Kapitel 2: Flughafen und Strip-Club

Montag Morgen

„Lassen sie mich ihnen helfen, Sir...", sagte ein etwas dicklicher Mann, welcher seit einigen Minuten Cuddy beobachtet hatte, zu House, während er sich bereits zu Houses Koffer hinunterbeugte, um diesen, genau wie zuvor seinen eigenen, auf das Gepäckband des Las Vegas´ Flughafens zu hieven. Cuddy, welche direkt neben House ihren eigenen Koffer auf das Gepäckband legte, kicherte schadenfroh angesichts dieser skurrilen Situation. House warf ihr einen strafenden Blick zu und setzte seinen Stock fest auf seinen Koffer, wodurch der Fremde gezwungen war, sich unverrichteter Dinge wieder aufzurichten. Fragend sah er House an.

Dieser rang sich ein halbherziges Lächeln ab, bevor er mit täuschend echt wirkender Freundlichkeit in der Stimme antwortete: „Das ist wirklich nicht nötig, Sir... Meine Frau wird das für mich erledigen." Demonstrativ zog er Cuddy an ihrem Ellbogen ein wenig näher zu sich.

„Ihre...?" Der Fremde blinzelte überrascht.

Jetzt war es House, der grinste. „Ja, meine Frau." Er zog das Wort 'Frau' genüsslich in die Länge. „Sie können also damit aufhören, sie beeindrucken zu wollen, indem sie dem armen Krüppel helfen..."

Die Gesichtsfarbe des Mannes ähnelte plötzlich sehr dem geschmacklosem dunkelrotem Halstuch, das um seinen dicken Hals geschlungen war. Verlegen stotterte er noch ein wenig herum bevor er die Flucht ergriff.

Verärgert entzog Cuddy House ihren Ellbogen. „Du genießt das richtig, oder?"

House zuckte lässig mit den Schultern. „Ich will mich nur so gut wie möglich auf meine Rolle vorbereiten..." Eigenhändig setzte er seinen Koffer auf das Gepäckband, was er sogleich bereute. Als sich der daraus resultierende Schmerz, welcher heiß durch sein Bein zuckte, in seinen Augen spiegelte, legte Cuddy besorgt eine Hand auf seinen Arm. „House?"

Wütend auf sich selbst, biss House sich auf die Unterlippe. Er hasste diesen mitleidigen Ausdruck in ihren Augen... Er konnte es nicht ausstehen, wenn sie ihn mit diesem 'Ich-muss-dem-Krüppel-helfen'-Blick ansah. Es reichte ihm schon, das Cameron ständig glaubte, ihn retten zu müssen... Er wollte nicht, das Cuddy ihn als jemanden betrachtete, den man retten müsste, er wollte das sie ihn als ihr ebenbürtig anerkannte... Frustriert und auf der Suche nach Ablenkung sah er sich in der weiten Flughafen-Halle um. Sein Blick fiel auf ein Paar, das nicht weit von ihnen in einem der vielen Souvenir-Shops einen Ständer voller kitschiger Andenken durchschaute und eine Idee erhellte seinen Geist. Voller Vorfreude grinste er, bevor er seinen Blick von dem Pärchen löste und Cuddy stirnrunzelnd betrachtete.

Misstrauisch hob sie eine Braue. „Was?"

„Hm..." Nachdenklich strich House sich mit seiner linken Hand über sein Kinn. „Du könntest auch versuchen, dich etwas besser auf deine Rolle vorzubereiten...Wir sollten unsere verbliebene Zeit bis zum Abflug sinnvoll nutzen." Er blickte zurück zu dem Pärchen und humpelte auf den Souvenir-Shop zu. „Los schnell, lass uns dieses Paar beobachten... Vielleicht findest du dort Inspiration..."

„Du meist diesen alten Sack und diesen Teenager im Mini?" Immer noch misstrauisch folgte sie ihm.

„So´n Teil würd dir bestimmt auch stehen... Obwohl mir deine Tops besser gefallen, als ihre... Tiefer ausgeschnitten..."

Cuddy verdrehte genervt ihre Augen. „Und auf welche Rolle genau soll mich diese beeindruckende Erkenntnis nun vorbereiten? Die des schlampigen Schulmädchens?"

House schmunzelte. „Ich bezweifle, dass du für diese Rolle Recherche betreiben müsstest, Cuddy."

„Recherche?"

„Ja, Recherche... Wenn wir andere verheiratete Paare beobachten, hilft uns das vielleicht unsere Rollen besser zu spielen...", erklärte er und verkniff sich ein Grinsen.

Cuddy schnaubte. „Die sind auf keinen Fall verheiratet... Entweder ist sie seine Tochter, oder seine Geliebte..."

„DAS nenne ich Inspiration!" Seine Augen leuchteten begeistert auf.

„Ich werde dir auch keine Geliebte finanzieren, House."

„Du bist echt herzlos..."

„Deshalb passen wir so gut zueinander, Schatz..."

Irritiert blieb House stehen und sah Cuddy an. „Schatz?"

„Ebenfalls Recherche...", antwortete Cuddy. „Wenn wir verheiratet sind, kann ich dich doch nicht ständig bei deinem Nachnamen nennen..."

„Dann sag eben Greg..."

„Greg... Hm..." Cuddy tat so, als würde sie diese Option in Erwägung ziehen. „Ich find Schatz besser..." sie lächelte triumphierend. „Es drückt so schön die Zärtlichkeit, die für unsere Bindung so bezeichnend ist, aus..." Ihr Lächeln wurde immer breiter. „Oder vielleicht lieber Bärchen? Muffin? Honigschnute?"

Mit angeekeltem Gesichtsausdruck wandte House sich von ihr ab und humpelte wieder auf den Souvenir-Shop zu. Das Pärchen war mittlerweile bereits zu einem anderen Laden weiter gegangen.

Grinsend ging sie ihm nach. „So warte doch, mein Herzblatt..."

„Perfekt", knurrte House. „Du nennst mich Herzblatt und ich dich Schneekönigin... Das wird toll..."

Cuddy lachte.


„Darling, das ist so lieb von dir, das du mich am Fenster sitzen lässt..." , erklärte Cuddy mit großen blauen Augen, inklusive Wimpernklimpern, und legte fast zärtlich ihre linke Hand auf seinen Arm.

„Ich sollte dich aus dem Fenster werfen...", knurrte House halblaut und versuchte frustriert sich auf seinem Platz am Gang einzurichten. Wenn es nach ihm gegangen wäre, oder besser, wenn er nur etwas schneller gegangen wäre, wäre der Fensterplatz nun der seine gewesen... Doch sobald sie das Flugzeug hatten betreten dürfen, hatte Cuddy den Vorteil zweier gesunder Beine genutzt und war an ihm vorbei zum Fensterplatz geeilt... Und nun machte sie sich auch noch über ihn lustig! Cuddy amüsierte sich seiner Meinung nach heute viel zu gut auf seine Kosten. Er knirschte leicht mit Zähnen, was Cuddy ein erheitertes Lächeln entlockte. Seit einer Stunde befanden sie sich schon in der Luft, und er schmollte immer noch...

Genervt wandte House sich an eine der Stewardessen und bestellte zwei doppelte Whisky.

Cuddy zog ihre Brauen zusammen. „Ich will keinen Whisky, House."

„Samstag Nacht sah das aber anders aus." Er warf ihr einen spöttischen Seitenblick zu. „Außerdem bekommst du sowieso keinen ab... Ich hab nur 'zwei doppelte' bestellt, weil man im Flugzeug keinen 'vierfachen' Whisky bestellen kann."

Cuddy runzelte die Stirn.

„Was?" Sein rechter Mundwinkel bog sich leicht nach oben. „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben, richtig?"

Kopfschüttelnd nahm sie ihre Hand von seinem Arm und starrte dann aus dem Fenster. Unter dem Flugzeug machte sie einige weiße Schäfchenwolken aus. Das Form der Wolkenformation ähnelte stark den Proportionen eines Frauenkörpers... Ein Erinnerungsfetzen holte Cuddy ein.


Zwei Tage zuvor, Samstag Abend

„Na, wie wär´s mit uns zwei?", hauchte eine männliche Stimme plötzlich dicht an ihrem Ohr, und sorgte beinahe dafür, dass Cuddy vor Schreck ihre Champagner-Flöte fallen lies. Verärgert drehte sie sich zu der Stimme um. Die Stimme gehörte zu einem großen gutaussehendem blonden Mann mittleren Alters, den Cuddy als den großen, sehr reichen Bau-Mogul, der dieses Wohltätigkeits-Dinner organisiert hatte, identifizierte... Das Schlüsselwort war hier eindeutig 'reich'. Er hatte schon auf den letzten drei Veranstaltungen, auf denen sie einander begegnet waren, versucht, sich an sie ranzumachen... Aber er hatte auch großzügig für ihr neustes Projekt gespendet...

Cuddy unterdrückte den Wunsch, ihm für seinen lahmen Spruch eine gesalzene Abfuhr zu erteilen, konzentrierte sich auf sein beträchtliches Vermögen und rang sich sogar ein Lächeln ab, während sie versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern...

„Ian McBride!" Ihre Stimme klang aufrichtig erfreut. Cuddy kicherte, so als wäre seine plumpe Anmache ein charmanter Scherz gewesen. Ihr eigenes schauspielerisches Talent erstaunte sie doch immer wieder... Jetzt musste sie nur noch hoffen, das dieser schmierige Typ, dessen Hände mittlerweile sacht über ihre nackten Arme strichen, wirklich Ian McBride hieß...

„Lisa Cuddy!" Er lächelte und starrte begeistert in den zugegeben recht großzügigen tiefen Ausschnitt ihres schwarzen Kleides. Der Name war wohl richtig gewesen... „Also, wie geht's der schönsten Frau im ganzen Saal?"

Schlechte Schmeichelei... Entweder der Name war definitiv der seine, oder ihr Busen hatte ihn derart hypnotisiert, dass ihn sein eigener Name nicht mehr interessierte... Cuddy unterdrückte ein Augenrollen. „Mir geht es gut..." Sie lächelte strahlend. „Obwohl ich mir ein wenig Sorgen um die Finanzierung der neuen Frühgeborenen-Hilfe mache..." Wenn sie schon nett zu ihm war, konnte sie wenigstens versuchen, aus seiner Faszination für ihre Brüste Kapital zu schlagen... Ihr Lächeln bekam einen sorgenvollen Ausdruck. Gott, war sie gut!- Falls sie tatsächlich irgendwann dank House gefeuert werden sollte, könnte sie immer noch eine Karriere bei "Prescription Passion" starten. Wahrscheinlich wäre das ihre erste Tätigkeit, für die House tatsächlich bewundern würde.... Dieser Gedanke zauberte das erste echte Grinsen seit Stunden auf ihr Gesicht.

„Sorgen?", hakte Ian nach, seine linke Hand spielte nun mit einer ihrer Locken, die sich widerspenstig aus ihrer eleganten Hochsteckfrisur gelöst hatte und sich über ihrem linken Ohr kringelte, während seine rechte von ihrem Arm zu ihrem Rücken wanderte. Endlich riss er seinen Blick von ihren Brüsten. Dieses lüsterne Glitzern in seinen Augen gefiel Cuddy ganz und gar nicht... „Was hältst du davon, wenn wir uns von hier zurückziehen, um deine Sorgen an einem etwas ruhigeren Ort zu besprechen?" Seine rechte Hand glitt fast beiläufig zu ihrem Po. „Vielleicht bei einem Essen, Zauberhafte?"

„Überhaupt nichts." erwiderte plötzlich eine dominante männliche Stimme scharf. Eilig entzog Cuddy sich Ians Griff und starrte House erstaunt an, der so plötzlich hinter Ian aufgetaucht war. Er sah viel strenger in dem schlicht geschnittenen schwarzen Anzug aus. So ernsthaft. Dieser Eindruck wurde durch sein angespanntes Gesicht noch verstärkt... Cuddy glaubte beinahe seine Kiefer unter dem Druck, unter dem sie standen, knirschen zu hören. Seine Augen, mit denen er Ian taxierte, waren kalt wie Stahl. „Ihr Hintern ist schon dick genug..." Er sah zu Cuddy und seine Augen wurden etwas weicher. „Nicht das mir ihr Hintern nicht gefallen würde..." Wieder wandte er sich an Ian. Seine Stimme war schneidend. „Und jetzt entschuldigen sie uns bitte." Er griff an Ian vorbei nach Cuddys Hand, nahm ihr das leere Champagner-Glas ab und drückte es dem überrumpelten Ian in die Hand. „Aber meine 'zauberhafte' Chefin und ich haben tatsächlich noch wichtigeres zu tun, als reichen Schnöseln wie ihnen das Geld aus der Tasche zu leiern, zum Beispiel Menschenleben retten..." Zu Cuddy sagte er: „Mein Team hat mich soeben angerufen, es gab einen Notfall..." Dann drehte er sich einfach um, und ging Richtung Ausgang.

„Was für einen Notfall?" fragte Cuddy, sobald sie ihn eingeholt hatte.

„Keiner... Ich konnte nur diesen schmierigen Schleimscheißer nicht ausstehen..." erklärte House knurrig.

Ein wenig sprachlos folgte Cuddy ihm.

„Was?" Misstrauisch hob er eine Braue.

„Nichts..." Sie räusperte sich. „So nobel kenne ich sie einfach nicht..."

House schnaubte. „Sie sollten es eigentlich besser wissen... Als ob ich je zulassen würde, das meinen drei besten Freundinnen etwas zustößt..."

Verwirrung spiegelte sich in Cuddys Gesicht.

„Damit meine ich ihre Zwillinge... ", erklärte House und lies seinen Blick kurz in ihren Ausschnitt wandern. „Und natürlich ihren Prachtarsch."

Cuddy schnaubte. „Natürlich..."

Er sah ihr wieder in die Augen. „Also, was ist?" Er grinste. „Haben sie, ihr Arsch und die Zwillinge Lust zu gehen?"


„An eine Strip-Bar hatte ich eigentlich nicht gedacht...", brummte Cuddy eine halbe Stunde später und setzte sich widerstrebend neben House auf einen der abgenutzten Polsterstühle an einem der Tische, die direkt vor der Bühne standen. Sie bereute bereits, das sie so leichtsinnig gewesen war, House zu folgen. sie hätte soetwas ahnen müssen...

Auf der Bühne tanzte soeben eine großbusige Blondine, nur bekleidet mit einem winzigem rotem Slip.

„Das ist schade." erwiderte House, nippte an seinem Bier, das ihm soeben zusammen mit einen Glas Champagner für Cuddy von einer barbusigen Kellnerin serviert wurde, und reichte der Kellnerin 20 seiner Ein-Doller-Noten. Die Kellnerin hob angesichts der vielen Scheine zwar fragend eine Braue hoch, stopfte sie jedoch wortlos in ihre knappe weiße Kellnerinnen-Schürze, die sie über einem noch knapperen schwarzem Mini-Rock trug. „Meiner Meinung nach, sollten sie viel öfter an Strip-Bars denken..." Sein Blick wanderte zu ihrem Ausschnitt.

Aufseufzend legte Cuddy einen Finger unter sein Kinn und zwang ihn, aufzusehen. „Die nackten Brüste sind dort vorne, House." Sie nickte leicht in Richtung Bühne.

„Ab-"

„Ich werde mich nicht ausziehen, House..."

„Ehrlich nicht?- Nicht mal, wenn ich ihnen sage, dass noch genug Ein-Doller-Noten mit habe, um ihr B-Körbchen auf ein C-Körbchen zu füllen?"

Amüsiert schüttelte Cuddy ihren Kopf. „Nicht für ein paar lausige Ein-Doller-Noten...."

„Spielverderber..."

„Geizkragen."

„Das stimmt nicht!", verteidigte sich House. „Immerhin habe ich soeben acht Doller für ein Ein-Doller-Bier bezahlt und ganze verfluchte zwölf Doller für ein lächerlich kleines Glas Champagner."

„Sie haben recht, sie sind eine Mutter Teresa... Sie geben und geben und verlangen nie etwas für sich selbst...", erwiderte Cuddy zynisch.

House schmunzelte. „Und da ich quasi ein Heiliger bin, kann doch unmöglich etwas verwerfliches darin liegen, wenn sie mir ihre Brüste zeigen, oder?"


Montag Morgen

Bereits die dritte Erdnuss gesellte sich mit einem leisen 'Pfft' auf das ein etwas lauteres 'Plop' folgte, zu den zwei anderen in Cuddys Ausschnitt und riss sie so aus ihren Erinnerungen.

„Hör sofort mit diesem Mist auf!", fuhr sie House an, der bereits mit der vierten gesalzenen Erdnuss auf ihr Dekolletee zielte. Genervt holte sie die Nüsse aus ihrem Top.

„Aber mir ist langweilig!", jammerte er.

„Dein Problem..."

„Ist es nicht, weil das nämlich alles deine Schuld ist...", schmollte House und steckte sich trotzig die vierte Erdnuss in den Mund. „Hättest du mich am Fenster sitzen lassen, könnte ich mich durch das Betrachten der Landschaft ablenken... So bleibt mir nur 'Körbchen-Werfen' zu spielen..."

Fassungslos schüttelte Cuddy ihren Kopf. „Du bist derart kindisch."

Er grinste. „Das ist der jugendliche Charme, in den du dich verliebt hast, Schneekönigin."


HERZLICHEN DANK an alle, die so lieb waren, mir eine kleine Nachricht zu hinterlassen. Danke Leute, Feedback ist echt das beste Mittel, um schneller zu schreiben ^-^

Ich hoffe, auch das zweite Kapitel hat euch gefallen... Bitte schreibt mir doch wieder eine Kleinigkeit (Ja, ich weiß, ich bettel schon wieder... Aber was soll ich machen?- Ich bin eben ein schwaches Wesen, wenns um meine schreiberei geht... Immerhin ist für dieses Kapitel wieder ein Wochenende, das ich eigentlich zum studieren hätte verwenden sollen, draufgegangen °räusper° ) Ich schick auch wieder eine kleine Preview zurück (Ja, und bestechen tu ich auch immer noch :-P)