Kapitel 5: Alltag und...
Fünf Wochen später, Donnerstag Morgen
„Ich soll dir von Cameron ausrichten, das deine Mutter dich angerufen hat.", begrüßte Wilson House und setzte sich zu ihm auf die Bank, die zwischen zwei großen alten Kiefern im Hof des Krankenhauses stand. „Findest du nicht, du solltest deinen Eltern langsam sagen, dass du in den Hafen der Ehe eingelaufen bist?"
„Hafen der Ehe?" Irritiert blickte House ihn an.
Wilson zuckte mit den Schultern. „Mir gefällt die Metapher."
„Du bist echt seltsam..."
„...sagte der Mann, der seinen eigenen Eltern nun schon seit fünf Wochen verheimlicht, dass er geheiratet hat."
House schwieg und sah zwei hübschen jungen Frauen hinterher, die auf Rollerblades lachend an ihnen vorbei fuhren.
„Hey!" Wilson schnippte mit den Fingern vor Houses Gesicht um dessen Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. „Denk dran, du bist ein verheirateter Mann... Und das solltest du deinen Eltern auch endlich sagen."
„Sie sind sowieso die Letzten, die´s erfahren, also was machen da ein paar Wochen mehr?"
„Du benimmst dich kindisch." Wilson verschränkte seine Arme vor der Brust.
„Das ist der jugendliche Charme in den Cuddy sich-"
„Lass den Mist.", unterbrach Wilson ihn grob. „Du kannst deinen Eltern nicht ewig ausweichen..."
„Aber ich kann´s versuchen..."
„House..."
„Wenn ich´s ihnen sage, wollen sie bestimmt herkommen..."
„Und?", fragte Wilson gelassen. „Mit Cuddys Eltern hast du schließlich auch einen ganzen Abend überstanden, ohne das sie oder Cuddy selbst versucht hätten dich zu töten... Cuddy ging sogar so weit, zu behaupten, du hättest dich hervorragend verhalten. Also wo liegt dein Problem?"
„Wilson?" House sah ihn an.
„Ja?"
„Du nervst."
„House?"
„Ja?"
„Ruf deine Mutter an."
Donnerstag Abend
Als Cuddy ihre Wohnung betrat, stieg ihr ein angenehmer Duft nach angeschmorten Zwiebeln und Tomaten in die Nase. Sie entledigte sich ihrer Tasche und ihres Mantels und folgte dann dem Geruch vor bei an ihrem Esszimmer, wobei sie irritiert bemerkte, dass ihr großer Holztisch festlich für zwei Personen eingedeckt war, bis in ihre Küche, wo sie House mit einem Holzlöffel statt seines Holzstockes in der Hand vor ihrem Herd fand.
„Was tust du da?" Sie lehnte sich an den Türrahmen und beobachtete, wie er mit dem Löffel in einem Topf rumrührte.
„Ich koche.", erklärte er, ohne sich auch nur zu ihr umzudrehen, und griff mit seiner linken Hand nach dem Salzstreuer.
„Versuchst du jetzt, mich zu vergiften?" Neugierig kam Cuddy näher.
„Dann würd ich Wilson kochen lassen..." Er warf ihr über seine Schulter einen kurzen Blick zu.
Cuddy zog eine Braue hoch. „Wilson kann kochen, House."
„Hm..." House hörte auf zu rühren und drehte sich zu ihr um. „Stimmt, hast recht... Versuchen wir es noch mal, Cuddy..."
„Bitte was?" Verwirrt sah sie ihn an, bevor sie einen Blick in den Topf warf. Hm... Tomatensoße. Zugegeben, nicht das kreativste Gericht, aber sie hatte derartigen Hunger, das ihr selbst dabei das Wasser im Mund zusammenlief....
Ungeduldig rollte er mit den Augen. „Was tust du da?", imitierte er Cuddys Frage von zuvor. „Ich koche- Willst du mich vergiften?- Dann würd ich Chase kochen lassen.- Besser?"
Cuddy schnaubte, nahm ihm den Löffel ab und probierte etwas von der Soße. „Da fehlt Salz.", stellte sie trocken fest.
„Und Arsen.", fügte House im gleichen Ton hinzu.
„Ich dachte du wolltest mich nicht vergiften?" Lächelnd lehnte sie sich neben ihn an die Küchentheke.
„Hab´s mir anders überlegt..." Er nahm ihr den Löffel wieder ab und schob sie ein wenig zur Seite, um besser an den zweiten, etwas höheren Topf mit kochendem Wasser zu gelangen.
„Hm..." Still beobachtete Cuddy ihn dabei, wie er eine großzügige Portion frischer Spagetti in das kochende Wasser gleiten lies. „Wieso kochst du überhaupt?"
Er rührte seine Spagetti um. „Hunger?"
„Nein-"
„Oh doch, Cuddy, so glaub mir doch. Und wie ich Hunger hab..." Er gab ein wenig Salz zu den Spagetti, rührte noch einmal in seiner Soße und drehte sich dann zu ihr um. „ Das Essen in der Mensa heute war ungenießbar. Was sollte das sein? Halbverdautes, hochgewürgtes Pappmaché?"
Genervt schüttelte Cuddy ihren Kopf. „Das meinte ich nicht. Und das würdest du auch wissen, wenn du mir nicht ständig ins Wort fallen würdest." Strafend sah sie ihn an. „Ich meinte, wenn du nur Hunger haben würdest, würdest du dir entweder einfach was bestellen, oder vorher was bei Wilson klauen... wie sonst auch..."
„Ich klau-"
Sie ignorierte seinen Einwand. „Und außerdem hast du den Tisch hübsch eingedeckt..."
„Hab ich nicht!", widersprach House prompt. Wenn er nicht beide Hände zum Kochen brauchen würde, hätte er seinen Widerstand gegen diese Aussage mit demonstrativem Verschränken der Arme untermauert.
„Wer denn dann? Die Heinzelmännchen, vielleicht?" Cuddy hob eine Braue.
„Es gibt keine Heinzelmännchen, Cuddy..."
„Ach was." Sie verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. Sie hatte ja ihre Arme frei.
„Doch doch... Und der Weihnachtsmann ist auch bloß ne Erfindung der Medien..."
„Ich bin schockiert. Also, da wir nun dich, die Heinzelmännchen und den Weihnachtsmann ausgeschlossen haben, wer hat den-"
„Cameron.", unterbrach House sie grinsend.
„Cam-eron?" Ungläubig sah sie ihn an. „Bitte sag mir, dass du Cameron nicht dazu gezwungen hast, für dich meinen Tisch zu decken."
House runzelte gespielt verwirrt die Stirn. „Aber genau das sagte ich doch eben, oder? War gar nicht so schwer sie dazu zu bringen..." Halbherzig unterdrückte er ein Grinsen. „ Hab sie glauben lassen, sie würd den Tisch für sich und mich decken... Oder hast du wirklich gedacht, ich würde tatsächlich meine kostbare Zeit damit verschwenden, Servierten zu falten?"
Statt zu antworten schenkte Cuddy ihm nur jenes Lächeln, das sie immer dann für ihn bereit hielt, wenn sie glaubte, er hätte soeben etwas von sich preisgegeben von dem er nicht wollte, das sie es wusste. Wie damals als er nach ihrem Blind-Date vor ihrer Tür gestanden hatte und sie ihn gefragt hatte, ob er sie mochte...
Dementsprechend misstrauisch blickte er sie an. „Was?"
Selbstzufrieden leckte sie sich über die Lippen, wie eine Katze, die grad den Kanarienvogel erfolgreich entdeckt, gefangen und verschlungen hatte. „Du hast den Tisch selbst gedeckt."
House rollte mit den Augen. „Ich hab doch-"
„Keine Frau faltet so lieblos Servierten, House.", schnitt Cuddy ihm immernoch lächelnd das Wort ab und richtete sich, den nahen Triumph vor Augen, wieder auf. „Du warst es... Also planst du was... Und du planst immer dann was, wenn du was willst... Was willst du, House?"
Plötzlich, nahezu unmerklich,veränderte sich die Atmosphäre des Raumes und die amüsierte Gelassenheit, mit der sie sich soeben noch gegenseitig aufgezogen hatten, löste sich auf. Schweigend holte House eine kleine Schmuckdose aus seinem Jackett, welches er einfach neben sich auf die Küchentheke gelegt hatte, und reichte Cuddy die Schachtel. Aufmerksam betrachtete er sie, während sie das Döschen öffnete.
„Was?" Verwirrung spiegelte sich in ihrem Gesicht, wohingegen seines nicht die kleinste Gefühlsregung preisgab.
„Meine Eltern kommen Sonntag zu Besuch..." Seine Stimme war derart kühl, das sie die Raumtemperatur um ein paar Grad senkte.
Seine Eltern... Langsam glaubte Cuddy zu verstehen, was hier vor sich ging. Ruhig wartete sie darauf, das er weitersprach. Sie dachte daran, wie sie sich gefühlt hatte, als sie mit ihren Eltern essen waren... Und dabei kam sie im Gegensatz zu House sehr gut mit ihren eigenen Eltern sehr gut zurecht... Ihr wurde warm bei der Erinnerung, wie gut House sich bei dem Essen benommen hatte... Witzig und sarkastisch, wie immer, aber auch aufmerksam und zuvorkommend... und Liebenswürdig. Ihre Eltern hatten ihn gemocht, das hatte sie gespürt. Sie hatte ihn gemocht... Und gleichzeitig hatte sie seinen scharfen Zynismus, sein Konflikt-Bedürfnis vermisst. Unmerklich schüttelte sie ihren Kopf, um ihn von ihren verwirrenden Gedanken zu befreien... Da hatte sie an einem Abend ein Dinner, mit dem lieben, aufmerksamen House und schon vermisste sie sein altes Ich?- Diese Ehe trieb sie echt langsam in den Wahn.
„...Ich hab schon einen Tisch für Sonntag um sechs bei dem kleinen Italiener hier um die Ecke reserviert, passt dir das?", führte er seine Erläuterungen fort.
„Aber sicher.", sie nickte leicht.
Sein Blick wich ihr aus. „Sie wollen Sonntag morgen weiter zu meiner Tante fahren, ich hab ihnen gesagt, sie könnten bei uns übernachten..."
„Kein Problem..." Cuddy runzelte besorgt ihre Stirn. Er sagte ihr nicht alles... „Was ist mit dem Ring?"
„Der Ehering meiner Großmutter.", sagte er ruhig. „Du solltest ihn tragen, wenn meine Eltern da sind."
„In Ordnung." Ihre Hand schloss sich um das kleine Kästchen.
Er starrte auf ihre dunklen Fliesen. Hinter ihm kochte zischend das Wasser seiner Spagetti über. Fluchend, doch froh über die Unterbrechung wandte er sich wieder dem Herd zu, stellte die Platte kleiner und rührte ein wenig im Topf. „Die Spagetti sind gleich durch...", murmelte er leise und dann, kaum hörbar, fügte er hinzu: „Ich will, dass sie denken, dass das mit uns funktioniert, Cuddy..." Er rührte seine Soße um, schmeckte ab und griff nach der Pfeffermühle, die neben ihm auf dem Tresen stand. „Ich möchte, dass meine Mutter denkt, ich sei glücklich. Wenigstens ein Mal..." Das Geräusch der mahlenden Pfeffermühle übertönte seine Worte nahezu. Wie von dem Strudel, der von ihm umgerührten Soße, hypnotisiert, starrte House in den Topf.
„In Ordnung...", murmelte Cuddy leise, nahm sich einen Teelöffel aus der Besteckschublade direkt vor ihr, reichte mit dem Löffel in die Soße und probierte erneut. „Es fehlt immer noch Salz, House" Sanft legte sie ihm die freie Hand auf seine Schulter.
„Wir sollten uns auf das Treffen mit meinen Eltern vorbereiten...", erklärte House eine halbe Stunde später und legte seine Gabel auf seinen leeren Teller. „Du weißt schon, unsere Geschichten abstimmen, Aussagen vergleichen, küssen üben..."
Cuddy verschluckte sich beinahe an ihrer letzten Spagetti. „Küssen üben?"
„Natürlich..." House nickte. „Es soll ja schließlich so natürlich wirken..."
„Und dafür brauchst du Übung?" Grinsend hob sie eine Braue.
„Ich nicht..." Grinsend hob auch er eine Braue, imitierte ihren Gesichtsausdruck. „Aber als ich dich in deinem Büro geküsst habe, oder letztens vor deinen Eltern, warst du noch etwas steif, Cuddles..."
Sie schnaubte. „Du willst doch bloß mit mir rumknutschen..."
„Sicher." Er grinste noch mehr. „Ich bin ein Kerl, das ist meine biologische Programmierung... Allein schon durch meine Gene kann ich nicht anders, als mich mit dir paaren zu wollen..."
„House."
„...aber da der nicht drin ist, nehm ich eben das was am Nächsten dran kommt...", sprach er ungerührt weiter. „Vielleicht wärst du beim küssen lockerer, wenn du nackt wärst..."
„House!" Warnend sah sie ihn an, konnte sich ein amüsiertes Lächeln jedoch nicht ganz verkneifen.
„Was?" Unschuldig blinzelte er sie an. „Ich versuche nur, dir zu helfen."
„Ja klar-"
Das fordernde Klingeln ihres Telefon hielt sie davon ab, seinen Kommentar mit einer würdigen Entgegnung zu belohnen. Da sie diesmal dem Telefon näher war, stand sie auf und nahm ab, nur um kurz darauf genervt die Augen zu rollen. „Für dich..." brummte sie und drückte ihm das Telefon in die Hand.
House nahm das Telefon entgegen. „Ja?" Dann runzelte er leicht die Stirn. „Wilson, was willst du?"
„Dir gratulieren, weil du so mutig warst...", erklärte Wilson vom anderen Ende der Leitung gutgelaunt.
House trommelte mit den Fingern auf dem Tisch, was Cuddy, die mittlerweile begonnen hatte, den Tisch abzuräumen, mit einem fragendem Blick quittierte.
„Deine Eltern kommen also Sonntag, ja?", hakte Wilson nach.
„Ja...", brummte House. Der Rhythmus seiner trommelnden Finger nahm zu. „Wir gehen mit ihnen essen... Ich hab schon eine Reservierung in einem Restaurant gemacht..."
„Also ein Familienessen, ja?"
„Ja.", antwortete House kurz angebunden. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, wie Wilson sich soeben auf seine Kosten amüsierte...
Wilson kicherte leise. „Gott, ich würd Geld zahlen, um das zu sehen... Vielleicht könntest du es für mich auf Video aufnehmen..." Er seufzte sehnsuchtsvoll bei diesem Gedanken. „Dann kann ich es mir ansehen auf meiner Großleinwand... und dabei Popcorn futtern... Wär bestimmt ein toller Abend..."
House wünschte sich, Cuddy hätte sein Messer noch liegen lassen, damit er damit durch die Telefonleitung Wilson hätte Schmerzen zufügen können. Große Schmerzen. Seine Augen wurden schmal. „In Momenten, wie diesen, möchte ich dich erwürgen..."
„Aber du wirst es nicht tun...", erklärte Wilson ihm heiter.
„Warum nicht?"
„Ich bin dein einziger Freund."
House schnaubte. „Mein einziger Freund?"
„Yeah", erwiderte Wilson mit einem unüberhörbaren Grinsen in der Stimme. „Ich bin der Ernie zu deinem Bert."
Genervt rollte House mit den Augen. „Hör auf soviel Kinderfernsehen zu gucken, Ernie, das ist peinlich." Völlig desinteressiert an einer Fortsetzung des Gespräches, legte House einfach auf.
Verwundert warf Cuddy ihm von der Küchentür aus einen Blick zu. „Ernie?"
Brummend nickte House. „Für den hält er sich jetzt... Wir müssen ihm dringend ne Freundin besorgen... Der arme Mann ist so einsam, er zieht sich bereits in eine Fantasiewelt zurück"
Cuddy hob eine Braue. „Deine Sprüche waren schon mal witziger, House..."
„Ich weiß." Er zuckte mit den Schultern. „Meine Eltern kommen zu Besuch, das deprimiert mich immer etwas..." Er versuchte möglichst deprimiert auszusehen. „Vielleicht könnte mich ein wenig Sex-"
„Nein, House!" Streng sah sie ihn an.
„Oder du ziehst dich einfach aus?"
Ohne ihn einer Antwort zu würdigen, drehte Cuddy sich hoch erhobenen Hauptes um und ging mit schwingenden Hüften zurück in die Küche.
„Ich könnte mir vorstellen,", rief er ihr hinterher. „dass deine blanken Zwillinge durchaus dazu in der Lage wären, mich wieder aufzuheitern...."
„Träum weiter, House!", rief Cuddy zurück.
„Das tue ich, Cuddy, das tue ich...", murmelte House grinsend, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und lehnte sich zufrieden und satt in seinem Stuhl zurück.
Soooo, wollte eigentlich die letzte Woche an meinem Uniprojekt weiterschreiben, bin aber doch immer wieder hierbei gelandet. Folgen: Ein neues Kapitel hierfür und fünf lausige neue Zeilen für mein Projekt... Oje..
Bin ein wenig unsicher, was dieses Kapitel betrifft, wäre also für Feedback furchtbar dankbar!- Apropos Feedback: Vielen herzlichen Dank an Phel, Steffi und doodledesk für eure lieben Zeilen an dieser Stelle. Ich konnte euch ja nicht sofort antworten, wie den anderen... Deshalb an dieser Stelle: Danke. Schön, dass euch meine Geschichte gefallen hat, hoffe dieses Kapitel enttäuscht euch nicht...
