts. Elizabeth umklammerte die Mähne, drehte sich dann noch einmal um und bekam noch Darcys letzte Worte mit.
„Steigt nicht ab", rief er und lief hinter ihnen her, „bis ihr Longbourns Portal erreicht habt. Das Pferd wird euch dorthin bringen!"
Sie streckte ihre Hand aus und berührte kurz seine ausgestreckte Hand, dann hob sie das Pferd in den dunklen Himmel und sie waren verschwunden.
Georgiana weinte stumm während der ersten halben Stunde ihrer Reise, während die kalte Luft um sie herum peitschte. Elizabeth hätte Georgianas Tränen nicht bemerkt, hätte sie nicht gemerkt, wie der Stoff an ihrer Schulter nass wurde.
„Ich hätte niemals gedacht, dass Pemberley angegriffen werden würde", sagte Georgiana schließlich und ihre Stimme zitterte leicht.
Elizabeth merkte, wir ihr Magen sich umdrehte, als sie an ihren Fehler dachte. „Alles wird gut werden", antwortete sie und hoffte, dass ihre Stimme ihre eigene Unsicherheit nicht verraten würde.
„Ich bin auf diesem Weg schon häufig mit meinem Bruder geritten", sagte Georgiana einige Augenblicke später, ließ ihren Kopf auf Elizabeths Schulter ruhen und seufzte, „aber das ist lange her, bevor all dies begonnen hat."
„Es muss wunderschön sein", sagte Elizabeth und blickte auf die Hügel und Bäume, die unter ihnen vorbei zogen. Der Himmel über ihnen war schwarz, die Sterne hinter Wolken verborgen.
„Ja, wunderwunderschön", sagte Georgiana eifrig, „alles hier ist wunderbar. Aber das Land auf der anderen Seite ist es ja auch."
„Ja", Elizabeth lächelte für sich, „daran erinnere ich mich, das ist es. Versuch jetzt zu schlafen."
„Wirst du schlafen?"
„Nein."
„Dann werde ich auch nicht schlafen", entgegnete Georgiana entschlossen, aber es verging keine halbe Stunde, bis sie an Elizabeth Rücken gelehnt tief und fest schlief.
