Kapitel 7: Visitenkarten
Montag Morgen
„Cuddy"
„Mrhm..." Träge drehte Cuddy ihren Kopf ein Stückchen nach links, weg von der nervtötenden Stimme, die versuchte sie aus ihren Träumen zu reißen.
„Wach auf, Cuddy!" Die Stimme wurde immer penetranter...
Unter großer Anstrengung gelang es Cuddy ihr linkes Auge einen Spalt zu öffnen, nur um es im Angesicht des Urhebers der nervtötenden Stimme schnell wieder zuzupressen. „House.", stöhnte sie genervt.
Ihr persönlicher Albtraum saß aufrecht neben ihr im Bett und sah interessiert auf sie hinunter. „Du musst aufstehen, Cuddy!" Er fasste sie an der Schulter und schüttelte sie leicht.
„Mrmhp...", brummte sie unzufrieden. „Mein Wecker hat noch nicht geschellt..."
„Natürlich nicht... Und das wird er auch nicht...", erklärte House ihr trocken und schüttelte sie weiter. „Hab ihn ausgestellt..."
„Du hast WAS?" Plötzlich völlig wach, setzte Cuddy sich auf. „Wie spät ist es?"
„Sieben Uhr dreißig."
„Mein Wecker hätte vor einer halben Stunde klingeln müssen!"
„Gut, dass ich dich geweckt hab, was?" House grinste.
„Wär gar nicht nötig gewesen, wenn du meinen Wecker nicht abgestellt hättest..." Wütend starrte sie ihn an. „Was sollte das überhaupt?"
„Ich wollte ausschlafen..." Er zuckte mit den Schultern. „Dein Wecker hätte mich mitgeweckt..."
„Aber jetzt bist du doch sowieso wach!", rief Cuddy aufgebracht aus.
„Daher dachte ich, ich tu ein gutes Werk, und wecke dich..." Er sah wirklich sehr selbstzufrieden aus, gerade....
„Musst du immer das letzte Wort haben?", fragte sie, ihre Augen zu wütenden Schlitzen verengt. Am liebsten hätte Cuddy ihm sein selbstgefälliges Grinsen aus dem Gesicht gekratzt... Aber dafür hatte sie ja keine Zeit mehr, weil sie dank ihm verschlafen hatte...
„Ja."
„Aber heute wirst du´s nicht kriegen." Arrogant hob Cuddy eine Braue. Diesen Sieg würde sie ihm nicht auch noch gönnen.
„Ich glaube aber doch..."
„Woher dieses Vertrauen?"
„Weil ich die längere Ausdauer in solchen Dingen hab, Cuddles.", entgegnete er selbstsicher und grinste noch mehr.
„Bleibt abzuwarten..."
„Musst du nicht zur Arbeit?"
„Du nicht?"
„Ich bringe doch später meine Eltern zum Flughafen..." Sein Gesicht leuchtete vor Triumph. „Hab also noch Zeit, wie gesagt."
„Arf." Völlig entnervt warf Cuddy ihre Hände in einer Geste der Resignation in die Luft.
„Muhaha."
„Was sollte das denn jetzt?" Verwirrt sah sie ihn an.
„Das letzte Geräusch will ich auch."
„Krank." Sie warf ihn einen letzten pikierten Blick zu, bevor sie aufstand und sich auf den Weg in ihr Badezimmer machte
„Aber so befriedigend." Mit sich selbst und der Welt völlig im Reinen, schnappte House sich seine Pillen von dem Nachtschränkchen, schluckte eine und lies sich dann entspannt wieder unter seine warme Bettdecke gleiten...
„Guten Morgen, Lisa!" Lächelnd und mit unnatürlich wachen Augen betrat Blythe House die Küche, in der Cuddy soeben dabei war sich ihre erste Tasse Kaffee einzuschenken.
„Oh. Guten Morgen, Mrs. House..." Immer noch ein wenig müde blinzelte Cuddy ihr entgegen. „Sie sind aber früh wach..." ...Und auch noch gut gelaunt! Cuddy fand das unnatürlich... Sie selbst brauchte immer erst mindestens zwei Tassen Kaffee, bevor sie dem Tag freundlich begegnen konnte... „Ihr Flug geht doch erst am Vormittag."
„Ich bin vom Duft des frischen Kaffees geweckt worden und bin ihm dann bis hierher gefolgt..." Interessiert näherte sich Blythe Cuddy und ihrer vollen Kanne Kaffee.
„Wollen sie vielleicht eine Tasse?" fragend hob Cuddy eine Braue und öffnete den Hängeschrank schräg neben ihr, um eine zweite Tasse zu entnehmen...
Blythe nickte. „Gerne, danke." Sie nahm lächelnd die dargebotene Tasse entgegen und nippte ein paar Mal an dem heißem Getränk.
Ein paar Minuten herrschte friedliches Schweigen, während Cuddy und Blythe einvernehmlich ihren Kaffee tranken, bis Blythe die Stille brach: „Liebst du meinen Sohn, Lisa?"
Hustend verschluckte sich Cuddy an ihrem heißem Kaffee. „Immerhin habe ich ihn geheiratet...", schaffte sie es schließlich zu antworten.
„Ja, aber liebst du ihn auch?"
„Ja."
„Weiß Greg das?"
„Natürlich, er ist schließlich mein-"
„Er ist nicht wirklich dein Mann, nicht wahr? Ihr seit nicht wirklich verheiratet."
Sprachlos starrte Cuddy sie an.
„Ich kenne meinen Sohn sehr gut. Ich weiß wann er lügt und als er mir sagte, sie seien seine Frau, da log er mit absoluter Gewissheit."
„Wir sind verheiratet..."
„Doch seine Frau sind sie nicht.... Die Ehe war nicht geplant, nicht war?"
„Nein..." Geschlagen lies Cuddy ihre Schultern hängen und starrte in ihren Kaffee. „Wir waren zu betrunken, als das es hätte geplant sein können... Er ist mit mir verheiratet geblieben, um meine Glaubwürdigkeit im Krankenhaus zu schützen..."
„So selbstlos ist Greg nicht." Zur Verdeutlichung schüttelte Blythe leicht ihren Kopf. „Ich denke er ist mit ihnen verheiratet geblieben, weil er mit ihnen verheiratet sein will..."
„House ist nicht an einer Ehe interessiert. Schon gar nicht an einer Ehe mit mir... Es tut mir leid, aber glauben sie mir, wenn wir nicht gerade das 'perfekte Ehepaar' vortäuschen, herrscht bei uns alles andere als Harmonie."
„Harmonie würde ihn nur langweilen... Er liebt Konfrontationen... Nun, nicht unbedingt mit seinem Vater und mir..." Auf Blythe Gesicht legte sich ein melancholischer Ausdruck, denn sie aber schnell durch ein offenes Lächeln ersetzte. „Aber mit dir, da..."
„Das können sie laut sagen..." Cuddy schnaubte. Endlich ein Thema bei dem sie unbeschwert antworten konnte... „Wir streiten uns nahezu ständig..." Vor ihren Augen sah sie Houses selbstgefälligen Gesichtsausdruck von heute morgen, bevor sie ins Bad gegangen war...
„Du lächelst.", unterbrach Blythe ihren Gedankengang sanft.
„Was, ich...?" Verwirrt runzelte Cuddy ihre Stirn.
„Du streitest gern mit meinem Sohn, nicht? Du bist gern mit ihm zusammen..."
„Nun ja, ich..." Etwas hilflos zuckte Cuddy mit ihren Achseln.
„Willst du wissen, woran ich erkannt habe, dass eure Ehe nicht echt ist, Lisa?", wechselte Blythe urplötzlich erneut das Thema.
Cuddy betrachtete nur mit großen Augen.
„Als er am Telefon von dir gesprochen hat, war seine Stimme voller Sehnsucht... Und man sehnt sich nicht, nach etwas, dass man schon hat, nicht war?"
Wieder wusste Cuddy nicht, was sie sagen sollte.
„Du musst nichts sagen, Kind." Liebevoll lächelte Blythe ihre Schwiegertochter an. „Denk einfach über meine Worte nach..." Sie sah aus, als wolle sie dem noch etwas hinzufügen, doch Houses charakteristische Schritte, das Klicken seines Stocks auf den Holzpanelen, die die Treppe hinunterkamen, ließen sie verstummen.
„Darling, wo bist du?", flötete House fröhlich aus dem Treppenhaus heraus, bevor er gutgelaunt die Küche betrat. Beim Anblick seiner Mutter im Gespräch mit seiner Frau, stockte er einen kurzen Moment, fing sich aber schnell wieder und humpelte zu Cuddy. „Hier bist du ja!", grüßte er sie und sah dann seine Mutter an. „Guten Morgen, Mom... Na wenn das nicht meine zwei Lieblingsfrauen sind...." Lächelnd schlang er seinen linken Arm um Cuddys Schultern, beugte sich zu ihr und küsste sie leicht auf den Mund.
Amüsiert hob Blythe eine Braue. „Hör auf, zu schleimen, Greg. Wir kennen dich beide zu gut um auf diese Masche reinzufallen..." Sie zwinkerte Cuddy zu.
Montag Mittag
Durch die morgendlichen Ereignisse sehr nachdenklich geworden, drehte Cuddy ihre tägliche Runde durch ihr Krankenhaus etwas langsamer als sonst, nutzte die Zeit des Gehens um sich das Gespräch mit Blythe noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen...
„Glaubst du, das geht noch lange gut mit den beiden?", hörte sie plötzlich eine weibliche Stimme fragen. Die Stimme kam rechts von ihr aus dem Schwesternzimmer, auf das sie soeben zu ging. Und sie gehörte eindeutig Schwester Nadja, dieser Klatschbase...
„Was? Wer mit wem?", fragte eine andere weibliche Stimme atemlos zurück. Cuddy verdrehte ihre Augen, als sie auch diese Stimme identifizierte. Schwester Nora, die zweite im Bunde... Wo man die eine fand, war die andere nicht weit... House nannte sie nur die N&N´s...
„Na Cuddy und House!", lautete Nadjas leicht genervte Antwort und brachte Cuddy abrupt zum Stillstand. „Die sind erst fast zwei Monate verheiratet und schon herrscht bei denen Flaute..."
'Was?' Cuddy hob eine Braue.
„Was?", kicherte Nora. „Bei denen herrscht was?"
„Flaute, Nora.", erklärte Nadja ungeduldig. „Irgendwie tut Cuddy mir leid... Mit dem Bastard des Krankenhauses verheiratet und nicht mal Sex... Na ja, liegt wahrscheinlich an seinem Bein... Oder glaubst du, dass da großartig was bei denen im Bett läuft?"
'Diese miese kleine...' Cuddys Augen verengten sich zu Schlitzen. Gut, Nadja hatte recht, sie schlief nicht mit House, aber das konnte diese kleine Ziege schließlich nicht wissen... Cuddy konnte gar nicht so genau sagen, wieso Nadjas Worte sie so aufbrachten... Immerhin war diese für ihre Tratschgeschichten bekannt... Sie hatte bereits vorher damit gerechnet, das über ihre Ehe mit House geredet werden würde... Deswegen waren sie ja schließlich verheiratet geblieben...
„Ich glaub jedenfalls nicht, dass da noch was läuft...", fuhr Nadja, der ihr drohenden Gefahr völlig unbewusst, fort. „Die küssen sich nicht mal..."
Am liebsten würde Cuddy nun das Schwesternzimmer stürmen und den beiden Klatschbasen gehörig die Meinung sagen... Bevor sie jedoch ihrem Impuls folgen konnte, erblickte sie House, der soeben um die Ecke bog und nun auf sie zukam und eine neue Idee durchzuckte ihren Verstand.
'Flaute, ja?', dachte sie. 'Das wollen wir doch mal sehen...' Sie beschleunigte ihre Schritte und war in Windeseile bei ihrem Mann angelangt.
„Hallo Cuddy.", grüßte er sie grinsend und klopfte mit seinem Stock leicht auf den Boden. „Was kann ich-"
Ihr heißer Mund, der sich plötzlich auf seinen presste hinderte ihn am weitersprechen. Blitzschnell hatte sie ihre Arme um ihn geschlungen und sich eng an ihn gepresst...
Verwirrt zog House sich von ihr zurück, löste seine Lippen von ihren. „Cuddy, was...?"
Verärgert zog sie seinen Kopf zurück zu sich hinunter. „Küss mich gefälligst!", zischte sie leise gegen seinen Mund und drückte ihre Lippen wieder auf seine.
„Nicht das ich mich beschweren will, oder so...", gab er leise zur Antwort. „Aber was soll das Cuddy?" Trotz seiner offensichtlichen Verwirrung wegen ihres spontanen Ausbruchs der Leidenschaft in aller Öffentlichkeit, mittlerweile wurden sie mindestens von zehn Augenpaaren angestarrt, konnte er sich nicht davon abhalten seinen linken Arm um ihre schmale Taille zu schlingen und sie an sich zu ziehen...
„Wir führen eine gute Ehe, verstanden?", flüsterte sie und fing an seinen Hals zu küssen, da sie an seinem Mund anscheinend keine Fortschritte machen konnte...
„Was?", hauchte House, abgelengt von ihren Zärtlichkeiten.
„Wenn ich schon eine Scheinehe führe,", erklärte sie nah an seinem linken Ohr, bevor sie kurz an seinem Ohrläppchen knabberte „...dann wenigstens eine glückliche..."
„Genau wie unser Lieblings-Vorbild Britney Federline? Kannste haben..." Seine Hand glitt von ihrem Rücken zu ihrem Hintern. Er schlang auch seinen rechten Arm um sie, presste seine um den Stock geballte Faust leicht gegen die Kuhle in ihrem Rücken. In diesen Momenten verfluchte er seinen Stock... Er wünschte wirklich auch seine rechte Hand auf ihren wundervollen Hintern legen zu können... „Ich wäre sogar dazu bereit es in aller Öffentlichkeit auf einem Balkon mit dir zu treiben, falls dir das hilft..." Wenn Cuddy es auf eine Show angelegt hatte, wäre er der letzte, ihr so eine zu verweigern... Er neigte seinen Kopf zu ihr, küsste sie tief. Wer wusste schon, ob sich ihm je eine ähnliche Gelegenheit bieten würde?
„Sehr großzügig...", murmelte sie gegen seinen Mund nur um erneut in einem Kuss mit ihm zu versinken.
„Ein Wesenszug der sich in vielen meiner Tätigkeiten ausdrückt..." Er lächelte gegen ihre Lippen. Ihr Geschmack auf seiner Zunge lies ihn leicht werden. „Warte erst bis wir völlig nackt auf dem Balkon sind..." Er nutzte die Gunst des Augenblickes und machte sich über ihren Hals her, saugte an ihrer zarten Haut und fühlte ihren beschleunigten Puls gegen seinen Mund pochen. Ihr Geruch erfüllte ihn.
„Balkon?", fragte Cuddy seufzend, während sie sich an seinen Schultern festklammerte, weil sein talentierter Mund ihre Knochen zu weichem Wachs und ihren Versand zu Brei werden lies. Wieso genau machte sie das hier noch gleich?
„Balkon... Büro... Mir egal, so lang wir beide völlig nackt sind..." Er küsste sie erneut. Badete in ihrem Geschmack, wild entschlossen soviel aus dieser Situation zu machen, wie sie ihn lies...
„Nehmt euch ein Zimmer...", zerstörte plötzlich Cuddys neuste Assistentin den Moment. Wie hieß sie noch gleich? Benny? Berta?- Egal, sie brachte Cuddy dazu, sich von ihm zurückzuziehen und er konnte sie nicht leiden... selbst wenn ihr Name Angelina Jolie gewesen wäre... Verdammt, selbst dann, wenn sie Angelina Jolie wäre...
„Was?" Cuddy löste sich aus Houses Umarmung und wandte sich mit warnend erhobener Braue ihrer Assistentin zu. „Haben sie was gesagt, Brenda?"
Brenda... Richtig. House schenkte Brenda einen bösen Blick und versuchte Cuddy wieder an sich zu ziehen, doch sie trat einen Schritt von ihm zurück.
„Ähm...", druckste Brenda herum. „Ein Päckchen ist soeben für sie angekommen, Dr. Cuddy."
„Dr. House...", korrigierte House sie.
„Neeein." Brenda schüttelte ihren Kopf. „Das Päckchen ist eindeutig an Dr. Cuddy adressiert..." Sie sah ihre Chefin an. „Es liegt in ihrem Büro auf ihrem Schreibtisch."
House verdrehte überheblich die Augen und schnaubte. „Mag sein... Aber sie heißt nun Dr. Hou-"
„Danke Brenda...", unterbrach Cuddy ihn unsanft, nickte ihre Assistentin huldvoll zu und machte sich auf ihren Weg zu ihrem Büro...
Zehn Minuten später saß Cuddy hinter ihrem Schreibtisch und starrte fassungslos auf den Inhalt ihres Päckchens.
Visitenkarten.
10.000. Visitenkarten. Mindestens.
Kopfschüttelnd drehte sie eine davon zwischen ihren Fingern. Sie legte die Karte beiseite und begann das ganze Paket auszuräumen.
'Dr. Lisa House', war auf den Karten in schönster Druckschrift zu lesen. Sonst nichts. Nur diese drei Worte auf jeder. Einzelnen. Karte.
Auf dem Boden des Päckchens fand sie einen kleinen handgeschriebenen Zettel.
'Alles Gute zum Zweimonatigen', stand da in Houses lausiger Handschrift. Cuddy lächelte. Sie räumte sämtliche Visitenkarten bis auf eine wieder in die Box. Die übrige Karte steckte sie zusammen mit Houses Notiz in ihr Geheimfach in ihrem Portmonee.
GESCHAFFT! Boah, war das Kapitel anstrengend.... Wahrscheinlich steck´s voller Flüchtigkeitsfehler, weil ich es auf den letzten Drücker hochlade... Irgendwie hat das Schreiben echt ewig gedauert, heute! - Bin wieder ausgesprochen unsicher, was dieses Kapitel angeht, wäre also für Feedback unendlich dankbar!
