Disclaimer: Nichts an dieser Geschichte gehört mir. Es ist nicht nur so, dass das Original von der unübertroffenen Jane Austen stammt, sondern ich in diesem Fall auch nur die Übersetzerin der Geschichte bin. Das Copyright der Geschichte liegt bei der Autorin Kara, ich habe aber ihre Erlaubnis, diese Geschichte in der deutschen Übersetzung zu posten. Sollte Interesse bestehen, das Original, das unter dem Titel „Disenchanted" auf mehreren Plattformen erschienen ist, zu lesen (denn eine Übersetzung ist und bleibt ein Echo des Originals), möge man sich bitte bei mir melden. Leider erlaubt diese Seite nicht die Angabe eines Links, man kann ihn aber durch eine Mail an mich oder durch eine Frage im Review bei mir erhalten.
Kapitel 24: Der Abschluss der Dinge
Genau in diesem Moment des vollkommenen Durcheinanders erschien Colonel Fitzwilliam mit einem lauten Knall und einer roten Rauchwolke. Mit zwei kurzen Schritten stand er neben Darcy (der sich über Mr. Bennet beugte).
„Zuerst verschwindest du ohne jede Vorankündigung", begann der Colonel erregt und ließ eine hell brennende rote Taschenuhr von seinem Finger baumeln, „und dann rufst du mich und verbrennst mir meine fünfte Westentasche in diesem Jahr! Wenn ich für irgendeine Kleinigkeit gerufen – um Himmels Willen!", rief er aus und sprang zurück. „Tante Catherine!"
Darcy erhob beruhigend eine Hand. „Fitzwilliam..."
„Ist sie verletzt? Diesem Unhold werde ich es zeigen!"
„Fitzwilliam!", sagte Darcy erneut, dieses Mal strenger, aber der Colonel stürmte schon um sie umher und hielt nach möglichen Attentätern Ausschau. Er blieb abrupt stehen.
„Nicht Mr. Bennet? Ich hätte niemals gedacht–"
„Der Dieb, Fitzwilliam", sagte Mr. Darcy ruhig, während er seinen Cousin mit einiger Kraft am Arm festhielt.
„Mr. Bennet!"
„Nein", sagte Mr. Darcy und blickte ihm in die Augen. „Der Dieb war – ist – Tante Catherine."
Colonel Fitzwilliams Kinnlade fiel nach unten.
„Und wenn sie sie nicht bald sichern", keuchte Mr. Bennet vom Boden, „dann wird sie wieder zu sich kommen und alles zunichte machen."
„Oh! Mein armer Mr. Bennet", schluchzte Mrs. Bennet, nahm ihr Taschentuch und wischte ihm damit über die Stirn.
Glücklicherweise erschien Mr. Bingley mit Jane, gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern des Rats der Zauberer (die plötzlich an verschiedenen Stellen im Garten einfach auftauchten), gerade in diesem Moment. Den Dieb (oder vielmehr Lady Catherine) zu sichern war von da an ein kurzer Prozess. Elizabeth wurde von den ganzen Maßnahmen kurzfristig abgelenkt, als sie und Jane sich um ihren Vater kümmerten, aber Mr. Darcys Hand auf ihrem Arm erhielt sofort wieder ihre ganze Aufmerksamkeit.
„Ich muss dich bitten, mir bei etwas sehr Unerfreulichem zu helfen", sagte er mit einer Grimasse.
Elizabeth nickte. „Hat es mit Lady Catherine zu tun?"
Darcy seufzte. „Wir müssen alle magischen Fähigkeiten von ihr ablösen – und zwar nicht nur ihre eigenen, sondern auch die ihres Ehemanns."
„Dem Hexenmeister?" Elizabeths Augen weiteten sich, als sie verstand. „Unsere ist keine einzigartige Bindung."
„Nein", antwortete er und sah ihr in die Augen. „Es ist jetzt ersichtlich, dass die beiden auch eine magische Bindung geteilt haben. Ganz gleich wie böse der Hexenmeister auch war, ganz gleich, welches Unrecht meine Tante verursacht hat, sie haben sich geliebt."
„Sogar über den Tod hinaus?"
Darcy nickte. „Das ist möglich. Besonders, wenn die Zurückgelassene nicht bereit ist, loszulassen. Und warum hätte sie das auch tun sollen, wenn ihr solche Macht zur Verfügung stand? Welch Unglück sie aufgrund ihrer Trauer verursacht hat! Wenn ich daran denke, wie wütend sie auf deinen Vater war – der ja viel mehr verloren hat! – "
„Lass uns daran nicht denken und das tun, was getan werden muss", antwortete Elizabeth und legte ihre Hand auf seinen Arm.
Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar. „Und wir werden das einzig gute, das sie noch von ihm hat, zerstören. Was für ein Dilemma!"
Elizabeth schüttelte ihren Kopf. „Die magische Bindung mögen wir vielleicht zerstören, nicht aber die Erinnerung an ihre Liebe, diese wird immer bleiben – wenn sie denn echt war."
Das Auflösen der Kräfte des Diebes dauert den ganzen restlichen Morgen und einen großen Teil des Nachmittags. Lady Catherine bliebe während des ganzen Vorgangs handlungsunfähig. Sie lag immer noch dort auf dem Rasen, wo sie gefallen war, und Darcy hielt ihre eine Hand und Elizabeth die andere, während drei Mitglieder des Rats der Zauberer in ständiger Alarmbereitschaft um sie herum positioniert waren. Es beanspruchte Elizabeths ganze Kraft, mit stetigem und schnellem Tempo die Magie aufzulösen, während Darcy (der der geübtere und deshalb flexiblere Zauberer war) zwischen Zauber und Entzauberung hin und her sprang, um alle versteckte Magie zu finden.
Sie bemerkten die Aktivitäten, die um sie herum vorgingen, nicht. Mr. und Mrs. Gardiner kamen, da sie auch von ihren gewohnten Tätigkeiten nach Longbourn gerufen worden waren, und brachten geschwind den ganzen Haushalt wieder zur Ruhe. Mr. Bennet wurde in sein Zimmer gebracht, um sich auszuruhen (obwohl er sich weigerte, sich in sein Bett zu legen und sich stattdessen in seinen Sessel setzte mit einer Decke über seinen Beinen). Mrs. Bennet, deren Nerven vollkommen erschüttert waren, wurde in ihr eigenes Zimmer gebracht, wo Jane und Mr. Gardiner sich um sie kümmerten. Mrs. Gardiner machte dann Georgiana, Kitty und Lydia ausfindig, die gemeinsam am anderen Ende des Hauses Rosen geschnitten hatten und gar nicht wussten, was am Morgen vorgefallen war. Als alle Mädchen sich im Salon versammelt hatten (wo Mary gerade ein Buch gelesen hatte), berichtete Mrs. Gardiner ihnen von allem. Kitty und Lydia gingen sofort zu ihrer Mutter, während Mary ein anderes Buch auswählte und zu ihrem Vater ging, um ihm daraus vorzulesen. Es brauchte die ganze Anstrengung von Colonel Fitzwilliam und Mrs. Gardiner, um Georgiana davon zu überzeugen, dass ihr Bruder viel zu beschäftigt war und in seiner Arbeit nicht einmal eben anhalten konnte, um sie zu sehen.
In dem Moment, als Elizabeth und Darcy die letzten Stränge von Lady Catherines Macht brachen, passierten einige Dinge gleichzeitig. Es gab einen großen Ausbruch von violettem Rauch auf Longbourns Türschwelle und Anne de Bourgh pochte an die Tür und forderte, ihre Mutter zu sehen. Mr. Bennet, der bei dem Klang von Marys Stimme langsam eingenickt war, wachte mit einem Schrei auf. Mary ließ vor Schreck das Buch fallen, als sie sah, wie ihr Vater im Zimmer hin und her sprang, helle weiße Funken sprangen aus seinen Haar– und Fingerspitzen. „Es ist zurück!", rief er zu niemand bestimmten und begann, verschiedene Objekte im Zimmer schweben zu lassen. Plötzlich wurde die Tür zu seinem Schlafzimmer mit einem Knall offen gestoßen und Mrs. Bennet (die noch Sekunden zuvor in einem Stadium der absoluten Gebrechlichkeit in ihrem Bett gelegen hatte) stand in der Tür, ihr Haar war vollkommen zerzaust und in ihren Augen leuchteten die Tränen.
„Thomas!", rief sie und ihre Stimme zitterte.
Mr. Bennet hielt inne. Verschiedene Bücher und ein Wasserkrug, die er hatte schweben lassen, fielen mit einem lauten Krach zu Boden. Mary, die jetzt ziemlich verängstigt war, zog sich vorsichtig in eine Zimmerecke zurück.
Mr. Bennet drehte sich langsam um und schaute ungläubig in die Augen seiner Frau. Er bewegte seine Lippen, um ein Wort zu sagen, aber aus seinem Mund kam kein Ton.
Mrs. Bennet verstand ihn. Sie bewegte sich nicht, aber sie begann sanft zu lächeln – ein Gesichtsausdruck, den Mary noch nie bei ihrer Mutter gesehen hatte. „Ja", sagte sie und ihre Stimme war jetzt kaum mehr als ein Flüstern, „es ist Eleanor, wirklich Eleanor."
Mit einem leisen Schrei schloss er sie leidenschaftlich in seine Arme und sie bedeckten das Gesicht des jeweils anderen mit Küssen und Tränen. Mary, die vor lauter Überraschung einfach sprachlos war, verließ das Zimmer so schnell wie möglich, und, weil sie dachte, das sei wohl das Beste für alle Beteiligten, schloss die Tür hinter sich.
Sie wurde von der Anwesenheit von Mr. Gardiner, Jane, Kitty und Lydia überrascht, die alle (anscheinend) Mrs. Bennet aus ihrem Zimmer gefolgt waren.
„Sie sind – zusammen – und sollten – nicht gestört werden", konnte Mary nur stottern.
Mr. Gardiner grinste. „Sehr gut!", sagte er lachend. „Jetzt ist alles wieder gut, nicht wahr?"
„Ich verstehe das alles nicht!", rief Lydia aus und war kurz davor, wütend mit ihrem Fuß aufzustampfen.
„Komm mit mir", sagte Jane, deren Augen in Tränen schwammen, „und ich werde dir alles erklären."
Jane musste ihre Erklärungen aber unterbrechen, als sie in den Salon gingen. Dort saß eine schluchzende Anne de Bourgh mit Colonel Fitzwilliam auf ihrer einen Seite und Georgiana auf der anderen, während Mrs. Gardiner ihr ein Taschentuch reichte.
„Es ist alles komplett meine Schuld!", weinte Miss de Bourgh und schluchzte erneut heftig. „Ich hätte euch sofort alles erzählen müssen, was ich wusste–"
„Aber Anne, du wurdest durch einen Zauber deiner Mutter unter Kontrolle gehalten. Es gab nur wenig, was du hättest tun können", versuchte der Colonel sie zu beruhigen. „Denkst du, sie hätte dir erlaubt, auch nur ein Wort zu irgendwem zu sagen?"
„Ganz gleich, welche Strafe ihr auch festlegt", sagte Anne und ihre Lippen zitterten, „ich werde mich nicht dagegen wehren."
„Es wird nicht nötig sein–", begann der Colonel, wurde aber von Darcys Stimme an der Tür unterbrochen.
„Es wird vielleicht eine Strafe geben, Anne", sagte er und trat gemeinsam mit Elizabeth in den Raum, „aber erst nach einer gänzlichen Untersuchung. Schlimmstenfalls werden deine sämtlichen Fähigkeiten von uns aufgelöst."
„Ihr könnt sie alle gerne haben, ich hasse Magie!", versicherte Anne ihm und brach erneut in Tränen aus.
„Wie geht es Papa?", fragte Elizabeth Mr. Gardiner.
„Du wirst es nicht glauben, Lizzy", sagte er heiser und blinzelte heftig, „aber seine Magie ist zurückgekommen und Eleanor–", hier musste Mr. Gardiner sich setzten und seine Frau legte ihm ihre Hände auf die Schultern, „meine Schwester ist zu ihm zurückgekehrt! Zu uns – zu uns allen!"
Elizabeth schnappte nach Luft. „Aber der Todesfluch! Das kann doch nicht möglich sein. Sie standen beide unter einem unzerbrechlichen Fluch!"
„Nein, Elizabeth", sagte Darcy hinter ihr, „es mag zwar ein Todesfluch gewesen sein, aber er war nicht unzerbrechlich. Was von der Magie des Hexenmeisters noch übrig war, ist nun für immer von dieser Welt verschwunden und damit auch all die Flüche, die er gesprochen hat. Sein Fluch hielt bloß an, weil Lady Catherine ihn durch ihre Bindung aufrechterhielt. Hätten wir davon gewusst – hätten wir es früher herausgefunden–"
„Sie waren noch ein Kind, Mr. Darcy", sagte Mr. Gardiner und seine Augen klarten sich auf. „Es gab nichts, was Sie hätten machen können."
„Aber mein Vater–", hier stockte Mr. Darcy und ging unsicher einen Schritt zurück. „Er wusste davon, aber er hat es – zunächst nicht verstanden. Und dann hat Lady Catherine ihn deswegen getötet."
Elizabeth nahm seine Hand. „Jetzt ist alles wieder gut", versicherte sie ihm.
„Was hab ihr mit Lady Catherine gemacht?", fragte Mrs. Gardiner und alle anderen im Zimmer verstummten, um die Antwort zu hören.
„Ihre Fähigkeiten sind unwiderruflich zerstört. Wir müssen weder ihre Magie noch die ihres Mannes je wieder fürchten."
„Was wird mit ihr passieren?", fragte Anne sanft und ihre Augen waren immer noch mit Tränen gefüllt.
„Dauerhaftes Exil und Abgeschlossenheit", sagte Darcy fest.
„Dann werde ich mit ihr gehen–", sagte Anne sofort.
„Anne, wir müssen alle deine Fähigkeiten von dir ablösen. Wenn es ein Verfahren geben sollte und du als nicht schuldig befunden wirst, dann wird es nicht möglich–"
„Ich werde bei ihr bleiben", antwortete Anne mit fester Stimme. „Wo ist sie jetzt, sodass ich zu ihr gehen kann?"
„Sie ist immer noch bewusstlos. Sie wird von Mr. Bingley und anderen Mitgliedern des Rats bewacht. Sie warten auf die Transportmöglichkeit, um sie von hier wegzubringen."
Anne stand auf, um nach draußen zu gehen und Colonel Fitzwilliam und Jane folgten ihr. Darcy wandte sich an Elizabeth.
„Nachdem ich mich um meine Tante gekümmert habe, muss ich noch etwas anderes auf Rosings erledigen."
„Die Steinhütte", sagte Elizabeth für ihn.
„Ja genau. Es ist unmöglich, dass es noch irgendwelche Magie in ihr gibt. Ich werde sie zerstören und so schnell wie möglich zurückkehren–"
Elizabeth lachte. „Oh nein!", sagte sie. „Glaubst du denn, dass ich dich irgendwo hin ohne mich gehen lasse?"
Er begann langsam zu lächeln. „Vielleicht habe ich nicht richtig nachgedacht."
„Scheinbar nicht. Du weißt doch, dass wenn du mich nicht zwei Mal dazu gezwungen hättest davonzulaufen, als der Dieb kam, ich schon viel früher erkannt hätte, dass es Lady Catherine war und all dies hätte sich viel früher gelöst."
Darcy kümmerte sich gar nicht um die anderen Leute um sie herum, er lachte und nahm sie in seine Arme. „Dann werde ich diesen Fehler nie wieder machen. Wie viele ich doch gemacht habe seit unserer ersten Begegnung!"
„Das haben wir beide", erwiderte Elizabeth, die sich auf ihre Zehenspitzen stellte, um ihre Arme um seinen Hals zu legen.
„Du?", rief er. „Wann hast du jemals etwas falsch gemacht?"
„Als ich deinen Antrag abgelehnt habe."
Er wurde wieder ernst. „Nein, Elizabeth, du hast mir meine Grenzen gezeigt. Du hast mir gezeigt, wie wenig meine Überheblichkeit ausreichte, Eindruck auf eine Frau zu machen, die beeindruckt zu werden verdient."
„Und bis du kamst, kannte ich mich selbst nicht."
Sie bemerkten nicht, dass der Rest der Gesellschaft leise aus dem Zimmer geschlüpft war.
„Nimm meine Hand, Elizabeth", sagte er und zog sie an sich.
Elizabeth lachte und blickte zu ihm auf. „Aber nur unter eine Bedingung", sagte sie, woraufhin Mr. Darcy sie überrascht anblickte.
„Und die wäre?"
„Dass du mich nie wieder zurücklässt – oder mich zwingst, dich zurückzulassen", antwortete sie und bewegte ihre Hand, um ihm die die Haare aus den Augen zu streichen.
Darcy lächtelte. „Nie?", fragte er.
„Nur unter außergewöhnlichen Umständen – die ich aber selbst festlegen werde!", rief Elizabeth.
„In Ordnung", antwortete er.
„Versprichst du es mir?", fragte sie mit funkelnden Augen.
„Das ist ein Versprechen, das ich leicht geben kann", sagte er und beugte sich nach vorne.
„Du musst mir auch versprechen, dass du mir Gedichte schreiben wirst", sagte sie und stoppte ihn. „Ich möchte wissen, wie du dir deinen Namen verdient hast."
„Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?"
„Mit deinen eigenen Worten!", beharrte Elizabeth. „Es sei denn, du siehst dafür wirklich keinen Grund."
„Ich muss dich warnen, ich bin ein ganz grauenhafter Poet", antwortete er. „Fitzwilliam hat eines Nachmittags vier lächerliche Zeilen von mir gefunden und jetzt das! Ich bevorzuge Pendragon."
„Vielleicht ist dann ein neuer Name angebracht."
Darcy hob seine Augenbrauen.
„Einer, der zu meinem passt", fuhr Elizabeth fort.
Er lachte. „Für dich, meine geliebte Rosalind, würde ich alles tun."
Und dann beugte er sich herunter, um sie zu küssen.
