Kapitel 3: Ankunft
Montag Abend, wieder zurück in New Jersey
Erschöpft vom langen Flug und genervt von House, der fast den ganzen Flug über versucht hatte, sie in den Wahn zu treiben, bis sie ihm schlussendlich doch den Fensterplatz überlassen hatte, ging Cuddy gut einen Meter vor House zum Ausgang des Flughafens, ihren Koffer in der linken Hand die rechte frustriert in ihre Manteltasche vergraben. Sie hatte es wirklich geschafft sich ein Kleinkind als Mann zu angeln, aber das kommt davon, wenn man besoffen heiratet... Sie knirschte mit den Zähnen.
„Es ist gar nicht nett, dem Krüppel davon zulaufen...", murrte House hinter ihr und wäre beinahe mit Cuddy zusammen gestoßen, als diese plötzlich ohne Vorwarnung stehen blieb.
„Was zum Teufel...?" Fassungslos setzte Cuddy ihren Koffer ab.
„Selber was zum Teufel. Was soll das, wieso..." beschwerte sich House, bevor er über Cuddys Schulter hinweg den Grund für ihr abruptes Stoppen erspähte und verstummte.
Direkt vor dem Ausgang stand Wilson zusammen mit all den anderen Leuten, die auf die Ankunft von Freunden, Verwandten oder Sonstigen warteten. Er stand neben einem älterem Herren, der eine schwarze Chauffeurs-Uniform und ein großes Schild mit der Aufschrift 'Herr Brunner' trug. Eine Tatsache die House natürlich völlig kalt lies. Die Tatsache, das Wilson selbst ein großes Schild mit der Aufschrift 'Herr und Frau Huddy' in den Händen hielt hingegen, irritierte ihn hingegen sehr.
„Was zum Teufel...?" wiederholte er Cuddys Worte und ging stirnrunzelnd zu seinem Freund hinüber.
Wieder war Cuddy ein wenig schneller als er und wurde bereits vom lächelnden Wilson umarmt, als er sie erreichte. Sobald Wilson ihn bemerkte, lies er Cuddy los und breitete seine Arme aus. „House, alter Freund!" Wilson grinste jovial. „Lass dich umarmen..."
„Was soll das Schild?" fragte er brüsk statt einer Begrüßung und setzte seinen Koffer mit einem lautem Knall auf dem Boden ab, während er gleichzeitig Wilsons Umarmung auswich.
„Dieses hier?", erwiderte Wilson unschuldig, hob das Schild hoch, das er zuvor einfach auf Cuddys Koffer abgelegt hatte, um sie beide begrüßen zu können, und grinste noch mehr.
„Nein, das von Hoke Colburn°." House wandte sich genervt an den Typen, der immer noch neben Wilson stand und sie mit unverhohlener Neugier anstarrte. „Wir sind eindeutig nicht Herr Brunner, also schieb ab..."
Etwas pikiert blickte der Chauffeur ihn an, drehte sich aber dann um und ging. Kopfschüttelnd knuffte Cuddy House in den Arm.
„Au!" Schmollend rieb House sich den Arm und warf Cuddy einen bösen Blick zu. „Was sollte das?"
„Was sollte das?" Cuddy wies mit ihrer rechten Hand auf den gehenden Chauffeur. „Musst du immer so ein Mistkerl sein?"
„Schön zu sehen, das die Ehe euch nicht weich gemacht hat..." Wilson lachte amüsiert, bereute seinen Ausspruch jedoch sogleich, als ihn nun Cuddy und House mit bösen Blicken bedachten. Sich den Zorn von einem der Beiden zuzuziehen, stellte schon ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar... Zu allem Überfluss erinnerte sich Cuddy in diesem Moment auch noch an das Schild, dass Wilson immer noch in den Händen hielt.
„Also, was soll das Schild, Wilson?", fragte Cuddy mit einem Gesichtsausdruck, der keine Ausflüchte duldete.
„Ich hatte gehofft, dass ihr das fragen würdet..." Wilson konnte einfach nicht aufhören zu grinsen... Wenn er schon bald durch die Hände seiner Freunde sterben würde, sollte er seine letzten Minuten auf Erden voll und ganz auskosten... „Ich dachte, das könnte euer neuer Familien-Name sein..."
„Huddy?" Zweifelnd hob Cuddy eine Braue.
„Jep..." Wilson nickte enthusiastisch. „Ein Doppelname erschien mir zu lang... Ich hatte auch 'Couse' in Erwägung gezogen, fand aber, das 'Huddy' einen schöneren Klang hat..."
„Huddy?", wiederholte Cuddy und sah ihn an, als hätte er seinen Verstand verloren.
House schlang bloß arrogant einen Arm um Cuddys Schulter. „Wir sind ein altmodisches Pärchen, Cuddy wird natürlich meinen Namen annehmen..."
Sie schnaubte ungläubig und versuchte sich von ihm zu lösen. „Wie stellst du dir das vor? Willst du mich dann immer 'House' rufen? Du schaffst es ja nicht mal jetzt, mich nicht 'Cuddy' zu nennen..."
„Pfft... Ich werd dich einfach bei deinem Kosenamen rufen.", wischte House ihren Einwand lässig beiseite, zog sie ein wenig näher zu sich und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. „Meine kleine Schneekönigin..."
Wilson prustete los.
Eine halbe Stunde später saßen sie bereits in Wilsons Auto, auf dem Weg nach Hause. House saß auf dem Rücksitz hinter Cuddy, die neben Wilson auf dem Beifahrersitz saß, den House, seit er eingestiegen war, mit seinem Stock bearbeitete.
„Wieso hast du House geheiratet, Cuddy?", fragte Wilson plötzlich und setzte den Blinker, um gleich links abzubiegen.
„Bitte?" Wenn sie so tat, als hätte sie ihn nicht verstanden, vielleicht lies er das Thema dann fallen...
„Wieso du House geheiratet hast, will ich wissen..." Cuddys Hoffnung schwand. „Houses Erklärung hab ich mir schon gestern am Telefon angehört,", fügte Wilson hinzu. „Und jetzt würde ich gerne deine hören..."
Cuddy schluckte nervös. Nun war es also so weit... Die erste Feuerprobe für das Theaterstück mit dem Namen 'Die Ehe von der Schönen mit dem Biest' „Nun..." Krampfhaft suchte sie ihr Hirn nach einer glaubwürdigen Erklärung ab, während House hinter ihr gespannt die Ohren spitzte. „Also... Nun ja..." Cuddy räusperte sich. „House und ich kennen uns schon so lange und ich wollte eine Familie...", endete sie lahm.
„Ich verstehe..." Wilson schmunzelte. „Du konntest kein Kind bekommen, also hast du eins geheiratet... Ein großes verzogenes Exemplar eines Kindes..."
„Hey!", meldete sich House beleidigt. „Das Exemplar ist anwesend, also halt dich zurück.- Zuckerhase, sag ihm, er soll nicht so mit deinem Mann reden..."
Cuddy versuchte ihn über den Rückspiegel hinweg mit bösen Blicken zu erdolchen.
Amüsiert schüttelte Wilson seinen Kopf. „House hat mir schon gesagt, dass ihr im Suff geheiratet habt, Cuddy...", gab er zu.
In der Hoffnung, dass direkter Blickkontakt eine tödlichere Wirkung haben würde, drehte Cuddy sich zu House um. „Wieso hast du mir das nicht auch gesagt?"
„Und mir so den ganzen Spaß hier entgehen lassen?" House machte große Augen. „Ehrlich, Cuddles, ich dachte, du würdest mich besser kennen..."
Er grinste derart unverschämt, dass Cuddy in Erwägung zog, ihrem Todesblick durch ihre Hände Unterstützung zukommen zu lassen... Entschied aber dann, das ein ermordeter Ehemann wohl noch schlechter für ihr Image wäre, als ein frisch Geschiedener... Wütend knirschte sie mit den Zähnen, während sie sich vorstellte, wie sie ihn langsam und genüsslich erwürgte. Oder in Brand steckte. Oder ertränkte... Träumen war ja schließlich noch erlaubt.
„Wo werdet ihr eigentlich wohnen?", riss Wilson sie aus ihren mordlüsternen Gedanken.
„In unseren Wohnungen, vielleicht?" Houses Stimme triefte nur so vor Sarkasmus. „Nur weil man heiratet, wird man noch lange nicht obdachlos... Das passiert erst bei der Scheidung, weißt du?"
„Wow, du bist echt witzig." Wilson rollte mit den Augen. „Aber wenn ihr wirklich glaubwürdig erscheinen wollt, könnt ihr als 'frisch verliebtes Ehepaar' schlecht in zwei Wohnungen wohnen, oder? Das würde doch die Illusion irgendwie zerstören..."
Verdammt. Cuddy biss sich auf die Unterlippe. Wilson hatte recht... Sie konnte einfach nicht fassen, das ihr dieses wichtige Detail entgangen war...
House reagierte da gelassener, anscheinend hatte er auch über dieses Problem schon nachgedacht. „Wir werden bei Cuddy wohnen...", erklärte er. „Ich kann in ihrem Gästezimmer schlafen und sie kann so nicht meine Wohnung durcheinander bringen... Ich muss nur vorher ein paar Sachen aus meiner Wohnung holen."
Tapfer lächelnd, nickte Cuddy und versuchte so auszusehen, als wäre sie in diesen Plan eingeweiht gewesen.
„Ich hab ja noch was für euch...", sagte Wilson lächelnd, als er House und Cuddy zwei Stunden später vor Cuddys Haus absetzte, und holte etwas aus seinem Handschuhfach.
Misstrauisch beobachtete ihn das frisch getraute Ehepaar aus sicherer Entfernung von Cuddys Haustüre aus.
„Schnell, mach die Tür auf, Cuddles...", raunte House ihr zu. „Falls es eine Handgranate ist, brauchen wir einen schnellen Fluchtweg..."
„Wirklich witzig, House..." erwiderte Wilson trocken, stieg mit einem kleinen Päckchen in der Hand aus dem Wagen und ging auf sie zu.
„Verdammt, Cuddy, beeil dich. Er kommt schon auf uns zu..."
„Ich wiederhole: Wirklich witzig, House.", knurrte Wilson und drückte Cuddy das Päckchen in die Hand.
„Danke, Wilson.", sagte Cuddy und warf House einen verärgerten Seitenblick zu, während sie gleichzeitig ihr Päckchen auspackte. Zum Vorschein kam eine kleine Packung Kaffeebohnen. Fragend sah Cuddy Wilson an.
Der zuckte grinsend mit den Achseln. „Espresso-Bohnen...", erklärte er. „Kleiner Vorgeschmack auf die Espresso-Maschine. Die gibt's aber erst wenn ihr wenigstens zwei Monate durchhaltet."
Müde blinzelte Cuddy gegen das flackernde Licht des laufenden Fernsehers, auf dem grade der dritte dumme Teenie durch einen großen Typ mit Maske und Kettensäge sein Leben, inklusive fünf Liter Kunstblut, verlor... Es war wirklich ein langer Tag gewesen, heute... Erst der lange, nervenzermürbender Flug mit House zurück nach Jersey. Dann Wilson, der unbedingt den heutigen Tag dazu nutzen musste, seinen inneren Komiker für sich zu entdecken. Und dann hatte sie auch noch einkaufen gehen müssen, weil in ihrem Kühlschrank völlige Leere herrschte. Natürlich ohne House... Der hätte nur einen Aufstand vor der Kasse angezettelt, weil er seine Süßigkeiten/Alkoholika/Pornos nicht bekam, oder was ihm sonst so eingefallen wäre, um sie zu demütigen... Also hatte sie ihn vor ihren Fernseher gesetzt, und gehofft, das sie vom Einkaufen wieder zurück sein würde, bevor House sie durch unsinnige Telefon-Einkäufe in den finanziellen Ruin treiben könnte... Als sie zurückkam, hatte er tatsächlich erst zwei überteuerte Messersets bestellt... Sobald die geliefert würden, würde sie ihn mit einem erstechen, und das andere würde sie ihrem Vater zu Weihnachten schenken... Und nun saß sie neben House auf ihrem Sofa und sah fern... Cuddy gähnte und erhob sich von ihrem Sofa. „Ich geh ins Bett..." Sie machte sich auf den Weg zu ihrem Schlafzimmer.
„Ok." House schaltete den Fernseher aus, erhob sich ebenfalls und folgte ihr.
Stirnrunzelnd drehte Cuddy sich zu ihm um. „Was wird das?"
„Ich folge dir."
„Das ist mir auch klar. Die Frage ist: Wieso folgst du mir, House?"
„Du wolltest doch zu Bett gehen..."
Sie stemmte ihre Hände in ihre Hüften. „Ja... Aber wieso folgst du mir, House?"
Er rollte mit den Augen. „Ich folge dir doch nicht... Ich begleite dich."
„Nein, tust du nicht." erklärte Cuddy fest. „Du schläfst nämlich im Gästezimmer... Deine Worte, House."
„Aber Cuddy, das war doch nur um meine Ehre vor Wilson aufrecht zu erhalten... Er denkt, ich sei noch unberührt, weißt du?"
Sie schnaubte grinsend. „Und dass du mit all den Nutten nur 'Konversation' betrieben hättest?"
„Er glaubt, von ihnen hätt´ ich meine Börsen-Tipps..." Er grinste ebenfalls.
„Du wirst trotzdem im Gästezimmer schlafen..."
„Aber es ist so einsam dort..."
„Du bist ein großer Junge, du wirst es schon überleben..." Sie drehte sich wieder um.
„Darf ich mir wenigstens ne Freundin einladen?"
„Das wird nicht nötig sein... Ich hab dir ein Geschenk von meinem Einkauf mitgebracht." Sie verbiss sich ein Grinsen.
„Ein Geschenk? Cuddy, du heißes verdorbenes Biest." Eilig machte House sich auf den Weg zum Gästezimmer.
Zehn Minuten später stand er mit enttäuschtem Gesicht in Cuddys Schlafzimmertür, seinen Stock in der einen Hand, eine billige Barbie-Puppe in der anderen. „Was soll ich mit dieser Puppe, Cuddy?"
Frohgemut setzte Cuddy sich in ihrem Bett auf und legte das Buch, in dem sie soeben gelesen hatte, beiseite. „Das ist nicht einfach nur eine Puppe, House." Sie grinste von einem Ohr zum anderen. „Das ist eine Plastik-Puppe. Ich dachte, du würdest diese kleine Geste der ehelichen Zuneigung zu schätzen wissen..."
„Süß, Cuddy. Wirklich süß.", brummte House und lies die Hand mit der Puppe sinken.
„So bin ich eben." Sie stopfte sich ein zweites Kissen in den Rücken. „Besser du gewöhnst dich an sie, sie ist die einzige Plastik-Puppe, die eine Aufenthaltsgenehmigung für meine Wohnung hat..."
„Du bist so grausam..."
„Genau. Grausam, heiß und verdorben." Sie nickte zustimmend und glitt wieder unter ihre Bettdecke. „Und jetzt mach die Tür zu."
Er betrat ihr Schlafzimmer und zog die Tür hinter sich zu.
„Mach die Tür von außen zu, House."
Missmutig öffnete er die Tür wieder. „Du bist echt eine Schneekönigin, Cuddles.", hörte sie ihn noch murmeln, bevor sie die Tür hinter ihm wieder schloss.
Selbstzufrieden löschte sie das Licht.
ERGÄNZUNG
°Name der Chauffeurs aus 'Miss Daisy und ihr Chauffeur'
Wieder herzlichen Dank für die lieben Reviews, hab mich wie verrückt darüber gefreut!- Also immer her damit ^-^, dann gibt´s auch die ersten paar Zeilen von Kapitel 4 (an dem ich schon arbeite ^-^) zur Belohnung, versprochen!
