Epilog: Zwei ganz normale Samstage
Sechs Wochen zuvor, Samstag Nacht
Die Hände in ihre Manteltaschen vergraben schritt Cuddy langsam neben House den Strip entlang, zurück zu ihrem Hotel. Es war nicht weit und House hatte laufen wollen, und da er mit dem verkrüppelten Bein war, hatte sie nichts dagegen gehabt.
Alles funkelte so schön in Vegas, dachte sie. Besonders wenn es Nacht in Vegas war... Normalerweise machte die Nacht alles trübe... Nur in Vegas nicht... In Vegas war es so, als würde die Nacht die Stadt erst zum strahlen bringen. Liebevoll bedeckte sie mit ihrer Dunkelheit all die Verschmutzung und lies nur noch das strahlende Leuchten und den Glamour zurück... Cuddy schnaubte selbstironisch. Zwei Flaschen Schampus intus, und schon war sie eine Philosophin... Ihr Blick fiel auf ein Pärchen, welches gerade aus einer der vielen skurrilen Hochzeitskapellen hier am Strip kam. Sie trugen spitze Plastik-Ohren, lange dunkelgrüne Gewänder und ein glückliches Lächeln im Gesicht. Cuddy seufzte leise. „Ich glaub ich werde nie heiraten...", sagte sie gedankenverloren. „Ich bin zu kompliziert... zu stark... zu verrückt... zu mächtig..." In ihrer Stimme lag die Art verletzliche Sehnsucht, wie sie wohl nur zwei volle Flaschen Champagner freilegen konnte. Sie presste ihre Hände noch tiefer in ihre Manteltaschen.
„Ich würde dich heiraten...", brummte House, seinen Blick fest auf den vor ihm liegenden Strip gerichtet.
„Ja klar... „ Cuddy schnaubte erneut, diesmal sarkastisch. „Schließlich bist du noch viel komplizierter und verrückter als ich..." Bitter lachte sie auf. Sie hatten heute beide zu viel getrunken... „Wir wären DAS Traumpaar..."
Schweigend fiel House ein paar Schritte zurück und blieb schließlich ganz stehen. Das stetige Geräusch seines auf dem Boden aufschlagenden Stocks vermissend, drehte Cuddy sich suchend nach ihm um und runzelte fragend die Stirn, als sie ihn knapp vor einem Eingang zu einer weiteren Hochzeitskapelle stehen sah, die damit warb, Elvis den King persönlich als Priester engagiert zu haben. Und eine Klarheit, von der sie nie dachte sie in einem derart betrunkenen Zustand zu erlangen, durchfloss ihren Champagner getränkten Verstand. „Meintest du das etwa ernst?" Zögernd ging sie auf ihn zu.
Immernoch schweigend blickte House ihr in die Augen. Gerade dachte sie, er würde endlich den Mund aufmachen, um etwas zu sagen, da zerstörte plötzlich eine laute männliche penetrante Stimme den fragilen Augenblick zwischen ihnen beiden: „Take my hand, take my whole life too, for I can't help falling in love with you.", sang ein fetter alter Elvis unangenehm nah an Cuddys Ohr und griff nach ihrer Hand, um einen Kuss darauf zu plazieren, bevor er sie wieder los lies und House stattdessen kumpelhaft auf die Schulter klopfte.
House und Cuddy starrten den Elvis an, als wäre er eine alkohlbedingte Halluzination. Beinahe hätte Cuddy sich unsicher die Augen gerieben... Völlig geschockt blinzelte House zwei Mal in dem Versuch das seltsame singende, Cuddys Hände küssende Scheinbild zu vertreiben.
Doch der fette Elvis dachte gar nicht daran sich aufzulösen. „Ne süße Kleine haste dir da geangelt...", bemerkte er stattdessen augenzwinkernd und klopfte House nochmals auf die Schulter. „Also lass sie nicht entwischen, Kumpel, heirate sie gleich jetzt und der King persönlich wird euch nicht nur trauen.- Nein!- Der King gibt die auch einen Rabatt, weil ihr so heiß zusammen seid und weil ihr das tausendste Pärchen wärt, das der King in den Hafen der Ehe schicken würde..." Ein weiterer Schulterklopfer. Wenn er nicht so geschockt wäre, würde House ihn dafür mit seinem Stock verprügeln...
Vom fetten heiratswütigen Elvis völlig überfordert, starrte House Cuddy sprachlos in die Augen, versuchte Elvis für einen Moment auszublenden...
Hilflos und verwirrt zuckte Cuddy leicht mit den Schultern. „Vielleicht ist es Schicksal...
House hob eine Braue. „Das Schicksal erscheint uns in Form von Elvis?"
„Klar.", mischte sich Elvis breit grinsend ein. „Immerhin bin ich der King, die Stimme Gottes... Und ich rate euch, meine Schäfchen, lasst euch heute von mir zu einem Spottpreis vermählen." Er griff nach Cuddys und Houses jeweils linker Hand und führte sie zusammen.
House lächelte vorsichtig. „Dem Schicksal entkommt man eh nicht..."
Cuddy drückte seine Hand.
Ein Jahr später, Samstag Morgen
„Dir ist schon klar,", wandte House sich an seine Frau, die gerade zum mindestens hundertsten Mal an diesem schönen warmen Samstag morgen den Sitz ihrer Locken im Spiegel überprüfte. „Dass man normaler Weise nach Vegas durchbrennt um einer großen teuren aufwendigen Feier mit einer Unmenge Menschen, die man größtenteils nicht leiden kann, zu vermeiden?" Missmutig lockerte er seine Krawatte, die Cuddy nur Sekunden zuvor noch gerichtet hatte.
„Zwanzig Menschen sind keine Unmenge, House..." Cuddy warf ihm über ihren Spiegel einen Blick zu. „Und hör auf an deiner Krawatte zu zerren..."
House rollte mit den Augen, lies aber die Finger von seiner Krawatte. „Das sind zehn mal so viele Gäste, als überhaupt Personen bei unserer ersten Trauung dabei waren..."
„Stimmt nicht." Sie schob sich eine widerspenstige Locke hinter ihr Ohr, bevor sie aufstand und sich ihrem Mann zuwandte.
„Stimmt ja wohl, Cuddy... Nur du und ich, das sind zwei. Und zwei mal zehn si-"
„Du vegisst die Elvisse, House.", unterbrach Cuddy ihn grinsend.
„Elvisse?" Fragend hob House eine Braue.
„Yeah..." Cuddy grinste noch mehr und griff nach seiner losen Krawatte. „Den fetten alten Elvis, der uns getraut hat, der dünne indische Elvis, der mich zum Traualtar geführt hat und der fette junge Elvis, der dabei so schief 'Love me Tender' gesungen hat...Also waren wir bei unserer ersten Hochzeit zu fünft, House. Und nicht zu zweit." Triumphierend sah sie ihn an. „Ergo stimmt deine Rechnung nicht...." Nach ein paar Handgriffen saß seine Krawatte ordentlich. Zufrieden leckte Cuddy sich über die Unterlippe. „Mal abgesehen davon, dass es doch eine Schande wäre, die geplante Hochzeit noch abzusagen..."
„Für eine kluge Entscheidung wie diese ist es nie zu spät!" Mit einer Hand fasste er an den Knoten seiner Krawatte.
„House, wir heiraten in zehn Minuten. Außerdem haben wir doch schon alles bezahlt..." Sie schlug seine Hand weg. „Und bei einem Ehemann mit kalten Füßen greift die Geld zurück Versicherung nicht..."
Genervt rollte House mit den Augen „Erstens hab ich keine kalten Füße, sondern nur keine Lust mich von einem heuchlerischem Priester-"
„Friedensrichter, House. Wir werden von einem Friedensrichter getraut."
„Schön, von mir aus von einem heuchlerischen Friedensrichter, der keine Ahnung von der Ehe hat-"
„Anders als Priestern, ist Friedensrichtern erlaubt zu heiraten, House..."
„Könntest du bitte aufhören mich zu unterbrechen?" Frustriert lockerte er seine Krawatte nun doch wieder.
„Sobald deine Argumentationen weniger fragwürdig wird. Natürlich."
„Sehr großzügig..." Er wich geschickt ihren Händen aus, die erneut versuchten, seine Krawatte zu richten. „Also, wo war ich? Ach ja: Erstens will ich nicht von einem heuchlerischem Friedensrichter getraut werden..."
„Das Argument harkt immer noch..."
Diesmal ignorierte House ihren Einwand. „Und zweitens ist mir das Geld nicht so wichtig..."
„Pfft, nicht so wichtig..." Cuddy stemmte ihre Hände in die Hüften und bedachte ihn mit einem abschätzigen Blick. „Das sah bei deiner letzten Vertragsverlängerung mit dem Krankenhaus aber anders aus..."
„Könntest du das etwas deutlicher ausführen?"
„Du hast Stacy die Gehaltsverhandlungen führen lassen!"
„Aber doch nicht wegen des Geldes, Cuddles..." Er sah sie an, als würde er ihre geistige Zurückgebliebenheit wirklich sehr bedauern „Sondern um einen Interessenskonflikt zu vermeiden...", erklärte er ihr sehr langsam. „Weil du meine Frau bist aber auch mein Boss, weißt du? Das mein Gehalt jetzt etwas üppiger ist, war bloß ein Nebenprodukt meiner emotionalen Unsicherheit"
Cuddy schnaubte und hob arrogant eine Braue. „Nur komisch, dass dich dieser 'Interessenskonflikt' kein bisschen gestört hast, als du mich in meinem Büro vernascht hast...", erwiderte sie sarkastisch.
„Ich muss zugeben, ein wenig verwirrt hat mich das schon..." House grinste und zuckte mit den Schultern. „Ich wusste nie ob ich gerade mit meiner Frau schlafe, oder eine Überschicht mit meinem Boss schiebe..."
„Armes Häschen..." Sie schenkte ihm einen perfekt geheuchelten mitleidigen Blick und tätschelte beruhigend seinen Arm.
„Mach dich nur lustig über mich... Aber ich war ehrlich verstört...", schmollte House, konnte ein weiteres Grinsen aber nicht unterdrücken. „Ich finde wir sollten das so schnell wie möglich wiederholen, damit ich mein Trauma überwinden kann..."
„Ist das deine Meinung als Arzt?" Lächelnd strich sie mit ihrer Hand über seinen Arm, bahnte sich unauffällig ihren Weg hin zu seiner Krawatte.
„Ja, das ist sie." Er nahm ihre Hand von seiner Krawatte und presste einen Kuss drauf.
Kichernd stellte Cuddy sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn kurz auf den Mund. „Ich will deine Krawatte richten, House."
Seufzend lies er ihre Hand los. „Sag mir noch mal, warum ich das hier mache.", verlangte er mit leidendem Gesichtsausdruck.
„Weil du mich liebst?" Konzentriert zupfte Cuddy an seiner Krawatte rum.
„Und?"
„Reicht dir ewige Liebe etwa nicht?" Amüsiert blickte Cuddy ihm in die Augen.
House rollte mit den Augen. „Darum bleibe ich mit dir verheiratet. Aber warum heirate ich dich nochmal?"
„Weil dann unsere Eltern aufhör´n zu nörgeln, weil sie bei unserer ersten Hochzeit nicht dabei waren?"
„Wär mir egal... die seh´n wir eh kaum..."
„Hm.... Wegen der Geschenke?", schlug Cuddy vor.
Houses Augen leuchteten auf. „Erzähl mir mehr davon."
„Von den Geschenken?" Grinsend schlang Cuddy ihre Arme um seinen Nacken und küsste ihn erneut...
„Hey hey hey!", unterbrach Wilsons laute Stimme ihre Zärtlichkeiten. „Lass die Finger von der Braut, House... Geknutscht wird erst nach der Hochzeit!" Grinsend lehnte Wilson sich in den Türrahmen der nun weit offen stehenden Tür, sodass nun das unverständliche Gemurmel aus dem Trau-Saal neben an in den Raum schwappte.
„Du bist echt ne Plage...", knurrte House frustriert und warf seinem besten Freund und Trauzeugen einen strafenden Blick zu.
„Ich hab von dem Meister gelernt..." Unberührt verschränkte Wilson die Arme vor der Brust. „Also, seit ihr soweit?"
„Ja." Cuddy drückte einen kleinen Kuss auf Houses Kinn. „Sag dem Friedensrichter, wir kommen sofort..."
„In Ordnung..." Gerade wollte Wilson die Tür wieder hinter sich schließen, da rief House ihn zurück: „Ach Wilson?"
Er drehte sich wieder um. „Ja?"
„Was schenkst du uns?" Fragend hob House eine Braue, während Cuddy ihm grinsend einen Seitenstoß verpasste, den er aber geflissentlich ignorierte...
„Die Espresso-Maschine habt ihr doch schon bekommen..." Grinsend warf Wilson House einen letzten Blick zu.
„Verdammt, Cuddy.", hörte Wilson House noch brummen, bevor die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. „Wehe, ich bekomme von meinem Team noch einen Erste-Hilfe-Kasten..."
ENDE
jep, Ende ^-^
Geschafft! Danke an alle, die so lieb waren mich mit ihren Reviews beim Schreiben mental zu unterstützen. Es war mir eine Freude dies alles mit euch zu teilen!
Hoffe, wir sehen uns erneut beim Review zu diesem Kapitel (Ja, ich kann´s immer noch nicht lassen, ich LIEBE reviews! ^-^) oder ansonsten vielleicht bei meiner nächsten Geschichte...
Liebe Grüße, und noch einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag.
