Kapitel 14:

Kathi schreckt auf. Sie ist mit einem Schlag hellwach und richtet sich auf. Sie blickt sich um und langsam kehren die Erinnerungen zurück. Sie bemerkt, dass es im Zimmer fast komplett dunkel ist, nur 2 Kerzen auf dem Tischchen neben ihrem Bett brennen noch.

Als sie sich umblickt, fällt ihr Blick auf einen roten Schopf, der auf ihrer Bettkante liegt... Sie lächelt sacht. Ihr Blick fällt auf ihre Hand – seine Hand liegt immer noch in ihrer.. Sie errötet leicht, obwohl es keiner sehen kann, wie er dort sitzt. Scheinbar schläft er und sie möchte ihn nicht wecken...Aber sie fragt sich, wie spät es wirklich ist, schaut aber nicht nach – da sie sonst seine Hand loslassen müsste. Sie begreift nicht, warum sie so völlig weg war... Woher das kommt. Sie seufzt leise und lässt sich wieder zurück in das Kissen sinken, blickt lächelnd auf Rupert und döst langsam wieder ein, dieses Mal ein leichter Schlaf voller wirrer Träume...

*

Sam seufzt leise. Er wälzt sich schlaflos im Bett herum, döst immer nur ein, um wirre Sachen zu träumen und schreckt dann wieder hoch. Wie gut, dass sein Mitbewohner des Zimmers nicht da ist, er hätte Sam sicher für völlig verrückt gehalten.

Sam hatte sich am Nachmittag nur mit Mühe dazu aufraffen können, noch zu Zaubertränke zu gehen – es war so schon schlimm genug, Viccy und Joe abzuwimmeln. Wäre er nicht zu Zaubertränke gegangen, so hätten sie ihm beim Abendbrot – da ist er sich sicher – gar nicht allein gelassen, selbst dann nicht, als McGonagall ihnen allen einen guten Appetit an den eigenen Haustischen gewünscht hat.

Sam dreht sich auf den Rücken. Er hat total überreagiert heute Nachmittag im Krankenflügel und es tut ihm auch leid... Aber es ist einfach so passiert, er hat ohne nachzudenken gehandelt. Und dadurch überreagiert. Er wird sich morgen bei Rupert entschuldigen, das nimmt er sich vor. Er dreht sich – wieder seufzend – auf den Rücken und blickt stumm den Baldachin seines Himmelbetts an. Nein, er wollte wirklich nicht Rupert so anmeckern. Kathi ist ja nichts geschehen... Madam Pomfrey hat Recht. Nur der Schock war im ersten Moment einfach zu groß. Und während er jetzt so darüber nachdenkt, wie er reagiert hat, was passiert ist... Es war so kindisch und mädchenhaft, zu weinen. Wirklich. Er seufzt nochmal und richtet sich dann auf. Er bereut es, im Kerker zu sein.

Aber er ist auch selbst schuld. Er hätte einfach denken sollen, als er den Hut aufhatte, dass er nicht nach Slytherin will. Aber her hatte keine andere Wahl...

Er steht auf und geht zum Tisch hinüber – er kann einfach nicht mehr stilliegen. Er gießt sich Wasser in ein Glas aus dem Tonkrug, der dort immer gefüllt steht und seufzt dann leise. Er will den Mond sehen...So, wie er es von zu Hause gewöhnt ist. Zu Hause hat er ein Zimmer im ersten Stock... Hatte immer den besten Blick auf den Mond im Haus.

Ihm war klar, dass Joe und Kathi den Lingua – Anglia – Trank bekommen, aber er war erstaunt – er hätte nicht damit gerechnet, dass sie ihn auf der Zugfahrt noch nicht haben. Aber nun gut. Es schadet auch nichts, einmal seine Sprachkenntnisse zu testen und wieder aufzufrischen. Er trinkt sein Glas leer und schaut dann auf sein Bett. Es wirkt so uneinladend. So kalt. So leer. Obwohl es sehr bequem ist, dass muss er eingestehen. Sogar fast bequemer als sein Bett zu Hause. Aber auch nur fast. Er seufzt leise und entschließt sich, noch einmal nach Kathi zu sehen. Er zieht sich an und schleicht sich langsam und vor allem nahe zu lautlos aus den Kerkern nach oben in den Krankenflügel.

Nur einmal begegnet er beinahe Peeves – aber er kann ihm gerade noch so entwischen.

Im Krankenflügel angekommen, öffnet er leise die Tür und erkennt einen schwachen flackernden Lichtschein am hinteren Ende des Raumes. Aber es herrscht totale Stille. Er geht langsam nach hinten zu Kathi und tritt lächelnd um den Sichtschutz herum.

*

Kathi öffnet die Augen wieder, als sie ein Geräusch hört. Da war doch etwas, oder nicht? denkt sie nur. Und tatsächlich steht kurze Zeit später Sam am Fußende ihre Bettes. Er sieht sie lächelnd an, auch wenn sein Blick sich etwas verdüstert, wie sie zu erkennen meint, als sein Blick auf Rupert fällt. Ihre Hand liegt immer noch in seiner... Aber es stört sie nicht.

Sam setzt sich auf den Stuhl, auf dem Hermine am Nachmittag saß und sieht sie mit gerunzelter Stirn an „Wie geht es dir?" „Mir geht es gut.. Aber was machst du hier? Wie bist du hier hochgekommen?" „Das ist schön zu hören – Kathi, ich habe mir Sorgen gemacht! Tauchst einfach nicht zum Mittagessen auf..." Kathi bekommt ein merkwürdiges Gefühl im Magen – Sam hat wieder so eine Energie in der Stimme, die sie schaudern lässt. „Und wie ich hier hochgekommen bin? Mit einer Riesen-Portion Glück vermute ich. Erstaunlicherweise laufen kaum Lehrer draußen herum und die Geister waren auch nirgends zu sehen. Nur Peeves hätte mich vorhin beinahe erwischt."

Kathi seufzt leise. Sie fand es ein wenig unbegreiflich, dass er so ein Risiko für sie aufnahm und das in der 2. Nacht in Hogwarts... Aber irgendwie fühlt sie sich auch geschmeichelt, warum sollte sie auch nicht... Ein Junge, der aussieht wie Orlando Bloom, macht sich Sorgen um sie – Wer sollte da nicht...geschmeichelt sein?

Sam sieht sie ein wenig verwirrt an. „Kathi, was ist los? Du wirkst so...abwesend." Sie schreckt auf „Was? Ach... Entschuldige, ich war grad ein Gedanken versunken."

„In Gedanken an Rupert-Spatzi?" fragt Sam mit triefendem Sarkasmus.

Kathi schüttelt nur den Kopf, verbirgt so gut es geht ihr Erstaunen über seine Worte. Was ist denn nun mit ihm los?? So kenne ich ihn gar nicht.. denkt sie. „Nein, war ich nicht. Wozu auch. Er liegt schließlich hier neben mir. Und selbst wenn – geht es dich was an?" entgegnet sie – unbeacbsichtigt – ein wenig zickig.

Sam zuckt mit den Schultern. „Dann halt nicht. ich bin froh, dass es dir wieder besser geht und hoffe, du bist bald wieder fit, dass du zum Unterricht kommen kannst. Viccy und Joe wollten wissen, wo du steckst, ich hab ihnen erzählt, dass es dir einfach nicht besonders ging. Aber sicher werden sie dich morgen besuchen kommen, weil ja Viccy, soweit ich weiß, in deinem Schlafsaal schläft?" Seine Aussage spricht er eher wie eine Frage aus, was Kathi verwirrt. So nickt sie nur stumm und lehnt sich zurück in das Kissen.

„Sam, ich glaube, du solltest besser erstmal wieder gehen." Ihre Gedanken sind plötzlich erwachsen... Aber hat nicht jeder Mensch solche Augenblicke, in denen er sich einiges reifer benimmt, als er wirklich ist? Sie meint, ihn leise seufzen zu hören, ehe er sagt „Ja.. ich glaube wohl. Aber Kathi. Sag Rupert bitte, dass ich nicht so heftig reagieren wollte heute Mittag." „Werde ich tun. Schlaf gut, Sam."

Er nickt, dreht sich dann um und verschwindet fast genauso lautlos, wie er gekommen ist. Kathi lehnt den Kopf gegen das weiche Kissen und seufzt. Warum nur ist Sam so auf Konfrontation aus? Oder will er es doch nicht? Sie weiß es nicht – wird aber aus ihren Gedanken geholt, als ihre Hand gedrückt wird. Sie blickt zur Seite und erkennt, dass Rupert den Kopf gehoben hat, ein wenig verschlafen sieht er schon aus.

„Kathi.. War das eben Sam?" Sie nickt „Hast du etwa alles mit angehört?" Nun nickt er. „Ja, habe ich. Und ich muss sagen, ich begreife ihn nicht. Ich bin 5 Jahre älter als ihr beiden, aber Sam scheint sich manchmal so... erwachsen zu benehmen. Und doch wirkt er gleichzeitig wie ein kleines Kind, das viel zu früh erwachsen geworden ist."

Kathi blickt ihn ein wenig verständnislos an. „Was genau meinst du jetzt?"

„Wie er sich ausdrückt.. Wie er sich benimmt einfach. Es ist schwer zu erklären, aber wenn man darauf achtet, kann man es sehen...." Rupert verstummt ein wenig nachdenklich. Kathi blickt ihn immer noch verwirrt an. „Kathi, ich glaube, ich sollte nun besser in mein Zimmer gehen – ich bin erstaunt, dass Madam Pomfrey mich noch nicht hier weggescheucht hat. Ich komme dich dann morgen besuchen, okay?" Sie macht den Mund auf, um zu erwidern, dass er bleiben soll, macht den Mund aber dann wieder zu und senkt den Blick auf ihre Hand, die noch in seiner liegt. „Ist in Ordnung..." sagt sie leise – deutlich deprimiert. „Schön. Dann bis morgen – versprochen. Ich werde kommen." Er hebt ihr Kinn an, lächelt und streicht kurz mit dem Daumen über ihre Wange, dann verschwindet er. Sie blickt ihm noch kurz nach, blickt auf die Stelle, an der er verschwunden ist, dann erst bemerkt sie die Kälte, die ihre Hand zu erfüllen scheint – natürlich hat er seine Hand aus ihrer genommen, sonst wäre er ja nicht weggekommen. Aber dass es so rasch und im ersten Moment schmerzlos geschieht, damit hätte sie nicht gerechnet.

Sie seufzt, lässt sich dann in die Kissen sinken, zieht sich die Decke bis über die Nase hoch und rollt sich eng zusammen, versucht zu schlafen, was ihr nach scheinbar endlosen Minuten dann auch gelingt....

*

Kathi öffnet langsam wieder die Augen. Sie wurde von einem Geräusch geweckt – es muss ein Schrei gewesen sein. Bevor sie irgendetwas anderes tun kann, als die Augen zu öffnen, hört sie schon eine besorgte Stimme: „Kathi? Gott sei Dank, du bist wieder wach! Wir haben uns solche Sorgen gemacht! Und Sam wollte uns nichts sagen, aber auch gar nichts!" Es ist Viccy. Kathi hebt langsam die Hand, um Viccys Redefluss zu stoppen und lächelt etwas – noch verschlafen. „Viccy.. Beruhig dich! Es ist doch alles in Ordnung. Mach dir doch keine Sorgen... Ich lebe ja noch." „Aber ich -" „Nichts aber – Mir geht es gut, ich war einfach zu erschöpft. Aber wo ist denn Joe? Ist er nicht auch hier?"

Kathi schaut zur Seite an Viccy vorbei, ehe diese etwas sagen kann und lächelt noch müde Joe zu, der sich etwas im Hintergrund hält. „Joe... Warum stehst du soweit abseits? Was ist los mit dir?" Viccy setzt sich auf den Stuhl, auf dem letzte Nacht noch Rupert saß, während Joe etwas scheu näher kommt. Er lässt sich auf den zweiten Stuhl sinken und sagt dann leise „Kathi... Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht... Mach das bitte nie wieder, ja?" Sie nickt nur stumm. Zu oft hat sie den Satz schon gehört. Auch wenn er ehrlich gemeint ist. Aber trotzdem kann sie es nicht mehr hören.. Alle machen sich grundlos Sorgen um sie. Wirklich grundlos..? Bist du dir da so sicher, Kathi..? spricht plötzlich eine leise, aber fiese Stimme in ihrem Kopf. Eine Stimme, die sie nur sehr selten hört. Aber sie ist da... Und kann nerven, wenn sie sich meldet. Sie schüttelt unwirsch den Kopf und meint dann, da sie merkt, dass alle sie verwirrt ansehen „Es ist nichts. Ich hatte nur das Gefühl, mir sitzt eine Fliege auf der Nase" Eine Fliege..? Gott verdammt, Kathi, sowas dämliches hast du schon ewig nicht mehr gesagt! Das ist wirklich eine billige Ausrede... denkt sie nur.

„Viccy und Joe – müsst ihr nicht los zum Unterricht? Wenn.. ich nicht völlig falsch liege, ist es noch morgen... und der Unterricht fängt bald an..." „Wieso Unterricht..? Kathi, es ist Samstag!" meint Viccy, sieht Kathi erstaunt an „Hat dir deine Ohnmacht auch dein Erinnerungsvermögen geklaut...?" Kathi schüttelt den Kopf. Warum ist ihr das nur entfallen..? Es war ein Donnerstag, an dem sie hierhergekommen sind... Also war gestern, am Freitag, der erste Schultag. Nunja. Äußerst praktisch. Nur unpraktisch, dass Kathi gleich am ersten Tag umgekippt ist... Sie seufzt leise, hat völlig vergessen, dass Viccy und Joe noch da sind. Sie lässt sich zurück in ihre Kissen sinken, schließt die Augen und döst ein wenig, ignoriert die leisen Stimmen von Viccy und Joe.

*

Rupert schließt die Tür zu seinem Zimmer leise. Manchmal wünscht er sich wirklich, er könnte zaubern. So wie Ron. Aber nein, er ist ein Muggel. Ein Squib. Und er hasst es. Es verabscheut es manchmal richtig. Er seufzt, lässt sich in einen Sessel vor dem lodernden Kamin sinken, starrt mit leerem Blick ins Feuer. Ja, er verabscheut es.

Warum ist er überhaupt bei Kathi geblieben, anstatt sie in Ruhe schlafen zu lassen. Es war doch seine Schuld, dass sie umgekippt ist, oder nicht? Warum ist er dann bei ihr geblieben? Weil du dir Sorgen gemacht hast, du Trottel! Du kennst sie schon so lange. 10 Jahre sind doch schließlich kein Pappenstiel meldet sich seine innere Stimme plötzlich – eine Stimme, die ihm einen Schauer über den Rücken jagt. Ja. Es stimmt. Er hat sich Sorgen um sie gemacht. Er muss daran zurückdenken, wie Kathi so etwas ähnliches schon einmal gehabt hat... Damals, als er das erste Mal bei ihnen war... Er schüttelt den Kopf, stemmt sich aus dem Sessel hoch und tritt vor den Spiegel. Es jagt ihm auch jetzt, nach schon einiger Zeit des Filme Drehens für die Harry Potter – Filme einen kleinen Schrecken ein, wenn sein Spiegelbild anfängt, mit ihm zu reden.

„Naa..Du siehst verdammt fertig aus, Junge. Wo hast du überhaupt gesteckt? Es ist schon weit nach Mitternacht!" „Ach sei doch still..." murmelt Rupert ein wenig k.o.. Aber der Spiegel hat recht. Rupert sieht wirklich grausam, aus wie er feststellen muss, als er sich näher betrachtet. Nicht wie 19. Nein, eher wie Ende 20 nach einer anstrengenden 24-Stunden-Schicht im Krankenhaus.

„Was war denn los? Sprich doch mit mir. Wir kennen uns jetzt auch schon eine Weile, vergiss das nicht, Rupert. Du kennst mich, seitdem du hier bist, um die Filme zu drehen. Aber Gedanken lesen kann ich nicht."

Rupert ignoriert sein Spiegelbild einfach, verschwindet in der kleinen Küche, die zu seinem Zimmer gehört und setzt sich Teewasser auf. Ja... Minerva McGonagall und Filius Flitwick haben es geschafft, hier Elektroleitungen zu legen – wenn auch nur mit tatkräftiger Hilfe von Hermine und Emma. Rupert will es auch gar nicht begreifen, wie sie das hier geschafft haben. Aber als feststand, dass das Trio für die Filme des öfteren im Schloss weilen wird, hat sich Minerva entschlossen, es für die drei so bequem wie möglich zu machen. Und da gehört nun einmal Tee dazu.. Und damit sie dafür nicht immer nach unten in die Küchen müssen...Wurden hier Wasserkocher und sogar Mikrowelle und Kühlschrank eingebaut – wobei die letzten beiden Sachen hier dann doch eher unnötig sind. Aber nun gut. Ron gießt das Teewasser in die Tasse, die er sich rasch herzieht, wirft einen Teebeutel hinein und gibt Zucker und Milch dazu. Nicht die typisch englische Art, Tee zu trinken, aber das ist ihm egal. Er braucht einfach etwas, mit dem er seine Finger beschäftigen kann, und mit dem er sich etwas ablenken kann, bevor er schlafen geht.

Er lässt sich wieder in den Sessel sinken, trinkt in kleinen Schlucken seinen Tee, rührt immer wieder mit dem Löffel in der Tasse herum.

Ja, er macht sich Sorgen um Kathi. Große Sorgen. Nur.. Ist es ehrlich, was er fühlt..?