Wie immer besten Dank an die treuen Reviewer.
Zu den Fragen:
Alter Muggel: Natürlich hast Du recht. Aber nach dem Grundsatz, einfach mal schnell die Idee zu einer FF umzusetzten, ohne große Rücksicht auf solche „Kleinigkeiten" zu nehmen, nahm ich eben das, was mir am schnellsten in den Sinn kam. James Evans ist zwar ausgelutscht, aber trotzdem sinnig und passend in dieser Situation...
Pantai: Interessante Ansätze und so gar nicht weit daneben...
KRS 96: Du hast recht. Leider! Mit ein Grund weshalb ich selber welche schreibe.
Kathleen und Hermine Potter, sowie Masternoop: Danke!
Cute_Lily: Auch Dir meinen Dank! Ausführlicher an anderer Stelle (Du-Weisst-Schon-Wo) ;-)
Dieses Kapitel ist (noch) nicht betagelesen, wird aber – nach erfolgter Kontrolle durch Black Panther – ausgetauscht.
Kapitel 3 – Überraschende Rückblicke
Lange Zeit herrschte Stille in dem Konferenzsaal, während die Anwesenden konzentriert die komplizierten Paragraphen des Kriegsrechtes der IVZ studierten. Ab und zu hörte man das Rascheln der umgeblätterten Seiten. Hermine schien sich noch immer nicht mit der neuen Situation angefreundet zu haben. Immer wieder hörte Remus von seiner Sitznachbarin ein missbilligendes Schnauben oder sah mit einem Seitenblick, dass die Braunhaarige leicht den Kopf schüttelte.
Remus konnte sich schwer auf den Text konzentrieren, denn immer wieder schlich sich ihm Hermines Situation in seine Gedanken. Besorgt musterte er ab und zu die junge Frau, die mit zu Schlitzen verengten Augen die Paragraphen auf den Seiten überflog. Er wusste, dass Hermine mit ihrem hervorragenden Intellekt, ihrer unübertroffenen Kombinationsgabe und dem großen Wissen eines langjährigen Bücherwurms eine wichtige Rolle in der Kommission spielen sollte. Der Schock, dass einer der „Schwarzen Engel" sich als Harry entpuppte saß auch bei ihm noch tief. Wie stark musste Hermine erschüttert sein? Konnte die schlaue Hexe ihre verletzten Gefühle beiseite schieben? Konnte sie ihre irrationale Obsession, die Wut und den unterschwelligen Hass auf ihren ehemaligen Verlobten überwinden?
Remus schüttelte innerlich den Kopf und konzentrierte sich wieder auf seinen Text. Die Hälfte der zugestandenen Zeit war bereits verstrichen und er hatte noch einige Seiten zu lesen. Er konnte jetzt nicht mit Hermine reden, ganz zu schweigen davon, ihr helfen. Remus bezweifelte auch, ob Hermine ihm in dieser Sache überhaupt zuhören würde. Er hoffte nur, dass Harry, nein, Captain Evans, ihr die Sache in dem Einzelgespräch schmackhaft machen würde. Unter normalen Umständen wäre der Job die ideale Herausforderung für Hermine gewesen. Aber nicht, wenn das langjährige Ziel ihrer Wut und Enttäuschung nun ihr Vorgesetzter sein sollte.
Hermine hingegen gingen ganz andere Sachen durch den Kopf. Noch immer war sie wie betäubt und konnte sich kaum auf den Text konzentrieren. Harry wiederzusehen, den Mann, den sie mehr als alles auf der Welt geliebt hatte, der sie so damals so brutal aus ihrer glücklichen Traumwelt gerissen und in einen Abgrund aus Wut, Hass und Verzweiflung gestürzt hatte, hatte ihre Gefühlswelt in's Chaos gestürzt. Noch immer sah sie das Bild vor ihren Augen, wie er da vorne auf dem Podium stand, groß, hoch aufgerichtet, das Kinn erhoben, kalt und unnahbar. Sie verglich in Gedanken diesen Anblick mit dem jungen Mann, der so überrascht, und geknickt in der Ganzkörperklammer vor ihr Stand, als sie ihm seine Verfehlungen an den Kopf geworfen hatte. Nichts außer seinen grünen, tiefgründigen Augen und seinem feingezeichneten Gesicht, das in den letzten Jahren um einiges markanter geworden war, erinnerten mehr an den liebevollen, beschützenden und zärtlichen Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hatte und mit dem sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hatte.
Hermine zwang ihre Konzentration auf den Text zurück. Er wurde tatsächlich in Teilen geändert, seit sie ihn das letzte Mal gelesen hatte. So war die Todesstrafe für Befehlsverweigerung völlig gestrichen worden. Die reformierten Gesetze hatten andere Möglichkeiten, empfindliche Strafen zu verhängen. Die Todesstrafe für Verrat war allerdings geblieben. Eigentlich hätte man auch diesen Passus streichen können. Geheimnisträger wurden im Regelfall mit dem unbrechbaren Schwur gebunden und konnten keinen Verrat begehen. Andererseits wäre diese Vorgehensweise zu aufwändig um alle Mitarbeiter vor Verrat zu schützen. So würde auch das Weitergeben zufällig mitgehörter Informationen empfindlich bestraft.
Ansonsten hatte sich nicht viel geändert. Hermine wunderte sich, dass Potter drauf bestand, dass die Ermittlungs- und Eingreiftruppe, wie Hermine diese neue Abteilung insgeheim nannte, unter Kriegsrecht zu arbeiten hatte. Dann stieß sie am Ende der Seiten auf einen Passus, den sie noch nie gesehen hatte.
„Sind die Mitglieder der Kommission und deren unterstellten Mitglieder der Abteilung mit dem magischen Eid an die Ziele und Statuten der genannten Kommission gebunden worden, ist ihnen unter Kriegsrecht ausdrücklich erlaubt, zur Erreichung der Ziele, zum Schutze ihrer Kollegen und zum Schutze der zivilen Bevölkerung alle verfügbaren und notwendigen Mittel einzusetzen. Dazu zählen ausdrücklich die Unverzeihlichen Flüche, andere tödliche Zauber, Flüche und Artefakte, sowie mechanische Waffen. So lange die handelnde Person Mitglied der Truppe ist, kann und darf sie nicht für die Folgen dieser Handlungen bestraft werden."
Der Absatz ging noch weiter und behandelte ausführlich Situationen und Folgen. Bei genauer Betrachtungsweise hatten die Mitglieder völlige Handlungsfreiheit. Eingeschränkt wurde der Passus nur dadurch, dass die meisten Situationen durch den Leiter der Kommission abgesegnet werden mussten, auch wenn diese nachträglich geschah.
Hermines intelligenter Verstand brauchte nicht lange, um zu verstehen, warum Harry so auf dem Kriegsrecht bestanden hatte. Zu lange war sie mit ihm zusammen gewesen, zu oft hatte sie mit ansehen müssen, wie er wieder und wieder den schlimmsten Verbrechern der Zaubereigeschichte gegenüber stand, weil zu lasch mit diesen Kreaturen umgegangen wurde. Es war mehr als offensichtlich, dass Harry nicht daran dachte, Gefangene zu machen.
‚Was, um Merlins Willen, hat Potter so hart gemacht?' schoss Hermine ein beunruhigender Gedanke durch den Kopf. Früher betrauerte jeden Tod, egal ob er gezwungen war, selbst zu töten, oder ob jemand durch die Hand der Todesser starb. Selbst wenn die Opfer völlig unbekannt waren, konnte er in tagelange, tiefe Trauer versinken.
Hermine war noch zu keinem Entschluss gekommen. Sie fürchtete sich davor, in das Büro zu gehen und alleine Harry gegenüberzustehen. Sie hatte so gehofft, ihn nie wiedersehen zu müssen und endlich über ihren Schmerz und ihre Qual hinwegzukommen. Konnte sie eine so professionelle Einstellung an den Tag legen und ihm – wie jedem anderen – gegenübertreten? Konnte sie ihre Wut und Enttäuschung im Zaum halten?
Wieder und wieder schüttelte sie leicht den Kopf. Sie kam auf keine Lösung. ‚Mut, Hermine. Wo bleibt der sprichwörtliche Gryffindor in Dir?'
Ein Klappen der Türe schreckte sie aus ihre Gedanken hoch. Amanda Mowian trat mit geschmeidigen Schritten aus dem Büro und stellte sich an das Pult. Mit neutralem Gesichtsausdruck glitten ihre Augen über die Versammelten.
Eine halbe Stunde zuvor:
Die Tür schloss sich hinter Amanda und Harry. Harry trat an das große Panoramafenster und sah auf die Landschaft Schottlands. Hinter ihm setzte sich Amanda in einen der bereitstehenden Sessel. Erzürnt verengte sie die Augen. „James, was sollte den das eben. Seit wann bestehst Du auf Etikette und das Anreden mit dem Titel? Ich konnte nicht glauben was ich da hörte!" Amanda hatte die Stimme nicht erhoben, aber die Verwunderung war deutliche herauszuhören.
Harry fuhr herum und fixierte sie mit einem stechenden Blick. „Amy, das geht Dich nichts an. Ich bin Dein Vorgesetzter und brauche meine Befehle nicht bei Dir zu rechtfertigen." zischte er. „Im Übrigen gilt dieser Befehl auch für Dich!". Sein Tonfall ließ keinen Zweifel, dass er seine Worte ernst meinte. Amandas Gesichtszüge verschlossen sich. Sie warf Harry einen wütenden Blick zu, ehe sich ihr schönes Gesicht zu einem neutralen Ausdruck wandelte. „Jawohl Captain Evans!"
Harry drehte sich wieder dem Fenster zu. Nach einer Weile erhob sich Amanda und trat hinter ihren Chef. Sie legte eine Hand auf seine Schulter. „James, was ist los mit Dir. Seit wir englischen Boden betreten haben, bist Du so anders geworden. Du hast nie erzählt, was Dich aus England weggetrieben hat. Seit ich Dich kenne, hast Du noch nie auf Deinem Rang bestanden. Du hast nie Deine meisterhafte Klasse und Dein Können vor anderen ausgespielt oder damit angegeben. Ich dachte vorhin, dass da ein völlig Fremder neben mir steht."
Harry reagierte nicht, schob aber auch nicht ihre Hand von seiner Schulter.
„James! Rede mit mir. Ich bin Deine Stellvertreterin. Wir müssen zusammenarbeiten und Du weißt, dass unsere gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit zum großen Teil durch unser Vertrauen zueinander so erfolgreich war. James, bitte! Oder soll ich lieber Harry sagen?"
Für Amanda war es ein richtiger Schock gewesen, als der Minister sie am zentralen Portschlüssel-Ankunftspunkt in Empfang nahm und James sofort mit Lord Potter angesprochen hatte. Die ganzen Jahre hatte sie den Mann nur als James Evans gekannt und er hatte nie zu erkennen gegeben, dass er der berühmte Harry Potter war, der Voldemort besiegt hatte.
Harry drehte sich um und Amanda erschrak, als sie in seine Augen blickte. Noch nie hatte sie bei ihm so viel Trauer, Enttäuschung, ja sogar Verzweiflung in seinen grünen Augen gesehen. Wenige Augenblicke später hatte Harry sich gefangen und strahlte wieder seine neutrale Aura aus. Seine Augen wurden unlesbar und hatten wieder die tiefgründige, faszinierend grüne Farbe.
„Ich werde nicht darüber reden Amy. Es ist nichts, was mit unserer Arbeit zu tun hat und wird unserer Zusammenarbeit auch nicht beeinträchtigen. Ich halte es für notwendig, die nötige Distanz zu wahren. Ich bin hier bekannt wie ein wieder auferstandener Merlin und kann gerne auf stehende Ovationen verzichten. Ich hatte nie geplant hierher zurückzukommen. Nun bin ich jedoch hier und werde meinen Job machen. Aber ich werde das auf meine Weise tun. Und um Deine Frage zu beantworten: Ich bin Captain James Evans. Harry James Potter ist vor langer Zeit gestorben." Den letzten Satz flüsterte er und Amanda konnte ihn nur mit Mühe verstehen.
Amanda nickte enttäuscht. So gut kannte sie James und wusste, dass er zu diesem Thema nicht mehr sagen würde. Was war das nur geschehen, was diesen faszinierenden Mann so reagieren ließ?
Amanda rief die letzte halbe Stunde im Konferenzraum in ihr Gedächtnis zurück. Sie hatte die besondere Gabe, im Nachhinein alles Geschehene wie einen Muggelfilm wieder aus ihrem Gedächtnis abzurufen. Details, denen sie keine Beachtung geschenkt hatte, konnte sie so wieder analysieren. Diese Gabe hatten ihr und James schon oft geholfen.
Harry starrte immer noch aus dem Fenster. Sie setzte sich wieder, während sie nachdachte. Der Eintritt in den Konferenzraum, die Rede des Ministers, alles lief vor ihrem inneren Auge ab. Sie konnte nichts Auffallendes entdecken. Auch ihre Vorstellung lief völlig normal ab. Dann war James an der Reihe. Natürlich waren die Leute überrascht, den Bezwinger Voldemorts zu sehen und natürlich ließen sie ihrer Begeisterung freien Lauf. Sie standen sogar auf, um zu applaudieren. Doch halt. Da störte etwas den Gesamteindruck. In der Mitte der zweiten Reihe saß eine hübsche Hexe kreidebleich auf ihrem Platz. Weder war sie aufgestanden noch applaudierte sie. Sie sah nur völlig erstarrt auf James. Eine solche Reaktion war auch durch die Berühmtheit James nicht zu erklären. Sollte sie James näher gekannt haben? War sie der Grund der plötzlichen Verschlossenheit James'?
Amanda beschloss, die Braunhaarige weiter zu beobachten. Die erste Gelegenheit würde sich bei den folgenden Einzelgesprächen ergeben.
Amanda schreckte aus ihren Gedanken auf. James stand vor ihr. Sie registrierte erstaunt, dass ein kleines Lächeln seine Mundwinkel umspielte. Anscheinend hatte er sich wieder gefangen und sie hatte überhört, dass er sie angesprochen hatte. Fragend sah sie zu ihm auf.
„Ich sagte, es ist Zeit. Du kannst den ersten hereinholen."
Amanda erhob sich aus ihrem Sessel. Harry schritt zu dem imposant großen Schreibtisch und setzte sich dahinter. Auch das war eine Neuerung. Dei letzten Male, als sie diese Einzelgespräche führten, geschah dies fast von Gleich zu Gleich, meist in einer Sitzgruppe und in fast freundschaftlicher Atmosphäre. James hatte die einzigartige Gabe, selbst in einem freundschaftlichen Gespräch nie einen Zweifel daran zu lassen, wer die Autorität inne hatte. Trotzdem hatte man nie das Gefühl, er wäre überheblich oder gar arrogant und seine Untergebenen liebten ihn, trotz seines erheblich jüngeren Alters, dafür.
Es wurde ein langer Tag für die beiden IVZ-Agenten. Amanda bewunderte die Menschenkenntnis, die Harry in diesen Situationen bewies. Mit schlafwandlerischer Sicherheit stellte er die Fragen und zeigte jedem Kandidaten auf, wo seine Stärken und Schwächen lagen. Dieses, für die IVZ unübliche Verfahren, war von James eingeführt worden. Jede neugegründete Operationseinheit wurde zu Beginn diesem Verfahren unterzogen. Keiner konnte sich der Ausstrahlung des Schwarzhaarigen entziehen. Wer sich überschätzte, wer mit Können und Wissen übertrieb, wurde von James gnadenlos in die Schranken verwiesen. Oftmals funktionierte der Test auch in die andere Richtung. Mehr als einmal hatte James Talente aufgedeckt, von denen die Protagonisten selbst keine Ahnung hatten.
Noch nie hatte sich James in einem seiner Kandidaten geirrt. Amanda verdächtigte ihren Vorgesetzten schon lange, dass er bewusst oder unbewusst eine besondere Art des Legilimens einsetzte. Irgendwie schien James diese Art des „Gedankenlesens" völlig anders einzusetzen als der ganze Rest der Zaubererwelt. Mehr als einmal hatte er seine Mitstreiter aus Gefahrensituationen gerettet, in dem er „spürte", dass etwas nicht in Ordnung war. Mit Amanda kommunizierte er manchmal über eine Art „Gedankenband". Sie empfing keine Worte, aber ein untrügliches Gefühl, was James wollte. Auch ihre Kollegen hatten davon schon berichtet. Es war ein Mysterium, das den Schwarzhaarigen umgab, aus dem auch sonst keiner so richtig schlau wurde.
Wie er allerdings die verborgenen Talente seiner Gegenüber erkannte, war und blieb ein Rätsel. Fragen in diese Richtung beantwortete James nie, genau so wenig wie Fragen nach seinem Privatleben oder gar seiner Vergangenheit.
Zu Beginn der Einzelsitzungen bekam Amanda von James ein Pergament mit einer Liste von Personen, die zuletzt aufgerufen werden sollten. Dies war noch eine Änderung im normalen Ablauf, da ansonsten immer die alphabetische Reihenfolge eingehalten wurde. Aber bei dieser Mission schien sowieso nichts normal zu sein. Amanda brauchte nicht auf den Zettel zu sehen. Sie war sich auch so sicher, dass diese braunhaarige Hexe mit darauf stehen würde.
In der Zwischenzeit waren im Konferenzsaal Getränke und Snacks serviert worden und die Leute überbrückten die Wartezeit mit Gesprächen in kleinen Gruppen. Sie waren nicht informiert worden, dass die angekündigte alphabetische Reihenfolge geändert worden war. Hermine, die sich ziemlich am Anfang wähnte und deshalb entsprechend nervös, registrierte verwirrt, dass nach Sean Cafu und Meredith Fremont nicht sie aufgerufen wurde, sondern Mike Harrington. Sie runzelte die Stirn und fragte sich ob sie vergessen worden wäre. Dann zuckte sie mit den Schultern. Da die aufgerufenen Leute nicht zurückkamen, würde man schon am Ende noch jemand übrig war.
Remus, der ihr Stirnrunzeln bemerkt hatte, warf ihr einen fragenden Blick zu. „Ich fragte mich nur, weshalb ich nicht vor Harrington hineinmusste. Sie scheinen mich vergessen zu haben. „Nein Ms. Granger, Sie wurden nicht vergessen." Hermine fuhr herum und sah sich dem weiblichen „Schwarzen Engel" gegenüberstehen. Amanda musterte sie kurz bevor sie fortfuhr. „Der Captain möchte mit einigen Personen zuletzt sprechen."
Hermine musterte ihr Gegenüber. Die IVZ-Agentin war wirklich überaus attraktiv, so dass sich Hermine wie eine graue Maus vorkam. Trotzdem haftete dem „Schwarzen Engel" eine fast maskuline Autorität an, der sie sich kaum verschließen konnte. Selbst die magische Macht, die zweifellos in dem zierlichen, durchtrainierten aber absolut fraulichen Körper steckte, war fast körperlich spürbar. Hermine gab sich einen Ruck uns streckte ihre Hand aus. „Hermine Granger ist mein Name. Amanda, wenn ich richtig verstanden habe?"
Amanda verzog das Gesicht. „Leutnant Mowian! Sie haben den Captain gehört Dr. Granger. Glauben Sie mir, sie wollen nicht wissen, wie er reagiert, wenn sie seine Befehle missachten."
Nun war es an Hermine, das Gesicht zu verziehen. Trotz des harschen Kommentars hatte sie den Eindruck, dass hinter der professionelle Härte der Schwarzhaarigen ein umgänglicher Kern zu finden war. „Ich habe den Eid noch nicht geleistet und es sieht nicht so aus als ob ich das tun werde."
Amanda hob eine Augenbraue. „Es ist ihre Entscheidung. Es wäre allerdings schade. Ich habe auch Ihre Akte studiert und dachte nicht, dass sie eine solche Herausforderung nicht ausschlagen würden."
„Oh, Sie irren sich nicht. Es liegt nicht an der Herausforderung. Im Gegenteil, es interessiert mich sehr. Allerdings kann ich nur mit guten Ergebnissen arbeiten, wenn mir meine Vorgesetzten sympathisch sind. Und damit meine ich nicht Sie, Leutnant Mowian." ließ sie direkt einen Schuss ins Blaue hinaus.
Stolz registrierte Hermine das überraschte Aufblitzen in den blauen Augen. Damit hatte die Agentin wohl nicht gerechnet.
Remus und Tonks verfolgten angespannt die Unterhaltung der beiden Frauen und spürten, wie sich langsam eine Spannung aufbaute.
Amandas Augen wurden erschreckend kühl. „Ich scheine mich doch zu irren Dr. Granger. Ich hatte Sie nicht für oberflächlich gehalten. Ich werde sie allerdings jetzt nicht darüber aufklären, wie sehr Sie sich in Captain Evans irren. Aber selbst Sie können nicht anhand einer kurzen Begrüßungsansprache den Charakter eines Menschen einschätzen. Leider ist meine Befehlsgewalt zu einem gewissen Grad eingeschränkt, so lange Ja...Captain Evans anwesend ist, sonst hätte ich ie von Ihrem Vertrag entbunden und Ihnen freigestellt zu gehen. Oberflächlichkeit ist das letzte, was wir in diesem Team gebrauchen können."
Hermine zuckte unter der Zurechtweisung zusammen und wusste, dass sie zu weit gegangen war. Bevor sie sich jedoch entschuldigen konnte, griff Remus in die Konversation ein. „Leutnant Mowian, Ms. Granger ist alles andere als oberflächlich. Ihre Abneigung hat mit Geschehnissen aus der Vergangenheit zu tun, die sie bis heute nicht verarbeitet hat und an die sie heute wieder erinnert wurde."
Amanda sah kurz zu Hermine, dann nickte sie, bevor sie sich umdrehte und mit dem nächsten Kandidaten im Büro verschwand.
„Remus!", zischte Hermine nun ungehalten. „Was sollte das, ich kann mich sehr gut selbst verteidigen."
„So! Da hast Du aber grade nicht viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Wie soll das werden, wenn Du erst Harry gegenüberstehst? Reiß Dich gefälligst zusammen. Du kannst nicht ewig die Verletzte und Beleidigte spielen."
„Ich bin aber verletzt. Das weißt Du. Ich will da nicht rein." Unsicherheit und Verzweiflung sprachen aus Hermines braunen Augen.
„Du hast den magischen Vertrag unterschrieben. Du weißt, dass Du da rein musst. Nur dann kannst Du von dem Vertrag entbunden werden oder weitermachen. Ich hoffe inständig, dass Du uns nicht im Stich lässt. Wir brauchen Dich und das weißt Du." fuhr Remus sie nun an, dem das Thema gehörig auf die Nerven ging. Warum war Hermine nur so stur? Sie war nicht die einzige, die betrogen wurde. Nach drei Jahren sollte sie doch langsam darüber hinweg sein.
Hermine wirkte nachdenklich. Noch nie im Leben hatte sie jemanden im Stich gelassen. Sie würde heute nicht damit anfangen. Sie hatte Remus zugesagt und sollte, wenn menschenmöglich, ihre Zusage auch einhalten. Im selben Moment beschloss sie, alles zu unternehmen und ruhig zu bleiben, die Sache anhören und dann zu entscheiden. Sie würde sowieso meist in der Zentrale eingesetzt und mit viel Glück würde sie Harry kaum über den Weg laufen. Sie konnte es auch Remus nicht nicht schwerer machen. Er hatte bestimmt ebenso einen Schock, Harry nach so vielen Jahren als „Schwarzen Engel" wiederzusehen.
Remus, der die Veränderung in ihrem Gesicht richtig deutete, entspannte sich ein wenig und drückte aufmunternd ihren Arm.
Während des Disputes hatte sich der Saal merklich geleert. Draco Malfoy, der wohl ebenfalls auf der ominösen „Gehen-Zuletzt-Rein-„ Liste stand, hatte alle seine Gesprächspartner in das Büro gehen sehen und schlenderte nun zu den drei Verbliebenen hinüber.
Hermine, die Draco seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatte, sah ihn skeptisch an. Sie wusste, dass Draco nie ein Todesser gewesen war, obwohl er mit dessen Idealen sympathisiert hatte. Zuletzt kam er mit weißer Weste davon, vor allem auch deswegen, weil Harry nicht gegen ihn ausgesagt hatte.
„Ich bin überrascht, dich bei den magischen Brigaden zu sehen, Malfoy." sagte sie in ruhigem Tonfall zu ihm, froh, einen Grund zu haben das bisherige Thema fallen lassen zu können.
„Ich bin nicht weniger überrascht, dass Du plötzlich aufgetaucht bist, Granger. Aber doch nicht so sehr, wie Potter als „Schwarzen Engel" wiederzusehen." antwortete Draco in seinem typischen schleppenden Tonfall. „Er scheint doch mehr auf dem Kasten zu haben, als alle von ihm gedacht haben. Selbst Voldemort scheint ihm gegenüber ein kleines Licht gewesen zu sein. Ich würde nicht einmal dem dunklen Lord zugetraut haben, die IVZ-Ausbildung bis zum Ende zu bestehen."
Hermine, genervt darüber, dass schon wieder Potter das zentrale Thema darstellte, fragte neugierig: „Was weißt Du denn über diese Ausbildung?"
„Ganz einfach Granger, ich habe ebenfalls probiert, als IVZ-Agent angenommen zu werden. Zufällig war Potter zum selben Zeitpunkt ins Ausbildungslager, wenn er auch nicht mit mir in einer Gruppe war. Er kam erst einige Wochen später. Und, bevor Du fragst und hämisch grinst, sage ich es Dir lieber gleich. Ich bin kläglich gescheitert undn habe das Programm schnellstens verlassen."
„Du warst mit Potter bei der Ausbildung?", entfuhr es Hermine, ehe sie es verhindern konnte.
„Potter Granger? Ich kann mich erinnern, dass ihr mal das Vorzeigepaar von Hogwarts wart. Und jetzt auf einmal Potter? Was hat denn unseren Goldjungen geritten, dass Du ihn auf einmal mit dem Nachnamen betitelst?" Dracos graue Augen sahen ehrlich überrascht zu Hermine.
„Du fragst am Besten nach den Stuten die er geritten hat" zischte Hermine worauf ihr Remus einen missbilligenden Blick zuwarf.
Irritiert schüttelte Draco den Kopf. „Stuten geritten? Ich verstehe nicht, was Du meinst. Welche Stuten?" Dann schien ihm ein ganzer Kronleuchter aufzugehen.
„Was denn? Der Goldjunge hat Dich betrogen? Das glaube ich jetzt aber nicht. Ich dachte nicht, dass Potter zu so etwas fähig wäre. Die ganzen Jahre war er doch nur auf Dich fixiert. Das war so etwas von offensichtlich, dass sich der ganze Slytherin-Gemeinschaftsraum köstlich über Eure Blindheit amüsiert hat." Draco setzte sein fiesestes Grinsen auf.
Hermine geriet schon wieder in Rage. „Abgesehen davon, dass es Dich überhaupt nichts angeht, ich habe ihn dabei erwischt. Ich glaube kaum, dass Du das in Abrede stellen willst."
„Granger, sorry, aber Du spinnst. Ich kennen niemanden, der dermaßen von allen möglichen weiblichen und nichtweiblichen Wesen angebaggert wurde, wie Potter. Ich gebe es ungern zu. Aber ich habe ihn immer bewundert, wie er damit umging. Es war, als ob alles um in herum nicht existierte. Er hatte immer nur Augen für Dich."
„Glaube was Du willst. Ich weiß was ich gesehen habe." zischte Hermine nun wieder und wandte sich Remus und Tonks zu, die das Gespräch schweigend verfolgt hatten. Doch Draco ließ sie nicht so einfach von der Angel. Er fasste an ihre Schulter und drehte sie zu sich herum.
„Weißt Du Hermine, ich hatte gute Möglichkeiten Potter im Ausbildungslager zu beobachten, was ich auch ausgiebig getan habe. Freizeitvergnügungen waren Mangelware und mir haftete dort immer noch der Ruf eines Todessers an. Nicht viele wollten mit mir etwas zu tun haben, schon gar nicht die holde Weiblichkeit. Ganz anders bei Potter. Er wurde umschwärmt, dass einem schlecht werden konnte. Und ich sage Dir was, da waren Zuckerstückchen darunter, wonach sich jeder Mann die Finger wundlecken würde." sagte Draco süffisant.
Hermine verdrehte die Augen. „Und warum erzählst Du mir das? Meinst Du es interessiert mich noch, mit wie vielen Frauen Potter auf die Matte ging?"
Nun grinste Draco. „Ich denke schon. Ich verwette mein ganzes Vermögen, und das ist nicht unerheblich, wie selbst Dir zu Ohren gekommen sein müsste, darauf, dass Potter nicht eines der weiblichen Wesen, selbst diese, die offensichtlich nur auf einen One-Night-Stand aus waren, auch nur berührt, geschweige denn unsittlich berührt hätte. Und Du kannst mir glauben. Ein Fingerschnippen hätte genügt. Die ganze Hype schien ihn zu nerven. An den Abenden, wenn nicht gerade eine Ausbildung anstand, apparierte er weg und tauchte meist erst am anderen Morgen wieder auf. Er war ruhig, verschlossen und knüpfte kaum Kontakte. Ich fand heraus, wohin er verschwand. Ich hatte ja nichts anderes zu tun und machte es zu meinem Hobby, ihm hinterher zu spionieren. Kurz bevor ich die Ausbildung abgebrochen habe, fand ich ihn auf einer Lichtung in einem nahegelegenen Wald. Du wirst nicht glauben was er tat. Er saß auf einem moosbewachsenen Felsen, vor ihm brannte ein kleines Holzfeuer und spielte ... Flöte! Eine kleine Flöte mit einem hellen wunderbaren Klang. Er entlockte dem Instrument schwermütige Weisen, die ich nicht kannte. Ich habe selten ein traurigeres Bild gesehen. Eigentlich wollte ich mich ihm nähern und mit ihm reden. Als ich ihn von der Seite fast erreichte, war das Lied zu Ende. Ich stockte, denn er legte die Flöte zur Seite und griff nach einem Gegenstand, den er neben sich liegen hatte und betrachtete ihn lange. Ich konnte nicht genau erkenne was es war. Ich denke, dass es ein Bilderrahmen war. Aber das Material, aus dem der Gegenstand gefertigt war, hatte ich zuvor noch nie gesehen. Es schimmerte in allen Regenbogenfarben und schien sich wie flüssiges Metall ständig zu bewegen."
„Mythril. Der Rahmen war aus Mythril. Ich habe ihm diesen Rahmen mit einem Bild von mir zum Geburtstag geschenkt." flüsterte Hermine nun leise.
„Potter starrte ewig lange auf das Bild," fuhr Draco fort. „Er sah so traurig aus und wenig später liefen ihm dicke Tränen über die Wangen. Ich konnte nicht glauben was ich sah. Potter, der große leibhaftige Harry Potter weinte bitterlich. Das Bild war so traurig, dass ich fast mitgeheult hätte. Unter diesen Voraussetzungen wollte ich nicht, dass er mich sieht und schlich mich davon.
Am nächsten Morgen war er wieder da, und nichts deutete darauf hin, was ich die Nacht zuvor beobachtet hatte. Zwei Tage später brach ich die Ausbildung ab und habe ihn bis heute nicht mehr gesehen. Nun sag mir Granger, verhält sich so jemand, der seine Freundin betrogen hat?"
Hermine fixierte ihn. „Natürlich. Vielleicht hat er erkannt, was er mit seinem Verhalten kaputt gemacht und verloren hat. Das wäre doch genau die Reaktion von Reue oder?". Trotz der harten Worte klang eine gehörige Portion Zweifel in ihren Worten mit. „Aber Schluss damit. Ich habe gesehen, was ich gesehen habe..."
Bevor sie weiterreden konnte, ertönte die Stimme Amandas hinter ihnen. „Herrschaften, wenn ich unterbrechen dürfte?" Alle vier drehten sich um. Amanda lehnte am Türrahmen. Wie viel hatte sie mitbekommen, dachte Hermine erschreckt? Das Gespräch mit Draco hatte nicht zu ihrer Beruhigung beigetragen. Sie hoffte inständig, dass nicht sie jetzt an der Reihe war. Zu ihrer Erleichterung bat Amanda nun Draco in das Büro.
TBC
