Hallo meine Lieben, obwohl die Reviews etwas zu wünschen übrig lassen, belohne ich die Reviewer mit einem schnellen fünften Kapitel, da ich wider Erwarten doch noch etwas Zeit gefunden habe. All jene, die auf die direkte Konfrontation von Harry und Hermine hoffen, muss ich enttäuschen und auf eines der nächsten Kapitel vertrösten. Dafür kommt die Auflösung WARUM Harry in den Verdacht des Seitensprungs geraten ist.
Auf Grund meines Zeitdrucks gibt es keine Antworten auf Review-Fragen, aber ich denke ihr lest sowieso lieber die Story weiter oder?
Also Dank an die (wenigen) Reviewer und weiter geht's!
Kapitel 5 – Vergebliche Liebesmühe
Harry wusste, dass die nun folgenden zwei Gespräche die schwersten des heutigen Tages werden würden. Der alte Freund seiner Eltern und seines Paten und gleichzeitig der letzte verbliebene Marauder war ihm die Jahre vor seiner sprichwörtlichen Flucht aus England ein guter Freund geworden. Harry hatte immer bewundert, wie der Mann sein schweres Schicksal meisterte.
Er hatte Amanda nicht die Wahrheit gesagt, als er ihr vom Gespräch mit dem Präsidenten der IVZ erzählt hatte. Harry hatte sich mit Händen und Füßen gewehrt, nach England zurückzukehren. Die ganzen Jahre hatte er sich verbissen in seine Ausbildung gestürzt, war allen Bekanntschaften aus dem Weg gegangen, hatte sich selbst Zusatztraining verordnet, nur um möglichst viel Ablenkung zu haben und nicht nachdenken zu müssen. Selbst Schlaf vermied er so weit es ohne Folgeschäden möglich war. Hatten die schrecklichen Albträume, die ihn jahrelang jede Nacht heimgesucht hatten, nach dem Sturz Voldemorts schlagartig aufgehört, waren sie nach und nach wiederkommen, nur mit völlig anderem, aber nicht überraschendem Inhalt.
In allen möglichen Variationen träumte er von Hermine. Aber es waren keine schönen Träume. Hermine, wie sie ihn verhexte, Hermine wie sie ihn anschrie, fesselte und genussvoll folterte, Hermine, wie sie mit anderen Männern zusammen war. In allen Fällen konnte er sich nicht wehren, nein, nicht einmal die Hand gegen sie erheben. Aber allen Träumen war gemeinsam, dass er nicht reden konnte. Er wollte sie anschreien, anflehen sie um Verzeihung bitten, für etwas, wovon er keine Ahnung hatte, was er getan haben sollte. Danach wachte er immer schweißgebadet auf und wälzte sich stundenlang ruhelos im Bett. Noch immer wusste er nicht, weshalb Hermine ihn verlassen hatte, was sie so wütend gemacht und enttäuscht hatte.
Harry begann zu meditieren. In der Bibliothek der IVZ fand er unzählige Bücher zu diesem Thema. Fast jeder Volksstamm hatte seine eigenen Methoden, sich in Trance zu versetzten, den Geist zu beruhigen und die eigene Mitte zu finden. Schließlich entschied sich Harry für Thai Chi, eine Methode, die Meditation mit Bewegung verband. Nach und nach verblassten die Träume, wenn sie hin und wieder doch auch wieder auftauchten.
Eine weitere Hilfe war die kleine silberne Flöte, die Hagrid ihm einmal geschenkt hatte. Harry verstand es meisterhaft, sie zu spielen. Dies tat er nur, wenn er sicher war, dass ihn niemand beobachten konnte. Er hatte dazu eine kleine Lichtung gefunden, die zu diesem Zweck bestens geeignet war. Manchmal erlaubte er es sich sogar, ein Bild von Hermine mitzunehmen und in Träumen zu versinken - um nachzudenken, was hätte sein können. Doch immer wieder tauchte die selbe Frage auf. Warum? Um Merlins Namen, Warum?
Solche Abende halfen ihm. Zwar nicht zu vergessen, aber doch langsam aber sicher die Trauer in Melancholie zu wandeln. Fast zeitgleich mit dem Ende der Ausbildung hatte er sein Inneres soweit in Einklang gebracht, dass aus dem tiefen Schmerz nur noch Melancholie wurde. Er weigerte sich, darüber nachzudenken, warum Hermine ihn verlassen hatte. Er widerstand der Versuchung, sie zu suchen und zur Rede zu stellen. Sie hatte ihm deutlich gesagt, dass sie ihn nicht mehr sehen wollte. Der letzte Satz, den er von ihr gehört hatte, hatte in mehr verletzt, als jedes Wort zuvor. „Ich habe dich auch nie geliebt!"
Dann kam der Befehl, beim Präsidenten zu erscheinen und dessen Weisung, diese Kommission in England aufzubauen. Dies würde alle Bemühungen, mit sich selbst ins Reine zu kommen, zunichte machen. Aber alle Argumente, die Harry vorbrachte, waren wirkungslos. Er hatte niemandem erzählt, weshalb er sich plötzlich doch für die IVZ entschieden hatte. Das rächte sich jetzt, denn er hatte keine Argumente, diesen Befehl nicht anzunehmen. Er war nun mal die beste Wahl, diese Kommission zu führen.
So nannte er seine Bedingungen und packte seine Sachen. Wie immer auf solchen Missionen, wurde ihm Amanda als Stellvertreterin und rechte Hand zugeteilt. Eine Tatsache, die Harry zusagte, denn sie verstanden sich blind.
Harry machte sich keine Illusionen darüber, dass Amanda lange brauchen würde, um sein Geheimnis zu lüften. Aber eigentlich war es gleichgültig. Er würde wieder aus England verschwinden, sobald sein Job hier gemacht war.
Und wieder wurden seine Pläne sabotiert. Schon im Flur, als er sich mit dem Minister und Amanda unterhielt, spürte er ihre Anwesenheit. Als sie hinter ihm vorbeiging, atmete er ihren Duft, der immer seine Sinne betört hatte. Nie würde er diesen Geruch vergessen können. Ab diesem Moment wusste er, dass es schwer werden würde. Wie konnte er auch erwarten, dass gerade SIE in diese Kommission berufen werden sollte. Schweren Herzens fasste er einen Entschluss: Um des eigenen Schutzes Willen durfte er keine Emotionen an sich herankommen lassen und vor allen Dingen keine zeigen. Somit gab es nur eines. Den Vorgesetzten herauskehren, jegliches Private unterbinden, keine Vertraulichkeiten zulassen und auf Förmlichkeit bestehen.
Harry schreckte aus seinen Gedanken auf, die ihm in Sekunden durch den Kopf geschossen waren. Soeben hatte Amanda Remus seinen Platz zugewiesen. Harry verbannte alle Gedanken aus seinem Kopf und wurde wieder zu Captain James Evans.
„Mr. Lupin!", sagte Harry emotionslos. „Als leitender Mitarbeiter des englischen Geheimdienstes wissen Sie mehr über die Vorgänge, als die meisten anderen Kandidaten. Ich brauche Sie also nicht aufzuklären, was die Ziele und Aufgaben dieser Kommission sein werden. Deshalb habe ich nur zwei Fragen an Sie. Sind sie gewillt unter den angesprochen Bedingungen mitzuarbeiten und haben Sie alle Paragraphen des Kriegsrechtes, verstanden?"
Remus ging es nicht anders wie Tonks. Mit dieser kühlen Ansprache hatte er nicht gerechnet. Verunsichert sah er in die stechend grünen Augen. Langsam sickerte ein was Harry soeben gesagt hatte. Diese Situation hatte er sich völlig anders vorgestellt. Da saß dieser Junge – anders konnte er nicht von ihm denken - und behandelte ihn wie einen Fremden. Der Junge, den er schon als Baby in den Armen gewiegt hatte, um den er sich gesorgt hatte und der die letzten drei Jahre nie aus seinen Gedanken verschwunden war. Und statt ihn vor Freude in die Arme zu schließen, sollte er ihn nun als Vorgesetzten behandeln, wie ein Muggelsoldat seinen General.
„Harry...! Ich..." brachte er hervor.
Harry hob die Hand. In ruhigem Tonfall, aber mit Nachdruck unterbrach er Remus. „Mr. Lupin! Ich denke, ich habe mich vorhin deutlich genug ausgedrückt. Ich lege keine Wert auf persönliche Kontakte und bitte darum, dies zu respektieren. Sie haben mich mit Captain Evans anzusprechen!"
„Ich will verdammt sein, wenn ich das zulasse." Remus konnte seine Werwolfinstinkte nicht mehr unterdrücken. Er sprang auf und lief vor dem Schreibtisch hin und her. „Ich bin lange genug in diesem Geschäft und weiß verdammt noch mal, dass Du mein Vorgesetzter bist. Aber ich fasse es nicht, dass Du nach drei langen Jahren, ohne dass wir nur das geringste Lebenszeichen von Dir erhalten haben, einfach so erscheinst und tust als hätten wir uns nie gekannt. Bei allem Respekt SIR! Ich habe Deine Wünsche respektiert. So schwer es mir fiel, habe ich nicht nach Dir gesucht und Dich in Ruhe gelassen. Verdammt Harry! ICH habe Dir nichts getan, was diese Kälte mir gegenüber rechtfertigt. Ich war so stolz auf Dich und habe mich gefreut, als ich Dich da vorne stehen sah. Ich dachte daran, wie stolz James, Lily und Sirius gewesen wären, hätten sie Dich so sehen können. Und dann behandelst Du mich, wie einen dahergelaufenen Fremden? Tut mir leid Harry! So nicht. Für mich bedeutet Freundschaft noch etwas. SO werde ich nicht mit Dir zusammenarbeiten. Bei allem Respekt vor Deinen Leistungen, aber das ist nicht alles, was einen Menschen ausmacht. Du forderst Respekt ein? Du verlangst, dass man Dich mit Respekt behandelt? Dann tue das auch mit den Menschen, denen Du etwas bedeutest. Und stoße sie nicht so vor den Kopf."
Er trat dicht an den Schreibtisch heran, stützte sich mit beiden Händen darauf und sah Harry in die Augen.
Leise sagte er: „Captain Evans, mit allem gehörigen Respekt, ich verzichte auf die Mitarbeit in ihrem Team." Dann drehte er sich um, ging zur Türe und versuchte sie zu öffnen.
Harry vergrub das Gesicht in seinen Händen. „Remus, Du kannst da nicht raus. Entweder Du nimmst den Portschlüssel der Kommissionsmitglieder oder den nach Hause. Im letzten Fall wirst Du dich an die letzten Stunden nicht mehr erinnern können. Ich denke, es ist besser Du tust letzteres." sagte er leise. Er nahm ein Pergament und legte es auf die Schreibtischkante. Dann stand er auf und sah wieder einmal aus dem Fenster hinaus.
Remus drehte sich um und starrte den Rücken des jungen Mannes an. Einige Minuten schwiegen beide. Dann gab sich Remus einen Ruck und setzte sich wieder auf den Stuhl.
„OK, ich werde den Portschlüssel nach Hause nehmen. Da mein Gedächtnis an diese Begegnung eh gelöscht wird, kannst Du mir wenigstens erzählen, was passiert ist. Ich werde mich ja nicht mehr erinnern können, aber vielleicht hilft es, mir etwas weniger Sorgen zu machen." sagte er bitter.
Lange Zeit reagierte der Schwarzhaarige nicht. Dann drehte er sich mit einem tiefen Seufzer um. Mit einer leichten Handbewegung legte er einen Schall- und Verriegelungszauber über den Raum und setzte sich wieder auf den Stuhl. Er wusste ja, dass das Gespräch mit Remus nicht einfach werden würde. Aber DAS war jetzt gewaltig in die Hose gegangen.
„Ok, vielleicht hast Du recht. Ich werde aber dieses Gespräch nur einmal führen. Ich werde Dir nicht alles beantworten können, aber versuchen wir es. Was willst Du wissen?" sagte er resigniert.
„Wo Du warst, weiß ich ja mittlerweile. Aber weshalb bist Du verschwunden? Ohne Abschied, nur ein nichtssagendes Pergament zurücklassend?" fragte Remus frustriert.
„Ich kann Dir nicht sagen warum. Aber ich hatte für England genug getan. Ich wollte dem Rummel entfliehen und irgendwo untertauchen, wo niemand den verdammten Jungen-der-lebt" vermutet."
„Auf einmal? Der Rummel war doch schon längst vorbei. Verdammt, Du hattest gerade erst eine Wohnung gekauft, Du wolltest mit Hermine zusammenziehen, und während des Umzugs verschwindet ihr beide. Du, nur ein blödes Pergament zurücklassend, Hermine ohne ein Wort. Ich kauf Dir diese Begründung einfach nicht ab." Natürlich wusste Remus sehr wohl, weshalb Harry England verlassen hatte. Er wollte aber unbedingt die Sicht von Harry verstehen.
„Bitte Remus, ich kann Dir nichts Genaueres sagen, ich will nicht mehr darüber reden. Ich habe Jahre gebraucht, um wieder ein einigermaßen ein ausgeglichenes Seelenleben zusammenzuflicken. Es würde nur wieder alte Wunden aufreißen. Es ist schon schlimm genug, dass ich dieses verdammte Gespräch noch mit Hermine führen muss. Was, verdammt noch mal, hat sie dazu gebracht, auch hier aufzutauchen?"
„Ich!" sagte Remus lakonisch. „Sie ist die Beste für diesen Job."
Harry rieb sich die Nasenwurzel. „Ich weiß, ich habe ihre Akte gelesen. Wie geht es ihr? Verheiratet? Kinder? Glücklich? Leider sind in den Akten die familiären Verhältnisse nicht aufgezeichnet. Die bekomme ich erst nach der endgültigen Verpflichtung der Mitarbeiter."
„Wie es ihr geht? Sie ist völlig geschockt, nach dem Du dich da vorne als schwarzer Engel entpuppt hast. Übtigens Gratulation dafür noch von mir. Ich bin sehr stolz auf Dich."
Harry nickte dankend.
„Sie ist geschockt? Weshalb interessiert sie das noch? Ich denke es ist ihr ziemlich gleichgültig, was ich mache. Ihre Äußerungen haben an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen." sagte Harry bitter.
„Da kommen wir der Sache schon näher, nicht wahr? Also war sie der Grund, weshalb Du verschwunden bist." Das war eine Feststellung, keine Frage.
Nun war Harry mit der Geduld am Ende. „Natürlich war sie der Grund. Was hättest Du gemacht, wenn deine über alles geliebte Verlobte, im selben Moment, wo Du das wunderbarste Hochzeitsgeschenk für sie klar gemacht hast, auftaucht, Dich anbrüllt, mit irgendwelchen Vorwürfen überhäuft, von denen Du nicht einmal verstanden hast um was es geht, Dir dann zum Schluss noch sagt, dass sie Dich nie geliebt hat und Dich nie wieder sehen will?
Ich wünsche meinem schlimmsten Feind nicht, so etwas zu erleben." den letzten Satz flüsterte Harry nur noch. Er sah auf und Remus erschrak über die tiefe Traurigkeit, die in den sonst so klaren funkelnden Augen lag.
„Hochzeitsgeschenk?" fragte Remus nach.
Harry nickte. „Du glaubst nicht, wie viele Bemühungen dahinter steckten, um das zu bekommen." Er griff in seinen Hemdausschnitt und zog eine Kette mit Anhänger vom Hals, die er vor Remus auf den Tisch warf. Remus betrachtete die feingliedrige Kette, an der ein schlüsselartiger Gegenstand hing. Er schien aus einem seltsamen Material zu bestehen. Es schimmerte in allen Regenbogenfarben und schien ständig zu verfließen. Remus dachte an das Gespräch mit Draco. „Ist das Mytril?"
Harry nickte. „Aber das ist nicht das Besondere daran. Das ist ein Schlüssel, den wohl auf der Welt kaum jemand bekommt. Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich meine Berühmtheit ausgenutzt. Und doch reichte das nicht aus. Ich benötigte noch einen Fürsprecher um diesen Schlüssel zu bekommen. Und ich fand einen. Den Scheich von Methebet. Remus, Du kannst Dir nicht vorstellen, welchen Schatz Du da in Händen hältst."
Remus zuckte mit den Schultern. „Es muss etwas sehr besonderes sein, wenn darum ein solcher Aufstand gemacht wird."
„Remus, wenn Du es wissen willst, musst Du mir den unbrechbaren Schwur leisten, mit niemandem je darüber zu sprechen." sagte Harry ernst.
„Spinnst Du? Was rechtfertigt solche Maßnahmen?" sagte Remus entsetzt.
„Du wirst es verstehen. Es gibt keine andere Wahl. Auch ich habe ihn leisten müssen und kann das Geheimnis nur Vertrauten weitergeben, die den Schur ebenfalls sprechen."
Remus atmete tief ein. „Ok, ich tue es." Die Prozedur war schnell erledigt.
„Nun Remus, was Du da in den Händen hältst, ist der Schlüssel zur Bibliothek von Alexandria."
Remus keuchte auf. „Das kann nicht sein! Diese Bibliothek ist schon vor 2000 Jahren untergegangen."
Harry grinste zum ersten Mal. „Ist sie nicht. Das war ein Meisterstück der ägyptischen Pharaonen, die, wie Du weißt, allesamt Zauberer waren. Sie haben den Untergang vorgetäuscht. In Wirklichkeit liegen die Schätze auf dem Meeresgrund, geschützt durch eine riesige Magische Luftblase und natürlich durch den Fidelius. Der Geheimswahrer ist schon klange tot, so dass der Fidelius nicht mehr von der Bibliothek genommen werden kann. Nur wer einen solchen Schlüssel besitzt, kann die Bibliothek betreten. Es exisitieren etwa noch 90 dieser Schlüssel.
Nur wenige Wissenschaftler dürfen die Bibliothek betreten und die Schätze sichten. Danach wird ihnen das Wissen um den Besuch genommen aber natürlich nicht darüber, was sie erforscht haben.
Einige wenige hochrangige Wissenschaftler haben einen eigenen Schlüssel. Die restlichen werden nach strengsten Kriterien ausgeliehen. Es hat mich Monate und unzählige Reisen gekostet.
Da mir Corinna noch einen großen Gefallen schuldete, schließlich hat sie ihren Job bei den Death Wings mir zu verdanken, hat sie bei einem Ihrer Onkel, eben diesem Scheich von Methebet, ein gutes Wort eingelegt, meinen Fürsprecher zu machen. Die Reisen mit mir hat sie fast ihre Ehe gekostet, da ihre Mann total eifersüchtig war und wir ihm die genauen Umstände nicht sagen durften.
Tja, den Rest besorgte meine Berühmtheit, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Ich dachte, dass dies für den wunderbarsten aller Bücherwürmer ein standesgemäßes, unschätzbares Hochzeitsgeschenk wäre."
Dann verdüsterten sich die Gesichtszüge von Harry. Fast flüsternd fuhr er fort: „Es war an diesem Nachmittag, als wir den Schlüssel endgültig in Händen hatten. Wir waren um die Mittagszeit zurück, früher als erwartet. Wir feierten den Erfolg mir einem kleinen Essen und einer Flasche Wein. Wir suchten gemeinsam Corinnas Mann auf und ich erklärte ihm die Situation. Natürlich nichts von dem Schlüssel, aber dass Corinna mir in einer dringenden Angelegenheit geholfen hatte und sie mir diesen Gefallen schuldig war. Ihr Ehemann war erleichtert und erstaunlicherweise verständnisvoll. Als er merkte, dass es sich bei seinem vermeintlichen Nebenbuhler um Harry Potter handelte, war er erleichtert. Er meinte, wenn er vorher gewusst hätte, dass Corinna in MEINER Begleitung war, wäre er nie eifersüchtig geworden. Schließlich wusste alle Welt, das nichts und niemand Harry Potter und Hermine Granger auseinander bringen könnte. Wie sehr er sich doch täuschte.
Corinna begleitete mich nach Hause, bedankte sich für das Essen und den Nachmittag mit einer Umarmung und apparierte zu ihrem Mann. Dann kam Hermine nach Hause und schrie mich an. Sie verhexte mich und ließ mich nicht zu Wort kommen. Ich hätte auch keine Ahnung gehabt, was ich sagen sollte, da ich gar nicht wusste, wovon sie redete. Sie verschwand einfach und ließ mich alleine. Ich stand da, mit dem wohl wertvollsten Hochzeitsgeschenk aller Zeiten und meine Braut war weg."
Lange Zeit sprach niemand. Harry, der sich wieder unter Kontrolle bringen wollte und Remus, starr vor Entsetzen. Seine Gedanken kreisten um Hermine und darum, was er Harry sagen sollte. Ihm selbst waren durch den unbrechbaren Schwur die Hände gebunden. Er wollte gar nicht daran denken, was wohl sein wird, wenn Hermine DAS erfahren würde.
„Harry! Ich bin entsetzt! Harry..."
Harry lachte freudlos auf. „Dann nimm das Gefühl mal 100 und dann weißt Du, wie ich mich fühlte. Ich wollte sterben. Ich stand mehrere Male auf dem Astronomieturm. Ich weiß bis heute nicht, was mich daran gehindert hat, zu springen. Ich habe es nicht getan. Stattdessen bin ich zur IVZ gegangen. Der Schmerz hat mir geholfen, diese Ausbildung zu überstehen und diese Leistungen zu erbringen. Ich bin nun das, was ich nie sein wollte. Ein Krieger, kalt und gefühl- und kompromisslos seinen Feinden gegenüber, hart und fordernd zu den Untergebenen. Dabei wollte ich nichts anderes sein, als ein liebevoller Ehemann und Vater mit einer glücklichen Familie. Einer Familie die ich nie hatte."
„Harry, ich weiß warum Hermine..." setzte Remus an.
„Nein Remus!", wurde er unterbrochen. „Es ist nicht mehr wichtig. Diese Zeit liegt hinter mir. Hermine hat ihre Entscheidung getroffen und nur Merlin und sie wissen warum. Ich habe mich monatelang nach dem Warum gefragt, bis ich dahinter gekommen bin, dass es nichts ändern würde, wenn ich es wüsste."
Resigniert ließ Remus die Schultern sinken. Er würde gerne helfen, aber die Situation war wirklich zu zerfahren.
„Was wirst Du nun mit Hermine tun?" fragte Remus leise.
„Ich werde nichts mit ihr tun. Ich werde ihr gegenübertreten wie Dir vorhin. Als James Evans, der nie eine Hermine Granger gekannt hat. Wir werden alle hoffentlich erfolgreich zusammenarbeiten und danach werde ich England wieder verlassen. Der schwarze Engel wird sich zurückziehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Hier ist kein Platz mehr für Harry Potter."
„Harry..."
„Nein Remus, sieh es ein. Harry Potter ist tot. Gestorben an jenem unsäglichen Nachmittag. Aus seiner Asche ist ein „Schwarzer Engel" entstanden. Und ...
... Schwarze Engel weinen nicht!"
TBC
