Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.
Kapitel 23: Die Bindung
Elizabeth schlief gar nicht, sondern hielt nach dem Sonnenaufgang Ausschau, während sich vor ihnen die Dunkelheit scheinbar unendlich hinzog. Georgiana erwachte zwei Stunden vor dem Sonnenaufgang, als es zu regnen begann. Ihr Zähne klapperten noch immer, als im Osten das Licht durch dir Wolken brach und das silberne Pferd seinen Kopf senkte um langsam herabzusteigen. Sogar in dem neuen Licht erkannte Elizabeth ihre Umgebung nicht.
Das Pferd landete sanft, aber Elizabeth wartete und bewegte sich nicht, um abzusteigen. Sie wartete nicht lange. Eine Frau mit einem langen weißen Stab tauchte aus dem Schatten der Bäume auf und streckte warnend ihre Hand aus.
„Ihr dürft hier nicht hindurch", konnte man klar und deutlich ihre Stimme hören. „Der Weg ist verschlossen."
Georgiana rutschte unruhig hin und her. Elizabeth saß kerzengerade und sprach kein Wort, sondern betrachtete die Frau abschätzend. Sie war weder jung noch alt, ihr Haar fiel lose auf den violetten Umhang. Sie kam Elizabeth bekannt vor, und gleichzeitig unbekannt.
„Ich bin bereits diesen Weg gegangen", sagte Elizabeth klar und deutlich. „Ich gehöre auf die andere Seite."
Die Augen der Frau verengten sich und dann lachte sie plötzlich, es war ein Geräusch wie fallendes Wasser. „Elizabeth Bennet!", rief sie. „Wie konnte ich das nicht sehen? Natürlich darfst du hindurch."
Elizabeth lächelte und glitt rasch zu Boden und streckte dann ihre Arme aus, um Georgiana zu helfen.
„Aber", sagte die Frau, und ihr Lächeln erstarb plötzlich, „deine Freundin darf dies nicht. Sie kommt nicht von Longbourn – sie ist nicht oft auf der anderen Seite gewesen."
Elizabeth bemerkte, wie Georgianas Hand zitterte. „Ich kann umkehren", flüsterte sie. „Ich werde den Grauen nehmen. Du kannst zu deiner Familie zurückkehren."
„Nein", Elizabeth schüttelte entschlossen ihren Kopf, „deine Sicherheit ist mir anvertraut worden." Der schmerzhafte Gedanke, dass es vielleicht nichts mehr geben konnte, zu dem man zurückkehren konnte, drängte sich ihr auf, aber sie sagte Georgiana nichts davon. Sie drehte sich wieder zu der Frau um und streckte ihre Hand aus. „Bedeutet Ihnen der Ring irgendetwas?", fragte sie.
Die Frau streckte ebenfalls die Hand aus und untersuchte das Gold einen Moment lang. Dann presste sie ihre Lippen zusammen. „Ich werde für nichts verantwortlich sein, was passiert, sobald sie die Grenze überschritten hat", sagte sie streng. „Ich habe strenge Befehle."
„Von wem?", fragte Elizabeth herausfordernd.
„Aber", die Frau lachte erneut, „von deinem Vater natürlich!"
Elizabeth war überrascht angesichts dieser Information, aber wurde von einem erneuten Fragen abgehalten, als die Frau erneut sprach.
„Es wird dich etwas kosten", sagte sie. „Ich werde das Mädchen nicht umsonst hindurchlassen."
Elizabeth verschränkte ihre Arme. „Und das ist auch einer Ihrer Befehle?"
Die Augen der Wächterin wurden hart und sie trat einen Schritt zurück.
„Wartet", sagte Georgiana, „werden Sie das Pferd nehmen?"
Die Augen der Frau flackerten. „Das wird reichen", sagte sie, bevor Elizabeth ihren Einspruch erheben konnte, und mit einem Fingerschnipsen verschwand der Pferd. Sie ging geschwind auf sie zu und berührte ihre Köpfe mit der Spitze ihre Stabes. „Da hindurch", wies sie sie an und deutete auf eine Öffnung in dem Dickicht, das gerade einmal groß genug erschien, um ein Kaninchen hindurch zu lassen. „Und du musst sie hindurchführen, Elizabeth, ich kann euch nicht weiter helfen."
Elizabeth wollte der Frau sagen, dass sie den Weg nach Hause nicht mehr wusste, aber sie fühlte, dass das unerheblich war. Stattdessen nahm sie Georgiana an einer Hand und raffte ihre Röcke mit der anderen und führte sie zu dem Dickicht. Das Gelächter der Torhüterin rang noch in ihren Ohren.
„Der Graue deines Bruders!", murmelte sie streng, wobei sie nicht beabsichtigt hatte, dass Georgiana sie hörte. „Eine Haarsträhne hätte es wohl auch getan!"
Aber das junge Mädchen hörte sie und sprach mit leicht zitternder Stimme: „Aber für eine Torhüterin wäre das nicht genug gewesen."
Elizabeth bereute ihre Worte sofort. „Er wird nicht wütend sein", sagte sie. „Er wollte, dass wir sicher ankommen, koste es, was es wolle."
Das Unterholz und die Dornen um sie herum wurden immer dichter, stachen ihnen in ihre Wangen und zogen an ihren dicken Mänteln. Elizabeth war überrascht, weil der Weg zur anderen Seite für sie auf einmal so klar war, als hätte sie einen befestigten Weg, auf dem sie gehen konnte. Georgiana folgte ihr vertrauensvoll und zögerte nur einmal, bei einer Gabelung in dem dornigen Tunnel.
„Bist du dir sicher, dass wir dort hindurch müssen?", fragte sie zögerlich und blickte zwischen dem breiten, lichterfüllten Pfad auf der rechten Seite und dem dunklen auf der linken Seite (den Elizabeth einschlagen wollte) hin und her.
Elizabeth lachte. „Das ist immer verräterisch, Georgiana", erklärte sie und dann, nach einem Augenblick nur standen sie zusammen auf dem vertrauten Feld, das Longbourn und Netherfield voneinander trennte. Das Dickicht war verschwunden und das einzige Anzeichen für das Tor war ein kleines Kaninchenloch auf dem Boden.
Die Sonne ging vor einem klaren blauen Himmel auf und Elizabeth lachte, als sie sah, wie ihr Vater zwischen den Bäume auftauchte und auf sie zu kam.
Darcy saß auf dem Boden seines Arbeitszimmers, sein Mantel rauchte noch immer und der Geruch von Asche brannte schmerzhaft in seiner Nase. Er war müde, aber als der die Schritte des Colonels vernahm, stand er rasch auf und stellte sich an das Fenster.
„Alles ist frei, alles ist sicher", teilte Colonel Fitzwilliam mit und Triumph schwang in seiner Stimme mit.
„Aber der Dieb ist uns erneut entkommen", sagte Darcy nur trocken.
Das Gesicht von Colonel Fitzwilliam verdunkelte sich. „Muss ich dich daran erinnern, Pendragon, dass wir Glück haben, dass wir noch am Leben sind?"
„Das musst du nicht", antwortete dieser nur kurz und ging auf ihn zu. „Ich brauche dich, um eine Botschaft nach Longbourn zu bringen, und nach Rosings."
„Kannst du das nicht selbst machen?"
„Wie es scheint", antwortete Darcy ungeduldig, „ist der Dieb auf der Flucht. Ich werde nicht untätig herumsitzen und auf den nächsten Angriff waren. Nein", sagte er und fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar, „es ist an der Zeit, dass ich den Schurken höchstpersönlich erlege."
Die Augen des Colonels blitzten wütend. „Und du willst damit andeuten, dass du ohne mich gehst?"
„Du wirst so schnell wie möglich zu mir stoßen."
„Ich würde viel eher sagen, dass du gehen solltest. Es sind immerhin deine Schwester und deine Geli–"
„Elizabeth Bennet ist nicht meine Geliebte."
„SO habe ich das ja auch nicht gemeint", grummelte der Colonel. „Ich nehme dann mal an, dass du sie heiraten wirst?"
Darcy antwortete nicht und dem Colonel gefiel der Blick, der über sein Gesicht huschte, gar nicht.
„Also wirklich, Pendragon", sagte er. „Jeder sieht doch, dass sie dich liebt."
„Ich würde es wissen, wenn sie es täte", antwortete Darcy sanft.
Der Colonel seufzte. „Ich werde dein Botschafter sein – aber nur dieses eine Mal. Und dann treffen wir uns in..."
„Istanbul."
„Ja – was?"
Darcys Mundwinkel zuckten. „Du hast mich schon richtig verstanden."
„Er ist innerhalb von 45 Minuten von hier dorthin gekommen? Und du verfolgst ihn bereits?", er schüttelte seinen Kopf. „Das ist eine weitere Falle."
Darcy zuckte die Schultern. „Vielleicht."
„Ich fange an zu glauben, dass du vielleicht weniger vernünftig bist, als ich immer angenommen habe."
„Glaub, was du willst. Ich bevorzuge es zu denken, dass wir dem Dieb eine Falle stellen, als anders herum."
Colonel Fitzwilliam sah verwirrt drein. „Indem wir tun, was er erwartet?"
„Was das ist, was der Dieb nicht erwartet."
„Aber was ist wenn–"
Darcy machte eine wegwerfende Handbewegung. „Müssen wir darüber streiten? Zwei unserer Leute sind schon dort, ganz dicht auf den Fersen. Pemberley ist wieder sicher und du hast Botschaften, die du überbringen musst."
Colonel Fitzwilliam hielt an der Tür inne. „Es wird nicht Istanbul sein, wo wir uns wieder treffen werden. Ich bin mir sicher, er ist schon wieder in Bewegung."
„Der Dieb?"
„Wer sonst?", der Colonel zuckte mit den Schultern und trat in die Halle.
„Fortinbras", rief Darcy ihm hinterher und stoppte ihn so, „warum bist du dir so sicher, dass wir hinter einem er her sind?"
Als Colonel Fitzwilliam auf Longbourns Schwelle erschien und mitteilte, dass Mr. Darcy noch nicht kommen konnte, um seine Schwester abzuholen, weil er auf einer wilden Jagd auf den Dieb durch die ganze Welt reiste, war Elizabeth verärgert. Als er gefragt wurde, warum Mr. Darcy denn nicht persönlich gekommen war, um die Neuigkeiten mitzuteilen, zuckte der Colonel nur mit den Schultern und antwortete mit einem Grinsen, dass er das nicht wisse. Elizabeth fehlten die Worte. Sie hatte das Gefühl, so teilte sie Jane am Abend mit, dass Mr. Darcy sie nur missbraucht hatte. Ihr einziger Trost war, dass Georgiana auf Longbourn blieb, was bedeutete, dass er irgendwann ja auch einmal persönlich vorbeisehen musste.
„Obwohl er sie auch mit der Post abholen lassen könnte", fügte Elizabeth giftig hinzu, „und mich gar nicht besuchen wird."
Sie nahm sich vor, gar nicht mehr an ihn zu denken und für zwei Wochen nach Colonel Fitzwilliams Nachricht gelang ihr das auch sehr gut. Longbourn erneut zu verlassen stand außer Frage, Mr. Bennet begrenzte den Ausgang seiner Töchter auf Longbourns Ländereien und Elizabeths auf den Garten, wenn sie nicht begleitet wurden. Mr. Bingley und Jane, die bald Mrs. Bingley sein würde, waren in dieser Hinsicht für Elizabeth von großer Hilfe. Jane entschuldigte sich reichlich, so eine geringe Hilfe für Elizabeth gewesen zu sein, bevor diese in den Norden gereist war und bot ihr die Fähigkeiten ihres Verlobten zu Übungszwecken an.
Mr. Bingley war mehr als glücklich, ihnen beiden ihre Wünsche erfüllen zu können und begleitete so fast jeden Tag Elizabeth und Jane hinauf auf das Feld (auf dem Mr. Darcy sonst immer geübt hatte), um mit ersterer verschiedene Übungen durchzugehen. Mr. Bingley hatte seine vorherige Aufgabe als Wächter für Elizabeth wieder aufgenommen, wobei Georgiana jetzt auch sein Schützling war. Er ertrug die Last sehr gut gelaunt, aber Mr. Bingley war ja eigentlich fast immer gut gelaunt.
Georgiana passte sich sehr gut an Longbourn an. Sie war ruhig und zu Beginn machte ihr die Wildheit von Elizabeths beiden jüngsten Schwestern etwas Angst. Es dauerte aber nicht lange, bis ihr eigenes Gemüt einen beruhigenden Effekt auf Kitty und Lydia, und sogar Mrs. Bennet, hatte. Georgiana zog es vor, bei ihnen im Haus zu bleiben, ihre schlecht ausgeführten Zauber zu berichtigen und ihnen neue, praktischere beizubringen. Dennoch folgte sie an den meisten Morgen Elizabeth, Jane und Mr. Bingley zu dem Feld, um Elizabeths Fortschritt zu beobachten. Mr. Bennet war ihr ständiger Begleiter und sie beide hatten ihre Freude daran, sowohl Mr. Bingley als auch Elizabeth Verbesserungsvorschläge zuzurufen.
Auf diese freundliche Art und Weise verging ein Monat geschwind für die Bewohner von Longbourn. Von den örtlichen Klatschbasen wurden nicht länger von Neuigkeiten über den Dieb gesprochen und wären da nicht die Nachrichten von Colonel Fitzwilliam gewesen, die sie einmal in der Woche erhielten, so hätten sie fast vergessen können, dass der Dieb überhaupt existierte. Die erste Nachricht war aus Ägypten abgeschickt worden, die zweite aus Moskau. Zurzeit wurde berichtet, dass Darcy und Fitzwilliam sich irgendwo in Sibirien aufhielten, wo sie einer weiteren Spur folgten. Ihre Nachrichten waren immer die gleichen: „Keine Neuigkeiten, beide sicher. Kehren so schnell wie möglich zurück."
Elizabeth bildete sich ein, dass es sie nicht länger interessierte, was mit Mr. Darcy geschah (abgesehen von Georgianas Wohl natürlich) und dass seine Abenteuer sie nicht mehr länger etwas angingen. Schließlich war sie ein ums andere mal selbst davon abgehalten worden. Aber während sie damit erfolgreich war, nicht mehr an Mr. Darcy zu denken, machte sie die damit verbundene Anstrengung doch leicht reizbar.
„Elizabeth", rief Mr. Bennet sie in sein Arbeitszimmer, „wusstest du, dass Colonel Fitzwilliam auf Rosings war, bevor er sich wieder Mr. Darcy angeschlossen hat?"
„Nein, aber das überrascht mich nicht", antwortete sie, kam hinein und schloss die Tür hinter sich. Es war später Vormittag und das Licht schien hell durch die Fenster. „Er muss die Steinhütte noch einmal untersucht haben – und ohne Zweifel Lady Catherine von ihrer bevorstehenden Abreise berichtet haben. Weder ihr noch ihrer Tochter geht es gut und ihre Neffen sind sehr vorsichtig, um sie nicht zu beängstigen."
„Hmmm", antwortete Mr. Bennet und rutschte auf seinem Stuhl hin und her, „also, das was ich dir mitteile ist nur eine Kleinigkeit, aber es wird dich doch vielleicht interessieren."
Elizabeth hob skeptisch eine Augenbraue.
„Dies ist ein Brief", fuhr ihr Vater fort, „von Mr. Collins." Er blickte erwartungsvoll auf und war erfreut, als er Elizabeths erstaunten Blick sah.
„Obwohl Mr. Collins ohne Frage ein sehr unterhaltsamer Mann ist", sagt sie, „kann ich eine Verbindung zwischen ihm und Colonel Fitzwilliam nicht erkennen."
„Mr. Collins schreibt, um mir zu der bevorstehenden Hochzeit meiner ältesten Tochter zu gratulieren – das ist ja keine Überraschung, aber hier", Mr. Bennet öffnete den Brief und deutete auf einen besonderen Abschnitt, „fährt er fort, mir zu der, wie er glaubt, bevorstehenden Heirat meiner zweitältesten Tochter zu gratulieren – mir Mr. Darcy!"
Elizabeth saß geschockt und sprachlos vor ihm.
„Seine Quelle ist, wie er schreibt, niemand geringerer als Colonel Fitzwilliam, der scheinbar etwas fallen gelassen hat."
„Ich kann mir nicht vorstellen, warum–", Elizabeth stockte und erinnerte sich an ihre Umarmung an jenem Abend bei den Ställen. „Es muss ein Missverständnis sein."
Mr. Bennet hob eine Augenbraue.
„Wirklich, Papa, ich kann mir nicht vorstellen, warum Colonel Fitzwilliam irgendetwas irgendjemandem gegenüber fallen lassen sollte", beharrte Elizabeth mit leicht erhobener Stimme.
„Seine Vermutungen sind harmlos", versicherte Mr. Bennet ihr, „aber Mr. Collins warnt mich, dass seine Tante, Lady Catherine de Bourgh, der Verbindung nicht allzu freundlich gegenüber steht."
Elizabeth lächelte angesichts dessen. „Was auch immer die Ansicht seiner Tante sein mag, ich denke, dass das Mr. Darcy überhaupt gar nicht beeinflussen wird."
Mr. Bennet lachte leise. „Wenn er da genau so wie sein Vater ist, dann bin ich mir sicher, du hast Recht."
Schon am nächsten Morgen, als Elizabeth draußen im Garten saß und ein Buch las, fuhr ein Vierspänner vor das Haus. Die Kutsche war Elizabeth unbekannt und sie hatte keine Ahnung, wer es sein könnte, als die große Figur Lady Catherines aus ihr heraustrat. Überrascht stand Elizabeth auf und als die Lady sie im Garten sah, ging sie unverzüglich auf sie zu, anstatt ins Haus zu gehen.
„Lady Catherine!", rief Elizabeth und knickste, „welchen Umständen verdanken wir die Ehre Eures Besuchs?"
Lady Catherine ging auf ihre Begrüßung gar nicht ein, sondern betrachtete sie nur kalt. „Ich bin hier", sagte sie schließlich und blickte auf Longbourns Fenster hinter sich, „um persönlich mit Ihnen zu reden. Auf der anderen Seite des Rasens scheint mir eine eine hübsche kleine Wildnis zu sein. Ich würde dort gerne einen Rundgang machen, wenn Sie mich dabei begleiten würden."
Aus purer Neugier willigte Elizabeth ein und sie gingen ein paar Minuten schweigend nebeneinander her, während Lady Catherine sich scheinbar wieder sammelte.
„Sie werden sich denken können, Miss Bennet, warum ich diese Reise hierher gemacht habe."
Elizabeth hätte beinahe gelächelt. Sie hatte schon vermutet, dass Lady Catherine wegen ihres Neffens gekommen und ihre ärgerliche Haltung bestätigte das jetzt. Elizabeth wollte reden – wollte sagen, dass das alles ein Missverständnis war – um Lady Catherine darüber zu informieren, dass diese ruhig mit dem Wissen schlafen könne, dass Miss Elizabeth Bennet nicht die Absicht hatte, sich mit Mr. Fitzwilliam Darcy zu verloben, aber sie merkte, wie ihr die Wörter im Halse stecken blieben.
Lady Catherine sprach höchst verärgert weiter, aber Elizabeth hörte sie nicht. Es wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie ihn liebte – und zwar die ganze Zeit schon. Sie liebte ihn mehr als jeden anderen und es schmerzte sie, dass er ohne sie gegangen war, um den Dieb zu bekämpfen und zwar nicht nur, weil sie sich nach Abenteuern sehnte, sondern auch, weil sie einfach nur bei ihm sein wollte. Elizabeth fühlte plötzlich, wie sie ein Zucken von ihren Zehenspitzen bis zu ihren Haaren durchfuhr. Sie zitterte kurz, unerklärlicherweise standen ihr plötzlich Tränen in den Augen und dann wandte sie sich an die Frau vor sich.
„Eines wollen wir klarstellen", sagte Lady Catherine gerade, „eine Verbindung zwischen Ihnen und meinem Neffen – die Sie ja die Anmaßung haben, anzustreben – wird niemals stattfinden."
Plötzlich sprach eine Stimme neben Elizabeth und diese wäre beinahe vor Überraschung aufgesprungen. „Und warum nicht, Tante Catherine, wenn wir das denn beide wollten?", fragte Mr. Darcy und wandte sich mit einem zögerlichen Lächeln an Elizabeth.
Lady Catherine war vergessen.
„Du!", rief Elizabeth überrascht und nun flossen die Tränen ihre Wangen hinunter. „Ich verstehe nicht, warum du plötzlich hier bist!"
Er nahm ihre ausgestreckte Hand. „Bist du verärgert, mich hier zu sehen?"
„Ich könnte nicht glücklicher sein, dich hier zu sehen."
Er lächelte breit. „Ich verstehe es auch nicht besser als du. Ich war in Sibirien und habe mich im strömenden Regen meinen Weg durch die Bäume gekämpft", Elizabeth bemerkte jetzt, dass seine Haare und sein Mantel tropfnass waren, „als ich plötzlich wusste, dass ich zu dir kommen musste. Ich wusste–"
„Du wusstest, dass ich dich liebe", antwortete sie für ihn.
Er zog scharf seinen Atem ein. „Tust du das?", flüsterte er.
„Fitzwilliam Darcy", brauste Lady Catherine auf, „ich schäme mich für dich!"
Sie blickten beide auf und wandten sich wieder Lady Catherine zu. Lady Catherines Gesicht war blass vor Ärger und sie öffnete ihren Mund, um erneut etwas zu sagen, als ihr plötzlich vor Überraschung die Kinnlade herunter fiel. Darcy und Elizabeth drehten sich um, um ihrem Blick zu folgen und sahen Mr. Bennet ein paar Meter entfernt an einer Hecke stehen.
„Was machen Sie hier?", fragte er und kam näher.
Lady Catherine schloss ihren Mund und ein Ausdruck, den weder Darcy noch Elizabeth interpretieren konnten, huschte über ihr Gesicht. „Ich könnte dich das gleiche fragen!"
Es gab einen gewaltigen Knall und in einem Sekundenbruchteil hingen Elizabeth und Darcy beide kopfüber und unbeweglich mitten in der Luft, ihre Hände und Fußknöchel von einem unsichtbare Seil zusammengebunden. Sie verbogen sich beide, um sehen zu können, was unter ihnen vorging. Lady Catherine hatte sich verwandelt, ihr Gesicht war von Dunkelheit umgeben, ihr Gesicht vor Ärger verzerrt. Ein junger Mann mit schwarzem Haar stand vor ihr, sein Gesicht war hart, seine Augen kamen Elizabeth bekannt vor.
„Papa?", rief sie und der junge Mann sah auf und in seinen Augen konnte sie seine Hoffnungslosigkeit sehen.
„Du!", spie Darcy seine Tante gleichzeitig an. „Du warst es die ganze Zeit!"
Lady Catherine lächelte. „Musst du denn so dümmlich dreinsehen?", sagte sie spöttisch. „Wer außer mir hätte es denn sein können? Niemand anders hatte die Macht oder die Fähigkeit, das zu tun, was ich getan habe – aber du warst ja schon immer ziemlich dumm, Fitzwilliam. Du warst mehr als glücklich, mein Schauspiel von der trauernden Witwe zu glauben – der am Boden zerstörten, unschuldigen Witwe, deren Ehemann ein Mörder gewesen war!" Sie ging einen Schritt auf Mr. Bennet zu, der noch immer in seiner jungen Form vor ihr stand, seine Arme wie an seine Seiten geklammert.
„Fitzwilliam", flüsterte Elizabeth, „warum bin ich in diesem Zauber gefangen?"
„Aber in Wirklichkeit", fuhr Lady Catherine fort und ihr Gesicht war nur Zentimeter von Mr. Bennets entfernt, „war ich eine beraubte Witwe. Ich habe meinen Ehemann mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt. Und du–", schrie sie plötzlich und spuckte ihm ins Gesicht, „du hast ihn mir genommen!"
Mr. Bennet zuckte noch nicht einmal und Lady Catherine wankte zurück, bevor sie anfing, vor ihm auf und ab zu gehen und ihre Hände wrang.
„All die Jahre habe ich nach dir gesucht, es hat mich fast zerstört, als ich dachte, ich würde mich vielleicht irren – dass du tot wärst, wie all die Berichte es jedenfalls behaupteten", sagte sie. „Aber ich wusste – ich wusste, dass du am Leben sein musstest. Ich würde Gerechtigkeit haben. Ich habe mich nach diesem Augenblick gesehnt – an dem ich dich endlich eigenhändig töten könnte für all das, was du mir angetan hast."
„Fitzwilliam", flüsterte Elizabeth dieses Mal dringlicher, „warum bin ich in diesem Zauber gefangen? Fitzwilliam!"
Nur langsam wandte Darcy den Blick von Lady Catherine und Mr. Bennet unter ihnen ab. Er sah Elizabeth verwirrt an, als sich plötzlich ein wissendes Lächeln über seinem Gesicht ausbreitete.
„Elizabeth, du liebst mich", sagte er glücklich.
„Natürlich liebe ich dich!", rief sie verzweifelt aus. „Aber das hat doch–"
„Alles hat damit zu tun! Ich liebe dich, Elizabeth, mit jeder Faser meines Seins. Die Erwiderung der Liebe hat uns zusammen gebunden, mit einer Bindung, die nur durch den Tod gebrochen werden kann – und manchmal noch nicht einmal dadurch. Du bist jetzt genau so durch Magie angreifbar wie ich es bin."
Elizabeths Augen weiteten sich. „Aber wenn wir beide durch Magie angreifbar sind, sollten wir dann nicht auch beide unangreifbar sein?"
Darcy warf seinen Kopf zurück und lachte, wodurch er die Aufmerksamkeit Lady Catherines auf sich zog.
„Wirst du wohl still sein, Fitzwilliam!", sagte sie streng. „Du hast mir schon genug Ärger bereitet–"
„Sibirien, Tante?", rief er. „Du hast mich deinen Schatten in Sibirien jagen lassen?"
Lady Catherine lächelte. „Anne ist unglaublich talentiert darin, meine Bewegungen zu imitieren. Sie ist ein sehr gehorsames Kind und tut das, was ihr befohlen wird. Und ich bin unglaublich talentiert darin, meine magischen Fähigkeiten zu verbergen."
„Aber ihn–", Darcy nickte in Richtung von Mr. Bennet, der immer noch an seinem Platz festgefroren war, „hier wieder zu finden, war nicht Teil des Plans."
„Ganz im Gegenteil", antwortete Lady Catherine, „es war die ganze Zeit meine Absicht, ihn ausfindig zu machen. Aber auf einem Anwesen irgendwo auf dem Land, mit so einem unbedeutenden Namen und fünf dummen Töchtern? Ich hatte nie geahnt, dass Thomas Swann sich erlauben würde, so tief zu sinken."
„Zum Schutz meiner Familie?", rief Eliizabeths Vater plötzlich. „Ich würde alles tun, ich würde alles aufgeben!"
„Und dennoch war es nicht genug?", sagte Lady Catherine erneut höhnisch. „Vielleicht sollte ich deine zweite Tochter zuerst töten – ist die nicht dein Liebling? Dann wirst du wissen, wie es ist, diejenigen zu verlieren, die man liebt."
„Nein!", rief Darcy hitzig und plötzlich waren er und Elizabeth wieder am Boden und standen an Mr. Bennets Seite. Lady Catherine war so überrascht, dass sie den Zauber, mit dem sie Mr. Bennet hielt, fallen ließ. Er erschien jetzt wieder so wie er war, mit weißem Haar stand er aufrecht und wütend. Er schritt bedrohlich auf sie zu.
„Ich werde nicht zulassen, dass mir erneut etwas genommen wird, das ich liebe", knurrte er. „Ich habe schon genug gegeben."
Lady Catherine stolperte zurück und umgab sich mit einem schwarzen Schild. „Du kannst mich nicht berühren!", schrie sie. „Du kannst mich nicht anfassen!"
„Ganz im Gegenteil", sagte Elizabeth kühl, als sie langsam das Schild auflöste. „Ich werde Euren Schutzzauber in Kürze entzaubert haben und Fitzwilliam hält Euch bereits an Eurem Platz fest. Ihr könnt nicht Zauber und Entzauberung gleichzeitig bekämpfen."
„Ihr ward es!", keuchte Lady Catherine. „Ihr ward diejenige, nach der ich gesucht habe – und in meiner Reichweite, die ganze Zeit?"
Elizabeth lachte. „Und stell dir vor, Fitzwilliam", sagte sie, „dass sie uns eigentlich nur aus Zufall gefunden hat, weil dein Cousin ein Gerücht über eine nicht existierende Verlobung verbreitet hat."
Darcy blickte streng und finster drein und verstärkte seinen Zauber um Lady Catherine während Elizabeth die letzte Lage ihres Schilds zunichte machte. „Ich werde mit ihm darüber reden müssen. Aber Elizabeth – warum sagst du, dass es nicht existiert?"
Plötzlich gab es einen schwarzen Blitz und Elizabeth und Darcy wurden beide zurückgeworfen. Lady Catherine stand plötzlich mit einem Messer in der Hand vor ihnen und stach damit tief in Mr. Bennets Seite. Ihr Gelächter war hoch und wild.
„Du kannst nicht gewinnen! Ich kann nicht besiegt werden!", schrie sie.
Elizabeth und Darcy sprangen auf ihre Füße und stürmten nach vorne, aber das war schon gar nicht mehr nötig. Eine große Vase krachte auf Lady Catherines Kopf und sie sackte auf den kalten Boden. Eine zitternde Mrs. Bennet stand hinter ihr, Tränen strömten ihre Wangen hinunter.
„Ich konnte mich nicht mehr an den Zauber erinnern, der dafür sorgt, dass ein Zauberer ohnmächtig wird", schluchzte sie, griff nach Mr. Bennet und schob Lady Catherine zur Seite. „Aber sobald ihr Schild weg war, war eine Vase ja genau so gut wie alles andere."
